German Guilt

Dreiteilige Doku-Serie

Waren unsere Vorfahren zur Zeit der NS-Diktatur Täter, Opfer oder Mitläufer? Warum wurde darüber in vielen deutschen Familien nie offen gesprochen?
In der Doku-Serie "German Guilt" gehen Journalist Thilo Mischke, Schauspielerin Katja Riemann und Autorin Ronja von Rönne diesen Fragen nach und erforschen ihre eigene Familiengeschichte. Unterstützt von Historikern und Rechercheuren öffnen sie Familienarchive, durchforsten Dachböden und besuchen Orte, die bis heute Spuren der Vergangenheit tragen.

Sendedatum

Ab Mittwoch, 21. Januar 2026, 10.00 Uhr im ZDF streamen

Fotos

Texte

Episodentitel und Stab

German Guilt
Dreiteilige Doku-Serie

Episode I: Familiengeheimnisse
Episode II: Spurensuche
Episode III: Verantwortung

Stab
Film von                      Boris Quatram und Thilo Mischke
Regie                          Boris Quatram
Kamera                       Florian Baumgarten, Fabian Beyer, Maja Dybuk, Leonard Schmidt
Montage                      Christian Djimdé
Redaktion                   Nina Behlendorf
Leitung                        Markus Wenniges
Sendelänge                3 x circa 35 Minuten

Inhalt

Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte: Journalist Thilo Mischke geht gemeinsam mit Schauspielerin Katja Riemann und Autorin Ronja von Rönne der Frage nach: Wer waren meine Vorfahren zur Zeit der NS-Diktatur – Täter, Opfer, Mitläufer? Und warum wurde darüber in vielen Familien nie offen gesprochen?

Thilo Mischke stößt bei seiner Recherche auf ein Familiengeheimnis: Seine Großmutter kam unehelich in einem Heim des Lebensborn zur Welt. Das war ein von der SS getragener staatlich geförderter Verein, in dem "arische" Schwangere unterstützt, uneheliche Kinder von SS-Vätern geboren und geraubte Kinder "eingedeutscht" wurden. "Was bedeutet das für ihre Geschichte – und für meine?", fragt sich Mischke.

Schauspielerin Katja Riemann will klären, was mit ihrer Großmutter geschah, die 1945 unter ungeklärten Umständen starb. "Es ist meine Familie. Ich will das wissen – bis zum Ende."

Schriftstellerin Ronja von Rönne weiß über ihre Vorfahren kaum etwas – nur Bruchstücke, wie die rätselhafte Geschichte ihres Opas, der bis zu seinem Tod eine Kugel im Kopf trug. "Bei uns gibt es viele Legenden, aber wenig Fakten. Für mich geht es um emotionale Aufarbeitung. Die dunklen Ecken auskratzen – das ist wichtig."

Der Publizist Michel Friedman bringt die Perspektive der Opfer und ihrer Nachkommen ein: "Wenn es eine Erinnerungskultur gibt, dann ist sie oft ein schwarzes Loch. Wir müssen dieses Schweigen überwinden", so Friedman.

Gemeinsam mit Host Thilo Mischke erzählt Filmemacher Boris Quatram in der Serie "German Guilt" sehr persönliche, bewegende Familiengeschichten und stellt zugleich die großen Fragen: Wie gelingt Erinnerungskultur in einer Zeit, in der historische Verantwortung zunehmend infrage gestellt wird? Und wie können wir verhindern, dass sich Geschichte wiederholt?

Kurzinhalt der Episoden

Episode I: Familiengeheimnisse
Geliebte Oma, Tausendsassa, Kommunistin: Wer ist Thilo Mischkes Großmutter wirklich? Auch Schauspielerin Katja Riemann will mehr herausfinden über ihre Großmutter. Die stirbt 1945 unter ungeklärten Umständen in einer Nervenheilanstalt. Eine packende Suche nach Antworten beginnt.

Episode II: Spurensuche
Schauspielerin Katja Riemanns emotionale Reise geht weiter: Sie besucht die Klinik, in der ihre Großmutter starb. Reporter Thilo Mischke muss die eigene Familienlegende umschreiben. Und Schriftstellerin Ronja von Rönne trifft ihre geliebte "Gromi". Die spricht über ihren Mann, der während seines ganzen Lebens eine Kugel im Kopf hatte.

Episode III: Verantwortung
Lebensborn, Staatssicherheit, KPD – Thilo Mischkes Familiengeschichte ist ein Krimi. Ronja von Rönne taucht in die Geschichte der Wehrmacht auf Kreta ein. Und Katja Riemann recherchiert weiter zum Thema Euthanasie.

Zitate von Michel Friedmann aus "German Guilt"

"Als ich mit zehn Jahren nach Deutschland kam, hatte ich die Vorstellung (…) , dass da viele Menschen im Gefängnis sitzen: die, die direkt im KZ gearbeitet haben, die Mörder, die Mörderinnen; auch wer am 9. November, als die Synagogen 38 brannten, zugeschaut hat. – Und als ich nach Deutschland kam, war Deutschland eine weiße Tapete. Und hinter diesen Tapeten waren Ein-Familien-Häuser und das Wirtschaftswunder."

"Die Kinder, die mit mir in die Schule gingen, waren meine Freunde. Aber die meisten kamen immer zu uns nach Hause. Und irgendwann habe ich einen meiner Freunde gefragt: Sag mal, warum lädst du mich denn nicht irgendwann mal zu dir nach Hause ein? Und der sagte zu mir: 'Bist du verrückt? Wenn ich dich einlade und meine Eltern erfahren würden, dass du ein Kind von Holocaust-Überlebenden bist, wäre bei uns die Hölle los. Wir sprechen über solche Dinge nicht.' Also: Wenn es eine Erinnerungskultur gibt, dann ist es ein schwarzes Loch."

"Wir wissen nichts voneinander. Wir sprechen auch nicht darüber. Warum eigentlich nicht? Es geht doch nicht mehr um Vorwürfe, sondern wir werden nie in die Tiefe gegangen sein. Und das tut mir so weh für meine nichtjüdischen deutschen Freunde."

"Es geht um unser Leben. Wir wollen Freiheit, Menschenrechte. Ich habe gelernt: Jeder ist jemand. Und ich habe aber auch gelernt, wozu es führt, wenn Menschen sagen: Einige sind niemand."

Fragen an Filmautor und Journalist Thilo Mischke

Wann ist die Idee zu "German Guilt" entstanden und warum ist dieses Projekt für Sie wichtig?

Schon immer war es mir ein Anliegen Erinnerungskultur zugänglicher zu machen. Der Versuch für das ZDF dieses Format zu produzieren ist entstanden, als ich ein Foto meiner Großmutter mit einer KI animiert habe. Plötzlich war sie lebendig und ich habe gespürt, wie ihre Geschichte lebendig wird. So entstand die Idee, durch die eigene Wahrnehmung meiner Familie Geschichte wieder lebendig werden lassen.

Mit dem Filmprojekt machen Sie sich auf die Suche, nach dem, was in ihrer eigenen Familie über die NS-Zeit verschwiegen oder geschönt dargestellt wurde. Was war Ihre Motivation, dies öffentlich und nicht privat zu tun?

In der Annahme, in meiner Familie gäbe es keine dunklen Geheimnisse, habe ich diese Recherche begonnen. Diese Überraschung, dieses Gefühl, festzustellen, auch in meiner Familie wurde verheimlicht, hat mich motiviert. Und ich wollte mit Beispiel vorangehen – auch wenn wir Unangenehmes erfahren, ist es besser es anzusprechen als es zu ignorieren.

In Episode I heißt es, dass viele Prominente angefragt worden seien, ob sie sich mit auf eine Reise in ihre eigene Familiengeschichte während der NS-Diktatur machen würden, und dass die meisten abgelehnt hätten. Was waren die Gründe dafür?

Eine Absage hat es sehr deutlich gemacht, ich zitiere jetzt mal frei: "Was, wenn da was rauskommt, dann bin ich ja nur noch der mit den Naziverwandten." Die Scham ist bis heute noch enorm stark. Das hat mich überrascht.

Welches war der Moment während der Recherche und der Dreharbeiten, der sie am meisten bewegt hat?

Ich habe ein Interview mit einer Frau in Polen geführt, eine Zeitzeugin. 80 Jahre später weint sie im Interview kleine, zarte Tränen wegen großer Ungeheuerlichkeiten. Ihre Geschichte wäre vergessen, aber wir haben sie erzählt. Wir durften sie erzählen.

Was hat die Reise in die Vergangenheit Ihrer Großmutter mit Ihnen gemacht? Hätten Sie das im Vorfeld so erwartet?

Mein Blick auf meine Großmutter hat sich nicht verändert, aber ich habe jetzt mehr Fragen. Was ging in ihr vor, wenn ich gefragt habe – ich habe sehr oft nach ihrem Vater gefragt – und sie immer wieder gesagt hat, sie wüsste da nichts, das sei nur ihr Erzeuger. Ich frage mich manchmal: Wie schmerzhaft ist eigentlich Verheimlichen?

Das Filmprojekt ist abgeschlossen – gibt es eine Geschichte danach?

Ja, ich forsche weiter im Leben meiner Oma. Ihr Leben kann ein Beispiel sein für die Komplexität des 20. Jahrhunderts. Das finde ich faszinierend.

Schauspielerin und Autorin Katja Riemann über die Reise in die Vergangenheit ihrer Großmutter

Ich hatte mich entschieden, meinem Verlag ein neues Buch zu pitchen. Eine Spurensuche, um meine Großmutter und ihre Geschichte zu finden. Um herauszufinden, was ich nur in Halbsätzen von meiner Mutter wusste. Ich wollte das verknüpfen mit dem vollständig erhaltenen Briefwechsel meiner Mutter und ihres Bruders durch die nationalsozialistischen Kriegswirren hindurch, wollte mich auf die Spur meiner Familie begeben, meiner Vorfahren, die alle bereits tot und verlöscht sind. Aber durch die Beschäftigung damit könnte ich ihre Verlöschung vielleicht aufheben, dachte ich, lebendig machen, was einst lebendig war. Könnte verstehen, was meine Mutter zu dem Mensch gemacht hatte, als den ich sie, leider nicht lang genug, kannte.

Inmitten dieser Gedanken und Auseinandersetzung erhielt ich einen Anruf von Thilo Mischke, der mir davon erzählte, dass er eine dreiteilige Dokuserie plante, in der er Familiengeschichten aus der NS-Zeit aufspüren wolle und ob es dazu etwas in meiner Familie gäbe. Und ob ich, falls dem so sei, Interesse hätte, dabei zu sein. Mir fiel alles aus dem Gesicht. Was für eine Koinzidenz. Ich sagte zu, unter der Bedingung, dass mein Verlag einverstanden sei.

Dann begannen wir. Er bat mich, meine eigene Suche noch etwas zu verschieben, um mit mir ein Gespräch zu führen, bei dem ich keinen neu gefundenen Informationsstand hätte, sodass wir gemeinsam diesen begleiten könnten. Die Reise in die Vergangenheit sprach deutlich zu mir. Meine tote Großmutter wurde lebendig. Sie bekam eine Biographie. Ich stand an Orten, an denen sie sich aufgehalten hatte, in all ihrem Kummer. Wir fanden ihr Reihengrab, was ein Stück Wiese war. Irgendwo darunter war sie verscharrt worden. Ich las Briefe in ihrer Handschrift und Eintragungen der Krankenakte, in die Sätze, die sie geäußert hatte, eingetragen waren. Ich hörte ihre Stimme. Wir haben sie gefunden und real gemacht. Eine Person, die von dem Wahnsinn des Nationalsozialismus verschluckt wurde. Es ist uns gelungen. Und ich finde kaum die Worte, um auszudrücken, wie dankbar ich dafür bin. Und ja, das Buch wird es geben, darin erzähle ich von noch mehr Spuren, die ich gefunden habe und zu einer Decke verwebte.

Fragen an Schriftstellerin Ronja von Rönne

Was war Ihre Motivation, bei dem Filmprojekt "German Guilt" dabei zu sein?

Reine Neugier. Und Aufklärung. Ohne diese kann Deutschland nicht Verantwortung übernehmen. Ohne Aufklärung ist "Nie wieder" eine hohle Redewendung, gerade jetzt.

Welches war der Moment während der Recherche und der Dreharbeiten, der Sie am meisten bewegt hat?

Sicherlich den Zeitzeugen kennenzulernen. Jemanden, der all das erlebt hat, die Angriffe auf Dörfer und geplante Exekutionen. Und trotzdem war er ein so hinreißender, gastfreundlicher Mensch ohne Ressentiments uns gegenüber. Stattdessen servierten er und seine Familie uns (viel zu viel) Raki und Ziegenkäse. Das Verzeihen können hat mich tief beeindruckt.

Was hat die Reise in die Vergangenheit Ihres Urgroßvaters mit Ihnen gemacht?

Leider habe ich wenig Konkretes über ihn gelernt. Wohl aber wurde mir meine Ignoranz gegenüber dem Grauenhaften, das sich auf Kreta abgespielt hat, bewusst. Ich musste fast weinen vor Wut – und vielleicht auch aus Scham.

Das Filmprojekt ist abgeschlossen – gibt es eine Geschichte danach? 

Ja, sogar eine große. Kurz nach den Dreharbeiten fand meine Großmutter ein ganzes Kästchen voller Feldpost ihres geliebten Papis. Ich werde auf jeden Fall jemanden finden, der seine Sauklaue übersetzen kann. Es bleibt also weiterhin spannend!

Tipps für die Recherche der eigenen Familiengeschichte

Im Bundesarchiv erfährt man, ob es überhaupt Unterlagen zur gesuchten Person gibt und wo sie liegen: Startseite - Bundesarchiv

War die Person Mitglied in NSDAP, SS oder SA, hilft das Archiv in Berlin-Lichterfelde: Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde - Home

Bei Wehrmacht und Waffen-SS ist Berlin-Tegel zuständig: Personenbezogene Unterlagen militärischer Herkunft - Bundesarchiv

Ermittlungsakten zu NS-Verbrechen lagern teilweise in Ludwigsburg: Ludwigsburg - Bundesarchiv

Dokumente über Verfolgte des Nazi-Regimes liegen in Bad Arolsen: Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution

In den jeweiligen Landesarchiven finden sich manchmal Entnazifizierungsakten, in Stadt- und Regionalarchiven persönliche Daten, Adressen und ähnliches.

Weitere Informationen:
Gräbersuche-Online | Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer (Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem): Names

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