09.03.2018, 15:30 Uhr - Nachrichten/Aktuelles

Olympische Winterspiele in Pyeongchang waren Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Februar

Top-10 Themen in TV-Nachrichten, Februar 2018

Die ausgeweitete Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang machte dieses Ereignis in Südkorea zum Topthema der deutschen Fernsehnachrichten. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) in seiner monatlichen Nachrichtenanalyse ermittelte, entfielen in Tagesschau 20 Uhr, Tagesthemen, heute 19 Uhr, heute-journal, RTL aktuell und Sat.1 Nachrichten insgesamt 494 Minuten (über 8 Stunden) Sendezeit auf diesen Themenkomplex. An den Tagen der Olympischen Spiele verlängerten die Tagesthemen und das heute-journal ihre Sendedauer um ca. 10 bzw. 15 Minuten. Der Schwerpunkt lag auf Berichten über Wettkämpfe populärer Sportdisziplinen unter besonderer Berücksichtigung deutscher Erfolge. Darüber hinaus befasste sich die Berichterstattung mit diversen Einzelaspekten, die den Rahmen und Randereignisse der Olympischen Winterspiele ausmachten, so etwa die Vorbereitung und Eröffnungsfeier der Spiele, der Empfang des deutschen Olympia-Teams nach der Rückkehr in Frankfurt, ferner das Thema Doping und die Rolle des IOC sowie infrastrukturelle Folgen des Sport-Events in Südkorea. Das Spitzenthema Olympische Winterspiele rangierte in allen Nachrichtensendungen außer den Sat.1 Nachrichten mit dem geringsten Sportanteil auf Platz 1 der Top 10.

 Unter den nachfolgenden Themen der deutschen Politik belegten mit weitem Abstand die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD (228 Min.) den zweiten Rangplatz der Top 10. Berichtet wurde über den Verlauf der Koalitionsgespräche bis zum Koalitionsvertrag, seine Inhalte und über kontroverse Reaktionen aus Parteien, Wirtschaft und Gewerkschaften. Dabei wurden die inhaltlichen Ergebnisse der Koalitionsvereinbarung von Personaldebatten begleitet.

Eine zentrale Rolle vor und nach dem Zustandekommen des Koalitionsvertrags spielten die Machtkämpfe in der SPD und der Mitgliederentscheid zur GroKo (199 Min.) als drittstärkster Themenkomplex. Der Anspruch und dann der Verzicht von Martin Schulz auf das Amt des Außenministers in der zukünftigen Regierung lösten eine intensive Personaldebatte über die Ämterbesetzung in der SPD aus. Die Nachrichten befassten sich ebenso ausführlich damit wie mit den Bemühungen führender SPD-Politiker, die Parteimitglieder in Regionalkonferenzen zur Zustimmung zur Koalition zu bewegen.

 Rangplatz vier unter den Themenschwerpunkten belegte der an Intensität zunehmende Syrienkrieg (194 Min.). Berichtet wurde unter anderem über Kämpfe um Ost-Ghouta, israelische Luftangriffe auf Syrien, türkische Militäreinsätze gegen Kurdenmiliz in Nordsyrien, die Machtlosigkeit der UN und Putins Anordnung einer Feuerpause.

 Weniger Aufmerksamkeit als die SPD-Debatten fand die CDU-Debatte nach den Koalitionsvereinbarungen (166 Min.) in den Nachrichten. Zentrale Aspekte waren die Ernennung der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Generalsekretärin und die von Bundeskanzlerin Merkel auf dem CDU-Parteitag verkündete Ministerliste für die Große Koalition.

 Unter den innenpolitischen Themen erhielt die Diskussion um Gesundheitsgefährdung durch Dieselabgase neuen Nachdruck, nachdem das Bundesverwaltungsgericht Diesel-Fahrverbote in Städten erlaubt hatte (136 Min.). Berichtet wurde über mögliche Problemlösungen durch kostenlosen Nahverkehr, Forderungen an die Autokonzerne nach Hardware-Nachrüstung der Dieselautos sowie über Versäumnisse der Politik und Belastungen der Kommunen.

 Auf den weiteren Rangplätzen der Top 10 folgten mit deutlich weniger Sendezeit Amoklauf an US-High-School und Waffengesetzdiskussion in USA (83 Min.), Freilassung des Journalisten Deniz Yücel in der Türkei (61 Min.), Karneval (47 Min.) und Münchener Sicherheitskonferenz (42 Min.).

 CDU und SPD dominieren die Parteien-Präsenz

 Nach der intensiven Berichterstattung über die SPD-Debatten zum Eintritt in eine Große Koalition, die den Politikern der SPD im Januar den Spitzenplatz in der Parteien-Präsenz gebracht hatte,  rangierte die CDU (566 Auftritte) im Februar nach Beginn der Koalitionsverhandlungen wieder knapp vor der SPD (533 Auftritte). Beide Koalitionsparteien lagen damit in der Häufigkeit der Politikerauftritte weit vor den kleineren Parteien, angeführt von der CSU (89), danach Grüne (74), AfD (53), FDP (37) und Linke (27).

 Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder klar auf dem Spitzenplatz

 Die gleichrangige Präsenz von Martin Schulz und Angela Merkel auf Platz 1 der Rangliste deutscher Politiker im Januar änderte sich im Februar wieder zugunsten der Bundeskanzlerin mit 188 Auftritten vor Schulz mit 104 Auftritten. Nach Schulz rangierten weiterhin vorn Andrea Nahles (88) und Sigmar Gabriel (71). Den größten Sprung machte Olaf Scholz (41) auf Rangplatz 5 und wurde damit in positiver Rolle zum Gewinner im SPD-Racing um zukünftige Positionen in der GroKo. Nach den vier SPD-Politikern folgten auf den weiteren Rangplätzen der CSU-Politiker Horst Seehofer (38) und die CDU-Politiker von der Leyen (38), Spahn (31), Kramp-Karrenbauer (27) und de Maizière (26). Die Plätze 11 bis 20 belegten im Februar Kühnert, Klingbeil, Altmaier, Hendricks, Klöckner, Steinmeier, Schwesig, Göring-Eckardt, Günther und Bartsch. In der Top-20-Rangliste deutscher Politiker waren damit 8 CDU-Politiker, 8 SPD-Politiker (ohne Steinmeier bei ruhender Mitgliedschaft) und jeweils  1 Politiker der CSU, Grünen und Linken präsent. AfD und FDP waren im Februar nicht unter den Top-20 vertreten.

Die Präsenz der Auslandspolitiker führte auch im Februar, allerdings mit geringerer Auftrittshäufigkeit als im Vormonat, wieder Donald Trump (98 Auftritte) an. Auf den Rangplätzen 2 bis 5 folgten der türkische Präsident Erdogan (43), Russlands Präsident Putin (32),  Syriens Präsident Baschar al-Assad (32) und Nordkoreas Führer Kim Jong-un (24).

 Öffentlich-rechtliche Nachrichten trotz Olympia-Berichten führend in der Politikberichterstattung

 ARD und ZDF blieben trotz ausgeweiteter Sportberichterstattung auch im Februar mit Abstand führend in der Politikberichterstattung. Die Tagesschau wendete für Politikthemen einen Sendezeitanteil von 48 Prozent (vorher 47  Prozent) bei durchschnittlich 8 Minuten pro Ausgabe auf. Die längeren heute-Nachrichten kamen auf 44 Prozent (vorher 37 Prozent) bei durchschnittlich 8 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei etwa gleicher Länge wie die heute-Nachrichten für Politikthemen 27 Prozent (vorher 24 Prozent) der Sendezeit bei 6 Minuten pro Ausgabe und die Sat.1 Nachrichten 28 Prozent (vorher 29 Prozent) der Sendezeit bei 5 Minuten pro Ausgabe auf Politikthemen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine kamen durch die ausgeweitete Sportberichterstattung im Februar auf durchschnittlich längere Sendezeiten (30 bzw. 31 Minuten pro Tag) als bei normaler Ereignislage. Auf Politik und Sport entfiel auch hier die meiste Sendezeit. Die Tagesthemen hatten einen Politikanteil von 44 Prozent (vorher 45 Prozent) bei durchschnittlich 13 Minuten (vorher 12 Min.) pro Ausgabe, das heute-journal hatte einen Politikanteil von 50 Prozent (vorher 51 Prozent) der Sendezeit bei 16 Minuten (vorher 13 Min.) pro Ausgabe und war damit stärkster Politikanbieter.

 Den ausführlichen Bericht finden Sie hier.

 Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de

 Mainz, 9. März 2018
ZDF Presse und Information