11.01.2018, 08:37 Uhr - Unternehmen, Nachrichten/Aktuelles

Debatten in SPD und Union um neue GroKo-Sondierungen waren das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Dezember

Untersuchungszeitraum: 01.12.-31.12.2017

Die Debatten in SPD und Union um neue GroKo-Sondierungen waren das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Dezember 2017. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) in seiner monatlichen Nachrichtenanalyse ermittelte, entfielen in Tagesschau 20 Uhr, Tagesthemen, heute 19 Uhr, heute-journal, RTL aktuell und Sat.1 Nachrichten 219 Minuten (3,6 Stunden) Sendezeit auf diesen Themenkomplex. Nachdem sich die Union im Bemühen um eine Regierungsbildung für Gespräche mit der SPD ausgesprochen hatte, stand die SPD im Fokus der Berichterstattung. So befasste sich ein wesentlicher Teil der Berichterstattung mit dem SPD-Parteitag vom 7. bis 9. Dezember und der dort beschlossenen Zustimmung für ergebnisoffene Gespräche mit der Union. Die weitere Berichterstattung widmete sich den Vorbereitungen der Parteien auf Sondierungsgespräche. 

Den zweiten Rangplatz unter den 10 Topthemen im Dezember nahm mit 160 Minuten Sendezeit das saisonale Thema Weihnachten ein. Ein breites Spektrum von Einzelaspekten mit Bezug zu Weihnachten, darunter Kaufwut, Weihnachtsgeschäfte, unerwünschte Geschenke, Kirchenfeste und Weihnachtstourismus bis zu Weihnachtsfeiern in Bethlehem vermittelten ein weihnachtliches Stimmungsbild weitgehend frei von Politik.

Platz drei der Topthemenliste im Dezember belegte die Berichterstattung über US-Präsident Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen (134 Min.). Dieses konflikthaltige Thema löste überwiegend kritische Reaktionen in verschiedenen Ländern aus, berichtet wurde über die Reaktion in der UN-Vollversammlung zum Status von Jerusalem, ferner über die Ablehnung der Anerkennung seitens der EU, Proteste in arabischen Ländern und insbesondere in den Palästinensergebieten.

Auf Platz vier lag im Dezember das Thema Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa (98 Min.). Wesentlichen Anteil daran hatte ein EU-Gipfel, bei dem es u. a. um die von Ungarn, Polen und Tschechien abgelehnten Aufnahmequoten für Flüchtlinge ging. Ein weiterer Aspekt zum Thema Flüchtlingspolitik betraf die Diskussionen über Rückkehrprämien für abgelehnte Asylbewerber.

Die weiteren Themen der Berichterstattung betrafen Ereignisse aus verschiedenen Anlässen, so den Machtkampf in der CSU um die Seehofer-Nachfolge und den CSU-Parteitag in Nürnberg (79 Min.), ferner Katalonien wählt neues Regionalparlament (59 Min.), Gedenken an Opfer in Berlin ein Jahr nach dem Anschlag (56 Min.), über Fortschritt und Blockaden in der Brexit-Debatte in Großbritannien und Europa (55 Min.), Paketbomben-Erpressung gegen DHL (41 Min.), Anti-Israel-Proteste und Antisemitismus (40 Min.).

Das Topthema Debatten in SPD und Union um Aufnahme von Sondierungsgesprächen zu einer neuen Großen Koalition erschien in allen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen auf dem ersten Rangplatz, in den privaten Nachrichten nach dem Thema Weihnachten auf dem zweiten Rangplatz. Weihnachten fand am meisten Beachtung in den privaten Hauptnachrichten, dagegen am wenigsten in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazinen. Das Thema Brexit fand das geringste Interesse in den privaten und das Thema Paketbomben-Erpressung das geringste Interesse in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazinen.

SPD vor Sondierungen zu einer neuen Großen-Koalition auf dem Spitzenplatz

Den Spitzenplatz in der Parteienpräsenz nahm im Dezember die SPD mit 296 Auftritten ihrer Politiker knapp vor der CDU mit 285 Auftritten ein. Mit halb so viel Auftritten folgte die CSU (142) auf dem dritten Platz. Mit Abstand danach erschienen die kleineren Parteien angeführt von der AfD (64), dann B90/Grüne (43), Die Linke (20), FDP (17) und Sonstige.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auch im Dezember mit den meisten Auftritten

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm auch im insgesamt wegen Weihnachten politikschwächeren Dezember weiterhin den Spitzenplatz in der Rangliste deutscher Politiker in den Nachrichtensendungen ein (129 Auftritte, davon 49 mit O-Ton). Die Politikerpräsenz wurde wesentlich von den Parteitagen der SPD und CSU geprägt. Mit 66 Auftritten (davon 35mal O-Ton) folgte auf Platz zwei der SPD-Vorsitzende Martin Schulz vor dem CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer (49 Auftritte). Die weiteren Rangplätze bis zehn belegten Sigmar Gabriel (40), Markus Söder (33), Frank-Walter Steinmeier (28), Andrea Nahles (21), Thomas de Maiziere (18), Ursula von der Leyen (17) und Alexander Gauland (17).

Die Präsenz von Auslandspolitikern fiel im Dezember kontrastvoll aus. Den Spitzenplatz behielt Donald Trump, dessen Präsenz durch die Reaktionen auf seine Jerusalem-Entscheidung auf 177 Auftritte anstieg. Damit vergrößerte sich der Vorsprung vor allen anderen Auslandspolitikern. Auf den Rangplätzen 2 bis 5 folgten Russlands Präsident Wladimir Putin (41 Auftritte), der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (30), Israels Präsident Benjamin Netanjahu (29) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (28 Auftritte).

Öffentlich-rechtliche Nachrichten bleiben führend in der Politikberichterstattung

In allen Sendungen sank im Weihnachtsmonat der Politikanteil in den Nachrichten.

ARD und ZDF berichteten jedoch auch im Dezember in ihren Hauptnachrichten deutlich umfangreicher über Politik als RTL und Sat.1. Die Tagesschau wendete für Politikthemen einen Sendezeitanteil von 45 Prozent (vorher 54%) bei durchschnittlich 7 Minuten pro Ausgabe auf. Die längeren heute-Nachrichten kamen auf 40 Prozent (vorher 47%) bei durchschnittlich 7 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei etwa gleicher Länge wie die heute-Nachrichten für Politikthemen 20 Prozent (vorher 26%) der Sendezeit bei 4 Minuten (vorher 5 Min.) pro Ausgabe. In den Sat.1 Nachrichten entfielen 27 Prozent (vorher 33%) der Sendezeit bei 5 Minuten pro Ausgabe auf Politikthemen.

Die beiden öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine unterschieden sich im Dezember im Umfang der Politikberichterstattung nicht merklich voneinander. Die Tagesthemen hatten einen Politikanteil von 45 Prozent (vorher 48%) bei durchschnittlich 10 Minuten (vorher 12 Min.) pro Ausgabe, das heute-journal verringerte im Dezember seinen Politikanteil auf 46 Prozent (vorher 58%) der Sendezeit bei 11 Minuten (vorher 14 Min.) pro Ausgabe.

Den ausführlichen Bericht finden Sie hier.

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Mainz, 11 Januar 2018
ZDF Presse und Information