09.02.2018, 14:45 Uhr - Unternehmen, Magazine/Interviews

GroKo-Sondierung und SPD-Debatte waren das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Januar

Untersuchungszeitraum: 01.01.-31.01.2018
Grafik: ZDF

Die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD über eine Neuauflage der Großen Koalition und die parteiinterne Debatte einer gespaltenen SPD waren im Januar 2018 das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) in seiner monatlichen Nachrichtenanalyse ermittelte, entfielen in Tagesschau 20 Uhr, Tagesthemen, heute 19 Uhr, heute-journal, RTL aktuell und Sat.1 Nachrichten 429 Minuten (über 7 Stunden) Sendezeit auf diesen Themenkomplex. Dabei konzentrierte sich die Berichterstattung zunehmend auf den SPD-internen Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern der GroKo. Berichtet wurde ausgiebig über den Sonderparteitag am 21. Januar in Bonn, der zur knappen Entscheidung führte, in Koalitionsverhandlungen mit der Union einzutreten. Während die SPD-Führung um Zustimmung für die GroKo rang, initiierten die Jusos eine Parteieintrittskampagne zur Gewinnung neuer SPD-Mitglieder, die bei der angekündigten Mitgliederbefragung zur Verhinderung der GroKo beitragen sollten.

Nachdem die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD begonnen hatten und damit eine weitere Phase auf dem Weg zu einer neuen Regierungsbildung eingeleitet war,  reichten wenige Tage bis Ende Januar aus, um die Berichterstattung über die Koalitionsverhandlungen (115 Min.) zum zweitstärksten Thema der Nachrichten werden zu lassen.

Die nachfolgenden Rangplätze der Top 10-Themen verteilten sich im Januar auf Auslandsberichte, Parteienberichte und bedrohliche Wetterlagen. Die Auslandsberichte betrafen eine türkische Militäroffensive in Syrien (88 Min.), Proteste im Iran (65 Min.) und das Weltwirtschaftsforum in Davos (46 Min). Berichte über Aktivitäten von Parteien betrafen den Bundesparteitag der Grünen (49 Min.) mit der Wahl einer neuen Parteiführung, die Winterklausur der CSU-Landesgruppe (38 Min.) sowie das Auftreten der AfD im Bundestag (36 Min.). Ein dritter Themenkomplex zur Wetterlage befasste sich mit Sturmtiefs in Deutschland (48 Min.) und Hochwasser an Rhein und Mosel (38 Min.).

Das Spitzenthema Sondierungsgespräche und die damit verknüpfte SPD-Debatte hatte in allen Sendungen Rangplatz eins und damit übereinstimmend die stärkste Beachtung. Die beginnenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD rangierten in den Sendungen von ZDF, RTL und Sat.1 auf Rangplatz zwei, bei der ARD auf Rangplatz drei nach der Berichterstattung über die türkische Militäroffensive in Syrien. Berichte über die Parteien fanden in den Nachrichtenmagazinen deutlich mehr Beachtung als in den Hauptnachrichten. Dagegen waren bedrohliche Wetterfolgen in den Nachrichtenmagazinen kein relevantes Thema.

SPD-Präsenz durch GroKo-Sondierungen auf dem Spitzenplatz

Die intensive Berichterstattung über den möglichen Eintritt der SPD in eine Große Koalition hatte zur Folge, dass die SPD im Januar mit 481 Auftritten in den Nachrichten noch stärker als im Dezember bei 296 Auftritten ihrer Politiker präsent war. Auch die CDU hatte mit 316 Auftritten im Januar einen Zuwachs gegenüber dem Vormonat (285 Auftritte), der Rückstand zur SPD fiel jedoch deutlicher aus. Alle Parteien waren im Januar stärker präsent als im Weihnachtsmonat. Auf Platz drei folgten die Grünen (163), danach die CSU (147), dann mit einigem Abstand die AfD (84), Die Linke (52), FDP (47) und Sonstige (3). 27 Auftritte entfielen auf parteilose Politiker einschließlich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dessen Auftritte aufgrund ruhender SPD-Mitgliedschaft ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet wurden.

Martin Schulz im Januar mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Auftritten gleichauf

Erstmals belegte im Januar 2018 Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr allein den Spitzenplatz der Politikerauftritte in den Nachrichtensendungen. Die SPD-fokussierte Berichterstattung brachte Martin Schulz und Angela Merkel jeweils 120 Auftritte. Berücksichtigt man dabei die Relationen der Auftritte in O-Ton und Nennungen, ergibt sich sogar ein formaler Vorsprung für Schulz. Schulz erhielt mehr O-Ton-Auftritte (76) und weniger Nennungen (17) als die Bundeskanzlerin mit 46 O-Ton-Auftritten und 51 Nennungen. Nur halb so viele Auftritte hatten Horst Seehofer (58) und Sigmar Gabriel (56), gefolgt von Andrea Nahles (47), Alexander Dobrindt (38) und Kevin Kühnert (35), ferner von Lothar de Maizière (25), Ralf Stegner (24) und Christian Lindner (24).

Die Präsenz der Auslandspolitiker führte im Januar weiterhin mit deutlichem Vorsprung Donald Trump (143) an. Auf den Rangplätzen 2 bis 5 folgten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (50), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (41 Auftritte). Nordkoreas Führer Kim Jong-un (29) und der österreichische Kanzler Sebastian Kurz (16).

Öffentlich-rechtliche Nachrichten bleiben führend in der Politikberichterstattung

ARD und ZDF berichteten im Januar in ihren Hauptnachrichten wieder deutlich umfangreicher über Politik als RTL und Sat.1. Die Tagesschau wendete für Politikthemen einen Sendezeitanteil von 47 Prozent (vorher 45 %) bei durchschnittlich 7 Minuten pro Ausgabe auf. Die längeren heute-Nachrichten kamen auf 37 Prozent (vorher 40%) bei durchschnittlich 7 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei etwa gleicher Länge wie die heute-Nachrichten für Politikthemen 24 Prozent (vorher 20%) der Sendezeit bei unverändert 5 Minuten pro Ausgabe. In den seit November verlängerten Sat.1 Nachrichten entfielen 29 Prozent (vorher 27%) der Sendezeit bei 5 Minuten pro Ausgabe auf Politikthemen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine übertrafen im Umfang der Politikberichterstattung alle Hauptnachrichten. Die Tagesthemen hatten einen Politikanteil von 45 Prozent (vorher 45%) bei durchschnittlich 12 Minuten (vorher 10 Min.) pro Ausgabe, das heute-journal erhöhte im Januar seinen Politikanteil auf 51 Prozent (vorher 46%) der Sendezeit bei 13 Minuten (vorher 11 Min.) pro Ausgabe.

Den ausführlichen Bericht finden Sie hier.

Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de

Mainz, 9. Februar 2018
ZDF Presse und Information