15 Minutes of Fame

Neue Staffel des Netzkultur-Formats auf ZDFinfo

Selfies fluten die sozialen Netzwerke, immer mehr Menschen sind von den neuen Möglichkeiten begeistert, sich selbst zu fotografieren. "15 Minutes of Fame", das neue Netzkultur-Format von ZDFinfo", geht zum Auftakt der zweiten Staffel diesem Phänomen nach.

  • ZDF info, Donnerstag, 23. April 2015, 0.15 Uhr

Texte

Neue Folgen von "15 Minutes of Fame" 

"Harlem Shake", "Ice Bucket Challenge" oder "Grumpy Cat": Dass Internetphänomene längst zum Kulturgut geworden sind, hat das Netzkultur-Format "15 Minutes of Fame" schon in den ersten drei Kurz-Dokus veranschaulicht. Jetzt startet die zweite Staffel – am 23. April 2015, 0.30 Uhr dreht sich zum Auftakt alles um Selfies.

Mit Duckface oder ohne, von oben oder von unten, mit Freunden oder der Familie, vor dem Ausgehen oder nach dem Sex – seit vielen Monaten werden die sozialen Netzwerke geflutet von Menschen, die sich selbst fotografieren. Woran liegt das? Drehen wir uns alle nur noch um uns selbst? Machen wir es, weil wir es können? Weil wir in der Generation Smartphone immer eine Kamera dabei haben? "15 Minutes of Fame" geht dem Phänomen auf den Grund. Was ist so toll an Selfies? Und es schildert, wie Ellen DeGeneres Oscar-Selfie zum meistverbreiteten seiner Art wurde.

In der neuen Staffel werden auch folgende Internetphänomene beleuchtet und deren Geschichte erzählt: "Kim Jong-il Looking at Things", "Numa Numa Guy" und "David after Dentist". Die neuen Folgen zeigen: Die Meme-Kultur hat sich von einer Nerd-Spielerei zu einem Netz-Ereignis gewandelt, mit dem die jüngeren Digital Natives längst selbstverständlich umgehen.

"15 Minutes of Fame" rekapituliert die Geschichte einzelner Meme und erklärt anhand dieser kulturellen Formen neueste Trends, Bewegungen und Thesen im Netz. Dabei wird deutlich: Meme können als Gemeinschaftskunst angesehen werden, da sie in und mit der Masse entstehen, die sie untereinander teilt.

Die 15-minütigen Kurz-Dokus über die Internetphänomene "Harlem Shake", "Ice Bucket Challenge" und "Grumpy Cat" strahlte ZDFinfo erstmals im Oktober, November und Dezember des vergangenen Jahres aus.

"Wir beleuchten Internetphänomene, die die Geschichte hinter der Geschichte erzählen"
Interview mit Tim Klimeš, Initiator und Autor von "15 Minutes of Fame"

Was macht den Blick hinter Internetphänomene wie den "Harlem Shake", die "Ice Bucket Challenge" oder "Grumpy Cat" journalistisch interessant?

Die Idee für das Format entsprang der Begeisterung für diese wahnwitzige Mash-Up-Kultur, die das Netz in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Der "Harlem Shake" ist dafür ein besonders gutes Beispiel: Sieht man das Video zum ersten Mal, sieht man nur den absurd anmutenden Tanz. Schaut man aber genauer hin, recherchiert die Geschichte, die Hintergründe, offenbart sich eine eindrucksvolle Geschichte voller popkultureller Referenzen. Der Tanz kommt in seiner ursprünglichen Form aus dem Harlem der frühen 80er Jahre, der Song, den der New Yorker DJ Baauer 2012 veröffentlichte, enthält Samples aus dem Hip-Hop der Jahrtausendwende und das Video, das den Song erst populär machte, stammt von einem amerikanisch-japanischem Youtube-Comedian namens Filthy Frank.

Steckt denn mehr als der Running-Gag-Antrieb dahinter?

Meme stehen im Ruf, simple Blödeleien zu sein – sie sind aber viel mehr als das, oft sogar Spiegel einer kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung. Deshalb versuchen wir in den "15 Minutes of Fame" auch immer neben der reinen Entstehungsgeschichte eine zweite, mehr analytische Seite der Geschichte zu erzählen. Beim "Harlem Shake" etwa sprangen irgendwann große Vermarkter auf den Zug auf und monetarisierten die Idee von Filthy Frank – alle großen Marken drehten plötzlich ihren eigenen "Harlem Shake" und machten den Hype damit erst möglich. Diese Mechanik erzählt so viel mehr über heutige Internetkultur, als das ein einminütiges Blödelvideo auf den ersten Blick erahnen lässt.

Bei dieser Spurensuche hilft regelmäßig Dirk von Gehlen, der bei der Süddeutschen Zeitung die Abteilung Social Media/Innovationen leitet und über Internet-Meme bloggt. Nimmt der Journalist hier die eher konventionelle Experten-Funktion wahr, quasi der Fachmann für digitale Medienkultur?

Ich wollte Dirk von Gehlen von Anfang an als Konstante in den "15 Minutes of Fame" haben. Durch seinen großartigen Überblick über die kulturelle Vielfalt des Netzes bringt er immens viel Wissen in jede Folge ein. Er ist eine regelrechte Referenzmaschine und offenbart für den Zuschauer die Verknüpfungen, die unser Format ausmachen. In der ersten Folge dieser Staffel, es geht um Selfies, bezeichnete er die Selbstporträts vieler Teenager mit Promis etwa als "neue Art von Autogrammen" – diese Bildhaftigkeit der Sprache zeichnet ihn aus.

Diese Autogramme der digitalen Welt sind "15 Minutes of Fame" eine eigene Folge wert, in der unter anderem auch auf das weltberühmte Oscar-Selfie eingegangen wird. Was bietet das Selbst-Fotografieren für einen journalistischen Mehrwert?

Es veranschaulicht vor allem einen kulturellen Wandel. Vor einigen Jahren noch hätte man sich nie getraut, bei Facebook ein Selfie zu posten, weil dann viele gespottet hätten: Gibt es denn niemanden, der dich fotografieren will? Doch die Selfies geben nicht nur Hinweise auf soziale Veränderungen, sondern zeigen auch, wie sich die Fotografie durch das Netz gewandelt hat – und vor allem das Verhältnis zum eigenen Selbstbildnis.

Die Meme-Kultur ist aber wahrscheinlich ohne den Siegeszug der mobilen Geräte, vor allem der Smartphones, nicht zu erklären, oder?

Natürlich werden Meme, so wie alle Inhalte im Web, durch unsere Always-On-Mentalität schneller gesehen, geteilt und im Übrigen auch produziert. Durch Smartphones & Co. sind wir alle zu potentiellen Produzenten geworden. Wo man früher erst die sperrige Hobbykamera vom Vater aus dem Regal holen musste, braucht man heute nur ganz spontan sein Smartphone hochzuhalten.

Sie beleuchten jetzt in der neuen Staffel ein Internetphänomen, das noch mal eine andere Qualität mitbringt: "Kim Jong-il Looking at Things" ist ja zunächst mal ein Blog – was macht ihn für "15 Minutes of Fame" interessant?

Dieser Blog auf tumblr ist ein Beispiel dafür, dass Meme auch mehr sein können als pure Unterhaltung. In dem Blog sammelte ein portugiesischer Grafiker idyllische PR-Bilder des mittlerweile verstorbenen nordkoreanischen Diktators, versah sie mit pointierten Bildunterschriften und konterkarierte so die Propaganda Nordkoreas – das war politische Satire in Meme-Form. Damit es abwechslungsreich bleibt, verlieren wir in dieser Staffel aber auch die klassischen Blödelvideos nicht aus dem Blick. In einer weiteren Folge nehmen wir uns etwa das YouTube-Video "David after Dentist" vor: Ein Junge, der vom Zahnarzt kommend noch narkotisiert im Auto sitzt und von seinem Vater beim Brabbeln gefilmt wird. Das Video wurde millionenfach geteilt und steht für einen neuen Trend: Eltern filmen ihre Kinder und stellen diese als eine Art Pannenshow 2.0 auf YouTube. Spannende Entwicklung – man möchte die Reaktionen der Kinder sehen, sobald sie ins Teenager-Alter kommen.

Passt sich die Bildsprache von "15 Minutes of Fame" der Netzästhetik an?

Die Optik ist aus dem Web entlehnt – und das nicht nur aufgrund der inhaltlichen Nähe zum Web, sondern auch, weil dort die Trends vorgegeben werden, was Grafik und Design betrifft. Ein Format, das sich mit Netzkultur beschäftigt, muss dorthin auch wieder zurückgespielt werden. Im Übrigen haben wir auch deswegen auf unserer Seite www.15minutesfame.tv eine Art Feedback-Kanal eingerichtet. Seien wir ehrlich: So sehr wir uns auch anstrengen, wir können diesem Netz nicht allein Herr werden. Deshalb sind alle Zuschauer aufgerufen, wenn sie ein tolles Meme entdecken: Schickt es uns zu! Wir binden die Einsendungen dann in die Erzählung der Sendung mit ein. Schließlich ist die Meme-Kultur eine Gemeinschaftskultur.

"15 Minutes of Fame" knüpft an Andy Warhols Aussage von Ende der 60er Jahre an, wonach in Zukunft jeder 15 Minuten Berühmtheit erlangen werde. Müsste die Währung aber nicht heute eher in Followern gemessen werden?

Guter Punkt und tatsächlich hat uns jemand in Anspielung auf Andy Warhols Aussage ein Graffito mit dem Satz geschickt: "In the future everyone will be famous to at least 1000 followers". Und einige der Phänomene, mit denen einige im Internet berühmt wurden und Follower gewonnen haben, stellen wir in der neuen Staffel vor.

Mit Tim Klimeš sprach Thomas Hagedorn.

Biografische Angaben zu Tim Klimeš

Tim Klimeš, geboren 1986 im hessischen Groß-Gerau, ist seit September 2014 "Leiter TV & Digitale Projekte" bei der Produktionsfirma AVE, die zu Holtzbrinck Publishing gehört. Er verantwortet dort den gesamten Fernseh- und Online-Bereich an den Standorten Berlin, Mainz und München. Klimeš ist seit 2008 für die AVE tätig, zunächst als Online-Redakteur, seit 2010 als Chef vom Dienst, Producer und stellvertretender Redaktionsleiter, verantwortlich unter anderem für das Jugendmagazin "on3-südwild". 2011 wurde das von ihm entwickelte Kurzformat "140 Sekunden" mit dem "Grimme Online Award" ausgezeichnet. Für ZDFinfo hat Tim Klimeš unter anderem bereits die Doku "World of Warcraft: Geschichte eines Kult-Spiels" realisiert.

Infos zu ZDFinfo 

Am 5. September 2011 vollzog ZDFinfo seinen Neustart mit der crossmedialen Ausrichtung auf die Themenfelder Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service. Seitdem steigerte das neuprofilierte Angebot seinen Marktanteil kontinuierlich – auf mittlerweile knapp ein Prozent. Der junge und erfolgreiche Digitalsender legt seinen Schwerpunkt auf zeitgeschichtliche Dokumentationen und bietet seinem Publikum die nachgefragten Hardfacts auf allen verfügbaren Wegen an – über das Fernsehprogramm ebenso wie über online und Social Media. ZDFinfo, vor über drei Jahren als "Fernsehen zum Mitreden" neu durchgestartet, schlägt mit dieser konsequenten crossmedialen Ausrichtung den Weg zum "betreuten Fernsehen" ein.

2014 hat ZDFinfo so viele Zuschauer erreicht wie nie zuvor: Bei den Zuschauern gesamt und bei den 14- bis 49-Jährigen hat der Digitalkanal seinen Marktanteil auf 0,9 Prozent gesteigert. Im Digitalmarkt ist ZDFinfo bei den jüngeren Zuschauern der erfolgreichste öffentlich-rechtliche Digitalkanal. Bezogen auf die Haushalte mit digitaler Fernsehnutzung erreichte er im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 1,2 Prozent bei allen Zuschauern und auch bei den 14- bis 49-Jährigen. Täglich schalteten 2,69 Millionen Zuschauer das Programm mit Fokus auf Zeitgeschichte, Politik, Wissen und Service ein.

Künftig will ZDFinfo parallel zu seinen Sendungen verstärkt auf die Social-Media-Kommunikation setzen. Die Zuschauer sollen sich vor, während oder im Anschluss an Fernsehprogramme des Digitalkanals in sozialen Netzwerken oder entsprechenden Plattformen über die Programminhalte informieren und austauschen können.  

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