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Terra X: Das Uhrwerk des Lebens

Zweiteilige Dokumentationsreihe

Der neue "Terra X"-Zweiteiler beschäftigt sich mit der Geschichte der Kindheit und des Alters. Was ist Kindheit und wie sah sie in der Geschichte der Menschheit aus? "Terra X" blickt zurück in die Vergangenheit und stellt Fragen, die uns heute noch beschäftigen. Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein. "Terra X" will wissen, wie die Menschen altern und wie sich der Blick auf das Alter im Lauf der Jahrtausende verändert hat. Die Dokumentationen liefern Erkenntnisse der Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen in Interviews dazu bei, Perspektiven und Herausforderungen aufzuzeigen und einen neuen Zugang zu finden. 

  • ZDF, Sonntag, 24., und 31. Juli 2022, jeweils 19.30 Uhr, ZDF
  • ZDF Mediathek, Beide Folgen ab Mittwoch, 20. Juli 2022, ZDFmediathek
  • ARTE, Samstag, 9. Juli 2022, 20.15 Uhr

Texte

Folge 1: Geschichte der Kindheit

Sonntag, 24. Juli 2022, 19.30 Uhr

Buch: Florian Hartung, Heike Nelsen
Regie: Florian Hartung
Kamera: Thomas Eirich-Schneider, Moritz Bauer, Michael Khano
Schnitt: Robert Handrick
CGI: Björn Otto, Zornshot
Szenenbild: Axel Nicolet, Judith Prollius
Kostüme: Ina Damyanova, Silke Schneider
Sprecherin: Claudia Gräf
Producer: Richard Meyer zu Eissen, Anna Wening
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Martina Winkler
Postproduktion: Stefan Gohlke, Ganesha Küppers
Produktion: Susanne Faust, Stefan Friese, Valentin Kolev
Herstellungsleitung: Sascha Lienert
Produktion ZDF: Cora Szielasko-Schulz, Kerstin Schönborn, Katharina Krohmann (ZDF/ARTE)
Produzent: Florian Hartung
Redaktion: Claudia Moroni (ZDF), Peter Allenbacher (ZDF/ARTE)
Länge: 43'30''

Biologisch verläuft die Kindheit immer noch so wie vor Tausenden von Jahren. Doch die Umstände, unter denen Kinder aufwachsen, haben sich radikal verändert. In der westlichen Welt von heute haben Millionen von Kindern die Chance, zu lernen und sich frei zu entfalten.

Für die einen ist sie die schönste Zeit ihres Lebens. Für andere ist sie unerträglich. Die Kindheit ist die Zeit, in der wir am meisten wachsen und lernen. Kinder sind neugierig, sie bewegen sich mit großen Augen durch die Welt. Was ist Kindheit? Wie sind Erwachsene mit Kindern umgegangen? Wer musste arbeiten, wer durfte spielen und wer lernen? Welchen Wert haben Kinder – und wie wurden sie wahrgenommen? Gab es schon immer auch für Kinder aus armen Verhältnissen eine Chance auf Bildung?

In der Geschichte der Menschheit ging es Kindern längst nicht immer gut. Im antiken Griechenland wurde die Kindheit als Zeit menschlicher Unvollkommenheit missachtet. In Rom hing es allein vom Vater ab, ob er den Säugling annahm, aussetzte oder sogar töten ließ. In der Neuzeit mussten Kinder oft mit in den Krieg ziehen, manchmal sogar als Soldaten an die Front. In manchen Epochen starben viele von ihnen noch vor der Pubertät an Krankheiten wie Pocken, Diphtherie oder dem Schwarzen Tod. Erst die Sternstunden der Medizin, das bessere Wissen um Hygiene und die Kinderheilkunde schenkten den meisten Kindern ein langes Leben – zumindest in der westlichen Welt.

Auch die Vorstellung von einer gelungenen Erziehung wurde erst durch eine revolutionäre Idee geformt. Mit der Aufklärung – besonders durch den Roman "Emile" von Jean-Jacques Rousseau – änderte sich das Bild von einer glücklichen Kindheit grundlegend. Rousseau forderte, dass sich Kinder frei entwickeln und unbelastet ihren Neigungen nachgehen dürfen. Die Erwachsenen sollten sie dabei nur unterstützen. Mit Rousseaus Werk wurde das Konzept der autoritären Erziehung erstmals grundlegend hinterfragt, es führte aber auch zu einer lautstarken Gegenreaktion. Doch wie immer: Kinder aus ärmeren Familien mussten weiterhin hart arbeiten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts trat ein Kinderschutzgesetz in Kraft, das Arbeit in Gewerbebetrieben für Jungen und Mädchen unter zwölf Jahren verbot. Und seit 1919 gilt für ganz Deutschland die Schulpflicht. In weiten Teilen der Erde aber ist Kinderarbeit noch heute gang und gäbe – vor allem in Asien und Afrika. Ihnen wird ihre Kindheit genommen und das Recht, sich frei zu entwickeln.

Die Dokumentation erzählt von der Geschichte der Kindheit – vom ältesten Spielzeug, das Archäologen gefunden haben, von der Pädagogik im antiken Griechenland und von Kindesaussetzungen im alten Rom. Der Film zeigt auch kindliche Rollenspiele an ehrwürdigen Domschulen und Schreibfehler auf Tafeln, die mehrere tausend Jahre alt sind. Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen, Erkenntnisse über die Kindheit zu gewinnen und sie zu deuten. Dabei kommt die Dokumentation zu überraschenden Ergebnissen: Vieles in der Geschichte der Kindheit war ganz anders als bislang angenommen.

Folge 2: Geschichte des Alters

Sonntag, 31. Juli 2022, 19.30 Uhr

Buch: Heike Nelsen, Florian Hartung
Regie: Heike Nelsen
Kamera
: Moritz Bauer, Thomas Eirich-Schneider, Timm Westen
Schnitt: Robert Handrick, Jan Heidebreck, Elsa Kampen
CGI: Björn Otto, Zornshot
Szenenbild: Axel Nicolet, Judith Prollius
Kostüme:
Ina Damyanova, Silke Schneider
Sprecherin:
Claudia Gräf
Producer: Richard Meyer zu Eissen, Anna Wening
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Hartwin Brandt
Postproduktion: Stefan Gohlke, Ganesha Küppers
Produktion: Susanne Faust, Stefan Friese, ValentinKolev
Herstellungsleitung: Sascha Lienert
Produktion ZDF: Cora Szielasko-Schulz, Kerstin Schönborn, Katharina Krohmann (ZDF/ARTE)
Produzent:
Florian Hartung
Redaktion:
Claudia Moroni (ZDF), Peter Allenbacher (ZDF/ARTE)
Länge
: 43'30''

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen liegt bei etwa 80 Jahren, Tendenz steigend. Nie gab es mehr Hundertjährige als heute. Wenn Körper und Geist fit sind, genießen die Alten den Herbst des Lebens – fühlen sich jung. Manche verlieben sich sogar noch einmal.

Ein langes Leben ist ein kostbares Geschenk. Viele Alte sind klug und weise, können andere mit ihrem Erfahrungsschatz bereichern. Das Alter ist aber auch die Zeit, in der die Kraft nachlässt, die Gebrechen zunehmen. Deshalb sehnt sich der Mensch schon immer danach, den Alterungsprozess zu stoppen – der Jungbrunnen ist eine Menschheitsfantasie. In vielen Kulturen werden Alte besonders respektiert und geehrt – in manchen gilt das Alter sogar als idealer Lebensabschnitt. Alte Menschen haben aber auch Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. Und oft müssen sie schuften bis an ihr Ende. Wie altern wir? In welchem Lebensalter in der Menschheitsgeschichte galten Männer und Frauen jeweils als alt? Und wie sieht die heutige Vorstellung vom Herbst des Lebens aus?

Bereits in dem ältesten Werk der Welt, dem Gilgamesch-Epos, geht es um das Alter: Der sumerische König Gilgamesch ist auf die Suche nach dem ewigen Leben und nimmt dafür viele Risiken auf sich. Im antiken Athen war das Verhältnis zu alten Menschen und dem Altern besonders widersprüchlich. In der griechischen Komödie wurden Greise öffentlich verspottet, da ihre unförmigen Körper nicht mehr dem Ideal ihrer Zeit entsprachen. In Sparta wiederum genossen sie Ansehen und Einfluss, da Lebenserfahrung mit Weisheit verbunden wurde. Die Römer ehrten ihre Alten – zumindest die alten Männer. Cicero rühmt sie in seinem Werk "De Senectute", in dem es einzig um das Thema Alter geht. Die Frauen hingegen spürten den Druck, dem gängigen Ideal "ewiger Jugend" zu entsprechen und griffen verzweifelt zu Salben, die aus einem alten Menschen einen jungen machen sollten. Im Mittelalter war die Welt der Frauen klar geregelt: Wer jung war und wer alt, erkannte man schon an der Kleidung. Und für Ritter galt: Wer die Waffe nicht mehr sicher führen konnte, war alt und verlor an gesellschaftlichem Ansehen. Doch es gab in der Menschheitsgeschichte auch Ausnahmen wie Ramses II. oder den Dogen Enrico Dandolo, der noch mit 95 Jahren ein Heer von Kreuzrittern anführte.

Mit der Christianisierung kam im Mittelalter der Caritas-Gedanke auf, der sich in einer Institution manifestierte: dem Hospital. Es bot alten Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch ein sorgenfreies Dasein bis zum Tod. Meistens jedoch mussten die Menschen bis zum letzten Tag ihres Lebens arbeiten – bis der Körper nicht mehr konnte. Erst mit der Rentengesetzgebung im ausgehenden 19. Jahrhundert trat der Staat als Fürsorger für die Alten in Erscheinung. Er löste die Familie als Versorger ab und garantierte den Ruhestand.

"Das Uhrwerk des Lebens: Geschichte des Alters" thematisiert Errungenschaften, die das Leben der Alten grundlegend verändert haben. Die Dokumentation berichtet von neuen Erkenntnissen der Forschung über den körperlichen Altersprozess. Dabei tragen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Interviews dazu bei, Perspektiven und Herausforderungen des Alterns aufzuzeigen und einen neuen Zugang zu finden.

"Unentbehrlich sind Zuwendung, emotionale und physische Fürsorge"
Interview mit Prof. Dr. Claudia Jarzebowski (Folge: "Geschichte der Kindheit")

Prof. Claudia Jarzebowski lehrt an der Universität Bonn. Sie hat zur Geschichte der Kindheit und Emotion, zu Gewalt und Erfahrung sowie zu Leibeigenschaft und Versklavung geforscht und veröffentlicht.

Der Historiker Philippe Ariès sagt, dass Kindheit ein historisches Phänomen und keine natürliche Gegebenheit sei. Wie sieht die Forschung seinen Leitsatz heute?

Kinder sind beides. Selbstverständlich weisen sie Eigenschaften und Bedürfnisse auf, die an ihr biologisches Alter gebunden sind. Darüber hinaus aber war und ist Kindheit immer auch eine soziale und kulturelle, oft religiöse Konstruktion, denkt man etwa an die Gotteskindschaft – ein Konzept, das nicht auf die christlichen Religionen beschränkt ist. Wir können aber sagen, dass sich die Vorstellung von Kindheit in der Moderne auf die Frage nach Alter und Geschlecht verengt hat – das bedeutet eine Verarmung in der Art und Weise, wie Kinder gesehen werden.

War es früher oder ist es heute besser ein Kind zu sein?

Als Kindersoldat macht es keinen Unterschied, als versklavtes oder leibeigenes Kind auch nicht. Beides gibt es heute und gab es früher. Es hängt also davon ab, unter welchen Umständen Kinder geboren und wie sie sozialisiert werden und wurden. Deswegen ist es so wichtig, und das ist die zentrale Lehre aus der Geschichte, aus dem Blickwinkel der Kinder zu denken und nicht vom Standpunkt ihrer möglichen Verwertbarkeit als Arbeitskräfte oder Ehefrauen her.

Wie hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Welt der Kinder verändert?

Gravierend, doch nicht alles ist besser geworden: Kinder waren nie kleine Erwachsene, sondern Kinder wurden immer und in jeder Kultur als eigene, spirituelle Wesen gesehen – mit Spielzeug, kindgerechten Möbeln – und wenn es nur kleine Schlafteppiche waren. Auch gibt es in fast jeder Sprache Begriffe für Kinder. Sicher, Kinderzimmer sind eine Erscheinung der bürgerlichen Moderne. In einem mittelalterlichen Hof hätte es keinen Sinn gemacht, Kinder in ein eigenes Zimmer zu stecken. Zu groß war die Gefahr, falls es brennt, der Blitz einschlägt oder das Vieh rebelliert. Auch in adligen und königlichen Haushalten oder Höfen sollten Kinder nie allein in einem Zimmer sein – die sogenannten Kinderhöfe oder Kindertrakte dienten der Beschäftigung mit Kindern in eigenen Räumlichkeiten. Entscheidend scheint mir die Verengung auf die Vater-, Mutterbindung zu sein, die mit der Genese der bürgerlichen Gesellschaft einhergeht. Wo davor Nachbar*innen, Spielgefährt*innen, Mägde, Knechte, andere Kinder, Taufpaten et cetera die Erziehungs- und Sozialisationsgemeinschaft bildeten, stehen in der westlichen Moderne die Eltern an erster Stelle. Das ist eine Verengung, deren angebliche Fortschrittlichkeit und Unausweichlichkeit derzeit in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, die kulturvergleichend arbeiten, diskutiert wird.

Jede Epoche hat ein anderes Konzept von Kindheit. Was brauchen Kinder, um für das Leben gewappnet zu sein?

Unentbehrlich sind Zuwendung, emotionale und physische Fürsorge, möglichst friedliche Bedingungen, um die Versorgung zu gewährleisten. So viel lässt sich wohl für alle Epochen sagen, insbesondere auch für unsere Gegenwart. Viel zu selten sind diese Bedingungen erfüllt.

Was brauchen Kinder für eine glückliche Kindheit?

Glück ist relativ. Für ein leibeigenes Kind bedeutete es vielleicht Glück, nicht mit sieben Jahren auf einen anderen Hof verdingt zu werden. Für ein Söldnerkind im 30-jährigen Krieg bedeutete Glück zu überleben und vielleicht sogar eine Schule fernab vom Krieg und den Eltern zu besuchen. Für eine elfjährige Königstochter im 15. Jahrhundert konnte es ein Glück sein, nicht bereits verheiratet zu werden. Für die Königstochter selbst war es aber unter Umständen entscheidend, erfolgreich verheiratet werden zu können. Ebenso schätzte sich eine siebenjährige Theologentocher vielleicht glücklich, in ein Kloster geschickt zu werden und der Gefahr der frühen, anonymen Verheiratung zu entgehen. Das leibeigene Kind sah in seiner Tätigkeit auf einem fremden Hof eventuell ebenfalls eine sinnvolle, verdienstvolle Aufgabe. Glück ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Noch 1734 schreibt der Zeller, das Universallexikon, das Glück käme von Gott.

Die Fragen stellte Claudia Moroni.

"Es ist unser gesellschaftlicher Auftrag, stigmatisierende Altersbilder aufzubrechen"
Interview mit Dr. Alexandra Wuttke-Linnemann (Folge: "Geschichte des Alters")

Dr. Alexandra Wuttke-Linnemann ist Psychologische Psychotherapeutin und leitet das Zentrum für psychische Gesundheit im Alter in Mainz. In ihrer wissenschaftlichen und praktischen Arbeit befasst sie sich mit den Mechanismen von Stress und Resilienz im Alter, um eine bessere Gesundheitsversorgung von älteren Menschen zu fördern.

Alt zu sein gilt als das letzte Abenteuer des Lebens. Wann ist man eigentlich alt?

Historisch betrachtet kommt dem chronologischen Alter eine große Bedeutung zu. In der Gerontologie gelten die 60- bis 85-Jährigen als sogenannte "junge Alte", während die über 85-Jährigen als "alte Alte" (Hochbetagte) beschrieben werden. Die Frage, die sich allerdings stellt, ist, ob es noch zeitgemäß ist, das chronologische Alter zur Klassifikation von alt und jung zu verwenden, oder ob es nicht sinnvoller wäre, den individuellen Gesundheitszustand in Betracht zu ziehen. Denn die Heterogenität innerhalb des gleichen chronologischen Alters ist bisweilen enorm – ein 70-Jähriger, der noch Marathon läuft, kann einem 70-Jährigen, der pflegebedürftig und immobil ist, gegenüberstehen. Eine Vision ist es daher, in einer altersirrelevanten Gesellschaft zu leben, das heißt in einer Gesellschaft, in der das chronologische Alter per se keine Bedeutung mehr hat.

Was ist Ihrer Meinung nach die individuell größte Herausforderung am Älterwerden oder am alt sein?

In einer Gesellschaft, die von einer Anti-Aging-Haltung durchzogen ist, ist es vermutlich die größte Herausforderung, das Alter(n) als eine Phase der Gewinne und Verluste zugleich zu betrachten. Häufig überwiegen die Verluste in der eigenen Wahrnehmung, und dies motiviert, gegen das vermeintliche Alter(n) anzukämpfen. Hier eine gesunde Haltung zu entwickeln, die es ermöglicht, die mit dem Alter einhergehenden Veränderungen zu akzeptieren bei gleichzeitiger Würdigung der Chancen und Gewinne, die das Alter(n) mit sich bringt, ist wichtig für gelingendes Altern.

Sozialforscher haben herausgefunden, dass im Alter die Furcht wächst, als nicht mehr ebenbürtig respektiert zu werden. Wie schätzen Sie das ein?

Die größte Sorge, die Menschen mit dem Alter(n) verbinden, ist die Angst vor Autonomieverlust und damit einhergehender Abhängigkeit von anderen. Daher haben viele ältere Menschen den Wunsch, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit zu führen. Dies ist absolut unterstützenswert, und wir sollten als Gesellschaft dazu beitragen, dass Teilhabeangebote für ältere Menschen bestehen, in denen sie Selbstständigkeit und Autonomie leben können. Gerade bei älteren Menschen mit Erkrankungen, die dies auf den ersten Blick erschweren, ist es umso wichtiger, dass Angehörige, Behandelnde und das Umfeld darauf achten, so viel Selbstbestimmung wie möglich zu gewährleisten. Negative Altersbilder, die ältere Menschen als hilfsbedürftig stilisieren, sind hier kontraindiziert und verstärken solche Ängste.

Sind ältere oder alte Menschen seelisch verletzlicher als junge?

Obwohl das Alter(n) mit einer Reihe negativer Veränderungs- und Abbauprozesse verbunden ist (zum Beispiel Abnahme körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, Verlusterfahrungen und dergleichen), nimmt das Wohlbefinden im Alter deutlich zu. Dies wird als Wohlbefindensparadox bezeichnet und wird dadurch erklärt, dass ältere Menschen sich bewusst eher positiven Reizen zuwenden, während jüngere Menschen mehr negative Informationen verarbeiten. Durch den als begrenzt erlebten Zeithorizont, nutzen ältere Menschen erfolgreicher Emotionsregulationsstrategien, die Wohlbefinden fördern. Darüber hinaus verbergen sich hinter dem Begriff "gesundes Altern" Strategien, die es ermöglichen, trotz der altersbedingten Abbauprozesse zufrieden zu leben und psychisch gesund zu bleiben. Denn den älteren Menschen, denen es gelingt, die altersbedingten Veränderungen zu akzeptieren und proaktiv in ihren Alltag integrieren (beispielsweise durch Anpassung von Zielen, durch Annahme von Hilfs- und Unterstützungsangebote, wenn sie nötig sind), altern gesünder als Menschen, die gegen das Alter ankämpfen. Demnach sind ältere Menschen per se nicht seelisch verletzlicher als jüngere. Im Gegenteil: Viele Ältere nutzen erfolgreich Strategien gesunden Alterns.

Die Sehnsucht nach ewiger Jugend ist ein Menschheitstraum. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hätte es, wenn das durchschnittliche Lebensalter immer weiter steigen würde?

Wir leben in einem Zeitalter, in dem durch medizinischen Fortschritt die Lebenserwartung sowie die Lebensqualität stetig gestiegen sind. Der Begriff des demografischen Wandels bildet ab, dass sich die Bevölkerungszusammensetzung in unserer Gesellschaft verändert – und zwar in Richtung einer alternden Gesellschaft. Menschen werden heute älter und durch die medizinischen Möglichkeiten bleiben viele länger gesund als noch vor einigen Jahrzehnten. Gerade die Aufrechterhaltung von Gesundheit stellt eine große Chance der längeren Lebenserwartung dar. Demgegenüber steht allerdings, dass negative Altersbilder den öffentlichen Diskurs stark prägen. So werden älteren Menschen eher negative Eigenschaften zugeschrieben als jüngeren, und es überwiegt die Skepsis, ob sich dies und das bei älteren Menschen überhaupt noch lohne. Hier ist es unser gesellschaftlicher Auftrag, diese stigmatisierenden Altersbilder aufzubrechen und durch Alternativen in Form von realistischen und hilfreichen Bildern zu ersetzen. Dies betrifft jeden in der Gesellschaft, und es sollte unser Bestreben sein, in einer Gesellschaft zu leben, die von den älteren Menschen profitiert und sie nicht ausschließt. In diesem Sinne hat bereits Gustav Heinemann geschrieben: "Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt."

Die Fragen stellte Claudia Moroni.

"Terra X" in der ZDFmediathek und bei Youtube

Beide Folgen der Reihe sind bereits ab Mittwoch, 20. Juli 2022, in der ZDFmediathek unter terra-x.zdf.de verfügbar.

Die Folge "Geschichte der Kindheit" wird ab Sonntag, 24. Juli 2022, auf dem "Terra X"-Youtube-Kanal youtube.com/c/terra-x zu sehen sein.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF-Kommunikation, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/terrax

Weitere Informationen

"Terra X plus Schule" in der ZDFmediathek: Schule.zdf.de

"Terra X plus" bei YouTube: kurz.zdf.de/A26/

"Terra X"-Clips unter Creative-Commons-Lizenz: TerraX-CC.zdf.de

"Terra X" in der ZDFmediathek: terra-x.zdf.de

"Terra X" bei YouTube: youtube.com/c/terra-x

"Terra X" bei Facebook: facebook.com/ZDFterraX

"Terra X" bei Instagram: instagram.com/terraX

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