Benno (Dietmar Bär). Fotocredit: ZDF/Mohammed Kamal.
Benno (Dietmar Bär). Fotocredit: ZDF/Mohammed Kamal.

Für meine Tochter

Drama mit Dietmar Bär

Auf der Suche nach seiner Tochter Emma (Anna Herrmann) macht sich Benno (Dietmar Bär) auf den Weg ins türkisch-syrische Grenzgebiet. Er ahnt nicht, dass die Reise ihn an seine eigenen Grenzen bringen wird.

  • ZDF, Mittwoch, 8. August 2018, 20.15 Uhr

Texte

"Hoffnung und Menschlichkeit" Statement der Redaktion

Die Nächte sind lang seit dem Tod seiner Frau. Wie ein Untoter läuft Dietmar Bär als Apotheker Benno durch seine kleine, zerbrochene Apothekenwelt. Die Nachricht, dass seine Tochter Emma an der türkisch-syrischen Grenze verschwunden ist, trifft ihn wie ein Schlag. Er ist noch am Leben, spürt er jetzt. Und er muss los, Emma finden, unbedingt.

"Für meine Tochter" ist die Geschichte einer Reise aus dem Niemandsland eines in Bitterkeit vereinsamten Mannes in das Niemandsland einer vom Krieg versehrten Region, in der Menschen aus Angst um Ihr Leben und gegen ihren Willen zu Flüchtlingen werden. Unter Stephan Lacants Regie ist dieser Fernsehfilm eine eindringliche Erzählung über Grenzen, physische wie psychische, und die Entschlossenheit, die es braucht, sie zu überwinden. Ein Film aber auch über Hoffnung – und die Liebe eines Vaters zu seiner verlorenen Tochter.

In dieser Familiengeschichte spiegelt sich eines der großen Themen unserer Zeit. Auf die gesellschaftspolitisch gerade wieder brandaktuelle Debatte um Migration in Europa wirft "Für meine Tochter" ein Schlaglicht und formuliert ein leidenschaftliches Plädoyer für das, was bei allem Reden über Maßnahmen im Sommer 2018 nicht verloren gehen darf: die Menschlichkeit.

Alexander Bickel und Thorsten Ritsch und
HR Fernsehfilm / Serie II

Stab und Besetzung

Drehbuch    Sarah Schnier, Michael Helfrich
Regie  Stephan Lacant
Kamera     Moritz Schultheiss
Musik    René Dohmen, Joachim Dürbeck
Schnitt    Monika Schindler
Szenenbild    Marco Trentini
Kostüm    Ingrida Bendzuk
Maske     Friderike Weber
Produktion    Bavaria Fernsehproduktion
Produzent    Ivo-Alexander Beck
Producer    Elnas Isrusch
Redaktion     Alexander Bickel, Thorsten Ritsch
Länge     ca. 89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Benno Winkler       Dietmar Bär
Emma Winkler     Anna Herrmann
Max Schuster   Merlin Rose
Hanne Leibold    Anja Schneider
Valid Skeif    Mohammad Alkeel
Namira Skeif    Nisrine Adam
Djamilla Skeif    Hiba Idrissi
Nour Skeif    Hind Kachaoui
Greg Skinner    Alexander Otto Veggio
Behrens   Holger Handtke
Ilkay            Adam Bay
und andere

Inhalt

Apotheker Benno Winkler (Dietmar Bär) kümmern weltpolitische Entwicklungen und die Flüchtlingskrise nur wenig, denn auch seine eigene kleine Welt wurde in den Grundfesten erschüttert: Benno hat noch immer mit dem tragischen Verlust seiner Frau zu kämpfen. Doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass der Pass seiner Tochter Emma (Anna Herrmann) in der Türkei aufgetaucht sei. Eine Syrerin hatte versucht, mit den Papieren einzureisen. Benno geht fest davon aus, dass es sich um ein Versehen handeln muss – immerhin wähnt er seine Tochter beim Studium in Berlin. Vergebens versucht er, Emma zu erreichen. Kurzerhand macht sich der zunehmend verzweifelte Benno auf die Suche nach seiner Tochter – eine Suche, die ihn von Berlin über Ankara bis in die türkisch-syrische Grenzregion führt.

Offenbar hatte die politische engagierte Emma den halsbrecherischen Plan gefasst, die Familie eines befreundeten syrischen Flüchtlings in Eigenregie und unter Umgehung der verschärften Asylgesetze zu retten und nach Deutschland zu holen. Im Laufe seiner Odyssee begreift Benno, wie sehr er sich in seiner Trauer von seiner Tochter entfremdet hat. Er erfährt am eigenen Leib, was es bedeutet, vor Krieg und Gewalt auf der Flucht zu sein.

Doch dann trifft er auf Emmas Freund und Mitstreiter Max (Merlin Rose). Der junge Mann ist traumatisiert von einem brutalen Überfall des IS.  Damit beginnt die härteste Probe für Benno: Um Emma zu finden, muss er sich gemeinsam mit Max und dem türkischen Fahrer Ilkay (Adam Bay) mitten ins syrische Kriegsgebiet vorwagen.

"Es sollte für uns selbstverständlich sein, dass wir den Flüchtlingen helfen" Interview mit Dietmar Bär

Wie weit würden Sie gehen, wenn Ihre Familie in Gefahr gerät?

Das lässt sich theoretisch schwer beantworten, weil man Gott sei Dank selten in solch eine lebensbedrohliche Situation kommt, wie es Benno Winkler im Film passiert. Ich bin aber davon überzeugt, dass man sich immer schützend vor seine Familie, seine Angehörigen, seine Lieben schmeißt.

Was für ein Gefühl hatten Sie, als im Sommer 2015 vermehrt Flüchtlinge nach Deutschland kamen?

Das waren ja nicht die ersten Flüchtlinge, die aufgetaucht sind. Aber das Thema der Flüchtlingskrise wurde auf einmal in den Medien so präsent, dass es für viele anscheinend der historische Beginn der Flüchtlingsgeschichte Deutschlands ist. Ich erinnere mich an die großen Bilder, an wahnsinnig schöne, spontane Dinge, die man lesen und im Fernsehen sehen konnte. Auf der anderen Seite erinnere ich mich mit leisem Schrecken auch an die Inflexibilität, die manche deutsche Behörde an den Tag legte. Und natürlich auch an ein paar sehr unschöne Momente und Reflexe meiner deutschen Brüder und Schwestern.

Wie stehen Sie zur Flüchtlingskrise?


Das ist eine hochpolitische Frage, die man gar nicht als Schauspieler beantworten kann.  Aber als Bürger bin ich weiterhin davon überzeugt, dass wir das schaffen. Es gibt sicherlich Schwierigkeiten, aber die lassen sich meistern.  Wir haben in der Geschichte unseres Landes für verdammt viele Flüchtlinge auf dieser Welt gesorgt, sowohl für deutsche als auch für ausländische. Wir haben Europa durch die Mangel gedreht in den schrecklichen zwölf braunen Jahren. Allein diese jüngste Geschichte sollte es für uns selbstverständlich machen, dass wir den Flüchtlingen helfen.

Im Laufe des Films findet Benno zu den Gefühlen für seine Tochter zurück. Wie kommt es dazu?

Bennos Liebe zu seiner Tochter war ja nie wirklich weg. Ich glaube aber, dass sich Benno durch den überraschenden Tod seiner Frau mehr von seiner Tochter entfernt hat, als er sich das wahrscheinlich eingestehen will. Erst im Laufe des Films wird ihm durch Max – der Benno davon erzählt, wie seine Tochter ihren Vater seit dem Tod der Mutter erlebt hat – bewusst, was seine Tochter ihm bedeutet. Und das ist vielleicht auch das, was Benno antreibt: Auf der Suche nach seiner Tochter findet er heraus, dass die Liebe zu seinem Kind ein unglaublich starker Motor ist, der ihn weit über die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit hinausbringen kann.

Welche  Erfahrungen haben Sie mit Trauer gemacht?

Während meiner jüngsten Erlebnisse mit Trauer, also dem Abschied von meinen Eltern,  habe ich eines gelernt, dass jeder Mensch mit Trauer anders umgeht. Jeder geht anders damit um, wie er sich von den Lieben verabschiedet, aber auch mit  Verlustängsten und dem Schmerz. Das hat man zu respektieren. Die Trauer hat ein sehr merkwürdiges Energiefeld, denn der Schmerz kann wellenartig immer wieder kommen – auch nach Wochen oder Monaten des Ablebens eines geliebten Menschen. Das berührt einen zutiefst, auch weil man sich dann seiner eigenen Endlichkeit wieder bewusst wird.

Ich selbst habe erst sehr spät erleben dürfen, dass der Tod Teil des Lebens ist, weil ich als kleines Kind von Trauerfällen in der Familie sehr ferngehalten wurde. Erst beim Tod meiner Großmutter habe ich das erste Mal bewusst an einem Begräbnis teilgenommen, das fiel mir damals auf. Es ist  wichtig, dass man sich bei der Erziehung von Kindern früh mit dem Thema Tod befasst.

Der Film wurde in Marokko gedreht. In vielen Szenen kann man Ihnen die Strapazen ansehen. Wie haben Sie das bewältigt?

Dazu kann ich nur sagen: Ich bin eben Schauspieler und möchte es schaffen, überzeugend einen Apotheker spielen zu können, der sich auf den Weg macht, seine Tochter zu suchen und in Syrien an seine Grenzen stößt. Genau diese Aufgabe lauerte im Drehbuch dieses Fernsehspiels, das ist das Tolle an meinem Beruf. Man wird von anderen immer ein bisschen beneidet, wenn man an einem Ort wie Marrakesch dreht. Aber ich bin dann auf der Arbeit und habe also nicht das entspannte Gefühl, das sich vielleicht einstellt, wenn man Marokko als Urlauber besucht. Aber ich werde irgendwann nochmal zusammen mit meiner Frau zurückkommen, um das Land in Ruhe anzuschauen.

Fotohinweis

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über
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