12.10.2018, 08:52 Uhr - Nachrichten/Aktuelles, Magazine/Interviews

Koalitionsstreit um Verfassungsschutzpräsident Maaßen war das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im September

Untersuchungszeitraum: 01.09. - 30.09.2018
Copyright: www.ifem.de

Der Koalitionsstreit um Verfassungsschutzpräsident Maaßen war das Topthema der Fernsehnachrichten im September. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) in seiner monatlichen Nachrichtenanalyse ermittelte, entfielen auf diesen Themenkomplex in den Hauptnachrichten Tagesschau 20 Uhr, heute 19 Uhr, RTL aktuell und den Sat.1 Nachrichten sowie den Nachrichtenmagazinen Tagesthemen und heute-journal insgesamt 382 Minuten (über 6 Stunden) Sendezeit. Anlass war Maaßens Äußerung zu rechtsextremistischen Ausschreitungen nach einem Todesfall in Chemnitz, keinen Beleg für Hetzjagden zu erkennen. Maaßen löste damit eine innenpolitische Debatte aus, die sich über den September hinzog und neben Berichten zu Schaltgesprächen und Kommentaren führte. Berichtet wurde über Maaßens Befragung vor dem parlamentarischen Kontrollgremium und Innenausschuss sowie über Zweifel in den Parteien an seiner Eignung, das Amt des Verfassungsschutzpräsidenten weiter ausüben zu können. Nachdem Innenminister Seehofer Maaßen von seinem Amt abberufen und zum Staatssekretär ins Innenministerium berufen hatte, bewirkte die Personalie Maaßen einen Koalitionsstreit zwischen Union und SPD.  

Auf Rangplatz 2 der Topthemenliste erschien die Berichterstattung über rechtsextreme Ausschreitungen nach den Todesfällen in Chemnitz und später in Köthen (180 Min.). Berichtet wurde über rechtsextreme Kundgebungen und Gegenveranstaltungen in Form von Konzerten gegen Rassismus, ferner über die Diskussion um den Begriff „Hetzjagd“ sowie über eine Generaldebatte im Bundestag, die sich mit den Ereignissen in Chemnitz und Köthen und deren Folgen befasste. Rangplatz 3 belegte das Thema Syrienkrieg/Lage in Idlib (102 Min.). Berichtet wurde über die Bedrohung Idlibs, einen versehentlichen Abschuss eines russischen Militärflugzeugs, ferner über ein mögliches Eingreifen der Bundeswehr in Syrien. Auf Rangplatz 4 folgte Präsident Erdogans Staatsbesuch in Deutschland (87 Min.). Berichtet wurde über das Staatsbankett mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Proteste gegen den türkischen Staatspräsidenten, hauptsächlich aber über Erdogans umstrittene Eröffnung der Moschee in Köln.  

Auf Rangplatz 5 lag das Thema Dieselfahrzeuge und Fahrverbote (83 Min.). Wesentliche Aspekte waren der Streit um Forderungen nach Hardware-Nachrüstungen an die Automobilindustrie, bevorstehende Fahrverbote in Frankfurt, umstrittene Kaufanreize für Neuwagen als einer der Lösungsvorschläge des Verkehrsministers. Einen vorläufigen Höhepunkt fand das Thema Dieselkrise auf einem Gipfeltreffen von Politikern und Autokonzernchefs.

Auf den weiteren Rangplätzen 6 bis 10 folgten Berichte über die aktuelle Brexit-Debatte in Großbritannien und der EU (57 Min.), dichtauf Brinkhaus‘ Wahlsieg zum CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden (55 Min.) und zur Situation vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen (53 Min.) sowie zur polizeilichen Räumung von Umweltaktivisten im Hambacher Forst (53 Min.). Den letzten Platz der Topthemenliste belegten Berichte über Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche (39 Min.).

CDU weiter mit der höchsten Parteienpräsenz

Insgesamt fiel die Parteienpräsenz im September höher aus als im Vormonat. Die Rangordnung der Parteien änderte sich aber nicht. Die CDU belegte mit 500 Auftritten ihrer Politiker weiter den Spitzenplatz vor der SPD mit 386 Auftritten auf Platz 2. Die CSU hatte 278 Auftritte. Unter den schwächer präsenten Oppositionsparteien folgten Grüne mit 114 Auftritten, Linke mit 88 und AfD mit 71 Auftritten Die wenigsten Auftritte hatte die FDP (58) im September. Die Präsenz parteiloser Politiker bzw. von Politikern mit ruhender Parteizugehörigkeit (44 Auftritte) entstand hauptsächlich aus Auftritten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit höchster Präsenz

Im September belegte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 278 Auftritten wieder die Spitzenposition in der Rangfolge deutscher Politiker, gefolgt von Bundesinnenminister Horst Seehofer (156 Auftritte), dessen hoher Rangplatz auch durch die Debatte um Maaßen entstand. Auf Platz 3 folgte Andrea Nahles mit 96 Auftritten, die wesentlich auf den Koalitionsstreit um Maaßen zurückgingen. Andreas Scheuer (41 Auftritte) erreichte Rangplatz 4, vor allem durch seine Vorschläge zur Lösung der Dieselkrise. Auf den Plätzen 6 bis 10 rangierten Heiko Maas (35), Frank-Walter Steinmeier (35), Marcus Söder (29), Olaf Scholz (28), Jens Spahn (28) und Dietmar Bartsch (28). Auf den weiteren Rangplätzen 11 bis 20 der meistpräsenten deutschen Politiker erschienen im September in enger Folge Christian Lindner (28), Alexander Gauland (23), Volker Kauder (23), Michael Kretschmer (22), Ursula von der Leyen (22), Anton Hofreiter (20), Ralph Brinkhaus (20), Lars Klingbeil (19) sowie Annegret Kramp-Karrenbauer (18) und Katrin Göring-Eckardt (18) Die Top 20-Rangliste nach Auftrittshäufigkeit in den deutschen Nachrichten repräsentierten 15 Politiker und nur 5 Politikerinnen.

Nach Parteizugehörigkeit unterschieden, entfielen von den 20 meistpräsenten deutschen Politikerinnen und Politikern im September sieben auf die CDU, vier auf die SPD, drei auf die CSU zwei auf die Grünen und jeweils einer auf Die Linke, FDP und AfD.

Die Spitzenposition unter den im September schwächer präsenten Auslandspolitikern belegte weiterhin US-Präsident Donald Trump mit 96 Auftritten (vorher 121 Auftritte). Auf Platz 2 der Auslandspolitiker folgte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (66 Auftritte) vor Wladimir Putin (33 Auftritte) und Theresa May (32 Auftritte).

Öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen dominieren die Politikberichterstattung

Die Politikberichterstattung fiel nach den Parlamentsferien im September wieder höher aus und war in allen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen wieder umfangreicher als in den privaten Sendungen. In der Tagesschau erreichten die Politikthemen bei einer durchschnittlichen Sendungslänge von 15 Minuten (vorher 16 Min.) einen Sendezeitanteil von 46 Prozent (vorher 45 %) bei 7 Minuten pro Ausgabe. Die heute-Nachrichten kamen bei durchschnittlicher Sendungslänge von 19 Minuten auf 37 Prozent (vorher 35 %) bei ebenfalls 7 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei einer Sendungslänge von 22 Minuten 20 Prozent (vorher 18 %) der Sendezeit für Politikthemen bei 4 Minuten pro Ausgabe. In den Sat.1 Nachrichten bei einer Sendungslänge von 15 Minuten betrug der Politikanteil 30 Prozent (vorher 26 Prozent) der Sendezeit bei ebenfalls 4 Minuten pro Ausgabe.

Die Tagesthemen hatten im September bei einer Sendungslänge von 25 Minuten einen Politikanteil von 42 Prozent (vorher 35 %) bei durchschnittlich 11 Minuten (vorher 9 Min.) pro Ausgabe. Das heute-journal hatte bei 25 Minuten Sendungslänge einen Politikanteil von 44 Prozent (vorher 40 %) der Sendezeit bei 11 Minuten (vorher 10 Min.) pro Ausgabe.

Denausführlichen Bericht finden Sie hier

Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de

Mainz, 12. Oktober 2018
ZDF Presse und Information