"Alle Nadeln an der Tanne", Fotocredit: ZDF/Stephan Schaar.
"Alle Nadeln an der Tanne", Fotocredit: ZDF/Stephan Schaar.

Alle Nadeln an der Tanne

mit Anna Loos und Marcus Mittermeier

Von wegen besinnliche Adventszeit: Als sich Maria (Anna Loos) kurz vor Weihnachten unerwartet um ihren Bruder Moritz (Marcus Mittermeier) kümmern muss, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Moritz hat unkontrollierbare Gefühlsausbrüche, die das Familienleben auf eine harte Probe stellen.

  • ZDF, Donnerstag, 17. Dezember 2020, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Sonntag, 29. November 2020

Texte

Stab

Buch    Uli Brée, Rupert Henning
Regie  Mirjam Unger
Kamera     Sebastian Thaler
Ton   Thorsten Bolzé
Musik Iva Zabkar
Schnitt    Benedikt Rubey
Szenenbild     Patrick Steve Müller
Kostüm   Petra Hanslbauer
AufnahmeleitungJosefine Eibl   
Herstellungsleitung Sandra Vogelbacher
ProduktionsleitungLisa Schmidt 
Produzenten  Marc Conrad, Maren Knieling
Redaktion  Katharina Görtz, Nina Manhercz
Länge     ca. 89 Minuten
Eine ZDF-Auftragsproduktion von Conradfilm und Bavaria Fiction

Besetzung

Maria Koslowski       Anna Loos
Moritz Aschbach       Marcus Mittermeier
Kurt Koslowski     Simon Schwarz
Felix Koslowski       Leo Bilicky
Emily Koslowski     Jana Münster  
Sabine Belloff Bettina Mittendorfer
Lut Belloff   Michele Cuciuffo
Vitus Aschbach   Michael A. Grimm
Moritz (jung) Eric Evers 
Maria (jung)    Lilli Brée  
Doro Licht    Mariam Hage
SEK-Beamter Klenk Felix Everding 
Polizeibeamter OberlechnerMike Sobotka
Ärtzin Iris   Despina Pajanou   
Christbaumverkäufer SikhJawad Karim Rajpoot
und andere

Inhalt

Maria Koslowskis Leben gerät kurz vor Weihnachten völlig durcheinander: Überraschend steht ihr Bruder Moritz vor ihrer Tür, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Moritz war als Fotograf durch die Welt gezogen, bis er bei einem Autounfall mit einem Kamel kollidierte. Er trug ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon, das eine unkontrollierte Persönlichkeitsstörung nach sich zog. Deshalb ist Moritz nach wie vor dringend auf Hilfe angewiesen.

Dabei hat Maria gerade ganz eigene Probleme: In der Ehe mit ihrem langweiligen Mann Kurt kriselt es gewaltig, ihr Sohn Felix findet Familie doof und die pubertierende Tochter Emily will nach Indien, um von dort aus die Welt zu retten.

Doch nun muss sich Maria auch noch intensiv um Moritz kümmern – denn er hat scheinbar nicht mehr "alle Nadeln an der Tanne" …

Statement aus der Redaktion

"Der hat wirklich nicht alle Nadeln an der Tanne" – mit diesem Bild wird Moritz Aschbach beschrieben, der sich bei einem Unfall ein Psychosyndrom zuzog und seither eine unkontrollierbare Persönlichkeit hat. Dass er mit seinen gewöhnungsbedürftigen Verhaltensweisen nicht nur Störenfried ist, sondern seine Familie auch bereichern kann, hat uns an dieser Geschichte besonders gereizt. Wir erzählen eine diverse Figur, die mit ihrem eigenen Blick auf die Welt den Horizont der anderen, seiner Schwester und deren Familie, erweitert. Entstanden ist eine berührende Komödie, die zeigt, dass es in der Weihnachtszeit nicht immer harmonisch zugeht, aber am Ende Familie immer noch Familie ist und bleibt.

Katharina Görtz, Nina Manherz
Redaktion Fernsehfilm / Serie II

Statement der Produzenten

Alle Jahre wieder… Dieses Mantra der Familie Koslowski findet in unserer Tragikomödie ein jähes Ende als Moritz einzieht. Er wirbelt das Leben der vermeintlich perfekten Familie durcheinander und reißt familiäre Wunden auf. "Alle Nadeln an der Tanne" spielt mit den Gegensätzen. Bei der Stoffentwicklung stand die Frage im Raum, wie eine schwere Erkrankung mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt werden kann und dabei dennoch ernste Töne Gewicht finden. Kann ein schicksalhafter Unfall positive Auswirkungen auf die nächsten Angehörigen haben? Aufgrund von Moritz' Schädel-Hirn-Trauma wird das Schweigen innerhalb der Familie gebrochen, sie findet sich neu und besinnt sich letztlich auf ihre eigenen Werte, jenseits von Erwartungshaltungen und gesellschaftlichen Zwängen.

Marc Conrad (ConradFilm), Maren Knieling (Bavaria Fiction)
Produzenten

Interview mit Anna Loos

Sie spielen die Rolle der Maria, die alles perfekt machen möchte, sich darüber fast selbst vergisst und nicht glücklich ist. Viele Frauen sind heute in dieser Perfektionsfalle, wollen perfekte Mütter, tolle Ehefrauen und erfolgreich im Beruf sein. Was können Sie Frauen in dieser Situation raten?

Um Glück zu spüren, muss man sich Zeit nehmen, sich selbst mögen, die kleinen Dinge schätzen und vor allem nicht von sich selbst verlangen, Superwomen zu sein. Wir Frauen sind so sehr damit beschäftigt zu zeigen, wie stark wir sind, dass wir manchmal vergessen uns selbst Dinge zu erlauben und zu verzeihen.

Maria hat kein leichtes Leben: Sie ist unglücklich in ihrer Ehe, gerät häufig mit ihren Kindern aneinander und hat fast verlernt mit ihrer Familie zu reden, anstatt nur durch den Alltag zu hetzen und Termine einzuhalten. Wie viel Verständnis haben Sie für sie?

Eigentlich geht es Maria von außen betrachtet doch ziemlich gut. Aber aus ihrer Sicht ist die Liebe in ihrer Ehe eingeschlafen, die Kinder hören nicht auf sie und dann kommt auch noch ihr sehr kranker Bruder, der Überflieger, in ihr Leben zurück und reißt alte Wunden auf. In dieser Situation habe ich natürlich Verständnis für sie, obwohl ich ihr als beste Freundin auch sagen würde: "Komm Maria, es liegt in deiner Hand – ändere es."

Um aus ihrem angepassten Alltag auszubrechen, sprayt Maria nachts heimlich Graffitis an Häuserwände. Was halten Sie von einem solchen Ventil, um Druck abzubauen? Wobei können Sie Dampf ablassen?

Als Kind habe ich mich gefragt, warum die Leute schöne Wände dreckig machen. Irgendwann hatte ich dann als Jugendliche auch mal ein paar Spraydosen in der Hand. Es ging damals nicht darum, eine weiße Wand vollzuschmieren, es ging um den Inhalt, die Botschaft. Ich denke, bei Maria ist es einfach diese Mischung aus der Botschaft und dem Brechen eines Verbotes. Ich habe mir andere Ventile gesucht, mache Sport, wenn ich Dampf ablassen muss.

"Alle Nadeln an der Tanne" ist nicht das, was man unter einer klassischen Weihnachtskomödie versteht. Doch trotz der Tragik hat der Film wunderbar komödiantische Elemente. Was spielen Sie lieber, Komödien oder dramatische Rollen?

Ich hatte riesige Lust auf eine Komödie und dann kam das Angebot für diesen Film. Es war einfach perfekt. Früher dachte ich immer, dass ich das nicht bin – Komödie.  Aber das hat sich schon lange geändert. Am Ende liebe ich beides, das Drama und auch die Komödie.

Interview mit Marcus Mittermeier

Sie spielen die Rolle des Moritz', der nach einem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma hat, sehr überzeugend – von epileptischen Anfällen über Desorientierung bis hin zu tiefer Traurigkeit. Haben Sie sich speziell auf diese Rolle vorbereitet?

Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, war ich sehr irritiert und betroffen, wie krass die Persönlichkeitsveränderungen und Ausfallerscheinungen bei Moritz sind. Die Verletzungen, die Moritz davongetragen hat, sind ja für viele verschiedene Beeinträchtigungen verantwortlich, die im Laufe der Geschichte zu Tage treten.

Ich engagiere mich in meiner Heimatstadt Regensburg in verschiedenen Vereinen für Kinder, die Krebs oder seltene Erkrankungen haben, und fand in diesem Umfeld gleich einen Ansprechpartner. Dr. Wolfgang Weber war lange Jahre Chefarzt der Neurorehabilitation am Bezirkskrankenhaus in Regensburg. Er ist zudem ein Fachman für neurologische Unfallschäden. Mit ihm zusammen habe ich in vielen Sitzungen jede Szene des Drehbuchs durchgearbeitet und dabei viel über die Krankheitsbilder gelernt, sodass ich erfassen konnte, was in Moritz' Kopf vor sich geht.

Dachte ich jedenfalls – denn richtig intensiv wurde die Vorbereitung als uns Dr. Friedemann Müller, Leiter der Neurorehabilitation in Bad Aibling, ermöglichte, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Psychologenteam Betroffene zu treffen. Das waren Patienten, die selbst verunfallt waren oder einen Schlaganfall gehabt hatten. Diese Gespräche und Beobachtungen waren der Kern der Vorbereitung. Hier lernte ich sehr viel über das, was die Betroffenen wahrnehmen und was nicht, und wieviel ihnen von ihrem Zustand bewusst ist.

Mir war es wichtig, weder eine Karikatur noch eine abgeschliffene Figur zu spielen, sondern das Schicksal dieser Patienten ernsthaft abzubilden. Neurologische Patienten sind oftmals gesellschaftlich außen vor, weil wir uns nicht so viel unter den Krankheitsbildern vorstellen können. Es ist wichtig, diesen Betroffenen eine Stimme zu geben.

Wie sehr nimmt einen eine solche Rolle mit?

Es war schon eine erstaunliche Erfahrung, dass ich an den Drehtagen sehr stark angespannt war. Das hat zum einen natürlich damit zu tun, dass diese Rolle einfach schwierig zu spielen war. Zum anderen aber auch damit, dass es mir nicht so leichtfiel, nach den Szenen zum Alltagsleben zurückzukehren. Ich war letztlich ständig mit dieser Rolle beschäftigt. Eine interessante Erfahrung war, dass die Konzentration, die diese Rolle erforderte, durchaus auch auf andere Kollegen wirkte – ich war während des Drehs einfach kein guter Gesprächspartner.

Das Zusammenspiel mit Anna Loos ist sehr intensiv. Wie war die Zusammenarbeit?

Anna ist in mehrfacher Hinsicht eine tolle Kollegin. Menschlich wie künstlerisch war das eine schöne, intensive Zeit. Ich denke das sieht man.

Moritz hat eine besondere Verbindung zu seiner Nichte Emily. Warum fällt es ihm im Gegensatz zu Emilys Eltern so viel leichter, eine Beziehung zu dem Teenager aufzubauen?

Moritz sieht und spürt, was in der Familie nicht stimmt. Sein eigenes Schicksal macht ihn feinfühlig genug um zu sehen, dass sich das Familiengefüge festgefahren hat. Deshalb wird er – natürlich unbewusst – zur Erlöserfigur. Er muss seine Geschichte zu Ende bringen und bittet Emily, ihn zum Zoo zu begleiten. Im Gegenzug erlöst er Emily, aber auch die anderen Familienmitglieder, von den Fesseln, die sie sich gegenseitig angelegt haben. Emily ist Moritz nah, weil sie denselben Freiheitsdrang verspürt, den er kennt.

Interview mit Simon Schwarz

Kurt ist ein scheinbar perfekter Ehemann, den nichts aus der Ruhe bringt und der für alles Verständnis zu haben scheint. Ist er eigentlich glücklich mit seinem Leben?

Kurt kämpft um sein Glück – der Frust der Familie und die unausgesprochenen Enttäuschungen lassen ihn aber immer wieder scheitern. Er ist wohl, ohne es bewusst zu merken, sehr weit weg von seinem tatsächlichen Glück.

"Alle Nadeln an der Tanne" erzählt ein ernstes Thema, bringt aber auch immer wieder zum Lachen. Wie passen diese tragischen und komödiantischen Elemente zusammen?

Gute Komödien funktionieren eigentlich immer nur mit einer Prise Tragik. Nur so kann der Zuschauer sich identifizieren. Pures Glück ist ja oft gar nicht so lustig, sondern eher etwas fad.

Kurt wirft am Ende seine Reiseführer in die Ecke und bricht in ein neues Abenteuer auf. Was hat er gelernt? Und was können die Zuschauer von ihm lernen?

Es lohnt sich immer noch mal etwas ganz Neues auszuprobieren – eine Garantie auf Glück und Zufriedenheit gibt es aber nie.

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/allenadelnandertanne 

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