Ellbogen

Spielfilm, Romanadaption, Redaktion Das kleine Fernsehspiel

Hazal (Melia Kara) versucht nach einer folgenschweren Tat, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen.
ZDF/ Andaç Karabeyoğlu-Thomas
Hazal (Melia Kara) versucht nach einer folgenschweren Tat, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. ZDF/ Andaç Karabeyoğlu-Thomas

Hazal ist 17 und Berlinerin. Ihr sehnlichster Wunsch: eine Chance im Leben. Auf der Jobsuche stößt sie überall auf Vorurteile und will an ihrem 18. Geburtstag eigentlich nur feiern – doch nach einem dramatischen Zwischenfall flüchtet sie panisch in das ihr unbekannte Istanbul. "Ellbogen" erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich aus der Gesellschaft verdrängt fühlt.

Sendedatum

ad ut ab Freitag, 17. Oktober 2025, 10.00 Uhr, für 90 Tage
ad ut Montag, 20. Oktober 2025, 0.25 Uhr

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Stab

Buch                                 Claudia Schaefer und Aslı Özarslan

Regie                                Aslı Özarslan

Kamera                             Andaç Karabeyoğlu-Thomas

Schnitt                              Ana Branea und David J. Achilles

Produzentin                      Jamila Wenske

Koproduzentinnen/

Koproduzent                     Anna Maria Aslanoğlu/Istos Film (Türkei), Delphine Schmit und
                                         Guillaume Dreyfus/Tripode Productions (Frankreich), Julia Peters und
                                         Jutta Feit/ JIP Film & Verleih

Produktion                        Achtung Panda! Media GmbH in Koproduktion mit
                                         ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert von
                                         Medienboard Berlin-Brandenburg, Kuratorium Junger Deutscher Film,
                                         Hessen Film, Deutscher Filmförderfonds, FFA/CNC Mini-Traîte,
                                         Tarabya Koproduktionsfund (Deutschland-Türkei)

Redaktion                         Varinka Link (ZDF), Claudia Tronnier, Loren Müller
                                         (ZDF/Das kleine Fernsehspiel)

Länge                               86 Minuten

 

Besetzung

Hazal                               Melia Kara

Elma                                Jamilah Bagdach

Gül                                   Asya Utku

Ebru                                 Nurgül Ayduran

Sultan                              Jale Arikan

Onur                                Ali-Emre Sahin

Semra                              Mina Özlem Sağdiç

Mahdi                               Shadi Eck

Mehmet                            Doğa Gürer

Halil                                 Haydar Şahin

Salih                                Ercan Karaçayli

Ömer Kuzu                      Orhan Kiliç

und weitere
 

Inhalt

Hazal ist 17 und lebt in Berlin-Wedding. Ihr sehnlichster Wunsch: ein Leben. Trotz vieler Bewerbungen wird sie zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. Stattdessen sitzt sie in einer Bildungsmaßnahme vom Job-Center fest, die sie immer wieder auf ihren vermeintlichen Platz verweist. Aber an ihrem 18. Geburtstag fühlt sich Hazal stark. Es ist wie in alten Zeiten, als sie und ihre Freundinnen dachten, sie könnten alles erreichen, solange sie nur zusammenhalten. Erst als sie in der Schlange eines hippen Clubs stehen, wird Hazal klar, dass sie hier nicht hingehören. Und sie behält recht. Der Türsteher lässt sie abblitzen. Auf dem Heimweg belästigt sie ein überheblicher Student, die Situation eskaliert. Hazals Wut über die nicht endende Ablehnung entlädt sich – eine folgenschwere Begegnung. Hazal flieht Hals über Kopf nach Istanbul, eine neue Stadt in einem ihr unbekannten Land. Dort muss sie allein überleben, koste es, was es wolle.

Regiestatement Aslı Özarslan

Als ich 2017 in einem Buchladen stand, sah mich eine selbstbewusste junge Frau direkt an. Es war das Buchcover von Ellbogen. Schon die ersten Seiten des Buchs zogen mich in den Bann, da ich die Perspektive dieser jungen migrantischen Heranwachsenden als einzigartig empfand. Mit meinen zwei langen Kinodokumentarfilmen in der Tasche sprach ich Fatma Aydemir, die Romanautorin an, ob sie sich vorstellen, könnte das Buch zu verfilmen. Mir war klar, ich möchte Hazal, die Hauptfigur auf Augenhöhe erzählen. Nicht über sie, sondern mit ihr. Ich wollte konsequent nur ihren Blick auf die Welt zeigen. Mit all ihren Ambivalenzen, ihrer Wut – ohne sie erklären oder verteidigen zu müssen. Sie sollte einfach sein dürfen.

Meine Ideen und auch der Wunsch mit Laiendarstellerinnen zu arbeiten, überzeugten Fatma und sie gab mir das "go". Ein unglaublicher Moment. "Scham ist schlimmer als Angst", sagt Hazal im Roman wütend zu sich selbst und spiegelt damit ihre eigene Innenwelt. "Ellbogen" ist ein atmosphärisch dichtes Porträt einer jungen Frau, die einen hohen Preis zahlt, um sich von den Projektionen der Gesellschaft zu befreien. Vor allem die Tat und Hazals scheinbar fehlende Reue haben uns gepackt und lassen uns nicht mehr los. Hazal wendet sich, im positiven Sinne, von der Meinung der Mehrheitsgesellschaft ab. Doch

sie ist weder ein eindimensionales "Opfer" noch eine Muster-Migrantin, die alles richtig macht. Sie ist eine komplexe Frauenfigur, die sich der Täter-Opfer-Dichotomie verweigert. Für uns ist sie eine manchmal ruppige, aber dennoch sympathische Figur. Sie trägt dazu bei, die Barrieren der Gesellschaft aufzuzeigen, die so schwer zu durchbrechen sind. Hazals Welt ist eine, die nicht nur ich, sondern viele Migrant*innen in Deutschland und Europa kennen. Es ist ein Leben, das darin besteht, sich ständig behaupten oder beweisen zu müssen. In Hazal wird diese Gesellschaft entlarvt. Ihre Stärke berührt uns tief. Nach fünf Jahren Arbeit an diesem Film freue ich mich wahnsinnig, dass "Ellbogen" all den jungen Hazals in Deutschland eine Sichtbarkeit geben wird.

Festivals und Preise (Auswahl)
  • 2024 Berlinale – im Wettbewerb Generation 14 plus (Weltpremiere)
  • 2024 Internationales Frauen*Film Fest Köln + Dortmund: Beste Regie Internationaler Debüt-Spielfilm
  • 2024 Lichter Filmfest Frankfurt International – Hauptpreis Bester regionaler Langfilm
  • 2024 Filmfestival Türkei Deutschland
  • 2024 Neisse Filmfestival
  • 2024 Achtung Berlin! – Spotlight Berlin
  • 2024 Crossing Europe
  • 2024 Goldener Spatz: Publikumspreis für den besten Jugendfilm
  • 2024 Kurdische Filmtage Leipzig
  • 2024 Filmfest Emden
  • 2024 Heimat Europa Filmfestspiele Simmern
  • 2024 Hessischer Film- und Kinopreis 2024: Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption
Biografie Aslı Özarslan (Drehbuch und Regie)

Aslı Özarslan, 1986 in Berlin geboren, studierte Theater und Medien an der Universität Bayreuth sowie Philosophie und Soziologie an der Université Sorbonne IV in Paris. Von 2012 bis 2017 absolvierte sie ein Studium der Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg und nahm an internationalen Regieworkshops unter anderem bei Béla Tarr, Scandar Copti und Dror Moreh teil. Ihre Filme "Insel 36" (2014) und "Dil Leyla" (2016) wurden auf nationalen und internationalen Festivals ausgezeichnet. Und 2023 wurde sie von Netflix zu einem Talent Workshop in Prag eingeladen.

Mit "Ellbogen" (2024) gab sie ihr Spielfilmdebüt. Der Film feierte seine Weltpremiere auf der 74. Berlinale und wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem auf der Frankfurter Buchmesse als beste Literaturadaption.

Das kleine Fernsehspiel - Die Nachwuchsredaktion im ZDF

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