Xoftex

Spielfilm, Deutschland 2024, Redaktion Das kleine Fernsehspiel

Nasser (Abdulrahman Diab) wartet auf die Entscheidung über seinen Asylantrag.
ZDF/Noaz Deshe/Arden Film
Nasser (Abdulrahman Diab) wartet auf die Entscheidung über seinen Asylantrag. ZDF/Noaz Deshe/Arden Film

Nasser und sein älterer Bruder Yassin lieben Filme. Sie drehen kurze Sketche mit ihren Freunden, während sie in einem griechischen Flüchtlingslager auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten. "Xoftex" ist inspiriert von den Erfahrungen während eines Theaterworkshops, den die Filmemacher mit Jugendlichen in einem griechischen Flüchtlingslager namens "Softex" abgehalten haben.

Sendedatum

ad ut Ab Freitag, 13. März 2026, 90 Tage lang im ZDF streamen
ad ut Montag, 16. März 2026, 0.00 Uhr im ZDF

Fotos

Texte

Stab und Besetzung

Stab

Regie                               Noaz Deshe

Buch                                Babak Jalali und Noaz Deshe

Kamera                            Noaz Deshe

Ton                                  Tobias Boehm

Szenenbild                       Marita Götz

Schnitt                             Felipe Guerrero und Noaz Deshe

Musik                               Thomas Moked Blum und Noaz Deshe

Produktionsleitung            Bogdan Tomassini-Büchner

Produzent                         Andro Steinborn

Produktion                        Arden Film GmbH Produktion in Koproduktion mit
                                         Cup of Tea Productions, White Flux Productions und 
                                          ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit Unterstützung
                                          von Hessen Film, Medienboard Berlin Brandenburg,
                                         Der Beauftragten der Bundesregierung für
                                          Kultur und Medien, Filmförderungsanstalt und 
                                          dem Deutschen Filmförderfonds

Redaktion                         Lucia Haslauer (ZDF/Das kleine Fernsehspiel)

Länge                               99 Minuten

 

Besetzung

Yassin                              Osama Hafiry

Nasser                             Abdulrahman Diab

Schwede                          Jonathan Peller

Schwedischer Fahrer        Anselm Haderer

Soldat                              Christian Schneeweiß

Rafiq                                Yasin El Harrouk

Faisal                               Majd Hafiry

und andere

Inhalt

Nasser bewältigt den eintönigen Alltag im Flüchtlingslager, indem er mit seinen Freunden Sketch-Comedy-Filme produziert. Das Lager liegt isoliert in einem griechischen Industriegebiet und ist umgeben von Bahnhöfen, in denen Banden schmuggeln und dealen. Je länger Nasser auf seine Asyl-Entscheidung warten muss, desto stärker wächst das Gefühl für immer in diesem Niemandsland gefangen zu sein. Die kreative Beschäftigung mit den kurzen Filmen, bei denen die Jugendlichen auch Demütigungen und Entbehrungen verarbeiten, kann nicht ewig darüber hinwegtäuschen, dass die Zukunft höchst ungewiss ist und sie hier nicht als Individuen gesehen, sondern als kollektive Gruppe hin- und hergeschoben werden. Für Nasser und seinen Bruder weckt diese klaustrophobische Situation zusätzlich eine traumatische Erinnerung an die Überfahrt von Syrien nach Griechenland. Ohne einen Weg, dem Lager zu entkommen und im Angesicht seines zurückkehrenden Traumas, flüchtet Nassers Geist aus der Realität in eine andere Welt.

Der Film ist mit Darstellern entstanden, von denen die meisten selbst Asylsuchende sind oder waren. Auch die Filmcrew wurde überwiegend mit Asylsuchenden besetzt.

Statement von Redakteurin Lucia Haslauer

Noaz Desche musste wenig erfinden für seinen Film: Er speist ihn mit Erfahrungen, die er selbst bei der Theaterarbeit mit Jugendlichen auf der Flucht gemacht hat. Das merkt man, denn hier gibt es keine Fremdzuschreibungen und Projektionen, sondern wir lernen die Protagonisten als vielschichtige, liebenswerte und fehlbare Menschen kennen, die Leidenschaften, Talente und Verletzungen in sich tragen, wie jeder andere auch. Im Unterschied zu "jedem anderen auch" sitzen sie aber in einem Lager für geflüchtete Menschen fest und sind hier Freiheitsrechten und Perspektiven beraubt. Der kollektive Begriff des "Flüchtlings" liegt über diesen jungen Männern die hoffen, träumen aber auch vergessen wollen, vor allem aber etwas können, was Menschen immer schon zusammengeführt hat: Kunst machen, Geschichten erzählen, Erlebtes künstlerisch verarbeiten. In Noaz Desches Film verbindet sich die künstlerische Kraft der Protagonisten mit der künstlerischen Kraft eines Ausnahme-Regisseurs, der sein Publikum entführt in die emotionalen Innenwelten von Menschen am Rand Europas und der Gesellschaft. Menschen, die als Teil der Gesellschaft einen wertvollen Beitrag leisten könnten, wenn man sie nur einlassen würde.

Regiestatement Noaz Desche

Der Spielfilm "Xoftex" ist inspiriert von unseren Workshops mit Bewohnern eines griechischen Flüchtlingslagers. Während der langen Wartezeit im Asylprozess mit Anhörungen, Schlange stehen und vielen Spekulationen, begannen der echte Nasser, sein Bruder und deren Freunde mit einfachen Mitteln Sketche und einen selbstgemachten Zombiefilm zu drehen: ein Weg, um zurechtzukommen, zu überleben, verbunden zu bleiben und sich gegen ein System zu wehren, das Menschen auf Quotenvorgaben und Akten reduziert. Wir haben "Xoftex" gemeinsam mit den Protagonisten gestaltet und dabei Reenactments mit inszenierten Szenen verflochten, die in der Gruppe entstanden. Während das Warten sich hinzog und auch immer wieder Spannungen aufflammten, wurde "Xoftex" Spielfeld und Pulverfass zugleich: ein persönlicher und absurder Mikrokosmos von Europas Grenzpolitik aus der Innenperspektive.

Festivals und Preise (Auswahl)

- Internationales Filmfestival in Karlovy Vary 2024,
  Weltpremiere: Crystal Globe Special Jury Menton

- Filmfest München 2024, Weltpremiere

- Thessaloniki Film Festival 2024: "Silver Alexander" für die Beste Regie

- SXSW Sydney 2024

- Festival Internacional de Cine de Morelia 2024

- Ars Independent Festival, Polen 2025

- Transilvania IFF in Rumänien: Beste Regie

Biografie Noaz Desche (Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt)

Noaz Deshe arbeitet als Regisseur, Kameramann und Musiker. Er komponierte den Soundtrack für "Frontier Blues" von Babak Jalali und war Kameramann des preisgekrönten Films "Radio Dream" (Tiger Award, Internationales Film Festival Rotterdam 2016). Sein Debütspielfilm "White Shadow" über die Jagd auf einen jungen Albino gewann den Lion of the Future Award auf den Filmfestspielen von Venedig und wurde auf dem Sundance Film Festival gezeigt. Sein zweiter Spielfilm "Xoftex" feierte 2024 auf dem Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary und auf dem Filmfest München parallel Weltpremiere.

Impressum

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