In fremden Händen
Thriller
Der wohlhabende Witwer Wolfgang (Robert Hunger-Bühler) lernt im Urlaub die charmante Karola (Désirée Nosbusch) kennen. Nach einem schweren Sturz sind seine beiden Töchter (Picco von Groote, Bettina Burchard) dankbar und froh, dass sich Karola um ihren Vater kümmert. Doch bald schon müssen sich die Schwestern fragen, ob Karolas Hilfsbereitschaft echt ist.
Fotos
Texte
Buch und Regie Christian Bach
Kamera Armin Dierolf
Schnitt Kai Schröter
Szenenbild Markus Dicklhuber
Kostüme Eva Kantor
Ton Daniel Seiler
Musik Vera Maria Weber
Produktionsleitung Hermann Maurer
Herstellungsleitung Ebrahim Sarfaras
Produktion Olga Film GmbH
Produzentin Ulli Weber
Redaktion Anja Helmling-Grob, Julia Sattler
Länge 89 Minuten
Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller
Karola Bussard Désirée Nosbusch
Wolfgang Schneeammer Robert Hunger-Bühler
Jana Schneeammer Picco von Groote
Verena Schneeammer Bettina Burchard
Tobias Peter Ketnath
Ronja Lilo Hollinger
Martin Wagenknecht Shenja Lacher
PK Harburg Thomas Limpinsel
Stationsleiter Benito David Benito Garcia
Nachbarin Rita Irina Wanka
Nachbar Peter Norbert Heckner
und andere
Als die attraktive Karola in das Leben des wohlhabenden Wolfgang tritt, freuen sich seine beiden Töchter, dass sich jemand um den Vater kümmert. Doch führt Karola etwas im Schilde?
Wolfgang hatte Karola in einem Hotel kennengerlernt und sich prompt in sie verliebt. Nach einem schweren Sturz während einer gemeinsamen Wanderung ist Wolfgang nun aufKrücken und auf Hilfe angewiesen.
Als Karola bei Wolfgang einzieht und scheinbar selbstlos dessen komplettes Leben umkrempelt, fragen sich die Töchter Verena und Jana, ob sich die neue Freundin des Vaters womöglich doch nur bereichern will. Das wachsende Misstrauen führt zu Auseinandersetzungen in der Familie. Beleidigt torpediert Karola Verenas und Janas Versuche der Versöhnung, was zum endgültigen Bruch mit dem Vater führt. Zunehmend schirmt sie den kränkelnden Wolfgang nun auch von seinem restlichen Umfeld ab und nimmt seine ärztliche Versorgung selbst in die Hand. Wolfgangs Gesundheit verschlechtert sich dramatisch.
Doch es ist zu spät: Als Wolfgang endlich erkennt, dass er es mit einer skrupellosen Frau zu tun hat, ist er längst vollkommen isoliert und von Karola abhängig. Mit verabreichten Medikamentencocktails ist er unfähig, das Bett zu verlassen und Karola verhindert auch jeden Kontakt mit der Familie.
Durch eigene Nachforschungen gelingt es den Schwestern, Karolas mörderischer Masche auf die Schliche zu kommen.
Als die Olga Film vor einiger Zeit an mich herantrat, um einen Film zum Thema "Missbrauch von Vorsorgevollmachten" zu entwickeln, war sofort mein Interesse geweckt, zumal ich die Chance sah, daraus einen psychologischen Thriller zu machen – ein Genre, das mich sehr reizt. Nach ersten Recherchen war ich nicht nur über das Ausmaß und die vielen Facetten dieser Form des Betrugs erstaunt, sondern auch über das Leid und den psychischen Schmerz, den er verursacht. Nicht selten zerstören die Täter komplette Familien.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war für mich die Ohnmacht der Betroffenen, sobald sie es mit skrupellosen Profis zu tun kriegen. Deutschland scheint ein Paradies für Betrüger zu sein, schaut man sich die schiere Anzahl der Fälle an, von denen sich die meisten wegen Überlastung der Ermittlungsbehörden und Gerichte über Jahre hinziehen.
Ich bin der Redaktion und Produktion sehr dankbar, dass sie sowohl die schonungslose Konsequenz, als auch die moralische Ambivalenz der Story mitgetragen haben. Désirée Nosbusch ist dabei das außerordentliche Kunststück gelungen, eine Frau zu spielen, die uns mit ihrem Charisma und Charme erst verführt, dann mit ihrer geheimnisvollen Doppelbödigkeit verunsichert, bis sie einen psychopathischen Abgrund offenbart, der uns nur noch erschaudern lässt.
"In fremden Händen": eine spannende Geschichte mit vielen Twists. Was haben Sie beim Lesen des Drehbuchs empfunden?
Ich war sofort gefesselt, weil mich das Drehbuch ständig in eine neue Richtung geführt hat. Es ist unglaublich spannend, aber nicht auf eine laute, vordergründige Art, sondern so, dass man sich beim Lesen immer wieder fragt: Wem kann ich eigentlich glauben?
Mich hat besonders interessiert, dass hinter der Thriller-Ebene eine sehr menschliche Geschichte steckt: über Einsamkeit, Bedürftigkeit, Sehnsucht nach Nähe und darüber, wie gefährlich es werden kann, wenn jemand diese Sehnsucht erkennt und ausnutzt.
Karola Bussard, die Frau mit den zwei Gesichtern. Welche Herausforderungen brachte die schauspielerische Arbeit an dieser Rolle mit sich?
Die größte Herausforderung war, Karola nicht als Bösewicht zu spielen. Sie hat zwei Gesichter – ja – aber sie ist keine Karikatur. Spannend war diese ständige Gratwanderung: nach außen Wärme, Fürsorge, Charme und darunter etwas sehr Kontrolliertes, sehr Berechnendes. Man muss als Schauspielerin permanent die Spannung halten zwischen dem, was Karola zeigt, und dem, was sie verbirgt, und dabei trotzdem glaubwürdig bleiben und authentisch wirken.
Wie haben Sie Zugang zu einem so komplexen Charakter wie Karola gefunden?
Ich habe versucht, sie nicht zu bewerten, sondern sie ernst zu nehmen. Karola ist hochintelligent, sehr aufmerksam und hat ein feines Gespür für Menschen. Sie liest Räume sofort. Der Zugang kam für mich über ihre innere Notwendigkeit: Karola handelt nicht zufällig. Sie hat einen Plan, aber vor allem hat sie ein Bedürfnis nach Sicherheit, nach Kontrolle, nach einem Platz in der Welt. Wenn man das versteht, entsteht eine Figur, die erschreckt, aber gleichzeitig auch berührt. Hoffe ich zumindest.
Karola ist ja eine Meisterin der Manipulation. Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, wie sie so geworden ist?
Ja, unbedingt. Für mich ist Karola nicht einfach so geworden. Ich glaube, sie hat irgendwann gelernt, dass Nähe ein Machtinstrument sein kann und dass man Menschen leichter lenken kann, wenn man ihnen genau das gibt, was sie sich am meisten wünschen. Ich stelle mir vor, dass sie sehr früh erfahren hat, wie es ist, abhängig zu sein oder ausgeliefert. Und, dass sie daraus eine Strategie entwickelt hat: Nie wieder schwach sein. Das Kriminelle daran ist, dass sie diese Strategie nicht nur emotional, sondern auch ganz konkret zur Bereicherung nutzt. Sie nimmt sich, was sie will, und sie tarnt es als Liebe. Und vielleicht bestraft sie Männer sogar dafür, dass sie sich ihr öffnen, dass sie ihr vertrauen. So, als würde sie Zuneigung als Schwäche verachten. Diese Vorgeschichte muss im Film nicht ausgesprochen werden, aber sie ist in jeder Szene spürbar.
Wie haben Sie eine Balance gefunden zwischen der emotionalen Nähe zu Karola und der nötigen inneren Distanz, um diese intensive Rolle spielen zu können? Konnten Sie danach gut abschalten, oder haben Sie Karola nach den Dreharbeiten "mit nach Hause genommen"?
Ich brauche immer beides: Große Nähe, um wirklich eintauchen zu können, und Distanz, um mich selbst wieder herauszuziehen. Bei Karola war das besonders wichtig, weil sie so stark über Kontrolle funktioniert, und mir das als Désirée sehr fremd ist, eigentlich sogar zuwider. Ich wollte Karola aber mögen und sie während des Drehs nicht verraten. Trotzdem gebe ich zu: Am Ende eines Drehtages brauchte ich sehr viel Stille, um wieder zu mir zu kommen. Lange Spaziergänge mit meinem Hund. Ganz ehrlich: Man nimmt so eine Figur trotzdem mit nach Hause. Nicht als Person, aber als Energie. Und es dauert manchmal ein bisschen, bis man wieder ganz bei sich ist.
Wie blicken Sie auf die Dreharbeiten zurück, und wie war die Zusammenarbeit mit Robert Hunger-Bühler und seinen Filmtöchtern Picco von Groote und Bettina Burchard?
Ich blicke sehr dankbar auf diese Dreharbeiten zurück, weil es eine Konstellation war, die unglaublich viel Spannung, Intensität und Präzision ermöglicht hat. Robert Hunger-Bühler ist ein Partner, der sehr genau ist und gleichzeitig offen für Improvisation. Das war für diese Beziehungsgeschichte essenziell, weil so viel zwischen den Zeilen passiert. Und die Dynamik mit Picco von Groote und Bettina Burchard war großartig: klar, emotional, manchmal unbequem, aber immer wahrhaftig. Ich mag Picco und Bettina sehr. Es sind wunderbare Frauen und Kolleginnen.
Als Karolas Freund Wolfgang nach einem schweren Sturz auf Hilfe im Alltag angewiesen ist, kümmert sich Karola um ihn und pflegt ihn. Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal Pflegeaufgaben für Ihren Partner oder nahe Angehörigen zu übernehmen, wenn es notwendig wäre?
Ja, das könnte ich mir vorstellen, wenn es ein Mensch ist, den ich liebe. Pflege ist etwas sehr Intimes, und sie kann eine Beziehung noch einmal auf eine ganz andere Weise vertiefen. Gleichzeitig zeigt der Film auch, wie verletzlich man wird, wenn man plötzlich abhängig ist, und wie sehr man darauf angewiesen ist, dass Hilfe ehrlich gemeint ist. Mich hat diese Frage beim Spielen sehr beschäftigt: Was bedeutet Fürsorge wirklich, und wo beginnt Kontrolle?
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