Letzte Instanz – Urteile über Leben und Tod
Film von Peter Dörfler
Texte
In der 75-jährigen Geschichte des Bundesverfassungsgerichts musste Karlsruhe oft extreme Entscheidungen treffen – mit gesellschaftlicher Sprengkraft und massiven Konsequenzen. Immer wieder stand und steht das Bundesverfassungsgericht vor der Entscheidung: Leben schützen, ja! Aber um welchen Preis? Es klingt so einfach und klar: Die Menschenwürde ist unantastbar; Leben ist das höchste Gut. Aber was, wenn Leben gegen Leben steht oder gegen Selbstbestimmung und Freiheit? In Karlsruhe beginnt dann der Kampf der Argumente. Und für die Richterinnen und Richter auch ein innerer Kampf um ethische und moralische Grundsätze. Sie nämlich haben das letzte Wort.
Der Film blickt auf das Jahr 1977, als Arbeitgeberpräsident Schleyer Geisel der RAF ist. Die Doku rekonstruiert den Eilantrag der Familie des Entführungsopfers Hanns Martin Schleyer, die Nachtverhandlung in Karlsruhe und das Ringen um die Verantwortung des Staates für jedes einzelne Leben seiner Bürger. Hanns-Eberhard Schleyer, der Sohn des Entführten, führt als Zeitzeuge zurück in einen historischen Ausnahmezustand: das Hoffen und Bangen der Familie zu Hause und das juristische Duell mit der Bundesregierung vor Gericht unter dem Zeitdruck eines Ultimatums der Entführer. Und die Situation spitzte sich noch weiter zu: Während die Rote-Armee-Fraktion Schleyer gefangen hielt, gerieten auch Menschen an Bord der Lufthansa-Maschine "Landshut" in die Gewalt von Terroristen. Es war die wohl dramatischste Nach in der Geschichte des Verfassungsgerichts.
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