Ein Sommer in Vietnam. Fotocredit: Christiane Pausch.
Ein Sommer in Vietnam. Fotocredit: Christiane Pausch.

Ein Sommer in Vietnam

"Herzkino"-Zweiteiler

Paulas Gefühlswelt steht Kopf, als sie während eines Aufenthalts in Vietnam erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat. Sofort macht sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester.

  • ZDF, Sonntag, 16. September 2018, 20.15 Uhr / Sonntag, 23. September 2018, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Samstag, 15. September 2018, 10.00 Uhr

Texte

Stab

Buch  Thomas Kirdorf
Regie               Sophie Allet-Coche
Kamera           Vladimir Subotic, Simon Farmakas
Musik         Biber Gullatz, Moritz Freise, Andreas Schäfer
Schnitt             Günter Heinzel
Ausstattung     Jörg Baumgarten
Produktion        Ariane Krampe Film GmbH
Produzent       Ariane Krampe
Redaktion       Rita Nasser
Länge             ca. 89 Minuten

Besetzung

Paula/Marie        Inez Bjørg David
Dr. Danh Cao    Nikolai Kinski   
Jan KopetzkiPeter Prager 
Gabriel BertrandJean-Yves Berteloot
Jessica Stone     Megan Gay
Thien Du Vu   Fang Yu
Susanne Nadja Engel 
Lars Benz   Julian Weigend
und andere

Inhalt

Als Paula Friedrich (Inez Bjørg David) in Hanoi landet, um sich als Sous-Köchin in einem Luxushotel zu bewerben, ahnt sie noch nicht, dass sie hier mit den Schatten der Vergangenheit konfrontiert werden wird. Doch schon die Einreise steht unter keinem guten Stern: Der Pass-Scanner am Flughafen spielt verrückt und gibt an, Paula sei bereits eingereist. Solange das Missverständnis nicht aufgeklärt ist, muss Paula ihren Pass abgeben.

Dann platzt auch noch der Vorstellungstermin beim Chefkoch des Luxushotels. Und zu allem Überfluss wird Paula auf offener Straße ausgebraubt und stürzt, als ihr die Tasche entrissen wird. Im nahegelegenen Krankenhaus behandelt der charismatische deutsch-vietnamesische Arzt Danh Cao (Nikolai Kinski) ihre Verletzung. Die Begegnung mit Danh tröstet Paula  ein wenig über die ersten Stunden in Hanoi hinweg.

Als Paula schließlich wieder in ihrem Hotel ankommt, wartet dort der Anwalt Jan Kopetzki (Peter Prager) auf sie. Er eröffnet ihr, dass sie eine Zwillingsschwester in Vietnam habe, die wie sie nach der Geburt von den Behörden der DDR zur Adoption freigegeben wurde. Ihre leibliche Mutter sei vor zwei Jahren verstorben und habe den Zwillingen ein Mietshaus in Berlin verebt.

Paula begibt sich sofort auf die Suche nach ihrer Schwester Marie. Unterstützt wird sie hierbei von Dr. Cao, dessen Interesse sie offensichtlich geweckt hat. Zunächst kann Paula Maries Tochter Lingh ausfindig machen. Aber die reagiert bei der ersten Begegnung mit ihrer Tante verstört. Paula sieht sich mit einer Mauer des Schweigens konfrontiert, die es zu durchbrechen gilt, bevor sie ihre Schwester in die Arme schließen kann. Doch als sich die Schwestern dann endlich begegnen, will Marie nichts von Paula wissen. 

"Danhs Geschichte ist eine alternative Version des Lebens meiner Mutter" Interview mit Nikolai Kinski

Sie haben Wurzeln im Ausland: Ihre Mutter stammt aus Vietnam, Ihr Vater aus Deutschland und aufgewachsen sind Sie in den USA. Was bedeutet Heimat für Sie?

Für mich ist Heimat vor allem das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, was mir eigentlich überall passieren kann. Ich bin sozusagen auf Reisen aufgewachsen und bin bis heute süchtig danach die Flexibilität und Neugier, die ich dadurch gelernt habe, hat sicherlich etwas mit meiner Schauspielerei zu tun. Heute weiß ich, dass ich mich überall zuhause fühlen kann und in jeder Kultur oder Gesellschaft leben könnte.

Vielleicht erklärt meine Laufbahn diese Mentalität ein wenig: geboren in Paris, aufgewachsen in Nordkalifornien, Theaterschule in Los Angeles an der UCLA, New York, dann wieder LA, bevor ich schließlich meinen Wurzeln nach Berlin gefolgt bin. Dort  habe ich realisiert, dass Berlin die erste Stadt war, die meiner Definition von Heimat erlaubte, sich jenseits eines Gefühls zu einem tatsächlichen Platz zu entwickeln. Die Erfahrung, zum ersten Mal tatsächliche Wurzeln zu finden, gepaart mit dem kulturellen und sozialen Klima der Zeit, war Grund genug für mich, in den USA alles hinter mir zu lassen um nach Berlin zu ziehen und schnell Deutsch zu lernen, um herauszufinden, wie ein Leben in Europa aussehen könnte. Ein Sprung ins Ungewisse. Ich wusste nicht, wie schnell ich mich an diese neue Kultur und das Land anpassen könnte. Ich wusste nur,  dass es sich richtig anfühlte. Es fühlt sich immer noch richtig an, richtiger denn je.

Wie war es für Sie, im Heimatland Ihrer Mutter zu drehen?

Nachdem ich so viel Zeit damit verbracht hatte, meine deutschen Wurzeln zu erkunden, war ich natürlich interessiert an der Chance, einen Teil der Herkunft  meiner Mutter näher kennenzulernen. Obwohl meine Mutter in erster Linie Französin ist und selbst wenig Zeit in Vietnam verbracht hat, ist ihre Geschichte, die in Vietnam begann, eine unglaubliche: Sie war das Ergebnis einer Affäre zwischen einer vietnamesischen Frau und einem französischen Soldaten im Jahr 1948, während des ersten Indochinesischen Kriegs.

Die Situation war damals in Vietnam für Kinder mit französischen Vätern extrem schwierig. Meine Großmutter gab sie zur Adoption in ein Programm für "euro-asiatische" Kinder. Als sie sechs Jahre alt war, wurde meine Mutter mit einem Boot nach Marseille geschickt, wo sie von Nonnen in einem Waisenhaus aufgezogen wurde. Das Thema Heimat hat in ihrem Leben eine sehr wichtige und komplizierte Rolle gespielt. Sie suchte viele Jahre und konnte schließlich, als sie 50 Jahre alt war, ihren Vater finden. Leider hat sie ihre Mutter nie finden können, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Auf meiner Reise nach Vietnam war ich also sehr berührt von einem besonderen Gefühl von Heimat, das ich nicht erklären konnte. Denn Vietnam war für mich im Grunde genauso fremd, wie jedes andere asiatische Land bei meinem ersten Besuch. Andererseits war die Tatsache, dass ich irgendwo in diesem Land theoretisch eine lebende Großmutter haben könnte, etwas, das ich gleichzeitig als schön und ein bisschen tragisch empfand.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, meine Wurzeln durch die Rolle und die Drehzeit in Vietnam weiter zu erkunden. Es war nicht schwer, Danhs Geschichte als eine alternative Version des Lebens meiner Mutter zu sehen. Denn Danh ist ein Mann, der aufgrund seiner Familiengeschichte zwischen zwei Welten steht. Die Aufgabe, jemanden zu spielen, der sich kulturell und vor allem sprachlich in Vietnam zuhause fühlt, war natürlich auch eine sehr große Herausforderung.

Danh kämpft gegen illegale Adoptionen in Vietnam. Wie stehen Sie zum Thema Adoption?

Diese Frage ist allgemein gefasst kaum zu beantworten. Die Erfahrung meiner Mutter, die zur Adoption freigegeben und in einem französischen Waisenhaus aufgezogen wurde, war ziemlich schwierig. Aber wahrscheinlich dem Leben vorzuziehen, das sie erwartet hätte, wenn sie damals in Vietnam aufgewachsen wäre. Illegale Adoptionen in Ländern der Dritten Welt sind ein echtes Problem, obwohl sie in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind zum Teil wegen rückläufiger Armut und besseren Kinderbetreuungssystemen. Aber sonst bin ich natürlich dafür, dass Menschen Kinder in Not adoptieren und ihnen ein besseres Leben ermöglichen.

"Mit dem Alter bin ich mit mir selbst geduldiger geworden" Interview mit Inez Bjørg David

Paula wurde als Säugling von den DDR-Behörden zur Adoption frei gegeben. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Die Rollenvorbereitung für Paula hatte auch viel mit der Arbeit an der Rolle ihrer Zwillingsschwester Marie zu tun. Schließlich war es uns allen wichtig, zwei erkennbar unterschiedliche Menschen zu erzählen optisch, aber für mich vor allem auch emotional. Beide Frauen wurden letztlich adoptiert, aber in zwei völlig unterschiedliche Familien. Sie haben sich unter sehr unterschiedlichen Bedingungen entwickelt. Es war sehr spannend, festzulegen, wer mit was wie umgeht.

Viele junge Mädchen wünschen sich eine Schwester oder gar Zwillingsschwester. Wie war das in Ihrer Kindheit?

Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder. Ich war zwar sehr froh, so viele Geschwister zu haben, aber hatte natürlich auch immer wieder das Gefühl, zu kurz zu kommen  eben weil wir so viele waren. Es ist aber, damals genauso wie heute, ein schönes Gefühl, so eine große Familie zu haben.

"Geduld zählt leider nicht zu meinen Stärken", sagt Paula im Film. Gilt das für Sie auch?

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch. Ich handle zwar auch gerne nach meinem Bauchgefühl, also auch spontan, aber mit anderen Menschen bin ich sehr geduldig. Und mit dem Alter bin ich auch mit mir selbst geduldiger geworden.

Sie sind gebürtige Dänin, leben aber in Berlin. Was bedeutet Heimat für Sie?

Dass man irgendwo gerne ist und gerne dazu beiträgt, dass dieser Ort ein schöner Ort für alle ist. Ich war gerade in Kopenhagen und habe mich dort wieder sehr zu Hause gefühlt. Als ich dann zurück in Berlin war, habe ich mich gefreut, wieder zu Hause zu sein. Heimat meint natürlich den Ort, aus dem man kommt. Aber emotional muss das noch lange nicht der Ort sein, an dem man sein Zuhause findet.

Weder Paula noch Danh gelingt es, mit ihren alten Beziehungen abzuschließen. Gibt es ein Rezept, um Vergangenes hinter sich zu lassen?

Das sehe ich ein bisschen anders. Wir treffen Paula und Danh zu einem Zeitpunkt, an dem sie beide noch ungeklärte Dinge mit sich rumtragen zum Teil geht das ja auch gar nicht von ihnen selbst aus, sondern von dem Ex-Partner. Das Leben ist so. Niemand hat Ende 30 keinen Rucksack, den er mit sich herumträgt. Dies als erwachsene Menschen respektvoll mit einander zu klären, liegt dann an dem neuen Liebespaar.

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