XY-Preis 2023 - Gemeinsam gegen das Verbrechen

Die 22. Verleihung

Die Auszeichnung wird an besonders couragierte Menschen vergeben, die sich besonnen und verantwortungsbewusst im Kampf gegen das Verbrechen für andere eingesetzt haben. Die Schirmherrin Bundesinnenministerin Nancy Faeser wird die Preisträgerinnen und Preisträger erneut persönlich auszeichnen. Am Mittwoch, 29. November 2023, 20.15 Uhr, sind die Preisträger in der Live-Sendung "Aktenzeichen XY… Ungelöst" zu Gast und sprechen mit Moderator Rudi Cerne über ihr vorbildliches Handeln.

Texte

Statement der Bundesinnenministerin

(Auszug aus dem Filmbeitrag zum "XY-Preis 2023")

"Mir ist es als Schirmherrin sehr wichtig: Wenn Sie Verbrechen mitbekommen, bitte mischen Sie sich ein – für Ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger. Retten Sie damit Leben (…), schauen Sie hin und helfen Sie dabei, Verbrechen aufzuklären."

Der XY-Preis 2023

Die diesjährigen Preisträger Klara Cujé, Mohamad Al Hasan, Lothar Christen und Yelyzaveta Kryshtal setzen ein wichtiges Zeichen für Zivilcourage: Die Auszeichnung wird in diesem Jahr bereits zum 22. Mal an besonders couragierte Menschen vergeben, die sich besonnen und verantwortungsbewusst im Kampf gegen das Verbrechen für andere eingesetzt haben.

Das ZDF und die "Aktenzeichen XY… Ungelöst"-Produktionsfirma lobten den Preis 2002 mit dem gesellschaftlichen Ziel aus, die vorbildlichen Verhaltensweisen von Mitbürgern, die sich in besonders mutiger und wohlüberlegter Weise für ihre Mitmenschen eingesetzt haben, öffentlich zu machen, zu belohnen und zu fördern. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft der Bundesinnenministerin und ehrt jährlich drei Personen oder Gruppen. Der XY-Preis leistet als fester Bestandteil der Programmmarke "Aktenzeichen XY… Ungelöst" einen wichtigen Beitrag zur Kriminalprävention.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser zeichnet auch in diesem Jahr persönlich die Preisträgerinnen und Preisträger, die von einer elfköpfigen Fachjury ausgewählt wurden, aus. Der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert. 

Als prominente Paten hielten die Schauspielerinnen Astrid M. Fünderich, Aybi Era und der Schauspieler Jürgen Vogel die Laudationes auf die Alltagshelden. Rudi Cerne führte durch die Preisverleihung.

Am Mittwoch, 29. November 2023, 20.15 Uhr, sind die Preisträger in der Live-Sendung "Aktenzeichen XY… Ungelöst" zu Gast und sprechen mit Moderator Rudi Cerne über ihr vorbildliches Handeln.

Die Jurymitglieder

Martin Groß                                               
(Juryvorsitzender) Geschäftsführer der XY-Produktionsfirma Securitel

Angela Nachtigall
Redaktion Eduard Zimmermann – DKF Deutsche Kriminalfachredaktion GmbH

Petra Erschfeld                                   
ZDF-Redakteurin "Aktenzeichen XY… Ungelöst"

Petra Klein                                                         
WEISSER RING e.V.

Sabine Schumann                                     
Deutsche Polizeigewerkschaft

Jörg Langner                                                      
BKA

Robert Krieger                                                    
Bund Deutscher Kriminalbeamter e. V.

Rainer Pechtold                                                  
Gewerkschaft der Polizei, München

Andreas Mayer                                                   
Vertreter Deutscher Präventionstag

Hubert Vitt                                                
International Police Association

Harald Schmidt                                                   
DFK ‒ Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention

Die Preisträger 2023: Klara Cujé (62) aus Aachen

Der Fall

Frau Cujé ist Hauswirtschafterin beim Bistum Aachen. Am 12. Oktober 2022 kommt sie früher zur Arbeit als gewöhnlich. Fensterreiniger hatten sich angemeldet. Morgens – gegen fünf Uhr dreißig – ermöglicht sie dem ersten Fensterputzer den Zugang zu den Räumlichkeiten. Als sie die weiteren Büros vorbereiten will, beobachtet sie zufällig durch ein Fenster eine nicht alltägliche Situation auf dem Platz vor dem Gebäude. Ein Pärchen vollzieht im morgendlichen Dunkel intime Handlungen. Während andere Beobachter auf das Treiben der beiden belustigt reagieren, erfasst Frau Cujé den Ernst der Lage. Obwohl die Frau auf dem Platz keine Gegenwehr leistet, nimmt Klara Cujé durch ihre sensible Beobachtungsgabe wahr, dass die sexuellen Handlungen nicht einvernehmlich sind und sich die Frau in einer echten Notlage befindet. Das Opfer ist starr vor Angst. Klara Cujé alarmiert sofort die Polizei und lässt das ungleiche Paar nicht mehr aus den Augen. Sie rettet der Geschädigten damit womöglich nicht nur das Leben, sondern ermöglicht der Polizei auch die Festnahme eines hochgradig gefährlichen Serienvergewaltigers.  

 

Begründung der Jury für Klara Cujé

Dank ihrer außergewöhnlichen Aufmerksamkeit gelang es Frau Klara Cujé, eine misshandelte Frau aus der Gewalt eines gefährlichen Serientäters zu befreien. Klara Cujé zog die richtigen Schlüsse, als sie Zeugin einer Vergewaltigung wurde, informierte sie umgehend die Polizei. Danach ließ sie Täter und Opfer nicht mehr aus den Augen, ohne dabei ihren Eigenschutz zu vernachlässigen. Frau Klara Cujé hat maßgeblich dazu beigetragen, dass möglicherweise ein Leben gerettet und ein gefährlicher Sexualstraftäter festgenommen werden konnte. Dadurch sind auch mögliche weitere Verbrechen verhindert worden. Für dieses mutige und umsichtige Handeln gebührt ihr der XY-Preis 2023 und unsere allerhöchste Anerkennung.

 

"Ich würde jederzeit wieder so handeln"
Interview mit Klara Cujé

Wie haben Sie den Vorfall wahrgenommen? Was ging Ihnen durch den Kopf?
Man sieht ja viel morgens, aber als ich die Situation gesehen habe, wusste ich, dass die Frau Hilfe braucht. Ich habe nicht lange nachgedacht und die Polizei angerufen, es war mir nämlich wichtig, dass die Situation durch die Polizei abgeklärt wird. Aber mir war auch sofort klar, dass sie Hilfe braucht. Wer weiß, was der sonst noch gemacht hätte.

Hatten Sie keine Angst vor dem Angreifer?
Ich bin auf sicheren Abstand geblieben, mir war nur wichtig, dass geholfen wird. Ich bin dann hinterher, weil ich dachte, dass ich sie nicht aus den Augen verlieren kann.

Hatten Sie nach dem Vorfall Kontakt zu der Frau?
Der Anwalt der Frau hat mich kontaktiert und gefragt, ob sie sich bei mir melden darf, weil sie sich bedanken wollte. Bisher hat sie es nicht geschafft. Ich verstehe es, dass sie noch nicht die Kraft hatte sich zu melden.

Wie denken Sie im Nachhinein über ihr Handeln, würden Sie heute wieder so reagieren?
Jederzeit wieder. Wenn ich oder mein Kind in so einer Situation wäre, wäre ich auch froh, wenn jemand helfen würde. Ich würde jederzeit wieder so handeln, auch wenn ich seitdem Probleme mit Ängsten habe, wenn ich morgens unterwegs bin.

Die Preisträger 2023: Mohamad Al Hasan (40) aus Mülheim

Der Fall

Im August vergangenen Jahres überwältigte Mohamad Al Hasan während seiner Arbeit mit viel Courage einen bewaffneten Mann, der zuvor eine 81-Jährige Frau schwer verletzt hatte. Während einer Tour wird er zufällig Zeuge eines schockierenden Messerangriffs eines psychisch kranken Mannes auf eine Seniorin. Er zögert keine Sekunde und bringt sich sofort ein. Herr Al Hasan eilt der schwer verletzten Frau zur Hilfe. Er kennt die 81-Jährige und weiß, dass auch ihre Angehörigen gleich nebenan wohnen. Das ermöglicht ihm, schnell die nächsten Verwandten herbeizuholen. Über sein Telefon verständigt er nebenher die Rettungskräfte und bleibt mit ihnen im ständigem Kontakt. Und weil Mohamad Al Hasan die Gegend kennt, kann er den flüchtigen Täter auch schnell aufspüren und womöglich weitere Gewalttaten verhindern.

 

Begründung der Jury für Mohamad Al Hasan

Mohamad Al Hasan hat in einer extremen Gefahrensituation sein eigenes Wohl hinter das anderer Menschen gestellt. Nach einem Messerangriff auf eine Seniorin hat er sich zuallererst um das verletzte Opfer gekümmert und weitere Hilfe organisiert. Er ließ den Täter nicht aus den Augen und blieb in ständigem Kontakt mit der Polizei. Dabei hat er mehrere Situationen über einen längeren Zeitraum jeweils neu bewertet, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Schließlich schritt Mohamad Al Hasan beherzt und überlegt ein und überwältigt den Täter, bevor er weiteres Unheil anrichten kann. Die XY-Preis-Jury spricht Mohamad Al Hasan ihren größten Respekt und allergrößte Anerkennung aus.

 

"Es war ein schockierendes Ereignis"
Interview mit Mohamad Al Hasan

Wie haben Sie den Vorfall wahrgenommen? Was ging Ihnen durch den Kopf?
Es war ein schockierendes Ereignis, aber ich wollte einfach nur helfen und verhindern, dass noch mehr passiert, und ich wusste nicht, was er als nächstes macht. Ich wollte nicht, dass den Leuten an der Bushaltestelle etwas zustößt.

Hatten Sie keine Angst vor dem Angreifer?
Nachdem ich ihm gefolgt bin, habe ich ihn nur im Auge behalten. Aber als er auf die Bushaltestelle zuging, habe ich gehandelt, weil ich nicht wollte, dass den Kindern und den älteren Leuten, die da standen, etwas passiert.

Hatten Sie nach dem Vorfall Kontakt zu der Frau?
Ich habe der Frau natürlich geholfen und bin nach der Festnahme auch nochmal zurückgefahren, um zu schauen, wie es ihr geht. Ich habe auch lange mit ihrer Familie gesprochen, die mir gesagt haben, dass sie am Leben ist, aber schnell ins Krankenhaus muss. Sie haben sich auch bei mir bedankt.

Die Preisträger 2023: Yelyzaveta Kryshtal (26) und Lothar Christen (72) aus Bochum

Der Fall

Yelyzaveta Kryshtal und Lothar Christen am 31. Dezember 2022: Beide sind bester Laune, freuen sich auf die bevorstehende Silvesterfeier, als sie unabhängig voneinander eine U-Bahnstation in Bochum erreichen. Als sie dort Zeugen eines äußerst brutalen Angriffs auf einen hilflosen Menschen werden, beweisen sie Mitgefühl, Empathie und große Hilfsbereitschaft. Lothar Christen informiert die Polizei über die schreckliche Gewalttat. Nur wenig später kommt auch Frau Kryshtal an dem Ort des Geschehens vorbei, an dem die Täter immer noch mit aller Brutalität auf ihr Opfer einschlagen. Sie war fest entschlossen, einzuschreiten und rief – der deutschen Sprache aufgrund ihrer gerade erfolgten Flucht aus der Ukraine noch nicht ausreichend mächtig – einen Freund an und bat diesen eindringlich, die Polizei zu informieren. Die durch Frau Kryshtal und Herrn Christen alarmierten Rettungskräfte treffen schließlich gerade noch rechtzeitig ein, um dem Geschädigten das Leben zu retten. Ermittlungen ergaben später, dass während des zweieinhalbstündigen Zeitraums über 50 Zeugen die Tat bewusst wahrgenommen haben und dennoch nicht eingeschritten sind.

 

Begründung der Jury für Yelyzaveta Kryshtal und Lothar Christen

Aufgrund ihres vorbildlichen Verhaltens haben Frau Yelyzaveta Kryshtal und Herr Lothar Christen dabei geholfen, eine schwere Gewalttat zu beenden und dem Geschädigten das Leben zu retten. Auch eine Sprachbarriere konnte die Ukrainerin Yelyzaveta Kryshtal nicht vom ihrem Mitgefühl gegenüber menschlichem Leid abhalten. Ebenso zögerte Herr Lothar Christen nicht, die Polizei über das Verbrechen zu informieren und somit das hilflose Opfer aus seiner lebensbedrohlichen Situation zu retten. Bei dem Geschädigten handelte es sich um eines der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Mit ihrem Einschreiten haben Herr Christen und Frau Kryshtal vorbildlich und vorurteilsfrei gehandelt und Mitgefühl gezeigt. Fünfzig weitere Passanten, die ebenfalls Zeugen desselben Verbrechens wurden, griffen nicht ein. Für ihr richtiges Verhalten, ihre Achtsamkeit und Mitmenschlichkeit gebührt ihnen der XY-Preis 2023.     

"Eine Sache, die man in Sekunden entscheiden muss"
Interview mit Yelyzaveta Kryshtal und Lothar Christen

 

Wie haben Sie den Vorfall wahrgenommen? Was ging Ihnen durch den Kopf?
Lothar Christen: Das war ganz schlimm und außergewöhnlich – was da passierte, ist unfassbar.

Yelyzaveta Kryshtal: Ich dachte, dass ich in ein sicheres Land gekommen sei, daher war es schockierend so eine Situation zu sehen. Ich bin in eine sichere Stadt gezogen und dann zu sehen, wie Menschen so auf einen anderen Menschen einschlagen, ist grauenhaft.

 

Hatten Sie keine Angst vor Angreifern?
Lothar Christen: War schon hemmend und fürchterlich, was die da gemacht haben. Die haben so auf diese Person eingehakt und alles Mögliche. Und das nahm kein Ende. Ich wollte zuerst einschreiten, aber dachte dann, dass ich an meine Sicherheit denken muss, da ich nicht wusste, was die mit einem machen. Dann habe ich den Notruf gesetzt.

Yelyzaveta Kryshtal: Für einen Augenblick hatte ich Angst und hab mich überfordert gefühlt, aber in der Ukraine habe ich noch weitaus Schlimmeres erlebt. Trotzdem war es sehr schockierend.

 

Wie denken Sie im Nachhinein über ihr Handeln, würden Sie heute wieder so reagieren?
Lothar Christen: Ja, selbstverständlich. Das würde ich jedem anderen auch empfehlen, das zu machen. Man sollte nicht einfach vorbeigehen und sagen: "Das wird schon werden.". Man sollte da tatsächlich, wie bei der Ersten Hilfe bei einem Autounfall agieren. Die Selbsthilfe kann schaden, wenn man mit zu viel Mut drangeht und man damit sein eigenes Leben gefährdet. Man hadert auch, was man machen soll, ob man den Notruf rufen soll, ob man dabeibleibt oder wie auch immer, das ist eine Sache, die man in Sekunden entscheiden muss. Ich würde jedem raten, das auch zu machen und zu helfen.

Yelyzaveta Kryshtal: Ich denke, dass ich alles richtig gemacht habe. So eine Situation hatte ich in Deutschland nicht erwartet, da für mich das Land immer friedlich und sicher war. Und so soll es auch bleiben. Falls ich so eine Situation nochmal sehen sollte, würde ich dasselbe tun, nur hätte ich dann weniger Angst. Menschen sollten einander helfen.

 

Freuen Sie sich auf die bevorstehende Preisverleihung?
Lothar Christen: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe davon Abstand nehmen wollen. Ich habe das auf gar keinen Fall gemacht, um einen Preis zu erhalten oder damit in die Presse zu kommen. Ich wollte helfen und ich habe geholfen und damit, war es für mich normalerweise schon erledigt. Ich wurde mehrfach darum gebeten, in dieser Runde mitzumachen. Daraufhin habe ich mir gesagt, dass wenn es hilft, wenn Leute das bei "XY" sehen, dann soll es so sein.

Yelyzaveta Kryshtal: Als mich die Polizei fragte, ob sie meinen Kontakt an den XY-Preis geben dürften, wusste ich gar nicht, was das ist. Ich habe dann einen Freund gefragt, ob er den Preis kennen würde, und wir haben dann zusammen recherchiert. Ich war erstaunt als ich herausgefunden habe, was der XY-Preis ist. Ich freue mich auf die Preisverleihung, die ganze Erfahrung ist sehr aufregend.

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