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Copyright: ZDF / Claudia Bates
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Gebirgswelten

Dokumentationsreihe

Gebirge mit spektakulären Gipfeln und lebendigen Tälern. Sie sind Kultur- und Lebensräume mit jeweils ganz besonderen Menschen. In diesem Sommer erkunden ZDF-Reporter drei Gebirgswelten aus unterschiedlichen Weltregionen: die Alpen, die Anden und die Rocky Mountains.

  • ZDF, donnerstags: 28. Juli und 4. August 2022, 22.15 Uhr, und 11. August 2022, 22.40 Uhr
  • ZDF Mediathek, spätestens ab dem Sendetag, zwei Jahre lang

Texte

Über die Reihe

Gebirge, steingewordene Zeugnisse der Erdgeschichte. Massiv und eindrucksvoll. Landschaften, oft schmeichelnd einladend, manchmal aber auch schroff, abweisend und lebensfeindlich. Unter der Überschrift "Gebirgswelten" erkundet das ZDF diese Kultur- und Lebensräume mit ihren ganz besonderen Menschen.

Die Alpen, Anden und Rocky Mountains stehen nicht nur für unterschiedliche Weltregionen, sondern auch für unterschiedliche Geschichte, Lebensweisen und Wirtschafträume. Sie stehen auch für sich zuspitzende Probleme der heutigen Zeit, wie Klimawandel, Over-Tourismus und die Frage Natur bewahren oder nutzbar machen. Drei Gebirge, mit spektakulären Gipfeln, lebendigen Tälern, davon berichten die drei Teile der Dokumentationsreihe "Gebirgswelten" in diesem Sommer.

"Gebirgswelten: Höhenrausch und Leidenschaft in den Alpen"
Sendetermin, Stab und Inhalt

ZDF: Donnerstag, 28. Juli 2022, 22.15 Uhr
ZDFmediathek: spätestens ab dem Sendetag, zwei Jahre lang
Gebirgswelten: Höhenrausch und Leidenschaft in den Alpen 

Filmautoren_____Stefan Leifert und Nicolai Piechota
Kamera_____Thorsten Eifler, Ralph Zeilinger
Schnitt_____Heinz Peters, Hubert Müller
Redaktion_____Paul Amberg, Nicolai Piechota
Leitung_____Markus Wenniges
Sendelänge_____45 Minuten 

Die Alpen boomen: Rund 100 Millionen Menschen besuchen jährlich diese Gebirgswelten, die Gipfel und Täler entlang des Alpenhauptkammes. Die Zahl der Übernachtungen erreicht jedes Jahr neue Rekorde. Die Begeisterung der Menschen für die Alpen ist Thema der ZDF-Dokumentation, ihre Liebe und Leidenschaft zu den Bergen und der einzigartigen Natur. 

Die Region rund um den Dachsteingletscher in Österreich ist so ein Ort der Bergverrückten und Bergverliebten. Wandern, Klettern, ausgedehnte Touren und waghalsige Abfahrten mit dem Mountainbike, eine Höhle im Gletscher, eine Treppe über den Abhang. Jahr für Jahr haben sie dort neue Attraktion geschaffen und Gäste in die Gegend gelockt. Vor allem Familien kommen, um die gewaltige hochalpine Bergwelt zu erleben. Die Dokumentation begleitet Urlauber auf ihren Touren zu Gipfeln und bei anderen Ausflugerlebnissen. Die Autoren zeigen aber auch, wie die Region den Massenansturm organisiert, mit Buchungssystemen und Lenkungsportalen. 

Im Allgäu, nahe Bad Hindelang, folgt der Film hochalpinen Bergsportlern. Dort liegt in 1850 Metern Höhe eine Hütte für Bergwanderer und Kletter-Freaks: Das Prinz Luitpoldhaus. Christoph und Ulli Erd leiten mit Leidenschaft die erste Biohütte in den deutschen Alpen. Die Hütte ist mehr als 140 Jahre alt und ziemlich spartanisch ausgestattet: Bettenlager für die Übernachtung, einfache Mahlzeiten, das reichte den meisten Bergsportlern bisher. Doch das Leben in den Bergen wandelt sich. Und so wird in diesem Jahr renoviert. Neue Bäder, eine neue moderne Küche, ein neuer Gastraum. Fast 1,8 Millionen Euro werden investiert. Die Hütte ist bei Strom und Wasserversorgung völlig autark. Dazu kocht Christoph Erd nicht nur typische Gerichte wie Leberkäse und Bratkartoffeln, er kocht vor allem vegetarisch. Seine Zutaten für beispielsweise Kichererbsen-Curry sind reine Bioerzeugnisse. Überhaupt setzt der Hüttenwirt – soweit es geht – auf regionale Zutaten aus dem Allgäu. Er liebt seine Heimat, den Job hier oben und plädiert für sanfte Veränderungen. Den Charakter der alpinen Hütte bestehen lassen und die Balance zwischen Bewahren und Modernisierung halten, darum geht es dem Hüttenwirt und seinem Team im Allgäu. 

Wie intensiv das Erleben der Berge sein kann, zeigt Bergsteiger Andy Holzer. Er ist von Geburt an blind. Trotzdem klettert der Osttiroler völlig unerschrocken durch steile Felsen und schroffe Gebirgszüge. Sechs der höchsten Gipfel der Welt hat der "Blind Climber" schon erklommen. Er kletterte sogar schon am Mount Everest. In dem Film schildert er die Herausforderungen und seine Gefühle und beschreibt sein Sehen am Berg ohne Augenlicht. 

Fragen an Stefan Leifert, Co-Autor des Films über die Alpen 

Kannten Sie die Alpen schon vor den Dreharbeiten? Wenn ja: Welche Veränderungen haben Sie wahrgenommen? 

Ja, die Alpen waren schon immer Teil meines Lebens, zu jeder Jahreszeit, ob mit Skiern oder Wanderschuhen. Die Schönheit der Berge ist geblieben, ihre Nutzung hat sich verändert. Zum Glück wächst aber mit den wachsenden Besucherzahlen und Aktivitäten auch das Bewusstsein von den Grenzen der Belastung. 

Wie waren die Dreharbeiten? Welche Herausforderungen gab es? 

Mit Kamera, Stativ und Ton-Equipment im hochalpinen Gelände zu kraxeln, Interviews bei 30 Stundenkilometer auf dem E-Mountainbike zu führen oder bei strömendem Regen mit Teleobjektiv Bartgeier in der Felsnische zu filmen – das sind Herausforderungen der nicht alltäglichen Art. Für das Medium Fernsehen sind die Berge ein Geschenk: Was gibt es Schöneres, als die Stille eines Sonnenaufgangs morgens um 5.00 Uhr, wenn noch nichts anderes als Wasserfälle und singende Vögel zu hören sind? 

Was zeichnet die Menschen in den Alpen aus? 

Ihre Liebe zur Heimat und die Verantwortung, die daraus erwächst. Beeindruckt hat mich, wie die Menschen in den Gebirgswelten versuchen, eine Balance zu finden: zwischen dem Willen, die Berge allen Menschen und Hobbies zugänglich zu machen und den Grenzen des für die Natur Verträglichen. 

Was hat Sie auf Ihren Drehreisen am meisten beeindruckt – im positiven wie im negativen

Wirklich beeindruckt haben mich die leisen, unscheinbaren Momente: die kindliche Freude des blinden Bergsteigers beim Berühren des Gipfelkreuzes; die innere Zufriedenheit des 21-jährigen Fischers morgens um 5 Uhr auf dem Walchensee; die Leidenschaft, mit der ein Südtiroler Hotelier nach Jahrzehnten deftiger Küche auf vegan umstellt. Zu den bitteren Momenten zählt der Dreh auf den schmelzenden Gletschern. Es fühlt sich an, als stünde mal hilflos am Sterbebett. 

Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs 

"Gebirgswelten: Geheimnisvolle Anden"
Sendetermin, Stab und Inhalt

ZDF: Donnerstag, 4. August 2022, 22.15 Uhr
ZDFmediathek: spätestens ab dem Sendetag, zwei Jahre lang
Gebirgswelten: Geheimnisvolle Anden 

Filmautor_____Christoph Röckerath
Kamera_____Zeljko Pehar, Selim Humbaraci, Georg Schönhofer
Schnitt_____Wolfgang Daut
Producerinnen_____Eva Riedmann, Anne-Kirstin Berger
Stringer_____Silvina Marquez, Enrique Bayas, Carlos Lopez Madrid, Pilar Pezoa, Patricia Díaz
Redaktion_____Andrea Schreiber
Leitung_____Markus Wenniges
Sendelänge_____45 Minuten 

Die längste Gebirgskette der Erde zieht sich entlang der Westküste Südamerikas. Die Anden verlaufen durch sieben Länder und bilden einen eigenen Kosmos mit jahrtausendealten Traditionen. Die Dokumentation gibt Einblick in diese verborgene Welt: Von Kolumbien bis Feuerland taucht ZDF-Südamerika-Korrespondent Christoph Röckerath ein in das Leben der Andenbevölkerung. Er geht der Frage nach, wie die Menschen ihre Kultur und Identität schützen und pflegen.

Die Reise beginnt im grünen Hochland von Kolumbien. Seit Jahrtausenden begleitet die Koka-Pflanze, das heilige und heilende Kraut der Ureinwohner, das Leben in den Anden. Doch aus der traditionellen Koka-Pflanze wurde der Grundstoff für die moderne Droge Kokain. Eine indigene Unternehmerin hat sich nun das eigene Erbe zurückerobert und stellt aus der Pflanze Tees gegen die Höhenkrankheit, Salben und sogar Bier her. Sie kämpft dabei nicht nur gegen das Stigma einer gefährlichen Droge, sondern auch gegen mächtige Lebensmittelkonzerne. 

In Ecuador versuchen zwei junge Biologen die letzten Kondore zu retten. Das mächtige Wappentier des Landes ist vom Aussterben bedroht. Stundenlang harren sie aus in eisigen Höhen im Schatten der mächtigen Vulkane rund um die Hauptstadt Quito, um die verbliebenen Tiere zu fangen und mit Peilsendern zu versehen. 

Weiter südlich, in der argentinischen Provinz Jujuy, träumt Claudio davon, auf 3600 Metern, im höchsten Weinkeller der Welt, versteckt in einer alten Mine, den besten Rotwein der Welt zu erschaffen. "Aus dem Schoß der Pacha Mama, der Mutter Erde", wie Claudio sagt. "Hier liegt der Wein in der Stille, in der Ruhe, er ist die Essenz des Friedens." Die Essenz der Anden, die sein Leben prägen. "Die Anden waren das erste, das ich gesehen habe, als ich auf die Welt kam und sie sollen das letzte sein, wenn ich sie verlasse." 

Auf der anderen Seite der Berge, in Peru, gehen Geister und Götter eine pragmatische Verbindung ein, die so typisch ist für die Anden. Jedes Jahr im Juni pilgern Tausende auf 5000 Meter Höhe. Die größte Wallfahrt Perus vermischt die ursprünglichen Rituale und Traditionen der Inka mit christlichem Glauben. Auf dem Berg feiern sie christliche Gottesdienste und beten dabei nach wie vor auch den Sonnengott an. 

Nicht nur die Gipfel der Anden, auch ihre Täler bergen Geheimnisse. José Luiz aus Santiago de Chile fand heraus, dass er Nachfahre des indigenen Volkes der Selk‘nam ist, das offiziell als ausgestorben gilt. Einst besiedelte es das im Süden gelegene Feuerland und gab der Insel ihren Namen. Der Entdecker Magellan sah vom Meer aus ihr Lagerfeuer. Mit Einwanderern aus Argentinien, Chile, aber auch aus Europa kam jedoch der Tod. Vor allem Schafzüchter jagten die Ureinwohner. Es kam zum Genozid an den Selk’nam. Anfang des 20. Jahrhunderts galten sie als ausgelöscht. Wir begleiten José Luiz nach Feuerland. Es ist eine emotionale Reise zur eigenen Identität und der Frage, wie ein Land mit seiner Vergangenheit umgehen soll. 

Am Ende der Welt, jenseits der südlichsten Stadt der Erde, dem argentinischen Ushuaia, versinken die Berge langsam in den eisigen Fluten des Südatlantiks. Am Grund der letzten Täler regiert die majestätische Seespinne. Eine international bekannte Delikatesse, die von den traditionellen Fischern hier gefangen wird. Und so endet der Film auf dem Meer, umgeben von Pinguinen, Walen, im Schatten der letzten Ausläufer der Anden. 

Fragen an Christoph Röckerath, Autor des Films über die Anden 

Kannten Sie die Anden schon vor den Dreharbeiten? Wenn ja: Wann waren Sie schon einmal dort? Welche Veränderungen haben Sie wahrgenommen? 

Einzelne Regionen in den Anden kannte ich von kürzeren Dreharbeiten und als Tourist. Auf unseren knapp neun Wochen andauernden Drehreise haben wir aber gezielt die Regionen und Lebenswelten gesucht, in die man nicht so einfach und kurzfristig einen Einblick bekommt – immer der These des Filmes folgend, dass die Anden eine eigene Welt bilden, die über die modernen Nationalstaaten Südamerikas hinaus geht, und die auch, zumindest in Teilen, der Zerstörungs- und Kolonialisierungswut der spanischen Eroberer widerstanden und die alten Traditionen bewahrt hat. Am deutlichsten wird dies auf einer alljährlichen Wallfahrt in Peru: Quylluritj’i.

Diese führt in ein auf knapp 5000 Meter hoch gelegenes Tal, eingerahmt von mächtigen Gletschern, das den Inka über Jahrhunderte heilig war, und wohin sie jedes Jahr pilgerten, um, vereinfacht gesagt, sich bei den Naturgöttern für die Ernte und für das Leben zu bedanken. Dieses Fest wurde im 18. Jahrhundert von der katholischen Kirche regelrecht gekapert. Ein zentral gelegener Fels wurde zu einem Ort umgedeutet, an dem das Jesuskind erschienen sein soll. Seitdem führen Kreuze die Wallfahrt an. Doch die Nachfahren der Inka praktizieren ihre jahrhundertealten Riten einfach weiter. Die Sonne wird angebetet, wer die Rituale nicht befolgt oder schnell genug die Mütze abnimmt, wenn eine Prozession vorbei geht, bekommt Peitschenhiebe ab. Das Kreuz läuft mit, Jesus wird respektiert und verehrt, und ist doch nur eine Gottheit neben den vielen anderen, die hier schon verehrt wurden, bevor die Spanier kamen. Wir haben einen alten Schamanen begleitet, der zu den letzten in direkter Abstammung der Inka gehört. Seine Denkweise, seine Art, die Natur mit Opfern und Gebeten zu verehren ist unserer abendländischen Denkweise völlig fremd und ein faszinierender Einblick in die verborgene, alte Welt der Anden. 

Wie waren die Dreharbeiten? Welche Herausforderungen gab es? 

Die Dreharbeiten waren die aufwändigsten, die mein Team und ich je erlebt haben. Zunächst galt es, die Reisen in sechs Länder zu koordinieren – einmal durch ganz Südamerika, zwischen Äquator und Polarkreis. Oft waren wir in abgelegenen Regionen unterwegs, die schlecht oder gar nicht mit modernen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, so dass wir Dutzende Kilometer laufen mussten, unterstützt von Eseln und Maultieren für das Equipment, und oft schon in der Nacht aufbrechen mussten.
Besonders herausfordernd aber waren die Anden selbst, die Höhe und Einsamkeit. In Bolivien und Peru waren wir die meiste Zeit auf mehr als 4000 Metern.

In Bolivien haben wir die Cholitas Escaladoras begleitet, die bergsteigenden indigenen Frauen von El Alto. Diese führten uns auf einen Gipfel in 5330 Metern Höhe. Um drei Uhr morgens mussten wir aufbrechen und einen steilen, vereisten Gletscher hochlaufen – mit Seil und Steigeisen. Spätestens ab 5000 Metern wird selbst für einigermaßen trainierte und vorbereitete Menschen jeder Schritt zur Qual. Erst recht, weil wir dabei noch drehen mussten. Dennoch haben wir den Gipfel erreicht. Für mich persönlich das körperlich Anstrengendste, was ich je erlebt habe, aber auch ein unvergessliches Erlebnis.

Für die Quylluritj’i Wallfahrt in Peru mussten wir ebenfalls zu Fuß auf fast 5000 Meter und mehrere Nächte bei minus zehn Grad zelten. Dort oben hatten wir weder Strom, noch Warmwasser, noch sanitäre Anlagen. Hinzu kommt, dass wir uns oft nach den lokalen Gebräuchen und dem Sonnenlicht richten mussten, entsprechend lang waren die Wege und Tage. Oft begannen die Tage um vier Uhr morgens und selten waren wir weniger als 14 bis 16 Stunden unterwegs. 

Was zeichnet die Menschen in den von Ihnen besuchten Regionen der Anden aus? 

Eine zentrale Frage des Films ist, wie die Anden als Landschaft und Naturraum die Menschen prägen. Die Höhe und die das ganze Jahr über extremen Temperaturschwankungen machen die Menschen härter und widerstandsfähiger. Für uns war es immer wieder unverständlich, dass Unterkünfte über keine Heizung verfügten. Damit einher geht eine auffällige Naturverbundenheit, die nichts mit Esoterik zu tun hat, sondern schlicht mit der Erkenntnis, dass die Natur in den Anden das letzte Wort hat. Das Wetter diktiert den Tagesablauf. Selbst der renommierte, rationale Gletscherforscher, mit dem wir auf dem nicht mehr ganz so ewige Eis des Perito-Moreno-Gletschers in Argentinien über den Klimawandel reden, findet emotionale Worte, wenn er über seine persönliche Beziehung zu den Anden spricht. Kurz: die Anden dominieren nicht nur optisch das Bild, sie geben den Takt des Lebens vor. 

Was hat Sie auf Ihren Drehreisen am meisten beeindruckt oder überrascht?

In Südamerika allgemein, aber auch in den harschen Anden, beeindruckt mich immer wieder die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen. Ist ein Kontakt erst einmal etabliert, waren unsere Gesprächspartner in kürzester Zeit bereit, uns Einblicke in ihr Leben und Denken zu erlauben.
Ebenfalls überrascht hat uns, wie sehr indigene Traditionen selbst in urbanen Ballungszentren, wie der Millionenstadt El Alto in Bolivien fortbestehen: mitten in der Stadt brennen Opferfeuer für die Pachamama und andere alte Gottheiten. Überall, selbst in modernen Hotels stehen Schalen mit Koka-Blättern, um sie zu kauen oder Tee zuzubereiten. Ein uraltes Hausmittel gegen die negativen Auswirkungen der Höhe.

Gibt es für Sie ein Fazit nach Ihrer Reise? 

Ich denke, dass sich unsere Ausgangsthese, wonach die Anden eine eigene Welt bilden, die man bereisen muss, um sie zu verstehen, zutrifft. In einer weitgehend durch Tourismus und Social Media erschlossenen Welt ist das eine echte Seltenheit. In den Anden gibt es noch immer unzählige verborgene Lebenswelten, die seit jeher Zeitgeist, Nationalstaaten und Kolonialismus widerstehen – Regionen, in denen die Natur und Jahrhunderte alte Traditionen den Takt des Lebens vorgeben. Für unser Team war diese Reise tatsächlich, auch wenn es abgedroschen klingt, eine Reise in eine andere Realität und ich hoffe, dass der Film den Zuschauern einen kleinen Einblick in diese geben kann. 

Die Fragen stellte Birgit-Nicole Krebs 

"Gebirgswelten: Rocky Mountains – Wo der Westen noch wild ist":
Sendetermin, Stab und Inhalt 

ZDF: Donnerstag, 11. August 2022, 22.40 Uhr
ZDFmediathek: spätestens ab dem Sendetag, zwei Jahre lang
Gebirgswelten: Rocky Mountains – Wo der Westen noch wild ist 

Filmautorin_____Claudia Bates
Kamera_____Fabian Gatza, Jan Seifert, Michael Garrett
Schnitt_____Katharina Kemmer
Producerinnen_____Steffanie Riess, Kristin Foellmer
Redaktion_____Paul Amberg
Leitung_____Markus Wenniges
Sendelänge_____45 Minuten 

Die Rocky Mountains, mehr als 3100 Kilometer Felsen und Berge. Eine beeindruckende Landschaft, die nicht nur die Geologie und das Klima des Nordamerikanischen Kontinents entscheidend prägt. Die Rocky Mountains sind auch wichtiger Teil des US-amerikanischen Gründungsmythos. Es waren die Pioniere und Siedler aus Europa, die, um ein neues Leben zu beginnen und neues Land im Westen zu erobern, die monumentalen Rocky Mountains bezwangen. Mit bis zu 4400 Meter hohen Bergen war das Gebirgsmassiv lange ein schwer zu überwindendes Hindernis auf dem Weg Richtung Westen, zum Pazifik, der "Final Frontier". Gleichzeitig hatten die Ureinwohner seit tausenden von Jahren dort in Harmonie mit ihrem Land und der Natur gelebt. 

ZDF-USA-Korrespondentin Claudia Bates und ihr Team stellen die Rocky Mountains des Jahres 2022 vor. Noch immer ist die Mentalität der Menschen, die im oder am Gebirge leben, geprägt vom Gedanken, Widrigkeiten zu überwinden und in der wilden Natur zu überleben. 

Auf ihrer Reise trifft sie im Reservat der Blackfeet auf American Natives. Zwei Stammesälteste, John Murray und Tyson Running Wolf, nahmen das ZDF-Team mit auf Land, das ihnen heilig ist und nur mit Pferden zu erreichen ist. Sie erzählen, dass sie immer noch um ihren Lebensraum kämpfen müssen, zum Beispiel um ihn vor Ölbohrungen zu schützen. Und immer geht es auch um ihre Souveränität. Ihre Vision ist es, dem Leben der Vorfahren wieder näher zu kommen und zurückzukehren zu ihren Wurzeln. Auch um damit Verwerfungen in ihrer eigenen Kultur zu heilen. "Wir sind keine Demokraten und wir sind keine Republikaner. Ja, wir sind sogar nicht einmal wirklich Amerikaner. Wir sind Piikáni, Blackfeet.", sagt John Murray.

Die Reportage berichtet auch vom neuen Immobilien-Goldrausch in Montana. Reiche Amerikaner haben längst das schöne Wohnen mit Ausblick auf die Rockies entdeckt und treiben die Landpreise in die Höhe. Das verdrängt die Einheimischen. Der ursprüngliche Lebensstil, den die Zugezogenen suchen, wird durch das massive Wachstum kleiner Städte zerstört. Zu Lasten der unberührten wilden Natur. 

Zwischen den Bergen der Rockies und der unendlichen Weite der Great Plains macht das Team auf einer Rinderfarm halt. Alteingesessene Farmer kämpfen mit fallenden Rindfleischpreisen und einer Monopolbildung in der Fleischindustrie. Tausende müssen jedes Jahr aufgeben. Auch Rancher Steve Charter steht vor dem Aus. Außerdem liegt unter seinem Land ein Schatz: Kohle. Die Betreiber der benachbarten Mine versuchen, ihn von seinem Land zu verdrängen. Es sind historische Kämpfe, die in den Rockies immer noch ausgefochten werden. "Diese Situation ist nicht neu, das geht zurück bis zu den Tagen der Räuberbarone. Zu dieser Zeit haben diese großen Firmen eine Menge Macht angehäuft. Und der Kampf darum, wer das Land kontrolliert, geht immer weiter", sagt Steve Charter. 

Vom Umgang mit der Natur und deren Gewalten erzählt auch die passionierte Kletterin Madaleine Sorkin. Sie nimmt die Autorin und ihr Team mit zu einer Steilwand der Rockies. Sie ist eine der wenigen weiblichen Freeclimber. Schwer zu Überwindendendes fordert sie heraus. Berge zu erobern, treibt sie an. 

Diese Mentalität des Eroberns und Bezwingens machten die Besiedlung Amerikas durch die Europäer einst möglich. Und noch immer ist sie bei den Menschen hier präsent. Die Rocky Mountains sind auch ein Symbol für die uramerikanische Sicht, dass Hindernisse dafür da sind, überwunden zu werden. 

Fragen an Claudia Bates, Autorin des Films über die Rocky Mountains 

Kannten Sie die Rocky Mountains schon vor den Dreharbeiten? Wenn ja: Welche Veränderungen haben Sie wahrgenommen? 

Ich war bereits mehrfach in den Rocky Mountains, vor 30 Jahren schon und nochmals vor vier Jahren. Was ich als Touristin nicht wahrgenommen habe, ist, wie sehr das Leben der Menschen in den Rocky Mountains geprägt ist von der Zeit des "Wilden Westens". Hindernisse überwinden, Widrigkeiten annehmen, mit der Härte des Landes umgehen, den eiskalten Wintern, den glühend heißen Sommern, die Einfachheit des Lebens. Die gleichen Kämpfe werden weiterhin geführt und immer geht es ums Land und ums Überleben. Die kleinen Rancher, die gegen die Landnahme der großen Minen kämpfen. Die Einheimischen, die gegen die Landnahme reicher Zuziehender kämpfen. Und die Ureinwohner, die um heiliges Land kämpfen, das ihnen genommen wurde. 

Wie waren die Dreharbeiten? Welche Herausforderungen gab es? 

Die Dreharbeiten waren großartig, die Menschen, deren Geschichten wir erzählen, haben uns beeindruckt und berührt in ihrer Erdverbundenheit, ihrer Klugheit, ihrer Menschlichkeit und ihrer Offenheit. Die Landschaft ist von schier unübertrefflicher Schönheit. Sie bot gleichzeitig die größte Herausforderung, da wir mit 100 Kilogramm Equipment, Lebensmitteln und Campingausrüstung steile Berge erklimmen mussten auf mehr als 4000 Meter. Oft hatten wir mit dem Wetter zu kämpfen. Die Einheimischen freuten sich alle darüber, dass es endlich regnete, aber für unsere Aufnahmen hätten wir uns über blauen Himmel und strahlende Berggipfel gefreut, stattdessen war oft alles grau in grau. Ein Drehort war nur mit Pferden zu erreichen und manche von uns saßen noch nie auf einem. Dann über schwieriges und raues Terrain zu reiten, wo einem auch jederzeit ein Grizzlybär begegnen kann, hat ein gewisses Abenteuerpotential. Auch, dass die Berge bei Sonnenaufgang die schönsten Bilder bieten, stellte uns vor gewisse Herausforderungen. 

Was zeichnet die Menschen in den Rocky Mountains aus? 

Wir haben die Menschen als ausgesprochen resilient, abgehärtet und erd- und heimatverbunden erlebt. Gleichzeitig wunderbar reflektiert, aufgeschlossen, herzlich und warmherzig. Eine Kombination, die uns nachhaltig beeindruckt hat. Die tiefe Liebe zur Natur und zu einem einfachen Leben ohne große Annehmlichkeiten, zur Weite des Landes und zur Menschenleere dort, war tief berührend und hat uns sehr zum Nachdenken über den eigenen Lebensstil angeregt. Der Umgang mit der eigenen Geschichte war nie eindimensional, weder bei denen, deren Vorfahren sich das Land einst genommen haben, noch bei denen, deren Vorfahren es geraubt wurde. 

Gibt es für Sie ein Fazit nach Ihrer Reise? 

Die Konflikte in der Region sind die alten, historischen Kämpfe und alle sind miteinander verknüpft: Landnahme, historischer und moderner Goldrausch (heute richtet sich das Begehren auf Land und teure Immobilien), die natürlichen Widrigkeiten, die "Großen" (Bergbaukonglomerate, reiche Zuziehende) gegen die "Kleinen" (kleine Rancher, ärmere Einheimische).
Wenn man den Menschen zuhört, offen für jede Sichtweise, stellt man fest, dass jede der Wahrheiten ihre Berechtigung hat. Insofern das Fazit, wie es ein Rancher so einfach wie klug formuliert hat: "Nothing is ever simple". 

Biografien

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