10.01.2019, 13:50 Uhr - Nachrichten/Aktuelles

Kramp-Karrenbauer neue CDU-Parteivorsitzende war das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Dezember

Untersuchungszeitraum: 01.12.-31.12.2018
Grafik: www.ifem.de

Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Vorsitzenden war das Topthema der Fernsehnachrichten im Dezember. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) ermittelte, entfielen auf diesen Themenkomplex in den Hauptnachrichten Tagesschau 20 Uhr, heute 19 Uhr, RTL aktuell und den Sat.1 Nachrichten sowie den Nachrichtenmagazinen Tagesthemen und heute-journal insgesamt 148 Minuten (2,5 Stunden) Sendezeit. Die Berichterstattung verteilte sich über die erste Dezemberhälfte und umfasste dabei die Tage der Wahlvorbereitung, die Wahl am 7. Dezember sowie die politischen Reaktionen  auf das Wahlergebnis und seine Folgen.

Auf Platz 2 der Topthemenliste rangierte dichtauf mit 146 Minuten Sendezeit das Auslandsthema Premierministerin Theresa May verschiebt die Brexit-Abstimmung im britischen Parlament. Die inhaltlichen Aspekte betrafen unter anderem Mays Bemühungen um Nachverhandlungen über den Brexit-Deal mit der EU, ein mögliches Misstrauensvotum gegen May, die Folgen eines ungeordneten Brexits. Dieser Themenkomplex wurde von den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen wesentlich stärker behandelt als von den privaten.

Rangplatz 3 belegte das saisonbedingte Thema Weihnachten mit 125 Minuten Sendezeit. Es umfasste ein breites Spektrum an Alltagsthemen, darunter Tipps für Weihnachtsbaumeinkäufe sowie Tipps gegen Einsamkeit und Stress an Weihnachten, ferner Kirchenbesuche und Weihnachtsansprachen bis hin zum Umtausch von Geschenken. Weihnachten war das Topthema in den privaten Nachrichten und zugleich Topthema der Hauptnachrichten. Auf Rangplatz 4 folgte die Berichterstattung  über die UN-Klimakonferenz in Kattowitz/Polen mit 105 Minuten. Inhaltliche Aspekte waren unter anderem das Verfehlen der deutschen Klimaziele sowie die erst nach Verlängerung des Klima-Gipfels erreichte Einigung der Konferenzteilnehmer auf ein UN-Regelwerk in der Klimapolitik. Auf Platz 5 rangierte der Themenkomplex Proteste und Ausschreitungen gegen Emmanuel Macrons Reformpolitik in Frankreich mit 103 Minuten Sendezeit. Berichtet wurde über die sogenannten Gelbwesten-Proteste anlässlich erhöhter Benzinpreise. Vor allem in Paris kam es in der Vorweihnachtszeit zu Ausschreitungen, die Präsident Macron mit Zugeständnissen zu beschwichtigen suchte. Die Rangplätze 6 bis 10 der Topthemenliste belegten die Themenkomplexe Terroranschlag auf Straßburger Weihnachtsmarkt (80 Min.), Tsunami in Indonesien (68 Min.), Tarifkonflikt bei der deutschen Bahn, Ryanair und Amazon (57 Min.), gefolgt von der Berichterstattung zu den Themen USA ziehen Truppen aus Syrien ab (56 Min.) und Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland (43 Min.). 

Nach der Gewichtung der Topthemen unterschieden sich öffentlich-rechtliche und private Nachrichten am meisten bei den Themen Theresa Mays Brexit-Verhandlungen und Weihnachten. Der Brexit-Deal war ein typisch öffentlich-rechtliches, Weihnachten dagegen ein typisch privates Thema.

CDU mit höchster Parteienpräsenz

Nach dem Hype an Aufmerksamkeit, den im November der Rücktritt Angela Merkels vom CDU-Parteivorsitz ausgelöst hatte und zusammen mit den Regionalkonferenzen der CDU einen enormen Vorsprung an Präsenz eingebracht hatte, näherten sich im Dezember die Präsenzwerte der Parteien wieder dem gewohnten Muster an. Zudem hatten alle Parteien saisonbedingt im Weihnachtsmonat weniger Auftritte. Die CDU profitierte von der Wahl der neuen Vorsitzenden und behielt mit deutlichem Vorsprung die Spitzenposition. Auf die CDU entfielen im Dezember 470 Politikerauftritte (im November 612). Die SPD erreichte mit 190 Auftritten nicht einmal die Hälfte der CDU. Die kleineren Parteien folgten in weitem Abstand bei veränderter Rangfolge. Die Grünen hatten 69, die CSU 52 Auftritte, die FDP kam auf 34, die AfD auf 26 und die Linke nur auf 17 Auftritte. Nicht mehr unter den Top-10 Parteien erschienen die Freien Wähler.

Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter mit höchster Präsenz

Bundeskanzlerin Angela Merkel belegte mit 126 Auftritten auch im Dezember bei geringerer Auftrittshäufigkeit als im Vormonat (177 Auftritte) die Spitzenposition, gefolgt von den drei für den CDU-Vorsitz kandidierenden Kandidaten, der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (52), Friedrich Merz (49) und Jens Spahn (45). Alle drei Kandidaten profitierten auch nach der Wahl von den Reaktionen auf das Wahlergebnis. Die Rangplätze 5 bis 10 belegten mit einigem Abstand zur Spitzengruppe Svenja Schulze mit 28 Auftritten, Frank-Walter Steinmeier (25), Wolfgang Schäuble (24), Volker Bouffier (23), Horst Seehofer (20) und Andrea Nahles (19). Auf den weiteren Plätzen von 11 bis 20 erschienen im Dezember Peter Altmaier, Franziska Giffey, Ursula von der Leyen, Olaf Scholz, Katarina Barley, Heiko Maas, Andreas Scheuer, Armin Laschet, Christian Lindner und der neu gewählte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Mit Ausnahme von Christian Lindner (FDP) gehörten alle Parteipolitiker der Top-20 Rangliste im Dezember den Parteien der großen Koalition aus CDU, CSU und SPD an.

Die CDU war mit 10, die SPD mit 6, die CSU mit 2 Politikern vertreten, hinzu kamen die FDP mit einem Politiker und der parteilose Bundespräsident. Grüne, AfD, Linke und Freie Wähler gehörten im Dezember nicht zu den 20 meistpräsentierten deutschen Politikern.  Die Top 20-Rangliste nach Auftrittshäufigkeit in den deutschen Nachrichten repräsentierten im November 13 Politiker und 7 Politikerinnen.

Die Spitzenposition unter den im Dezember auftretenden Auslandspolitikern behauptete wieder mit deutlichem Vorsprung US-Präsident Donald Trump mit 131 Auftritten (vorher 156 Auftritte), gefolgt von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron mit 68 Auftritten (vorher 52), ferner der britischen Premierministerin Theresa May mit 47 Auftritten, und Russlands Präsidenten Wladimir Putin mit 33 Auftritten.

Öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen dominieren die Politikberichterstattung

Der Politikanteil in den öffentlich-rechtlichen Sendungen fiel auch im Dezember bei gewohntem Muster und saisonbedingt geringerem Umfang höher aus als in den privaten Sendungen. In der Tagesschau erreichten die Politikthemen bei einer durchschnittlichen Sendungslänge von 15 Minuten einen Sendezeitanteil von 52 Prozent bei 8 Minuten pro Ausgabe. Die heute-Nachrichten kamen bei durchschnittlicher Sendungslänge von 18 Minuten auf 43 Prozent bei ebenfalls 8 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei einer Sendungslänge von 21 Minuten 22 Prozent der Sendezeit für Politikthemen bei 5 Minuten pro Ausgabe. In den Sat.1 Nachrichten betrug der im Dezember höhere Politikanteil bei einer Sendungslänge von 15 Minuten 36 Prozent der Sendezeit bei 5 Minuten pro Ausgabe.

Die beiden öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine kamen im Dezember nur auf jeweils 27 Sendetage, an den Weihnachtsfeiertagen sowie Silvester und Neujahr wurden sie nicht ausgestrahlt. Die Tagesthemen hatten im Dezember bei einer Sendungslänge von 25 Minuten einen Politikanteil von 49 Prozent bei durchschnittlich 12 Minuten pro Ausgabe. Das heute-journal hatte bei 24 Minuten Sendungslänge einen Politikanteil von 57 Prozent der Sendezeit bei 14 Minuten an Politik pro Ausgabe.  

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Mainz, 10. Januar 2019
ZDF Presse und Information