sexchange - Im anderen Geschlecht

Fünfteiliges Gender-Experiment

ZDFneo widmet sich in dem Schwerpunkt "Der kleine Unterschied" dem Thema "Geschlechterrollen".

"sexchange - Im anderen Geschlecht" macht den Auftakt: Drei Männer und zwei Frauen möchten erleben, wie es sich anfühlt, im anderen Geschlecht gesehen und behandelt zu werden. Professionelle Maskenbildner, Bewegungs- und Stimmtrainer helfen ihnen dabei, das Aussehen und den Habitus zu verändern.

  • ZDF neo, Ab Montag, 4. Mai 2015, 19.30 Uhr

Texte

Moralische Panik - Vorwort von ZDFneo-Redakteur Christian Liffers

In jüngster Zeit nehmen die Angriffe auf die Gender-Forschung an Härte und Polemik zu: von „Gender-Ideologie“ und „Gender-Wahn“ ist auf Plakaten von Demonstranten gegen Bildungspläne in Baden-Württemberg und Hamburg zu lesen. Werden durch Forschung, Diskussion und das Hinterfragen von Geschlechtergrenzen gesellschaftliche Grundfesten erschüttert?

Der Guardian prägte in diesem Kontext den Begriff der „moral panic“. Was ist mit dieser „moralischen Panik“ gemeint, die offensichtlich ein breites Spektrum von konservativen bis christlich-fundamentalistischen Menschen in Deutschland zu erfassen scheint? An den Grenzen zwischen Frau und Mann scheinen doch immer noch oder heute wieder Minenfelder zu liegen. Was passiert denn genau, wenn diese Grenzen durchlässig werden und verschwimmen? Ist automatisch moralische Verwirrung und Übersexualisierung die Folge? Sind unsere Kinder in Gefahr? Mit einem einfach anmutenden Experiment wollen wir in „sexchange - Im anderen Geschlecht“ dem auf den Grund gehen: Drei Männer und zwei Frauen versuchen für zwei Wochen das Geschlecht zu „wechseln“. Können die fünf  Probanden den von der Genderforschung postulierten Unterschied zwischen biologischem Geschlecht, gesellschaftlich geprägtem Gender und Sexualität erfahrbar machen?

Was bestimmt unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung als Frau oder Mann? Wie inszenieren wir uns als Frau oder Mann? Wie viel vom anderen Geschlecht steckt in uns? Die sich verändernde Selbstwahrnehmung und einsetzende Reflexion der Probanden und Probandinnen – und selbst das Scheitern an gestellten Aufgaben – machen bewusst, dass die Performanz des eigenen und die Wahrnehmung des anderen Geschlechts in ständiger Bewegung sind.

Provokativ und gleichzeitig unterhaltsam werden auf diese Weise im Gender-Experiment gesellschaftliche Mechanismen offengelegt. Das Spiel mit geschlechtlicher Identität – wie es aktuell Künstlerinnen wie Conchita Wurst u.a. betreiben – und das Hinterfragen der Unterschiede zwischen Mann und Frau, gelten einigen als fundamentaler Angriff auf bürgerliche Grundwerte, für viele jedoch ist dies ein Ansatz für eine moderne, freiere Gesellschaft.

Auch Thorsten Eppert beschäftigt sich in seiner Reportage „Herr Eppert: Wie sexistisch sind wir?“ mit Rollen und Klischees. Neugierig wie immer sucht er ungewöhnliche Gesprächspartner und trifft auf altmodische und moderne Vorurteile.

Ergänzt wird der Schwerpunkt „Der kleine Unterschied“ durch weitere Sendungen, die auf ihre jeweils eigene Art mit den Geschlechterrollen spielen.

Christian Liffers, Redakteur ZDFneo

Stab 

Projekteitung      Uwe von Grafenstein
ProduzentGillad Osterer
ProduktionsleitungBen Kose
RedaktionMeike Trautmann
Buch und RegieAli-Reza Bawandi, Gilda Losing D'souza
CutterAlexander Suppe, Ronald Scharf
AusstattungRenate Osterer
MaskeSascha Kolmikow, Katharina Gerthlein, Philipp Rathgeber
KostümCaterina di Fiore
KameraHolger Erken, Joachim Scheid, Kai Metzner, Florian Geiss
ProduktionSEO Entertainment im Auftrag von ZDFneo
Produktion ZDFneoNora Edel
Redaktion ZDFneoChristian Liffers
Längejeweils 45 Minuten

Außerdem im Team:

Expertin      Professorin Marie-Luise Angerer
KörpersprachecoachClaus Peter Seifert
Stimmcoach Christine Kugler

Allgemeiner Inhalt

Ein psycho-soziales Experiment: Drei Männer und zwei Frauen wollen für zwei Wochen das Geschlecht tauschen. Sie erhalten Stimm- und Bewegungstraining und haben die Möglichkeit, mit professionellen Maskenbildnern und speziell angefertigtem Körperkorsett ihr Aussehen zu verändern. Sie sollen erleben, wie es sich anfühlt, im anderen Geschlecht gesehen, anerkannt  und behandelt zu werden – und was dies in ihrem eigenen Gefühlsleben auslösen kann.

Die Teilnehmer wollen in fünf Folgen die Welt des eigenen und des anderen Geschlechts entdecken und typische gesellschaftlich geprägte Verhaltensmuster erfahren und hinterfragen. Provokativ und gleichzeitig unterhaltsam werden so gesellschaftliche Mechanismen offengelegt. Werden sie als Männer/Frauen wahrgenommen und akzeptiert? Und was wird dies in ihrem eigenen Gefühlsleben auslösen?

Im Verlauf von zwei Wochen bekommen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen verschiedene Aufgaben gestellt: Als Fußballfan im Zug mit den Fans zum Spiel zu fahren, Probearbeiten in einem Blumengeschäft oder Schuften beim Gartenbau. Doch auch bei vielen alltäglichen, kleinen Aufgaben wird allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen schnell deutlich, wie sehr sich ihre geschlechtliche Identität über die Wahrnehmung als Frau oder Mann definiert: Nimmt man einen nächtlichen einsamen Park anders wahr, je nachdem mit welchem Geschlecht man hindurchgeht?

Gerade in den sonst eher unauffälligen Alltagsbegebenheiten entdecken die Probanden und Probandinnen zusammen mit der wissenschaftlichen Leiterin des Experiments, wie stark die geschlechtliche Zuordnung  – nach wie vor – unser tägliches Miteinander beeinflusst. Die neuesten Erkenntnisse der Gender-Forschung dienen dabei als Schlüssel.

Die Folgen im Überblick

Folge 1: Montag, 4. Mai 2015, 19.30 Uhr

Während die Vorbereitungen der Maskenbildner auf Hochtouren laufen, treffen die fünf Teilnehmer in der Wohngemeinschaft in München ein. In ersten Gesprächen mit der  Expertin, der Professorin Marie-Luise Angerer, beschreiben die Teilnehmer ihre Erwartungen an die nächsten zehn Tage. Und auch die ersten Aufgaben müssen bewältigt werden: Der Kung-Fu-Meister Michael muss als „Michelle“ an einem Zumba-Kurs teilnehmen und Alexis wird als Praktikant „Ryan“ zum Probearbeiten in eine Kfz-Werkstatt geschickt.

 

Folge 2: Dienstag, 5. Mai 2015, 19.30 Uhr

Zentrales Thema ist das Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen: Alexis wechselt in die Täterrolle und belästigt Frauen auf offener Straße. Eine weitere Aufgabe für sie und ihr Alter Ego „Ryan“: als Türsteher vor einer Diskothek arbeiten. Und auch Stojan bekommt seine ersten Aufgaben als Frau.


Folge 3: Mittwoch, 6. Mai 2015, 19.30 Uhr

Bei den Aufgaben für Maljo und Susanne wird schnell klar, dass Imitation und Klischees für die Prägung von Geschlechterrollen von großer Bedeutung sind: Die beiden haben ein professionelles Fotoshooting zu absolvieren, während Stojan als DJane in einem Club auflegen muss.

 

Folge 4: Donnerstag, 7. Mai 2015, 19.30 Uhr

Das Thema „Körperlichkeit und Bewegung“ beschäftigt heute die fünf Teilnehmer. Die Aufgaben sind unter anderem: der Besuch eines Tanzkurses für Maljo und Susanne, ein High-Heel-Workshop für Michael und schwere körperliche Arbeit für Susanne.

 

Folge 5: Freitag, 8. Mai 2015, 19.30 Uhr

Vor allem Maljo wird mit seinem Alter Ego Maya heute an seine Grenze geführt. Ob nachts alleine im Park oder bei der Probearbeit in einem Blumenladen. Ihm gelingen tiefe Einblicke in weibliches Erleben von Situationen und Orten. Für die fünf Teilnehmer gehen zehn anstrengende und ungewöhnliche Tage zu Ende. Hat sich die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Teilnehmer verändert? Was haben sie über das andere Geschlecht erfahren?

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Maljo (Maya), 46, Verkäufer

Beim leidenschaftlichen Tänzer Maljo merkt man sofort dessen unbändige Lebenslust, die ihn nach eigener Aussage auch antreibt. Er strahlt Lebenserfahrung, Ruhe und Optimismus aus. Maljo hat eine bewegte Vergangenheit, mit der er sich konsequent auseinandergesetzt hat. Er hat eine lange Reise vom Macho zum warmherzigen Mann zurückgelegt. Sein privates Hauptthema ist derzeit die Arbeitssuche: Nach 16 Jahren als Verkäufer in einem Baumarkt ist er gekündigt worden. Ihn interessiert die Frage, ob es Frauen oder Männer leichter haben, einen Job zu finden – besonders wenn man jenseits der 40 ist. Von allen männlichen Teilnehmern ist er am offensten für seine „weibliche“ Seite und steht auch zu seinen Ängsten. Sein Alter Ego Maya übertreibt erst und spielt die Sexbombe, aber gerade das hilft ihr, sich in die Rolle einzufinden. Maya reduziert die Übertriebenheit im Laufe des Experimentes immer mehr und schlüpft leichter in ihr "Kleid". Das große Ziel von Maljo ist es, nicht sofort als Mann erkannt zu werden, was ihm tatsächlich immer wieder auch gelingt.

Michael (Michelle), 25, mehrfacher deutscher Kung-Fu-Meister

Der dreifache Deutsche Meister im Kung Fu aus Nordrhein-Westfalen ist ein prototypischer Mann: gut trainiert und interessiert an klassischen Männerthemen wie Autos und Sport. Seine Motivation, für zwei Wochen in die „Haut einer Frau“ zu schlüpfen, ist vor allem die, seine Bindungsphobie zu überwinden und seiner Angst auf den Grund zu gehen. Michaels Alter Ego sucht durch Äußerlichkeiten Bestätigung und bemüht sich um ein möglichst attraktives Erscheinungsbild. Anfänglich stehen Michael seine Kontrolliertheit und sein muskulöser Körper im Weg. Aber Michelle arbeitet sich fleißig an in die Frauenrolle heran. Schnell wird offensichtlich, dass stetige Nachahmung und ständiges Wiederholen von geschlechtsgeprägten Verhaltensweisen tatsächlich der Weg sind, um die geschlechtlichen Identitäten herzustellen und sich als männlich oder weiblich zu begreifen („Doing Gender“).

Stojan (Steffi), 31, Dipl. Bio-Ingenieur und Hip-Hop-DJ

Osteuropäischer Macho mit bulgarischen Wurzeln, intellektueller Gesprächspartner, Casanova und Booty-Shake-R‘n’B-Turntable-Rocker. Für Stojan alles kein Widerspruch. Aber wie wird es sich fühlen, einmal in direkter optischer Konkurrenz zu anderen Frauen zu stehen? Eine Situation, die er als Mann eigentlich eher belächelt. Und wird ihm als DJane am Mischpult der gleiche Respekt entgegengebracht? Stojan hat ein recht stereotypes Männer- und Frauenbild. Er positioniert „seine Steffi“ möglichst weit weg von sich als Mann. Doch die Angst vor dem „Weiblich-Werden“ bleibt groß.

Susanne (Franz), 39, Kulturpädagogin und alleinerziehende sechsfache Mutter

Susanne ist eine echte Powerfrau: Die studierte Kulturpädagogin und alleinerziehende Mutter von sechs Kindern strotzt nur so vor Tatendrang. Selten geht ihr die Puste aus und gerade im Hinblick auf ihre vermeintlich so festgelegte Rolle als Frau und Mutter findet sie „sexchange“ spannend. Ist "Zehn Tage Mannsein" eine interessante Erfahrung oder vor allem Urlaub von den Pflichten als Mutter? Welche Auswirkungen haben ihre Qualitäten als Familienmanagerin auf die Gruppe in der WG? Auch sie startet mit Klischee-Bildern in das Experiment („Männer reden wenig“). Ihr Schlüsselerlebnis als Franz ist die Erfahrung, auf offener Straße Männer einfach "nachzuahmen". Beim anschließenden Einkauf in einem Dessous-Laden („Ist für meine Frau.“) fühlt sich Franz erstmals hundertprozentig als Mann wahrgenommen.

Alexis (Ryan), 26, Grafikdesignerin

Alexis ist crazy: Künstlerin, Mädchen, Geschäftsfrau, Marketing-Genie, Digital Native, Rosa-und-mit-Glitzer, Snowboard-Hoe, Prinzessin. Sie ist Single, wohl weil die Jungs ihren „freizügigen“ Lebensstil unverstandener Weise als „billig“ und „zu laut“ interpretieren. Das kümmert Alexis aber nicht. Kein Grund, damit aufzuhören, sich selbst zu feiern. Sie hat zu allem eine Meinung und kann diese auch behaupten. Ein Alpha-Girlie. Ihre Lieblingsrolle als Mann wäre ein Skater-Boy. Ihr Alter Ego Ryan hat Mut, sich einzulassen und auszuprobieren. Auch wenn Ryan unerkannt in einer Autowerkstatt zur Probe oder als Türsteher in einer Disko arbeitet: wirkliche Gender-Switch-Erfahrungen kann er kaum gewinnen. Doch über Eigen- und Fremdwahrnehmung und über männlich- oder weiblich-codierte Blicke erfährt man bei der Bewältigung ihrer Aufgaben viel.

Die Expertin

Prof. Marie-Luise Angerer

Die Expertin begleitet die fünf Protagonisten durch das Experiment. Sie legt die Aufgaben fest und ist auch abends Ansprechpartnerin bei Themen und Problemen. Darüber hinaus leitet sie die Zuschauer durch das Format und ordnet die Erfahrungen wissenschaftlich in den Kontext aktueller Gender-Debatten ein. Sie ist Professorin für Medien- und Kulturwissenschaften an der „Kunsthochschule für Medien Köln“ und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis von Körperbild und medialer Repräsentation, dem Einfluss medientechnischer Veränderungen auf Selbst- und Körperbilder. In ihren Publikationen analysiert sie die Beziehung von Gender und Medien, das Verhältnis von Körper- und Medienbildern sowie die Zunahme affektiver Kontrolltechniken in unserer Gesellschaft.

„Geschlecht ist kein Kleid“ - Interview mit Prof. Marie-Luise Angerer

Einige Menschen scheinen des Gender-Themas überdrüssig: „Ach, das schon wieder.“ oder “Wissen wir doch schon alles“. Wie begegnen Sie einer solchen Haltung?

Bei dem Thema „Gender“ ist es wie mit dem Wetter: Jeder hat dazu etwas zu sagen und jeder glaubt zu wissen, worum es geht. Klar ist, jeder und jede referiert, ob bewusst oder unbewusst, auf die eigene Erfahrung und Weltsicht. Und diese ist heute vielleicht auf den ersten Blick nicht mehr ganz so radikal zweigeteilt wie sie vor noch etwa 50 Jahren war, als Ehefrauen in unser Gesellschaft nicht einmal ein eigenes Konto besitzen durften. Heute zeigen wir gerne auf Regionen wie Saudi-Arabien, wo es Frauen nicht erlaubt ist, Auto zu fahren. Dabei wird gerne übersehen, dass viele Tatsachen bei uns heute genauso wenig natürlich, sondern vielmehr historisch-politisch-ökonomischen Entwicklungen geschuldet sind, die von Frauen und Männern sozialer Bewegungen vorangetrieben wurden.

 

Was sind denn aktuell die brennenden und relevanten Fragen der Gender-Forschung?

Ich denke, es ist heute in weiten Kreisen angekommen, dass „weiblich“ und „männlich“ keine klar abgegrenzten Kategorien sind, sondern vielmehr eine große Bandbreite kultureller, körperlicher, und sexueller Unterschiede zusammenfassen. Als Simone de Beauvoir 1949 ihr Buch „Das zweite Geschlecht“ publizierte, ging sie selbstverständlich von Frauen als dem anderen Geschlecht aus und meinte damit: alle Frauen. Doch Frauen als Gruppe sind genauso wenig homogen wie etwa Kinder eine homogene Gruppe darstellen. Frauen sind weiß, schwarz, jung, alt, muslimisch oder katholisch, verheiratet oder Single, lesbisch oder heterosexuell, etc..

Doch obwohl dieses Differenzdenken inzwischen zu zahlreichen politischen Entschärfungen und Verbesserungen geführt hat, bleiben bestimmte Segmente unangetastet bzw. weitreichende Vorurteile weiterhin bestehen oder kehren sogar wieder zurück: Frauen sind letztlich doch eher Mütter als Aufsichtsrätinnen. Die geteilte Elternzeit wird von Männern angenommen, aber – unter erheblichem Unverständnis. Karriere ist nach wie vor stark männlich besetzt und scheint immer wieder mit der weiblichen Natur zu kollidieren. Frauen, die alleine leben, werden anders wahrgenommen als Single-Männer, usw. Das heißt, wir sind heute an einem Punkt angekommen, wo die Probleme oftmals subtiler sind, also nicht in einfachen Oppositionen zu verhandeln sind, sondern in ihrer komplexen Widersprüchlichkeit ausgehandelt werden müssen. Stichwort z. B. Quotenfrau.

 

Was hat Sie in den zwei Wochen am meisten überrascht?

Wie schnell wir uns „kennen gelernt“ haben. Also wie schnell ich einen sehr guten Kontakt zu allen TeilnehmerInnen herstellen konnte.

 

Was hat Sie am meisten bewegt?

Wie aus einer anfänglichen ängstlichen Begeisterung und Erwartung dann oft doch Frust und Enttäuschung wurde, bzw. wie die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf sich selbst zurückgeworfen wurden, aber trotzdem immer wieder betont haben, wie viel sie gelernt hätten...

 

Was hat Sie am meisten enttäuscht?

Vielleicht am ehesten, dass die Bilder vom jeweils anderen Geschlecht sehr brav und bieder waren. Bis auf wenige Ausnahmen sind keine Geschichten erfunden worden, die das Bild von weiblich und männlich erweitert haben.

 

„sexchange“ als Experiment: Ist es gescheitert oder war es erfolgreich?

Ich denke, es ist zum einen gescheitert und war gleichzeitig erfolgreich. Die Annahme, dass Körper einfach eingewickelt werden könnten (in Kleider und Maske), um dann als das andere Geschlecht zu funktionieren, erwies sich als naiv und falsch. Geschlecht ist kein Kleid, das man anzieht oder ablegt. Geschlecht ist etwas, was getan wird, was gelebt wird, was auf andere angewiesen ist, auf anerkennende Blicke und Akzeptanz. Dies hat das Projekt äußerst klar vorgeführt.

 

Sie sind Gender-Forscherin und Medienwissenschaftlerin. Nun sind Sie plötzlich selbst Teil eines TV-Projektes: Hat sich Ihr Blick auf das Fernsehen verändert?

Ich bin ja nicht ganz medienunerfahren, sondern habe nach meinem Studium beim ORF gearbeitet, um dort erste – positive und negative – Eindrücke zu sammeln. Ich war jetzt beeindruckt vom Team, von der Teamarbeit, von der Atmosphäre, die den ganzen Tag und bis oftmals spät in die Nacht hinein geherrscht haben. Ich war wieder einmal beeindruckt vom immensen Aufwand, der für jede Szene betrieben werden muss. Ich war aber auch beeindruckt, wie schnell man vom TV-Stil absorbiert wird, wie schnell man die Rede von dem Zuschauer verinnerlicht, um dann selbst nur mehr in zwei bis drei Minuten-Sätzen zu denken und zu formulieren.

 

Die Angriffe und die Polemik gegen die Genderforschung nehmen zu. Wo glauben Sie liegen die Ursachen?

Die Angriffe kommen nicht nur von konservativer Seite. Sie kommen auch von Professoren und jüngeren männlichen Akademikern, die fürchten, zu kurz zu kommen, bzw. auf der Seite der Verlierer zu stehen, weil Frauen überall bevorzugt würden.

Es ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen, dass Jungs und Männer heute nicht mehr unangefochten auf Platz Eins stehen. Es ist deutlich geworden, dass als männlich gelernte Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften nicht nur positiv sind, sondern oftmals geradezu kontraproduktiv. Dass das neue Management weibliche Strategien erfordert, weiß heute beinahe jeder (wenngleich auch diese Forderung keine unschuldige ist und oftmals nur wenig mit der Präsenz realer Frauen zu tun hat!). Die konservative Gegnerschaft hat also zweifache Verlustängste: Dass Männer zu kurz kommen könnten, und dass männliche Werte insgesamt an Einfluss verlieren könnten.

 

Das Interview  führte  Christian Liffers

Herr Eppert: Wie sexistisch sind wir? - Die Reportage zum Themenschwerpunkt 

Donnerstag, 7. Mai 2015, um 23.15 Uhr

Autor                                                         Thorsten Eppert, Lisa-Marie Schnell
Kamera                               Riccardo Giese, Holger Hahn, Martin Kobold, Andrzej Król, Johann Smejkal
Schnitt                                                 Christian Wittmer
Animation                                          Jörn Peper
Redaktion Nordend                       Adrian Stangl
Redaktionelle Mitarbeit                              Anne Breer
Produktion                                        Nordend Film im Auftrag von ZDFneo
Redaktion ZDFneo                         Johannes Geiger
Produktion ZDFneo                          
Nora Edel
Längeca. 45 Minuten

Inhalt

Für ZDFneo geht Thorsten Eppert in einem  Thema auf den Grund, das wir gerne weglächeln, bei dem wir abwinken, weil wir vielleicht nicht wirklich betroffen sind – oder das zumindest denken. Es geht um Sexismus und die übergeordnete Frage: „Wie sexistisch sind wir?“ Welche Vor(ur)teile haben Männer gegenüber Frauen – und umgekehrt? In Deutschland scheint doch eigentlich alles in Ordnung, totale Gleichberechtigung, emanzipierte Frauen, Männer gehen in Elternzeit. Oder vielleicht doch nicht? Die große „Sexismus-Debatte“ in Deutschland ist nicht lange her. Das Phänomen lässt sich nur schwer abbilden, ist irgendwie nicht greifbar, aber trotzdem in fast allen Bereichen der Gesellschaft zu finden – ob wir es wahrhaben wollen, oder nicht. Auf seiner Reise begegnet Thorsten Eppert Menschen mit den verschiedensten Meinungen zum Thema und lernt diverse Wege kennen, wie man mit Sexismus umgehen kann. Weder Männer noch Frauen leugnen seine Existenz – manche von ihnen haben für die Problematik nur ein Achselzucken übrig, andere haben die Nase voll und wieder andere engagieren sich aktiv und wollen etwas ändern.

Ein Blick in die Skateboard-Szene: Hier wirkt alles weltoffen, politisch korrekt und tiefenentspannt. Stimmt auch, in den meisten Fällen. Und trotzdem ist Sexismus unter Skatern alles andere als ein unbekanntes Phänomen und Skaterinnen sind ein rares Gut, liest man quer durch das Internet. Auf einem Contest verschafft sich Herr Eppert einen ersten Eindruck von der Szene, bevor er in Berlin dann Frauen trifft, die kritisch sehen, was sich nicht selten rund um das Skateboard in Sachen Sexismus abspielt.

Stichwort Frauenquote: Nur 17 Prozent der Mitglieder in deutschen Aufsichtsräten sind weiblich. Gläserne Decke? Die gibt es, erzählt die gestandene Unternehmerin Dagmar Braun in Greifswald. Aber man müsse sich als Frau in den Männerzirkeln der Wirtschaft nur zu helfen wissen. Im Laufe des Films muss sich Herr Eppert eingestehen, selbst noch nie als Mann benachteiligt worden zu sein. Ganz anders die Herren von MANNdat, die sich „Lobbyarbeit für Männerrechte“ auf die Fahnen geschrieben haben. Frauen verdienen weniger? Sind Opfer? Männer sind gewalttätiger und die Gewinner der Gesellschaft? Alles Quatsch, so die Männer-Rechtler.

Eine Branche, auf die es Alice Schwarzer und einige ihrer Kolleginnen ganz besonders abgesehen haben: Die Pornoindustrie. Eine junge Regisseurin aus Köln hat sich an einem Gegenentwurf zum Pornoklischee versucht und dreht Pornos für Männer und Frauen.

Und wie funktioniert Familie, wenn sie von Anfang an ohne eine Frau in der typischen Mutterrolle auskommen muss? Herr Eppert besucht ein schwules Ehepaar mit zwei Kindern. Hier haben nicht „Mama und Papa“ das Sagen, sondern „Papa und Vati“ – und auch die kommen nicht ganz ohne Mutterklischees aus ...

Weitere Sendungen zum Themenschwerpunkt "Der kleine Unterschied"

Montag, 4. Mai 2015

00.10 Uhr: Feuchtgebiete, Spielfilm

Helen ist achtzehn und ein sehr ungewöhnliches Mädchen. Hygiene ist nicht ihre Sache, dafür aber das lustvolle Experimentieren mit Körpersäften jeder Art. Neben dem Sex hat sie aber auch einen anderen, ganz großen Wunsch: Die geschiedenen Eltern wieder vereinen. Als sie wegen einer Operation ins Krankenhaus kommt, sieht sie ihre Chance, das zu schaffen.

Donnerstag, 7. Mai 2015

00.00 Uhr: Bambule Mann oder Frau – sind wir nicht alle gleich?

Trendscout, Personalityshow und Reportagemagazin "Bambule – das Magazin" repräsentiert und reflektiert das Lebensgefühl der 20- bis 40-jährigen Großstadtbewohner und all derjenigen, die sich so fühlen. Gastgeberin Sarah Kuttner spricht u. a. mit Moderatorin Anne Will.

00.30 Uhr: "Frau Kuttner & Herr Kavka" (1/4)

Sarah Kuttner und Markus Kavka gehen in vier Folgen auf die Suche nach dem, was moderne Identität ausmacht. Die Reportage-Reihe "Frau Kuttner & Herr Kavka" ist eine Art Expedition in den Dschungel der geschlechtsspezifischen Stereotypen, wie sie jeder von uns mit sich herum trägt. Im ersten Teil boxt Sarah Kuttner mit Ina Menzer und wagt sich unter Spinnen, Markus Kavka tanzt und wandert hinter Gitter.

01.00 Uhr: "Frau Kuttner & Herr Kavka" (2/4)

Im zweiten Teil lernt Sarah Kuttner strippen und schweigen, Markus Kavka entdeckt den Cowboy in sich und wird zum Herrscher der Lüfte.

01.30 Uhr: "Frau Kuttner & Herr Kavka" (3/4)

Im dritten Teil geht Sarah Kuttner zur Bundeswehr und wird Fotomodel, Markus Kavka steht bei der Feuerwehr und am Grill seinen Mann.

02.00 Uhr: "Frau Kuttner & Herr Kavka" (4/4)

Im vierten Teil lernt Sarah Kuttner weinen und parkt ein, Markus Kavka geht auf die Pirsch und besteht eine Mutprobe.

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