Terra X: Abenteuer Karibik

Dokumentation

Paradiesische Inselwelt, endlose Strände, kristallklares Wasser - die Karibik ist nicht nur für Touristen ein lohnendes Reiseziel, sondern auch eine Schatztruhe für Forscher. Auf Grand Cayman züchten Forscher Blaue Leguane, die schon fast ausgestorben waren. In den Wäldern Costa Ricas werden Weißschulterkapuziner-Affen erforscht und in den Blue Holes der Bahamas tauchen Wissenschaftler nach Fossilen. Als neunte Folge der "Terra X"-Abenteuer-Reihe eröffnet auch diese Dokumentation wieder einen ganz besonderen Blick auf eine Region, die von vielen Menschen als Sehnsuchtsort begriffen wird.

  • ZDF, Sonntag, 30. Juli 2017, 19.30 Uhr

    Texte

    Sendedatum, Stab, Inhalt

    Samstag, 1. Juli 2017, 21.10 Uhr, Arte
    Sonntag, 30. Juli 2017, 19.30 Uhr, ZDF

    Terra X: Abenteuer Karibik

    Dokumentation

    Film von Christopher Gerisch und Anja Kindler

    Buch und Regie: Christopher Gerisch, Anja Kindler, Jens Nicolai
    Kamera: Oliver Gurr, Jürgen Heck
    Unterwasserkamera: Robert Marc Lehmann, Duncan Brake, Christian Howe
    Schnitt: Hauke Ketelsen
    Sprecher: Dietmar Wunder
    Produktion: Dinorah Castillo, Kerstin Peterssen
    Produktionsleitung: Holger Kreit (SPIEGEL TV), Cora Szielasko-Schulz (ZDF), Freda Wiethoff (ZDF)
    Executive Producer: Kay Siering
    Redaktion: Renate Marel (ZDF), Susanne Hillmann (ZDF)

    Eine Produktion von SPIEGEL TV im Auftrag des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE.

    Auf den Bahamas existieren rund 1000 Blaue Löcher. Die weitverzweigten Höhlensysteme entstanden während der Eiszeiten. Magische Zeitkapseln, denn das sauerstoffarme Tiefenwasser konserviert Skelette über Jahrtausende. Unterwasserarchäologe Florian Huber wagt sich in die Höhlen mit einem Ex-Marinetaucher, der sich dort bestens auskennt. Jenseits einer giftigen Schwefelwasserstoffschicht eröffnet sich eine grandiose Unterwasserwelt mit Tropfsteinen und Fossilien. Auf sie hat es Florian Huber abgesehen, er will sie mit einer neuen Technik in 3D abbilden und vergangene Lebenswelten rekonstruieren.

    Costa Rica ist Schauplatz einer ungewöhnlich langjährigen Forschungsarbeit. Seit 1990 werden im Naturpark Lomas Barbudal Weißschulterkapuzineraffen beobachtet, täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die Tiere gehören zu einer der am besten erforschten Affenpopulation weltweit. Sobald sie morgens ihren Schlafbaum verlassen, folgt ihnen Biologin Juliane Damm. Keine Sekunde lässt sie die Tiere aus den Augen und notiert jede Aktion der Gruppe. Die gesammelten Daten über so viele Jahre ermöglichen ein detailliertes Bild über das komplexe Sozialverhalten und die Intelligenz der Weißschulterkapuziner.

    Auf Grand Cayman lebt ein wahres Juwel der Karibik, der Blaue Leguan. Die urzeitliche Echse war Anfang der 90er Jahre fast ausgestorben, weniger als 30 Tiere lebten noch auf der Insel. Matt Götz gehört seit zehn Jahren zu einer Gruppe von Wissenschaftlern, die für das Überleben der Echse kämpfen. Über diese Art war so gut wie nichts bekannt. Durch ein aufwändiges Zucht- und Auswilderungsprogramm leben inzwischen auf Grand Cayman wieder rund 1000 Blaue Leguane: ein großer Erfolg.

    "Terra X: Abenteuer Karibik" beleuchtet neben den spannenden Wissenschaftsgeschichten auch den gesamten Lebensraum der 7000 Inseln. Informationen über die exotische Tier- und Pflanzenwelt werden ebenso gegeben wie Einblicke in die Besiedlungs- Entdeckungs- und Kolonialgeschichte. Die paradiesische Schönheit der Region lässt die Sehnsucht nachvollziehen, die immer wieder Fremde in diese Region lockt. Aber auch die Schattenseiten des karibischen Inselreiches werden thematisiert: als Ort häufiger Naturkatastrophen, Umschlagplatz für Drogen und unrühmlichen Kolonialismus. 

    Die Wissenschaftler
    Kurzbiografie und Kurzinterviews

    Dr. Florian Huber – Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher

    Dr. Florian Huber, 1975 in München geboren, studierte Archäologie, Anthropologie und Skandinavistik in München und Umeå (Schweden) sowie in Kiel und taucht seit frühester Jugend. Bevor er sich als Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher selbstständig machte, war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel und leitete dort die Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie. Huber ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, Zeitschriftenartikel sowie Bücher und steht immer wieder für Fernsehdokumentationen wie für die ZDF-Reihe "Terra X" vor der Kamera.

    Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis bei der Erforschung der Blue Holes auf den Bahamas?

    Dass die Blue Holes noch unzählige wissenschaftliche Rätsel für Archäologen, Biologen, Geologen und Klimaforscher bereithalten. Erst 200 der über 1000 Blue Holes wurden ansatzweise erkundet. Außerdem hat sich unsere Methode, archäologische Funde in 3D-Technik zu dokumentieren, auch in den Höhlen der Bahamas sehr gut bewährt.

    Was macht für Sie den Reiz einer solchen Expedition aus?

    Tauchen in wassergefüllten Höhlen ist äußerst komplex und aufwändig. Trotzdem sicher und effizient zu arbeiten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse ans Tageslicht zu bringen, machen für mich den Reiz dieser Expeditionen ins Unbekannte aus.  

    An welchem Ort der Erde würden Sie als Forschungstaucher gerne einmal abtauchen?

    Ich würde gerne mal die Titanic mit eigenen Augen sehen. Natürlich nicht als Taucher, sondern in einem U-Boot, denn das Wrack liegt in etwa 4000 Metern Tiefe.
    Als Forschungstaucher komme ich maximal 100 Meter tief.

     

    Juliane Damm

    Juliane Damm, 1988 in Zwickau geboren, studierte Biologie in Leipzig. Nach einem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in Buenos Aires hatte sie die Gelegenheit in Bolivien und Ecuador die Arbeit von verschiedenen Auswilderungsprojekten kennenzulernen. Dabei wurde sie zum ersten Mal von der Intelligenz und dem komplexen Sozialverhalten der Kapuzineraffen in den Bann gezogen. Ihre Abschlussarbeit zu hormonellen Korrelaten von akutem Stress bei wilden Weißschulterkapuzineraffen fertigte sie 2014 am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie an. 2016 begann sie ihre freiwillige Forschungsassistenz im Proyecto de Monos Lomas Barbudal, Costa Rica, geleitet von Susan Perry, Professorin für Anthropologie an der University of California, Los Angeles, USA. Im selben Jahr schloss sie ihr Zweitstudium der Kulturanthropologie mit einer Arbeit über kulturanthropologische Beiträge zum Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt ab. 

    Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis bei der Erforschung der Weißschulterkapuzineraffen in Costa Rica?

    Wenn man ein Jahr lang mit wilden Weißschulterkapuzineraffen lebt, ihren Alltag, ihre Freuden, Sorgen und turbulenten Beziehungen miterlebt, beginnt man zu erkennen, dass jedes Form von Leben einzigartig ist und ein wichtiger Teil einer größeren, natürlichen Gemeinschaft ist. Im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung haben wir also nicht nur Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen, sondern auch gegenüber allem nicht-humanen Leben, das sich in unserer Gesellschaft selbst kein Gehör verschaffen kann.

    Was macht für Sie den Reiz einer solchen Expedition aus?

    Eine solche außergewöhnliche Erfahrung kann alles Gewöhnliche in Frage stellen. Das, was man immer für Geltend gehalten hat, plötzlich eine neue Perspektive bekommt. Sei es der Forschungsgegenstand selbst, die Forschung und ihre Methode an sich oder die Position von einem selbst, als Forscherin in der Gesellschaft.

    An welchem Ort  würden Sie gern einmal forschen?

    Sicherlich will ich noch sehr viele Orte dieser Welt kennenlernen – am liebsten alle, wenn dafür ein Leben reichte, aber nicht primär, um dort zu forschen, sondern vielmehr um lokale Zusammenhänge, die mich interessieren und beschäftigen, besser zu verstehen. Besonders interessieren mich Orte in Afrika südlich der Sahara und in Asien. Die Frage nach Forschung an anderen Orten möchte ich jetzt an dieser Stelle unbeantwortet lassen, da mir gerade meine Zeit in Costa Rica deutlich gezeigt hat, dass die meisten Forscher und Akademiker dieser Welt diese Frage nicht mit der gleichen Leichtigkeit beantworten könnten, wie ich es könnte. Das beschäftigt mich in meiner Rolle als Forscherin sehr und deswegen lasse ich dem hier Raum. 

     

    Matt Götz

    Matt Götz, 1972 in Baden-Württemberg geboren und aufgewachsen, studierte Biologie an der Universität Tübingen. Matt Götz arbeitet auf den britischen Kanalinsel Jersey als Kurator für Amphibien und Reptilien des Durrell Wildlife Conservation Trust und des Jersey Zoo. Seine Arbeit umfasst sowohl die Leitung der herpetologischen Abteilung des Zoos als auch die Arbeit in den vielen Artenschutzprojekten der Organisation, hauptsächlich in der Karibik und auf Madagaskar.

    Die karibischen Leguane sind ihm in besonderer Weise ans Herz gewachsen. Seine erste Begegnung mit diesen außergewöhnlichen Reptilien war 2004 mit dem "Blauen Leguan" auf den Kaimaninseln. Seitdem arbeitet er regelmäßig sowohl mit den Leguanen der Kaimaninseln als auch in Projekten zur Erforschung und zum Erhalt anderer Leguan-Arten, sowie weiterer Reptilien- und Amphibienarten auf gut zehn Karibischen Inseln.

    Was ist die wichtigste Erkenntnis bei dem Blauen-Leguan Projekt?

    Dass man eine fast ausgestorbene Art erhalten und wieder zu guter Populationsgröße führen kann, wenn man lange genug daran arbeitet. Das setzt voraus, dass man ständig am Ball bleibt - ein Vollzeitjob.

    Was macht für Sie den Reiz eines solchen Projekts aus?

    Zum einen die Fülle an Erfahrung, die man macht, wenn man eine fast ausgestorbene Art wiederzubeleben versucht. Die Herausforderung zu Beginn und die grosse Zufriedenheit, die Freude und der Stolz, wenn es dann funktioniert. Daraus enwickeln sich Methoden, die man auch bei anderen Arten anwenden kann. Zum anderen, dass man damit nicht nur diese eine Art erhält, sondern das gesamt Ökosystem beeinflusst, in dem eine solche Art lebt.

    An welchem Ort der Erde würden Sie gerne einmal forschen?

    Dort, wo es die interessanteste Fragestellung gibt. Der Gran Chaco in Bolivien/Paraguay wäre ein sehr interessantes, einzigartiges Gebiet mit einer unglaublichen Reptilien-Artenfülle, die ebenfalls stark bedroht ist.

     

    Kai Wulf

    Um sein Betriebswirtschaftsstudium in München zu finanzieren, jobbte Kai Wulf als Tauchlehrer in München. Dadurch eröffnete sich ihm eine faszinierende Unterwasserwelt, die ihn schließlich nach Saint Lucia in der Karibik brachte.

    Die zunehmende Gefährdung der Korallenriffe war der Anstoß, sich aktiv im Umweltschutz zu engagieren und zur Gründung des ersten Unterwassernaturschutzparks der Insel beizutragen. Von 1995 an leitete Kai Wulf den Park bis zur weltweiten Anerkennung als Musterbeispiel für die Integration aller Nutzergruppen im Management der natürlichen Ressourcen ihrer Küstengebiete (UNEP/IUCN). 2009 wechselte Kai Wulf nach Saba, einer Insel in der Niederländischen Karibik. Als Parkmanager ist er verantwortlich für den Nationalpark "Saba Bank" - mit 2400 Quadratkilometern das drittgrößte unterseeische Atoll der Welt.

    Was ist die wichtigste Erkenntnis bei Ihrem Hai-Forschungsprojekt?

    Ausgangspunkt des Forschungsprojekts war die Annahme, dass das Gebiet der Saba Bank wichtig für den Schutz von migrierenden Buckelwalen und Haien ist. Speziell Haie werden weitgehend missverstanden und die weltweite Abschlachtung dieser extrem wichtigen Raubtiere an der Spitze der Nahrungskette hat einige Hai-Arten an den Rand der Ausrottung gebracht. Ohne Haie wird es aber keine gesunden Meere geben. Dementsprechend war Sinn dieser Expedition, erste Aufschlüsse über die derzeitigen Haipopulationen in der Niederländischen Karibik zu geben. Wir wollten Verhaltensweisen, Brutstätten und Jagdgebiete dokumentieren. Am Beispiel des während der Expedition besenderten Tigerhaies "Quinty" und ihrer tausende Kilometer andauernden Odyssee durch die Karibik wird ersichtlich, dass grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen nötig sind. Allerdings können selbst größere Naturschutzgebiete keine alleinige Lösung zum Artenschutz bieten.

    Was macht für Sie den Reiz einer solchen Expedition aus?

    Die Saba Bank übt einen speziellen Reiz aus, da das Atoll weitgehend unerforscht ist und viele Geheimnisse birgt. Zum Beispiel bisher unbekannte Fisch-, Korallen-, Algen- und Schwammarten. Bisher gab es nur eine Handvoll Expeditionen zur Saba Bank, und man kommt sich wie ein Pionier in einer der wenigen unerforschten Ecken der Welt vor.

    An welchem Ort der Erde würden Sie gerne einmal arbeiten und forschen?

    Mein Traum wäre es, einmal eine Expedition zu den Pitcairn Inseln im Südpazifik durchführen zu können, um die dortigen, fast unberührten Haibestände zu erforschen.

    Affentour - Drehbericht von Christopher Gerisch und Anja Kindler

    "Wo fahrt Ihr denn diesmal hin?" werden wir von den lieben Kollegen gerne gefragt. Wenn wir antworten: "In die Karibik", folgt als Reaktion: "Aha, wieder so ein Urlaubsdreh". Wir kennen das. Seit wir für die "Terra X"-Abenteuer-Reihe unterwegs sind, ziehen wir regelmäßig den Neid der Kollegen auf uns. Und die Angebote, kostenlos als Kofferträger mitzureisen, reißen nicht ab. Bei den Dreharbeiten zu "Terra X: Abenteuer Karibik" hätten wir einen Jumbo buchen müssen, um alle freiwilligen Helfer an Bord zu nehmen. Die Karibik hat eben eine ganz besondere Strahlkraft und gilt für viele Menschen als das Urlaubsparadies schlechthin. Aber dort arbeiten ....?

    Unser Geländewagen quält sich im Schritttempo über die Dschungelpiste. Wir sind auf dem Weg nach Caracol, einer sagenumwobenen Maya-Stätte mitten im Dschungel von Belize. Das mittelamerikanische Land ist bekannt für das zweitgrößte Korallenriff der Welt und das "Great Blue Hole", das vor der Küste liegt. Maya-Bauten verbindet man eher nicht mit Belize, aber genau das macht es ja gerade so spannend für uns. Nach fünfstündiger Holperfahrt schält sich endlich die Silhouette der großen Pyramide aus dem Dickicht des Urwalds. Ein Anblick, den wir so schnell nicht vergessen werden.

    Arlen Chase, einer der weltweit führenden Maya-Experten, empfängt uns. Er führt uns in das Expeditionscamp, das schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat, wie er unumwunden zugibt. Zwei von fünf Plumpsklos haben den Geist aufgegeben, die strohgedeckten Schlafhütten sehen aus, als würden sie den nächsten Sturm nicht überstehen. Wie gut, dass wir Zelte dabeihaben. Und Luftmatratzen, große Luftmatratzen. Wenn man schon sechs Tage und Nächte mitten im Dschungel verbringt, ohne Dusche, ohne Strom und ohne Internet, will man es zumindest nachts bequem haben. Blöd nur, dass die Fachkraft in dem Outdoor-Shop in Belize City vergessen hatte, uns Batterien für die elektrische Luftmatratzen-Pumpe mitzugeben. So pusteten wir uns, unterbrochen von heftigen Schwindelattacken, bis zum Anbruch der Dunkelheit die Lunge aus dem Hals.

    Dann rief das Abendessen. Immerhin – es wurde für alle Expeditionsteilnehmer täglich frisch gekocht. Der mit Holz befeuerte Steinofen ist das Reich von Angelica. Einer Nachfahrin der alten Maya. Lustig und resolut. Die Speisekarte für die nächsten Tage hatte sie klar strukturiert: Es gab Tortillas, Reis und Hühnchen, oder Hühnchen, Reis und Tortillas … Das Leben im Dschungelcamp ist kein Wunschkonzert. Aber, und das muss hier gesagt werden: Das Essen von Angelica war unglaublich lecker!

    Wir wurden gewarnt: Nehmt euch vor Schlangen, Skorpionen und Spinnen in Acht. Lasst eure Zelte nie offen und kontrolliert eure Schuhe, bevor ihr sie anzieht. Nur von den nächtlichen Geräuschen hatte uns niemand erzählt. Und so schrecke ich gleich in der ersten Nacht hoch. Ich suche benommen nach meiner Uhr, es ist viertel nach zwei. Senkrecht auf meiner Luftmatratze sitzend, versuche ich mir diese unglaublichen Laute da draußen im Dschungel zu erklären. Keine Chance, so etwas hatte ich noch nie zuvor gehört. An Schlaf ist nicht zu denken. Irgendwie muss ich dann aber doch eingedöst sein, da werde ich schon wieder von infernalischem Gebrüll aus meinen Träumen gerissen. Jetzt reicht’s, jetzt will ich wissen, was da draußen los ist. Ich schäle mich aus dem Schlafsack, öffne vorsichtig den Reißverschluss meines Zelts und wage einen Blick nach draußen. Die gute Nachricht: Es ist hell und schon ordentlich Betrieb im Camp. Die schlechte: Es sitzt niemand vor meinem Zelt, aber das Gebrüll wird trotzdem immer lauter und wilder.

    Wie gut, dass Arlen Chase gerade vorbeikommt. "Krach, welcher Krach?" erwidert er auf meine Frage. Ich muss wohl ziemlich blöde gekuckt haben, als er plötzlich zu lachen anfängt. "Ach, das sind die Brüllaffen, die machen hier die Begleitmusik im Camp, die hört man aus drei Kilometer Entfernung, aber nach dreißig Jahren gewöhnt man sich dran." Wie schön für ihn, denke ich noch, da geht das Gebrüll schon wieder los.

    Unser nächstes Ziel – schon wieder keine Palmeninsel, aber dafür Costa Rica. Und hier stehen die Affen als Forschungsobjekt im Mittelpunkt unserer Dreharbeiten. In den dichten Wäldern der Provinz Guanacaste lebt eine der am besten erforschten Affenpopulationen weltweit – Weißschulterkapuziner-Affen. Von unserer Protagonistin Juliane Damm wussten wir, dass wir die Affen frühmorgens bei ihren Schlafbäumen aufsuchen mussten, um ihnen dann den ganzen Tag über durch den Wald zu folgen. Wir hatten uns also vor Drehbeginn auf einiges gefasst gemacht – aber wie abenteuerlich es werden würde, konnten wir nicht ahnen.

    Ausgerüstet mit Kopflichtern, Mückenspray, literweise Trinkwasser und Ledergamaschen an den Waden – zum Schutz vor Schlangen – fanden wir uns um 4:30 Uhr im stockdunklen Wald wieder. Normalerweise orientieren sich Juliane Damm und ihr Team mit GPS. Mit Hilfe der Daten finden sie sonst zielsicher den Schlafbaum der Tiere. Nur nicht an diesem Morgen. Ein Forscherteam hatte die Affenbande am Vortag in dem unwegsamen Gelände verloren. Ohne genau zu wissen, wo es genau hingehen sollte, hefteten wir uns schwer bepackt an Julianes Fersen. Nur unsere Kopflichter leuchteten uns den Weg. Nach einem ziemlich orientierungslosen Marsch durch wildes Geäst, erreichten wir mit dem Sonnenaufgang den Baum, in dem Juliane die Tiere vermutete. Doch von den Affen keine Spur. Eins war klar: wir mussten die Tiere finden! Aufgeben war keine Option. Seit drei Stunden waren wir unterwegs, ohne einen einzigen Affen gesehen, oder auch nur ein einziges Bild gedreht zu haben. Querfeldein schlugen wir uns von da ab weiter durch den dichten Wald, Böschungen rauf und wieder runter, den Blick immer nach oben gerichtet, in der Hoffnung die Weißschulterkapuziner-Affen irgendwo in den Baumkronen zu erblicken. Dabei kämpften wir nicht nur gegen das dichte Geäst, sondern auch mit beißende Ameisen und aggressiven Wespen, die wir aufscheuchten, weil wir ihre Nester im dichten Grün übersahen. Nach sieben endlosen Stunden Gewaltmarsch fanden wir dann tatsächlich unsere Affenbande. Die Tiere schwangen sich weit oben in den Bäumen von Ast zu Ast. Ein beeindruckender Anblick. Von unserer Anwesenheit ließen sie sich nicht stören. Und das Beste: Es war tatsächlich die Gruppe, die am Vortag "verloren gegangen" war. Von jetzt an hieß es nur noch dranbleiben! Denn kaum hatten wir Kamera und Equipment ausgepackt, setzten sich die Affen schon wieder in Bewegung zur nächsten Futterstelle.

    Am Ende des Tages waren wir uns ziemlich sicher, so eine "Affentour" machen wir kein zweites Mal mit. Aber natürlich sind wir am nächsten Morgen dann doch wieder raus - aufgeben gilt nicht. Zur Belohnung wurden wir mit großartigen Bildern der Kapuzineraffen entschädigt und durften einmal mehr feststellen, dass die Karibik noch vielmehr als palmengesäumte Traumstrände zu bieten hat.

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