Ellbogen
Spielfilm, Romanadaption, Redaktion Das kleine Fernsehspiel
Hazal ist 17 und Berlinerin. Ihr sehnlichster Wunsch: eine Chance im Leben. Auf der Jobsuche stößt sie überall auf Vorurteile und will an ihrem 18. Geburtstag eigentlich nur feiern – doch nach einem dramatischen Zwischenfall flüchtet sie panisch in das ihr unbekannte Istanbul. "Ellbogen" erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich aus der Gesellschaft verdrängt fühlt.
Texte
Stab
Buch Claudia Schaefer und Aslı Özarslan
Regie Aslı Özarslan
Kamera Andaç Karabeyoğlu-Thomas
Schnitt Ana Branea und David J. Achilles
Produzentin Jamila Wenske
Koproduzentinnen/
Koproduzent Anna Maria Aslanoğlu/Istos Film (Türkei), Delphine Schmit und
Guillaume Dreyfus/Tripode Productions (Frankreich), Julia Peters und
Jutta Feit/ JIP Film & Verleih
Produktion Achtung Panda! Media GmbH in Koproduktion mit
ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert von
Medienboard Berlin-Brandenburg, Kuratorium Junger Deutscher Film,
Hessen Film, Deutscher Filmförderfonds, FFA/CNC Mini-Traîte,
Tarabya Koproduktionsfund (Deutschland-Türkei)
Redaktion Varinka Link (ZDF), Claudia Tronnier, Loren Müller
(ZDF/Das kleine Fernsehspiel)
Länge 86 Minuten
Besetzung
Hazal Melia Kara
Elma Jamilah Bagdach
Gül Asya Utku
Ebru Nurgül Ayduran
Sultan Jale Arikan
Onur Ali-Emre Sahin
Semra Mina Özlem Sağdiç
Mahdi Shadi Eck
Mehmet Doğa Gürer
Halil Haydar Şahin
Salih Ercan Karaçayli
Ömer Kuzu Orhan Kiliç
und weitere
Inhalt
Hazal ist 17 und lebt in Berlin-Wedding. Ihr sehnlichster Wunsch: ein Leben. Trotz vieler Bewerbungen wird sie zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. Stattdessen sitzt sie in einer Bildungsmaßnahme vom Job-Center fest, die sie immer wieder auf ihren vermeintlichen Platz verweist. Aber an ihrem 18. Geburtstag fühlt sich Hazal stark. Es ist wie in alten Zeiten, als sie und ihre Freundinnen dachten, sie könnten alles erreichen, solange sie nur zusammenhalten. Erst als sie in der Schlange eines hippen Clubs stehen, wird Hazal klar, dass sie hier nicht hingehören. Und sie behält recht. Der Türsteher lässt sie abblitzen. Auf dem Heimweg belästigt sie ein überheblicher Student, die Situation eskaliert. Hazals Wut über die nicht endende Ablehnung entlädt sich – eine folgenschwere Begegnung. Hazal flieht Hals über Kopf nach Istanbul, eine neue Stadt in einem ihr unbekannten Land. Dort muss sie allein überleben, koste es, was es wolle.
Als ich 2017 in einem Buchladen stand, sah mich eine selbstbewusste junge Frau direkt an. Es war das Buchcover von Ellbogen. Schon die ersten Seiten des Buchs zogen mich in den Bann, da ich die Perspektive dieser jungen migrantischen Heranwachsenden als einzigartig empfand. Mit meinen zwei langen Kinodokumentarfilmen in der Tasche sprach ich Fatma Aydemir, die Romanautorin an, ob sie sich vorstellen, könnte das Buch zu verfilmen. Mir war klar, ich möchte Hazal, die Hauptfigur auf Augenhöhe erzählen. Nicht über sie, sondern mit ihr. Ich wollte konsequent nur ihren Blick auf die Welt zeigen. Mit all ihren Ambivalenzen, ihrer Wut – ohne sie erklären oder verteidigen zu müssen. Sie sollte einfach sein dürfen.
Meine Ideen und auch der Wunsch mit Laiendarstellerinnen zu arbeiten, überzeugten Fatma und sie gab mir das "go". Ein unglaublicher Moment. "Scham ist schlimmer als Angst", sagt Hazal im Roman wütend zu sich selbst und spiegelt damit ihre eigene Innenwelt. "Ellbogen" ist ein atmosphärisch dichtes Porträt einer jungen Frau, die einen hohen Preis zahlt, um sich von den Projektionen der Gesellschaft zu befreien. Vor allem die Tat und Hazals scheinbar fehlende Reue haben uns gepackt und lassen uns nicht mehr los. Hazal wendet sich, im positiven Sinne, von der Meinung der Mehrheitsgesellschaft ab. Doch
sie ist weder ein eindimensionales "Opfer" noch eine Muster-Migrantin, die alles richtig macht. Sie ist eine komplexe Frauenfigur, die sich der Täter-Opfer-Dichotomie verweigert. Für uns ist sie eine manchmal ruppige, aber dennoch sympathische Figur. Sie trägt dazu bei, die Barrieren der Gesellschaft aufzuzeigen, die so schwer zu durchbrechen sind. Hazals Welt ist eine, die nicht nur ich, sondern viele Migrant*innen in Deutschland und Europa kennen. Es ist ein Leben, das darin besteht, sich ständig behaupten oder beweisen zu müssen. In Hazal wird diese Gesellschaft entlarvt. Ihre Stärke berührt uns tief. Nach fünf Jahren Arbeit an diesem Film freue ich mich wahnsinnig, dass "Ellbogen" all den jungen Hazals in Deutschland eine Sichtbarkeit geben wird.
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Aslı Özarslan, 1986 in Berlin geboren, studierte Theater und Medien an der Universität Bayreuth sowie Philosophie und Soziologie an der Université Sorbonne IV in Paris. Von 2012 bis 2017 absolvierte sie ein Studium der Dokumentarfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg und nahm an internationalen Regieworkshops unter anderem bei Béla Tarr, Scandar Copti und Dror Moreh teil. Ihre Filme "Insel 36" (2014) und "Dil Leyla" (2016) wurden auf nationalen und internationalen Festivals ausgezeichnet. Und 2023 wurde sie von Netflix zu einem Talent Workshop in Prag eingeladen.
Mit "Ellbogen" (2024) gab sie ihr Spielfilmdebüt. Der Film feierte seine Weltpremiere auf der 74. Berlinale und wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem auf der Frankfurter Buchmesse als beste Literaturadaption.
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