Copyright: ZDF / Violetta Grimm
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Wir können nicht anders

Montagskino im ZDF

Heimatkrimi, Provinzkomödie, Gangsterfilm – Detlevs Bucks Kinofilm lässt sich nicht auf ein Genre festlegen. Die ZDF-Kino-Koproduktion erzählt von zwei Großstädtern, die aufs Land reisen und es mit gefährlichen Feuerwehrmännern, übergriffigen Polizisten, egozentrischen Frauen und einem wildgewordenen Nikolaus zu tun bekommen.

  • ZDF, Montag, 6. Dezember 2021, 22.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, Ab Samstag, 27. November 2021

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Deutschland 2020

Regie      Detlev Buck
Buch       Martin Behnke, Detlev Buck
Kamera       Armin Franzen
Schnitt         Dirk Grau
Musik       Konstantin Gropper, Alex Mayr
Szenenbild       Agi Dawaachu  
Ton      Paul Oberle
Kostüme    Ingken Benesch
Produzenten    Christoph Daniel, Marc Schmidheiny, Sonja Schmitt,
Theo Leipert, Detlev Buck
Redaktion     Doris Schrenner
Länge       ca. 98 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Sam      Kostja Ullmann
Edda       Alli Neumann
Herrmann      Sascha Alexander Geršak
Katja        Sophia Thomalla
Rudi           Merlin Rose
Rainer          Peter Kurth
Frank          Frederic Linkemann 
Sigi Köhler          Detlev Buck
Antje Köhler       Anika Mauer

               

Heimatkrimi, Provinzkomödie, Gangsterfilm – Detlevs Bucks unterhaltsamer Kinofilm "Wir können nicht anders" lässt sich nicht auf ein Genre festlegen. Mit gnadenlosem Blick auf die ostdeutsche Provinz und ihre Bewohner schafft einer der originellsten und facettenreichsten Regisseure des deutschen Kinos ein abgründiges Gesellschaftsporträt mit Star-Ensemble. Im tiefsten Winter an der deutsch-polnischen Grenze gedreht, erzählt die ZDF-Kino-Koproduktion von zwei Großstädtern, die aus einem festlichen Anlass aufs Land reisen und es mit gefährlichen Feuerwehrmännern, übergriffigen Polizisten, egozentrischen Frauen und einem wildgewordenen Nikolaus zu tun bekommen.

Nach fünf glücklosen Jahren in Berlin will Edda anlässlich des Geburtstags ihres Vaters erstmals wieder ihr brandenburgisches Heimatdorf besuchen. Vor der Abreise aus der Hauptstadt verbringt sie eine Nacht mit dem campenden Juniorliteraturprofessor Sam und überredet ihn, sie mit seinem Wohnmobil zu begleiten. Nahe Eddas Heimatort hört Sam Schussgeräusche im Wald und verhindert, dass der junge Feuerwehrmann Rudi von seinem Vorgesetzten Thomas ob einer Affäre mit dessen Frau erschossen wird. Sam und Rudi fliehen vor dem kriminellen wie tollpatschigen Feuerwehrtrupp in das dünnbesiedelte Dorf und kommen dabei unter anderem mit Hermanns Vater, dem neurotischen und verwaist lebenden Fabrikbesitzer Rainer, in Kontakt. Edda wird im Wald von ihrem Ex-Freund Frank aufgelesen, doch sie erschießt den Dorfpolizisten in Notwehr, als er sich an ihr zu vergehen versucht. Um sich wiederzusehen, können Edda und der flüchtige Sam einer Konfrontation mit dem unberechenbaren Hermann und seinen Männern nur für eine begrenzte Zeit aus dem Weg gehen.

Detlev Bucks ZDF-Koproduktion "Wir können nicht anders", deren Kinoauswertung der COVID-19-Pandemie zum Opfer fiel, erinnert von ihrem Titel her nicht ohne Grund an Bucks ersten Kassenschlager "Wir können auch anders..." aus dem Jahr 1993: Erneut mischen sich hier Elemente einer ostdeutschen Provinzkomödie mit denen des Gangster-Thrillers zu einem beiläufigen Gesellschaftsporträt. Buck taucht das brandenburgische Hinterland in weihnachtliche Neo-Noir-Farben und lässt dabei mit einem fatalistischen Lächeln abgehängte Dorfmannsbilder auf ein junges Liebespaar treffen, das sich noch einen Funken Hoffnung bewahrt hat.

Das Drehbuch erarbeitete Detlev Buck mit dem gefragten ostdeutschen Film- und Serienautor Martin Behnke ("Berlin Alexanderplatz", "Dark").

In der Hauptrolle vertraut Buck auf seinen Stammschauspieler Kostja Ullmann, dem er die Sängerin und Darstellerin Alli Neumann in ihrer zu diesem Zeitpunkt zweiten Filmrolle zur Seite stellt. Als wutgetriebener Gegenspieler zeigt Sascha Alexander Geršak sein ganzes Können, wobei er teilweise im Nikolausmantel auftritt. Mut zu einem noch skurrileren Kostüm zeigt jedoch Peter Kurth in einer kleinen, aber einprägsamen Nebenrolle. Oft mit einer gewinnbringend steinernen Miene, die den Handlungsschauplatz des durch den Strukturwandel blutentleerten und stehengebliebenen Dorfes spiegelt, rundet Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla den Cast ab.

Directors Note

Immer wenn ich einen Film mache, stelle ich mir die Frage, warum dieser Film jetzt. Weil, ein Film gehört immer in seine Zeit. Und da gibt es für "Wir können nicht anders" sehr viele Gründe, nicht zuletzt die Veränderungen, die ich in unserer eigenen Provinz beobachte. Nicht nur die wütenden Männer, sondern auch die fahrradfahrenden Eritreer, die mit der Leere und Einsamkeit des Landes kaum zurechtkommen, die Landflucht der Jugend und der Wegfall von lebendigen offenen Diskussionen, der oft zu Sätzen führt wie: "Da es andere nicht interessiert, was wir machen, machen wir, was wir wollen". Dieser Impuls ist im Lauf der Auseinandersetzung mit dem Stoff nicht schwächer geworden, eher stärker, zumal diese Männer, die heutzutage auf der ganzen Welt auf sich aufmerksam machen, mit ihrer Konsequenz, unabdingbar kompromisslos ihr Gesicht zu bewahren, anscheinend den Untergang aller in Kauf nehmen. Aber auch im Privaten: Jeden zweiten bis dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex- Partner umgebracht.

Weihnachtszeit – in diesen Tagen schauen alle nach Hause und man wird zurückgeworfen in seine Herkunftsfamilien. Es entstehen oft Reibereien. Das kennen die Zuschauerinnen und Zuschauer und das ist ein Take-off für Sam und Edda. Nicht nur wegen den warmen Lichtern in der Dunkelheit... Sam und Edda lernen sich nachts kennen. Was als eine Affäre beginnt, wird dank Eddas Überschwang, Bequemlichkeit ("Der Mann hat ein Auto!") und Spontaneität ("Dann lass uns doch zusammen zum Geburtstag meines Vaters fahren!") zu einem kompakten, grotesken Abenteuer, das auch eine Liebesgeschichte ist, in 24 Stunden. In dieser Zeit lernen sich Sam und Edda kennen, das erleben wir mit.

Sam ist jemand, der sich einmischt. Der nicht zusieht, wie die Dinge ihren Lauf nehmen. Er ist ein moderner Mann aus der Stadt, der auf wütende Männer trifft.

Das Prinzip: "Was würdest Du an der Stelle von Sam und Edda tun?" haben wir immer wieder untersucht. Einmischen, widersprechen, sich wehren oder das Weite suchen.

Herrmann lässt den Knecht Ruprecht aufleben, um die bösen Kinder zu bestrafen. Sam versucht die toxische Männlichkeit an ihre Grenzen zu führen, aber er erkennt, dass er hier mit Rationalität nicht weiterkommt. Edda will sich das Wort niemals verbieten lassen.

Das Ganze ist zu einer Fabel geworden. Am Schluss wird klar, dass die Geschichte nicht den totalen Anspruch einer realen Geschichte hat, sondern durch die Überhöhung verdeutlichen und auch zu Diskussionen anregen soll: Gibt es solche Typen? Kann man sie stoppen? Wie kann man dem Brustton der Überzeugung von Menschen überhaupt begegnen, die meinen, dass sie Recht haben?

Gerade weil "Wir können nicht anders" eine dunkle, groteske Abenteuergeschichte ist, ist das sogenannte Happy End eine Notwendigkeit, um dem Guten im Menschen eine Chance zu geben. Es ist nicht nur eine filmische Zweckmäßigkeit, sondern es entspricht einem Bedürfnis, das man hat.

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