Copyright: ZDF/Susanne Salonen
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Die große Reise – Seyran Ateş und der Weg zu einem reformierten Islam

Dokumentarfilm

Die Filmemacherin Güner Balci begleitet Seyran Ateş fast zwei Jahre lang bei dem Aufbau der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Für Seyran Ateş ist die Moschee ein langgehegter Traum und gleichzeitig ein gefährliches Ansinnen, denn schon bald erhält sie Morddrohungen.

  • ZDF, Montag, 30. September 2019, 0.25 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Sonntag, 29. September 2019, 10.00 Uhr, ein Jahr lang

Texte

Stab, Inhalt

Montag, 30. September 2019, 0.25 Uhr, ZDF
Ab Sonntag, 29. September 2019, 10.00 Uhr, ein Jahr lang in der ZDFmediathek

Die große Reise – Seyran Ateş und der Weg zu einem reformierten Islam
Dokumentarfilm, Deutschland 2019

Stab 

BuchGüner Yasemin Balci
Regie Güner Yasemin Balci
Kamera Susanna Salonen, Line Kühl, Jesco Denzel
SchnittMarc Bruckwilder
Musik Peer Kleinschmidt
Ton Ulla Kösterke, Matthias Kreitschmann, Hannes Marget
Producer Niklas Wirth
ProduzentinJohanna Teichmann
ProduktionTellux Film im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel
RedaktionBurkhard Althoff
Längeca. 90 Minuten

Mit Seyran Ateş Dr. Abdel-Hakim Ourghi Dr. Elham Manea Henryk M. Broder Hamed Abdel-Samad und anderen

Inhalt

Am 16. Juni 2017 eröffnet Seyran Ateş mit zahlreichen Mitstreitern die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Das Besondere: Männer und Frauen beten hier Seite an Seite, weibliche Vorbeterinnen sind genauso willkommen wie homosexuelle Imame. Für weite Teile der muslimischen Welt stellt dies eine Provokation dar. Die ägyptische Fatwa-Behörde erklärt die Gebete in der Moschee für "nicht gültig". Türkische Medien heizen die Stimmung gegen die Moschee in den sozialen Medien weiter an, und Seyran Ateş, als Kopf der Moschee, erhält Hunderte Morddrohungen. Schon kurz nach der Eröffnung muss sie rund um die Uhr vom LKA bewacht werden. Doch Ateş gibt nicht auf.

Die Filmemacherin Güner Balci begleitet Seyran Ateş fast zwei Jahre lang mit der Kamera bei dem Aufbau der Moschee und bei ihrem Kampf um Reformen im Islam. Sie schaut zurück in die Kindheit und Jugend der Aktivistin und zeigt auf, wie ihre Lebensthemen "Gleichstellung von muslimischen Frauen" und "Sexualität im Islam" durch ihren Widerstand gegen ihr konservatives Elternhaus geprägt wurden.

Das kleine Fernsehspiel sendet "Die große Reise – Seyran Ateş und der Weg zu einem reformierten Islam" anlässlich des bevorstehenden Tags der offenen Moscheen, der seit 1997 jährlich am 3. Oktober stattfindet.

Statement von Regisseurin Güner Yasemin Balci

Als ich zum ersten Mal von Seyran Ateş hörte, war ich neun Jahre alt. Es war Mitte der 90er Jahre, sie arbeitete damals in einem Frauenladen, als sie Opfer eines Attentats wurde. Ein türkischstämmiger Mann schoss auf sie, weil sie muslimischen Frauen half, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu befreien. Sie hat das Attentat nur knapp überlebt und sagt heute, dass es vor allem diese Nahtod-Erfahrung war, die ihr die Kraft gab, noch vehementer für die Gleichberechtigung der Geschlechter einzutreten. Mittlerweile ist Seyran Ateş Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin mit türkischen Wurzeln.

Als 17-Jährige floh Ateş aus ihrem Elternhaus, weil sie die Ungleichbehandlung, die Unterdrückung, die ihr als Kind und Jugendliche widerfuhr, nicht länger ertragen wollte. Sie wurde Rechtsanwältin und Buchautorin und vertritt heute als Juristin hauptsächlich muslimische Frauen und Mädchen, die es wagen, sich gegen ihre Väter, Brüder und Ehemänner aufzulehnen, vor Gericht.

In ihren Büchern und öffentlichen Auftritten fordert sie einen kritischen Umgang mit patriarchalen Strukturen und einem reaktionären Islam-Verständnis. Als gläubige Muslimin will sie sich nicht von Männern diktieren lassen, wie sie ihre Religion zu leben hat. Ihr Einsatz für Menschenrechte und ihr kritischer Umgang mit ihrer Religion haben Seyran Ateş in den letzten Jahrzehnten immer wieder Anfeindungen und Morddrohungen eingebracht und gleichzeitig auch immer wieder eine große öffentliche Anerkennung. Sie ist zum Beispiel Trägerin des Bundesverdienstkreises erster Klasse. Sie ist Hassfigur und Vorbild zugleich.

Als mir bekannt wurde, dass sie eine Moschee gründen will, in der Frauen und Männer nebeneinander beten und Frauen auch als Imamin praktizieren dürfen, war klar, dass dieses weltweit einzigartige Projekt einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss. In meinem ersten 90-minütigen Dokumentarfilm mit dem Titel "Der Jungfrauenwahn" (noch bis 6. Oktober 2019 in der ZDFmediathek abrufbar), der sich mit der Sexualmoral von Muslimen auseinandersetzt, erzählt Seyran Ateş von der Idee, eine Moschee zu gründen. Damals glaubten viele, dass sie es nicht schaffen wird.

Die Dreharbeiten zu Seyran Ateş und die Ibn-Rushd-Goethe Moschee gingen fast zwei Jahre lang, und wir wurden immer wieder mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Immer wieder gab es Mitstreiter und Unterstützer, die zunächst bereitwillig vor die Kamera traten, um dann nach Wochen oder Monaten festzustellen, dass ihnen der öffentliche Auftritt zu gefährlich war. Seit der Eröffnung der Moschee wird Seyran Ates intensiv vom LKA beschützt, rund um die Uhr. Auch dieser Umstand erschwerte die Dreharbeiten, alles musste nach engen Absprachen mit dem LKA organisiert werden.

Wer an einer Reform des Islam arbeitet, macht sich viele Feinde und lebt gefährlich. Auch Besucher der Moschee wollten oft nicht gefilmt werden. Es war uns zum Beispiel nicht möglich, eine Hochzeits-Zeremonie zu drehen, ohne die Teilnehmer verdeckt zu zeigen. Viele liberale Muslime, die die Angebote der neuen Gemeinde nutzen, haben Angst vor Diskriminierung oder gar Verfolgung, weil sie einen modernen Islam praktizieren, der vielen Konservativen nicht passt. Die soziale Kontrolle in den muslimischen Communitys ist groß.

Umso wichtiger ist es, die liberalen Stimmen des Islam zu hören und auch Menschen, die persönlich keine Muslime kennen oder nur Vorurteile haben, Menschen zu zeigen, die sich ihr Recht auf ihre Religion nicht nehmen lassen wollen und die gleichzeitig viel opfern, um für eine Freiheit zu kämpfen, die auch unsere ist.

Biografie von Güner Yasemin Balci

Güner Yasemin Balci ist Journalistin, Schriftstellerin und Filmemacherin. Als Journalistin befasst sie sich in Berichten und Reportagen kritisch mit der Situation von Migranten in der deutschen Gesellschaft. Bis Ende 2008 war sie beim ZDF für das Magazin "Frontal 21" als Redakteurin tätig. Zurzeit arbeitet sie regelmäßig an Produktionen für ARTE und das ZDF. Im September 2008 erschien ihr Debütroman "Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.", der auch erfolgreich fürs Theater adaptiert wurde. Eine Adaption von Balcis zweitem Buch "ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit" hatte im November 2010 unter dem Titel "Arabqueen oder das andere Leben" Premiere.

2012 wurde Balcı zusammen mit Nicola Graef mit dem Civis-Fernsehpreis für die Reportage "Tod einer Richterin – Auf den Spuren von Kristen Heisig" ausgezeichnet.

2014 erschien Balcis Buch "Aliyahs Flucht", in dem sie die reale Fluchtgeschichte einer jungen Kurdin schildert, die sich für ein selbstbestimmtes Leben entscheidet und seither untergetaucht unter falschem Namen ein neues Leben führt. Güner Balci hat die junge Frau dabei unterstützt und begleitet.

2017 realisierte Balci den Dokumentarfilm "Der Jungfrauenwahn", der den Bayrischen Fernsehpreis gewann und für den Civis-Fernsehpreis und den Prix Europa nominiert war.

"Die große Reise – Seyran Ates und der Weg zu einem reformierten Islam" ist ihr zweiter langer Dokumentarfilm.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/daskleinefernsehspiel

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