27.03.2019, 11:55 Uhr - Kultur, Magazine/Interviews

"Populismus – Das Ende der Demokratien?": Francis Fukuyama zu Gast bei "Precht" im ZDF


Richard David Precht im Gespräch mit Francis Fukuyama, Politikwissenschaftler und Bestsellerautor
Copyright: ZDF/Juliane Eirich

Francis Fukuyama ist am Sonntag, 31. März 2019, 23.45 Uhr, zu Gast bei Richard David Precht im ZDF. Der prominente US-Politikwissenschaftler warnt vor der zerstörerischen Macht des Populismus. Fukuyama glaubte nach dem Ende des Ostblocks an den endgültigen Sieg der Demokratie und prägte den Begriff vom "Ende der Geschichte". Aber müsse man heute nicht eher vom drohenden Ende der liberalen Demokratien sprechen? Das fragt Gastgeber Richard David Precht in seiner Sendung "Precht".

Fukuyama bei Precht: "Viele Menschen, die für populistische Parteien stimmen, fühlen sich nicht anerkannt. Sie glauben, die Eliten hätten ihre Wünsche ignoriert, indem sie die Europäische Union stark gemacht und ein Einwanderungssystem eingeführt hätten, das den Charakter ihrer Gesellschaften verändere. Sie fühlen sich in ihrer nationalen Identität bedroht. Das treibt heute viele Menschen zur politischen Rechten."

In seinem gerade erschienenen Buch "Identität" bietet Fukuyama eine neue, eher psychologische Erklärung für den gegenwärtig um sich greifenden Populismus. Vor allem anderen, so Fukuyama, sehne sich der Mensch nach Anerkennung und einer greifbaren Identität. In Anlehnung an Platon interpretiert er die Empörung von Trump-Wählern, Pegida-Anhängern oder Brexit-Befürwortern als eine Reaktion auf den Verlust der eigenen Identität. Es sei weniger die soziale Ungleichheit oder der kaltherzige Neoliberalismus, der die Menschen gegeneinander aufbringe, als der Verlust der eigenen Würde, schreibt Fukuyama.

Fukuyama plädiert für eine Nation, in der alle Platz haben, sich aber auch vorbehaltlos hinter den Staat und seine Verfassung stellen und gemeinsame Werte teilen sollten. Fukuyama kritisiert bei "Precht" die deutschen Einwanderungsgesetze: "Ich denke, dass die geltenden deutschen Gesetze zu restriktiv sind." Das Adjektiv "deutsch" habe immer noch eine ethnische Bedeutung, was sich ändern müsse. "Warum sollte nicht jemand türkischer Herkunft, der fast nur noch Deutsch spricht, der in Deutschland aufgewachsen ist und der die deutschen Gesetze und das Grundgesetz bejaht, warum sollte dieser Mensch sich nicht als ein 'echter' Deutscher begreifen dürfen, verglichen mit jemandem, der ethnisch betrachtet Deutscher ist?"

Die Sendung ist ab Sonntag, 31. März 2019, 8.00 Uhr, in der ZDFmediathek abrufbar.

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Mainz, 27. März 2019
ZDF Presse und Information