Bella (Diana Amft) und Greg (Steffen Groth). Fotocredit: ZDF/Rick Friedman
Bella (Diana Amft) und Greg (Steffen Groth). Fotocredit: ZDF/Rick Friedman

Katie Fforde: Bellas Glück

Herzkino mit Diana Amft und Steffen Groth

Auf der einen Seite eine New Yorker Maklerin, auf der anderen ein gerissener Kollege aus der Provinz: Zwischen Bella (Diana Amft) und Greg (Steffen Groth) scheint Ärger geradezu programmiert.

  • ZDF, Sonntag, 22. Januar 2017, 20.15 Uhr

Texte

„Ein wunderbares Duo” - Vorwort von Redakteurin Verena von Heereman

Da sind sie endlich wieder: Diana Amft und Steffen Groth als wunderbares Duo, das verbal heftig die Klingen kreuzt. In der Verfilmung von Katie Ffordes Roman „The Perfect Match” spielt Diana Amft die New Yorker Maklerin Bella Castle. Nach ihrer Scheidung möchte Bella mit Sohn Jayden (Oskar von Schönfels) bei ihren Eltern Benjamin (Michael Mendl) und Elizabeth (Angelika Thomas) an der Ostküste Nestwärme tanken. Doch ihr herrliches Elternhaus hat sich gerade der dubiose Provinzmakler Greg Petrosino (Steffen Groth) unter den Nagel gerissen. Abgelenkt von ihrem persönlichen Eheschiffbruch nimmt Bella das Duell mit dem unliebsamen Berufskollegen auf und zeigt Greg, wo der Hammer hängt. Nur um festzustellen, dass die Eltern das Haus gar nicht mehr bewohnen wollen …

Die Tragikomödie „Katie Fforde: Bellas Glück” erzählt von einem schmerzhaften Lebensumbruch, von Trennung und Loslassen, vom Eingestehen eines persönlichen „deep shit points” und dem vorsichtigen Herantasten an eine neue Beziehung. Die Kombination einer substantiellen Thematik mit erzählerischer Leichtigkeit ist das Markenzeichen der „Katie Fforde”-Reihe. Ihre Protagonistinnen stehen an einem wichtigen Scheideweg und brechen schließlich mit Lust in ein neues Leben auf.

Unter der feinfühligen Regie von Frauke Thielecke, die zum ersten Mal für die „Katie Fforde”-Reihe inszenierte,  standen in weiteren Rollen Mathias Harrebye-Brandt, Birte Hanusrichter, Ruthanne Gereghty, Andrea Maria Hintermaier und andere vor der Kamera von Meinolf Schmitz. Elke Rössler, die neu für das Format gewonnen werden konnte, lieferte das vergnügliche und besondere Drehbuch.

Seit 2009 entstehen die von Jutta Lieck-Klenke und Sabine Jaspers von Network Movie Hamburg aufwändig produzierten Verfilmungen der britischen Bestseller-Autorin in New York, im Hudson Valley, auf Long Island und seit 2014 auch in Boston und Neuengland. 2016 fanden die Dreharbeiten für fünf neue „Katie Fforde”-Filme statt.

Katie Ffordes Romane und Stories wurden für das „Herzkino” von Großbritannien in die USA versetzt, um dem Sonntagabend-Zuschauer neue attraktive und landschaftlich reizvolle Schauplätze zu bieten. Die urbanere Anmutung dieser „Herzkino”-Reihe, das Nebeneinander von sympathischer Neighbourhood in Brooklyn in einer ansonsten brodelnden Großstadt und berückend schönen Landschaften und Küstenstreifen, korrespondiert mit der Besonderheit der „Katie Fforde”-Marke: Die Autorin liefert mit ihren literarischen Vorlagen einen ganz eigenen und erfolgreichen Mix aus Aktualität und Tradition, aus der modernen Erlebniswelt des heutigen Stadtlebens und den klassischen Fragen des Lebens. Fragen, denen man ja bekanntlich am besten mit Humor und Selbstironie begegnet …

Beides besitzt die in den Cotswolds beheimatete, britische Erfolgsautorin Katie Fforde, die 2012 Präsidentin der „Romantic Novelist Association” wurde. Im Herbst 2016 veröffentlichte sie „A Christmas Feast and other Stories” („Rendezvous zum Weihnachtsfest”). Inspiriert von der Hochzeit ihrer eigenen Tochter schrieb Katie Fforde den Roman „Vintage Wedding”, der voraussichtlich im Sommer 2017 in Deutschland erscheint. Im März 2017 steht die Ausstrahlung des Melodrams „Katie Fforde: Herzenssache” mit Fiona Coors und Ralf Bauer an. Aber zunächst lädt das „Herzkino” zur Suche nach „Bellas Glück” ein!

Verena von Heereman, Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Stab und Besetzung

Stab

Buch     Elke Rössler
Regie     Frauke Thielecke
Kamera     Meinolf Schmitz
Musik    Ingo Ludwig Frenzel
Produktion    Network Movie Hamburg
Produzentinnen     Jutta Lieck-Klenke, Sabine Jaspers
Redaktion    Verena von Heereman
Länge    ca. 89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Bella Castle        Diana Amft
Greg Petrosino    Steffen Groth  
Benjamin Ross    Michael Mendl
Elizabeth Ross      Angelika Thomas
Mick Castle      Mathias Harrebye-Brandt
Susan        Birte Hanusrichter
Jayden Castle    Oskar von Schönfels
Maria    Andrea Maria Hintermaier
Rosalie Martin    Ruthanne Gereghty
Ruth       Diandra Bergman
Mr. Byrne    Stephen Radochia
Mrs. Byrne    Kimberly Giardino
Police Officer    Kevin Peterson
und andere

Inhalt

Zwar verläuft die Scheidung der New Yorker Maklerin Bella Castle einvernehmlich und friedlich, aber die Nachricht, dass ihr Ex-Mann Mick wieder Vater wird, wirft Bella doch aus der Bahn. Sie muss zugeben, dass sie das Scheitern ihrer Ehe noch nicht verkraftet hat und sucht zusammen mit ihrem Sohn Jayden heimische Nestwärme bei ihren Eltern auf dem Land. Doch diese überraschen Bella mit ihren Zukunftsplänen.

Denn obwohl Bella gerade jetzt die Stabilität ihres Elternhauses braucht, muss sie mit Schrecken feststellen, dass auch ihre Eltern Elisabeth und Benjamin Ross längst keine harmonische Ehe mehr führen: Sie wollen sich trennen und Bellas Ruhepol, das schöne Haus im neuenglischen Marblehead, verkaufen. Dabei ist Bella dort aufgewachsen. Aber offenbar sind ihre Eltern auf den gewitzten Makler Greg Petrosino hereingefallen, der älteren Leuten auf dem Land ihre Häuser unter fragwürdigen Bedingungen abschwatzt.

Bella versucht, ihrem gerissenen Konkurrenten das Handwerk zu legen und gleichzeitig zwischen den unterschiedlichen Interessen ihrer Eltern zu vermitteln. Dabei gerät ihre eigene Familienkonstellation immer mehr aus dem Gleichgewicht. Susan, Micks schwangere Freundin, versucht alles, um Jayden für sich einzunehmen, und der Junge fühlt sich zwischen seinen Eltern zunehmend hin- und hergerissen.

Nur indem es Bella schließlich gelingt, die Trennung von ihrem Ex-Mann emotional anzunehmen, kann sie auch die Veränderungen im Leben ihrer Mutter und ihres Vaters akzeptieren. Dabei hat Bella allerdings die Rechnung ohne ihre Eltern gemacht - denn mit ihrer Ehe sind die beiden doch noch nicht fertig …

„Ich fände es traurig, Geschenke respektlos wegzuwerfen” - Interview mit Diana Amft

In der Erfolgsserie „Doctor's Diary” haben Sie die Ärztin Gretchen Haase gespielt. Wie unterscheidet sie sich von Ihrer Rolle Bella Castle, die Sie in „Katie Fforde: Bellas Glück” verkörpern?

Die beiden unterscheiden sich in fast allen Punkten. Angefangen damit, dass Gretchen Ärztin und Bella Maklerin ist, bis hin zu ihrer Persönlichkeit. Eine Gemeinsamkeit finde ich jedoch haben sie: Sie sind beide sehr liebenswert und ehrlich.

Katie Fforde soll die Buchvorlage geschrieben haben, weil sie eine nette Maklerin kennt und ihr das schlechte Image des gesamten Berufsstands leid tat. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Als Autorin kann ich sie absolut verstehen. Ich selber habe als Kinderbuchautorin auch angefangen die Geschichte um „Die kleine Spinne Widerlich” zu schreiben, weil es mir so leid tat, dass so viele Menschen Angst vor Spinnen haben. Vielleicht hat Frau Fforde ja mit diesem Thema etwas bewirken können, ich jedenfalls fand Bella sehr sympathisch (lacht).

Menschen gehen nach einer Trennung unterschiedlich mit den Geschenken des Ex-Partners um. Im Film reicht der Ex von Bella ihr ausgerechnet den Stift für die Unterschrift unter die Scheidungspapiere, den sie ihm mal geschenkt hat. Also Geschenke besser wegschmeißen oder aufheben?

Ich fände es traurig, Geschenke respektlos wegzuwerfen, man sollte allerdings auch nicht darunter leiden. Dass der Ex von Bella ihr ausgerechnet den Stift zur Unterschrift der Scheidung reicht, den sie ihm zum Hochzeitstag geschenkt hat, ist zwar etwas trampelig, aber er hat es nicht böse gemeint und schon gar nicht absichtlich getan.

91 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter. Der Film zeigt sehr anschaulich den Stress, den ein solcher Alltag bedeutet...

Alleinerziehenden gilt der allerhöchste Respekt. Man sollte sie tatsächlich unterstützen, wo man nur kann.

„Ich habe auch ein Mitspracherecht!” sagt Bella ihren Eltern, die offenbar große Geheimnisse vor ihr haben. Warum?

Ich kann Bella da gut verstehen. Es geht um den Verkauf des Elternhauses, in dem sie groß geworden ist. Zudem ist Bella sehr gekränkt, dass ihre Eltern sie nicht rechtzeitig in ihre Probleme mit einbezogen haben, schließlich ist sie ja kein Kind mehr. Noch dazu ist Bella der Meinung, es hätte alles anders laufen können, wenn sie nur rechtzeitig informiert worden wäre.

Thema Betrug: Haben Sie - ähnlich wie im Film Bellas Vater - schon mal etwas unterschrieben, was total sinnlos war?

Nicht weil ich reingelegt wurde, aber als Kind haben meine Freundin und ich Unterschriften gesammelt, da wir erreichen wollten, dass Autos abgeschafft werden und stattdessen wieder Kutschen fahren und die Umwelt geschont wird. Unsere Petition haben etwa 17 Leute unterschrieben und von jedem war die Unterschrift etwas vergebens (lacht).

Die Fragen Stellte Claudia Maxelon

„Die Genderfrage ist mir völlig wurscht” - Interview mit Steffen Groth

Katie Fforde soll die Buchvorlage geschrieben haben, weil sie eine nette Maklerin kennt und ihr das schlechte Image des gesamten Berufsstands leid tat. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Ich hab auch nur gute Erfahrungen mit Maklern gemacht, ehrlich gesagt. Gerade der letzte Makler, mit dem ich wegen einer neuen Wohnung zu tun hatte, war ein total netter Mensch.

Sie spielen Greg Petrosino, einen Makler, der erst einmal durch merkwürdige Methoden Fragen aufwirft. Was war Ihnen wichtig zu zeigen?

Ich wollte Greg Petrosino als echten Menschen mit echten Problemen zeigen. Er versucht, ein ziemlich krummes Ding zu drehen und ich hoffe, dass es uns im Film gelingt zu zeigen, wie er da hinein geraten konnte – und warum er eine Chance verdient hat. Sonst wird sich der Zuschauer bestimmt fragen: „Was will Bella Castle ausgerechnet von diesem Mann?”

Mit Frauke Thielecke hat in der „Katie Fforde”-Reihe erstmals eine Frau Regie geführt. Arbeitet es sich unter einer Regisseurin anders oder für Sie kein Thema?

Ich habe schon oft mit Regisseurinnen zusammen gearbeitet, die „Genderfrage” ist mir dabei völlig wurscht. Das war für alle Beteiligten überhaupt kein Thema. Hauptsache ist, dass man gut zusammen arbeitet. Vielleicht haben Frauen sogar einen anderen Ansatz, das mag sein, aber ich werte das nicht negativ oder positiv.

Wie war es, wieder mit Diana Amft zu drehen?

Diana Amft und ich kennen uns schon lange - wir haben 13 Folgen „Doctor’s Diary” zusammen gedreht und haben dort ja sogar geheiratet. Ich habe mich wie Bolle gefreut, als klar war, dass wir „Bellas Glück” zusammen drehen werden. Wir haben dann während des Drehs auch in einer Art WG mit meiner Familie gelebt. Das war sehr schön. Für Ausflüge haben wir einen Mietwagen geteilt.

Was haben Sie alles gesehen?

Absolut beeindruckend für die ganze Familie war eine vierstündige Waltour. Man sieht dort nicht nur ein oder zwei Wale, sondern es wimmelt nur so von ihnen vor der Küste. Das war wirklich großartig und es hat mich berührt, diese Lebewesen aus der Nähe beobachten zu können. Neuengland ist insgesamt wunderschön: die kleinen Ortschaften mit den pastellfarbenen Holzhäusern mit unglaublichsten Blumen in den Vorgärten, alles sehr pittoresk. Man könnte glauben, der Szenenbildner oder Ausstatter der „Rosamunde Pilcher”-Filme hätte sich dort hin verlaufen (lacht).

Die Hexen- und Geisterstadt Salem ist auf ihre Weise faszinierend, aber nicht so meins. Ich habe mich viel mit Religion auseinander gesetzt und womit ich überhaupt nichts zu tun haben will ist schwarze Magie oder Voodoo. In diesem Städtchen gibt es ja Geisterführungen, viele Hexenshops und die unterschiedlichsten Arten von Wahrsagern. Zu Halloween soll sich der Ort im absoluten Ausnahmezustand befinden.

Wie haben Sie die Amerikaner, die dort an der Ostküste leben, empfunden?

Ich habe die Atmosphäre als sehr freundlich und aufgeschlossen empfunden - gegenüber dem gesamtem Team und unserer Arbeit. In Amerika ist es normal, angesprochen zu werden, an der Ecke zu stehen und zu klönen. In Deutschland gilt es meistens als grenzüberschreitend beziehungsweise übergriffig, wenn man jemanden einfach anspricht.

Und in Deutschland sind manche Menschen ja auch genervt und destruktiv, wenn bei ihnen vor der Tür gedreht wird. Sie versuchen sogar, die Arbeit mit extra lauter Musik zu sabotieren. In Amerika ist sowas undenkbar. Die Menschen sind sehr positiv, begeisterungsfähig und finden Dreharbeiten immer aufregend. Vielleicht haben sie auch insgesamt eine ganz andere emotionale Bindung an das Thema Film, weil sie Hollywood haben.

Und ich habe eine – wie ich finde – interessante Beobachtung wieder einmal bestätigt gefunden: Wenn Menschen aus anderen Ländern irgendwo im Urlaub Landsleute treffen, gibt es in der Regel ein freundliches „Hallo, ihr auch hier?” Nicht so unter Deutschen: Wenn sich Deutsche im Urlaub irgendwo treffen, egal in welchen Ländern, versuchen sie möglichst wegzusehen und sich unsichtbar zu machen. Kurios. In Boston sagte ich zu einem deutschen Paar: „Ach Mensch, ist ja lustig, dass wir uns hier treffen!” Darauf bekam ich von ihm eine pikierte Antwort, was ihr wiederum sehr unangenehm war. Das ist doch echt ein deutsches Phänomen, das machen nur wir! Warum? Da würde ich mir eine größere Lässigkeit wünschen.

Die Fragen Stellte Claudia Maxelon

„Frauen in der Regie wird immer noch weniger zugetraut als ihren männlichen Kollegen” - Interview mit Regisseurin Frauke Thielecke

Sie sind die erste Regisseurin, die für die „Katie Fforde”-Reihe arbeitet. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Ich habe für Network Movie sowohl vor als auch noch kurz nach meinem Regiestudium an der Hamburg Media School als Continuity und Regieassistenz gearbeitet. Die Reihe „Katie Fforde” hat mich schon lange interessiert, da sie für wirklich gute Unterhaltung mit einer Haltung dahinter steht: Menschen werden in ihren Lebensrealitäten geschildert, es werden Schicksale behandelt, die nicht erfunden wirken. Natürlich komprimieren wir diese und lassen sie an schönen Orten der amerikanischen Ostküste spielen.

Den Zuschauern gefällt die Glaubwürdigkeit der Geschichten und das Setting, und das ist es auch, was mich immer an „Katie Fforde” fasziniert hat. Über meine Affinität zu dieser Reihe habe ich mit der Redakteurin Verena von Heeremann und auch mit Jutta Lieck-Klenke und Sabine Jaspers von Network Movie gesprochen – und ich bin glücklich, dass daraus diese wunderbare Zusammenarbeit entstanden ist. Meine Figuren sind mir emotional sehr nah, und ich denke, dass man das auch meinen Filmen anmerkt. Ob es die „Handschrift einer Frau” ist, vermag ich selbst gar nicht zu sagen, aber das Feedback dazu ist sehr positiv.

Ist das ein Thema während der Dreharbeiten oder ist es für alle völlig normal, mit einer Regisseurin zu drehen?

Während einer Produktion fällt mir das nicht so auf, da ich einfach meine Arbeit mache. Aber ich merke natürlich in Gesprächen mit Leuten aus der Branche, dass Frauen in der Regie immer noch weniger zugetraut wird als ihren männlichen Kollegen. Zum Glück wird dieses Vorurteil gerade revidiert, auch durch die Arbeit von „ProQuote Regie”. Dabei geht es nicht um Ausschluss, sondern um eigentlich selbstverständliche Chancengleichheit.

Was halten Sie von der Gleichstellungsinitiative „ProQuote Regie”, die sich 2014 gründete?

Ich bin von meinen Eltern nicht so erzogen worden, dass es Grenzen gibt, nur weil ich eine Frau bin. So bin ich auch in die Branche gestartet. Solange ich noch Continuity oder Regieassistenz war, war auch alles gut. Erst als Regisseurin habe ich gemerkt, dass eine Frau in einer entscheidenden künstlerischen Position auch im Jahr 2017 noch nicht für alle Normalität ist. Das macht auch der 3. Diversitätsbericht 2015 des Bundesverbands Regie deutlich: Bei erschreckend vielen Filmen oder Serien steht eine „0” vor dem Regisseurinnenanteil.

Wenn ich Entscheider frage, warum das so ist, erhalte ich keine wirklich befriedigende Antwort. Es heißt zum Beispiel, dass im Krimiland Deutschland Frauen nicht zugetraut wird, harte Action und Düsternis zu inszenieren, ihren Filmen fehlte es im Gegensatz zu denen der männlichen Kollegen an „Ecken und Kanten” oder: Frauen könnten nicht seriell arbeiten. Bestimmte Türen bleiben einfach zu, vielleicht nicht mal aus böser Absicht, sondern unbewusst, weil es „eben immer so war”.

Wenn männliche Kollegen sich beschweren, dass sie gerade nicht drehen würden, antworte ich immer: „Der Unterschied ist, dass du im öffentlich-rechtlichen Fernsehen 85% Chancen hast zu arbeiten, während ich nur 15% habe.” Ich habe mich trotzdem durchgesetzt und in den sieben Jahren nach meinem Studienabschluss kontinuierlich gedreht oder Theater inszeniert, darüber freue ich mich natürlich.

Aber wir Frauen müssen lernen, uns selbst und anderen Frauen mehr zu vertrauen und auch Kolleginnen ohne reflexartig einsetzende Konkurrenzgedanken zu promoten. Das gilt für alle Gewerke und auch für die Entscheiderinnen. Deswegen bin ich Mitglied bei „ProQuote Regie”. Man muss auf diesen Missstand aufmerksam machen, er regelt sich nicht von selbst, das haben die letzten Jahre gezeigt. Wir Frauen sind mindestens gleich gut. Nur wenn wir eine Chance bekommen, können wir in dieser Hinsicht auch überzeugen.

Die Herzkino-Filme haben es allein aufgrund des Sendeplatzes manchmal schwer in der Außenwahrnehmung. Doch die Krimi-Flut auf allen Sendern wird mittlerweile auch kritisiert. Aber was dann?

Beim Publikum ist es zum Glück nicht so: Im Schnitt fast 5 Millionen Zuschauer finden sich offensichtlich in der „Katie Fforde”-Reihe wieder, fühlen sich angesprochen. Der Krimi bietet fast immer eine Katharsis und erfreut sich deswegen mit Sicherheit auch so großer Beliebtheit. Eine stimmige Geschichte, die für sich steht, zu entwickeln, hat es ungleich schwerer. Man muss erst die Zuschauer gewinnen, sich darauf einzulassen, sich selbst darin zu erkennen und berührt zu werden.

Solche Filme können länger haften bleiben, gerade durch die Ausgewogenheit von Drama und Leichtigkeit beziehungsweise von Humor, mit der man die Menschen erreicht. Ich inszeniere sehr gerne Krimis, aber ich würde mir wünschen, dass auch über andere Genres nachgedacht wird. Und wenn doch Krimi, dann könnte man vielleicht innerhalb dieses Genres stärker andere Erzählweisen suchen.

Von Theaterregie über das Herzkino bis hin zu kommerzieller Werbung ist bei Ihnen alles dabei. Wie läuft da der kreative Prozess ab? Wo haben Sie die besten Ideen?

Ich stelle immer wieder fest, dass sich meine Projekte gegenseitig beflügeln - diese parallele Entwicklung bringt mir Inspiration. Ich habe einen hohen Energielevel und liebe es einfach, projektbezogen zu arbeiten. Bei einem „9-to-5-Job” wäre ich fehl am Platz, und sitzen ist ohnehin nichts für mich. Genauso, wie ich zum Beispiel an meinen freien Tagen eher bei einem Museums- oder Kinobesuch relaxe als zu faulenzen.

Da war der Dreh in und um Boston natürlich perfekt: Die Chance zu haben, diese wunderbare Stadt zu entdecken – dafür war ich sehr dankbar. Das Gefühl zu dieser Stadt ist mit Sicherheit in „Katie Fforde: Bellas Glück” eingeflossen.  Außerdem schätze ich es, mich mit Menschen auszutauschen und bin zum Glück umgeben von Leuten, die kreatives Ping-Pong in der Arbeit ebenso schätzen wie ich. Und: Die besten Ideen habe ich meist unter der Dusche!

Die Fragen stellte Claudia Maxelon

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