Fleisch
Drama / Ein hybrider Film aus der Redaktion Das kleine Fernsehspiel
"Fleisch" ist ein hybrider Spielfilm über die Schattenseiten der deutschen Fleischverarbeitung. Die Regie des fiktionalen Teils übernehmen ehemalige Arbeiter der deutschen Fleischindustrie, Dragos (Dragos Tomescu) und Petrica (Petrica Onofrei), sowie Gewerkschafterin Raluca (Raluca Gheorghe). Stellvertretend für viele Schicksale erzählen sie die Geschichte von Adrian (Axel Moustache), der nach brutaler Ausbeutung in Deutschland beginnt, sich gegen das System aufzulehnen. Auf der dokumentarischen Ebene bezeugen die drei im Austausch mit dem Regieteam Eike Weinreich und Alexej Hermann die Zustände der Arbeitenden in den deutschen Schlachthöfen.
Fotos
Texte
Die beiden Co-Regisseure Eike Weinreich und Alexej Hermann arbeiten immer wieder mit Menschen, die viel zu erzählen, aber keinen Zugang zu erzählenden Medien haben. Auch hier treten die beiden in ihrer Funktion als Regisseure und Autoren hinter die echten Expert*innen des erzählten Milieus zurück und unterstützen ehemalige Mitarbeiter der Fleischindustrie dabei, einen entlarvenden Film über diese Branche zu machen. Dabei profitiert der fertige Film von einer anders nicht zu erreichenden Authentizität und Genauigkeit in der Darstellung von Machtdynamiken, Abhängigkeiten und offener Ausbeutung. Ähnlich wie in der Landwirtschaft und der Pflege existiert auch in der fleischverarbeitenden Industrie eine Schattenwirtschaft, die uns Konsumenten günstige Preise ermöglicht, gleichzeitig aber Hunderttausenden ausländischen Arbeitskräften die grundlegenden Arbeitnehmerrechte verweigert. Nicht alles wird offen vor der Kamera ausgesprochen, weil die Angst zu groß ist. Einiges kann fiktionalisiert aber erzählt werden.
Diese hybride Filmarbeit zeigt, wie sinnvoll zwei Genres ineinandergreifen können und wie fruchtbar es sein kann, Menschen, die sich wirklich auskennen, Zugang zu erzählerischen Mitteln zu geben.
Stab
Buch Eike Weinreich in Zusammenarbeit mit rumänischen
Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Fleischindustrie
Regie Eike Weinreich und Alexej Hermann in Zusammenarbeit
mit rumänischen Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Fleischindustrie.
Kamera Alexej Hermann, Giulia Schelhas
Schnitt Alexej Hermann
Szenenbild Dorothee von Bodelschwingh
Kostüme Ines Köhler-Klünenberg
Produzent Stefan Gieren
Produktion Storybay in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel
gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM)
Redaktion Lucia Haslauer
ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Länge 85 Minuten
Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller
Dragos Dragos Tomescu
Petrica Petrica Onofrei
Raluca Raluca Gheorghe
Adrian Axel Moustache
Paolina Oana Solomon
Marina Alina Serban
Vorarbeiter Eugen Pirvu
Eugen Madalin Mandin
Sorin Theodor Ioan Dobrescu
Breda Nathalie Oros
und weitere
Inhalt
Adrian verliert in Rumänien seinen Job und sieht keine andere Möglichkeit als nach Deutschland zu reisen, um hier zu arbeiten, damit seine kranke Frau und sein neunjähriger Sohn versorgt sind. Was wie ein Ausweg wirkt, führt ihn in die brutale Realität der Fleischindustrie: überfüllte Unterkünfte, gefährliche Arbeitsbedingungen, nicht nachvollziehbare Lohnabzüge, Ausbeutung. Orientierung und Trost findet er bald in einer Affäre mit der Pflegekraft Paolina. Als ihn das Unrecht fast erdrückt, nimmt er sein Schicksal in die Hand und versucht, sich gegen das System zu wehren.
Auf der dokumentarischen Ebene des Films beobachtet man zweiehemalige Fleischarbeiter und eine Gewerkschafterin gemeinsam mit dem Regie-Team Eike Weinreich und Alexej Hermann, wie Adrians Geschichte prototypisch und auf Basis eigener Erfahrungen, entwickelt und inszeniert wird. Sie berichten aus der Realität der Fleischarbeiterinnen und Fleischarbeiter, erklären konkrete Situationen und briefen die Schauspielenden in Sachen Dynamiken, Hierarchien und Gefahren bei der Arbeit im Schlachthof.
Wir begegnen diesem Thema jeden Tag im Supermarkt. Aber die sauber geschnittenen Salami-Scheiben und das rosige Hackfleisch mit Gütesiegel lässt uns vergessen, wie diese Produkte hergestellt werden.
Viele Menschen verzichten aus Tierliebe auf Fleisch. Wir kennen die Enthüllungen aus den Fabriken. Aber dass mitten in Deutschland noch immer Tausende Menschen in ein ausbeuterisches System gezwungen werden – Menschen, die wegen fehlender Sprachkenntnisse und fehlender Interessenvertretung faktisch rechtlos sind – das blenden wir aus.
Ich habe mich über Monate hinweg immer wieder mit Arbeitern aus der Fleischindustrie getroffen, um mit ihnen das Konzept für einen Film zu entwickeln. Ohne mich direkt auf ihr Schicksal, den Prozess des Schlachtens oder das ausbeuterische System zu fixieren, wollte ich im ersten Schritt von jeder Person wissen: Was für einen Film würdest DU machen? Mich interessierte, welche Bilder, welche Formen, welche Geschichten aus ihnen selbst heraus entstehen. Die rumänischen Arbeiter, mit denen ich gearbeitet habe, waren sich erstaunlich einig: Sie wollen keinen dokumentarischen Film. Sie wollen Fiktion.
Einen Film, der sich der Realität nähert, gerade weil er sie nicht eins zu eins abbildet. Einen Film, der die künstlerische Freiheit nutzt, um sichtbar zu machen, was sonst verborgen bleibt. Was hinter verschlossenen Türen passiert. Mitten in Deutschland. Jeden Tag.
Biografie Eike Weinreich (Buch und Regie)
Eike Weinreich, geboren 1985 in Oldenburg, ist Schauspieler, Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur sowie Stipendiat der Claussen-Simon-Stiftung Hamburg. Von 2007 bis 2011 studierte er Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig und war währenddessen Teil des Schauspielstudios am Staatsschauspiel Dresden. Im Anschluss an seine Ausbildung wurde er festes Ensemblemitglied am Theater Oberhausen. Gleichzeitig nahm er ein Filmregie-Studium an der HfbK Hamburg auf, das er im Juli 2018 erfolgreich mit seinem Abschlussfilm "Von komischen Vögeln" abschloss, der bei den Hofer Filmtagen lief. In Kooperation mit dem Staatstheater Saarbrücken und Schülerinnen und Schülern der Schule Rastbachtal brachte er das Filmprojekt "Morgen alles anders" heraus. Nach diversen Filmen im interkulturellen Sektor, lief "Endlich frei" bei SAT 1. Für das ZDF/Das kleine Fernsehspiel schrieb er "Fleisch" und inszenierte ihn gemeinsam mit Alexej Hermann. Mit Menschen mit Beeinträchtigung realisierte er seinen Abschlussfilm und entwickelt die Serie "Das unorganisierte Verbrechen".
Biografie Alexej Hermann (Regie)
1985 in Kasachstan geboren und in Norddeutschland aufgewachsen, lebt und arbeitet Alexej Hermann heute in Halle (Saale) und Berlin. Bereits während seines Studiums realisierte er zahlreiche Filmprojekte als Regisseur, Kameramann und Editor, die auf renommierten Festivals liefen. Sein Diplomfilm "Von komischen Vögeln" (Co-Regie mit Eike Weinreich) feierte 2017 Premiere bei den Hofer Filmtagen und kam 2018 ins Kino. Der mittellange Spielfilm "Die Übriggebliebenen" wurde 2018 ebenfalls auf den Hofer Filmtagen uraufgeführt. Gemeinsam mit Eike Weinreich bildet er das Regieduo FreudeFilm, unter dessen Label die beiden vier Langfilme, drei mittellange sowie mehrere Kurzfilme entwickelt und realisiert haben. Zudem hat Alexej Hermann zahlreiche partizipative Filmprojekte mit Kindern und Jugendlichen umgesetzt. Von 2018–2019 nahm er am TP2 Talentpool teil, einem Förderprogramm der Mitteldeutschen Medienförderung und der Thüringer Staatskanzlei für Nachwuchsfilmemacher. 2020 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt für sein Jugendfilmprojekt "Time is Now". Sein jüngster Langfilm "schwere l o s" (Co-Regie mit Eike Weinreich) feierte 2021 Premiere bei den Hofer Filmtagen. 2022 wurde sein essayistischer Dokumentarfilm "Vaterbilder" (Kurzfilm) durch die Kunststiftung Sachsen-Anhalt gefördert. Gemeinsam mit Eike Weinreich führte er Regie bei "Fleisch" (ZDF/Das kleine Fernsehspiel).
Fotos sind erhältlich über ZDF-Kommunikation, Telefon: 06131 - 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/fleisch
Kontakt
Programmkommunikation Fiction, Entertainment und Young Audience
magdanz.m@zdf.de
+49 30 2099-1093