25.07.23, 15:38 Uhr - Reportagen/Dokumentationen Politik/Gesellschaft/Wirtschaft

"Digital Fail" – ZDFinfo-Doku zum digitalen Zustand Deutschlands

Papier statt E-Akten: Die wenigsten Verwaltungsprozesse in Deutschland sind digitalisiert.
Copyright: ZDF/real&fiction, Norman Laryea

Glasfaserausbau, E-Government, Digitalwirtschaft – Deutschland hinkt bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterher. Die ZDFinfo-Doku "Digital Fail - Deutschland im Datenstau" am Mittwoch, 2. August 2023, 19.30 Uhr, wirft einen Blick auf die aktuelle Lage und fragt nach Auswirkungen für die Zukunft. Der Film von Norman Laryea und Oliver Koyte ist bereits in der ZDFmediathek verfügbar.

Bürger, Betriebe, Schulen, Ämter – alle benötigen ein stabiles schnelles Netz für neue Arbeitsformen. Noch gibt es Beispiele wie Patrizia Schick aus Meine in Westphalen. Die freiberufliche Fotografin muss ihren Kunden regelmäßig große Mengen von Bilddateien zur Verfügung stellen. Doch für die benötigte Internetgeschwindigkeit wohnt sie auf der falschen Straßenseite. Oder Simon Schildgen, einer von Deutschlands bekanntesten YouTubern, seine Live-Performances bei der Fußballsimulation Fifa verfolgen rund eine Million Follower. Im vergangenen Jahr musste er zeitweise offline gehen, weil die Upload-Leistung seines Internetanschlusses nicht mehr mitkam: Für einen professionellen Gamer eine wirtschaftliche Katastrophe: "Mit jeder Unterbrechung im Stream verliere ich Zuschauer und damit reales Einkommen."

Digitalisierung in Deutschland schreitet langsam voran

Digitalisierung bedeutet jedoch mehr als schnelles Internet für alle Verbraucher. Vielmehr sind ein radikales Umdenken und eine Neustrukturierung von vielen Prozessen gefordert. In den meisten Ämtern und Behörden wird aber immer noch gearbeitet wie Ende des letzten Jahrtausends mit viel Papier und Faxgeräten. Als Studentin Jana Bültge im September 2021 ihren BAföG-Antrag endlich online stellen konnte, musste sie fünf Monate auf die Bewilligung und ihr Geld warten.  Denn es war zwar die Antragsstellung digitalisiert worden, nicht aber die weiteren Schritte des Prozesses. Das bedeutet: Alle online eingegangenen Anträge wurden händisch ausgedruckt, auf Vollständigkeit geprüft und schließlich abgeheftet. Diese Erfahrung deckt sich mit der Einschätzung der Teilnehmer der Civey-Umfrage des ZDF vom April 2023: Sie sehen die größten Einschränkungen im Bereich Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung (63,8%), gefolgt vom Bildungswesen (46,4%) und der generellen Infrastruktur (43,9%).

Digitalisierung – eine Frage der Haltung, keine der Technik

Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs und IT-Sicherheitsexperte, analysiert das grundlegende Problem, das Deutschland mit der Digitalisierung hat. "Das ist keine Frage der Technik, sondern eine der Haltung. Wir bräuchten ein radikal neues Konzept für Bürger, Betriebe und Verwaltung, welches konsequent und zügig auf allen Ebenen umgesetzt wird. Stattdessen begnügt man sich mit einzelnen Leuchtturm-Projekten, während in der Fläche wenig bis nichts passiert. Doch damit wird Deutschland abgehängt."

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Mainz, 25. Juli 2023
ZDF-Kommunikation

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