IN VERTIGO – OG Keemo und Funkvater Frank
Vierteilige Dokuserie
Trotz ausverkaufter Tourneen und gefeierter Alben gibt OG Keemo nur selten Interviews – und bleibt für die Öffentlichkeit ein Mysterium. Die vierteilige Dokuserie "IN VERTIGO – OG Keemo und Funkvater Frank" begleitet den verschlossenen Rapper über eineinhalb Jahre lang exklusiv bei der Arbeit an seinem neuen Album – und wirft dabei einen sehr persönlichen Blick hinter die Fassade des Ausnahmetalents. Mit Aufnahmen aus dem Studio und seinem Privatleben, Archivmaterial und Animationen, die auf Zeichnungen von OG Keemo selbst basieren, entsteht eine besondere Form des dokumentarischen Erzählens. Die Serie wird mit Untertiteln angeboten.
Fotos
Texte
Karim Joel Martin wird 1993 in Mainz geboren. Bereits in der neunten Klasse bricht er die Schule ab, Kriminalität und wiederkehrende Depressionen bestimmen seine Jugend. Doch schon früh an seiner Seite: Dominic "Franky" D'Amato, heute bekannt als Funkvater Frank. Gemeinsam fangen sie an, Musik zu machen und in der Deutschrap-Szene Fuß zu fassen. Die Texte, die Karim Joel Martin als OG Keemo schreibt und rappt, finden schnell eine große Fan-Community. Sie sind schonungslos, bildstark, brutal und lyrisch zugleich, handeln von Selbstmord, Gefühlskälte und Gewalt. OG Keemo kennt die Realität der Straße aus eigener Erfahrung. Seine Echtheit und die Arbeit von Produzent Funkvater Frank überzeugen: Mit dem Mixtape "Fieber" landet OG Keemo 2024 auf Platz 1 der offiziellen deutschen Albumcharts. Auch mit dem von ihnen gegründeten Festival Süd:Süd Fest in Mannheim feiern OG Keemo und Funkvater Frank große Erfolge und ernten Respekt von Kollegen wie Haftbefehl und Shindy.
Über die ZDF-Dokuserie
Auf der Bühne inszeniert sich OG Keemo mit kugelsicherer Weste, Rap-Pose und auch mit Texten über Geld, Autos und Frauen. Doch er merkt, dass ihm seine Härte schadet: "Ich habe viele egoistische Beziehungen geführt, die sich auf mein Leben übertragen haben. Ich muss meinen Knacks irgendwie herausfinden", sagt er. Mit seiner inneren Suche rücken Themen wie Depressionen, Bindungsängste und Isolation ebenso in den Fokus wie Freundschaften und familiäre Konstellationen – ein Versuch, sich neu zu verstehen.
Nun arbeitet OG Keemo gemeinsam mit Funkvater Frank nach rund zwei Jahren Vorbereitung an einem neuen Konzeptalbum – es soll anders werden. "Das ist eine Metapher für mein eigenes Leben", sagt OG Keemo. Er spürt, wie dünn der harte Panzer ist, hinter dem er sich lange versteckt hat – und wie groß die Sehnsucht nach einem anderen Leben: nach Nähe, Familie und Stabilität.
"IN VERTIGO" begleitet den Rapper über eineinhalb Jahre exklusiv bei der Arbeit an seinem neuen Album – und zum ersten Mal gibt er in der Dokuserie Einblicke in sein Privatleben. Er wohnt zurückgezogen bei Mannheim und ist Vater eines kleinen Sohnes aus einer früheren Beziehung.
Seine Suche nach den Ursachen für seine gescheiterten Beziehungen führt ihn in die Vergangenheit: Sein Vater Mustafa stammt aus dem Sudan, seine Mutter aus Deutschland ist früh verstorben. Er wächst rastlos mit sechs Geschwistern auf. Panikattacken, Blaulicht und Selbstmordgedanken quälen ihn durch die Nacht. Je tiefer OG Keemo in seine eigene Geschichte eintaucht – in den frühen Tod der Mutter, das distanzierte Verhältnis zum Vater und die kriminellen Irrwege seiner Jugend –, desto stärker gerät die Albumproduktion ins Stocken. Was als kreativer Prozess beginnt, wird zu einer radikalen Selbstfindung. Anfang dreißig und heute selbst junger Vater, verhandelt er sein Erwachsensein neu. "Ich darf nicht sterben – für meinen Kleinen."
Um besonders nah an OG Keemos Gedankenwelt heranzukommen, haben die Filmemacher neben Interviews vor der Kamera auch Gespräche mit ihm am Telefon geführt – gerade in sensiblen Phasen. Daraus entwickelten sich Animationen, die das Unbewusste und Unausgesprochene sichtbar machen. Das Charakterdesign stammt von OG Keemo selbst. Er hat die Figuren selbst gezeichnet. Diese Übersetzung persönlicher Skizzen in animierte Sequenzen ermöglicht eine ungewöhnliche Form des dokumentarischen Erzählens zwischen künstlerischer Inszenierung und Intimität.
Mentale Gesundheit, Erwartungsdruck und innere Blockaden, der Umgang mit Verantwortung, Ideen von Männlichkeit und persönliche Selbstfindung: All diese Themen sind in der Serie präsent und spiegeln Konflikte und Sorgen wider, die viele – insbesondere jüngere – Menschen beschäftigen. Musikalisch eingebunden ist diese innere Ebene in den speziellen Sound von Funkvater Frank. Minimalistische Beats verbindet er mit Elementen aus Italo-Disco und der Filmmusik vergangener Jahrzehnte zu einer cineastischen Klangwelt.
"IN VERTIGO – OG Keemo und Funkvater Frank"
ab Sonntag, 14. Juni 2026, 10.00 Uhr, alle Folgen im ZDF streamen
Folge 1 "Tausend Huren": So lautet der Arbeitstitel des neuen Albums von OG Keemo und Funkvater Frank. Es kreist um ein schmerzhaftes Thema: OG Keemo hinterfragt darin seine Beziehungsmuster und "verqueren Frauenbilder". Auf der Suche nach den Ursachen seiner emotionalen Kälte begibt er sich auf eine Reise in seine Vergangenheit, die überschattet ist von wiederkehrenden Depressionen.
Folge 2 "Mütter": OG Keemos Texte handeln von Orientierungslosigkeit und dem frühen Verlust seiner Mutter. Auf der Babyparty seiner Schwester Iman kommt die gesamte Familie mit sechs Geschwistern und dem Vater zusammen – ein seltener Moment. OG Keemo setzt sich mit den Brüchen und Leerstellen seiner eigenen Geschichte auseinander.
Folge 3 "Väter": OG Keemo und Funkvater Frank ziehen sich wie in alten Zeiten zurück, um Musik zu machen. Sie fahren zu einer Hütte in der Eifel. Doch die Albumproduktion stockt, OG Keemo hat eine Schreibblockade. Die typische Rap-Pose funktioniert für ihn nicht mehr, seit er Vater geworden ist. Wie verändert diese neue Rolle sein Selbstbild und das Verhältnis zum eigenen Vater?
Folge 4 "Berserker": Nach einer Tour durch 17 Städte sind OG Keemo und Funkvater Frank am Ende ihrer Kräfte, und noch immer ist kein einziger Track für das neue Album produziert. Die beiden suchen nach einem neuen Kompass fürs Album. OG Keemo erkennt, dass er lange einem verzerrten Selbstbild gefolgt ist, das von Geld, Ruhm und problematischen Beziehungsmustern geprägt war. Findet er einen neuen Weg für sich und seine Arbeit als Künstler?
Buch und Regie: Tuan Lam, Julia Krampe
Kamera: Thomas Lütz
2. Kamera: Ferhat Yunus Topraklar
Schnitt: Friederike Hohmuth, Martin Herold, Emma Alice Gräf
Setton: Bianka Schulze
Zusatzton: Hardy Hergt, Joscha Eickel
Sound Design: Julian Kossmann
Color Grading: Steffen Paul
Mischung: Ansgar Frerich
Musik: Dominic "Franky" D'Amato
Skizzen Character Design: Joel Novelle
Creative Director Animationen: Andreas Rusch
Animationen: The Unicorn
Produktionsleitung: Alexander Platt, Christiane Alsfasser (ZDF)
Produktion: BASIS BERLIN Filmproduktion
Produzentin und Produzent: Uschi Feldges, Ansgar Frerich
Redaktion ZDFkultur: Lisa Reisch, Vanessa Olivier
Länge: 4 x circa 30 Minuten
"OG Keemos Sprache ist unverkennbar, sie verbindet Motive, die scheinbar nicht zusammenpassen: Himmel und Handschellen, Tränen und Testosteron, Beten und Beton. Aus diesen Spannungen entstehen Bilder wie aus einem Film: ein Zoom in ein Kinderzimmer mit Blaulicht oder ein Monolog über Mutterliebe im Leichenhaus. Und doch kommen diese verletzlichen Zeilen von einem Rapper, der sich auf der Bühne als Hünen inszeniert – die kugelsichere Weste wie eine zweite Haut, Tattoos wie eine Rüstung gegen die Welt. Am Anfang der Dokuserie stand nicht die öffentliche Figur, nicht das Bühnenphänomen, sondern seine Ambivalenz. Uns faszinierte die Radikalität und Tiefe seiner Worte."
"OG Keemo ist kein Künstler, der sich erklärt. Er ist zurückhaltend, vorsichtig mit dem, was er preisgibt. Über seine Figuren und Metaphern wird viel spekuliert, vieles bleibt offen. Funkvater Frank ist da nicht anders. Bald merkten wir, manche Themen brauchten einen geschützten Raum und keine Kamera. Also telefonierten wir – stundenlang – über Kindheit, Jugend, Depressionen, Reue und Familie. Aus diesen Gesprächen entstand die animierte Ebene der Serie. In Originalmitschnitten der Telefonate führt uns OG Keemos Stimme durch innere Bilder und prägende Erinnerungen – durch jene Welt, der seine Texte entspringen."
Tuan Lam
Aufgewachsen zwischen unterschiedlichen Kontinenten und Kulturen, interessiert sich Tuan Lam seit jeher für das Zusammenspiel von Geschichte, Identität und künstlerischem Ausdruck. Ganz selbstverständlich denkt er als Kunsthistoriker und Filmemacher Hoch- und Popkultur zusammen und sucht nach überraschenden Perspektiven auf das Miteinander. Er entwickelt, realisiert und betreut internationale Dokumentationen, Dokuserien und experimentelle Formate. Seine Arbeiten laufen auf Festivals wie der Berlinale, dem DOK.fest München, Hot Docs und anderen.
Julia Krampe
Nach ihrem Studium an der Universität der Künste hat Julia Krampe die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Webserie "Germania" für funk, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, produziert und inszeniert. Als Creative Producerin bei Beetz Brothers Film Production war sie an internationalen Koproduktionen wie "Under Thin Ice" (2019) und "Ghosts of Afghanistan" (2021) beteiligt. Seit Oktober 2021 ist sie freie Autorin und Regisseurin. "IN VERTIGO" ist nach den Dokuserien " Beautiful" (2022), "Let's Talk About Porn" (2024) und der ARTE-Reihe " Geschwisterbande" (2023) ihre vierte serielle Arbeit.
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