29.05.2018, 18:50 Uhr - Magazine/Interviews, Nachrichten/Aktuelles, Reportagen/Dokumentationen

ZDF-"Frontal 21": Oligarchenfirma verbreitet AfD-Wahlwerbung

Pro-russische Einflussnahme auf die Bundestagswahl?

Ilka Brecht
Copyright: ZDF/Svea Pietschmann

Die in Wiesbaden ansässige TV-Firma „Kartina Digital GmbH“ hat unmittelbar vor der Bundestagswahl 2017 Wahlwerbung für die AfD über russische TV-Programme verbreitet. Zielgruppe waren russischsprachige Wähler in Deutschland. Nach Recherchen von Frontal21 gehört der Oligarch und Putin-Unterstützer, Victor Gushan, zu den Gesellschaftern des Medienunternehmens. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main ermittelt gegen die Wiesbadener Firma wegen des Verdachts der unlizensierten Ausstrahlung von TV-Programmen in Deutschland.   

„Kartina Digital“ verbreitet in Deutschland rund 160 russischsprachige TV-Programme. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 erschienen während des laufenden Programms des russischen Staatsfernsehen „Rossija 1“ das Parteilogo der AfD und ein Wahlwerbespruch der Partei auf russisch: „Lasst uns AfD wählen! Für unsere gemeinsame Zukunft“.   

Gesellschafter von „Kartina Digital“ sind der aus der moldawischen Teilrepublik Transnistrien stammende Andreas Reich und die in Tiraspol/Transnistrien lebenden Victor Gushan und Ilya Kazmaly. Der Oligarch Victor Gushan ist Inhaber des größten Konzerns Transnistriens. Seine Firma „Sheriff“ betreibt Tankstellen, TV-Sender, Supermärkte, Hotels und Mobilfunknetze. Gushan gilt als Anhänger des russischen Präsidenten Wladimir Putin und unterstützt eine Abspaltung Transnistriens von Moldawien. 

„Victor Gushan ist schon deswegen Kreml nah, weil seine Holding Sheriff so etwas wie den Staat im Staate in der Pseudorepublik Transnistrien bildet“, sagt Russlandexperte Wilfried Jilge von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. „Die Pseudorepublik ist ein Vorposten in Putins russischer Welt.“   

Auf Anfrage von Frontal21 zu den Auftraggebern der ausgestrahlten Werbung teilte „Kartina Digital GmbH“ mit, „dass wir grundsätzlich keine Interviews geben, unsere Geschäftsinterna vertraulich behandeln und keine Informationen nach außen geben.“ Die AfD bestreitet auf Nachfrage, dass es sich um eine Wahlwerbung des Bundesverbandes handele, und erklärt, dass sie den Auftraggeber nicht kenne.   

Jilge vermutet hinter der Ausstrahlung der AfD-Werbung durch „Kartina Digital“ eine gezielte pro-russische Aktion: „Es wird seitens des Kremls der Versuch gemacht, über Medieneinflussnahme die AfD zu stärken, pro-russische Positionen in die deutsche Gesellschaft einzufiltern und die Gesellschaft zu spalten.“   

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Mainz, 29. Mai 2018
ZDF Presse und Information