Bella Germania

Eine deutsch-italienische Familiengeschichte

"Bella Germania" erzählt in drei Teilen von der Suche nach Identität, von Liebe und Heimat, den Erwartungen und Enttäuschungen im Wandel der Zeit – eine Geschichte von den ersten italienischen Gastarbeitern der 50er Jahre auf ihrem Weg zum vertrauten Nachbarn im Deutschland von heute. Parallel zu den Drehbüchern entstand Daniel Specks gleichnamiger Bestseller-Roman.

  • ZDF, Sonntag, 10. März, Montag, 11. März, und Mittwoch, 13. März 2019, jeweils 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, alle drei Teile ab Sonntag, 3. März 2019

Texte

Vom deutschen Wirtschaftswunder bis in die Gegenwart

Mit "Bella Germania" erzählt Daniel Speck eine deutsch-italienische Familiengeschichte – vom deutschen Wirtschafts-wunder bis in die Gegenwart.

Der Dreiteiler ist angelegt als generationenübergreifendes Epos, spannt den Bogen von den ersten italienischen Gastarbeitern der 50er Jahre bis ins Deutschland von heute und behandelt dabei Themen unserer Zeit wie Gastfreundschaft, Integration, Heimat.

Wir möchten mit "Bella Germania" erneut Zeitgeschichte zeitgemäß erzählen und wünschen dabei gute Unterhaltung.

Heike Hempel
Stellvertretende Programmdirektorin und Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Das Phänomen Familie unter dem Brennglas

Der "Clash of Cultures" ist eine durchaus geläufige fiktionale Erzählfigur. Als Familienepos fokussiert "Bella Germania" das Phänomen aber nicht als Momentaufnahme, sondern im Wandel der Zeit: Der Dreiteiler fragt, wann Menschen sich zuhause fühlen können, und beschreibt die familiäre Gemeinschaft als einen Ort der Heimat.

Die junge Modedesignerin Julia, gespielt von Natalia Belitski, spürt ihren Wurzeln nach und erfährt von ihrer (bis dato unbekannten) italienischen Familie so viel unvoreingenommene Liebe und Respekt, dass sie daraus die Kraft schöpft, ihren Lebenstraum zu gestalten. Autor Daniel Speck baut einen spannungsvollen Gegensatz: Hier die selbstständig wirkende junge Frau, die in der modernen Demokratie des 21. Jahrhundert mit allen Freiheiten ausgestattet ist. Dort ihre Großmutter Giulietta – dargestellt von Silvia Busuioc – in den Zwängen der Nachkriegsgesellschaft, die im traditionellen Italien noch viel strenger waren als im wirtschaftlich wieder aufstrebenden Deutschland. Giuliettas Leben ist keine kämpferische Emanzipationsgeschichte. Eher ist diese Figur eine sanfte Rebellin, die auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben immer mutigere Schritte geht und dabei die Geschicke anderer mitprägt, insbesondere das ihres Sohnes Vincenzo. Mit 13 Jahren in Italien entwurzelt, fasst er in der neuen Heimat erst allmählich Fuß. Autor Daniel Speck lässt die Probleme der Gastarbeiter der 50er bis 70er Jahre in dieser Erzählung nur am Rande anklingen. Sein Augenmerk gehört dem Thema Familie, genauer: der Entwurzelung, die ein junger Mensch er-fährt, wenn ihm der Vater vorenthalten wird. Julia leidet darunter genauso wie Vincenzo. Speck betrachtet das Phänomen Familie unter einem Brennglas, zeigt auf, wie schnell dieses Gebilde deformiert werden kann und welch desaströse Folgen dies für die Betroffenen hat. Parallel zu den Drehbüchern entstand Daniel Specks gleichnamiger Bestseller-Roman.

Diese große Familiengeschichte hat Regisseur Gregor Schnitzler mit gutem Gespür für die Besonderheit der Epochen und der handelnden Personen filmisch in Szene gesetzt. Gemeinsam mit seinem Kameramann Wolfgang Aichholzer hat er eine Bildsprache gefunden, die das außergewöhnliche Schauspieler-Ensemble um Natalia Belitski, Stefan Kurt, Christoph Letkowski, Silvia Busuioc, Kostja Ullmann, Marleen Lohse und Andrea Sawatzki in besonderer Weise zur Geltung bringt.

Begleitet wird der Mehrteiler durch eine Dokumentation der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte.

Beate Bramstedt und Alexander Bickel
HR Fernsehfilm/Serie II

"Hochemotionales Eintauchen in die Konflikte einer
deutsch-italienischen Familie"

von Produzent Ronald Mühlfellner

Als Kind empfand ich einen Unterschied zwischen den Italienern in ihrer Heimat und den Gastarbeitern in Deutschland: An der Riviera erlebte ich Italiener voller Lebensenergie und Charme, während sie in meiner Stadt eher als Schatten frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit an mir vorbeizogen.

Als ich Daniel Speck diese Eindrücke vor einigen Jahren schilderte, hatte er die Idee, wie man das Verschmelzen zweier Kulturen erzählen könnte. Es sollte die Sehnsüchte und biographischen Brüche einer deutsch-italienischen Familie über drei Generationen schildern. Nach Lektüre von Daniels Entwurf war klar: Diese Geschichte müssen wir erzählen. Gemeinsam mit der ZDF-Redaktion war unser Ziel von Anfang an, mit "Bella Germania" ein hochemotionales Eintauchen in die Konflikte einer deutsch-italienischen Familie zu ermöglichen, und gleichzeitig große Themen unserer Zeit anklingen zu lassen: Gastarbeiter, Einwanderung, multikulturelle Familien und die Suche nach den eigenen Wurzeln.

Um diese Magie auf dem Bildschirm zu erzeugen, benötigt man ein herausragendes Filmteam: Mit Liebe zum Detail haben sich Kostüm und Maske über jede einzelne Rolle Gedanken gemacht, wie man die Schauspieler entlang der vielen Zeitsprünge glaubhaft und effizient verändern und mit den Frisuren und Kostümen ein authentisches Bild der jeweiligen Zeit vermitteln kann. Bei der Ausstattung mussten wir entscheiden: Bauen wir, setzen wir VFX ein, und wo bekommen wir all die Requisiten aus verschiedenen Jahrzehnten her? Da nie chronologisch gedreht wird, setzten Regisseur Gregor Schnitzler und Kameramann Wolfgang Aichholzer ihr ganzes Geschick ein, um nicht im Dschungel der Zeitsprünge verlorenzugehen. Monatelang war Gregor Schnitzler ein unermüdlicher Dynamo am Set, um "Bella Germania" so zu inszenieren, dass sich die Geschichte echt anfühlt, im Hier und Jetzt erlebbar wird und dabei die Zuschauer an die Hand nimmt. Zum Erlebnis wird ein solcher Film durch das wunderbare Schauspielerensemble, das wir für unseren Dreiteiler gewinnen konnten.

"Bella Germania" ist für alle Beteiligten ein Herzensprojekt, und ich hoffe, dass sich diese Energie auf alle überträgt, die den Dreiteiler sehen und vielleicht ein Stück von sich selbst wiederfinden werden.

Stab, Besetzung und Inhalt

Buch   Daniel Speck
RegieGregor Schnitzler
KameraWolfgang Aichholzer
CastingSiegfried Wagner, Alessandro Trapani
MusikDominik Giesriegl
SchnittGeorg Söring
SzenenbildPetra Heim
KostümEsther Amuser
MaskeGeorg Korpás
TonVitus Bernrieder
ProduktionBavaria Fiction GmbH
ProduktionsleitungSylvia Binder
HerstellungsleitungSascha Ommert
ProducerChristina Christ, Tina Hechinger
ProduzentRonald Mühlfellner
RedaktionBeate Bramstedt, Alexander Bickel
Länge    3 x ca. 90 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Julia  Natalia Belitski
AlexanderChristoph Letkowski, Joachim Bißmeier
GiuliettaSilvia Busuioc
GiovanniDenis Moschitto, Alessandro Bressanello
EnzoDeniz Arora, Walter Hess
VincenzoKostja Ullmann, Stefan Kurt, Rafael Koussouris, Mika Ullritz
TanjaMarleen Lohse, Andrea Sawatzki
HelenMarie Nasemann
ConcettaLucia Stefanel
RosariaAna Sanchez, Luciana Caglioti
CarmelaTiziana Bagatella, Lucie Aron
ClaraFranziska Schlattner
MarianneFriederike Ott
Erna BaumgartnerEva Mattes
und andere

 

Inhalt

Die große Präsentation ihrer ersten eigenen Kollektion hat die junge Modedesignerin Julia Becker vor Aufregung gerade verpatzt. Noch am Laufsteg tritt unvermittelt ein älterer Herr in ihr Leben: Alexander, der sich zu ihrem Erstaunen als ihr Großvater vorstellt. Er hofft, Kontakt zu seinem Sohn Vincenzo zu bekommen, Julias Vater. Doch sie glaubte bislang, ihr Vater sei schon lange nicht mehr am Leben. Für Julia wird die Begegnung mit Alexander zu einer Zäsur ihres Lebens. Ihr eröffnet sich plötzlich die Geschichte einer Familie, von deren Existenz sie bislang nichts wusste:

Fahrzeugingenieur Alexander verliebt sich in den 50er Jahren als junger Mann auf einer Dienstreise in Mailand unsterblich in die junge Dolmetscherin Giulietta, Julias Großmutter. Aus einer einzigen Liebesnacht entsteht Vincenzo. Doch Giulietta beugte sich dem Druck ihrer Familie und heiratete ihren Verlobten, den Automechaniker Enzo Marconi, als dessen Sohn Vincenzo aufwachsen sollte. Ihre Sehnsucht nach Alexander liegt wie ein Schatten über ihrer Ehe, sie wird mit Enzo nicht glücklich. 1968 zieht Giulietta nach einer tiefen Ehekrise zu ihrem Bruder Giovanni nach München.

Auch wenn sich der vermeintliche Wohlstand, zu dem es ihr Bruder als Gastarbeiter gebracht haben will, als Schwindelei herausstellt, wird Deutschland für Giulietta zu einem Land der Hoffnung: Wie auch ihre Enkelin viele Jahre später, entwirft und schneidert Giulietta Kleider und träumt davon, daraus einen Beruf zu machen. Doch ihre große Liebe Alexander muss sie sich aus dem Kopf schlagen. Er ist inzwischen verheiratet und hat eine eigene kleine Familie. Umso mehr Energie setzt Giulietta darauf, eigenständig ein neues Leben zu beginnen. Mit ihrem Bruder baut sie einen italienischen Feinkostladen auf und versucht, mit ihrer Mode, Geld zu verdienen. Als eine schicksalhafte Begegnung Alexander und Giulietta erneut zusammenführt, beginnt er, um Giulietta zu kämpfen. Eine Fahrt nach Venedig soll endlich der Beginn ihres künftigen gemeinsamen Lebens werden. Dort kommen sie jedoch nie an: Ein tragischer Autounfall reißt Giulietta in den Tod, während Alexander knapp überlebt.

Enzo, der Giulietta nach Deutschland gefolgt ist, wird verdächtigt, den Wagen manipuliert zu haben, um seinen Widersacher aus dem Weg zu räumen. Beweisen kann man Enzo die Tat nicht: Er wird freigesprochen. Doch Vincenzo verliert durch den Tod der Mutter und die Wahrheit über seinen leiblichen Vater den Boden unter den Füßen. Es sind die frühen 70er Jahre, und als inzwischen junger Mann gerät Vincenzo in die Sympathisantenszene des Linksterrorismus. Dort lernt er Tanja Becker kennen, Studentin und angehende politische Journalistin. Vincenzo und Tanja stehlen Alexanders Luxuswagen und fliehen nach Sizilien, in die Heimat seiner italienischen Familie. Doch das leidenschaftliche Liebesglück der beiden währt nicht lange. Tanja erträgt das süditalienische Idyll nicht und fährt zurück nach Deutschland. Sie ahnt nicht, dass sie schwanger ist – schwanger mit Julia.

In der Gegenwart macht sich Julia gemeinsam mit ihrem Großonkel Giovanni auf nach Turin, wo Vincenzo inzwischen lebt. Sie will endlich den Schlussstein für das Rätsel um ihre eigenen Wurzeln finden, und lüftet das Geheimnis, das ihre Familie nach sieben Jahrzehnten noch immer nicht loslässt.

Die Rollenprofile

Julia Becker
(Natalia Belitski)

Julia ist eine Münchner Modestudentin mit deutsch-italienischen Wurzeln. Eine selbstbewusste junge Frau, sensibel, talentiert, ehrgeizig, aber noch auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Für ihre Leidenschaft, die Mode, gibt sie alles. Sie ist Mitte 30, Single, und lebt mit ihrer Freundin Helen in einer WG. Ohne ihren italienischen Vater aufgewachsen, misstraut Julia familiären Bindungen und hat zugleich einen ungestillten Hunger danach.

 

Alexander Schlewitz
(Christoph Letkowski, Joachim Bißmeier)

Julias Großvater Alexander ist Kriegsflüchtling aus Schlesien,  Automobilingenieur voller Tatendrang, Optimismus und ein attraktiver junger Mann mit Charme und einer romantischen Italienliebe. Begabt macht er früh Karriere und wird ein erfolgreicher Manager. Als älterer Herr im Ruhestand ist er ein diskreter, immer noch attraktiver Gentleman mit Takt, Stil und Verantwortungsgefühl.

 

Giulietta Marconi
(Silvia Busuioc)

Julias Großmutter ist Sizilianerin und arbeitet als Sekretärin bei dem Automobilhersteller Iso in Mailand. Eine stille, aber leidenschaftliche und fleißige Frau mit großem künstlerischem Talent. Ihren heimlichen Traum vom Modedesign gibt sie auf, als sie jung schwanger wird. Sie stellt Pflicht und Loyalität zur Familie über ihre persönlichen Leidenschaften. Als sie ihrem Bruder Giovanni nach Deutschland folgt, wagt sie den Ausbruch aus ihrer traditionellen Rolle als Ehefrau und Mutter.

 

Vincenzo Marconi
(Mika Ullritz, Rafael Koussouris, Kostja Ullmann, Stefan Kurt)

Julias Vater ist ein intelligenter Mann, von Kindheit an mit großer Begeisterung für Technik und Motorsport. Innerlich zerrissen und heimatlos verbirgt er seine Gefühle unter einer ernsten Fassade. Seine mysteriöse Aura macht ihn attraktiv. Als junger Mann arbeitet er als Renn- und Testfahrer und folgt als kompromissloser Revolutionär den politischen Idealen seiner Freundin Tanja. Dennoch trägt er die unerfüllte Sehnsucht nach einer eigenen Familie und Identität immer mit sich. Nachdem Tanja ihn trotz der gemeinsamen Tochter Julia verlassen hat, zieht er einen radikalen Strich unter seine Vergangenheit und gründet in Italien eine zweite Familie.

 

Giovanni Marconi
(Denis Moschitto, Alessandro Bressanello)

Giovanni ist Giuliettas Zwillingsbruder, lebenslustig, gutmütig und kommunikativ. In den 60ern geht er als Gastarbeiter nach München, und arbeitet sich mit Schläue, Hartnäckigkeit und der Unterstützung von Giulietta zum selbstständigen Besitzer eines Feinkostladens hoch. Die Ehe mit der traditionellen Rosaria fordert ihn heraus, die Rolle eines verantwortungsvollen Familienvaters anzunehmen. In turbulenten Zeiten ist er der verlässliche Anker für seinen Neffen Vincenzo.

 

Tanja Becker
(Marleen Lohse, Andrea Sawatzki)

Julias Mutter ist eine selbstbewusste Journalistin, Alt-68erin, freiheitsliebend und authentisch. In jungen Jahren ist sie Vincenzos deutsche Freundin. Die Leidenschaft ist groß, doch sie ist immer auf der Suche nach ihrem Weg zwischen Selbstverwirklichung und politischer Revolution, zwischen Emanzipation und Mutterschaft. Auch mit ihrer bereits erwachsenen Tochter Julia bleibt sie in späteren Jahren ihren alternativen und emanzipatorischen Idealen treu.

 

Enzo Marconi
(Deniz Arora, Walter Hess)

Giuliettas Ehemann ist Arbeiter am Fließband in den Mailänder Iso-Werken. Ein schweigsamer, kräftiger Sizilianer, verlässlicher Familienvater und treuer Ehemann. Bodenständig, anständig, ernst, aber auch eifersüchtig. Die traditionelle Form der Familie geht für ihn über alles, der Mann muss seine Frau versorgen. Obwohl Giulietta ihn verlässt, steht er treu zu ihr. Enzo folgt Giulietta nach Deutschland und will ihr beweisen, dass er sich ändern kann.  

"Eine Hommage an diese Generation"

Statement von Autor Daniel Speck

Vierzehn Millionen Menschen kamen zwischen 1955 und 1973 als Gastarbeiter in die BRD. Sie haben Deutschland verwandelt, und Deutschland hat sie verwandelt. Obwohl niemand sie "Einwanderer" nannte, ist Deutschland mit ihnen zum Einwanderungsland geworden. Und gerade die Migration der Italiener erzählt eine europäische Erfolgsgeschichte: Damals als "Spaghettifresser" belächelt, als "Mafiosi" diffamiert und in Lagern eingezäunt, ist ihre Küche und Lebensart heute ein integraler Teil unseres Landes geworden. In den 50er Jahren gab es in München gerade mal vier italienische Restaurants, heute sind es 700.

Doch hinter dem äußeren Erfolg stehen bewegende, oft auch tragische Familienschicksale. Die Opfer der Eltern für ihre Kinder. Der Verlust von Heimat, die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen und die Suche nach Zugehörigkeit. Davon wollte ich erzählen. Einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen des Klischees vom 'lustigen' Italiener werfen und eine Hommage an diese Generation schreiben.

"In der Zeit schauspielerisch ankommen"

Statements von Natalia Belitski und Christoph Letkowski

Natalia Belitski
(Julia Becker)

Ich spiele eine junge Frau, die sich auf eine Reise begibt, auf die Suche nach sich selbst und ihren Wurzeln. In einem schicksalhaften Augenblick, in einem Moment auf den sie lange hingearbeitet hat und von dem sie denkt, er würde über ihre Zukunft entscheiden – kurz nachdem sie diese Chance hat verstreichen lassen, kommt ein Mensch in ihr Leben, der ihr plötzlich eine ganze Familiengeschichte mitbringt. Julia führt uns während ihrer Entdeckungsreise durch eine Collage verschiedener Zeitepochen und verschiedener Generationen. Sie ist ein scheinbar zielstrebiger Charakter, und eine sehr willensstarke Frau. Dennoch hat sie im Leben das Gefühl, nicht vollständig zu sein. Es sind die fehlenden Wurzeln und ein nicht verarbeitetes Ereignis in ihrer Kindheit.

Es war mir eine große Freude mit Stefan Kurt zusammen zu spielen, der mit seiner zurückhaltenden, unaufgeregten Art und mit seinem ganz präzisen feinfühligen Spiel ein bezaubernder Kollege ist. Auch das Zusammentreffen mit Andrea Sawatzki war mir eine große Freude. Ich habe selten jemanden erlebt, der mit so viel Elan und Herzenswärme arbeitet und jeden Tag eine Fröhlichkeit mitbringt. Und natürlich Gregor Schnitzler, der seine Schauspieler unverkennbar liebt, wertschätzt und offen ist für die Perspektive der Schauspieler zur Deutung der Figur, sodass es großen Spaß macht, mit ihm gemeinsam die Rolle zu erarbeiten. "Bella Germania" ist ein Film mit aktuellem Bezug und menschlichen Konflikten: Liebe, Tod, Familie, Karriere, Schicksalsentscheidungen.

 

Christoph Letkowski
(Alexander Schlewitz)

Die Herausforderung, eine Figur über einen Zeitraum von einem Vierteljahrhundert zu spielen, hat mich sehr gereizt. Hinzu kommt, dass ich bei Projekten unter der Regie von Gregor Schnitzler mittlerweile blind zusage. Die Arbeit mit ihm ist jedes Mal eine Freude. Es war besonders schön, mit Silvia Busuioc zu arbeiten, weil wir tatsächlich eine kleine Sprachbarriere hatten, die dem Ganzen – im wahrsten Sinne des Wortes – natürlich zugutegekommen ist. Die historische Zeit wurde sowohl in Italien als auch in Deutschland von Kostüm und Ausstattung super eingefangen, was unglaublich half, um in der Zeit schauspielerisch anzukommen.

"Alle Figuren machen eine extreme Entwicklung durch"

Interview mit Kostja Ullmann und Stefan Kurt

 

Was darf für Sie bei dem italienischen Lebensgefühl des Dolce Vita nicht fehlen?

Kostja UIlmann: La Dolce Vita bedeutet für mich, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Dazu gehören für mich Freunde, Sonne und vor allem beste italienische Küche.

Stefan Kurt: Es ist für mich dieses Gefühl, wenn ich zu meinem Lieblingsitaliener um die Ecke essen gehe. Ich fühle mich willkommen, die Atmosphäre ist herzlich. Die karierten Tischdecken lachen mich an. Ich höre Adriano Celentano oder Pavarottis "O sole mio". Ich habe das Gefühl, jedes Gericht kocht die "Mamma" hinten in der Küche speziell für mich. Heute darf ich genießen und leben und lachen und einfach sein. Am Schluss kommt die Rechnung – etwas hoch – aber was soll's. Es gibt ja noch einen Grappa und ein deftiges Trinkgeld obendrein. Das ist für mich La Dolce Vita.

 

"Bella Germania" bildet eine Familiengeschichte über drei Zeitebenen ab. Worin lag hier die Herausforderung für Ihre Rolle als Vincenzo?

Kostja Ullmann: Die große Herausforderung hatte nicht nur ich mit meiner Rolle. Da mit "Bella Germania" eine Familiengeschichte über mehrere Generationen erzählt wird, machen alle Figuren eine ziemlich große und oft extreme Entwicklung durch. Die Herausforderung für mich war es, zu jedem Zeitpunkt der drei Teile, zu wissen, in welcher Emotion und Lebenslage sich Vincenzo gerade befindet. Hilfreich war da sicherlich das tolle Maskenbild.

Stefan Kurt: Genau darin, diese drei Zeitebenen im Blut zu haben, ohne sie in Gänze gespielt zu haben. Die Rolle Vincenzo wird von insgesamt vier Schauspielern verkörpert (jung, mittleren Alters, alt). Man spielt also nicht die "ganze" Figur, sondern nur einen Teil, einen jeweiligen Lebensabschnitt der Figur.

 

Vincenzo wurde als Kind entwurzelt, die Mutter ist früh gestorben. Kostja Ullmann, was haben Sie für eine Vorstellung vom Leben der damaligen Gastarbeiter?

Kostja Ullmann: Die Vorstellung in ein fremdes Land zu gehen, dessen Sprache man nicht spricht, um dort zu arbeiten und seine Existenz aufzubauen, stelle ich mir heftig vor. Auch wenn die Italiener damals als Gäste kamen, wurden sie von vielen Deutschen nicht so aufgenommen. Sie wurden beschimpft und waren erst einmal nicht gewollt. Ein Gefühl, welches sogenannte Flüchtlinge heutzutage sicherlich nachempfinden können. Denn auch heute haben leider immer noch viele Deutsche Angst vor dem Fremden.

 

Stefan Kurt, inwieweit haben Sie sich mit Kostja Ullmann zur Rolle ausgetauscht?

Stefan Kurt: Der Zuschauer soll das Gefühl haben, er begleite Vincenzos Weg vom Baby bis hin zum älteren Mann über eine Zeitspanne von über 50 Jahren. In enger Zusammenarbeit mit Gregor Schnitzler haben Kostja Ullmann und ich ausgelotet, wie der Charakter und die "Temperatur" des jeweiligen Vincenzo sein muss.

"Die italienischen Gastarbeiter haben ein Stück weit
unsere Seele geöffnet"

Interview mit Andrea Sawatzki und Marleen Lohse

 

Was ist Ihnen an Italien besonders nahe?

Andrea Sawatzki: Ich war nur selten in Italien. Ich liebe die Toskana und das italienische Essen. Das italienische Lebensgefühl, die Leichtigkeit mag ich sehr. Und natürlich die schöne Sprache.

Marleen Lohse: Ich habe Italien erst vor kurzem wirklich für mich entdeckt und bin augenblicklich dieser fröhlichen und warmen Lebensart verfallen. Ich liebe die Landschaften: die Weite in Umbrien, das geschichtsträchtige Rom bis hin zu den Küsten und den barocken Städtchen in Apulien. Es ist unmöglich, nicht romantisch zu denken und zu fühlen in Italien. Also um die Frage zu beantworten: Ich bin mir selbst nahe, wenn ich in Italien bin

 

Können Sie die Entscheidung Ihrer Rolle Tanja, der Tochter die Wahrheit über den Vater zu verschweigen, nachvollziehen?

Andrea Sawatzki: Wenn man bedenkt, dass man im Leben den ein oder anderen Fehler macht, ja. Niemand ist perfekt. In manchen Lebensphasen erscheint es uns leichter, Dinge vor Menschen, die uns nah sind, zu verschweigen. Später hätten wir es vielleicht anders gemacht.

Marleen Lohse: Tanja ist eine impulsive Frau, die im Moment lebt. Die Entscheidung traf sie in einem Moment der größten Verzweiflung. Große Verzweiflung und nachvollziehbare Entscheidungen sind natürlich schwer zu vereinbaren. Aber es kommt ja trotz allem zu einem Wiedersehen. Die Wahrheit hat sich ihren Weg gesucht.

 

Wie haben die italienischen Gastarbeiter die deutsche Kultur mitgeprägt?

Andrea Sawatzki: Durch sie haben wir die Schönheit einer anderen Kultur erst kennenlernen können. Sie haben unser Interesse für Italien geweckt, uns neugierig gemacht auf diese andere, fröhlichere Lebensweise, das Miteinander, die Musik, von der Oper bis zum Schlager, die Kunst, die Mode. Durch die Gastarbeiter wurde Deutschland heller und offener. Man kann sagen, die italienischen Gastarbeiter haben ein Stück weit unsere Seele geöffnet für das Leichte und Schöne.

Marleen Lohse: Das Essen, die Mode, die Vespas, die durch die Straßen fahren, die Kaffeekultur, das süße Leben an und für sich – aber das sind Klischees, die nur die Oberfläche bedienen und den Menschen nicht gerecht werden. Ich denke der Einfluss ist viel tiefgreifender und filigraner. Eine Art Lebensanschauung und eine ansteckende Leichtigkeit. Es kamen italienische Gastarbeiter, aber in erster Linie kamen Menschen mit einer eigenen Geschichte und Persönlichkeit. Man kann nur hoffen, dass sich die deutsche Kultur weiterhin den wunderbaren Einflüssen anderer Kulturen öffnet.

Bella Germania – Die Dokumentation

Sonntag, 10. März 2019, 21.45 Uhr, im Anschluss an Teil 1

Ein Film von Heike Nelsen

Kamera   Thomas Bresinsky
SchnittRobert Handrick
ProduktionFebruar Film
RedaktionCarl-Ludwig Paeschke
Längeca. 45 Min.

 

Die begleitende Dokumentation der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte bietet vertiefende Informationen zu den historischen Zusammenhängen und Akteuren der Spielhandlung des Event-Dreiteilers "Bella Germania". Den geschichtlichen Hintergrund bildet der Zuzug italienischer Arbeitskräfte, die als sogenannte Gastarbeiter nach Westdeutschland kamen und im Laufe der Jahrzehnte mit ihren Familien Teil der Gesellschaft wurden.

Autorin Heike Nelsen spürt Zeitzeugen und Geschichten auf: Michele und Antonio di Gennaro kommen 1959 von Süditalien nach Stuttgart. Schon bald erkennen sie, dass italienische Lebensmittel auch deutsche Feinschmecker begeistern. Heute gehört den Brüdern eines der bundesweit erfolgreichsten Feinkostunternehmen für italienische Lebensmittel. Über die "cucina italiana" und ihren Einfluss auf die deutsche Esskultur erzählen die Hamburger TV-Köchin Cornelia Poletto und Martina Caruso, die jüngste Sterneköchin Italiens.

Die Dokumentation berichtet auch von den ernsten Seiten des Lebens der Gastarbeiter. Zeitzeugen erinnern sich an die Vorurteile und Ressentiments, die den "Itakern" und "Spaghettifressern" von vielen Deutschen entgegengebracht wurden. Und sie nennen den Preis, den viele Einwanderer der ersten Generation zahlen mussten: Den Verlust der heimischen Wurzeln.

Es geht um Symbole: Das Auto, das einst als "Knutschkugel" belächelt und begehrt wurde, ist eine italienische Entwicklung, die im Deutschland der 50er Jahre zum Verkaufsschlager geriet – die legendäre Isetta. Ein Sammler erklärt, warum das beliebte Gefährt zum deutsch-italienischen Kultobjekt wurde.

Radio-Töne von Stefan Kurt, Kostja Ullmann, Daniel Speck und Denis Moschitto

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