Copyright: ZDF / Frederic Batier
Copyright: ZDF / Frederic Batier

West of Liberty

Internationaler Agententhriller

Wotan Wilke Möhring und Matthew Marsh (Foto) spielen die Hauptrollen in der internationalen ZDF-Koproduktion nach Thomas Engströms gleichnamigem Roman. Das ZDF strahlt den von Barbara Eder inszenierten Agententhriller als Zweiteiler (jeweils 96 Minuten) aus. Einige Tage vorher ist er als Sechsteiler (jeweils 45 Minuten, internationale Fassung) in der ZDFmediathek zu sehen.

  • ZDF, Zweiteiler (2 x 96 Minuten): Sonntag, 24. November, und Montag, 25. November 2019, jeweils 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Sechsteiler (6 x 45 Minuten, internationale Fassung): ab Sonntag, 17. November 2019, 23.59 Uhr

Texte

Stab

Buch     Sara Heldt, Donna Sharpe (nach dem Roman von Thomas Engström)
Regie Barbara Eder
KameraCarl Sundberg
SzenenbildErwin Prib
KostümeUte Paffendorf
Musik Ian Person, Kalle Gustafsson Jerneholm
SchnittAndreas Nilsson, Björn Lindgren
Schnitt (Zweiteiler)Jörg Kroschel
Casting Lotta Forsblad, Sandra Köppe, Joyce Nettles
Executive ProducerWolfgang Cimera, Thomas Engström, Joakim Hansson, Peter Possne,                Joakim Strand
Line ProducerErich Hörtnagl, Åsa Karlsson, Heinz-Georg Voskort
ProduzentenGunnar Carlsson, Bettina Wente
RedaktionDaniel Blum

                                                                  

Eine Produktion von Anagram und Network Movie
in Koproduktion mit dem ZDF, Film i Skåne, Film i Väst,

Gefördert von Creative Europe – MEDIA Programme of the European Union, Film- und Medienstiftung NRW

Die Rollen und ihre Darsteller

Ludwig Licht     Wotan Wilke Möhring
GT Berner Matthew Marsh
Faye MorrisMichelle Meadows
Lucien GellLars Eidinger
JohnsonCara Horgan
AlmondPhilipp Karner
Fran BowdenDoña Croll
MarthaAnastasia Hille
HarrimanRichard Dillane
MontandSonja Richter

                

In weiteren Rollen:

Aziz Capkurt, Ercan Durmaz, Dragomir Mrsic, Julia Becker, Lola Zackow, Robin Sondermann, Tomek Nowicki, Sebastian Ennen, Ben Remler, Alexander Berenheuser, Ahnna Rasch, Manouk van der Meulen, Katharina Rumpf, Anthony Clark, Lamine Sall, Mahmoud Bouchafra, Saidon Said, Mahmed Achref, René May, Kevin Maaßen, Kathleen Renish, Mateusz Dopieralski, Gina Hemmers, Mathis Landwehr, Caterina Lorenz, Erik Sund, Jeffrey Grand Halliday, Sandra Rydén und Aston Rydén                     

Inhalt

Kurzinhalt:

Ein müde gewordener CIA-Agent, der den guten alten Zeiten des Kalten Krieges nachtrauert, und ein Ex-Stasi-Spitzel, der in seiner Kreuzberger Kneipe selbst der beste Kunde ist, wittern den Coup ihres Lebens. Sie wollen den Chef des deutschen Wikileaks dingfest machen und so ihre Arbeitsplätze sichern. Doch auf beiden Seiten gibt es Gegner. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod.

 

 

Langinhalt:

Der sechs- bzw. zweiteilige Spionagethriller wurde in Berlin, Köln, Marokko und Schweden gedreht. Regie führte die preisgekrönte österreichische Regisseurin Barbara Eder ("Inside America") nach den Drehbüchern der schwedischen Autorin Sara Heldt ("Der vierte Mann") und ihrer britischen Kollegin Donna Sharpe ("Glass").

Die US-Amerikanerin Faye, eine ehemalige Anwältin der umstrittenen Whistleblower-Organisation "Hydraleaks", wird in Marrakesch Zeugin, wie drei ihrer Hydraleaks-Mitstreiter, die der Organisation den Rücken kehren wollten, kaltblütig ermordet werden. Da sie nun um ihr Leben fürchtet, aber über geheime Informationen verfügt, die ihr einen Deal mit der US-Regierung und die ersehnte Rückkehr in die USA ermöglichen würden, versucht sie zunächst vergeblich, den US-Botschafter in Berlin zu kontaktieren, und setzt sich dann nach Deutschland ab. Da der Berliner CIA-Ortsleiter GT mittlerweile von den Morden in Marokko sowie von der geflohenen Zeugin und ihrer Verbindung zu Hydraleaks weiß und sich erhofft, dass diese ihn zum Kopf von Hydraleaks, Lucien Gell, führen kann, beauftragt er seinen alten Vertrauten Ludwig Licht damit, Faye zu beschützen.

Trotz Widerständen innerhalb der Berliner CIA verfolgt der verbissene GT mit Hilfe unorthodoxer Methoden sein ureigenes Ziel: den in seinen Augen feigen Verräter Lucien Gell zu finden, der sich seit neun Monaten im Untergrund aufhält. GT vertraut niemandem – außer Ludwig Licht, einem abgehalfterten Ex-Stasi-CIA-Doppelagenten, der sich mit der Leitung einer Kreuzberger Spelunke finanziell über Wasser hält und deshalb nicht viele Fragen stellt, solange ihn die CIA ordentlich bezahlt.

Licht trifft auf die kettenrauchende Faye, die er kurz darauf zum Schutz in seine Berliner Wohnung bringt. Während Licht sich mit Zuhältern und Schulden herumplagt, muss GT bald feststellen, dass in der Berliner CIA ein neuer rauer Wind weht und seine Vorgesetzte, Fran Bowden, ihn in den Ruhestand schicken will.

Als sich herausstellt, dass Faye viel mehr weiß als sie zugibt, und sogar der US-Botschafter in die Whistleblower-Affäre verwickelt ist, gelangen GT und Licht an neue Informationen, die ihnen zwar Gells Aufenthaltsort preisgeben, aber die nächsten Schritte in ein politisches Minenfeld führen: Lucien Gell, dessen Organisation vom Assad-Regime mitfinanziert wurde, versteckt sich ausgerechnet in der syrischen Botschaft. Eigenmächtig ordnet GT kurz darauf deren Erstürmung an, um Gell zu fassen.

Statement von Daniel Blum, verantwortlicher ZDF-Redakteur

Ludwig Licht ist ein idealer Antiheld, der gut in das abgründige und schwer zu greifende Neo-Noir-Berlin passt, in dem er eine kleine Bar betreibt. Die desolat düstere Hauptstadt, mit ihrer zerrissenen Vergangenheit, ist in den Romanen wie in der Verfilmung zugleich der innere und äußere Schauplatz für diesen mit allen Wassern gewaschenen Mann.

In keiner anderen Stadt der Welt wurde so schnell klar, dass das Diktum vom Ende des Kalten Krieges und vom "Ende der Geschichte" das Papier nicht wert war, auf dem es gedruckt wurde. Das vermeintliche Ende des Blockdenkens wich schnell einer neuen Unübersichtlichkeit. Berlin – gesehen und erzählt aus den Augen eines maroden, emotional, moralisch und finanziell bankrotten Ex-Agenten – ist der Ort, an dem es auf die Frage, auf welcher Seite man steht, keine befriedigende Antwort mehr geben kann. Gut oder böse? Fakten oder Fake? Moral oder Verrat? Fragen, die nur noch von denen klar zu beantworten sind, die selber Leichen im Keller haben.

Das ZDF zeigt die international koproduzierte Miniserie, die mit schwedischen, englischen und deutschen Partnern nach dem ersten Roman "West of Liberty" entstand, als jeweils zwei fast hundert Minuten lange Filme in der "Second Primetime" (jeweils 22.15 Uhr) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen (Sonntag und Montag). Diese Fassung könnte man als die erzählerische Essenz in Form eines synchronisierten Zweiteilers bezeichnen. In der internationalen Formatierung von sechs mal 45 Minuten ist die Miniserie im Original mit deutschen Untertiteln bereits eine Woche vorher in der ZDFmediathek abrufbar.

Eine schwedische Romanvorlage. Eine schwedische Drehbuchautorin. Eine englische Drehbuchautorin, die in Berlin lebt. Deutsche und schwedische Produzenten. Englische Koproduzenten, die auch den Weltvertrieb verantworten. Ein deutscher und ein schwedischer koproduzierender Sender. Hauptsächlich englische, amerikanische, schwedische und deutsche Schauspieler. So geht gelebte europäische Koproduktion ohne Grenzprobleme und Austrittsbestrebungen!

Aber all das Entwickeln und Produzieren wäre nichts, wenn es nicht eine Regisseurin aus Österreich (!) gegeben hätte, die inszenatorisch und gestalterisch aus den Vorlagen eine geschlossene, packende Filmerzählung gemacht hätte. Sie heißt Barbara Eder, wurde unter anderem mit dem starken Kinofilm "Thank You for Bombing" bekannt und war für "West of Liberty" das, was man einen veritablen Glücksfall nennt. Ihre starke und prägnante Regiehandschrift ist bereits auf dem besten Wege, Furore zu machen. Zurzeit arbeitet sie an einer großen historischen Miniserie für eine Streaming-Plattform. Im ZDF wird sie darüber hinaus bald auch noch mit dem Politthriller "Wiener Blut", einer Koproduktion zwischen ORF und ZDF, zu sehen sein, die ihre Premiere – genau wie "West of Liberty" – auf dem diesjährigen Filmfest München gefeiert hat.

Im Interview mit dem Online-Portal "Krimi-Couch" hat Thomas Engström, der Autor der Romanvorlage, die Frage beantwortet, warum ein CIA-Stasi-Doppelagent immer noch so faszinierend wirkt, nachdem der Kalte Krieg doch schon so lange vorbei ist.

Geheimagenten gehören zu den wenigen wahrhaft mythischen Kreaturen in unserer heutigen aufgeklärten, weltlichen Zeit. Sie sind Vampire für Erwachsene. Sie arbeiten im Verborgenen und neigen dazu, sich über das Gesetz zu stellen (...). Während der 90er Jahre gab es eine kurze Zeitspanne, in der der Tod des Agentenromans proklamiert wurde, da der alte Konflikt zwischen Ost und West sich ja aufgelöst zu haben schien. Dieser Konflikt ist mittlerweile gewissermaßen zurückgekehrt, spätestens seit der Krim-Krise (...). Und mit China zeichnet sich am Horizont schon die nächste Supermacht ab, was alles nur noch komplizierter macht. Außerdem haben wir einen blutigen Bürgerkrieg in Syrien, der nicht nur die ganze Region betrifft, sondern zumindest zum Teil auch die USA und Russland. Der internationale Aufschrei, als auf britischem Grund und Boden gewisse Individuen vergiftet wurden, ist der allgemeinen Leserschaft sicherlich auch nicht entgangen. Die Leute sind sich sehr wohl bewusst, dass
(Doppel-)Agenten, Spione und Söldner nach wie vor unter uns sind. Wer würde das nicht spannend finden?“

Statement von Thomas Engström, Original Buchautor

When I started writing "West of Liberty", I wanted to bring the spy thriller into the 21st century. No more nostalgia about cold wars past, no more longing for the arrogant superpowers of old to solve our very modern problems. The TV series has taken this task even further, capturing perfectly both the characters and our dark, disturbing age.

Statement von Bettina Wente, Produzentin (Network Movie)

Als Gunnar Carlsson mit "West of Liberty" zu Network Movie kam, haben wir uns gewundert, dass ein schwedischer Produzent einen Stoff entwickelt, der komplett in Berlin spielt und in dem keine einzige schwedische Figur vorkommt. Carlsson war der Auffassung, dass es derzeit kaum eine spannendere Stadt gibt als Berlin und wir uns als Europäer nicht länger auf nationale Befindlichkeiten zurückziehen, sondern dahin gehen sollten, wo die Geschichte(n) spielen. Das überzeugte uns.

In der Finanzierungsphase des Projekts mussten wir jedoch feststellen, dass noch nicht alle so denken. Mancher europäische Sender hat abgewinkt, weil er "West of Liberty" ob der zahlreichen amerikanischen Rollen eher als US-Serie begriffen hat. Ohne unseren Partner in Crime, das ZDF in der Abteilung Spielfilm und insbesondere unseren Redakteur Daniel Blum, hätten wir das Projekt kaum als europäische Koproduktion aufstellen können. 

Und "West of Liberty" ist vor allem in seiner Beziehung zu den USA ein durch und durch europäischer Stoff. Thomas Engström macht den Amerikaner zur Triebfeder der Story, um den alle anderen Figuren kreisen. GT ist einer dieser alten weißen Männer, der ahnt, dass seine Tage gezählt sind – und alles dafür geben würde, um sein Scheitern doch noch abzuwenden. Dass er sich Hilfe ausgerechnet bei Ludwig Licht holt, dem Hautfarbe und Geburt sehr viel weniger Privilegien beschert haben als ihm selbst, kompensiert GT ganz im Sinne des Kapitalismus: Er kauft ihn. Doch während GT mit wehenden Fahnen untergeht, öffnet sich Licht. Die Begegnung mit Faye, der jungen radikalen Aktivistin erinnert ihn an all das, woran er selbst einmal geglaubt hat.

"Wir brauchen Whistleblower!" Engströms politisch gefärbter Zugriff auf das Spionage-Genre brauchte eine besondere Inszenierung. Wir sind sehr froh, in Barbara Eder eine Regisseurin gefunden zu haben, die nicht nur mit Leidenschaft und großer Spielfreude Action-Szenen inszeniert, sondern die vor allem sehr lässige Frauenfiguren erzählt und "West of Liberty" damit zu einem schönen Stück moderner "Écriture Feminine" gemacht hat. Was will man mehr?

Vielleicht eine Fortsetzung. Thomas Engström hat drei weitere Romane für Ludwig Licht geschrieben.

Statement von Gunnar Carlsson, Produzent (Anagram)

Every now and then, you read a novel that you instantly know you just have to make into a TV series. "West of Liberty" was such a book. After reading the other two books in the trilogy, you were also convinced that this was not a one-book-success.

The story about Ludwig Licht has everything a good TV series needs: an incredibly compelling main character, an exciting plot, a clear and very visual arena, as well as being deeply rooted in the present. It engages you while at the same time being entertaining and addictive.

Due to the global political development the theme of the story has become more and more up-to-date. The corruption of whistleblowing organizations, the whole concept of fake news and the distrust of the political and social systems has placed "West of Liberty" in the middle of the discussions that take place right now.

The author of the novels, Thomas Engström, is a meticulous writer. It may seem odd for a Swedish writer to choose Berlin as the setting for his story, but he's lived there for an extended period and is well acquainted with both the city itself and its inhabitants. He also possesses a deep knowledge and understanding of the international intelligence world, for which he has had a passionate interest throughout his whole life.

The selection of Sara Heldt and Donna Sharpe as scriptwriters and Barbara Eder as director, provided us with the best possible foundation for making an exceptionally strong project. Together with partners who contributed creatively as well as financially to the development of the project, we are convinced that we have created a successful series and a satisfying start for the whole trilogy about Ludwig Licht, a program concept that will make its presence felt in the market for many years to come.

Interview mit Wotan Wilke Möhring

Buchautor Thomas Engström hat mit "West of Liberty" einige Entwicklungen von Wikileaks vorweggenommen. Hatten Sie sich zuvor mit dem Thema auseinandergesetzt?

Die Bücher kannte ich nicht, da sie zum Zeitpunkt des Drehs in Deutschland noch nicht veröffentlicht waren. Das Thema Wikileaks hatte ich aber natürlich verfolgt, man konnte dem ja gar nicht entkommen. Diese moralische Entscheidung, was gebe ich preis und welchen Preis bin ich bereit dafür zu zahlen, finde ich hochspannend. Zudem dieses alte Berlin, der Übergang von Zeiten der Mauer bis heute – diese Melange aus alter und neuer Welt, und dazu der Charakter des Ludwig Licht, der sich irgendwo dazwischen befindet, fand ich sehr interessant.

Während der Produktion wurde Kashoggi ermordet, Assange unter Hausarrest gestellt – verblüffende Parallelen zur Fiktion von "West of Liberty".

Wenn man sich einem Thema über die Fiktion nähert, kann man immer einwenden, es sei ja nur ein Film oder Roman. Wenn man dann tatsächlich von der Realität überholt wird, macht das den Stoff noch bedrückender, aktueller und auch realistischer. Denn wenn zu dem Mord an Kashoggi medial nur das durchsickert, was durchsickern kann, die Informationen, die wir erhalten, also nur die Spitze des Eisberges, sind – und davon gehe ich, ohne Verschwörungstheorien bemühen zu wollen, aus – dann ist dieser Roman im Gegensatz zur Realität noch geradezu harmlos.

Spionage-Serie, Agenten-Thriller, Whistleblower-Story, Berlin-Porträt ... Welcher Aspekt hat Sie an dem Drehbuch besonders interessiert?

Ich mochte dieses Spannungsfeld, das es so nur in Berlin geben kann: eine geteilte Stadt, Checkpoint Charlie, jeder belauert jeden, keiner traut keinem, muss dies aber in der Allianz mit dem anderen tun. Dann fällt plötzlich die Mauer, und es gilt zu prüfen, was an alten Seilschaften vorhanden ist, wer was zu welcher Zeit wusste und wer sich auf welche Seite rettet. All das ist mit Berlin verhaftet. In diesem Rahmen die Figur des Doppelagenten Ludwig Licht zu spielen, hat mich sofort überzeugt.

Welch ein Mensch ist Ludwig Licht?

Ich mochte, dass er so ein "Gestriger" ist. In der Rolle trage ich einen Bart, wirke ein bisschen älter, drücke den Bauch ein wenig heraus, um damit seinen Verfall zu zeigen. Es ist nie eine gute Mischung, wenn man, wie Licht, als Alkoholiker eine eigene Kneipe führt, mit der man sich über Wasser hält. Als ehemals strahlender Agent steht er nun kurz vor der Obdachlosigkeit. Durch die Nähe zu seiner Auftragsfigur, der Amerikanerin Faye Morris, zu der sich tatsächlich eine Art persönliche Beziehung entwickelt, wird er zudem menschlich greifbar.

Die Stadt Berlin ist ein weiterer Protagonist der Serie. Welch eine Großstadt erlebt der Zuschauer in "West of Liberty"?

Wir sehen das moderne Berlin, erleben aber, dass es für Licht immer noch das alte Berlin, eine geteilte Stadt, ist. Und tatsächlich kann man das auch jetzt noch beobachten. Es gibt immer noch eine Art Übergangszustand zwischen West und Ost, den jeweiligen Zentren Alexanderplatz und Ku’damm. Zusätzlich dazu diese Unterwelt, die "Agentenwelt", die es ja tatsächlich gibt – das fand ich ungeheuer spannend.

"West of Liberty" ist eine deutsch-schwedische Produktion mit einem internationalen Team vor und hinter der Kamera. Es wurde zweisprachig gedreht.

Eigentlich wurde ausschließlich auf Englisch gedreht. Alle Schauspieler außer Lars Eidinger, Philipp Karner, Sonja Richter sowie dem ein oder anderen Darsteller von kleineren Rollen haben Englisch gesprochen, sodass wir Deutsche nur marginale Szenen untereinander gedreht haben. Ich fand das toll. Aber auch wenn ich eine Zeit lang in den USA gelebt hatte und mit der Sprache kein Problem habe: Ich wollte auf meine Figur kein perfektes Englisch legen. Er kommt aus dem Osten, ist mit der russischen Sprache groß geworden und hat sich als DDR-Bürger bzw. -Agent die Sprache antrainiert, um den Feind zu belauschen. Ich wollte daher auf keinen Fall, dass er makelloses Schulenglisch spricht.

Interview mit Lars Eidinger

Die Drehbücher von "West of Liberty" basieren auf dem Roman des schwedischen Autors Thomas Engström, Regie führte die Österreicherin Barbara Eder. Was hat Sie von diesem internationalen Projekt überzeugt?

Die Rolle des Wistleblowers Lucien Gell. Es gibt im Drehbuch viele Anleihen beziehungsweise Referenzen zu realen Whistleblowern: Lucien Assange und Edward Snowden sind für mich moderne Helden. Menschen, die sich der Wahrheit verpflichtet sehen und es mit den Mächtigsten der Welt aufnehmen. Mir imponiert das ungemein. Auch und vor allem, weil sie voller Widersprüche sind und nicht das klischierte, idealisierte Bild eines Helden bedienen, wie es uns oft in der Fiktion suggeriert werden soll. Mich in einen derartigen Charakter hineinzuversetzen und die Welt aus dessen Perspektive zu betrachten, hat mich gereizt.  

Der Dreh zu "West of Liberty" fand im letzten Jahr statt, noch bevor Videoaufnahmen von Julian Assange an die Öffentlichkeit gelangten. Wie haben Sie sich in diese Figur versetzt?

Ab einem gewissen Punkt versuche ich, mich von allen Vorbildern und Referenzen aus der Realität zu befreien, und konzentriere mich einzig auf das Fiktive, also das, was das Drehbuch vorgibt. Das versuche ich dann zu erzählen. Da ich generell nicht gut im Imitieren bin, versuche ich, vor Drehbeginn meine Figur mit Wissen und Phantasie anzureichern, aus der ich dann im Drehzeitraum schöpfen kann. Ich höre dann auch auf, Videos oder Filme zu dem Thema zu schauen.

Der Zufluchtsort von Lucien Gell wird zunehmend zu einem Gefängnis. Sie haben fast ausschließlich in einem Raum – größtenteils ohne weitere Schauspieler – gedreht.

Isolation wirkt immer auch wie eine Art Folter. Ohne das Gegenüber ist man verloren und neigt zu narzisstischen, egomanen Verhaltensweisen bis hin zu Realitätsverlust. Dem nachzuspüren, fand ich sehr aufschlussreich. Nur das Internet zu haben, um Kontakt zur Außenwelt zu halten und zu kommunizieren, führt zu völliger Orientierungslosigkeit und einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Mich hat das an Platons Höhlengleichnis erinnert.

Die Interviews führte Evelyn Tapavicza.

Radio-Interviews

Die Interviews können - mit Sendebezug - kostenlos zur Radio-Veröffentlichung verwendet werden:

Radio-Interview Wotan Wilke Möhring (bitte anklicken)

Radio-Interview Lars Eidinger (bitte anklicken)

 

 

Nachfolgend die Transkriptionen der beiden Radio-Interviews:

 

Wotan Wilke Möhring

 

Anmoderation:

Ein Schwedenkrimi, der in Berlin spielt und nicht nur spannend, sondern auch noch lustig ist, das ist Thomas Engströms Roman „West of Liberty“. Und aus diesem Bestseller hat die preisgekrönte österreichische Regisseurin Barbara Eder einen internationalen Agententhriller gemacht mit Wotan Wilke Möhring, Michelle Meadows, Matthew Marsch und Lars Eidinger in den Hauptrollen. „West of Liberty“ spielt 2011 in Berlin: In den 1980er Jahren war Ludwig Licht (Wotan Wilke Möhring) ein Hoffnungsträger in der Spionageszene. Der Mitarbeiter der Stasi war als Doppelagent für die CIA unterwegs. Für die CIA arbeitet er immer noch gelegentlich. Aber eigentlich ist er, inzwischen mit Mitte 50, unter die Gastronomen gegangen. Mit mäßigem Erfolg. Licht ist in seiner Kreuzberger Kneipe selbst sein bester Kunde und chronisch verschuldet. Gemeinsam mit dem müde gewordenen CIA-Agent GT Berner (Matthew Marsch), der den guten alten Zeiten des Kalten Krieges nachtrauert, plant er den Coup seines Lebens. Die Beiden wollen den Chef des deutschen Wikileaks (Lars Eidinger) dingfest machen und so ihre Arbeitsplätze sichern. Doch auf beiden Seiten gibt es Gegner, es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod. Hermann Orgeldinger (all4radio) hat sich mit Wotan Wilke Möhring zum Exklusiv-Interview getroffen.

 

1. Herr Möhring, Sie als ehemaliger Stasi-Agent Ludwig Licht, gemeinsam mit einem CIA-Agenten auf der Suche nach dem Chef des deutschen Wikileaks. Ein wirklich topaktuelles Thema?

Ja tatsächlich, egal wie krass man sich in der Fiktion aus dem Fenster lehnt, die Realität übertrumpft uns alle. Auch das, was danach auch kam, Khashoggi und die ganzen Leaks in verschiedenen Datensituationen, Facebook, Banken – das ist schon erschreckend, wie die Realität einen da überholt. (0:17)

 

2. Sie sind so etwas wie ein Antiheld, ein ehemaliger Stasi-Mann, der gute Kontakte zur CIA hat. Wie ist es, einen Antihelden zu spielen?

Wir steigen ja in einer Lebenssituation ein, wo die glorreichen Zeiten von Ludwig Licht vorbei sind. Diese schlichte Blockbildung von Ost und West, wo man angeblich wusste, wer der Gute und wer der Böse ist, die ist vorbei. Das überfordert ihn tatsächlich. Zumal er sich ja irgendwann einmal auf beide Seiten geschlagen und sich mit dem Kapitalismus arrangiert hat. Er wird nicht mehr gebraucht. Das war auch mein Hauptzugang zu der Figur. Er lässt sich gehen, er hat keinen, auf den er aufpasst, er hat viele dunkle eigene Geheimnisse in der Familie, die er sich nicht zu lösen traut. Er ist Alkoholiker und hat eine eigene Kneipe, was immer eine schlechte Kombination ist. Also er fühlt sich ungebraucht und aus der Zeit gefallen. (0:38)

 

3. War das eine Rolle, bei der Sie sofort gesagt haben, jawohl, die Rolle will ich spielen?

Ja, das war tatsächlich so, weil einen Spionage-Thriller mit internationaler Besetzung, international finanziert und auch international gedreht, kriegt man nicht immer angeboten. Und dann eben so einen ambivalenten Helden, der gar keiner ist und der sich auch nicht als solcher empfindet, der quasi die Heldin der Geschichte nur transportieren und eskortieren soll. Das fand ich spannend. Und auch von jemandem, der vom Zynismus geprägt ist, traumlos, erwartungslos im Leben vor sich hintreibt, dass der wieder so wachgeküsst wird durch etwas, dass es sich doch für etwas zu kämpfen lohnt, für so etwas wie Wahrheit. (0:32)

 

4. Ludwig Licht muss sich behaupten. Er prügelt sich und bringt auch jemanden um. Allzu viel wollen wir nicht verraten. Sind das Szenen, die schwer zu spielen sind oder sind das Szenen, die Sie gerne spielen?

Gerne, ja, weil ich finde, es gehört zum Lebensalltag von Agenten, zu zeigen, dass wir nicht nur behaupten, er ist Agent, sondern Teile des Handwerks zeigen, das er in der Selbstverteidigung oder in der Beseitigung von Spuren gelernt hat. Tatsächlich sind beim Drehen solche blutigen Szenen, solche Action-Szenen sehr technisch, weil wir immer unterscheiden müssen zwischen realer Verletzung und einer Verletzung, die als solche das beim Zuschauer hervorruft, was wir wollen. Und dass eben auch hier die Beseitigung dieser Person nicht so von statten geht, wie er das gelernt hat: diskret und keiner hat es gemerkt, sondern dass es eben voll in die Hose geht. Das mochte ich daran. Er ist auch fertig, er atmet schwer, das ist alles viel zu viel für ihn, er ist das nicht mehr gewohnt und dass er merkt: ‚Ich trinkt zu viel und mach keinen Sport‘. Das fand ich fast schon wieder lustig. Es ist eine sehr individuelle Art der Kampfszene geworden. (0:49)

 

5. Dann gibt es eine Szene, in der die Syrische Botschaft regelrecht in die Luft fliegt. Wieviel Aufwand, wie viele Tage stecken da drin in dieser Szene?

Das waren schon mehrere Tage. Das ist natürlich toll, dass wir gerade – wir reden vom Kalten Krieg – in Bonn gedreht haben, in der Bonner Republik, wo diese ganzen Botschaften jetzt leer stehen. Das ist toll, dass man da die Möglichkeit hatte. Und man war auch sofort in den 80ern. Das ist natürlich ein Riesenaufwand. Wenn man das Buch, den Roman oder das Drehbuch liest, hat man schon eine optische Vorstellung und dann ist man froh, wenn die dann so opulent umgesetzt wird. Das sieht ja nach nichts aus, weil du stellst dir das halt vor, dass das so in die Luft geht und auch dieser Einsatz so in die Hose geht. Der bringt ja die Wahrheit der Intention seines Chefs ans Licht. Er denkt, er kämpft für das Gute und letztlich ist es doch nicht das Gute. Mehr will ich auch nicht verraten. Das ist schon wichtig, dass das richtig nach etwas aussieht. (0:45)

 

6. Kannten Sie eigentlich die Bücher von Thomas Engström?

Kannte ich nicht. Tatsächlich ist die deutsche Fassung auch erst nach oder während des Drehs erschienen, deswegen kannte ich das nicht. Er war zwei Mal am Drehort, das fand ich toll, weil es immer spannend ist, was ein Autor zu der tatsächlichen Umsetzung der Figur sagt. Das ist ja wichtig. Er hat ja eine Idee, er hat ein Bild vor Augen und wenn sich das dann überlagert oder vielleicht angesteckt wird oder ihn begeistert, wie man das dann umsetzt, dann ist das immer, finde ich, eine ganz wichtige Begegnung. (0:27)

 

7. Es ist eine internationale Produktion. Gedreht wurde in Englisch. Wie schwierig ist das für einen deutschen Schauspieler?

Das war überhaupt nicht schwierig, ich kann das ja fließend. Ich mag das sehr gerne, weil es direkt das, was es ja auch ist, ein internationaler Thriller, zeigt. Ich finde es toll auf Englisch zu drehen, dann kam noch das Schwedisch dazu. Das ist auch lustig am Set zu stehen und nicht zu wissen, was die da auf Schwedisch reden. Und dann aber trotzdem in diesem Englisch den Ludwig Licht zu präsentieren, der als Ostkind mit Russisch in der Schule groß geworden ist und sich das Englisch für diese Agententätigkeit antrainiert hat. Dass das nicht zu amerikanisiert ist, aber jetzt auch nicht zu sehr Schulenglisch, sondern dass es schon so geht, dass man ihm abnimmt, dass er das für die Arbeit gelernt hat und dass es glaubwürdig ist. (0:41)

 

8. Sie leben ja teilweise in Berlin. War es gut, dass große Teile in Berlin gedreht worden sind?

Deswegen fand ich auch die schwedische Produktion, die das in Berlin angeschoben hat spannend, dass man sagt, das ist so sehr verbunden mit dieser Stadt, diese Stadt ist ja quasi einer der großen Darsteller in diesem Film. Man muss das da spielen lassen, weil keine Stadt sonst – mit dem Vier-Mächte-Status, mit Checkpoint Charlie, mit Mauer, mit der Zerrissenheit, nach wie vor sich zu finden, Ost, West – diese Möglichkeiten bietet für diesen Hintergrund wie Berlin. Diese Geschichte entsteht nur in Städten wie Berlin. Das war ganz wichtig, Berlin so darzustellen, dass das dazu beiträgt. (0:33)

 

9. Sie spielen einen Barbesitzer und Sie haben ja selbst Erfahrung als Clubbesitzer. Hat Ihnen das etwas genutzt?

Tatsächlich nicht, weil das ist ja eine verschrammelte Kaschemme, wo er sein bester Kunde ist. Deswegen war das etwas ganz anderes. Es ging eher darum, dass wir ja einsteigen, wo er diesen Auftrag schon kriegt, der ihn endlich wegführt aus seiner Isolation, wegführt aus seiner verschrammten, verlumpten, vermüllten Bude. Weg aus dieser Kneipe, sonst würde er da wahrscheinlich noch mehr trinken. Das ist schon so eine Bar, wo ich glaube, dass sich unsereiner da nicht wohlfühlen würde. (0:28)

 

10. Ich habe von Ihnen den Satz gelesen, in jeder Rolle steckt ein Stück von mir selbst. Auch in dieser Rolle?

Ja, selbstverständlich. Du brauchst ja irgendeinen Zugang, der dich ihn von innen erfüllen lässt. Wie einen Luftballon. Wenn der kein Loch hat zum reinpusten, dann kannst du ihn auch nicht aufblasen. Das war hier natürlich diese Zerrissenheit. Er ist ja ein bisschen älter als ich. Aber dieses Verständnis von Ost-West, wie ich das noch kenne von vor dem Mauerfall. In Berlin vor der Mauer zu stehen und Angst zu haben, ob ich jemals zurückkomme oder ob ich weggeschlossen werde und dass es Systeme gibt, die eben wegschließen. Dann fand ich toll, dass er einer war, der an ein System geglaubt hat. Das gibt es ja auch. Mit dem Mauerfall waren viele Ideale verbunden, die dann in sich zusammengefallen sind. Da gab es viele Begegnungspunkte, die mir den Zugang zu dieser Figur erleichtert haben. (0:41)

 

11. „West of Liberty“ ist ein Agententhriller. Aber wir haben eingangs schon festgestellt, es ist ein sehr aktueller Film. Ist es auch ein wichtiger Film?

Ich denke ja. Ich kann das nur wärmstens empfehlen. Wenn wir die Zeitung aufschlagen und wir politische Ereignisse sehen, dass die von irgendeinem, und zwar von einer Person, an irgendeinem Punkt der Geschichte angeschoben werden. Hinter allen großen Entscheidungen stehen Menschen, die diese Entscheidung forcieren, durchführen, machen. Es muss immer einen geben. Nichts passiert von allein. Das heißt, wenn ich ein System unterwandere, eine Regierung stürze, dann sind da immer Kräfte am Werk und diese Kräfte sind nicht irgendwelche abstrakten Kräfte, sondern das sind Individuen. Das finde ich ganz spannend zu sehen. Das ist auch tröstend gleichzeitig, weil wir dadurch die Botschaft kriegen, dass du alleine auch etwas bewegen kannst. Das sehen wir jetzt bei Greta Thunberg zum Beispiel. Du alleine kannst etwas bewegen. Und nicht das, was das System ja will, nämlich zu sagen, man kann sowieso nichts machen, außer seine Stimme abgeben, das stimmt eben nicht. Das finde ich sehr tröstend. Abgesehen davon ist es spannend, es gibt tolle Darsteller und es hat einen Riesenspaß gemacht und ich würde mich freuen, das auch weiter zu machen. (0:57)

 

Abmoderation:

Wotan Wilke Möhring im Exklusivinterview zu seinem neuen Film „West of Liberty“. Das ZDF strahlt den Agententhriller als Zweiteiler mit jeweils 96 Minuten am Sonntag, 24. und Montag, 25. November, jeweils um 22.15 Uhr aus. Davor schon ist er als Sechsteiler in der ZDFmediathek zu sehen.

 

 

 

Lars Eidinger

Anmoderation:

Mit „West of Liberty“ zeigt das ZDF an zwei Abenden, am 24. und 25. November, einen hochaktuellen Thriller, der auf dem Bestseller des Schweden Thomas Engström basiert. Ludwig Licht, der ehemalige Stasi-Spitzel und Doppelagent, verbringt seine Tage am liebsten in seiner Kneipe in Kreuzberg. Doch sein ehemaliger CIA-Kollege GT Berner hat einen Auftrag für ihn: Er soll Faye Morris beschützen. Die ehemalige Sprecherin von „Hydraleaks“ wurde Zeugin eines Dreifachmordes und fürchtet daher um ihr Leben. Sie ist nach Berlin geflohen und verlangt Immunität dafür, dass sie bei der Suche nach dem untergetauchten Gründer des Whistleblower-Netzwerks, Lucien Gell, hilft. Eine packende Suche über die Grenzen Deutschlands hinaus beginnt. Der zweiteilige Thriller basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Engström und ist mit Wotan Wilke Möhring als Licht, Matthew Marsh als GT Berner und Lars Eidinger als Hydraleaks-Chef Gell hochkarätig besetzt. Hermann Orgeldinger (all4radio) hat sich mit Lars Eidinger zum Exklusiv-Interview getroffen.

 

1. Herr Eidinger, ich habe gelesen, dass Sie jede Woche ein Drehbuch zugeschickt bekommen. Warum haben Sie sich für den Thriller „West of Liberty“ entschieden?

Ich kann mich noch genau an die erste Mail erinnern. In der Mail stand: Whistleblower in einem englischsprachigen Projekt. Da war ich eigentlich schon interessiert. Das war so der Punkt, dass ich dachte, dass Whistleblower für mich eigentlich moderne Helden sind. Leute wie Julian Assange oder Edward Snowden, das sind Leute, die mir wahnsinnig imponieren. Weil es einzelne Personen sind, die es mit der ganzen Welt aufnehmen und die die Weltmächte herausfordern. Und moderne Helden sage ich deswegen, weil diese Figuren in sich ja dann doch auch immer widersprüchlich sind und nicht diesem Bild entsprechen, das uns oft in der Fiktion als Held verkauft wird. Das von einem idealisierten oder stilisierten Helden, der sozusagen fehlerlos ist. Und ich hatte das Gefühl, dass so eine Figur unendlich Potential hat für mich als Spieler. (0:47)

 

2. Und es ist ein wahnsinnig aktuelles Thema. Die Dreharbeiten waren 2017/2018. Inzwischen haben wir einige Fälle von Whistleblowern, die ermordet wurden. Aktueller geht’s nicht?

Ja, oder dieser Moment, der nach den Dreharbeiten lag, als Julian Assange verhaftet wurde. Und dieser kurze Moment, wo man ihn sieht, wie er aus der Botschaft in das Auto verfrachtet wird – und wie er aussah. Wo man das Gefühl hat, diese Isolation macht natürlich etwas mit einem Menschen. Meine Szenen spielen auch größtenteils alle im bunkerartigen Verlies, im Keller. Deswegen hatte ich auch schon beim Machen das Gefühl, oder deswegen vielleicht ein Stück weit die vordergründige Referenz zu Julian Assange über die blondierten Haare. Mich hat es immer interessiert, warum so jemand, der sich ja eigentlich Inhalten verschrieben hat, diesen Starkult so bedient – durch sein Auftreten. (0:50)

 

3. Ich habe Sie gesehen im Film – es sind ganz eindrucksvolle Szenen. Einmal stehen Sie in Ihrem Versteck und fangen mit dem Mund Tropfen auf. Sie wirken sehr einsam. Wie bereiten Sie sich auf so eine schwierige Rolle vor?

In dem Moment, wo es eindeutige Referenzen gibt, wie jetzt meinetwegen Edward Snowden oder Julian Assange, schau ich mir halt viel an. Aber ich hatte auch vieles schon vorher gesehen, weil es mich immer als Thema interessiert hat und versuche meine Fantasie damit anzureichern. Und ab einem gewissen Punkt höre ich dann damit wieder auf und konzentriere mich nur noch auf das Drehbuch. Wir haben es auf Englisch gedreht und das ist dann immer auch eine Chance, mit jemandem zu arbeiten – in dem Fall habe ich mit einem Schauspielcoach gearbeitet, der mir so einen leichten amerikanischen Akzent beigebracht hat. Und es ist auch immer schön, über die Sprache und die Sprachbehandlung in so eine Figur zu schlüpfen. (0:45)

 

4. Wie schwierig war es in Englisch, in einer fremden Sprache eine Rolle zu spielen, die so schwierig ist wie die des Whistleblowers?

Das war nicht so schwer, weil ich Englisch sehr gut verstehe. Ich spreche es nicht perfekt und ich habe auch einen sehr starken deutschen Akzent. Aber ich habe schon oft in Sprachen gedreht wie Russisch oder Italienisch, die ich selbst gar nicht spreche, die ich dann fast phonetisch gelernt habe. Das ist schon eine große Verunsicherung und das macht mir dann letztendlich auch nicht so viel Spaß, weil ich dann so an den Worten hänge und nicht frei bin. Beim Englischen ist das anders, ich konnte da auch sehr viel improvisieren, es gab Raum zur Improvisation, zum Beispiel in dieser Interviewszene. Diese ganzen Aktionen, die ich mache, dass ich aufstehe, mich nochmal vergewissere, dass meine Haare gut sitzen und dann nochmal den Monitor der Kamera umdrehe und sage: ‚Machen Sie jetzt einen Close-up?‘. Das sind alles Improvisationen gewesen. Und da war ich aber auch froh, und da muss man auch das Glück haben, dass man so jemanden wie die Regisseurin Barbara Eder hat, die da zugänglich oder empfänglich ist und sagt: ‚Find ich gut, mach das‘ oder ‚Lassen wir so‘. (0:56)

 

5. Es war eine internationale Produktion mit hochkarätigen Kollegen, aber auch mit einer hochkarätigen, preisgekrönten Regisseurin. Ist es ein besonderer Reiz, ist es ein Unterschied zu einer ganz normalen deutschen Produktion?

Ja klar, das macht natürlich was mit einem. Dieses Umfeld, wir haben in Schweden gedreht, meine Szenen spielen alle in einem Bunker in Malmö, und das habe ich sehr genossen, das war eine tolle Zeit. Und wie gesagt, Barbara Eder war jemand, die mich sehr bestärkt hat, da auch auszuprobieren. Für mich war dieser Raum wie eine Bühne, ich war da oft alleine mit dem Kameramann und dem Tonmann und dann haben wir auch lange improvisiert. Ich habe mich da sehr frei gefühlt und das war sehr spielerisch. Ich habe halt von den Kollegen nicht so viel gehabt, das war ein bisschen schade, manche habe ich tatsächlich erst beim Abschlussfest kennengelernt. Wotan kenne ich ganz gut, aber eigentlich habe ich nur diesen kurzen Moment mit ihm. Ich will jetzt nicht verraten, was ich mit ihm mache, aber es ist ganz am Ende des Films, aber wir haben nicht mal einen Dialog miteinander. Und ich war jetzt auch beeindruckt. Es ist ja doch immer nochmal ein Unterschied, wenn man dann sieht, was daraus gemacht wurde. Ich war total glücklich. Ich finde, es funktioniert sehr gut. (0:57)

 

6. Der Film dreht sich um die ehemalige Stasi, um die CIA, den Ost-West-Konflikt – jetzt wollen wir nicht allzu viel vorwegnehmen. Sie waren 13 Jahre alt, als die Mauer fiel. Haben Sie überhaupt Erinnerungen dran?

Das ist doch total verrückt, dass ich die nicht habe. Ich habe die tatsächlich nicht. Ich kann mich nicht erinnern, wo ich am Tag des Mauerfalls war. Ich weiß es einfach nicht. Und ich meine, jeder weiß, wo er war, als John. F. Kennedy erschossen wurde. Jeder weiß, wo er am 11. September war. Ich weiß es nicht. Trotzdem ist es ein Thema. Ich bin in West-Berlin groß geworden, was mich natürlich ganz unmittelbar angeht. Und es ist tatsächlich einer der stärksten Sätze oder auch wichtigsten Momente in ‚West of Liberty‘, wenn am Ende Lucien Gell dasteht und sagt: ‚Die Mauer ist nicht gefallen, sondern sie ist von Menschen zum Einstürzen gebracht worden.‘ Und das finde ich eine ganz wichtige Erkenntnis. Auch in diesem ganzen Zusammenhang, zu erkennen, zu was der Einzelne fähig ist und dass wir da unser Potential immer unterschätzen. Und das kann man auf alles übertragen, wenn man sich jetzt eine Greta Thunberg anguckt. Das finde ich eigentlich die Essenz von ‚West of Liberty‘, zu sagen, dieses System besteht aus Individuen und die werden in ‚West of Liberty‘ beleuchtet. Und diese Individuen sind alle in höchstem Maße menschlich. Weil sie alle auch Fehler haben und voll von Widersprüchen sind. Das finde ich eine sehr zugewandte und menschliche Sicht auf die Dinge. Und das gefällt mir. (1:19)

 

Abmoderation:

Das ZDF strahlt den Agententhriller als Zweiteiler mit jeweils 96 Minuten am Sonntag, 24. und Montag, 25. November, jeweils um 22.15 Uhr aus. Ab Montag, 18. November, steht „West of Liberty“ bereits als Sechsteiler in der ZDFmediathek.

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