Blind Sherlock
Neue Serie/Free-TV-Premiere
Blind Sherlock erzählt die Geschichte des blinden Abhörspezialisten Roman Mertens (Bart Kelchtermans), der mit außergewöhnlichem Gehör in einer Rotterdamer Spezialeinheit gegen ein weit verzweigtes Drogenkartell ermittelt.
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"Blind Sherlock" erweitert das Portfolio des ZDF um eine Crime-Serie mit temporeicher Erzählweise, einer vielschichtigen Hauptfigur sowie einem visuell kreativen Ansatz. Inspiriert von wahren Ereignissen erzählt die europäische Koproduktion die Geschichte des blinden Abhörspezialisten Roman Mertens, der in Rotterdam in einem spektakulären Fall von Drogenkriminalität ermittelt.
Die Hauptfigur Roman Mertens hat im Umgang mit seiner Blindheit besondere Fähigkeiten entwickelt: eine herausragende Sensibilität für Stimmen, Geräuschmuster und emotionale Zwischentöne. Diese Fähigkeiten machen ihn zu einem Ermittler, der Fälle auf neuartige Weise erschließt, was in der Serie auf kreative Weise visualisiert wird: Je nach Geräusch verändern sich die Umgebung, die handelnden Personen oder das Wetter. Roman hört, was anderen verborgen bleibt – und doch sind es nicht nur diese Fähigkeiten, die ihn als Hauptfigur auszeichnen, sondern vor allem seine Menschlichkeit, sein Witz, seine Zweifel und seine Ambition.
Die Serie "Blind Sherlock" wird wie eine Vielzahl von Programmen im ZDF barrierefrei angeboten und zeigt exemplarisch, wie technische Zugänglichkeit, kreative Gestaltung und inhaltliche Haltung ineinandergreifen können. Die innovative visuelle Umsetzung dessen, was Roman hört, eröffnet eine zusätzliche Wahrnehmungsebene, die das Publikum unmittelbar in den Ermittlungsprozess einbindet und zugleich die nichtvisuelle Perspektive ernst nimmt und wertschätzt. Gespielt wird Roman Mertens vom Schauspieler Bart Kelchtermans, der selbst eine Sehbehinderung hat und seine eigenen Erfahrungen in den Entstehungsprozess der Serie hat einfließen lassen.
Die Produktion zeigt, welches Potenzial in inklusivem Erzählen liegt: Es erweitert nicht nur die Sicht auf die Welt, sondern bereichert auch das Genre selbst um neue künstlerische Möglichkeiten. "Blind Sherlock" steht damit für ein modernes öffentlich-rechtliches Programmverständnis, das Vielfalt nicht nur abbildet, sondern aktiv gestaltet.
Jasmin Maeda
Hauptredaktionsleitung Internationale Fiktion
Buch Maarten Fabricio Goffin, Kristof Hoefkens; nach ihrer eigenen Idee
Regie Joost Wynant
Kamera Dries De Clercq
Schnitt Thijs Van Nuffel
Szenenbild Max Van Essche
Kostümbild Joëlle Meerbergen
Ton Raf Ferlin, Marc Hagenaars
Musik Willem Ardui
Producer Laurien Poelemans
Produktion De Mensen in Koproduktion mit ZDF
Redaktion Laura Mae Harding, Jonas Melcher
Länge 6 x 45 Minuten
Die durchgehenden Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller
Roman Bart Kelchtermans
Nico Frank Lammers
Suus Charlie Chan Dagelet
Caro Sigrid ten Napel
De Geeter Pierre Bokma
Tess Cynthia Abma
Meryem Ayşegül Karaca
Anthony Rein Hofman
Safi Denzel Goudmijn
Helen Eline ten Camp
Lucia Limon Manoushka Zeegelaar Breeveld
Andy Maarten Heijmans
Umut Sadettin Kirmiziyüz
Kirill Ferhat Kaplan
Hatem Ulmas Uraev
Nikolai Elbek Fayziev
Yacub Sinan Eroglu
Sophie Julia Akkermans
Naima Darya Gantura
Amaya Lou Corinde
McCartney Javokhir Zakirov
Frank Peeters Bas Keijzer
Selina Adriaansens Anna Loeffen
Dieter Adriaansens John Buijsman
Myriam Adriaansens Catalijn Willemsen
und andere
In "Blind Sherlock" unterstützt der blinde Roman mithilfe seines herausragenden Gehörs eine Spezialeinheit der Kripo Rotterdam im Kampf gegen ein mächtiges Drogenkartell und deren mysteriösen Boss. Während sich die Lage zuspitzt, muss Roman nicht nur lebensgefährliche Einsätze meistern, sondern auch persönliche Krisen bewältigen: Er wird bald Vater und hat großen Respekt davor. Ein explosiver Showdown entscheidet schließlich über Erfolg oder Scheitern der Ermittlung.
Sonntag, 26. April 2026, 22.15 Uhr
Folge 1: Ich höre was, was du nicht hörst
In Rotterdam gerät die Drogenkriminalität zunehmend außer Kontrolle. Bei der Kripo wird daher eine neue Spezialeinheit für Abhörmaßnahmen gegründet. Als der blinde Roman zum Bewerbungsgespräch auftaucht, reagieren die Polizisten zunächst skeptisch. Doch Kommissar Nico ist schwer beeindruckt, als Roman allein am Geräusch der Tastatur erkennt, was er gerade in seinen Computer eingibt. Der junge Mann hat als Kind nach einem Unfall sein Augenlicht verloren und sein Gehör seitdem so geschult, dass er selbst kaum wahrnehmbare Details erkennt. Die Polizisten lassen Roman eine Tonaufnahme von einem Mord im Containerhafen anhören. Er kann ihnen auf Anhieb die Marke des Fluchtfahrzeugs der Täter nennen. Auf Basis dieser Information finden die Ermittler eine heiße Spur, die zu dem Autovermieter Kirill führt, und Roman hat den Job.
Doch seine schwangere Freundin Caro macht sich Sorgen, dass die Arbeit bei der Polizei gefährlich sein könnte. Er beruhigt sie, indem er betont, dass er nur im Büro sitze und Telefonate abhöre. Wenig später wird auf Kirills Autovermietung ein Brandanschlag verübt. Nico vermutet, dass er Geldwäsche betreibt. Roman fällt in einem abgehörten Telefongespräch eine Passage auf, in der Kirill und ein anderer Mann auf ihn sehr wütend wirken. Der Usbekisch-Übersetzer Umut erklärt hingegen, dass es um harmlose Dinge gehe. Roman gibt sich damit nicht zufrieden. Er bittet Meryem, eine alte Freundin aus seiner Zeit im Blindeninstitut, um Hilfe. Sie hört bei dem Telefonat etwas ganz anderes heraus.
Sonntag, 26. Oktober 2025, 23.00 Uhr
Folge 2: Who you gonna call?
Die Kriminalpolizei nimmt den Autovermieter Kirill fest. Er streitet aber ab, etwas mit der Schießerei vor einem Restaurant zu tun zu haben. Nico verhört auch den Dolmetscher Umut. Er ist seit Jahren mit ihm befreundet und fragt sich nun, warum er die Polizei absichtlich belogen hat. Umut deutet an, dass er von einer verbrecherischen Organisation unter Druck gesetzt wird.
Roman, der eigentlich nur als Zuhörer dabei sein sollte, erzählt Umut von dem Mädchen Amaya, das durch Zufall vor dem Restaurant in die Schusslinie geraten ist und nun wohl blind werden wird. Er appelliert an Umut, der selbst Familienvater ist, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Daraufhin erzählt der Dolmetscher ihnen von den usbekischen "Beatles", vier Männern, die die kriminellen Aktivitäten im Hafen von Rotterdam kontrollieren. Sie haben sich die Namen der berühmten Musiker als Decknamen gegeben. Umut habe mitbekommen, dass zwischen "John Lennon" und "Paul McCartney" ein Streit wegen eines gestohlenen Containers voller Drogen ausgebrochen ist. Offenbar ist "McCartney" der Hauptdrahtzieher der Gruppe.
Polizeichef De Geeter hofft, durch seine Ergreifung einen Schlag gegen den Drogenhandel in ganz Westeuropa landen zu können. Zunächst nehmen die Ermittler aber "George Harrison" ins Visier.
Sonntag, 3. Mai 2026, 22.15 Uhr
Folge 3: Undercover
Nach seiner Aussage über die usbekischen Beatles stand Dolmetscher Umut eigentlich unter Polizeischutz. Dennoch ist er in seiner Wohnung einem Attentat zum Opfer gefallen.
Roman trauert unterdessen um seinen treuen Begleithund Sam, der vergiftet wurde. Er vertraut sich Nico an und verrät ihm endlich, dass er erpresst wird. Ein ihm unbekannter Mann wollte ihn dazu zwingen, Details aus den polizeilichen Ermittlungen auszuplaudern.
Mithilfe eines Überwachungsvideos findet das Kripo-Team heraus, dass es sich bei dem Übeltäter um Andy handelt. Kommissarin Suus erinnert sich, dass sich der Mann sogar um die Stelle beworben hatte, auf der nun Roman arbeitet. Er wird sofort vorgeladen. Es stellt sich heraus, dass Andy nur ein kleines Licht innerhalb der Drogenszene ist und den Beatles zuarbeitet. Sein Auftraggeber ist "Ringo Starr".
Unterdessen hören Roman und Meryem ein Gespräch aus dem Büro von Yaqub ab. Daraus geht hervor, dass der Konflikt unter den Kriminellen eskaliert: "McCartney" hat den Auftrag gegeben, Lennon zu ermorden. Die Ermittler müssen schnell handeln. Sie streuen gezielt eine Falschinformation, die "Ringo Starr" alias Frank Peeters dazu bringt, bei "Lennon" anzurufen. Aus den Telefondaten ergibt sich eine Spur nach Hoek van Holland. Sofort macht sich ein Sondereinsatzkommando auf den Weg in den Küstenort.
Sonntag, 3. Mai 2026, 23.00 Uhr
Folge 4: Countdown
Zwei Motorradfahrer aus Süddeutschland sind im Auftrag von "McCartney" in Richtung Hoek van Holland unterwegs. Sie sollen für ihn "Lennon" ermorden, den die Kripo immer noch nicht aufspüren konnte. Die Ermittler nehmen also die beiden Biker ins Visier.
Meryem hört ein Gespräch der beiden ab, aus dem hervorgeht, dass die Auftragskiller Sprengstoff mit sich führen. Suus fordert einen sofortigen Zugriff. Doch Bürgermeisterin Limon ist dagegen. Für sie steht die Verhaftung von "McCartney" im Vordergrund. Die Festnahme der Motorradfahrer soll erst erfolgen, wenn auch ihr Auftraggeber gefunden wurde.
Nach der Auswertung einer Gesprächsaufnahme ist Roman mittlerweile fest davon überzeugt, dass sich "McCartney" auf dem Gelände einer Autowaschanlage bei Dordrecht aufhält. Nico bricht sofort mit einem Sondereinsatzkommando dorthin auf. Aber könnte es sein, dass Roman sich getäuscht hat? Die Lage ist ernst und die beiden Biker müssen nun so schnell wie möglich aufgehalten werden. Doch die Situation läuft aus dem Ruder und nimmt ein explosives Ende.
Roman hadert damit, dass er einen Fehler gemacht hat und bekommt dabei nicht mit, dass seine Freundin Caro ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Sonntag, 10. Mai 2026, 22.15 Uhr
Folge 5: Miese Ratte
Roman steckt in einer Krise: Caro will nichts mehr mit ihm zu tun haben, nachdem er infrage gestellt hat, ob er überhaupt Vater werden will. Und darüber hinaus wurde er auch noch bei der Kriminalpolizei suspendiert.
Unterdessen ermittelt die Kripo in einem Fall, der auf den ersten Blick zunächst nichts mit der Jagd nach "McCartney" zu tun zu haben scheint: Eine junge Frau namens Selina ist spurlos verschwunden. Offenbar wurde sie entführt. Als Roman durch Zufall in einem TV-Bericht die Stimme ihres Vaters Dieter Adriaansens hört, kommt sie ihm sofort bekannt vor: Ihm ist sofort klar, dass es sich bei diesem Mann um den mysteriösen "Lennon" handelt. Noch in derselben Nacht wird Adriaansens verhaftet. Im Verhör berichtet dieser, dass "McCartney" seine Tochter entführt habe. Er müsse ihm übermorgen eine Entschädigung für den gestohlenen Drogencontainer zahlen. Dann käme Selina wieder frei.
Adriaansens bittet die Polizei, das Treffen wie geplant stattfinden zu lassen. Danach wolle er gegen "McCartney" aussagen. Die Kripo lässt sich auf den Deal ein und bereitet einen Großeinsatz vor. Ein Teil des Teams postiert sich rund um ein Café in einer Markthalle, das als Treffpunkt für Adriaansens und "McCartney" dienen soll. Doch es kommt alles anders, als es sich die Ermittler vorgestellt haben.
Sonntag, 10. Mai 2026, 23.00 Uhr
Folge 6: Pfannkuchenschiff
Die Kripo Rotterdam soll den Fall an Interpol abgeben. Roman will das nicht einfach so hinnehmen und wagt einen weiteren Alleingang.
Nachdem Roman eindringlich mit ihm gesprochen hat, bietet der Verbrecher Yaqub der Polizei seine Unterstützung bei der Ergreifung von "McCartney" an. Es soll ein konspiratives Treffen mit dem Hauptdrahtzieher auf einem sogenannten Pfannkuchenschiff geben. Roman erklärt sich zu einem gefährlichen Einsatz bereit: Er wird sich undercover in direkter Nähe zu den Kriminellen an einen Tisch setzen. Über ein Abhörmikrofon in seinem Blindenstock können die Ermittler das Gespräch mithören.
Meryem kehrt zudem als Usbekisch-Dolmetscherin ins Team zurück. Im Umfeld des Schiffs sind mehrere Polizei-Teams platziert. Auch Nico ist undercover mit an Bord. Der große Zugriff scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch als die Abfahrt des Schiffes unmittelbar bevorsteht, fehlt von "McCartney" noch immer jede Spur. Stattdessen setzt sich eine Person an den Tisch, mit der niemand gerechnet hat.
Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?
Maarten (Goffin) und ich waren auf Anhieb von dem Konzept begeistert, denn diese Krimiserie überzeugt durch einen wirklich frischen Ansatz. Ein blinder Ermittler, ein blinder Zivilist, der mit der Polizei zusammenarbeitet – so etwas hatte ich bislang noch nicht gesehen. Mein Interesse war sofort geweckt. Wir trafen uns dann mit Sacha Van Loo, dessen Lebensgeschichte zum Teil als Inspiration für die Serie gedient hat. Es ging darum, ihn besser kennenzulernen – und es war allein schon eine bemerkenswerte Erfahrung, mit ihm essen zu gehen. Man merkt sofort, dass man sich in einer Welt bewegt, die man so noch nie im Fernsehen gesehen hat. Es ist der reale Alltag eines blinden Menschen, die Art und Weise, wie er mit dem Leben umgeht, wie er sich in seinem Umfeld bewegt und auch, wie er in unserer Gesellschaft oft bevormundet wird (obwohl er ein hochintelligenter Mensch ist, der 13 Sprachen spricht). Dieser Kontrast war für mich wirklich krass.
Wir gingen dann an die Serie heran, indem wir uns fragten: Was wäre, wenn jemand, der normalerweise an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird, sich als derjenige entpuppt, den die Gesellschaft braucht, um gerettet zu werden? Als Ausgangspunkt fanden wir diese Vorstellung unheimlich faszinierend und kraftvoll.
Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht besonders relevant?
Ich selbst bekomme viele Nachrichten von blinden oder sehbehinderten Menschen, von Familienangehörigen oder Menschen, die jemanden kennen, der blind ist. Sie teilen mir mit, dass die Serie die Art und Weise verändert habe, wie Menschen mit ihnen umgehen. Offenbar werden sie von ihrem Umfeld jetzt weniger herablassend behandelt und als gleichwertiger angesehen. Allein damit hat unser Projekt schon etwas Wichtiges bewirkt.
Wenn man es allgemeiner betrachtet, stellt man fest, dass die Definition dessen, was in unserer Gesellschaft als "normal" gilt, immer enger gefasst wird. Wer nicht der Norm entspricht, spielt schnell keine Rolle mehr. Ich finde es wichtig zu zeigen, dass auch jemand, der nicht in dieses sogenannte normale Bild passt, sehr wertvoll für die Gesellschaft sein kann – vor allem dann, wenn wir bereit sind, uns ein wenig auf ihn einzulassen.
Vor diesem Hintergrund ist die Serie eine Art Weckruf. Man macht es sich sehr einfach, wenn man alles nur aus der Perspektive sieht, die einem selbst normal vorkommt. Wer sich in dieser Hinsicht etwas mehr Flexibilität gönnt, kann auch viel verändern. In den Niederlanden zum Beispiel hat "Blind Sherlock" eine öffentliche Debatte angestoßen. Viele sagen nun, dass sie gerne mit einem blinden Sherlock zusammenarbeiten würden. Dafür sind aber eben auch entsprechende Anpassungen und Anstrengungen erforderlich, zu denen offenbar nur sehr wenige Unternehmen wirklich bereit sind. Es wäre fantastisch, wenn die Serie zumindest ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für dieses Problem schaffen könnte.
Welche Eindrücke haben Sie hinter den Kulissen gewonnen?
Besonders schön fand ich, dass wir für die Darsteller und das Team gleich zu Beginn ein großes Treffen mit der Brailleliga organisiert haben. Dort wurden wir darüber informiert, was im Umgang mit blinden Menschen zu beachten ist. Bart, unser Hauptdarsteller, ist fast vollständig blind. In den ersten Tagen war am Set eine gewisse Anspannung zu spüren. Es herrschte große Unsicherheit, weil keiner der Beteiligten zuvor etwas Vergleichbares gemacht hatte. Aber nach dem Treffen mit der Brailleliga ließen alle ihre Bedenken bemerkenswert schnell hinter sich. Es kehrte immer mehr Normalität in die tägliche Arbeit ein. Das mitzuerleben, war etwas ganz Besonderes.
Für uns als Schöpfer der Serie war es auch ein Lernprozess. Es ist nicht einfach, einem blinden Schauspieler Anweisungen zu geben oder eine Szene zu gestalten, in der er sich nicht frei bewegen kann. Beim Schauspiel geht es normalerweise um Aktion und Reaktion: Man orientiert sich an Gesichtsausdrücken und reagiert auf Blicke und Körpersprache der anderen Beteiligten. Für Bart gab es diese visuelle Ebene nicht, wodurch die Arbeit auch für die anderen Darsteller komplizierter wurde. Selbst ein versierter und erfahrener Schauspieler wie Frank Lammers musste sich darauf erst einmal einstellen.
Es war auch immer wieder notwendig, weit im Voraus über Details nachzudenken. Zum Beispiel sind Stunts eine besondere Herausforderung, wenn ein blinder Darsteller beteiligt ist. Wir mussten Bart ins Wasser werfen, und er musste jemandem ins Gesicht schlagen. Das sind Dinge, die viel Vorbereitung erfordern.
Wir mussten auch alternative Lösungen beim Umgang mit den Drehbüchern finden. Es stellte sich heraus, dass Audiodeskription für unseren Hauptdarsteller am besten funktionierte. Während der Leseproben trug er einen Ohrhörer, über den ihm das Drehbuch vorgelesen wurde, damit er der Handlung folgen konnte. Braille war keine Option. Die Drehbücher waren sehr lang, und ihre Umwandlung in Blindenschrift hätte einen enormen Umfang ergeben. Eine weitere Herausforderung war es, am Set schnelle Änderungen vorzunehmen. Für Bart existiert alles in festen Blöcken in seinem Kopf. Wenn man dann etwas ändern möchte, müssen alle gemeinsam nach einer kreativen Lösung suchen. Aber letztlich entsteht genau aus diesem zusätzlichen Aufwand, dieser gemeinsamen Anstrengung etwas ganz Besonderes, das man so noch nie zuvor gesehen hat.
Welche besonderen Ereignisse oder Höhepunkte während der Produktion sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Mir ist besonders lebhaft in Erinnerung geblieben, wie sich das gesamte Set entwickelt hat. Zu Beginn war die Stimmung noch ein bisschen unbehaglich, aber am Ende lief dann alles wie eine gut geölte Maschine. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich innerhalb kürzester Zeit in einem Mikrokosmos wie einem Filmset entwickeln kann, ist schon etwas Einzigartiges. Ab einem bestimmten Punkt lief alles wie von selbst. Das galt auch für die technischen Feinheiten. Wenn sich Bart zum Beispiel aus dem Licht herausbewegte, wusste das Beleuchter-Team von sich aus, was zu tun war. Alle haben sich schnell an die besonderen Arbeitsbedingungen gewöhnt. Es wurde einfach zur Normalität.
An welchen Stellen wird Ihre persönliche Handschrift in der Serie besonders deutlich?
Mich freut es einfach sehr, dass es uns gelungen ist, eine spannende Serie zu schaffen, die ein breites Publikum anspricht und den Zuschauenden nicht ständig darauf aufmerksam macht, dass eine der Figuren blind ist. Es ist zunächst einmal eine Serie, die man an einem gemütlichen Abend auf dem Sofa genießen kann. Ganz nebenbei erfährt das Publikum aber auch etwas über das Thema Blindheit. Es ging mir nicht darum, eine moralisierende Geschichte zu erzählen oder den Zuschauern vorzuschreiben, was sie denken sollen. Die Menschen werden durch die Einbindung in ein sehr unterhaltsames Umfeld darauf aufmerksam gemacht und können sich dann ihre eigene Meinung bilden. Tatsächlich halte ich das für die wirkungsvollste Herangehensweise.
Was hat Sie dazu bewogen, bei der Produktion mitzuwirken?
Allein schon die Tatsache, dass die Schöpfer der Serie etwas in mir gesehen und mich daher für die Rolle ausgewählt haben, war für mich ein großer Ansporn. Ich wollte sie stolz machen und ihnen zeigen, dass ihre Entscheidung die richtige war. Meine größte Motivation bestand allerdings darin, ein Vorbild für andere blinde oder sehbehinderte Menschen zu sein – insbesondere für diejenigen, die gerade erleben müssen, wie sie nach und nach ihr Augenlicht verlieren. Ich habe das selbst mitgemacht, und damals gab es keine Fernsehserien oder Filme, die mir in der Situation helfen konnten. Es gab nichts, das meine Erfahrungen widerspiegelte. Ich hoffe nun, dass der von mir gespielte Roman anderen als Bezugsfigur dienen und ihnen zeigen kann, dass ein solches Leben möglich ist. Für mich wäre es das Allergrößte, wenn die Serie Menschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, auch nur ein kleines bisschen Unterstützung bieten könnte.
Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht besonders relevant?
Ich denke, die Serie kann dazu beitragen, mehr Verständnis für Blindheit und Sehbehinderung zu schaffen. Viele Menschen wissen einfach zu wenig über dieses Thema. Die Serie kann in dieser Hinsicht durchaus etwas bewirken, weil sie einen Einblick in das Leben blinder oder sehbehinderter Menschen bietet. Sie zeigt, wie sie leben, wie sie arbeiten und wie sie ihren Alltag bewältigen. Vor allem wird dabei deutlich, dass sich ihr Leben eigentlich gar nicht so sehr von dem anderer Menschen unterscheidet. Diese Art der Darstellung kann meiner Meinung nach dazu beitragen, dass sich der Blick auf blinde und sehbehinderte Menschen nachhaltig verändert.
Welche Eindrücke haben Sie hinter den Kulissen gewonnen?
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Film und Schauspielerei waren für mich ein völlig neues Betätigungsfeld, eine neue Welt. Alles war für mich ebenso ungewohnt wie faszinierend. Ich habe viel über Schauspieltechniken gelernt, aber auch über das Filmemachen an sich. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wenn man eine Szene im Fernsehen sieht, ist einem als Zuschauer gar nicht bewusst, dass sie vielleicht zehn-, 15- oder sogar 20-mal gedreht wurde. Aus jeder Kameraperspektive gibt es mehrere Takes. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Ebenfalls überraschend war für mich, dass nie chronologisch gedreht wird. Die Schlussszene der Serie entstand als eine der ersten ganz am Anfang der Dreharbeiten.
Bemerkenswert war auch, wie gut sich das Produktionsteam um mich gekümmert hat. Manchmal hatte ich das Gefühl, fast schon zu viel Unterstützung zu bekommen. Ich musste sie gar nicht immer in vollem Umfang in Anspruch nehmen. Obwohl es bei den Dreharbeiten sehr intensiv und anstrengend zuging, waren sie für mich äußerst angenehm. Ich hatte zum Beispiel einen Trailer für mich allein, was bei belgischen Produktionen nicht üblich ist – und in den Niederlanden meines Wissens auch nicht. Wenn ich mich überlastet fühlte oder einfach so eine Viertelstunde zum Überbrücken hatte, konnte ich mich dort ausruhen. Das hat wirklich viel gebracht. Ich habe fast nie am Mittagessen teilgenommen, weil ich so müde war, dass ich mich um diese Uhrzeit immer hinlegen musste. Die zweite Regieassistentin Noémie kam dann zehn Minuten vor meinem Einsatz, um mich zu wecken und mir Essen zu bringen.
Welche besonderen Ereignisse oder Höhepunkte während der Produktion sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Dazu fällt mir eine ganze Menge ein. Ein Tag in Rotterdam ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Wir drehten sehr schwierige, emotional herausfordernde Szenen und ich hatte einen schlechten Tag. Es fiel mir schwer, mich voll darauf einzulassen und mein Bestes zu geben. Wir drehten auf einem Schiff. Um den reibungslosen Ablauf der Dreharbeiten zu gewährleisten, gab es darüber hinaus ein Schlauchboot, in dem Personen und Equipment transportiert wurden. Da ich wie üblich wieder auf das Mittagessen verzichtete, sorgte die zweite Regieassistentin Noémie dafür, dass ich während der Pause mit einigen Crewmitgliedern in dem Schlauchboot aufs Wasser hinausfahren durfte. Wir waren dann im Hafen unterwegs, kamen an anderen kleinen Booten vorbei und für ein paar Minuten durfte ich sogar selbst das Steuer übernehmen. Das war so ein beruhigendes und wohltuendes Erlebnis. Es war so cool, dass Noémie das möglich gemacht hat. Das hat mir wirklich viel bedeutet. Der Rest meines Tages war dann deutlich angenehmer, und alles fiel mir leichter. Insgesamt war der Produktionsprozess der Serie vergleichbar mit einer gigantischen Achterbahnfahrt, aber Momente wie dieser sind mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Dafür bin ich sehr dankbar.
An welchen Stellen wird Ihr persönlicher Beitrag zu der Serie besonders deutlich?
Es gab am Set viele Momente, in denen ich mich nicht streng an das Drehbuch gehalten habe. Ich habe Dialogzeilen geändert oder neue hinzugefügt, weil es sich so für mich richtiger anfühlte. In Folge drei oder vier zum Beispiel, als Roman mit seiner Freundin über seine Zweifel bezüglich des Babys spricht, sagt er sinngemäß: "Ich neige dazu, die Dinge zu unterschätzen. Ich denke immer, dass alles gut wird, bis es dann doch nicht so ist." Diese Aussage könnte auch von mir persönlich stammen. In vielerlei Hinsicht ist Roman mir sehr ähnlich, sodass wir mitunter schwer auseinanderzuhalten sind. Als ich die Rolle bekam, wurde auch die Geschichte der Serienfigur ein wenig an meine eigene angepasst. Dadurch fühlte es sich für mich sehr natürlich an, ihn zu spielen. Ich hatte nicht den Eindruck zu schauspielern, sondern ich selbst zu sein.
Es gibt Szenen, in denen ich einfach frei heraus spreche und Dinge sage, die nicht unbedingt so im Drehbuch standen. Sie fühlten sich aber in diesem Moment authentisch an. Als meine Freunde die Serie sahen, schrieben sie mir Kommentare wie: "Das kann so nicht im Drehbuch gestanden haben. Das warst einfach Du." Sie erkennen mich eindeutig in Roman wieder – und das bedeutet mir unglaublich viel.
Neben dem akustischen und visuellen Konzept zur Serie war es auch nötig, sich mit Hilfsmitteln für blinde Menschen exakt auszukennen. Dabei halfen uns unsere blinden Kolleginnen und Kollegen, damit alle vorkommenden Gegenstände korrekt benannt werden konnten.
"Blind Sherlock" besticht vor allem durch die zahlreichen visualisierten Audiospuren. Roman, der "Blind Sherlock", hört die Aufnahmen ab, taucht dabei tief in die Szenerien ein und findet sich zwischen den Protagonistinnen und Protagonisten wieder – mal am Golfwagen, mal im Wohnzimmer, mal in einer Autowerkstatt. Wenn er das Gehörte erkennt, verändern sich die Bilder. Diese bildgewaltige Umsetzung stellte eine große Herausforderung dar: Den kleinen Audiodeskriptionsraum so zu gestalten, dass genug Raum zum Hören der vielen Sounds bleibt, aber gleichzeitig die verschiedenen visuellen Eindrücke vermittelt werden. Dadurch entsteht eine hörorientierte Krimi-Erfahrung.
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