37°Leben: Warum glaubst du?

Vierteilige Reihe darüber, wie junge Menschen ihren Glauben leben

Warum halten junge Menschen an ihren Glauben fest und leben danach? Welche Rolle spielt ihre Religion bei den vier großen Lebensthemen – der Liebe, der Hoffnung, dem Tod und der Schuld? Das will Saadet Czapski, die durch die Reihe führt, herausfinden und macht sich an den vier Adventssonntagen in der Reihe "37°Leben: Warum glaubst du?" auf die Suche nach Antworten. 

  • ZDF, alle vier Teile sonntags, ab 27. November 2022, um 9.03 Uhr
  • ZDF Mediathek, freitags vor Ausstrahlung der jeweiligen Sendung, jeweils fünf Jahre lang

Texte

Vorwort von Jürgen Erbacher, Redaktionsleiter Kirche & Leben katholisch

Die Sehnsucht nach Spiritualität ist groß, aber muss es gleich die Zugehörigkeit zu einer der traditionellen Religionen sein? Junge Menschen, die sich mit Glaubensdingen befassen, suchen heute eher den persönlichen Zuschnitt, "basteln" sich ihre eigene Religion: Was habe ich davon, was bringt mir das, was kann ich erleben?

"Warum glaubst du?" ist die Frage, mit der wir unsere ZDF-Kollegin Saadet Czapski losgeschickt haben. Sie bezeichnet sich selbst nicht als gläubig, ist aber neugierig, wo und wie junge Leute im Glauben einen Mehrwert für sich sehen. Es geht dabei um existenzielle Lebensfragen und darum, wie die Religionen dabei helfen können, Antworten zu finden.

Wir fragen aber nicht ganz allgemein danach, warum bist Du Buddhist, Jude, Muslim oder Christ? Saadet will herausfinden, welche Rolle der Glaube oder die Spiritualität bei vier großen Lebensthemen spielen – der Liebe, der Hoffnung, dem Tod und der Schuld.

Wir waren sehr gespannt, welche Erkenntnisse Saadet mitbringt. Und ich kann versprechen, sie hat von ihrer emotionalen Erkundungsreise viele überraschende und beindruckende Einsichten mitgebracht. Impulse, die anregen, Religiosität einmal in einem neuen Licht zu sehen.

Übersicht der Sendetermine

Sonntag, 27. November 2022
9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du? 
1. Die Liebe

Film von Felix Kost

Sonntag, 4. Dezember 2022
9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du? 
2. Die Hoffnung

Film von Leonie Litschko

Sonntag, 11. Dezember 2022
9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du?
3. Der Tod

Film von Felix Kost

Sonntag, 18. Dezember 2022
9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du?
4. Die Schuld

Film von Simone Matheis, Deutschland 2022

Warum glaubst du? Die Liebe (1/4)

Sonntag, 27. November 2022, 9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du? 
1. Die Liebe

Film von Felix Kost

Der Glaube und die Liebe, wie passen sie zusammen? Lieben religiöse Menschen anders? Host Czapski Saadet will wissen: Was bringt der Glaube jungen Paaren in der Liebe, wo ist der Mehrwert, und bieten Glaubensgemeinschaften heute auch queeren Menschen eine Heimat?

Katharina arbeitet als Sozialpädagogin, und Benedikt ist Angestellter des Bistums Mainz. Beide sind katholisch. Das junge Ehepaar hat eine neun Monate alte Tochter und lebt in Mainz. Beide sind christlich sozialisiert, er als Messdiener und sie als Tochter eines Diakons christlich sozialisiert, der Glaube spielt für sie auch im Alltag eine wichtige Rolle. Katharina betet frei über Dinge, die sie in ihrem Leben bewegen, und auch das Gebet zum Abendessen oder vor dem Einschlafen ihrer Tochter sind für sie feste Rituale. Die Weitergabe des Glaubens an ihre Tochter – darin sehen die jungen Eltern auch eine Aufgabe ihrer Ehe. Die Ehe vor Gott und das geleistete Eheversprechen geben ihrer Partnerschaft eine besondere Tiefe und verleihen ihnen eine Stärkung in den schweren Lebensphasen, die sie schon gemeinsam meistern mussten. Darüber will Saadet mit ihnen sprechen und sie will auch wissen: Teilen sie die Haltung der katholischen Kirche zu Liebe und Partnerschaft ausnahmslos, oder sehen sie auch Kritikpunkte?

Zakaria und Hannah sind ein interreligiöses Ehepaar und leben in Berlin. Zakaria, der neben dem Studium als Bauingenieur arbeitet, ist Muslim, Hannah, die Politik, Wirtschaft und Public Economics studiert, Katholikin. Das Paar hat vor zwei Jahren nach islamischem Ritus geheiratet. Beide nutzen die Möglichkeiten aus, die ihr jeweiliger Glaube dem Zusammenleben eröffnet. Ihre Kinder wollen sie nach dem islamischen Glauben erziehen, aber auch mit dem Christentum in Kontakt bringen. Hannah und Zakaria konzentrieren sich in ihrem Zusammenleben auf die Gemeinsamkeiten der Religionen. Sie erkennen in sich das gleiche Wertegerüst, auch wenn der jeweilige Partner einer anderen Religion angehört. Eine Ehe mit einer nicht religiösen Person käme für beide nicht in Frage. Saadet stellen sich viele Fragen: "Kauft ihr einen Weihnachtsbaum?", "Fastet Hannah während des Ramadan mit?" oder "Kocht ihr halal?" – Saadet will wissen, wie die beiden mit solchen Fragen umgehen und wieso ihr Zusammenleben dazu geführt hat, dass sich die beiden mit ihrer eigenen Religion intensiver auseinandersetzen.

Monty Ott ist queerer Jude. Er arbeitet im Bundestag für eine Abgeordnete, ist außerdem Publizist und schreibt gerade an seiner Doktorarbeit über die Geschichte des queeren Judentums. Saadet trifft Monty in Berlin und fragt ihn, wie queeres Leben in jüdischen Gemeinden einfließt. Dabei spricht sie mit ihm auch über seine persönliche Perspektive. Monty ist als bisexueller Jude in Hannover aufgewachsen. Er hatte sich in der dortigen Gemeinde nach seinem Coming Out ausgegrenz gefühlt. Monty selbst hat den Eindruck, als bisexueller Jude oft als Widerspruch wahrgenommen zu werden. Aber er ist überzeugt: Queersein und Judentum haben eine gemeinsame Geschichte und schließen sich nicht aus. In Berlin hat er gemeinsam mit Gleichgesinnten den Verein "Keshet" gegründet, eine Initiative, deren Ziel es ist, queeres jüdisches Leben in der Gesellschaft und in jüdischen Gemeinden sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.

Warum glaubst du? Die Hoffnung (2/4)

Sonntag, 4. Dezember 2022, 9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du? 
2. Die Hoffnung

Film von Leonie Litschko

Wird am Ende wirklich alles gut? Saadet will herausfinden, wie junge Menschen mithilfe der Religion persönliche und globale Krisen angehen. Woher nehmen sie ihre Hoffnung?

Benjamin ist Neurowissenschaftler am psychologischen Institut Osnabrück und Buddhist. Statt mit Anfang 20 ein ausgelassenes Studentenleben zu führen, sitzt Benjamin oft tagelang im dunklen Zimmer: Er hat extreme Migräneanfälle, die sich im weiteren Verlauf zu Clusterkopfschmerzen entwickeln. Als er über die Wirkung von Meditation liest, beginnt er, sich für Buddhismus und buddhistische Meditation zu interessieren. Eines Nachts, nachdem er schon mehrere Stunden meditiert hat, sieht er nur noch helle flackernde Lichter. Seit diesem Erlebnis sind seine Schmerzen wie weggeblasen. Für Benjamin ist das der Beginn eines neuen Lebens und der Beweis: Die buddhistischen Lehren ergeben Sinn, alles, was Buddha über den menschlichen Geist herausgefunden hat, trifft für ihn zu. Saadet trifft Benjamin beim Motorradfahren, wo er genau wie beim Meditieren im Flow und ganz konzentriert nur im Hier und Jetzt ist. Er zeigt ihr, wie und wo er täglich meditiert und leitet sie an, es selbst auszuprobieren. Saadet will wissen: Ist buddhistische Meditation mehr als nur eine Entspannungstechnik? Wie erklärt er sich seine Erfahrung? Muss man an den Buddhismus glauben, damit Meditation funktioniert?

Baraa aus Darmstadt ist Wirtschaftsingenieur für Solaranlagen, Diana aus Hannover ist Journalistin und Religionswissenschaftlerin. Beide sind muslimischen Glaubens und kämpfen gegen die Klimakrise. Sie glauben, dass es ihre Aufgabe als Muslime ist, die Schöpfung zu bewahren und ein nachhaltiges Leben zu führen. Dafür engagieren sie sich gemeinsam im Verein "Nour Energy". Die Vereinsgeschichte beginnt 2010 mit der Idee einiger junger Studentinnen und Studenten, Photovoltaikanlagen auf Moscheen zu errichten. Baraa erklärt Saadet, wieso für ihn der Islam "grün" ist und wie er versucht, diesen Gedanken an möglichst viele Muslime weiterzugeben. In Neu-Anspach im Taunus organisiert der Verein ein muslimisches Retreat. Ein Wochenende lang sollen die Teilnehmerenden die Verbindung zwischen Glauben und Natur selbst spüren. Neben Vorträgen und Gebeten haben sie sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen 1000 Bäume pflanzen. Saadet packt mit an und fragt bei Baraa und Diana nach: Wie kann der Glaube ihnen Hoffnung schenken angesichts der drohenden Klimakatastrophe? Wenn Gott allmächtig ist, wieso sorgt er dann nicht dafür, dass es der Erde wieder gut geht?

Magali arbeitet im Modebusiness in München und ist Christin in einer Freikirche. Saadet besucht mit Magali einen freikirchlichen Gottesdienst in München. In einer Diskothek, in der vor wenigen Stunden noch Menschen ausgelassen tanzten, findet in abgedunkelter Konzertatmosphäre der sonntägliche Gottesdienst statt. Wichtigster Teil am Anfang und Ende des Gottesdienstes sind für Magali die Worship-Songs, die Lobpreislieder. Christliche Pop-Songs, die Gott preisen und Magalis Herz berührten, als sie in einer schweren Zeit zum ersten Mal einen solchen Gottesdienst besuchte. Sie und ihr Mann versuchten damals seit längerer Zeit vergebens, ein Kind zu bekommen. Magali findet in ihrem Glauben Halt und neue Hoffnung und erkennt für sich: Gott liebt mich und hält ein erfülltes Leben für mich bereit, egal ob ich Mutter werde oder nicht. Diese Gedanken möchte Magali weitergeben. Sie gründet ein christliches Netzwerk, in dem sich Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch austauschen können – online und in vielen Kleingruppen in ganz Deutschland. Saadet und Magali treffen eine Freundin. Diese erzählt, wie ihr Magalis Netzwerk in ihrer Kinderwunschzeit hilft und ihr immer wieder Hoffnung schenkt. Was bedeutet der Beistand Gottes für Magali und ihre Freundin? Welche Kraft liegt für sie im Gebet und in den Worship-Songs? Und was unterscheidet ihre christliche Gruppe von anderen Selbsthilfegruppen?

Warum glaubst du? Der Tod (3/4)

Sonntag, 11. Dezember 2022, 9.03 Uhr
37°Leben: Warum glaubst du?
3. Der Tod

Film von Felix Kost

Am Ende ist dann alles einfach vorbei? Das kann doch nicht sein. Saadet fragt, warum gläubige junge Menschen an ein Leben nach dem Tod glauben. 

Johannes Mickenberger ist ein YouTube-Star und Mitgründer des YouTube-Kanals "The Real Life Guys". In seinem jungen Leben hat er schon tragische Verluste im engsten Familienkreis erfahren müssen: Seine Schwester Elisabeth kam 2018 bei einem Sportflugzeugabsturz ums Leben, sein Zwillingsbruder Philipp erlag im Sommer 2021 einem wiederkehrenden Lymphdrüsenkrebs. Johannes und Philipp hatten in den Jahren zuvor einen der größten deutschen YouTube-Kanäle etabliert. In ihren Videos zeigten die Brüder verrückte Do-it-Yourself-Bauprojekte, die sie gemeinsam mit ihren Freunden und Unterstützer umsetzten. Auch sein Krebsleiden hat Philipp öffentlich gemacht und von seinem Glauben an Gott erzählt. Die starke Religiosität der Brüder und Philipps unerschütterlicher Glaube im Angesicht des eigenen Todes beeindruckte viele Menschen. Philipp starb am 17. Juni 2021, sein Bruder führt den Kanal nun weiter. Saadet spricht mit Johannes über seinen Glauben: Wie hat er ihn gefunden, wie nach all diesen Schicksalsschlägen behalten – und glaubt er tatsächlich an ein Wiedersehen mit Philipp im Himmel?

Tuba aus Wetzlar arbeitet als Palliativpflegerin in den Lahn-Dill-Kliniken Wetzlar. Die bekennende Muslimin begleitet Patienten jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Glaubensrichtung durch die letzte Lebensphase. Tuba liegt ein würdevoller Tod der Menschen am Herzen. Sie ist eine wichtige Bezugsperson für die Patienten und deren Angehörige. Im Angesicht des nahenden Todes konfrontieren die Patientinnen und Patienten Tuba viele Wünsche und Sehnsüchte, auf die sie einzugehen versucht. Der Tod als Ziel, würdevolles Sterben, ein gutes Ende und einen Sinn im Leben zu erkennen kurz vor dem Tod – das sind Tubas Leitmotive. Zwei Kraftquellen stützen die Palliativpflegerin bei ihrer Arbeit: ihr unerschütterlicher Glaube und das empathische Stationsteam. Saadet trifft Tuba und begleitet sie einen Tag lang bei ihrer sensiblen Arbeit im Klinikum. Dabei spricht sie mit ihr über den Glauben und darüber, wie sie als Muslimin den Tod sieht und ihm begegnet.

Tu-Tam ist Buddhistin und Tempelschülerin in der Vién-Giâc-Pagode in Hannover. Sie hilft bei allen anfallenden Arbeiten: Sie fegt den Hof der weitläufigen Anlage, stattet die Schreine und Altäre mit Räucherstäbchen und Opfergaben aus und macht Besorgungen für die Mönche. All das macht sie ehrenamtlich und mit der Motivation, ein gutes Karma zu erzeugen. Dieses Karma soll sich direkt auf ihr jetziges und ihr nächstes Leben auswirken, denn das Prinzip der Wiedergeburt hängt eng zusammen mit der Idee des Karmas. Jeder Mensch hat im Prinzip sein persönliches "Karma-Konto", das im besten Fall mehr gute Taten als schlechte Taten vorweist. Saadet spricht mit der Tempelschülerin über ihre buddhistische Sichtweise auf das Lebensende. Sie erfährt, was es mit dem Konzept der Wiedergeburt auf sich hat, und nimmt an Gebetsritualen teil, in denen die Hinterbliebenen ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken. Welche Auswirkungen hat eine gute Lebensführung auf die Wiedergeburt? Das erfährt Saadet bei ihrem Tag in der Pagode.

Warum glaubst du? Die Schuld (4/4)

Sonntag, 18. Dezember 2022, 9.03 Uhr 
37°Leben: Warum glaubst du? 
4. Die Schuld 

Film von Simone Matheis, Deutschland 2022

Wie kann Religion helfen, wenn man etwas verbockt hat? Saadet will wissen, warum es wichtig ist, dass Menschen Fehler bereuen, und wie man als gläubiger Mensch Vergebung erlangen kann. 

Enes aus Osnabrück ist muslimischer Gefängnisseelsorger und studiert nebenbei auf Lehramt. Bei seiner Arbeit im Gefängnis hat er täglich mit der Schuld anderer zu tun. Im Gespräch mit den Inhaftierten geht es darum, wie seine Religion helfen kann, mit Fehlern umzugehen. Der Islam unterscheidet, ob man Fehler vor Gott zu verantworten hat oder Schuld gegenüber anderen auf sich geladen habe. Während es verschiedene Bedingungen gibt, um Vergebung von Gott zu erlangen, kommt bei Vergehen gegen Mitmenschen eine weitere Bedingung dazu: die Entschuldigung und die Wiedergutmachung. Aber kann man jede Schuld wieder gut machen? Oder wieso brauchen wir das Gefühl, die Schuld ist irgendwann aufgehoben und überwunden? Saadet begleitet Enes in die Justizvollzugsanstalt und darf bei seinen Seelsorgegesprächen mit Inhaftierten dabei sein.

Georgiy ist jüdischen Glaubens und arbeitet als Account Manager. Er ist in der Ukraine geboren, lebt aber seit seiner Kindheit in Deutschland, zurzeit in Berlin. An Jom Kippur, dem Fest der Versöhnung,dem wichtigsten jüdischen Feiertag, verlässt er seine Wohnung nicht. Er fastet, denkt nach, lässt mithilfe alter Fotos auf dem Handy das letzte Jahr Revue passieren. Sind noch Dinge offen? Muss er sich für etwas entschuldigen? Am liebsten regelt Georgiy das direkt, aber Jom Kippur ist Anlass, intensiver über alles nachzudenken. Im vergangenen Jahr ist eine gute Freundschaft zu Ende gegangen. Da musste Georgiy verzeihen und loslassen. Davor hat er eine Beziehung unschön beendet und möchte seine Ex-Freundin um Verzeihung bitten. Saadet fragt Georgiy, wie er den jüdischen Feiertag für sich selbst nutzt und wie elementar der Glaube für ihn ist.

Holly ist Buddhistin, Studentin und Schauspielerin. Als andere konfirmiert wurden, hat sie sich bewusst für den Buddhismus entschieden. Sie engagiert sich im Tibet-Zentrum Hannover, wo sie das dortige Homeless-Care-Projekt unterstützt und mehr als 100 Menschen ohne Obdach oder in Armut mit gesunden Mahlzeiten versorgt. Jeden Tag hat ein Buddhist die Möglichkeit, durch sein Tun sein Karma-Konto aufzubessern. Saadet will wissen: Wie genau funktioniert das mit dem Karma-Konto? Kann man einfach Gutes tun, nachdem man Mist gebaut hat, und wird so seine Schuld wieder los? Warum es nicht ganz so einfach ist und welche Rolle Karma in Hollys Alltag spielt, erfährt Saadet bei ihrem Besuch in Hannover.

"Mich hat wirklich beeindruckt, wie sehr der Glaube auch jungen Menschen Halt geben kann" – Interview mit Saadet Czapski

Saadet, wie ist deine eigene persönliche Haltung zum Glauben?

Ich bin interreligiös aufgewachsen, war auf einer katholischen Mädchenschule und habe als Kind mit meiner Familie nicht nur Weihnachten, sondern auch das Zuckerfest gefeiert. Trotzdem spielen Glaube und Religion aktuell in meinem Alltag kaum eine Rolle – und ich habe den Eindruck, dass geht vielen in meiner Generation so. Deshalb finde ich es so spannend zu schauen, warum junge Leute heute überhaupt noch religiös sind.

Wie bist du auf die Protagonistinnen und Protagonisten zugegangen und was war der Fokus? Was hat dich interessiert?

Für mich war der Dreh eine Entdeckungsreise in eine Lebenswelt, mit der ich sonst kaum in Berührung komme. Umso gespannter war ich darauf, unsere Protagonistinnen und Protagonisten kennenzulernen, in deren Leben Glaube und Religion auf ganz unterschiedliche Art eine zentrale Rolle spielen. Ich wollte wissen: "Warum glaubst du?" und tiefer nachvollziehen, weshalb junge Menschen – zum Teil trotz Widerständen, persönlichen Herausforderungen oder Kritik – an ihrer Religion festhalten oder überhaupt erst zum Glauben gefunden haben, und welche positiven Effekte er auf ihr Leben hat.

Welche Themen waren besonders herausfordernd für dich als Host der Reihe?

Am nervösesten war ich vor dem Dreh zum Umgang mit dem Tod. Wir trafen Johannes, der seinen Zwillingsbruder vor einem Jahr an Krebs verloren hat. Er hat uns sehr emotionale und persönliche Geschichten anvertraut. Ein sensibles Thema, bei dem ich feinfühlig nachfragen und verstehen wollte, warum gerade der Glaube – bei allem, was er erlebt hat – ihm Trost und Hoffnung gegeben hat. Gleichzeitig war es mir wichtig, trotz solch emotionaler Gespräche die journalistische Distanz zu wahren und Einstellungen zum Glauben auch hinterfragen zu dürfen. Ein Balanceakt also, der mir hoffentlich gelungen ist.

Welche Anekdote vom Dreh ist besonders bei dir hängen geblieben?

Rückblickend muss ich am meisten über den allerersten Drehtag lachen. Ich habe für die Folge über die Liebe ein interreligiöses Paar kennengelernt und abends mit ihnen gemeinsam für ihre Freunde und Familie halal gekocht. Die Küche war super eng, beide haben das Rezept zum ersten Mal ausprobiert, und wir waren viel zu spät dran. Als die ersten Gäste geklingelt haben, waren wir noch nicht mal ansatzweise fertig. Während sie also im Wohnzimmer gewartet haben, haben wir in der Küche in Highspeed gekocht. Und nebenbei habe ich das Pärchen noch über ihren Glauben und Konflikte und Kompromisse in ihrer Beziehung ausgefragt. Was ein Akt!

Was man im Film Gott sei Dank nicht sieht: Die Kartoffeln waren später beim Essen noch ganz schön hart. Der Rest hat aus kulinarischer und redaktioneller Sicht zum Glück geklappt. 

Hast du nach den Begegnungen und Erfahrungen mit den selbst einen anderen oder neuen Blick auf Glauben und Religion bekommen?

Ich kann jetzt besser nachvollziehen, welche Kraft, Stärke und Zuversicht Menschen in ihrem Glauben finden können. Mich hat wirklich beeindruckt, wie sehr der Glaube auch jungen Menschen in meinem Alter in Krisen, aber auch im Alltag Halt geben kann. Dieses Grundvertrauen – davon kann ich auch für mein Leben etwas mitnehmen.

Was hoffst du, mit dieser Reihe bei den Zuschauerinnen und Zuschauern zu bewirken? Oder: Was glaubst du, kann diese Reihe leisten, oder wozu kann sie beitragen?

Ich hoffe, unsere Reihe zeigt, wie spannend es sein kann, neue Perspektiven und Lebenseinstellungen kennenzulernen – wenn man offen und ohne Vorurteile auf andere Menschen zugeht. Außerdem hat sich für mich gezeigt, dass die verschiedenen Glaubensrichtungen ganz viele Gemeinsamkeiten haben und gar nicht so verschieden sind, wie man vielleicht denken mag.

Das Interview führte Harald Hamm, Redaktion Kirche & Leben katholisch

Biografie Saadet Czapski

geboren am 19. März 1997 in Oberhausen

Berufliche Laufbahn

2020–2022: ZDF-Volontärin

2018–2020: On-Reporterin/Presenterin für das funk-Format "reporter" (WDR)

2019–2020: ZDF Digital Medienproduktion GmbH, Autorin für die Sendereihen "terra Xpress", "zdf.reportage" und "37 Grad" (Social Media)

2018–2019: On-Reporterin für "maiLab"

2017–2018: ZDF Digital Medienproduktion GmbH, Redaktionsassistentin für "Terra Xpress"

Ausbildung

2020–heute: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Masterstudium Programm- und Redaktionsmanagement

2016 – 2020: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Bachelorstudium Soziologie/Ethnologie

Stab

Autorinnen und Autoren: Felix Kost, Leonie Litschko, Simone Matheis

Kamera: Matthias Martinez, Robinson Krause, Jonathan Gaubatz, André D Conrad

Schnitt: Matthias Martinez, Robinson Krause, Jonathan Gaubatz, André D Conrad, Hendrik Ribbe

Ton: Tim Bornemann, Hendrik Ribbe, Nestor Claveria, Bobby Dehzad, David Rudolph

Mischung: Stephan Höfler

Produktionsleitung: Dennis Dörfelt

Redaktionelle Mitarbeit Kunamo: Sina Rosenzweig

Redaktionelle Mitarbeit ZDF: Tanja Jänsch, Daniela Becker

Redaktion: Harald Hamm, Matthias Wiesel

Produktion: Steffen Heinemann, Marion Kempe

Leitung der Sendung: Jürgen Erbacher

Weitere Informationen

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