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Alter Osten – Neuer Osten

Drei Spielfilme über den Wandel in Europa

In der Reihe "Alter Osten – Neuer Osten" präsentiert Das kleine Fernsehspiel drei Spielfilme über den Wandel in Europa: "Nationalstraße", "Poka heißt Tschüss auf Russisch" und "Meine Glückliche Familie".

  • ZDF, Ab Montag, 7. März 2022, 0.20 Uhr im ZDF
  • ZDF Mediathek, Ab Freitag, 4. März 2022, 10.00 Uhr, in der ZDFmediathek

Texte

Alter Osten – Neuer Osten
Statement Redaktion

Drei Spielfilme von Regisseurinnen und Regisseuren, die ihre Geschichten aus unterschiedlichen osteuropäischen Ländern erzählen, präsentiert die ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel im März: aus Tschechien, aus Kasachstan und aus Georgien. Sie spannen einen zeitlichen Bogen von 1989 bis heute. In ihren tragikomischen Geschichten und Figuren spiegeln sich die enormen gesellschaftlichen Veränderungen seit dem Zusammenbruch des Ostblocks.

"Nationalstraße" eröffnet die Reihe. Die tschechisch-deutsche Koproduktion ist die filmische Adaption des gleichnamigen, auch in Deutschland erfolgreichen Romans von Jaroslav Rudiš, der zusammen mit Regisseur Štěpán Altrichter das Drehbuch zum Film schrieb. Sein "Held", Vandam, lebt am Rande von Prag. Wie nicht wenige in Tschechien, Polen, Ungarn oder auch in Deutschland fühlt er sich von der schnellen Transformation der ehemals sozialistischen Gesellschaft überfordert, abgehängt. Als seine Stammkneipe wegen Gentrifizierung geschlossen werden soll, zieht Vandam nur zu gerne in den Kampf getreu seinem Lebensmotto: "Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen".

"Poka heißt Tschüss auf Russisch" beginnt in Kasachstan im Jahre 1990: Georg hat seine Ausreisegenehmigung erhalten und freut sich, zusammen mit seiner schwangeren Frau Lena in den goldenen Westen nach Deutschland gehen zu können. Wie die vielen anderen sogenannten Spätaussiedler kommen sie mit großen Hoffnungen nach Deutschland. Doch die Erwartungen entpuppen sich als Hirngespinste.

"Meine glückliche Familie" führt uns nach Georgien. Die Geschichte einer Frau Anfang fünfzig, die im Konflikt zwischen ihrer Familie und ihrer persönlichen Freiheit steht, entspricht dem Leben einer ganzen Generation von Frauen in Georgien, die nie die Möglichkeit hatten, wirklich eigene Entscheidungen zu treffen. Am Beispiel von Mananas sanfter Emanzipation entwickelt sich die Beschreibung einer Gesellschaft im Übergang zwischen alten Rollenbildern und neuen Lebensentwürfen.

Die Biografien der Filmemacher und Filmemacherinnen selbst sind mitgeprägt von der Öffnung der osteuropäischen Länder seit 1989. Štěpán Altrichter kam mit seiner Familie nach Deutschland und studierte an der HFF Konrad Wolf Regie, Anna Hoffmann wurde 1980 in Kasachstan geboren und lebt seit 1990 in Deutschland und Nana Ekvtimishvili und Simon Groß bilden ein deutsch-georgisches Regie-Duo. Es sind auch diese biografischen Erfahrungen, die die drei Filme so authentisch, spannend und unterhaltsam machen.

Darüber hinaus gewährt auch der Episodenfilm "The Love Europe Project" am, Samstag, 28. März 2022, 0.45 Uhr im ZDF (in der ZDFmediathek ab Sonntag, 27. März 2022, 10 Uhr, 30 Tage lang) in vier von zehn Kurzfilmen Einblicke in verschiedene Lebensgeschichten und Alltagssituationen von Osteuropäerinnen und Osteuropäern.

Jörg Schneider, Redakteur ZDF/Das kleine Fernsehspiel

Nationalstraße 

Tragikomödie, Tschechische Republik, Deutschland 2020
Montag, 7. März.2022, 0.30 Uhr im ZDF
Ab Freitag, 4. März 2022, 90 Tage lang in der ZDFmediathek

Stab

Buch – Jaroslav Rudiš, Štěpán Altrichter
Regie – Štěpán Altrichter
Schnitt – Jan Daňhel
Kamera – Cristian Pirjol
Szenenbild – Jan Pjena Novotný
Ton – Ivan Horák
Musik – Reentko Dirks, Clemens Christian Poetzsch
Kostüme – Ivan Stekla
Produzenten – Pavel Strnad, Eike Goreczka, Christoph Kukula
Produktion – Negativ s.r.o., 42film in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE
Redaktion – Jörg Schneider (ZDF/Das kleine Fernsehspiel), Olaf Grunert (ZDF/ARTE)
Förderer – Mitteldeutsche Medienförderung, Euroimage, tschechische TV- und Filmförderung
Länge – circa 84 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Vandam – Hynek Čermák
Psycho – Jan Cina
Lucka – Kateřina Janečková
Milner – Václav Neužil
und andere

Inhalt 

1989 wurde Vandam in Tschechien als Nationalheld gefeiert, heute ist er vergessen, ein Verlierer wie viele andere auch. Sein Kampf für die Frau, die er liebt, ist auch ein Kampf um seine Würde.

Vandam lebt in einer Plattenbausiedlung am Rande von Prag. Hier hat er schon seine Kindheit verbracht, hier ist er zuhause. Vor allem in der Kneipe Severka. Hier wird er als Held gefeiert, weil er 1989 – zumindest behauptet er das – die Samtene Revolution losgeschlagen hat. Zuschlagen kann Vandam nämlich. Das ist seine Art, sich im Leben durchzusetzen.  

Aber er hat auch eine andere Seite – eine freundliche, verletzliche. Und er ist verliebt in Lucka. Doch ausgerechnet deren Kneipe ist in Gefahr, als es skrupellose Immobilienentwickler auf Vandams Viertel abgesehen haben. Da zieht Vandam nur zu gerne in den Krieg getreu seinem Lebensmotto: "Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen".

Autorenstatement von Jaroslav Rudiš

Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.

Regiestatement von Štěpán Altrichter

"Nationalstraße" ist eine lustig-traurige Geschichte über einen, der die heutige Zeit nicht mehr versteht. Der Film spielt in den Vororten von Prag – genauso könnte er aber auch in einem Vorort einer deutschen Stadt spielen. Und manchmal sieht man, was mit der heutigen Zeit nicht stimmt sogar besser, wenn man woanders hinschaut. Denn Vandam ist einer von den vielen heute, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen und sich deswegen eigene und nicht immer friedliche Wege suchen. Diese Entwicklung gibt es in Tschechien, in Polen, der Slowakei, Ungarn, diese Entwicklung gibt es aber auch in Deutschland. Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß.

Preise und Auszeichnungen

"Cottbus im Kino"-Preis, Auftakt des FilmFestivals Cottbus auf der Berlinale 2020

Festivals

FilmFestival Cottbus 2019
Wettbewerb

Filmfestival Max Ophüls Preis 2020
Gastprogramm FilmFestival Cottbus

Bio Štěpán Altrichter

Štěpán Altrichter wurde 1981 im tschechischen Brno/Brünn geboren und lebt in Berlin. Er studierte Philosophie und Psychologie an der Freien Universität Berlin und begann anschließend sein Regie-Studium an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg.
Sein Abschlussfilm "Schmidtke" (2014) wurde unter anderem mit der Auszeichnung "Bestes Debüt" beim FilmFestival Cottbus bedacht, gewann den FIPRESCI-Preis der deutschen Filmkritik, den Filmkritikerpreis "Discovery of the Year" und wurde außerdem mit zwei Böhmischen Löwen ausgezeichnet. Sein zweiter Langfilm "Nationalstraße" (2019) feierte beim FilmFestival Cottbus seine Premiere und wurde zum Kinoerfolg in Tschechien.

Poka heißt Tschüss auf Russisch

Spielfilm, Deutschland 2014
Montag, 14. März 2022, 0.30 Uhr im ZDF
Ab Freitag, 4. März 2022, 90 Tage lang in der ZDFmediathek

Stab

Buch – Anna Hoffmann, Oliver Haller
Regie – Anna Hoffmann
Kamera – Andreas Höfer
Schnitt – Melanie Sorge
Musik  – Martina Eisenreich
Ton – Peter Schmidt
Szenenbild – Sebastian Wurm
Produzenten  – Stephan Grobe, Oliver Haller
Produktion – Eine Produktion der Jolle-Film in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert von der MFG-Filmförderung Baden-Württemberg
Redaktion – Burkhard Althoff (ZDF/Das kleine Fernsehspiel)
Länge – circa 102 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Lena – Natalia Belitski
Georg – Pavlo Pasha Antonov
Alexander – Jurij Rosstalnyj
Paschkin – Gennadi Vengerov
Lusja – Regina Kletinitch
Mischa – Thomas Papst
Maria – Jelena Knyaseva Shmal
Irina – Elisabeth Müller
Svetlana – Olga Landina
Rektor – Patrick von Blume
Jens – Levin Henning
Deniz – Kida Khodr Ramadan
Kasia – Karin Hanczewski
und andere

Inhalt

Eine junge Liebe mit Hindernissen unter Russlanddeutschen Anfang der 1990er Jahre.

1990 in Kasachstan: Die Familie des Russlanddeutschen Alexander erhält endlich den Aufnahmebescheid nach Deutschland und freut sich, das kleine kasachische Örtchen zu verlassen, um in den "goldenen Westen" nach Deutschland gehen zu können. Die Erwartungen an das neue Leben in der Heimat der Vorfahren sind riesig. Doch Alexanders Sohn Georg hat sich in die attraktive Russin Lena verliebt – und die wird schwanger. Als Georg sie heiratet, darf sie als seine Ehefrau mit nach Deutschland. Aber die Bedingungen im Aufnahmelager sind für alle ein echter Härtetest. Besonders für die Liebe. Schon seine Flitterwochen verbringt das Paar in einer zur Behelfsunterkunft umfunktionierten Turnhalle – zusammen mit vielen anderen sogenannten Spätaussiedlern, die inmitten der gesellschaftlichen Umbrüche zwischen Glasnost und Wiedervereinigung nach Deutschland gekommen sind. Die hohen Erwartungen an Deutschland entpuppen sich als Hirngespinst. Und während Georg einen Rückschlag nach dem anderen einstecken muss, entdeckt die ehemalige Komsomolzin Lena die Marktwirtschaft. Mit fatalen Folgen. Der Traum von Deutschland droht für Georg zum Alptraum zu werden.

Preise

24. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, 2014 – Förderpreis der DEFA-Stiftung
24. Festival des osteuropäischen Films Cottbus, 2014 – Preis für den besten Jugendfilm U18

Bio Anna Hoffmann (Regie und Buch)

Anna Hoffmann wurde 1980 in Kasachstan geboren und lebt seit 1990 in Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie von 2001 bis 2002 Film- und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin, von 2002 bis 2008 Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg, Fachrichtung Dokumentarfilm. 2002 und 2006 folgten Regieassistenzen bei Frank Coraci und Volker Schlöndorff. 2007 erhielt Anna Hoffmann den kasachischen Filmpreis, 2008 den Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg. Für ihre Abschlussarbeit, den Dokumentarfilm "Die Haushaltshilfe", wurde sie 2009 mit der "Lola - Deutscher Kurzfilmpreis" ausgezeichnet. "Poka heißt Tschüss auf Russisch" ist ihr Langfilmdebüt.

Meine glückliche Familie

Spielfilm, Deutschland/Georgien 2017
Montag, 21. März 2022, 0.30 Uhr im ZDF
Ab Sonntag, 20. März 2022, 7 Tage lang in der ZDFmediathek

Stab

Buch  – Nana Ekvtimishvili
Regie – Nana Ekvtimishvili und Simon Groß
Kamera – Tudor Vladimir Panduru
Schnitt – Stefan Stabenow
Ton  – Andreas Hildebrandt, Paata Godziashvili
Sound-Design – Paata Godziashvili
Mischung – Andreas Hildebrandt
Szenenbild – Kote Japaridze
Kostümbild  – Medea Bakradze
Maske – Madona Tchanturia
Herstellungsleitung – Philipp Stendebach
Produzenten  – Jonas Katzenstein, Maximilian Leo
Koproduzenten – Simon Groß, Guillaume de Seille
Produktion – augenschein Filmproduktion, in Koproduktion mit Polare Film LLC, Arizona Productions und ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert von Film- und Medienstiftung NRW, BKM, DFFF, Georgian National Film Center, Film in Georgia, Eurimages, CNC
Redaktion  – Christian Cloos (ZDF/Das kleine Fernsehspiel)
Länge – 119 Minuten

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Manana – Ia Shugliashvili
Soso (Mananas Ehemann) – Merab Ninidze
Lamara (Mananas Mutter) – Berta Khapava
Nino (Mananas Tochter) – Tsisia Qumsashvili
Vakho (Mananas Schwiegersohn) – Giorgi Khurtsilava
Lasha (Mananas Sohn) – Giorgi Tabidze
Otar (Mananas Vater) – Goven Cheishvili
Rezo (Mananas Bruder) – Dimitri Oragvelidze

Inhalt

Tiflis, Georgien 2016. In der patriarchalischen Gesellschaft leben drei Generationen einer durchschnittlichen georgischen Familie unter einem Dach. Als die 52-jährige Manana plötzlich auszieht, um allein zu leben und ihre Eltern und Kinder zurücklässt, sind alle schockiert. Eine Reise ins Ungewisse beginnt.

Manana lebt mit ihrem Mann, ihren erwachsenen Kindern, nebst Schwiegersohn, und ihren Eltern in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet die Literaturlehrerin ihrer völlig überraschten Familie, dass sie ausziehen wird. Nach 25 Jahren Ehe. Als Manana tatsächlich ihre Koffer packt, sind alle fassungslos: Wohin will sie denn gehen? Was oder wer ist der Grund dafür? Manana sei längst aus dem "Scheidungsalter" heraus und habe einen einwandfreien Ehemann, der weder trinke, Drogen nehme oder sie schlage – meint ihre Mutter. Doch Manana bleibt konsequent und tut das, was im patriarchalischen Georgien undenkbar ist. Sie zieht in eine kleine Wohnung, um allein, frei und selbstbestimmt zu leben.

Die Geschichte einer Frau Anfang 50, die im Konflikt zwischen ihrer Familie und ihrer persönlichen Freiheit steht, entspricht dem Leben einer ganzen Generation von Frauen in Georgien, die nie die Möglichkeit hatten, wirklich eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sind eng in ein Regelwerk eingebunden, das den Ansprüchen der Männer und der Familie Vortritt lässt. Der Film erzählt nah an seinen Figuren und zwischen Drama und Tragikomik. Am Beispiel von Mananas sanfter Emanzipation entwickelt sich die Beschreibung einer Gesellschaft im Übergang zwischen alten Rollenbildern und neuen Lebensentwürfen. Der archetypische Konflikt ist übertragbar auf viele andere Nationalitäten und Kulturen, auch vieler Menschen, die nach Europa fliehen.

Regiestatement von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß

In einer patriarchalischen Gesellschaft wie Georgien sind viele Menschen der Meinung, dass eine Frau schlechter dran ist ohne Mann. Sie hätte weniger Geld, weniger Schutz und genieße weniger Respekt. Tatsächlich stimmt das in der Regel, aber nicht, weil die Frau weniger Wert hat, sondern weil die Leute um sie herum so denken. Und dieses Denken ist es, das die Gesellschaft formt und die Normen bestimmt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in der Kirchen als Lagerhallen missbraucht wurden und der Glaube an Gott praktisch verboten war, kam die Religion wieder ans Licht, und die Menschen wandten sich nach siebzig Jahren Stillstand an die Kirche. Die heutige christlich-orthodoxe Kirche unterstützt, dass Frauen weniger Rechte, Respekt und Anerkennung in Familie und Gesellschaft haben. Die Predigten, an die sich viele Menschen fast blind halten, fördern den Mann als Kopf der Familie und verlangen von der Frau, sich ihm unterzuordnen. Oft wird auch die Situation der Frauen mit der Tradition und der Kultur gerechtfertigt. Solche Argumente tauchen in der öffentlichen Diskussion über Frauen in Georgien häufig auf.

Der Film behandelt auch das Verhältnis der Frauen verschiedener Generationen zueinander: Manana redet mit ihrer Tochter und animiert sie zu Dingen, die sie selbst nie tun konnte. Ganz anders ist wiederum das Verhältnis zwischen Manana und ihrer Mutter Lamara, die auch nicht tun konnte, was sie wollte, aber Manana niemals dazu ermutigt hat, es anders zu machen. Diese drei Frauen des Films repräsentieren die drei Frauengenerationen von heute in Georgien.

Der Film beschäftigt sich außerdem mit dem Gruppenphänomen der Familie. In Georgien fühlen sich die Menschen in der Regel glücklich, wenn sie in Gesellschaft ihrer Familie sind. Es ist wie ein Urinstinkt, mit den nahestehenden Menschen zusammen zu sein, einander zu beschützen und zu unterstützen. Dieses Zusammensein hat nicht nur eine ökonomische Seite, sondern auch eine soziale und kulturelle. Während die europäische Kultur zu einer Individualisierung des Menschen strebt, ist die georgische Kultur stärker von Gruppendynamik und dem Zusammenleben der Menschen geprägt. Allerdings macht dieses Zusammenleben auch einiges sehr kompliziert, weil man keine Privatsphäre hat und weil die Meinung einer Person auch schnell zur Meinung eines anderen Familienmitgliedes werden kann. Die verschiedenen Familienmitglieder haben einen starken Einfluss aufeinander.

In einer solchen Dynamik erfordert es großen Krafteinsatz, diesen Kreislauf zu durchbrechen und das Leben so zu leben, wie man es eigentlich will. Deswegen hat Manana ihr Leben in den letzten 25 Jahren auch nicht geändert. Aber ab einem bestimmten Moment beginnt sie nun, eine ganz andere Richtung in ihrem Leben einzuschlagen, und beschließt, allein zu leben. Dadurch entsteht ein ungewohnt neuartiger Abstand zu ihrer Familie und ihrem Ehemann und eine neue Perspektive – auch auf sich selbst.

Preise und Auszeichnungen – eine Auswahl

goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films Wiesbaden 2017
FIPRESCI-Preis der Internationalen Filmkritik für den "Besten Spielfilm"
Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die "Beste Regie"

Transilvania International Film Festival 2017 in Cluj (Rumänien)
Hauptpreis "Transilvania Trophy” für den "Besten Film"
Best Performance Award an Ia Shugliashvili

Internationales Filmfestival 2017 in Sofia (Bulgarien)
Preis für die "Beste Regie"

Internationales Filmfestival 2017 in Seattle (USA)
"Grand Jury Preis – Special Mention”

Internationales Filmfestival 2017 Odessa (Ukraine)
"Golden Duke" für die "Bbeste Regie" und "Beste Schauspielerin/Bester Schauspieler"

Festival des Europäischen Kinos 2017 in Lecce
"FIPRESCI-Preis" für "Bester Film" und "Beste Kamera"

Internationales Filmfestival Hong Kong
"Golden Firebird Preis" in der Kategorie "Junges Kino"

Eurasia International Film Festival in Astana, (Kasachstan)
Preis für "Beste Schauspielerin/Bester Schauspieler"

Festivals – eine Auswahl

Sundance Film Festival, Utah, USA 2017, World Competition

Berlinale 2017, Forum

Sofia International Film Festival, Bulgarien 2017, Colours of Yearning

New York New Directors Festival, NY, USA 2017

Vilnius International Film Festival, LT 2017, Festival Favourites

Lecce European Film Festival 2017

Internationales Frauenfilmfest Dortmund und Köln 2017, Fokus "In Control of the Situation"

Hong Kong International Film Festival 2017, Firebird Awards: Young Cinema Competition

Crossing Europe Filmfestival, Linz, Österreich 2017, European Panorama Fiction

Go East, Wiesbaden 2017, Wettbewerb

Seattle International Film Festival, USA 2017

Transilvania International Film Festival, Rumänien 2017

Sydney Film Festival, Australien 2017

Midnight Sun Film Festival, Finnland 2017, Gems of New Cinema

Taipei Film Festival, China 2017

Jerusalem  Film Festival, Israel 2017, Section: InternationalCompetition

Biografien

Nana Ekvtimishvili (Buch und Regie)

Geboren 1978 in Tbilisi/Tiflis, Georgien, studierte Nana Ekvtimishvili "Drama und Drehbuch" an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg. Zunächst arbeitete sie als Prosa- und Drehbuchautorin, 2011 führte sie erstmals Regie bei dem Kurzfilm "Waiting for Mum". 2012 gründete Nana Ekvtimishvili ihre eigene Produktionsfirma Polare Film zusammen mit Simon Groß in Georgien. Bei Nana Ekvtimishvilis Spielfilmdebüt "Die langen hellen Tage" führten sie gemeinsam Regie und übernahmen die Produktion in Georgien. Der Film entstand bereits in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel. "Meine glückliche Familie" ist der zweite Spielfilm von Nana Ekvtimishvili und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Simon Groß (Regie)

1976 in Berlin geboren, studierte Simon Groß Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nachdem er bei mehreren Kurzfilmen Regie geführt hatte, drehte er 2006 seinen Debütfilm "Fata Morgana", für den er den "Förderpreis Deutscher Film" für die "Beste Regie" auf dem Filmfest München erhielt. Er gründete seine eigene Produktionsfirma Polare Film zusammen mit Nana Ekvtimishvili in Georgien. Simon Groß und Nana Ekvtimishvili führten schon bei "Die langen hellen Tage" gemeinsam Regie und übernahmen dessen Produktion in Georgien. "Meine glückliche Familie" ist der dritte Spielfilm von Simon Groß und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Weitere Informationen

Fotos: (06131) 70-16100 oder über https://presseportal.zdf.de/presse/alterosten_neuerosten

Weitere Informationen "Das kleine Fernsehspiel": https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel 

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