Terra X: Nordamerikas versteckte Paradiese

Dokumentation

Für Naturliebhaberinnen und -liebhaber zählen die unberührten Landschaften Nordamerikas zu den schönsten der Erde. Die "Terra X"-Dokumentation entführt in abgelegene, menschenleere und wilde Gegenden in Kanada und den USA. Vom hohen Norden des nordamerikanischen Kontinents bis weit in den wilden Westen, den entlegenen Osten und tief in den Süden. Die Autorinnen Anja Kindler und Iris Gesang unternehmen eine Reise zu den unterschiedlichen Landschaften. Die 60-minütige "Terra X"-Folge lädt zum Träumen ein und stellt Sehnsuchtsorte und besondere Menschen vor, die sich mit großer Begeisterung für "Nordamerikas versteckte Paradiese" einsetzen.

  • ZDF, Samstag, 1. Januar 2022, 19.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ab Donnerstag, 23. Dezember 2021, 10.00 Uhr

Texte

Stab, Inhalt

Samstag, 1. Januar 2022, 19.15 Uhr, ZDF
ab Donnerstag, 23. Dezember 2021, 10.00 Uhr, ZDFmediathek

Terra X: Nordamerikas versteckte Paradiese

Buch und Regie: Iris Gesang, Anja Kindler
Kamera: Jürgen Heck, Rasmus Sievers
zusätzliche Aufnahmen: Rüdi Abbühl, Lindsey Jones, Oliver Richardt, Yannick Schmeil, Toby Stephenson, Sean Todd
Schnitt: Hauke Ketelsen, Christian R. Timmann
Grafik: Richard Sako
Musik: Mathias Rehfeldt
Sprecher: Jacob Weigert
Produktionsleitung: Kerstin Peterssen (SPIEGEL TV), Petra Ziegler (ZDF), Cora Szielasko-Schulz (ZDF)
Produzent: Kay Siering
Redaktion: Susanne Hillmann (ZDF)
Länge: zirka 60'

Nördlich des Polarkreises führt Schlittenhundeführer Paul Josie als Mitglied der Vuntut Gwitchin First Nation ein freies Leben in klirrender Kälte. Sanfte Hügel und ein riesiges Flusssystem mit unzähligen Seen prägen dieses wilde Gebiet am Porcupine River. Hier trainiert Paul Josie täglich sein zehnköpfiges Husky-Gespann und knüpft mit seiner Familie in Old Crow an Tradition und Kultur der Vuntut Gwitchin an. Vuntut Gwitchin bedeutet "Menschen der Seen" und auch heute noch lebt Pauls Volk vom Fischen und der Jagd auf Karibus.

Im wilden Westen erforscht Celeste Carlisle wilde Mustangs in der hügeligen Vulkanlandschaft um Twin Peaks. Die Biologin beobachtet verschiedene Mustang-Herden das ganze Jahr über, um mit einer wissenschaftlich überwachten Verhütung auf sanfte Weise die Population zu regulieren. Denn wilde Mustangs galten lange als Plage für die Landwirtschaft und werden bis heute zur Bestandsregulierung gejagt und gefangen. Dabei werden immer wieder Familienverbände auseinandergerissen. Gemeinsam mit Pferdeschützerin Neda DeMayo sorgt Celeste dafür, dass Mustangs verschiedener Blutlinien in kleinen Herden wieder zusammengeführt werden. Neda DeMayo päppelt einzelne Tiere hoch, und sobald sie gesund und kräftig sind, entlässt sie die stolzen Pferde zurück in die Freiheit in ein angrenzendes weitläufiges Schutzgebiet. Manche Mustang-Herden lassen sich bis auf die spanischen Eroberer aus dem 17. Jahrhundert zurückführen.

Im entlegenen Osten haben Lindsey Jones und Sean Todd vom College of the Atlantic ihr Leben den großen Meeressäugern gewidmet. Mount Desert Rock, eine kleine Insel im Golf von Maine, liegt in einem der wichtigsten marinen Lebensräume weltweit. Von dort beobachten und erforschen die Meeresbiologen Wale bis hinauf in die kanadischen Gewässer. Die Temperatur im Nordatlantik ist seit 2005 stark angestiegen. So warm wie in diesem Jahr war das Wasser seit 3000 Jahren nicht, das hat ein US-amerikanisches und kanadisches Forscherteam herausgefunden. Fraglich ist, ob die Wale an der Ostküste Nordamerikas künftig noch genug zu fressen finden werden.

Ganz im Süden liegt das größte Sumpfgebiet der USA: das Atchafalaya Basin in Louisiana. Eine verwunschene Sumpflandschaft, gespeist vom Atchafalaya, einem 270 Kilometer langen, mäandernden Fluss. Sein Becken ist viereinhalb Mal so groß wie der Bodensee und neben Alligatoren und Wasservögeln durchstreifen Tiere die Wälder, die man hier nicht erwartet: Louisiana-Schwarzbären. Das verdanken sie Maria Davidson: Seit 28 Jahren leitet die Biologin ein erfolgreiches Auswilderungsprogramm. Galt die Schwarzbärenart 1992 noch als gefährdet, hat sich ihr Bestand in Louisiana seit 2016 stabilisiert und sieht nun einer gesicherten Zukunft entgegen.

"Ein heiliger Ort, der bewahrt werden muss"
Drehbericht von Anja Kindler und Iris Gesang

Noch nie haben meine Kollegin Anja Kindler und ich uns so angestrengt, abgelegene und paradiesische Orte für einen Film zu recherchieren und mit unseren Teams dann irgendwann auch physisch zu erreichen wie für die "Terra X"-Doku "Nordamerikas versteckte Paradiese". Corona hat vieles verhindert oder unmöglich gemacht, was bislang ganz selbstverständlich schien. So ist die Kommunikation mit Forschenden in Nordamerika deutlich schwieriger geworden. Nach fast zwei Jahren Arbeit war die Belohnung dann für Anja und mich und unsere Teams umso größer.

Über die Drehreise an den Nordpolarkreis 2020

Das Ziel unserer ersten Drehreise im Frühjahr 2020 war Old Crow im nördlichen Yukon. Wie entlegen unser Drehort im Norden Kanadas wirklich ist, wurde uns schon bei der Anreise bewusst. Nach gut acht Stunden Flug von Deutschland nach Kanada, flogen wir noch einmal sechseinhalb Stunden von der Ost- an die Westküste nach Vancouver und mit Zwischenstopp ging es dann noch weitere sechs Stunden Richtung Norden nach Old Crow. Der kleine Ort, nicht weit entfernt von der Grenze zu Alaska, ist die einzige Fly-in-Community im Yukon und im Winter nur mit dem Flugzeug zu erreichen, im Sommer auch per Boot. Unser Protagonist Paul Josie hatte uns vorgewarnt. Die Temperaturen seien in den vergangenen Wochen extrem gewesen, und wir sollten genügend warme Sachen mitbringen.

Bei unserer Ankunft Mitte März zeigte das Thermometer knapp 35 Grad unter null an und es wehte ein eisiger Wind. Paul erwartete uns bereits und wir nutzten den Tag, um die Umgebung von Old Crow kennen zu lernen. So begeistert wir im ersten Moment auch von der kalten, weißen Landschaft waren, so schnell bremste die beißende Kälte unseren Enthusiasmus. Vor allem der Wind machte uns zu schaffen! Nicht nur, dass wir uns selbst vor der Kälte schützen mussten, wir wussten auch nicht, wie das empfindliche Kameraequipment auf die frostigen Temperaturen reagieren würde.

Gleich am ersten Tag fuhren wir mit Schneemobilen zum Crow Mountain, um von dort einen Überblick auf die fluss- und seenreiche Umgebung von Old Crow zu bekommen. Zwischen lichten Nadelwäldern schlängelte sich der zugefrorene und schneebedeckte Porcupine River durch die Landschaft, umgeben von unzähligen ebenfalls zugefrorenen Seen. Ein beeindruckender Ausblick und ein idealer Ort für Landschaftsaufnahmen. Aber das Filmen erwies sich als äußerst schwierig. Schon nach wenigen Minuten hatte unser Kameramann durch die Kälte kein Gefühl mehr in den Fingerkuppen. An den Einsatz der Drohne war gar nicht zu denken, weil es so stürmte. Mit gemischten Gefühlen kehrten wir am Abend in unsere Unterkunft im Ort zurück. Einerseits beeindruckt von der Schönheit der einzigartigen Winterlandschaft, andererseits skeptisch, wie erfolgreich wir unter diesen Wetterbedingungen würden arbeiten können.

Doch das Wetter meinte es gut mit uns. An den folgenden Tagen stiegen die Temperaturen nach und nach bis auf minus 25 Grad, und der eisige Wind ließ nach. Wir begleiteten Paul mit seinen Schlittenhunden auf den zugefrorenen Fluss und waren beeindruckt von der Energie der Hunde und ihrem freundlichen Wesen.

Am nächsten Tag nahm Paul uns mit zum Eisfischen, und wir sichteten Karibus, die im Frühling hier Richtung Norden zu ihren Kalbungsgebieten durchzogen. Die Schönheit dieser weiten und so entlegenen Landschaft begeisterte uns ebenso, wie die Menschen, die hier lebten. Wir hatten das Gefühl, in einem versteckten Paradies Nordamerikas zu drehen. Doch während wir gefühlt am Ende der Welt diese einzigartige Natur genossen, spitzte sich im Rest der Welt die Pandemie dramatisch zu. Länder schlossen ihre Grenzen, Flugverbindungen wurden eingestellt. Noch ahnten wir nicht das ganze Ausmaß der Pandemie und kamen mit viel Glück noch sicher und ohne größere Schwierigkeiten zurück nach Deutschland. Ein jähes Ende für eine aufregende Reise, die vorerst unsere letzte sein sollte. 

Über die Drehreise in die USA 2021, eineinhalb Jahre später

Eineinhalb Jahre später waren wir endlich wieder unterwegs. Nach einem unvorhergesehenen Zwischenstopp wegen Nebel befanden wir uns Anfang September 2021 auf dem Forschungsboot "Osprey" des "College of the Atlantic". Endlich, wir hatten es kaum abwarten können. Unterwegs mit der Meeresbiologin Lindsey Jones wollten wir von Bar Harbor aus zu Mount Desert Rock fahren, einer winzigen Insel 40 Kilometer von der Küste entfernt im Golf von Maine. Der Wellengang war recht hoch, erste Ausläufer des Hurrikans Ida erreichten den Nordosten der USA. Später erfuhren wir, dass im rund 800 Kilometer weiter südwestlich gelegenen New York während unserer mehrtägigen Dreharbeiten mehr als 40 Menschen durch Überschwemmungen starben, die der Hurrikan ausgelöst hatte.

Auch an der Küste Bar Harbors blies uns der Wind schon recht kräftig um die Ohren. Kapitän Toby Stephenson und Steuerfrau Ela studierten die Wettervorhersage eine Weile sehr gewissenhaft und entschieden sich dann für die Fahrt. Die "Osprey" schaukelte ziemlich - voll beladen mit gut 400 Litern Wasser, einer Menge Proviant und Equipment. Toby und Ela aber waren die Ruhe selbst und steuerten das Boot abwechselnd, konzentriert und gut gelaunt durch die Wellen. 

Nach eineinhalb Stunden Bootsfahrt startete unser Kameramann Rasmus in Sichtweite zur Insel das erste Mal die Drohne. Zum Glück fliegen diese kleinen Hochleistungskopter selbst bei einer steifen Brise noch einigermaßen stabil. Das, was wir im Monitor sahen, entschädigte uns sofort für die lange Anreise. Mount Desert Rock ist von rauer Schönheit, besteht nur aus Felsen, mit einem alten, 1847 erbauten Leuchtturm in der Mitte und der Forschungsstation des Allied Whale Program. Sonst nichts.

Naja, so ganz stimmt das nicht. Rund um die Insel tummeln sich hunderte von Kegelrobben, und ihre Köpfe ploppten wie kleine schwarze Bojen aus dem Wasser. Während sich die Robben entspannt von den Wellen durchschaukeln ließen, genossen über ihnen Sturmmöwen den Wind. Ohne einen einzigen Flügelschlag können sie in der rauen Luft stehen.

Wegen ihnen waren wir aber nicht hier. Lindsey und ihr Kollege Sean Todd nahmen uns in den folgenden Tagen mit auf eine Expedition in den Golf von Maine – einem der wichtigsten marinen Lebensräume der Welt – und in die kanadischen Gebiete des Nordatlantiks. Die beiden sind Meeresbiologen und wollten nach Walen suchen. Was das konkret hieß, erfuhren wir zwei Tage später.

Die Sonne ließ das Wasser glitzern, es waren angenehme 18 Grad. Wir fuhren zweieinhalb Stunden auf das offene Meer hinaus, Richtung Nordosten. Nach einer knappen Stunde Fahrt, vorbei an wunderschön gelegenen Inseln im Schärenmeer war um uns herum nur noch tiefblaues Meer, bis zum Horizont, mit einer Menge weißer Schaumkrönchen. Lindsey, Sean und die Bootscrew fanden Wale nur mit ihren Augen und Ferngläsern. Ohne technisches Gerät. Toby brachte uns langsam und behutsam in die Nähe einer Gruppe Buckelwale. Sogar eine Mutter mit Kalb war dabei. Gelassen dümpeln sie an der Meeresoberfläche, scheinbar völlig unbeeindruckt von unserer Anwesenheit.

Unser zweiter Drehort könnte unterschiedlicher nicht sein. Wir landeten in Lafayette, der viertgrößten Stadt Louisianas. Von hier aus erkundeten wir das größte Sumpfgebiet der USA: das Atchafalaya Basin. Abseits von Highways und Landstraßen fanden wir das, was wir suchten: grüne Wasserprärien, durchschnitten von Flüssen, kleinen Tümpeln und Seen. Es war 32 Grad heiß, die Luft feucht und schwül. Auch hier eine scheinbar endlos weite Landschaft, die man tatsächlich auch nur aus der Luft erfassen kann.

Wir waren am darauffolgenden Tag mit Maria Davidson im Privatwäldchen einer Salzmine im St. Mary Parish unterwegs. Maria ist Biologin und leitet ein Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprogramm für Schwarzbären in Louisiana. So ihr offizieller Status. Man könnte auch sagen: Maria ist eine Bärenmutter und hat ein großes Herz für die schwarzen Kraftpakete. Mithilfe ihres deutschstämmigen Herdenschutzhundes Rooster – einem Leonberger – zieht Maria jedes Jahr verwaiste Bärenbabys auf, um sie später wieder in die Freiheit zu entlassen. Maria wirkt ernst und spricht mit Nachdruck, sie ist es gewohnt zu kämpfen. Wenn sie aber von Bärenwaisen und ihrem Hund erzählt, geht in ihrem Gesicht die Sonne auf. Und wie locken sie und ihre Kollegen Bären in eine Falle, die Blechtonne? Mit einem ordentlichen Stück Fleisch etwa? Wir lernen: Mit in Schokolade und Ahornsirup getränkten Donuts.

Am nächsten Morgen saß tatsächlich eine kleine Bärin in der Falle. Sie verhält sich ruhig, fast schüchtern. Das sei sehr untypisch für junge Bären, erzählte uns Maria, normalerweise seien gerade die jungen Tiere sehr nervös und machten oft Stress. In eineinhalb Stunden routinierter und konzentrierter Arbeit chipte Maria die Bärin, nahm eine Haarprobe für genetische Tests, zog ihr einen kleinen Zahn zur exakten Altersbestimmung und legte ihr einen Halsbandsender an. Eine Tortur, die dem Schutz vor allem weiblicher Bären dient, und damit auch indirekt deren Nachwuchs. So können die Forschenden die Tiere mindesten eineinhalb Jahre überwachen. Ob sich die kleine zarte Bärin an das große Halsband gewöhnen wird?

Einen Tag später drehten wir auf dem Lake Martin, einem wertvollen Schutzgebiet für seltene Wasservögel und bei den Einheimischen ein beliebter Ort zum Angeln. Mit einem flachrumpfigen Boot manövrierte uns der Skipper routiniert durch den sumpfigen Zypressenwald. Alligatoren sonnten sich mit offenem Maul auf Baumstümpfen. Reiher standen wie angewurzelt im Wasser. Wie mächtige Skulpturen aus einem Fantasyfilm verliehen die Jahrhunderte alten Zypressen- und Tupelo-Bäume der Wasserlandschaft etwas Magisches. "Ein heiliger Ort", denke ich, "der bewahrt werden muss".

Von den Ästen wehte graugrünes Louisianamoos im lauen Lüftchen und streifte mein Gesicht. Dieses Bromeliengewächs ist ein Wunder der Natur: Es lebt völlig ohne Wurzeln und ernährt sich nur von Staub in der Luft. Sprossen und Blätter sind von Saugschuppen bedeckt, über die es Wasser aufnimmt. Louisianamoos wird auch Feenhaar genannt. Einer indigenen Legende nach, handelt es sich dabei um das Haar einer Prinzessin, die an ihrem Hochzeitstag getötet wurde. Aus Trauer soll der Bräutigam die langen Haare seiner Geliebten abgeschnitten und in einen Baum gehängt haben. Der Wind habe ihr Haar dann im ganzen Land verteilt. Eine traurige Geschichte und ein zauberhafter Ort, an dem die Natur ihre volle Pracht entfaltet.

Fotos

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information Telefon: 06131 – 70-16100, und unter https://presseportal.zdf.de/presse/terrax 

Weitere Informationen

"Terra X - der Podcast" in der ZDFmediathek: Terra X - Der Podcast - ZDFmediathek
"Terra X plus Schule" in der ZDFmediathek: Schule.zdf.de
"Terra X plus" bei YouTube: kurz.zdf.de/A26/
"Terra X"-Clips unter Creative-Commons-Lizenz: TerraX-CC.zdf.de
"Terra X" in der ZDFmediathek: terra-x.zdf.de
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