Tod in Mombasa

Frei nach den Romanen von Lena Blaudez

Wirtschaftskrimi mit Heino Ferch in der Hauptrolle: Der deutsche Fotoreporter Moritz Wagner kehrt in seine afrikanische Wahlheimat zurück, um den rätselhaften Tod seiner Frau aufzuklären. Dabei stößt er auf ein System veruntreuter Entwicklungsgelder.

  • ZDF, ad ut Montag, 5. Februar 2024, 20.15 Uhr
  • ZDF Mediathek, ad ut Samstag, 27. Januar 2024, 10.00 Uhr

Texte

Unerlässlich, um Menschen aufzurütteln

Über die spannende Mordermittlung hinaus macht der Wirtschaftskrimi "Tod in Mombasa" auf ein aktuelles Thema aufmerksam: die menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen, mit denen Kobalt in vielen Minen im Kongo abgebaut wird. Kobalt ist wichtig für unsere zukunftsweisenden E-Autos und ein gar nicht so "sauberer" Rohstoff.

Ein zweites Thema spielt im Film eine wichtige Rolle: die fotografische Dokumentation von Krieg und dessen fatale Folgen. Unerlässlich, um Menschen aufzurütteln. Aber diese Tätigkeit hinterlässt auch traumatisierende Erfahrungen beim Reporter selbst, der alles ungefiltert als Augenzeuge sieht.

Heino Ferch spielt diesen Kriegsfotografen Moritz Wagner, der in eigener Sache ermittelt, auf eindringliche Weise. Hinter der vermeintlich starken männlichen Fassade gestattet uns Ferch Einblicke in die verletzte, einsame Seele des Fotografen, dessen Ehe an seinem Beruf zu zerbrechen droht. Und natürlich spielt die Analyse und Rekonstruktion von alten Fotos eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung des Falls.

Matthias Pfeifer
Redaktionsleiter Fernsehspiel II

Stab, Besetzung, Inhalt

Buch und Regie                 Jörg Lühdorff

Kamera                              Philipp Timme

Schnitt                               Ollie Lanvermann

Ton                                     Giannis Antipas, Nikolaos Drakos

Szenenbild                         Pierre Pfundt

Kostüme                             Monika Hinz

Maske                                 Nadia Homri

Musik                                  Oli Biehler

Produzenten                       Michael Souvignier, Till Derenbach, Katrin Kuhn

Produktion                         Zeitsprung Pictures GmbH

Redaktion                          Matthias Pfeifer

Länge                                88 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darsteller*innen

Moritz Wagner                    Heino Ferch

Caroline Jakobs                 Katharina Schlothauer

Nicole Wagner                    Barbara Philipp

Kommissar Lomboto          Errol Trotman Harewood

Jürgen Oehlert                   Christian Erdmann

Aluna Wagner                    Samirah Breuer

Farrah Wagner                   Dayan Kodua

Pascale Olembe                 Fathia Ojikutui

Yaka                                   Alex Tsanghu

Dominic Olunga                 Clovis Kasanda

Benjamin Mudimbe            Tony Harrisson Mpoudja

Akono                                 Gift Jesse

und andere

Der deutsche Fotoreporter Moritz Wagner erhält einen Anruf aus Kenia. Schockiert erfährt er, dass seine vermisste Ehefrau Farrah tot in Mombasa aufgefunden wurde. Ohne zu zögern, kehrt Moritz in seine alte Wahlheimat Kenia zurück, um Farrahs rätselhaften Tod aufzuklären. Dabei stößt er auf einen großen Skandal, der vertuscht werden sollte. Was wusste Farrah, und warum musste sie sterben?

Ein Jahr ist es her, dass Moritz Wagner und seine Tochter Aluna Kenia verlassen haben und nach Hamburg gezogen sind. Vergeblich hatte Moritz seine kenianische Ehefrau gesucht, die von einem Tag auf den anderen spurlos in Mombasa verschwunden war. Die Beziehung der beiden war davor in eine Krise geraten. Moritz' anstrengender, teils traumatisierender Job als Kriegsfotograf hatte ihre Ehe stark belastet.

In Hamburg erreicht Moritz die Nachricht des kenianischen Ermittlers Lomboto, dass Farrah tot aus ihrem in einem See versunkenen Wagen geborgen wurde. Alles sieht zunächst nach einem tragischen Unfall aus.

Moritz macht sich auf den Weg nach Mombasa. Dort trifft er seine Schwester Nicole Wagner, die deutsche Investitionsgelder verantwortet, und deren Freund, den Anwalt Jürgen Oehlert. Die beiden wollen ihn bei der Suche nach der Wahrheit unterstützen.

Doch als Moritz am Abend seiner Ankunft seine Schwägerin Pascale treffen will, liegt diese bereits mit lebensgefährlichen Stichverletzungen in ihrem Garten und stirbt vor seinen Augen. Kurz zuvor hatte Pascalé der kenianischen Presse gegenüber noch angedeutet, dass ihre Schwester ermordet wurde.

Mangels Zeugen muss sich Moritz plötzlich gegenüber der Polizei rechtfertigen, nicht selbst der Mörder seiner Schwägerin und seiner Frau zu sein – ein Albtraum. Moritz muss vor der Polizei fliehen und auf eigene Faust herausfinden, wer Farrah getötet hat. Dabei stößt er auf Hinweise, dass sie heimlich in den Kongo gereist war.

Gemeinsam mit Caroline, einer Gebrauchtwagenhändlerin und guten Freundin von Farrah, macht sich Moritz auf den Weg dorthin. Farrah hatte im Kongo den jungen Minenarbeiter Yaka kennengelernt und war offenbar auf einen großen Skandal gestoßen, in den afrikanische und deutsche Akteure verwickelt sind.

"Es wäre unmöglich gewesen, im Kongo zu drehen"

Interview mit Autor und Regisseur Jörg Lühdorff

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über einen Kriegsfotografen im Kongo zu drehen?

Inspiriert wurde ich durch die Afrika-Romane von Lena Blaudez. Darin geht es um eine Fotojournalistin in dem westafrikanischen Land Benin. Zudem wollte ich mich stärker mit einem aktuellen Thema beschäftigen: Der Ukrainekrieg und seine Folgen hat mir vor Augen geführt, dass wir Europäer Wege finden müssen, uns direkten Zugang zu den gigantischen Rohstoffen dieser Welt zu verschaffen. Doch es ist ein Balanceakt, den richtigen Weg zu finden zwischen wirtschaftlichen Interessen und moralischem Anspruch. Der Kongo ist dafür das beste Beispiel. Das Land verfügt über gigantische Bodenschätze, dennoch ist ein Großteil der Bevölkerung bettelarm und hat keine Chance, sich aus dieser Situation zu befreien. Dass dieser Reichtum an Bodenschätzen immer wieder auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen führt, war dann das ideale Thema für einen Kriegsfotografen, der diese Konflikte seit Jahren dokumentiert. Dabei war ein Glücksfall, da sich Heino Ferch persönlich schon immer sehr für Fotografie interessierte, und er nebenbei auch noch ein begnadeter Fotograf ist.

Gedreht haben Sie in Griechenland, waren aber auch selbst mit einem Team in Kenia. Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?

Aus organisatorischen Gründen haben wir einen Großteil in Griechenland gedreht. Schon aus Sicherheitsgründen wäre es unmöglich gewesen, im Kongo zu drehen, wo die Geschichte des Films spielt. Entsprechend haben wir uns entschieden, für einzelne Szenen nach Kenia zu gehen. Doch auch in Kenia musste der gesamte Dreh von bewaffneten Polizisten begleitet werden, obwohl ich mich dort nie unsicher gefühlt habe. Es war für mich faszinierend, dieses Land mit seinen gigantischen Gegensätzen kennenzulernen: die unglaublichen Landschaften in den Nationalparks mit seinen Tieren, die man sonst nur aus dem Zoo kennt, und dann eine Stadt wie Mombasa, die einem zunächst chaotisch, überfüllt und heiß vorkommt. Es war unglaublich, Menschen zu beobachten, die aus dem Blickwinkel eines Europäers extrem arm sind und dennoch mit einer bewundernswerten Zielstrebigkeit ihr Leben verfolgen.

Der Film thematisiert den Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo. Welche Rolle spielt Kobalt im alltäglichen Leben?

Wir malen uns gar nicht aus, welch ungeheuren Einfluss Kobalt auf unser tägliches Leben hat. Der Kongo verfügt über 73 Prozent des weltweiten Kobaltvorkommens, welches für Lithium-Ionen-Akkus für Smartphones, Laptops und E-Autos gebraucht wird. Wenn wir wüssten, unter welch schrecklichen Bedingungen ein Großteil dieser Rohstoff im Kongo gefördert wird, würden wir uns vermutlich zweimal überlegen, ob wir bereits nach zwei Jahren ein neues Handy brauchen. Letztendlich funktionieren auch unsere umweltfreundlichen Elektroautos nur auf Kosten Afrikas, denn der Kobaltabbau ist oft mit verheerenden Umweltauswirkungen wie Wasserverschmutzung und Emissionen von Schadstoffen verbunden – ganz zu schweigen von den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Das soll nicht heißen, dass wir komplett auf alles verzichten sollen. Doch es würde schon helfen, wenn man die Bedingungen, unter denen diese Rohstoffe gefördert werden, verbessern könnte.

Was war Ihnen bei der Umsetzung der sehr aktuellen Themen wichtig?

Uns war es extrem wichtig, einen Blick auf Afrika zu haben, der weder klischeehaft verkitscht noch überdramatisiert bedrohlich wirkt. Es sollte bei all den Drehbedingungen ein möglichst authentisches, filmisches Abbild der Wirklichkeit werden. Das klingt zunächst einfacher, als es tatsächlich war – denn wir konnten nicht einfach die Kamera auf die Straße stellen und die Szenen dort inszenieren. Man kann auch nicht in Minen drehen, die schon für die Arbeiter beim Kobaltabbau zum Teil lebensgefährlich sind. Genauso wichtig war uns natürlich, die Kriegsfotografie adäquat zu erzählen. Sie spielt eine bedeutende Rolle in der Dokumentation von Konflikten und Kriegen auf der ganzen Welt und ist im Moment aktueller denn je.

Was machen Kriegsbilder mit den Menschen?

Wenn man als Regisseur arbeitet, sind Bilder eine der wichtigsten Komponenten des Films. Bilder emotionalisieren und erzählen Geschichten, mit ihnen manipuliert man im positiven Sinne die Zuschauer. Jetzt trifft man mit dem Beruf des Kriegsfotografen auf eine Spezies, die der Wahrheit verpflichtet ist. Natürlich versuchen die Fotografen durch Auswahl des Winkels, der Position der Kamera oder der Position des Lichts den Ausdruck der Bilder zu beeinflussen. Aber immer nur in dem Sinne, dass sie den Betrachter möglichst nah an die wahre Begebenheit heranführen. Viele dieser Bilder haben die Sicht auf wichtige geschichtliche Ereignisse mitbeeinflusst und das kollektive Gedächtnis geprägt. Damit ist für die Fotografen und diejenigen, die die Fotos veröffentlichen, aber auch eine enorme Verantwortung verbunden. Wir erwarten zu Recht von Journalisten und Fotografen, dass sie, in unserem Sinne, ihre Geschichten und Fotos wahrheitsgemäß recherchieren.

Hatten Sie nicht ein wenig Sorge, mit diesen Themen Zuschauerinnen und Zuschauer am Montagabend zu viel zuzumuten?

Von Anfang an ging es darum, die richtige Balance aus Anspruch und Unterhaltung zu finden. Die Themen sind sehr komplex. Daher kann so ein Film auch immer nur ein Anstoß sein, sich damit näher zu beschäftigen oder einen ersten Eindruck von der Thematik zu vermitteln.

"Ein Stoff, der zeigt, wie langsam der gigantische Ozeandampfer der Veränderung funktioniert"

Interview mit Schauspieler Heino Ferch

Sie spielen den Kriegsfotografen Moritz Wagner. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?

Mo Wagner war Kriegsfotograf, ist aber bewusst aus dem Beruf ausgestiegen und hat sich für ein Leben in Hamburg entschieden. Als Hochzeitsfotograf muss er dort nun schauen, wie er über die Runden kommt. Als die Mutter seiner Tochter tot aufgefunden wird, wird Mo wieder in Situationen seines früheren Lebens in Afrika zurückkatapultiert.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe mehrmals mit einem österreichischen Kriegsberichterstatter gesprochen, der zum Beispiel über den Kosovo-Konflikt berichtet und auch dort fotografiert hat. Ich habe ihn vor allem erzählen lassen: Wie es sich anfühlt, wenn du auf der Lauer liegst. Wenn über dir die Granaten einschlagen. Wenn du nicht weißt, was genau los ist, du aber spürst, irgendwas passiert da. Solche Momente konnte er mir sehr eindringlich nahebringen – Momente, bei denen man Gänsehaut bekommt und die einem Angst machen. Ich habe großen Respekt für den gefährlichen Beruf eines Kriegsberichterstatters.

Welchen Bezug haben Sie zum Fotografieren?

Ich bin als Schauspieler jemand, der viel beobachtet, zuschaut und dann auch sehr gerne mal selbst eine Kamera in die Hand nimmt und bei Dreharbeiten fotografiert.

Hat man als Schauspieler einen anderen Blick auf bestimmte Szenerien?

Ich denke, dass wir uns in dem Beruf mit ganz besonderen Situationen und Geschichten beschäftigen und dabei auch in Ecken dieser Welt kommen, die man als Tourist nie besuchen würde. Wir suchen und schaffen als Schauspieler so etwas wie magische Momente. Dazu braucht es das Talent, den richtigen Moment zu erwischen, ein gutes Auge und vor allem Emotion und Einfühlungsvermögen.

Ist es für Sie ein Unterschied, analog zu fotografieren, im Vergleich zur digitalen Handyfotografie?

Das ist ein großer Unterschied, die Bilder haben eine andere Kraft. Handyfotos können zwar auch gute Aufnahmen sein. Es ist aber ein ganz anderes Gefühl, mit einer richtigen Kamera in der Hand.

Welche Macht haben Bilder? Was machen Kriegsbilder mit den Menschen?

Bilder, wie auch Filme, treffen uns direkt ins Herz. Sie konfrontieren den Betrachter mit seiner eigenen Geschichte, seinen Gedanken und Gefühlen und beeinflussen ihn dadurch in die ein oder die andere Richtung. Wir nehmen die Welt vor allem optisch wahr. Wir könnten vielleicht sogar auf unsere Sprache verzichten, wir könnten vielleicht auch auf unser Gehör verzichten, aber wir würden uns am schwersten tun, wenn wir auf unser Augenlicht verzichten müssten. Ein Bild steht, lässt den Zuschauer verweilen, aber vor allem auch emotional reagieren. Wir kennen alle das Bild des Soldaten, der aus dem mit Stacheldraht abgesperrten Ostberlin in die Freiheit springt. Oder das Foto des nackten jungen Mädchens in Vietnam das weinend vor dem Feuer eines Napalmangriffs flieht. Oder das Bild des kleinen Flüchtlingsjungen, der tot am Strand auf dem Bauch liegt. Diese Bilder wirken gerade in ihrer Ruhe so furchtbar, haben eine Emotionalität, die fast nicht zu ertragen ist.

Was haben Sie durch die Dreharbeiten gelernt?

Man beschäftigt sich bei Dreharbeiten natürlich intensiv mit dem Stoff und dem Land. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Griechenland ein tolles Land zum Drehen ist. Wir haben auf dem Peloponnes Szenen gedreht, die im Film im Kongo spielen, mit Vegetation, die eins zu eins aussieht wie in Afrika. Auch die Szenen, in denen wir in den afrikanischen Townships waren, haben wir am Rande von Athen gedreht. Das berührt einen sehr, da man genau weiß, dass das für Millionen Menschen brutaler Alltag ist. Vor dem Hintergrund, dass wir in einer sich divers definierenden Gesellschaft leben und das Thema People of Color heute ganz anders anpacken können als noch vor 20 Jahren, ist das ein spannender Stoff, der aber auch zeigt, wie langsam der gigantische Ozeandampfer der Veränderung auf der Welt funktioniert. Jede Menge alter Machenschaften sind noch am Werk, damit in erster Linie die wenigen möglichst viel Geld verdienen und dabei die Stimme des Volkes klein gehalten wird. Letztendlich geht es leider noch viel zu vielen nur um ihren eigenen Vorteil.

Der Kongo ist ein Rohstoffgigant, verfügt über 73 Prozent der weltweiten Kobaltvorkommens. Gleichzeitig ist das Land mit seiner Korruption und der Menschenrechtslage in einem verheerenden Zustand. Wie aktuell ist die Geschichte des Films?

Es gibt in Afrika kaum Fair Trade, und das ist ja auch das Thema des Films. Der afrikanische Kontinent wurde jahrhundertelang von den Kolonialmächten brutal ausgebeutet, und das setzen internationale Konzerne in den seit den 1960er-Jahren unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten bis heute genauso fort. Der Reichtum an Bodenschätzen, kaum funktionierende demokratische Strukturen, weitverbreitete Korruption, Missachtung von Menschenrechten, und die Verarmung großer Teile der Bevölkerung bilden den Schauplatz für unkontrollierte Profitgier und für Machtinteressen. China hat zum Beispiel für die Ernährung der eigenen Bevölkerung riesige Landstriche in Afrika aufgekauft – ein Ausverkauf des Kontinents, der erschreckend ist. Mo Wagner, die Figur, die ich spiele, wird in dieses Umfeld hineingeworfen. Die Mutter seiner Tochter engagierte sich für Fair Trade, und entdeckte kriminelle Machenschaften zwischen Wirtschaft und Politik, die total unfair sind für die Bevölkerung. Sie bemühte sich um eine Aufdeckung der Verhältnisse und musste dafür mit ihrem Leben bezahlen.

Wenn Sie sich selbst eine Frage zum Film stellen könnten, welche wäre das und was würden Sie darauf antworten?

Ich würde mich fragen: Was kann man verändern, damit sich wirklich etwas verändert? Wer kann das ändern? Können wir das selbst ändern? Ich glaube, dass wir als Einzelne kaum etwas bewegen können, sondern dass es dafür vor allem verantwortungsbewusste Politiker und Führungskräfte in Unternehmen braucht. Aber wir alle können und sollten immer wieder auf diese Problematik hinweisen, damit auch in Afrika eben nicht mehr bei allem der Aktienkurs die größte Rolle spielt, sondern das Wohlergehen der Menschen. Ein sehr komplexes, schwieriges Thema, das irgendwann zu eskalieren droht, und dessen Auswirkungen mit der Flüchtlingsproblematik und der Migration bereits bei uns angekommen sind.

"Die persönliche Geschichte weitet sich aus"

Interview mit Schauspielerin Katharina Schlothauer

Sie spielen Caroline, eine Gebrauchtwagenverkäuferin. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben? Wo sehen Sie Parallelen zu sich selbst?

Caro lebt allein in Kenia, ist sehr unabhängig und betreibt eine Autowerkstatt. Ich habe sie immer als "Queen of the Schrottplatz" gesehen (lacht), sie macht die Dinge gern auf ihre Art. Dabei will sie sich auch etwas beweisen, sie ist ja nicht ohne Grund quasi am anderen Ende der Welt. Caroline sucht Vergebung und Hoffnung, aber spürt auch, dass sie das alles hinter sich lassen muss. Sie wartet fast darauf, dass jemand kommt und sagt: "Los, raus hier aus dem Alten." Als Moritz bei ihr auftaucht, ist das eine gute Gelegenheit für sie. Ich glaube, sie möchte Vertrauen finden und beschützen dürfen – und, indem sie den Tod ihrer Freundin aufklärt, findet sie das. Die Neugier und Lust auf andere Sprachen, Länder und Leute, und in dem, was ich tue, autonom zu bleiben, auch hinter das Offensichtliche zu schauen – darin finde ich mich wieder. Verschiedene Perspektiven zu beleuchten, das hat mich schon immer interessiert.

Mit Moritz flüchtet Caroline in einem Katz-und-Maus-Spiel vor der afrikanischen Polizei. Was bringt die beiden dazu, sich immer tiefer in die Nachforschungen zu stürzen?

Caroline ist nicht sofort dabei, ihr ist die Situation viel zu gefährlich. Auf der anderen Seite merkt sie aber auch, dass sie etwas mit in die Hand nehmen muss. Farrah ist ihre beste Freundin, sonst hätte sie sich gar nicht weiter mit dem Fall beschäftigt. Caroline lernt, genauer hinzuschauen. Die Suche, die im Persönlichen beginnt, weitet sich aus.

Die Dreharbeiten fanden in Griechenland statt. Wie haben Sie Land und Leute dort wahrgenommen?

Ich mochte es sehr, in Athen zu drehen. Ich hatte viele tolle Begegnungen und habe die Menschen dort als wahnsinnig herzlich empfunden. Man kann sich in Athen schnell zu Hause fühlen. Ich habe viele Freunde dort, Athen hat ein bisschen den Berlin-Vibe.

Was war bei den Dreharbeiten für Sie besonders?

Das Besondere war für mich unter anderem, dass wir für den Film in Afrika, in Athen und Umgebung gedreht haben, und es tatsächlich funktionierte, die Umgebung so gut es ging authentisch zu erzählen. Es ist erstaunlich, wie viel da Kamera und Licht geschafft haben. Mit dem griechischen Team zu drehen, war bereichernd. Wir standen bei acht Grad im Hemdchen am Set und erzählen 25 Grad in Afrika. In Athen war zu dem Zeitpunkt Winter, einmal hat es auch geschneit. Das Set-Design und die Ausstattung haben einen unglaublich tollen Job gemacht, mit viel Liebe zum Detail – auch mit ein Grund, warum Afrika glaubhaft wurde. Ich habe mich jedes Mal gefreut, weil es so viel zu entdecken gab, und eine richtige kleine Welt für den Film aufgebaut wurde.

Im Film geht es auch um Kriegsfotographie. Welche Macht haben solche Bilder?

Ich habe eine Fotografie-Ausbildung angefangen, wollte ursprünglich Fotografin werden. Für mich sind Bilder eine Möglichkeit, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen. Ich zeige die Welt, wie ich sie mit meinen Augen sehe. Und darf sie auch durch die Augen von jemand anderem sehen – das ist unglaublich bereichernd. Ein gutes Foto braucht Hingabe, finde ich, man spürt das, wenn man sich das Foto anschaut. Kriegsbilder fangen Momente ein und machen sehr konkret, was sonst vielleicht abstrakt bleibt. Sie sprechen unsere Emotionen an, wir kommen dadurch auch zu ihnen zurück. Das ist wichtig, um das Ausmaß eines Krieges zu begreifen.

Korruption und der Kampf um Rohstoffe in Afrika – wie präsent, wie aktuell sind die Themen des Films?

In "Tod in Mombasa" geht es sehr konkret um Kobalt und den Kobaltabbau. Und darum, wie eine Geschichte, die sehr persönlich beginnt, gleichzeitig die Geschichte von Tausenden ist. Was in den Minen passiert, ist erschreckend, Menschenrechte und Menschenwürde werden massiv verletzt. Dennoch ist Kobalt ein Rohstoff, den wir täglich viel nutzen. Das zu vereinbaren, ist ein Thema, mit dem wir uns unbedingt auseinandersetzen müssen.

"Ich repräsentiere in meiner Rolle Menschen, die oft keine Stimme haben"

Drei Fragen an Schauspielerin Dayan Kodua

Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?

In meiner Rolle als Farrah repräsentiere ich all jene Menschen, die sich nach Veränderung in einer ungerechten Welt sehnen, aber oft keine Stimme haben. Farrah gibt alles auf, um auf eine schreckliche Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, und versucht, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Es wäre sehr symbolträchtig gewesen, wenn Farrah bis zum Schluss ihre eigene Stimme gefunden hätte, um ihren Kämpfergeist zu bestätigen. Aber selbst ohne diese Entwicklung kämpft ihr Mann weiterhin stellvertretend für sie und ihre Überzeugungen.

"Tod in Mombasa" spielt in Kenia. Was hat Sie an dem Drehbuch und der Mitwirkung an diesem Film gereizt?

Der Reiz des Drehbuchs lag für mich vor allem in der Wichtigkeit des Themas. Als in Ghana geborene und jetzt deutsche Schauspielerin habe ich früh gelernt, zwischen verschiedenen Kulturen zu leben. Trotz meiner deutschen Staatsbürgerschaft habe ich meine Wurzeln und meine afrikanische Herkunft nicht vergessen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, durch meine Arbeit auf globale Probleme, wie die um Kobalt, aufmerksam zu machen. Dieses Thema betrifft uns alle, und es ist besonders besorgniserregend, dass Menschen, vor allem Kinder, beim Abbau dieser Rohstoffe sterben. Mit meiner Mitwirkung in diesem Film möchte ich das Bewusstsein für die Herkunft der Materialien unserer Elektronikgeräte schärfen und zur Förderung von Empathie für diese schwerwiegenden Themen beitragen.

Die Erfahrungen haben meine Überzeugung tiefgreifend verstärkt, dass Kunst und Medien wesentlich mehr sind als nur Unterhaltung. Sie haben das enorme Potenzial, Bewusstsein zu schaffen, Denkweisen zu verändern und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Durch die Arbeit an diesem Film habe ich erkannt, wie kraftvoll Geschichten sein können, um wichtige, oft unbequeme Wahrheiten zu beleuchten und ein breiteres Publikum zu erreichen. Geschichten, die in Filmen erzählt werden, sollten nicht nur unterhalten, sondern auch informieren, inspirieren und zum Nachdenken anregen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Künstler und Medienschaffende eine Verantwortung tragen, unsere Plattformen zu nutzen, um auf globale Herausforderungen aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur Gestaltung einer gerechteren und verständnisvolleren Welt zu leisten.

Sie setzen sich seit vielen Jahren für die Förderung einer jungen Generation ein, die sowohl Menschen mit Migrationshintergrund als auch aus der BIPoC-Community umfasst. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Als Verlegerin und Schauspielerin liegt mir besonders am Herzen, dass Vielfalt nicht als Last, sondern als Bereicherung wahrgenommen wird. Es ist wichtig, dass Kinder von klein auf durch Bücher, Geschichten und Spielzeug in Kontakt mit verschiedenen Kulturen, ethnischen Gruppen und Menschen mit Behinderungen kommen. Diese frühzeitige Begegnung mit Vielfalt kann dazu beitragen, dass Kinder zu weltoffenen Erwachsenen heranwachsen, die weniger voreingenommen sind. In meiner Rolle als Mutter und durch meine Arbeit in der Filmindustrie möchte ich meine Stimme nutzen, um Bewusstsein zu schaffen und dafür zu kämpfen, dass meine Kinder und andere eines Tages nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder anderer äußerlicher Merkmale beurteilt werden. Sie sollen als Menschen in ihrer Ganzheit und Individualität wahrgenommen und geschätzt werden.

"Jeder trägt da eigene Verantwortung"

Kurzinterview mit Schauspielerin Samirah Breuer

Welchen Einfluss hat Mos Entscheidung, allein zurück nach Kenia zu gehen, auf das Verhältnis zu seiner Tochter?

Aluna fühlt sich komplett alleingelassen. Erst der Verlust der Mutter, dann muss sie jetzt auch ihren Vater auf ungewisse Zeit gehen lassen. Sie ist total verletzt weil damit vor allem auch alte Wunden nochmal aufgemacht werden. Sie hat das Gefühl, ihrem Vater nicht wichtig genug zu sein, als dass er bei ihr bleibt. Gerade weil die besondere Herausforderung für Aluna die Ungewissheit darüber ist, was genau mit ihrer Mutter passiert ist und ob sie nicht vielleicht doch noch lebt. Diese Hoffnung loszulassen und damit abzuschließen, ist erstmal das Schwierigste.

Wie waren die Dreharbeiten mit Heino Ferch als Ihrem Spielvater?

Es war eine sehr besondere Zusammenarbeit. Man spürte an jedem Drehtag, wie wichtig Heino seine Arbeit und die Menschen um ihn herum sind. Im Film gibt es ein Telefonat zwischen uns beiden, Aluna ist in Hamburg und Mo in Kenia. Heino ist an dem Tag, an dem mein Teil des Telefonats gedreht wurde, zwei Stunden länger am Set geblieben, nur um mich hinter der Kamera anzuspielen. Das ist ein Beispiel von vielen. Er hat sich viel Mühe gegeben, dass sich alle wohlfühlen, und das hat auch geklappt.

Aluna ist in Kenia aufgewachsen. Ein Leben in einem anderen Land – wäre das was für Sie?

Ich habe letztes Jahr eine Weile in New York gewohnt, was besonders kulturell echt spannend war. Ich kann mir auch vorstellen, dort wieder hinzuziehen. Durch die Schauspielerei habe ich gerade das Privileg, viel zu reisen und viele Städte zu sehen. Also wer weiß, vielleicht verliebe ich mich beim nächsten Film in ein Land und will dableiben. Aber aktuell bin ich glücklich in Berlin.

Etwa 20 Prozent der weltweiten Kobaltproduktion wird für Akkus in Smartphones und Laptops genutzt. Ein Großteil davon wird unter menschenunwürdigen Bedingungen im Kongo produziert. Spielt diese Thematik im Leben eines jungen Menschen eine Rolle?

Ich habe dazu schon einige Dokus geschaut und finde es wirklich schrecklich zu sehen, was in den Minen passiert. Ich kann hier aber natürlich nicht für meine ganze Generation sprechen und das will ich auch nicht. Jeder trägt da auch ein bisschen eigene Verantwortung – sich zu informieren und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen – und ich hoffe, dass man das auch tut.

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