"plan b" berichtet am 13. Oktober 2018, 17.35 Uhr über "WIR sind die Stadt". Foto: ZDF/Jochen Klöck
"plan b" berichtet am 13. Oktober 2018, 17.35 Uhr über "WIR sind die Stadt". Foto: ZDF/Jochen Klöck

Doku-Vielfalt in der ZDF-Programmfamilie

Das ZDF bietet in seiner Programmfamilie eine Vielzahl unterschiedlicher Dokumentationsformate: investigativ, anteilnehmend, beobachtend, lebensnah. Gerade in ihrer Vielfalt vermitteln Dokumentationen ein authentisches Bild der Wirklichkeit. Die Publikation "Doku-Vielfalt in der ZDF-Programmfamilie" ermöglicht einen zusammenfassenden Blick auf die Doku-Highlights der kommenden Monate.

Texte

Doku-Vielfalt in der ZDF-Programmfamilie

Die Diskussionen, wie sich der Journalismus in digitalen Zeiten verändert, die erregten Zeitgeistdebatten um Fake-News und Filterblasen, die grundlegende Frage nach dem Vertrauen in die Glaubwürdigkeit journalistischer Berichterstattung – all das hat in den vergangenen Monaten und Jahren gezeigt: Einordnung, Analyse und Erklärung sind im Informationsangebot der Medien wichtiger denn je. Und das leistet ein Angebot in besonderer Weise: Dokumentationen, die die Lebenswirklichkeiten in unterschiedlichen Facetten abbilden. Sie schlagen Schneisen in den Wildwuchs an Informationen und Meinungsäußerungen, leuchten die Hintergründe komplexer Sachverhalte aus und suchen nach den Fakten, mit denen gesellschaftlicher Wandel und menschliches Handeln nachvollziehbar werden.

Dokumentationen und Reportagen bieten eine Vielzahl von Zugängen in die Wirklichkeit: Sie können investigativ und kritisch, anteilnehmend und intensiv beobachtend sein. Sie können auch denen eine Stimme geben, die auf dem Newshighway nicht ausreichend wahrgenommen werden, und Gemengelagen transparent machen, die nicht jeder ausgeleuchtet sehen will. Dokumentationen vermitteln in ihrer Vielfalt ein hohes Maß an Authentizität und sind bestens dafür geeignet, die fundierte Meinungsbildung in der Gesellschaft zu unterstützen.

Das ZDF bietet in seiner Programmfamilie eine Vielzahl unterschiedlicher Dokumentationsformate, die eines gemeinsam haben: Sie stärken den Qualitätsjournalismus, der gerade im 21. Jahrhundert gefragt ist, in dem die Digitalisierung unsere Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen grundlegend verändert.

ZDF-Programmdirektor: Dr. Norbert Himmler / ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey

"Was wir wissen und was wir darstellen können" – Drei Fragen an Prof. Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft

Was würden Sie als Qualitätsmerkmal moderner Geschichts- und Wissenschafts-Dokumentationen bezeichnen?

An der Darstellung von Geschichte in unseren Dokumentationen lässt sich das besonders gut verdeutlichen: In diesem Genre hat es ja schon vor Jahren einen Wandel gegeben – das Abfilmen von Urkunden und baulichen Überresten reichte nicht mehr aus, um das Interesse der Zuschauer für die großen Zusammenhänge zu wecken. Mit Komparsen und Computer-Animationen stellten und stellen wir deshalb entscheidende Ereignisse nach und können so Geschichte wirklich erfahrbar machen. Auch Geschichtsforschung betreibt ja letztlich Rekonstruktion – und so erzeugt auch die Geschichtsdokumentation ebenfalls Vorstellungen von der Vergangenheit, allerdings auf der Basis der verfügbaren Fakten. Die Qualität von Dokumentationen hängt demnach ganz wesentlich davon ab, dass diese Stimmigkeit zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir darstellen können, jederzeit wahrnehmbar ist.

Zu Ihrem Verantwortungsbereich gehören nicht nur Dokumentationen aus den Bereichen Geschichte und Wissenschaft, sondern auch ein Doku-Format wie "37°", in dem der Mensch m Mittelpunkt steht. Was heißt das konkret?

Dass die Protagonisten unserer "37°"-Dokumentationen einerseits über die Situation bestimmen, in denen wir sie filmisch begleiten. Andererseits bezieht es sich darauf, dass sich die Dokumentationen zur bloßen Existenz des Menschen hinwenden. Darin unterscheidet sich dieses Format, das nun seit 24 Jahren das ZDF-Programm bereichert, klar von Dokumentationen, die sich zum Beispiel rein politischen Fragestellungen widmen.

Das Traditionsformat "Terra X" wurde in seinen 36 TV-Jahren immer wieder thematisch erweitert – am Anfang standen Geschichte, Archäologie, Natur, längst ist die Wissenschaft mit all ihren Facetten dabei: von der Evolution bis ins Universum, von dem, was schneller als das Auge ist, bis zu "Superbauten". Und es gibt zudem zahlreiche Presenter-Formate. Was können diese besser als die klassische Dokumentation?

Presenter führen die Zuschauer in ein Thema hinein, schaffen es möglicherweise, überhaupt erst Interesse beim Publikum zu entfachen. Sie können zudem mit Fragestellungen, die für jede und jeden nachvollziehbar sind, den Weg durch die oftmals komplexe Materie bahnen. Diese einordnende Moderation, die Presenter wie Professor Christopher Clark oder Professor Harald Lesch leisten, eignet sich für viele, aber nicht zwangsläufig für alle „Terra X“-Themen.

Interview: Thomas Hagedorn

"Dokus bieten mehr als nur Info-Häppchen" – Drei Fragen an Robert Bachem, Leiter des ZDF-Programmbereichs ZDFinfo, Gesellschaft und Leben

ZDFinfo zeigt seinem Publikum Dokumentation rund um die Uhr. Wie muss so ein Angebot konzipiert sein, damit der Zuschauer es annimmt?

Seitdem wir konsequent themenbezogen programmieren, hat sich der Zuspruch für ZDFinfo kontinuierlich gestärkt. Unser Wissensangebot bieten wir nicht auf festen Sendeplätzen, sondern immer wieder in Blöcken und gerne auch in kurzfristiger Programmierung als Wissens-Ergänzung und Hintergrund-Beleuchtung zu aktuellen Entwicklungen.

Müssen Dokumentationen eigentlich immer wieder „erneuert“ werden? Warum lohnt es sich, beispielsweise bestimmte Geschichtsereignisse, über die es schon hochwertige dokumentarische Aufarbeitungen gibt, dennoch in neuen Doku-Reihen anzubieten?

Das lohnt sich allein schon deshalb, weil sich auch an die Geschichte immer wieder neue Fragestellungen ergeben, weil die nachwachsende Generation mit anderen Augen auf die zurückliegenden Ereignisse blickt. Aus diesem Grund arbeiten wir bei unseren Dokumentations- und Reportage-Formaten auch permanent daran, in der Bildsprache neue Akzente zu setzen und an bestimmte Themen jünger und frischer heranzugehen. Allerdings ist die Repertoire-Tauglichkeit der verschiedenen Dokumentationen für einen 24-Stunden-Doku-Sender auch ein wichtiges Kriterium.

Als Leiter des ZDF-Programmbereichs Info, Gesellschaft und Leben sind Sie auch für "ZDFzeit"-Dokumentation und "ZDF.reportagen" zuständig. Wie relevant ist es eigentlich, ob eine Dokumentation in 30, 45, 60 oder gar 90 Minuten aufbereitet wird?

Entscheidend ist zunächst mal, dass Dokumentationen mehr bieten müssen als nur ein paar Info-Häppchen. Klar ist aber auch, dass Dokumentationen über 90 Minuten und länger dramaturgisch schon eine sehr anspruchsvolle Aufbereitung benötigen – das gelingt durchaus, bleibt aber eher die Ausnahme. Insgesamt haben auch viele programmplanerische Überlegungen dazu geführt, dass 30- und 45-minütige Dokumentationen klar im Trend liegen – und diese sind auch beispielsweise in der ZDFmediathek sehr gefragt. Eine Doku-Reihe ermöglicht es ja darüber hinaus, komplexe Themen oder faktenreiche Zusammenhänge in dieser Variante aufzubereiten.

Interview: Thomas Hagedorn

Die Doku-Vielfalt im Überblick

Die Inhalte des Heftes, das hier abrufbar ist.

Primetime-Dokus – Die Vielfalt der "ZDFzeit"

Zeitgeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln

Terra X – Bildstarke Dokumentationen

ZDFzoom – Investigativ, spannend, hintergründig

Dokus der ZDF-Magazine "auslandsjournal", "Frontal 21" und "WISO"

Winter-Schwerpunkt: Korrespondenten-Dokus über Iran und die "Neue Seidenstraße"

Dem Leben auf der Spur: "37°" – Dokumentationsreihe, die in soziale Milieus eintaucht 

ZDF.reportage – Einblicke in die Alltagswirklichkeit 

planet e. – der andere Blick auf unsere Erde

Lösungsorientiert: plan b – Dokumentationsreihe mit konstruktiver Herangehensweise

Geschichte verstehen: ZDF History – Dokumentationsreihe zu Wendepunkten der Vergangenheit

ZDFinfo – Fernsehen zum Mitreden

Die Welt entschlüsseln: Dokus auf ARTE

3sat dreifach dokustark

Die ganze Information: Dokus in phoenix

Neue Format-Vielfalt: ZDFneo, KiKA, funk

Doku-Vielfalt in der ZDFmediathek

Vielfalt spezial: Dokumentarfilme von Das kleine Fernsehspiel

Die Dokumentarfilme des Kleinen Fernsehspiels überraschen immer wieder aufs Neue mit originellen filmischen Herangehensweisen ihrer Regisseurinnen und Regisseure und einem frischen Blick auf zeitgenössische Themen. Als einzige Redaktion im ZDF fördert Das kleine Fernsehspiel abendfüllende unformatierte Dokumentarfilme junger Nachwuchstalente. Mit ihrem persönlichen Blick auf die Wirklichkeit finden diese überraschende Zugänge zu gesellschaftlich relevanten Themen wie Migration, Bildung, Entwicklung von Stadt und Land, Arbeit, Gesundheit, Wirtschaft und Politik. Das Spektrum reicht von Langzeitbeobachtungen, die eine besondere  Nähe zu den Protagonisten ermöglichen, über exemplarische Forschungen in der eigenen Biographie bis hin zu gesellschaftspolitischen Essays.

Das Kleine Fernsehspiel bietet regelmäßig Programmschwerpunkte zu aktuell brisanten Themen, die entweder aus mehreren Dokumentarfilmen oder aus einer Mischung mit Spielfilmen bestehen. So zum Beispiel 2018 im Juni zum Weltflüchtlingstag die Reihe "Auf der Flucht - 4 Filme über eine Welt in Bewegung" oder im Oktober die dreiteilige Dokumentarfilmreihe "Wir machen Schule" zum Thema Bildung.  

Die Redaktion gibt auch Doku-Reihen in Auftrag, wie "House of Love", in der in vier Folgen Erfolgsrezepte für langlaufende Liebesbeziehungen gesucht wurden und derzeit die erste dokumentarische True Crime-Serie des ZDF, "Höllental", die einem der mysteriösesten Kriminalfälle Deutschlands auf den Grund geht.

Pro Jahr werden rund elf überwiegend deutsche Dokumentarfilme für den Sendeplatz des Kleinen Fernsehspiels montags gegen 0.00 Uhr entwickelt und gefördert, darunter neben TV-Auftrags- und Koproduktionen auch Kinokoproduktionen.

Der Dokumentarfilm hat im Kleinen Fernsehspiel eine lange Tradition. Bereits seit den 1970er Jahren fördert die Redaktion den Filmnachwuchs in diesem Genre und bietet jungen Filmemacherinnen und Filmemachern die Möglichkeit einer professionellen Zusammenarbeit bei ihrem Dokumentarfilmdebüt und ein bis zwei weiteren Produktionen.

Drei neue und ausgewählte Produktionen  aus der Talentschmiede Das kleine Fernsehspiel  werden an drei aufeinanderfolgenden Montagen im Dezember 2018 präsentiert.

Den Auftakt bildet der preisgekrönte Dokumentarfilm "Tackling Life" am 3. Dezember um 0.10 Uhr von Johannes List. Im Mittelpunkt stehen die Mitglieder der ersten schwulen Rugby-Mannschaft Deutschlands, die "Berlin Bruisers". "Tackling Life" schildert ihren Alltag und begibt sich mit ihnen in die Welt des gefährlichen Nischensports, zeigt wie sie um Anerkennung im Kampf gegen Hetero-Mannschaften der Regionalliga ringen, wie sie bei bunten Events Geld sammeln und wie sie an Schulen Anti-Mobbing Seminare geben.

"Global Family" am 10. Dezember um 0.00 Uhr von Andreas Köhler und Melanie Andernach erzählt die Geschichte der somalischen Familie Shaash, die in alle Himmelsrichtungen verstreut ist. Der brutale Bürgerkrieg in ihrem Heimatland hat sie ins Exil getrieben. So auch Captan Shaash. Der 60-Jährige war einst legendärer Kapitän der Fußballnationalmannschaft und steht bis heute für eine Zeit, als noch alles gut war. Nach seiner Fußballkarriere engagierte er sich in Somalia politisch. Er kämpfte für die Gleichberechtigung von Clans und gründete eine Partei. Kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs 1990 floh er. Der Film wurde u.a. bereits als bester Dokumentarfilm beim Max Ophüls Preis 2018 ausgezeichnet.

"Die Frist" am 17. Dezember um 0.20 Uhr von Karin Becker (Buch: Karin Becker, Silvia Wolkan) begleitet eine Frau und zwei Männer kurz vor ihrem Weg ins Gefängnis. Für den früheren Rotlichtkönig Jürgen, den Familienvater Vitali und die Buddhistin Guang läuft der Countdown. Ihre Tage in Freiheit sind gezählt, der gefürchtete gelbe Brief ist da: Drei Verurteilte erfahren, dass sie schon in einer Woche ihre Haftstrafe antreten müssen. Was passiert mit der Wohnung? Wem sagen sie die Wahrheit? Von wem verabschieden sie sich? Und wer bringt sie am letzten Tag in die Anstalt?

Link zur Publikation "Doku-Vielfalt in der ZDF-Programmfamilie"

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