Terra X: Die Geschichte des Essens

Dreiteilige Dokumentarreihe mit Christian Rach

Die Furcht vor der Kartoffel, gefüllter Schwan mit Flamingo, Kaffeepolizisten und Suppe im Felltopf: Die Geschichte des Essens ist reich an Anekdoten, Skurrilitäten und Wissenswertem. Denn die Geschmäcker waren zu allen Zeiten sehr verschieden. Warum essen wir, was wir essen und wie hat sich das entwickelt? Sternekoch Christian Rach begibt sich auf eine Reise durch die Kulturgeschichte des Kochens und Essens. Es ist eine Reise in drei Gängen durch Küchen, Gärten, Bäckereien, durch Paläste und Hütten, zu Köchen, Käsern und Weinbauern, zu Erfindern und zu Visionären.

  • ZDF, ab 5. April 2015, sonntags, 19.30 Uhr
  • ZDF neo, ab 28. März 2015, samstags, 16.30 Uhr

    Texte

    "Terra X: Die Geschichte des Essens"
    Stab, Inhalt

    Stab

    Buch: Cristina Trebbi, Susanne Utzt
    Regie:
    Christian Twente, Cristina Trebbi 
    Moderation:
    Christian Rach
    Kamera:
    Torbjörn Karvang
    Schnitt: 
    Claudia Spoden
    Musik:
    Paul Rabiger
    Sprecher: 
    Josef Tratnik
    Animationen:
    Julian Balducci, Michael Brzezinski, Alexandra Hamann
    Mitarbeit: 
    Vanessa Christoffers, Igor Garbuzenko, Cornelia Stier
    Produktionsleitung Gruppe5:
    Silke Breidenbach
    Produktionsleitung ZDF: 
    Claudia Comprix, Cora Szielasko
    Redaktion ZDF: 
    Friederike Haedecke, Ricarda Schlosshan
    Produzent:
    Alexander Hesse
    Eine Produktion der Gruppe 5 Filmproduktion GmbH im Auftrag des ZDF und ZDFneo

     

    Inhalt

    Die Furcht vor der Kartoffel, gefüllter Schwan mit Flamingo, Kaffeepolizisten und Suppe im Felltopf: Die Geschichte des Essens ist reich an Anekdoten, Skurrilitäten und Wissenswertem. Denn die Geschmäcker waren zu allen Zeiten sehr verschieden. Warum essen wir, was wir essen und wie hat sich das entwickelt? Sternekoch Christian Rach begibt sich auf eine Reise durch die Kulturgeschichte des Kochens und Essens. Es ist eine Reise in drei Gängen durch Küchen, Gärten, Bäckereien, durch Paläste und Hütten, zu Köchen, Käsern und Weinbauern, zu Erfindern und zu Visionären.  

    Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das kocht. Und seine Fähigkeit, Speisen auf dem Feuer zuzubereiten, ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch durch die Jahrtausende haben sich die Kochkünste verändert und verfeinert. Bis ins 18. Jahrhundert war es üblich, den Tisch komplett mit Schüsseln einzudecken, aus denen sich die Leute gegenseitig bedienten. Um 1800 tauchte dann, ausgehend von der russischen Botschaft in Paris die Idee des "Service à la Russe" auf. Von jetzt an wird in mehreren Gängen aufgetragen, sodass die Mitte des Tisches frei für Dekorationen bleibt und die Speisenden sich der gepflegten Konversation widmen können. Auch wenn aus den Dienern heute meist Kellner geworden sind, hat sich die Tradition erhalten, in Gängen zu speisen. Christian Rach nimmt die Zuschauer mit auf eine Zeitreise durch die Küchen Deutschlands und Europas. In den drei Folgen "Vorspeise", "Hauptspeise" und "Dessert" berichtet er von Zutaten und Zubereitungen, von Sitten und Unsitten. Er erlebt und erleidet, was es zu allen Zeiten hieß, eine schmackhafte Speise auf den Tisch zu bringen.

    Folge 1: Vorspeise

    Samstag, 28. März 2015, 16.30 Uhr, ZDFneo
    Sonntag, 5. April 2015, 19.30 Uhr, ZDF

    Terra X: Die Geschichte des Essens
    Dreiteilige Dokumentarreihe mit Christian Rach

    Folge 1: Vorspeise

    Der erste Gang, die Vorspeise, besteht in Deutschland in der Regel aus Brot und Suppe. Das Brot ist das Erfolgsrezept unter den Nährmitteln. Auf ihm gründete der Erfolg des römischen Weltreiches, das mit haltbaren Broten seine Soldaten ernährte und mit "Brot und Spielen" das Volk bei Laune hielt. Bis in die Neuzeit ist Brot unser einziges Grundnahrungsmittel. Auf Kartoffeln und Reis müssen die Europäer lange warten. Christian Rach lernt im Brotmuseum Ebergötzen, wie Steinzeitmenschen und Römer ihr Brot zubereiteten: aus Einkorn, Dinkel oder Emmer, inklusive des Steinabriebs der Handmühlen. Das Knirschen zwischen den Zähnen begleitete über Jahrhunderte den Brotgenuss.

    Küchenarbeit ist Schufterei, das erfährt Christian Rach auch in einer Mittelalterküche, in der bis zu 50 Gerichte gleichzeitig für hunderte Speisende zubereitet werden mussten. Vom Rupfen des Geflügels über das Kneten des Teiges von Hand und der Schlepperei der Zutaten. Immer wieder muss er "einen Zahn zulegen", was nichts anderes hieß, als den Topf über der Feuerstelle am gezahnten Metall abzusenken, um die Hitze zu erhöhen. Erst die Jahrhunderte erleichterten das Leben der Hausfrauen und -männer. Die "Frankfurter Küche" wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt, um auf gerade einmal acht Quadratmetern die Wege in der Küche zu verkürzen und zu rationalisieren. Instantprodukte wie die Trockensuppe, die eigentlich für Seefahrer und Entdecker erfunden wurde, hielten Einzug auch in die Alltagsküche.

    In Italien eröffnet noch heute in der Regel die Nudel das Menü. In der Emilia Romagna testet Christian Rach seine Pastazubereitung im Wettstreit gegen die lokalen Nudelköniginnen und schlägt sich tapfer. Aber wie isst man die Nudel am besten? Auch hier haben die Zeiten und Regionen ganz unterschiedliche Sitten hervorgebracht. Am schwersten hatte es die Gabel, sich durchzusetzen, hielt man sie doch lange für ein Werkzeug des Teufels. Noch Ludwig XIV. schlürfte seine Ragouts am liebsten durch die Finger. Doch der Siegeszug der Gabel war im Zuge der Verfeinerung der Tischsitten unaufhaltsam.

    Auch unfeine Geräusche bei Tisch waren schließlich verpönt. Andere Neuerungen waren nur kurze Zeit Trend, wie das rabiate Überwürzen von Speisen, um den eigenen Reichtum unter Beweis zu stellen. Christian Rach testet eine mittelalterliche Würzpaste. Ein Erlebnis, das nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen ist. Doch der menschliche Gaumen erträgt einiges, wenn er sich nur daran gewöhnt. Denn schließlich ist der Mensch, neben Ratte und Schwein, auch das einzige Lebewesen, das eigentlich alles essen kann. Wenn es denn will.

    Folge 2: Hauptspeise

    Samstag, 11. April 2015, 16.30 Uhr, ZDFneo
    Sonntag, 12. April 2015, 19.30 Uhr, ZDF

    Terra X: Die Geschichte des Essens
    Dreiteilige Dokumentarreihe mit Christian Rach

    Folge 2: Hauptspeise

    Über Jahrhunderte gilt in Deutschland Fleisch als wertvoller im Vergleich zu Gemüse, Früchten oder Fisch. Das Ergebnis: Deutschland ist Wurstweltmeister, 1500 Sorten wurden hierzulande entwickelt. Doch auf die Idee, Fleisch durch Erhitzen erst einmal verdaulicher zu machen, musste man erst einmal kommen. Christian Rach lernt, eine Steinzeitsuppe im Felltopf zu kochen. Wenn man es weiß, ist es ganz einfach: Ein Fell in eine Vertiefung am Boden legen, Wasser und Zutaten rein, anschließend heiße Steine wie einen Tauchsieder einführen, fertig ist ein brodelndes Gebräu. Und es schmeckt besser als erwartet.

    Die Küche späterer Jahrhunderte hielt dann schon raffiniertere Genüsse bereit. Auch wenn die verspeisten Tiere uns heute etwas befremdlich anmuten: Biber oder Otter, Schwäne, Kraniche, sogar Flamingos oder Pfauen wurden aufgetischt. An des Königs oder Fürsten Tafel wurden sie dann auch gern als Schaugericht präsentiert, wie Kalbskopf auf Fleischfladen mit Blumen aus Eiweiß oder Huhn im Glas mit aufgeblasener Haut. Gegessen wurde so etwas eher nicht, doch man stellte seinen Reichtum und Erfindungsgeist damit zur Schau. Und die Beilagen? Die Kartoffel, die noch immer auf den allermeisten Tischen gereicht wird, hatte es schwer, sich durchzusetzen. Erst höchste Anweisung durch Preußenkönig Friedrich II. machte sie salonfähig. Gemüse setzte sich schrittweise durch, erst recht seit man um seinen Vitaminreichtum weiß.

    Wieviel verzehrt wurde, macht heute staunen. So verputzte ein Steinzeitmensch zwischen 4500 und 5000 Kalorien am Tag. Er benötigte sie auch, um das körperlich anstrengende Leben zu meistern. Doch auch noch im Mittelalter nahmen Menschen, sofern nicht gerade Missernten, Kriege oder Dürren herrschten, bis zu 4000 Kalorien zu sich. Fatale Auswirkungen hatte solch eine Ernährung bei denjenigen, die sich nicht mehr körperlich betätigen mussten. Dass die Klosterbrüder des Mittelalters wohlbeleibt waren, ist kein Gerücht. Sie brachten es bisweilen auf bis zu 10 000 Kalorien am Tag.

    Von einer gepflegten Tafel war Wein über viele Jahrhunderte nicht wegzudenken. Im Kloster Eberbach im Rheingau erfährt Christian Rach, was es hieß, die Trauben von Hand zu lesen und in hölzernen Keltern zu pressen. Ein Aufwand, der gern in Kauf genommen wurde. Früher lag der Weinkonsum höher als heute, da  Trinkwasser oft ungenießbar war.

    Folge 3: Dessert

    Samstag, 18. April 2015, 16.30 Uhr, ZDFneo
    Sonntag, 19. April 2015, 19.30 Uhr, ZDF

    Terra X: Die Geschichte des Essens
    Dreiteilige Dokumentarreihe mit Christian Rach

    Folge 3: Dessert

    Ernährungsexperten sind die Nachspeisen suspekt: Sie gelten als dekadent, unnötig und in größeren Mengen sogar als schädlich. Aber genau das ist es ja, was Süßspeisen so reizvoll macht. Christian Rach begibt sich auf die Reise durch die Geschichte von Kuchen und Pudding, Pralinen und Schokolade.

    Unsere Vorstellung von Nachtisch oder Dessert entwickelte sich erst im 17. Jahrhundert an den Höfen Frankreichs. Vorher aß man in gehobenen Kreisen Europas noch dem "Buffet-Stil": alles kam auf einmal auf den Tisch, süß und salzig wurden nicht getrennt. Ein Großteil der Buffets war ohnehin gesüßt, denn Zucker galt als gesund. Man süßte auch Taubenragout, Nieren-Pudding, Austern oder Fisch. Dann wandelt sich der Geschmack: Süßes und Salziges wurden getrennt. Und allmählich entwickelt sich ein eigener letzter, ausschließlich süßer, Gang: unser Dessert.

    Seit die Kreuzritter im 12. Jahrhundert den Zucker aus dem Nahen Osten mitbrachten, ist er ein Prestigeobjekt, das anfangs sogar in Gold und Silber aufgewogen wurde. Der industrielle Anbau von Zuckerrohr in der Karibik machte den Zucker preiswerter, doch er blieb ein Zeichen von Wohlstand und Macht. Zuckerbäcker und Patissiers galten in der Renaissance als Künstler und gestalteten die Tafeln der Adeligen mit ihren Zuckerkreationen. Die größten Zucker-Extravaganzen leistete sich die Handelsstadt Venedig: Prominente auswärtige Gäste und Herrscher wurden mit süßen Festmahlen beeindruckt. Es gab Zucker-Skulpturen von Päpsten, Königen, Kardinälen, Göttern und Tieren und bisweilen wurden ganze Gedecke täuschend echt aus Zucker geformt. Praktisch: Zerbrach ein Teller oder eine Gabel, konnte man die Reste gleich verspeisen.

    Pudding, die deutsche Süßspeise schlechthin, hat ihren Namen eigentlich von einer Fleischspeise, die schon die alten Griechen kannten. In Italien nannte man sie "Budino", in Frankreich "Boudain". Das bedeutete ursprünglich: "Wurstteig im Darm". Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Füllung des Darms süß. Und dann wurde der Darm durch ein Tuch oder eine Blechform ersetzt. Der Name Pudding ist geblieben.

    Christian Rach testet eines der ältesten erhaltenen Kuchenrezepte der Welt. Es stammt von den Babyloniern und wurde im 2. Jahrtausend vor Christus aufgeschrieben. In Südtirol versucht er sich als "Eisschnellläufer". Auch im alten Rom trank man schon eisgekühlte Getränke. Kaiser Nero liebte wohl gecrushtes Eis mit Sirup, den antiken "Smoothie". Und er hatte gleich mehrere Sklaven abgestellt, ihm das begehrte Eis zu besorgen. Nicht nur der Kaiser, auch andere reiche Bürger, sogar Fischhändler verfügten über solche Läufer, die gepresste Schneeblöcke aus den nahe gelegenen Bergen und sogar den Alpen in die Stadt brachten. Christian Rach geht auch der Frage nach, was es mit den "Kaffeepolizisten" auf sich hatte, die Friedrich der Große in den Straßen Preußens schnüffeln schickte und warum Schokolade so lange als suspekt galt.

    "Essen ist ein kulturhistorisches Ereignis"
    Interview mit Christian Rach

    Sie präsentieren in "Terra X – Geschichte des Essens" erstmals eine kulturhistorische Dokumentarreihe. Wie war diese neue Rolle für Sie?

    Essen und Trinken waren jahrelang nur reine Nahrungsaufnahme in Deutschland. Dies änderte sich schlagartig als Mitte der 70er Jahre junge Köche aus Frankreich zurückkamen und eine neue Form des Kochens und des Genießens zu uns brachten. Essen und Trinken schickten sich an, auch in den Medien stattzufinden, sprich: Es ist im Zentrum unseres Alltags und damit auch unserer Kultur angekommen. Deutschland, das Land der Dichter und Denker hat erkannt, dass Essen ein kulturhistorisches Ereignis ist. Das ist die Grundlage meiner Überzeugung und insofern habe ich mich unglaublich gefreut, diese Rolle bei "Terra X" übernehmen zu dürfen.

    Was hat Sie bei den Dreharbeiten am meisten überrascht?

    Mit welcher Akribie die Vorbereitungen nicht nur fernsehmäßig, sondern auch wissenschaftlich gemacht wurden.

    Die Möglichkeiten der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln haben dazu geführt, dass wir uns heute schlecht ernähren, so eine gängige Meinung. War das denn früher wirklich besser?

    Unsere Lebensmittelindustrie ist auf einem wahnsinnig hohen Standard. Heute könnten wir all die Menschen nicht aus dem Vorgarten heraus ernähren. Trotzdem war es damals unvergleichlich schwerer, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Wer das heute möchte, hat jenseits von Chemie auch alle Möglichkeiten.

    Könnten Sie eines der historischen Rezepte, die Sie für diese Reihe getestet haben, heute noch empfehlen? Oder wovon würden Sie eher abraten?

    Der Mensch in seiner historischen Entwicklung verbrauchte früher weit mehr als 4000 Kilokalorien am Tag – es ging ständig ums nackte Überleben. Und das kostete Kraft. Heute herrscht eine völlig andere "Überlebensstrategie". Also, die alten Rezepte sind "nicht mehr zeitgemäß".

    Vegan und Steinzeitküche sind ja momentan wieder sehr im Trend. Was halten Sie von diesen Ernährungsformen? Wäre das etwas für Sie?

    Die vegane Lebensweise ist vermutlich im großen Teil ein Protest gegen die Auswüchse der Ernährungsindustrie, der Tierzucht und -haltung, der Überfischung. Diese kann ich eigentlich nur unterstützen.

    Die Fragen stellten Friederike Haedecke und Magda Huthmann.

    Skurrile Kochrezepte

    Menüvorschlag aus der mittelalterlichen Küche:

    Manche der Rezepte, die sich etwa im Kochbuch des Apicius aus der Römerzeit oder in mittelalterlichen Kochbüchern finden, klingen für uns heute befremdlich und eignen sich nicht zum Nachkochen. Da gibt es gekochten Flamingo in Minz-Dattelsauce (wahlweise mit Papagei); Gebärmutter von Jungsauen mit Laserwurzel; gesottenen Biberschwanz mit Lebkuchen gebunden oder gefüllten Kuheuter. Marx Rumpolt, der Mundkoch des Kurfürsten von Mainz, empfiehlt 1581 in seinem Kochbuch sogar "Neunerlei vom Adler" oder Rezepte zu einer Vielzahl kleinerer Vögel wie Grünspechten, Amseln oder Nachtigallen. Hier ein Menüvorschlag aus der Kochgeschichte zum Nachkochen.

     

    Eierkuchen mit Spargel

    Marcus Gavius Apicius: De re coquinaria. Das römische Kochbuch des Apicius, dem ersten überlieferten Kochbuch Europas (die ersten zwei gedruckten Fassungen des Apicius erschienen gegen Ende des 15. Jahrhunderts, ein Jahrtausend nach der ersten Handschrift).

    "In einen Reibstein gib die Kopfenden von Spargeln und verreibe sie mit Wein, Pfeffer, Liebstöckel, frischem Koriander, Bohnenkraut, Liquamen und Öl. Diesen Brei schütte in eine eingefettete Pfanne, vermische ihn mit Eiern und setzte die Pfanne aufs Feuer. Wenn alles gestockt ist, streue Pfeffer über und serviere."


    Zutaten:

    1 kg Spargel

    1 kleine Zwiebel

    150 ml Weißwein

    1 dicker Tropfen Olivenöl

    30 ml Fischsauce

    Gehackter frischer Koriander

    1 TL gehacktes frisches Bohnenkraut

    1 TL Selleriegrün oder Liebstöckel

    Butter zum Einfetten

    4 Eier

     
    Zubereitung:

    Den Spargel kochen und abkühlen lassen. Währenddessen die Zwiebel fein würfeln, weich dünsten, ebenfalls abkühlen lassen. Beides im Mixer pürieren. Wein, Öl, Fischsauce und Kräuter untermengen. Eine Form einfetten und die Mischung hineingeben, die Eier darüber schlagen und bei 190 Grad backen. Vor dem Auftragen mit ½ TL gemahlenem schwarzen Pfeffer bestreuen.

     

    Spanferkel

    Buoch von guoter spise, auch "Würzburger Kochbuch" genannt, ist das erste (um 1350) in deutscher Sprache verfasste "Kochbuch".

    "Ein gebraten gefultez frehelin mache also: Nim ein verkelin daz drier wuchen alt si, vnd bru daz kule vnd zuhe im daz har allez ab, daz man ez iht wunde. So sol man im vmme den rans vzzene di hut lazzen … (etc.)"


    4 Stunden Zubereitungszeit für 4-8 Personen


    Zutaten:

    1 Spanferkel (etwa 3 Wochen alt)

    1 l dunkles Bier

    ½ Tasse Öl

    1 EL gehackte Petersilie

    1 Zitorne

    2 EL Mehl


    Für die Füllung:

    Innereien des Ferkels

    2 Zwiebeln

    6 EL Butter

    2 Eier

    4 fein gehackte Salbeiblätter

    1 Prise geriebene Muskatnuss

    150 g Paniermehl


    Zubereitung:

    Das Ferkel herrichten, abreiben, mit Bier übergießen und unter mehrmaligem Wenden eine Stunde ziehen lassen. Währenddessen die Füllung bereiten: Die Innereien fein hacken. Die Zwiebeln fein würfeln und in 3 EL Butter anrösten. Beides mit restlicher zerlassener Butter, Eigelb, Kräutern, Pfeffer, Salz und Paniermehl gut vermengen. Eiweiß zu Schnee schlagen und unterziehen.
    Das Ferkel aus dem Bier nehmen, gut trockentupfen, das Nierenfett entfernen. Die Füllung hineinstopfen, zunähen und dressieren, also die Füße nach der Mitte hin zusammenbinden. Pfeffern, salzen, mit heißem Öl einpinseln. Im Ofen bei schwacher Hitze zwei bis zweieinhalb Stunden braten, dabei ab und zu mit Bier begießen. Prüfen, ob das Fleisch gar ist. Wenn beim Einstechen mit einer Gabel noch Blut austritt, weiterbraten. Auf einer vorgewärmten Platte anrichten, mit Petersilie und Zitronenscheiben garnieren. Aus dem Bratfond mit Brühe, etwas Mehl, Pfeffer und Salz eine Sauce bereiten, getrennt dazu servieren.

     

    Gebratene Quitten

    Aus dem Kochbuch der Philippine Welser, um 1545 in Augsburg.


    Zutaten:

    600 g Quitten

    Butterschmalz oder Öl

    125 g Mehl

    1 TL Zucker

    1 Prise Vanille

    ¼ ungespritzte Zitrone

    1/8 l dunkles Bier

    2 Eier

    2 EL brauner Zucker oder Zucker-Zimt-Mischung


    Zubereitung:

    Die Quitten schälen, längs vierteln, das Kerngehäuse herausschneiden und die Viertel in Scheiben schneiden. 1 EL Butterschmalz erhitzen und die Quitten bei schwacher Hitze zugedeckt 15 Minuten dünsten. In einer Schüssel Mehl mit Zucker, Salz, Vanille, abgeriebener Zitronenschale und Bier verrühren, die Eier untermischen. Die abgekühlten Quitten zugeben und in der Schüssel schwenken, bis sie mit Teig überzogen sind. Quittenscheiben einzeln mit einer Gabel aus dem Teig fischen, etwas abtropfen lassen und portionsweise im heißen Butterschmalz bei mittlerer bis schwacher Hitze etwa 4 Minuten goldgelb braten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, mit braunem Zucker bestreuen und heiß servieren.

     

    (Quelle: Jacob Blume: Das Buch von guter Speise. Mittelalterlich kochen, Werkstatt Verlag Göttingen 2004)

    Infohäppchen

    Wussten Sie, dass ...

     

    ... der Mensch das einzige Lebewesen ist, das kochen kann?

    ... Kochzeiten in frühen Kochbüchern meist fehlen? Wenn überhaupt stehen im Rezept Angaben wie "bete zwei Vaterunser" oder "laufe einmal ums Feld", dann ist das Essen gar.

    ... die Verwendung der Gabel von Ludwig XIV. an seiner Tafel verboten wurde, obwohl sie in seiner Zeit längst zum guten Ton gehörte? Er war besonders stolz darauf, wie geschickt er Geflügelragout mit den Fingern essen konnte.

    ... Austern eine Armenspeise waren? Der englische Schriftsteller Charles Dickens schrieb im 19. Jahrhundert: "Wenn jemand sehr arm ist, dann geht er aus dem Haus und isst Austern in echter Verzweiflung." Seit jeher gilt die Faustformel: nicht der Geschmack entscheidet, sondern was selten ist, wird zur Delikatesse.

    ... Pfeffer früher in Gold aufgewogen wurde? Pfeffer und auch andere Gewürze waren jahrhundertelang Luxusgüter. Die Reichsten benutzten sie verschwenderisch, für den Normalmenschen aber waren sie unerschwinglich.

    ... Weißbrot früher so kostbar war, dass Fälscher große Geschäfte machten? Die Bäcker färbten ihr dunkles Brot mit Gips, Kreide oder gemahlenen Knochen weiß.

    ... das Eis für altrömische "Smoothies" von Eisschnellläufern aus den Bergen besorgt werden musste?

    ... Tomaten bis zur Entdeckung Amerikas in Europa gänzlich unbekannt waren? Das gleiche gilt für Paprika, Kürbis und natürlich die Kartoffel.

    ... Pommes Frites von den Belgiern 1680 als Fisch-Imitat erfunden wurden? Eigentlich aßen sie gerne frittierten Fisch. Als der aber Mangelware wurde, probierten sie es ersatzweise mit Kartoffel-Schnitzen – die Pommes waren geboren.

    ... gleiches Brot revolutionär war? Die Französische Revolution führte leider nicht dazu, dass alle Menschen gleich waren, dafür aber das Brot. Das Dekret vom 25. Brumaire des Jahres zwei (15.11.1793) bestimmte, dass Bäcker nur eine Art Brot backen durften, ein Mischbrot aus drei Teilen Weizen und einem Teil Roggen oder Gerste. Vorher hatten die Reichen am liebsten Weißbrot gegessen, die Armen dunkles.

    ... unser "Prosit" auf eine altgriechische und römische Sitte zurückgeht? Wer seinen Becher einem anderen entgegenhob, wünschte ihm Wohl. Der Zutrinker hatte den ersten Schluck, um zu beweisen, falls er der Gastageber war, dass das Getränk kein Gift enthielt.

    ... der "Katzentisch" der spöttische Ausdruck für den Fußboden war, von dem die Katzen aßen? Später war das die Bezeichnung für den Platz, der am weitesten von der prominenten Person entfernt ist.

    ... Kartoffeln und Leidenschaft zusammengehören? Früher sagte man der Kartoffel einschlägige Wirkung in Sachen Liebe nach. Jedenfalls zu Zeiten, in der Kartoffeln selten, kaum bekannt und teuer waren.

    ... wir die "Gänge" einer Mahlzeit den Russen zu verdanken haben? Beim "russischen Service" wurden die Speisen von Dienern nacheinander gebracht. Jeder "Gang" aus der Küche zum Tisch bestand aus einem Gericht. Bis ins 18. Jahrhundert war es üblich, alle Speisen auf einmal auf den Tisch zu stellen.

    ... die erste Spülmaschine von einer Frau, der Amerikanerin Josephine Cochrane, erfunden wurde, nachdem Männer vor ihr an dem Experiment gescheitert waren?

    ... "Die Tafel aufheben" das Ende eines Essens bezeichnet, weil nach einem mittelalterlichen Essen tatsächlich die Tafel samt Geschirr und Speiseresten von Dienern weggetragen wurde?

    ... die Deutschen Wurst-Weltmeister sind? 1500 Sorten werden hierzulande entwickelt, vom Frankfurter Würstchen, über die Trierer Andullien bis zur Münchner Weißwurst.

    ... Zucker erst im 12. Jahrhundert mit den Kreuzrittern nach Europa kam? Früher süßte man mit Honig.

    ... Städte wie Oxford oder Ochsenfurt so heißen, weil sie an den früheren Fleischversorgungs-Straßen Europas, den sogenannten Ochsenwegen liegen? Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in den Städten Europas entdeckten die  Menschen in der Neuzeit ihren großen Appetit auf Fleisch und es entwickelte sich ein gigantischer Tierhandel.

    ... der deutsche Name Müller, der auf den Beruf des Müllers zurückgeht, deswegen der häufigste und am weitesten verbreitete ist, weil seit dem 12. Jahrhundert fast jeder Ort mindestens eine eigene Mühle besaß?

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