Wann ist ein Mann ein Mann? "Terra Xplore" über "Toxische Männlichkeit"

Drei Folgen mit Leon Windscheid

Was bedeutet Männlichkeit heute? Was ist ein echter Mann und an welchen Idealen orientieren sich junge Männer? In dieser Staffel von "Terra Xplore" befasst sich Leon Windscheid unter anderem mit existierenden Männerbildern, den widersprüchlichen Anforderungen an junge Männer und auch den Fragen, wie man sich von tradierten Männlichkeitsbildern lösen kann und sich neue, gesunde etablieren lassen.  

  • ZDF Mediathek, alle drei Folgen ab Montag, 5. August 2024, 10.00 Uhr, zehn Jahre lang
  • ZDF, Sonntag, 8., 15. und 29. September 2024, 18.30 Uhr

Texte

Allgemein

Es wirkt paradox: Die klassischen Rollenbilder brechen auf, die Gesellschaft wird geschlechtergerechter, toleranter, offener. Gleichzeitig sind traditionelle Männlichkeitsideale vom Beschützer und Versorger, vom harten Kerl, der stark, rational und dominant ist und seine Gefühle nicht zeigt, nach wie vor weit verbreitet.

Laut einer aktuellen Studie der Stiftung Männergesundheit aus dem Jahr 2022 hängt fast jeder vierte Mann zwischen 16 und 28 Jahren in Deutschland einem sogenannten dominant-maskulinen Männerbild an. Dabei zeigt die Wissenschaft, dass traditionelle Männlichkeitsbilder toxisch sein können: Männer schaden anderen – und sie schaden vor allem sich selbst.

Männer nehmen sich statistisch gesehen in Deutschland dreimal öfter das Leben als Frauen, sitzen viel häufiger im Gefängnis, haben mehr als doppelt so oft Suchterkrankungen und machen seit Jahren die schlechteren Bildungsabschlüsse. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist fünf Jahre kürzer als die von Frauen. Rein statistisch ist das vermeintlich starke Geschlecht in vielen Bereichen ein schwaches. 

Stablisten

Männer unter Druck? Mit Leon Windscheid (1/3)

Presenter: Leon Windscheid

Buch und Regie: Nadja Kölling

Ton: Ioannis Tachmazidis, Wolfram Witt, Arthur Weissgerber

Mischung: Yannick Rehder

Kamera: Jan Tegethoff, Samir Annouri, Axel Thiede, Björn Lindenblatt, Ralf Heinze, Gidon Lasch, Luca Zanner Matthias Meisen, Jan Tegethoff, Luca Zanner

Grafik: Marc Trompetter

Montage: Jana Siegfriedsen

Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul Müller, Zoe Wingenfelder

Produktion ZDF: Antje Galonske, Moritz Bömicke, Yvonne Kalinowski

Postproduktion: Oliver Filser

Redaktion Doclights: Martina Sprengel

Redaktion ZDF: Harald Platz

Leitung der Sendung: Swea Schilling 

 

Häusliche Gewalt: Warum schlagen Männer zu? Mit Leon Windscheid (2/3)

Presenter: Leon Windscheid

Buch und Regie: Nadja Kölling

Ton: Sascha Czycykowski, Ioannis Tachmazidis, Meike Untiet

Mischung: Yannick Rehder

Kamera: Samir Annouri, Patrick Meyer-Clement, Pascal Garbrecht, Gidon Lasch, Matthias Meisen, Jan Tegethoff, Luca Zanner

Grafik: Marc Trompetter

Montage: Jana Siegfriedsen

Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul Müller, Zoe Wingenfelder

Produktion ZDF: Antje Galonske, Moritz Bömicke, Yvonne Kalinowski

Postproduktion: Oliver Filser

Redaktion Doclights: Martina Sprengel

Redaktion ZDF: Harald Platz

Leitung der Sendung: Swea Schilling 

 

Passt du ins Rollenbild? Mit Avi Jakobs und Leon Windscheid (3/3)

Presenter: Leon Windscheid

Buch und Regie: Nadja Kölling

Ton: Henning Krämer, Matthias Kreitschmann, Ioannis Tachmazidis, Wolfgang Witt

Mischung: Yannick Rehder

Kamera: Samir Annouri, Reiner Bauer, Moritz Bauer, Patrick Meyer Clement, Pascal Garbrecht, Björn Lindenblatt, Jan Tegethoff, Axel Thiede

Montage: Jana Siegfriedsen

Produktion Doclights: Ulrike Römhild, Paul Müller, Zoe Wingenfelder

Produktion ZDF: Antje Galonske, Moritz Bömicke, Yvonne Kalinowski

Postproduktion: Oliver Filser

Redaktion Doclights: Martina Sprengel

Redaktion ZDF: Harald Platz

Leitung der Sendung: Swea Schilling 

Männer unter Druck? Mit Leon Windscheid (1/3)

ZDF: Sonntag, 8. September 2024, 18.30 Uhr
ZDFmediathek: ab Montag, 5. August 2024, 10.00 Uhr, zehn Jahre lang

Der promovierte Informatiker Thomas Reinbacher lebte lange auf der Erfolgsspur: steile Karriere, Top-Gehalt, glücklich verheiratet, Vater eines kleinen Sohnes. Lange schien es immer nur aufwärts zu gehen. Ein echter Mann: durchsetzungsstark, leistungsfähig, erfolgreich. Alle anderen Gefühle – Ängste, Zweifel und sämtliche Warnsignale – ignorierte er, bis es nicht mehr ging. Thomas Reinbacher stürzte in eine tiefe Depression, war suizidgefährdet und verbrachte mehrere Monate in psychiatrischen Einrichtungen. Er erzählt Leon Windscheid von seinem Absturz, wie er an seinem Männlichkeitsbild gearbeitet hat und welche Männlichkeitsideale er seinem Sohn vermittelt.

Mit dem Schweizer Soziologen und Psychologen Markus Theunert spricht Leon Windscheid über existierende Männerbilder und die widersprüchlichen Anforderungen an junge Männer. Sie sollen einerseits Teamplayer sein und Gefühle zeigen, während die bisherigen Bilder vom starken, leistungsorientieren und dominanten Mann weiter existieren, aber immer mehr problematisiert werden. Alte und neue Rollenbilder prallen aufeinander und das führt zu Unsicherheiten. Und manche gehen auch einen Schritt zurück zu tradierten Rollenbildern. Junge Männer radikalisieren sich, während junge Frauen immer liberaler werden.

Die Kulturwissenschaftlerin Tara-Louise Wittwer entzaubert auf Social Media "Alphamänner" wie Andrew Tate, die Frauenhass und toxische Männlichkeitsideale propagieren – und damit im Netz Millionen von Followern begeistern.

In einem Experiment trifft Leon Windscheid an einer Berufsschule junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren, um herauszufinden, woran sie sich orientieren und welche Vorstellungen sie von Männlichkeit haben.

Häusliche Gewalt: Warum schlagen Männer zu? Mit Leon Windscheid (2/3)

ZDF: Sonntag, 15. September 2024, 18.30 Uhr
ZDFmediathek: ab Montag, 5. August 2024, 10.00 Uhr, zehn Jahre lang

Nahezu jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet: Femizid. Was sind die Ursachen für Gewalt in der Partnerschaft und was hat sie mit Männlichkeit zu tun?

Leon Windscheid trifft Männer, die ihren Partnerinnen gegenüber gewalttätig geworden sind. In Augsburg besucht er eine "Tätergruppe" gewalttätiger Männer, die teils freiwillig, teils aufgrund von gesetzlichen Auflagen ein Anti-Gewalt-Training absolvieren und spricht mit ihnen über die Ursachen ihrer Gewalttätigkeit und was das mit ihrer Männlichkeit zu tun hat. Sozialarbeiterin Carina Huber leitet die Gruppe und erklärt, wie ihre Arbeit funktioniert und sich die Gewaltmuster durchbrechen lassen.

Mit der Kriminologin und Soziologin Dr. Nicole Bögelein diskutiert Dr. Leon Windscheid über die Ursachen und über Prävention: Was muss passieren, um häusliche Gewalt zu verhindern? Und wie lassen sich neue Männlichkeitsbilder etablieren?

In einer Fußgängerzone konfrontiert Leon Passantinnen und Passanten mit Aussagen zu Rollenbildern und Gewaltaffinitäten – und bekommt erstaunliche Reaktionen.

Passt du ins Rollenbild? Mit Avi Jakobs und Leon Windscheid (3/3)

ZDF: Sonntag, 29. September 2024, 18.30 Uhr
ZDFmediathek: ab Montag, 5. August 2024, 10.00 Uhr, zehn Jahre lang

Avi Jakobs ist eine bekannte Influencerin, Stylistin und Model und arbeitet als Moderatorin. Sie wurde als Mann geboren. Heute definiert sie sich als non-binär und hat mit den Stereotypen, die mit Männlichkeit verbunden werden, gebrochen. Ihr Lebensmotto lautet: Trau Dich, Du selbst zu sein.

Was Mannsein bedeutet, wird in frühester Kindheit durch Eltern und die Umwelt gelernt. Was Jungen und Mädchen – vermeintlich – zu Jungen und Mädchen macht, wie man sich zu verhalten habe, was man anziehen sollte. Man erlernt, was es heißt Frau oder Mann zu sein und bewegt sich dann oftmals in diesem vorgefertigten, kleinen Raum. Aber was passiert, wenn man diesen Normen nicht entspricht? Und warum braucht man diese Attribute überhaupt? In einem aufwändigen Studioexperiment erleben 14 Menschen, wie tief Vorurteile in uns verwurzelt sind und welchen Einfluss sie auf unseren Umgang mit anderen haben.

Typisch männlich, typisch weiblich – mit der Sozialpsychologin Prof. Melanie Steffens spricht Leon Windscheid über die Macht von Stereotypen und wie sehr sie die Gesellschaft prägen. Stereotype, also feste, klischeehafte Bilder, helfen dem Gehirn, sich in der Welt zurechtzufinden. Sie können aber auch einschränken und die Entwicklung behindern. Prof. Steffens erklärt, warum es sich lohnt, neue Rollenbilder zu etablieren und wie sich Geschlechterstereotype überwinden lassen.

"Jungs heute sind in gewisser Weise in einem Orientierungsvakuum." Interview mit Leon Windscheid

In der "Terra Xplore"-Staffel zu "Toxische Männlichkeit" konntest du in einer Folge an der Therapiesitzung gewalttätiger Männer teilnehmen. Was hat dich dort überrascht?
Ich habe Männer aus allen Gesellschaftsschichten, ganz junge und ältere, Arbeitslose und Juristen, arme und reiche, dort angetroffen. Ich weiß, dass es nicht den einen Täter-Typ gibt, aber diese Vielfalt hat mich dann doch überrascht. Und wie offen viele von ihnen – wohlgemerkt in dieser Sitzung, die ja darauf angelegt ist – über sich reflektiert haben. Vor allem weil einige zuerst nicht aus freien Stücken kommen, sondern weil ihre Frauen sagen, dass sie sich sonst trennen oder ein Amt ihnen die Auflage macht. 

In einer Folge hast du mit Model und Influencerin Avi Jakobs und Teilnehmenden eines Experiments über Stereotype gesprochen. Warum ist es so schwer, sich von diesen Vorstellungen und den daraus resultierenden Vorurteilen zu trennen? Wie können wir es ändern? 
Stereotype sind Abkürzungen im Kopf. Wer in Schubladen denkt, erspart seinem Hirn Arbeit. Das ist ganz menschlich und nicht immer falsch. Stellen wir uns vor, wir würden bei jedem Menschen, den wir im Vorbeigehen sehen, erstmal eine tiefe Analyse der Persönlichkeit machen. Aber es geht oft zu weit. Dann werden ganze Gruppen als gewaltbereit oder faul oder sexistisch bezeichnet, nur weil unser Kopf zu faul ist. Wir können uns von Stereotypen oder Vorurteilen dann lösen, wenn sich Gesellschaft insgesamt verändert und wir uns anstrengen. Wenn zum Beispiel auch immer mehr Väter sich um ihre Kinder kümmern oder Männer Erzieher in einer Kita sind, dann verändert sich unser Bild vom Mannsein, von Männlichkeit. Je mehr Frauen etwa in Führungspositionen sind, umso mehr verändern wir auch den Blick auf Frauenrollen.

Kann man sagen, dass unser Männerbild sich immer schneller wandelt? Wenn ja, können männliche Jugendliche und junge Männer dem überhaupt gerecht werden?
Wir leben in einer Zeit, in der Männer einerseits immer noch einem traditionellem Rollenbild entsprechen müssen – also hart, stark, souverän, kontrolliert zu sein. Und gleichzeitig wird von ihnen erwartet, sich auch "weiblicher" zu verhalten. Das bedeutet für viele Freiheit, manche überfordert das aber auch. In der Forschung geht man davon aus, dass etwa ein Drittel der jungen Männer auch femininere Seiten an sich selbst zulassen kann und will. Ein Drittel wehrt sich dagegen, will zu den Zeiten zurück, wo klar war, was einen echten Kerl ausmacht. Und in der Mitte sind die, die Gleichstellung schon ok finden, aber sich in ihrem Verhalten doch eher als klassische Männer definieren. Jungs heute sind in gewisser Weise in einem Orientierungsvakuum. Sie sollen durchsetzungsstark sein, aber auch ihre Gefühle zeigen. Manche freuen sich dann über die einfachen Antworten der Populisten: Nur rechte Männer, sind echte Männer.

Das Interview führte Harald Platz, Redaktion Wissen ("Terra Xplore").

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