23.01.2018, 10:43 Uhr - Reportagen/Dokumentationen

ZDF-Magazin "Frontal 21": Behörden ignorieren Brandschutz an Hochhäusern

Mehrheit der Bundesländer hat die Fassaden noch nicht überprüfen lassen


Copyright: ZDF/Corporate Design

Die Mehrheit der Bundesländer hat nicht überprüfen lassen, ob an den Fassaden von Hochhäusern brennbares Material verbaut ist. Dazu zählen große Flächenländer wie Nordrhein-Westfalen mit knapp 2.400 Hochhäusern, Baden-Württemberg und Bayern, außerdem die Stadtstaaten Bremen und Berlin, die nicht mal die Zahl ihrer Hochhäuser beziffern können. Dies ergeben Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" (Sendung am Dienstag, 23. Januar 2018, 21.00 Uhr). Nach der Katastrophe im Londoner Grenfell Tower im Juni des vergangenen Jahres hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) zugesagt, die Bauministerkonferenz werde "kurzfristig erheben, wo es solche Bauten geben kann". Als Hochhäuser gelten Gebäude, bei denen der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt.

Eine genauere Prüfung haben Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hamburg angeordnet. Die Bauministerien forderten die Bauämter bei den Kreisen und kreisfreien Städten im Juli auf, alle Hochhäuser hinsichtlich brennbarer Baustoffe an den Außenwänden zu überprüfen. Die schrieben daraufhin die Eigentümer an und baten um Nachweise zu den Fassaden. Im Zweifelsfall entnahmen Brandschutzsachverständige Materialproben. Hessen hält eine allgemeine Überprüfungspflicht für unverhältnismäßig, hat aber den unteren Bauaufsichtsbehörden eine Kontrolle der Hochhäuser empfohlen, die vor 1984 errichtet wurden. Auch dort fanden Prüfer in mehreren Städten und Kreisen Fassaden mit brennbaren Materialien.

Anfragen direkt bei den 40 größten deutschen Städten ergaben, dass Städte wie Mainz und Braunschweig bei einer Reihe von Hochhäusern brennbare Materialien fanden. Dort sind Sanierungen geplant. Doch knapp die Hälfte der Städte hat bisher auf eine Prüfung der Fassaden verzichtet, unter anderem Berlin, München, Köln, Düsseldorf, Essen und Leipzig. Für Caren Lay, mieten- und wohnungsbaupolitische Sprecherin der Linken, ein erschreckendes Ergebnis: "Wenn gerade mal die Hälfte der Städte aktiv geworden sind, muss man leider befürchten, dass ein Großteil der Hochhäuser in Deutschland nicht überprüft wurde nach Grenfell. Das kann so nicht sein."

http://frontal21.zdf.de

http://twitter.com/ZDFpresse

http://twitter.com/frontal21

http://facebook.com/frontal21

Ansprechpartner: ZDF-Redaktion "Frontal 21", Michael Hölting,
Telefon: 030 – 2099-1254

 

Mainz, 23. Januar 2018
ZDF Presse und Information