Stille Post

Spielfilm aus der Redaktion Das kleine Fernsehspiel

Als der Berliner Grundschullehrer Khalil (Hadi Khanjanpour) Kriegsbilder aus seiner kurdischen Heimatstadt Cizre zugespielt bekommt, meint er, in den Videos seine tot geglaubte Schwester zu erkennen. Er setzt alles daran, sie in Sicherheit zu bringen und die Öffentlichkeit über den brutalen Krieg zu informieren. Doch als seine Existenz in Berlin auf dem Spiel steht, muss er sich fragen, wo er hingehört.

  • ZDF, ad ut Montag, 22. Januar 2024, 23.50 Uhr
  • ZDF Mediathek, ad ut Ab Freitag, 19. Januar 2024, 90 Tage lang in der ZDFmediathek

Texte

Stab und Besetzung

Stille Post
Spielfilm, Deutschland 2022

Stab
Buch und Regie                     Florian Hoffmann
Kamera                                  Carmen Treichl
Schnitt                                   Marco Rottig
Ton                                         Adel Gamehdar
Musik                                     Niklas Paschburg
Szenenbild                             Anne Storandt, Winnie Christiansen
Kostüme                                 Laura Kirst
Produzent/Produzentin          Alexander Wadouh, Roxana Richters
Producerin                             Anna Werner
Produktion:                            Chromosom Film GmbH in Koproduktion
                                              mit Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
                                              gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg
Redaktion                              Jörg Schneider, ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Länge                                     circa 88 Minuten

Besetzung
Khalil                                      Hadi Khanjanpour
Leyla                                       Kristin Suckow
Hamid                                     Aziz Capkurt
Yara                                        Sesede Terziyan
Melda                                     Melda Kanbak
Chefredakteurin                     Jeanette Hain
Cihan                                      Vedat Erincin
Jakob                                     Jacob Matschenz
Elsa                                        Barbara Philipp
Dennis                                    Konrad Singer
Senem                                    Zübeyde Bulut
Junge Kurdin                          Hevnîn Tekin
und andere

Inhalt

Als der Berliner Grundschullehrer Khalil Kriegsbilder aus seiner kurdischen Heimatstadt Cizre zugespielt bekommt, meint er, in den Videos seine tot geglaubte Schwester zu erkennen. Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen. Er setzt alles daran, seine Schwester in Sicherheit zu bringen und die Öffentlichkeit über den brutalen Krieg zu informieren. Als seine Existenz in Berlin auf dem Spiel steht, muss er sich fragen, wo er hingehört.

Über die kurdische Gemeinschaft, von der er sich eigentlich längst abgewandt hatte, versucht Khalil, mit seiner Schwester Senem in Kontakt zu kommen. Im Gegenzug wird von ihm verlangt, die Kriegsvideos in die deutschen Nachrichten zu bringen. Doch er merkt schnell, dass die Geheimoperation des türkischen Militärs für die Medien keinen News-Wert hat. Erst als Khalil und seine Freundin Leyla die Videos manipulieren und direkt in den Agenturserver einspeisen, bekommen sie die erhoffte mediale Aufmerksamkeit. Der Krieg kommt in die Schlagzeilen, und eine hitzige politische Debatte entflammt. Doch der Konflikt bleibt nicht auf den Bildschirmen. Der ferne Krieg setzt sich in der Diaspora fort, und auf den Berliner Straßen kämpfen türkische und kurdische Demonstranten. Als der Konflikt schließlich auch Khalils Schulkasse erreicht, realisiert er, dass es nicht mehr nur darum geht, im Wettbewerb der Nachrichtenbilder zu bestehen, sondern auch, sein eigenes Leben in Berlin zu schützen.

Statement des Regisseurs Florian Hoffmann

Meine Reise mit diesem Film begann 2015 als ich mitbekam, wie ein Vorfall in der Türkei meine kurdischen und türkischen Freunde in Berlin über Nacht entzweite. Das türkische Militär hatte in einer Nacht- und Nebelaktion die kurdische Stadt Cizre umzingelt und eine Ausgangssperre über sie verhängt: Niemand durfte die Stadt betreten – keine Journalist*innen, keine Politiker*innen, nicht einmal Krankenwagen. Die Bewohner*innen von Cizre waren gefangen in ihrer eigenen Stadt. Kurz darauf begann das türkische Militär Cizre zu bombardieren. Was an diesem Fall besonders war: Die Militäroperation ging mit einer Medienstrategie einher. Die Stromverbindung der Stadt wurde gekappt, das Internet abgestellt und Störsender errichtet, die den Handyempfang der Bewohner*innen verhinderten. Das türkische Militär wollte sichergehen, dass kein Bild dieser Geheimoperation die Stadt verlässt.
n der Berliner Diaspora kursierten allerlei Gerüchte und Fake-News über die Geschehnisse in Cizre. Um mehr zu erfahren, musste ich selbst hinfahren. Mir als deutscher Staatsbürger war dies eher möglich als meinen türkischen und kurdischen Freunden. Erst nach 79 Tagen wurde die Ausgangssperre für wenige Tage aufgehoben. Ich fand eine zerstörte Stadt vor und sprach mit traumatisierten Einwohner*innen. Zugleich sicherte ich die Videos, die die Bewohner*innen von Cizre heimlich mit ihren Handys gedreht hatten, und die Angriffe und Menschenrechtsverletzungen während der Ausgangssperre belegten. Dokumente, die beweisen, was die türkische Regierung im Übrigen bis heute vor dem
UN-Untersuchungsausschuss negiert. Zurück in Deutschland: Cizre lag in Schutt und Asche, tausende unschuldige Menschen waren ums Leben gekommen oder schwer verletzt – aber in unseren Medien wurde es mit keiner Zeile erwähnt! Ich setzte meine Recherche in verschiedenen Nachrichtenagenturen fort und wollte wissen: Warum wird über manche Kriege berichtet und andere einfach übergangen? Oder anders gefragt: Was brauchen Kriegsbilder, um im Wettbewerb um Medienaufmerksamkeit konkurrieren zu können? Es wurde eine dreijährige Drehbuchrecherche. Doch das Herzstück von "Stille Post" sind die authentischen Handyvideos aus der kurdischen Krisenregion. Sie erinnern an die Videoaktivisten, die mutig jene Kriege dokumentieren, die in unserer Medienwelt keinen Platz finden – und denen dieser Film gewidmet ist.

Preise und Festivals – eine Auswahl

Preise und Auszeichnungen

- Prädikat "Besonders Wertvoll"
- Achtung Berlin: Bestes Drehbuch und Bester Schauspieler

Festivals

- Internationale Hofer Filmtage
- Thessaloniki Int. Film Festival
- Tallinn Black Night Int. Film Festival
- Filmfestival Max Ophüls Preis
- Achtung Berlin Int. Film Festival
- Madrid German Film Festival
- Golden Apricot Int. Film Festival
- Solothurner Filmtage
- Filmfest Osnabrück
- Oaxaca Film Fest
- Buenos Aires BAFICI

Biografie Florian Hoffmann (Buch und Regie)

Florian Hoffmann wurde 1987 in Berlin-Kreuzberg geboren. Nach dem Abitur absolvierte er ein Bachelor-Studium der Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaften an der Universität Basel. 2011 begann er sein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Sein erster Kurz-Dokumentarfilm "Hotel der Diktatoren" porträtiert die Angestellten eines zentralafrikanischen 5-Sterne-Hotels, die im leeren Prunkhotel auf das Ende des Krieges warteten. Sein Dokumentarfilm "Arlette. Mut ist ein Muskel" ist eine Langzeitbeobachtung und begleitet ein zentralafrikanisches Mädchen auf ihrer beschwerlichen Reise nach Deutschland. In "Egal gibt es nicht" folgt Florian einer jungen Aktivistin in ihrem politischen Kampf gegen den Rechtspopulismus.

"Stille Post" ist Florian Hoffmanns erster Spielfilm. Aktuell nimmt er an dem Programm der Drehbuchwerkstatt München teil und bereitet seinen zweiten Kinofilm vor.

Weitere Informationen

Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/stillepost

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