Copyright: ZDF / Hardy Brackmann
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Zwischen Himmel und Hölle

Historischer Fernsehfilm

Martin Luther (Maximilian Brückner) stellt 1517 die Welt auf den Kopf. Mit den 95 Thesen gegen den Ablass macht er sich mächtige Feinde. Die Kirche schlägt zurück und exkommuniziert ihn. Als er seine Thesen aber selbst vor dem Kaiser nicht widerruft, ist die Reformation nicht mehr aufzuhalten. Allerdings ringt Luther bald mit seinen Gefährten Thomas Müntzer (Jan Krauter), Andreas Bodenstein (Johannes Klaußner) und den beiden entlaufenen Nonnen Käthe (Frida-Lovisa Hamann) und Ottilie (Aylin Tezel) um den rechten Weg.

  • ZDF, Montag, 30. Oktober 2017, 20.15 Uhr

Texte

Reise in die Anfangszeit der Reformation
von Redakteurin Solveig Cornelisen

Martin Luther ist die prägende Figur der Reformation und kein einfacher Held. Er ist voller Tatkraft, er ist ein theologisch Suchender, und er ist ein Sprachgewaltiger. Er riskiert alles, als er selbst vor dem Kaiser und dem Reichstag zu seinem Glauben steht. Öffentlich als Ketzer gebrandmarkt muss er danach um sein Leben fürchten. Aber Martin Luther hat auch andere Seiten. Er hat ein enormes Ego und ist ein rücksichtsloser Machtmensch, der seine Gegner buchstäblich verteufelt und unnachgiebig bekämpft.

"Zwischen Himmel und Hölle" ist der Versuch, die Reformation nicht als ungebrochene Heldensage Martin Luthers, sondern als vielstimmige Bewegung zu erzählen. Thomas Müntzer und Andreas Bodenstein treten als seine frühen Gefährten auf, die gemeinsam mit ihm die Kritik an der Kirche formulieren. Dazu stoßen die beiden entflohenen Nonnen Ottilie von Gersen und Katharina von Bora. Dieses Ensemble ist das Ergebnis einer dramatischen Verdichtung, in der jede Figur eine eigene Haltung zur Reformation entwickelt und doch nicht frei von inneren Widersprüchen bleiben kann.

Luthers 95 Thesen entfalten 1517 eine ungeheure Wirkung. In einer Welt, die in jedem Au­genblick durch einen allmächtigen und strafenden Gott bestimmt zu sein scheint, sind alle Menschen Sünder, ihnen droht das Fe­gefeuer. Luthers Schriften liefern nun das Rüstzeug für eine Be­freiung des Einzelnen. Gott ist in seinen Augen kein strafender Gott mehr, sondern ein gnädiger Gott. Und jede und jeder kann direkt mit ihm in Beziehung treten, dafür braucht es keine Ver­mittlung durch die Kirche. Eine feudale Gesellschaft mit dem Konzept von Freiheit zu konfrontieren, zeigt den Mut der Reformatoren, denn sie stellen die geltenden Werte und Hierarchien grundlegend in Frage. Doch wie weit soll die Freiheit des Einzelnen gehen? Für Martin Luther bleibt sie eine innere Freiheit vor Gott. Dass sie sich für ihn nicht in eine äußere, soziale Befreiung des gemeinen Mannes überset­zen lässt, führt zum großen Konflikt. Thomas Müntzer wirft Martin Luther vor, die gemeinsame Idee feige zu verraten. "Zwischen Himmel und Hölle" erzählt damit von persönlichen Gewissenskonflikten, die weit über das eigene Leben und die eigene Zeit hinaus wirken.

"Zwischen Himmel und Hölle" ist eine Geschichte der Reformation und erhebt nicht den Anspruch, die wahre Geschichte der Refor­mation zu sein. In dem Wissen, dass auch wir immer nur aus un­serer Zeit heraus erzählen können, haben wir uns für diesen Ansatz entschieden, der sich die Freiheit nimmt, historisch komplexe Zusammenhänge in dramatische Erzählbögen zu fassen.  Der Film ist eine Einladung, 500 Jahre später auf eine Reise in die Anfangszeit der Reformation zu gehen.

Solveig Cornelisen, HR Fernsehfilm/Serie I

Stab/Besetzung/Inhalt 

Montag, 30. Oktober 2017, 20.15 Uhr
Zwischen Himmel und Hölle
Historischer Fernsehfilm

Buch_____Stefan Dähnert und Marianne Wendt nach einer Vorlage von Kai Hafemeister
Regie_____Uwe Janson
Kamera_____Michael Wiesweg
Schnitt_____Melania Singer, Sabine Brose
Musik_____Michael Klaukien, Andreas Lonardoni
Szenenbild_____Ettore Guerrieri
Kostümbild_____Janne Birck
Maskenbild_____Jens Bartram
Ton_____Tomáš Bělohradský
Casting_____Nina Haun
Kirchenberatung_____Markus Bräuer, Christian Engels
Historische Fachberatung_____Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz Schilling, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Solms, Prof. Dr. Rolf Decot, Prof. Dr. Günther Wassilowsky, Ulrich Fischer
Herstellungsleitung_____Tim Greve
Producer_____Martin Bromber
Koproduze
nt_____Michal Pokorný
Produzenten_____Benjamin Benedict, Joachim Kosack
Produktion_____UFA Fiction in Kooperation mit MIA FILM, gefördert vom tschechischen Staatsfonds der Kinematografie-Filmförderung
Redaktion_____Solveig Cornelisen
Länge_____160 Minuten

Rollen / Darsteller
Martin Luther_____Maximilian Brückner
Thomas Müntzer_____Jan Krauter
Andreas Bodenstein_____Johannes Klaußner
Katharina von Bora_____Frida-Lovisa Hamann
Ottilie von Gersen_____Aylin Tezel
Erzbischof Albrecht_____Joachim Król
Hartmann_____Armin Rohde
Kurfürst Friedrich_____Rüdiger Vogler
Georg Spalatin_____Fabian Hinrichs
Lucas Cranach_____Christoph Maria Herbst
Barbara Cranach_____Anna Schudt
Jakob Fugger_____Peter Lerchbaumer
Äbtissin_____Johanna Gastdorf
Hieronymus_____Maximilian Ehrenreich
Graf von Mansfeld_____Patrick von Blume
Henne Gentzel_____Gode Benedix
Domherr Eck_____Arnd Klawitter
Kaiser Karl V._____Jim Deddes
Pedell_____Tom Jahn
Meenzer Mädsche_____Georgia Lautner
und andere

Inhalt
Martin Luther schlägt vor 500 Jahren seine 95 Thesen an und stellt damit die Welt auf den Kopf. Kaum sind die Thesen gegen den Ablass in der Welt, lösen sie ein politisches Beben aus. Mit seiner scharfen Kritik macht sich Luther mächtige Feinde. Die Kirche schlägt zurück und exkommuniziert ihn. Doch Luther hat noch eine Chance – der Kaiser soll entscheiden, ob Luther Recht hat oder ein Ketzer ist. Die Welt schaut nach Worms, wo Luther seine Thesen widerrufen soll. Wird er auf dem Reichstag zu dem stehen, was er glaubt, auch wenn es für ihn das Todesurteil bedeuten kann?

Luther kann sich auf seine Gefährten verlassen – auf Thomas Müntzer, seinen Freund und Bruder im Geiste, und auf Bodenstein, seinen Professorenkollegen an der Universität in Wittenberg. Zu ihnen stoßen die entlaufenen Nonnen Ottilie von Gersen und Katharina von Bora. Beide Frauen verbindet bald mehr mit den Reformatoren als der Glaube an einen gnädigen Gott. Doch in Worms steht Luther allein und findet schließlich den Mut, dem Kaiser und der Kirche die Stirn zu bieten. Die Reformation ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn Luther vorerst untertauchen muss. Im Versteck auf der Wartburg beginnt er das nächste Mammutprojekt: Er übersetzt das Neue Testament, damit jeder die Bibel lesen kann. Als sich seine Mitstreiter Müntzer und Bodenstein jedoch radikalisieren, verlässt Luther die sichere Burg. Thomas Müntzer will Gerechtigkeit für die entrechteten Bauern und wird zu ihrem Anführer gegen die Fürsten. Luther hingegen will mit dem Wort überzeugen und die Landesfürsten für seine Ideen begeistern. Die Botschaft der Reformation von der Freiheit des Menschen führt die beiden Freunde auf unvereinbare Wege. Sie werden erbitterte Feinde auf Leben und Tod.

Reformation als Bewegung Vieler
von den Produzenten Benjamin Benedict und Joachim Kosack

Gemeinsam mit dem ZDF haben wir mit "Zwischen Himmel und Hölle" zum 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag ein besonderes Projekt realisiert, das die Ereignisse der damaligen Zeit auf eindrucksvolle Art und Weise beleuchtet.

Mit Caroline von Senden und Solveig Cornelisen stellten wir uns der Herausforderung, die Geschehnisse modern zu erzählen und dem Zuschauer greifbarer zu machen. Doch, wo kann die Besonderheit dieses historischen Fernsehfilms über Luther und die Reformation liegen? Welche Themenbereiche wurden noch nicht aufgegriffen? Zudem muss man sich bei der ausführlichen Auseinandersetzung mit Luther, sowohl mit seinem Vermächtnis für Gesellschaft, Bildung und Politik als auch mit all den Wiedersprüchen beschäftigen, die er als historische Person mit sich bringt. Unser Ziel war also, einen einzigartigen Fernsehfilm zu erschaffen und ein zeitgemäßes Panorama der Reformation zu erzählen.
"Zwischen Himmel und Hölle" legt den Fokus auf den Zeitraum zwischen Luthers Thesenanschlag 1517 und dem Ende des Deutschen Bauernkriegs 1525. Die Reformation wird als Bewegung Vieler dargestellt und ist nicht ausschließlich heroisch an Luthers Handeln geknüpft. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Beziehung von Martin Luther und Thomas Müntzer – zwei Menschen, die anfangs für eine gemeinsame Sache einstehen, sich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung auseinanderdividieren und am Ende zu unversöhnlichen Widersachern werden: Reformation versus Revolution.

Unserem ZDF-Fernsehfilm liegt eine lange Entwicklungsphase zu Grunde, die unter anderem von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz Schilling, dem wohl bekanntesten Luther-Biografen unserer Zeit, unterstützt wurde. Auch Markus Bräuer und Christian Engels von der Evangelischen Kirche Deutschland waren von Anfang an in einen gemeinschaftlichen und partnerschaftlichen Austausch involviert, was sich hinsichtlich des Inhalts und auch der Authentizität des Films als äußerst wertvoll herausgestellt hat.

Es ist eine große Herausforderung, dem Zuschauer das Mittelalter näher zu bringen. Wie schafft man es, aufzuzeigen, mit welchen Problemen die Menschen damals zu kämpfen hatten, ohne die Klischees einer "dreckigen" Epoche zu bedienen? Und wie produ­ziert man einen religiösen Film, dessen Religiosität dem Zu­schauer vielleicht erst bei genauer Betrachtung auffällt? Gemein­sam haben wir erarbeitet, an welchen Stellen des Films historisch genau erzählt werden muss, welche geschichtlichen Aspekte wichtig sind und an welcher Stelle wir die Geschichte im Rahmen einer dramatischen Fiktionalisierung verdichten und abwandeln können. In unserem Film kreuzen sich die Wege von Martin     Luther und Thomas Müntzer beispielsweise deutlich öfter, als das tatsächlich der Fall war. Um aber den eigentlichen Konflikt für den Zuschauer greifbar zu machen, erschien uns dieses Mittel genau richtig, um sich nicht ausschließlich auf literarische Streitereien zu fokussieren.

Dieser Prozess stellte einen wichtigen Bestandteil der Entwick­lungsphase dar und wurde stets von unseren Partnern begleitet. Als Regisseur konnten wir Uwe Janson gewinnen, der die beson­dere Gabe besitzt, spannende Figuren in einem historischen Kontext authentisch zu inszenieren. Production-Designer Ettore    Guerrieri ist es gelungen, das deutsche Mittelalter in Tschechien nachzuempfinden und dem Zuschauer zu suggerieren, er befände sich selbst dort. Kameramann Michael Wiesweg fängt diese mit­telalterliche Welt ein und hat jeden Teil der Geschichte in plasti­sche und beeindruckende Bilder gegossen.

"Zwischen Himmel und Hölle" ist für uns ein sehr besonderer Film geworden, der mit einem herausragenden Team vor und hinter der Kamera besticht – ein interdisziplinäres Team aus deutschen, italienischen und tschechischen Filmschaffenden, die zum ersten Mal zusammengefunden und gemeinsam wundervolle Arbeit geleistet haben. Großer Dank gilt auch unserem Cast, der während des gesamten Drehs wunderbar harmoniert hat.

Notiz von Fachberater Prof. Dr. Heinz Schilling

Worauf lässt sich ein Geschichtswissenschaftler ein, wenn er der Bitte eines Spielfilmteams um Rat und Begleitung zu einem großen Film über Luther und die Reformation Folge leistet? Zunächst einmal auf lebendige und spannende Diskussionen mit Menschen, die einen ziemlich anderen Blick auf die Geschichte haben und auch andere Prinzipien, sie für ein breites Publikum darzustellen. Aus diesen Unterschieden ergeben sich Überraschungen und Irritationen, aber auch Einsichten und Anregungen. Entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist, dass beide Seiten aufeinander hören und Rücksicht auf die beiderseitigen Kernbedürfnisse nehmen – die Filmemacher auf die Gebundenheit des Wissenschaftlers an die aus den Quellen zu schöpfende historische Wahrheit; der Historiker auf die überbordende Erzählphantasie von Drehbuchautor und Regisseur sowie die dramaturgischen Techniken des Mediums Film. Das Ergebnis sollte dann ein Film sein, der unterhält und im besten Sinne Wissen vermittelt, oder altmodisch gesprochen "belehrt" – also die Zuschauer mit dem Thema in Bann schlägt und ihnen den Kern wie die historische Bedeutung des Geschehens vor Augen stellt. Dabei muss im Unterschied zu Sachbuch oder Dokumentarfilm nicht jede Begebenheit, nicht alle Örtlichkeiten und Personen penibel den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Auf die innere Plausibilität kommt es an – und die mag in filmischer Erzählung gelegentlich sogar plausibler zu Tage treten als in geschichtswissenschaftlichen Analysen.

Der Reformationshistoriker stellt fest, dass kein Gebäude, keine Straße, kein Platz, an dem gedreht wurde, historisch ist. Und doch mögen diese die Atmosphäre der Zeit besser einfangen als mancher uns scheinbar vertraute Ort des Geschehens. Denn dessen Aussehen hat sich ja über ein halbes Jahrtausend hin auf natürlichem Wege verändert. Mehr noch, nicht selten wurden die originalen Gebäude später bewusst historisiert und damit manipuliert. Am tiefsten vielleicht in Wittenberg und Eisleben, wo im 19. Jahrhundert die Hohenzollern mit einem "Feste-Burg-Turm" und der eisernen Thesentür an der Schlosskirche beziehungsweise dem nachweislich falschen Sterbehaus gegenüber der St. Andreas-Kirche ihre Version der Lutherzeit haben bauen lassen und damit auch manchen Betrachter noch heute foppen.

Vor allem aber muss das Augenmerk den Personen in ihrem Denken, Handeln und Fühlen gelten: Luther selbst erscheint in manchem ungewöhnlich, gewinnt aber an innerer Stimmigkeit, auch und gerade durch die Entwicklung von dem zögerlichen eher im Hintergrund stehenden Mönch hin zu dem Selbst- und Prophetenbewusstsein, das er aus den ersten Erfolgen seiner Reformation schöpfte und das ihm eine unerschütterliche Wahrheitsgewissheit und einen Durchsetzungswillen gab, die er skrupellos gegen Andersdenkende einsetzte, auch und gerade gegen ehemalige Mitstreiter. Überraschender noch, wie in den filmisch-dramatischen Abläufen eine Person mit eigenem Recht und in sich stimmiger Handlungslegitimität hervortritt, die in der Regel im Schatten   Luthers steht, ja meist ganz und gar von dessen harten, stets interessengelenkten Urteil her geschildert wird. Gemeint ist Thomas Müntzer, den der Film nicht erst nachträglich als Gegner des   Wittenbergers einführt, sondern von Anfang an als originären, gleichberechtigten theologischen Denker und Handelnden ins Bild setzt. Dadurch mag eine gewisse Schieflage zuungunsten des Wittenbergers entstehen. Das gleicht aber die Ungerechtigkeit des Reformationsjubiläums aus, die sich zwangsläufig aus dem vor Jahrhunderten festgelegten Datum des 31. Oktober 1517 als Beginn der Reformation ergibt. So fällt aller Glanz auf Luther, während seine Gegner und unter ihnen vor allem Thomas    Müntzer den Part des bösen Buben erhalten. Und dass in diese Ausweitung des reformatorischen Panoramas auch die Frauen einbezogen werden, Ottilie von Gersen neben die seit dem 19. Jahrhundert als "erste Pfarrfrau" verehrte Katharina von Bora tritt, kommt nicht nur der Dramaturgie zugute. Es kann auch als ein Stück historischer Wiedergutmachung gelten gegenüber einer Frau, die wie keine zweite die Reformation in Leid und Elend durchlitten hat.

Ähnliches wird man von den vielen anderen Akteuren der Zeit, die hier zu dramatis personae geworden sind, sagen können. Sie sind nicht als Schablonen behandelt und werden nicht – wie häufig in der Reformationsgeschichte – durch die Brille Luthers betrachtet. Großartig Kardinal Albrecht von Brandenburg, ebenso Jakob Fugger oder Kurfürst Friedrich der Weise, Luthers Landesherr. Billige Aktualisierung findet nicht statt – etwa Fugger als Urbild des geldgierigen Kapitalisten oder die Fürsten als Repräsentanten des deutschen Obrigkeitsstaates des 19. und 20. Jahrhunderts, wozu ihnen angeblich Luther die Legitimation gegeben hätte. Nein, auch sie erscheinen als Menschen ihrer Zeit mit eigenem Standpunkt, eigenen Interessen und eigener Handlungsmaxime, die sie zu Förderer oder Gegner der Reformation werden ließen.

Über die dramatische Triebfeder des Films
von den Drehbuchautoren Stefan Dähnert und Marianne Wendt

Zu Beginn der Arbeit an diesem Stoff mussten wir erst einmal selbst begreifen, was Religion für den Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts bedeutete. In Ermangelung von Bildung und staatlicher Fürsorge war sie ihm alles: Bestimmung, Regel, Glaube, Trost und Ansporn, etwas aus seinem Leben zu machen. Der Glaube gliederte den Tag, das Jahr, das Leben. Die Hauptaufgabe der Exposition: Wie machen wir einem heutigen Publikum diesen Stellenwert klar? Als ob der Papst gleichzeitig Bundeskanzler, Fußballgott, Chef der Europäischen Zentralbank wäre und nebenbei die Hauptrolle im neuesten Blockbuster der Coen-Brüder übernommen hätte.

Dies war die ungeheure Macht, mit der sich Luther 1517 anlegte. Sie war zu diesem Zeitpunkt "auf den Hund gekommen". Die Bistümer waren zu Geldmaschinen geworden und die Klöster seit langem keine Kaderschmieden der Geisteswissenschaften mehr. Die Bibel wurde konsequent fehlinterpretiert, das Volk vorsätzlich in Unwissenheit gehalten. Der Katholizismus wurde in die neue Welt exportiert und diente auch hier als das, was er in vergangenen Jahrhunderten vor allem war: ein Mittel der Unterdrückung. Die Zeit war reif für grundlegende Reformen.

Moderne Zeitgenossen wie Fugger setzten Geld als Religionsersatz dagegen, Adam Ries begann vorsichtig das Leben auszurechnen, die Gutenbergpresse war bereits angeworfen worden. Aber nichts von alledem griff das Monopol Roms an, als Martin Luther im Zwist zweier mitteldeutscher Fürsten die ungeheure Chance beim Schopf ergriff, das zu reformieren, was im Argen lag.

Er war nicht allein. Vor allem dieser Gedanke hat unseren Ansatz befeuert. Luther war nur einer von vielen Männern wie Frauen. Vor allem einer unter viel radikaleren Reformern, die entschlossen waren, gleich das ganze gesellschaftliche Zusammenleben umzustürzen. Mit welchen Mitteln und zu welchem Preis ausgerechnet er, der Bewahrer, sich mit seiner "evangelischen Bewegung" durchsetzte, das ist die dramatische Triebfeder dieses Films.

Der Mensch im Mittelpunkt
von Regisseur Uwe Janson

Die Motivation "Zwischen Himmel und Hölle" zu realisieren, war die filmisch veritable Annäherung an jene Zeit des Mittelalters, in der die Menschen entdeckten, dass sie ihrem Gewissen kompromisslos Ausdruck verleihen mussten. Eine eruptive Zeit, in der die Gleichheit und die Freiheit der Menschen aufgeschrieben und eingefordert wurde. Die bedingungslose Erfüllung religiöser Paradigmen wurde verweigert und die Religion an sich wurde in ihren Grundsätzen hinterfragt. Ein großes Wagnis, damals wie heute. Der Mensch selbst stand plötzlich im Mittelpunkt gesellschaftlich relevanter Auseinandersetzungen, ein Novum.

Den Zuschauer auf diese aufregende und elektrisierende Entdeckungsreise der Reformation mitzunehmen und dabei mitzuerleben, was es für die Frauen und Männer dieser Zeit hieß, sich mit den elementaren Themen ihres Seins, ihres gesamten Weltbildes zu konfrontieren, war und ist eine faszinierende Aufgabe und Herausforderung.

Fragen an die Schauspieler...
Maximilian Brückner, Jan Krauter, Frida-Lovisa Hamann, Aylin Tezel, Joachim Król, Armin Rohde und Christoph Maria Herbst

Hat sich Ihre Sicht auf die historische Figur, die sie in "Zwischen Himmel und Hölle" verkörpern, durch die Arbeit am Film verändert?

Maximilian Brückner (Martin Luther): Mir war bis dahin nicht bewusst, wie groß Luthers Einfluss auf unsere Sprache war. Seine Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen beziehungsweise Griechischen ins Deutsche, die sich auf einmal jedem, nicht nur den gelehrten Priestern, erschloss, prägte unser Sprachbild. Er hatte eine unglaubliche Sprachgewalt: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Jan Krauter (Thomas Müntzer): Ehrlich gesagt habe ich Thomas Müntzer überhaupt erst durch diese Produktion kennengelernt. Anders als in Ostdeutschland, wo er, wie ich festgestellt habe, vielen noch ein Begriff ist, war meine Schulbildung bezüglich der Reformation geprägt von der Geschichte Martin Luthers. Müntzer hat es in meine Geschichtsbücher, wenn überhaupt, dann eher am Rande geschafft. Ich erinnere, dass über Bauernaufstände gesprochen wurde und über den 30-jährigen Krieg, aber die Figur Müntzer ist mir aus der Schulzeit kein Begriff geblieben. Was auch damit zusammenhängen dürfte, dass es sehr wenig faktisches Wissen über ihn zu geben scheint. Sicherlich wurde viel daran gesetzt, den Aufrührer schnell aus der Geschichte zu tilgen, um keine erneuten Anhänger heranwachsen zu lassen, und so wurde vieles von den Siegern der Geschichte zerstört und Müntzer als Hetzer und Mörder abgestempelt. Später wurde er dann von den Sozialisten wieder hervorgekramt und zum Helden gemacht – alles in allem ist es schwer, ein nicht verklärtes Bild von Thomas Müntzer zu bekommen.

Frisa-Lovisa Hamann (Katharina von Bora, Luthers Frau): Da ich im Vorhinein kaum etwas über Katharina von Bora wusste, war ich frei darin, mich ihrem Wesen anzunähern und sie aus meiner eigenen Sicht heraus kennenzulernen. Ich war überrascht über die Ehe von Käthe und Luther, die für mich keine Liebesgeschichte ist, sondern eine intellektuelle, wirtschaftliche, aber auch freundschaftliche Beziehung.

Joachim Król (Erzbischof Albrecht von Brandenburg): Erst einmal muss ich gestehen, dass mir die Figur des Albrecht von Brandenburg gar kein so großer Begriff war. Aber damit stehe ich wohl nicht alleine da, obwohl er eine der folgenreichsten Gestalten der Deutschen Geschichte war und eine der gewaltigsten Figuren der Kirchenhistorie. Überrascht hat mich nicht nur bei meiner Annäherung an die Figur des Albrecht von Brandenburg, wie wenig sich das Denken und Handeln politisch agierender Kräfte, besonders in Zeiten des revolutionären, technischen Fortschritts, im Laufe der Jahrhunderte geändert hat.

Wie haben Sie sich auf ihre Rolle vorbereitet?

Maximilian Brückner (Martin Luther): Für mich ist die Grundlage immer das Drehbuch. Das ist meine "Bibel", das Gerüst und die Form, die mich durch die Geschichte führt. Ob das historisch genau richtig und verbürgt ist, ist in diesem Sinn nicht wirklich relevant für mich. Das legen Regie und Drehbuch fest. Für mich ist nur interessant, ob ich mich in diesem Korsett natürlich und der Figur gemäß bewegen kann, um diesen Charakter glaubwürdig verkörpern zu können.

Jan Krauter (Thomas Müntzer): Die historische Figur ist sehr unscharf, und die Biografie hat große Lücken. Abgesehen davon: Wer er wirklich war, bleibt Spekulation, auch wenn die Geschichtsbücher vollständig wären. Und so bleibt mir natürlich auch nur die Möglichkeit, mich so nah wie möglich an ihn "heranzudenken". Außerdem wagen wir in unserer fiktiven Geschichte das Gedankenspiel einer Freundschaft zwischen Luther und Müntzer. Sie ist gewissermaßen eine sinnliche Metapher für die gemeinsamen reformatorischen Anfänge und die spätere Aufspaltung in den radikalen revolutionären Weg Müntzers, der ihn und 5.000 Bauern in den Tod führte und den gemäßigten, aber nachhaltigen Weg Luthers.


Aylin Tezel (Ottilie von Gersen, Thomas Müntzers Frau): Über die historische Figur Ottilie von Gersen ist so gut wie nichts bekannt. Wir wissen, dass sie als Nonne im Kloster gelebt hat und dieses Leben verlassen hat, um mit dem Reformator Thomas Müntzer zu leben und an seiner Seite für neue gesellschaftliche Werte zu kämpfen. Die beiden heirateten und bekamen zwei Söhne. Soweit gingen unsere Informationen. Alles weitere, also die Art der Beziehung zu Müntzer und ihren großen Einfluss auf ihren Mann, haben wir gemeinsam gestaltet. Unser Schwerpunkt lag bei Ottilie darin, sie als emanzipierte Frau zu erzählen, die auf Augenhöhe mit den Reformatoren der damaligen Zeit agiert.

Frisa-Lovisa Hamann (Katharina von Bora, Luthers Frau): In Vorbereitung auf die Figur Katharina von Bora holte ich mir vor allem viel Phantasie zu der Zeit, in der sie lebte: Musik, Poesie, Gemälde, die Lutherbibel und historische Ereignisse. Natürlich las ich auch Biografien über Katharina von Bora, allerdings gibt es nicht all zu viele gesicherte Fakten, besonders nicht über ihre jungen Jahre, die Zeit bevor sie Luther heiratete, von der wir in "Zwischen Himmel und Hölle" erzählen, und somit entspringen die Biografien zu Teilen immer auch der Phantasie der Autoren und waren für mich weniger interessant. Unser Anspruch als Team war nicht eine historisch hundertprozentig abgesicherte Dokumentation zu drehen, sondern einen fiktiven Spielfilm, der von unserer eigenen Phantasie gefüttert ist und darüber den Zuschauer mit auf die Reise in eine andere Zeit nimmt. Für mich war wichtig, dass Käthe einen eigenwilligen, starken und nicht nur Luther komplementierenden Charakter bekommt, der ihren späteren Lebensweg begründet.

Wie ist Ihre historische Figur im Film angelegt?

Jan Krauter (Thomas Müntzer): Unser Müntzer wird aus einer Menge Schmerz geboren, den er erfahren muss, weil er anders denkt. Er sieht und erfährt das Leid einer unterdrückten Gesellschaft und sieht sich gezwungen, diese Missstände zu verändern. Ich habe mich sehr auf die Figur Müntzer, wie sie in unserem Buch beschrieben ist, konzentriert, die überwiegend den politischen Müntzer zeigt, bestimmte Aspekte Müntzers aber auch ausklammert, zum Beispiel sein Leben als Asket und seine apokalyptischen Vorstellungen oder Ereignisse wie die Fürstenrede.
 Mich hat dabei am meisten interessiert, was einen Menschen dazu bringen kann, mit einer solchen Konsequenz für eine Sache zu kämpfen, sogar bis in den Tod hinein. Ist das Verblendung und Besessenheit oder Notwendigkeit? Ist er ein Märtyrer und Held oder ein Fanatiker gewesen? Oder etwas dazwischen? Ich habe versucht, mich der Handlung aus seinem subjektiven Gerechtigkeitsempfinden heraus zu nähern. Im steten Zwist mit allen Mitteln durchzusetzen, was er für richtig hält und dem Zweifel daran, ob der Zweck alle diese Mittel heiligen wird. Ich denke, gerade heute können wir sehen, dass unvorstellbare Zustände Menschen zu unvorstellbaren Taten treiben können, und da wir in unserer westlichen Welt für einige dieser unvorstellbaren Missstände mitverantwortlich sind, könnte es für uns hilfreich sein, hin und wieder einen kleinen Müntzer im Nacken zu spüren.

Aylin Tezel (Ottilie von Gersen, Müntzers Frau): Wir waren in der Gestaltung der Rolle sehr frei, da so wenige Fakten über Ottilie Müntzer existieren. Unser Regisseur Uwe Janson hat sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir die Frauen an der Seite von Luther und Müntzer als starke, eigenständig wirkende Persönlichkeiten zeigen. Das ist deshalb so wichtig anzuführen, da es für die damalige Zeit ungewöhnlich war, dass Frauen sich in politischen oder religiösen Fragen zu Wort meldeten, und selbst wenn sie es taten, blieben Sie historisch oft unsichtbar. Wir zeigen Ottilie als eine Frau, die sich für Bildung und Gleichberechtigung einsetzt, für die Freiheit der Unterdrückten kämpft, ihrem Mann in absoluter Liebe zur Seite steht und einen großen Teil an seiner Entwicklung zum sozialen und spirituellen Revolutionär trägt. Ottilie ist die einzige in unserer Geschichte, die soweit geht, einen atheistischen Gedanken zu formulieren und den Glauben als eine persönliche Entscheidung zu sehen und nicht als ein unantastbares Gesetz.

Joachim Król (Erzbischof Albrecht von Brandenburg): Meine Aufgabe bestand darin, innerhalb einer so komplexen Erzählung wie der unseren, in den Begegnungen, die wir zeigen, Albrechts Wesen und seinen vielschichtigen Charakter darzustellen. Sei es mit Fugger, Müntzer, Kurfürst Friedrich, Domherr Eck und am wichtigsten natürlich, mit Luther selber. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Christoph Maria Herbst (Lucas Cranach): Wir haben uns ziemlich an das gehalten, was man über Cranach zu wissen glaubt. Uwe Janson bezeichnete ihn gern als "den Steve Jobs seiner Zeit". Daher zeichneten wir die Figur als modernen Visionär. Der Zukunft zugewandt und loyal in seiner Freundschaft zu Luther war er für mich am ehesten als Mensch fassbar, da sich reale Figuren, die über die Jahrhunderte verklärt wurden, anders gar nicht spielen lassen.

Welche Bedeutung hat Lucas Cranach für die Geschichte rund um Luther und Müntzer?

Christoph Maria Herbst (Lucas Cranach): Cranach d. Ä. war mit Luther eng befreundet. Darüber hinaus war er ein großer Förderer seiner Postulate. Er ist maßgeblich an der Reformationsbewegung beteiligt gewesen, da es ohne seine topmoderne Druckwerkstatt keine Verbreitung seiner teilweise geradezu zersetzenden Schriften gegeben hätte. Sicherlich dürfte die zweite Seite dieser schillernden Figur die des guten Geschäftsmannes gewesen sein.

Was hat Sie an diesem Filmprojekt gereizt?

Armin Rohde (Hartmann): Historische Stoffe sind eine großartige Arbeitsvorlage für einen Schauspieler, wobei für mich und meine Rolle im Vordergrund steht, dass einerseits keine Geschichtsverfälschung stattfinden darf und auf der anderen Seite auch kein bebilderter Schulfunk herauskommen sollte. Und endlich habe ich mal wieder jemanden gespielt, der sich nicht auf Sympathien freuen darf. Das durfte ich schon länger nicht mehr so richtig.

Joachim Król (Erzbischof Albrecht von Brandenburg): Begeistert hat mich wieder einmal, wie viel Spaß es macht, mit Hilfe der hervorragenden Kolleginnen und Kollegen der Kostüm- und Maskenabteilung sowie der Ausstattung auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu gehen. Außerdem finde ich es großartig, dass wir durch den wunderbaren Maximilian Brückner dem Publikum einen jungen, vitalen und leidenschaftlichen Martin Luther präsentieren. Das kann sicher den Blick auf die historischen Ereignisse vor fünfhundert Jahren verändern. Mich hat zum Beispiel schon als Pennäler gestört, dass Karl Marx in den Geschichtsbüchern immer als zugewachsener, alter Mann dargestellt wurde.

Die Fragen stellte Henriette Pulpitz

Audiodatei (downloadfähig): O-Ton Caroline von Senden zum historischen Fernsehfilm

> Audiofile O-Ton Caroline von Senden
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Zu den Beweggründen, "Zwischen Himmel und Hölle" als opulenten Fernsehfilm umzusetzen

Für uns war es wirklich die ganz große Frage: Was bedeutet Luther heute, wem wollen wir da was erzählen, wer möchte was wissen und erreichen wir auch junge Menschen und wen gab es eigentlich neben Luther. Das war für uns eine ganz große Frage. Luther hat das ja nicht allein gemacht, sondern wir haben versucht, zu zeigen: Die Reformation war eine Bewegung, die aus ihrer Zeit heraus gewachsen ist, und sie war auch kontrovers. Die Menschen, die da ihre Kraft, ihren Geist, ihren Freiheitswillen und ihren revolutionären Impetus reingegeben haben, haben sich auch zum Teil verstritten. Und davon erzählt unser Film "Zwischen Himmel und Hölle". (0’32)

Zur Schwierigkeit, speziell junge Menschen heutzutage für das Thema Kirche und Reformation zu begeistern

Ganz ehrlich, ich glaube, das weiß auch die Kirche, wie schwer das ist. Ich glaube, man ist über den Glauben und die Suche nach Gott und die Wahrheit in Gott definiert, es ist, glaube ich, ganz schwierig. Was wir gefunden haben bei der Recherche zum Thema ist, dass es da kraftvolle junge Männer und Frauen gab, die gemeinsam die Welt verändern wollten. Das ist das, was wir versuchen in unserem Film mitzugeben, dass es eine revolutionäre Bewegung war. Unsere Kernthese war: Das ist Reformation gegen Revolution. Ab wann spalten sich Thomas Müntzer und Martin Luther auseinander. Wer geht welchen Weg, wer geht den Weg der Machbarkeit und des Kompromisses. Wenn es uns gelingen könnte, junge Menschen an den Film zu kriegen, was nicht einfach ist, glaube ich, dass sie das spüren werden und das toll finden werden. Ich werde das jetzt meinem 17-jährigen Sohn vorführen, der bestimmt sagt, "Och Mama, ich hab schon mal einen Lutherfilm gesehen", aber ich werde ihn ein bisschen drängen und ich glaube, es wird ihn begeistern. (0’55)

Zur Umsetzung und zum Produktionsaufwand von "Zwischen Himmel und Hölle"

Wir glauben, dass es etwas ist, was auch halten soll. Wir glauben schon, dass dieser Film einmal seine Rechtfertigung hat zum Reformationsjahr, das ist das eine. Aber natürlich wird das ein Film sein, der auch in den Schulen gezeigt wird, der Menschen Geschichte und Religions- und Kirchengeschichte nahebringt, und das soll natürlich wirklich was Haltbares sein. Das soll dann schon auch in zehn Jahren nicht so aussehen, dass man sagt, "Ach guck mal, wie niedlich, was die damals gemacht haben". Sondern ein bisschen Beständigkeit und Nachhaltigkeit sollen da drin sein. (0‘28)

Warum "Zwischen Himmel und Hölle" gerade auch junge Menschen begeistern dürfte

Wenn es uns gelingt, junge Menschen und gerade auch junge Männer dazu zu kriegen, das zu sehen, das Mittelalter – wir befinden uns ja zum Beginn der Neuzeit, aber es hat ja noch mittelalterliche Strukturen, das Mittelalter wird gerade hinter sich gelassen –, aber das hat natürlich, ich will den Film jetzt nicht kleiner machen, auch was von Ritterspielen. Da ist auch der Kampf der Kleinen gegen die Großen, das ist die Macht, die Wucht, die Pferde, das Säbelrasseln, das ist da auch mit drin. Wenn das junge Menschen sehen würden und wollen, hat das durchaus auch was mit Computerspielen zu tun, aber natürlich mit einem ganz anderen Hintergrund und einer ganz anderen Tiefe. (0‘33)

Über eine wichtige Botschaft, die der Film vermitteln soll

Der Film kann uns mitgeben, dass, wenn man von etwas wirklich überzeugt ist und weiß, warum man es tut und daran glaubt, man eine ungeheure Kraft entwickeln und wirklich was bewegen kann. Also dass jemand, der eigentlich aus dem Nichts kommt, ich sag jetzt mal der berühmte "kleine Mann", gesegnet mit einer unfassbaren Intelligenz , mit einer  Sprachgewalt, der aber trotzdem eigentlich ein ganz kleiner Mann ist, ohne Zusammenhänge, ohne einen Hintergrund, was ihm ermöglicht, an die Mächtigen ranzukommen, dass der die Welt verändert hat, das ist fantastisch. Da kann man nur immer wieder fragen: Wie hat er das gemacht? (0‘34)

Was im Film auf Fakten beruht und wo die Macher im Sinne der Dramaturgie Dinge etwas zugespitzt haben

Wir haben nichts verfälscht. Wir haben Dinge nur in dem Sinne erfunden, dass sie in ihrer Aussage, die die Erzählung dadurch gewinnt, richtig sind. Zum Beispiel: Die Freundschaft zwischen Thomas Müntzer und Martin Luther ist eine Erfindung unsererseits. Thomas Müntzer war ein Schüler, ein geistiger Schüler von Martin Luther. Es ist nicht ganz klar, ob die sich zwei- oder dreimal gesehen haben, sie waren auf jeden Fall nicht so eng verbunden, wie wir das im Film erzählen. Aber sie waren durch einen Disput, durch einen schriftlichen Disput verbunden, das heißt, die hatten eine starke gemeinsame Verbindung in der Auseinandersetzung um die Sache. Das haben wir zusammengeführt in der Dramaturgie, aber das ist nicht verfälscht im Sinne von "Das hätte es doch nie geben können". (0‘37)

Audiodatei (downloadfähig): O-Ton Maximilian Brückner zum historischen Fernsehfilm

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Zu der Frage, wie er sich der Figur Luther als Schauspieler genähert hat

Hauptsächlich über das Drehbuch, weil das die Sachen sind, wo ich ihn präsentieren kann. Für mich war ganz wichtig, die Sprache zu greifen, damit ich sie an mich heranhole. Und das andere war, ihn am Anfang zu zeigen, wie er ganz bei sich ist und sich auch immer mehr in diesem Wahnsinn von Politik, Kriegen, Glaube und Kirche verliert. Wir haben durch die Konstellation mit Müntzer zwei Leute: Der eine wird eigentlich zum Terroristen, weil er einfach immer weitergeht und nicht aufhören kann. Und der andere wird auf eine gewisse Art Politiker, er arrangiert sich. (0’36)    

Was ihn bei der Beschäftigung mit Martin Luther und der Reformation vor 500 Jahren am meisten beeindruckte

Dieses Zahnrädchen, das da losging. Dieser Gedanke, dass man mit sich selbst, mit Gott im Zwiegespräch ist, also dass man dazwischen eigentlich nichts braucht. Weitergetragen über die Kriege, den Dreißigjährigen Krieg. Dass wir jetzt eine Gesellschaft haben, die relativ frei und liberal ist. Gerade in diesen Zeiten, wo manche Staaten wieder zurückfallen und man das Gefühl hat, die geben leichtfertig diese Errungenschaften ab, die mit viel Blutvergießen erkämpft wurden, dass man Politik von der Kirche trennt. Man hat das Gefühl, manche wollen da wieder zurück, aber kein Mensch will freiwillig ins Mittelalter zurück. Und wie wichtig es ist, was wir hier haben. Deswegen finde ich diesen Film so wichtig. (0’40)

Zur Bedeutung Martin Luthers für die deutsche Sprache

Mir war auch nicht klar, wie sehr Luther unsere Sprache geprägt hat. Es ist faszinierend – und auch fast Poesie. "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort." Das kann jetzt jeder interpretieren, wie er will, aber es ist einfach unglaublich schön. (0:14)

Zur Herausforderung, ins Mittelalter einzutauchen und Martin Luther zu sein

Ich hatte "Tannbach" schon gedreht, aber ich muss sagen, das Mittelalter ist einfach noch mal eine ganz andere Nummer. Und dann als Martin Luther, das ist ja eine historische Figur. Es ist nicht irgendeine erfundene Figur, bei der ich machen kann, was ich will. Das war eine Herausforderung und ich habe versucht, ihn so ehrlich und so nah an mich heranzuholen, wie es nur geht. (0’21)

Was er persönlich aus der Arbeit an "Zwischen Himmel und Hölle" mitgenommen hat

Jeder muss mit seinem Gewissen und mit sich selbst, mit Gott, kommunizieren. Ich glaube nicht, dass man da einen "Zwischenhändler" braucht. Wenn man Unterstützung braucht, ist das schön. Aber ich glaube, dass wir diese Freiheit und Liberalität, die wir in unserer Gesellschaft besitzen, uns behalten und nicht grundlos verschenken sollten, weil wir Angst vor der Zukunft haben. (0:21)   

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