12.11.2018, 13:50 Uhr - Nachrichten/Aktuelles

Landtagswahl in Bayern war das Topthema der deutschen Fernsehnachrichten im Oktober


Quelle: www.ifem.de

Die Landtagswahl in Bayern war das Topthema der Fernsehnachrichten im Oktober. Wie das IFEM Institut für empirische Medienforschung (Köln) in seiner monatlichen Nachrichtenanalyse ermittelte, entfielen auf diesen Themenkomplex in den Hauptnachrichten Tagesschau 20 Uhr, heute 19 Uhr, RTL aktuell und den Sat.1 Nachrichten sowie den Nachrichtenmagazinen Tagesthemen und heute-journal insgesamt 295 Minuten (5 Stunden) Sendezeit. Schwerpunkt der Wahlberichterstattung war in allen Nachrichtensendungen der Wahlsonntag 14. Oktober mit Berichten über Hochrechnungen und erste Ergebnisse sowie mögliche bundespolitische Folgen der Bayernwahl nach Stimmenverlusten von CSU und SPD. In Schaltgesprächen mit bayerischen Politikern wurden in den Tagesthemen und im heute-journal erste Reaktionen auf den Verlust der absoluten Mehrheit der CSU vermittelt. Auch am Tag nach der Wahl standen bundespolitische neben landespolitischen Reaktionen im Zentrum der Berichterstattung. Weitere Themenaspekte in den nachfolgenden Tagen waren mögliche Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und FW Freie Wähler, ferner die Zukunft Seehofers in der CSU.

Rangplatz 2 der Topthemenliste belegte die Landtagswahl in Hessen mit 205 Minuten. Nach Vorberichten über den Wahlkampfverlauf lag auch hier der Schwerpunkt auf vorläufigen Ergebnisberichten und diversen Stellungnahmen von Landes- und Bundespolitikern am Wahlsonntag, den 28. Oktober. Auf Rangplatz 3 erschien erneut die ungelöste Diesel-Krise (148 Min.). Berichtet wurde über Beratungsgespräche zwischen Bundesregierung und Autokonzernen über Umtauschprämien und Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge als Optionen zur Vermeidung von Fahrverboten. Weitere Themenaspekte waren im Verlauf des Monats ein Urteil zum Fahrverbot in Berlin, ein Rabatt-Angebot von VW bei Neukauf von Dieselfahrzeugen sowie der Vorschlag von Bundeskanzlerin Merkel, Dieselfahrverbote in Städten durch Gesetzesänderungen zu erschweren. Auf Rangplatz 4 folgte das Thema „Khashoggi-Mord“ (141 Min.). Berichtet wurde über das Verschwinden des gegenüber Saudi-Arabien kritischen Journalisten Khashoggi nach Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul. Die Ermittlungen führten zum Eingeständnis der Tötung des Journalisten durch Saudi-Arabien. Der Khashoggi-Mord gewann vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Investorenkonferenz in Saudi-Arabien international an Bedeutsamkeit. Entsprechende Reaktionen zeigten sich in der Empörung Erdogans über den saudi-arabischen Mord in der Türkei sowie in der Entscheidung der Bundesregierung, deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zu stoppen.

Rangplatz 5 belegte das Thema „Merkel kündigt Rückzug vom CDU-Vorsitz an“ (123 Min.). Diese Nachricht fiel auf den 29. Oktober, so dass für die Berichterstattung nur drei Tage bis zur Monatsgrenze übrig blieben. An diesen Tagen gab es verschiedene Schaltgespräche und Kommentare über die Merkel-Nachfolge, für die auch Friedrich Merz seine Kandidatur bekannt gab.

Auf den weiteren Rangplätzen 6 bis 10 folgten Berichte über aktuelle Brexit-Debatten in Großbritannien und Brexit-Verhandlungen der EU (77 Min.), ferner über die Situation nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien (57 Min.), über die Vergabe von Nobelpreisen (53 Min.), den Streit um den Hambacher Forst und den Braunkohleausstieg (52 Min.) sowie Unwetter in Südeuropa (49 Min.).

CDU mit höchster Parteienpräsenz
Im Oktober vergrößerte sich der Vorsprung der CDU vor den anderen Parteien in der Präsenz der Berichterstattung. Die CDU belegte mit 562 Auftritten ihrer Politiker noch deutlicher als im Vormonat den Spitzenplatz vor der SPD mit 304 Auftritten. Die CSU kam auf 222 Auftritte. Die Grünen führten mit 126 Auftritten die schwächer präsenten Parteien an. Auf Platz 5 rangierte die AfD mit 64 Auftritten, gefolgt von Linken (53) und FDP (50). Die geringste Präsenz hatten FW Freie Wähler (23), die erstmals durch die Bayernwahl als eigenständige Partei in den Nachrichten Profil gewannen. Die meisten Auftritte unter den parteilosen Politikern (23) entfielen wieder auf Bundespräsident Walter Steinmeier mit ruhender Parteizugehörigkeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter mit höchster Präsenz
Im Oktober blieb die Rangfolge bei der Präsenz deutscher Politiker auf den Spitzenplätzen trotz geringerer Auftrittshäufigkeit unverändert. Bundeskanzlerin Angela Merkel belegte mit 194 Auftritten wieder die Spitzenposition, gefolgt von Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer (93 Auftritte), dessen Auftritte hauptsächlich durch die Bayernwahl zustande kamen. Auf Platz 3 folgte Andrea Nahles mit 64 Auftritten. Zum Teil wirkten sich hier die bundespolitischen Reaktionen auf die SPD-Stimmenverluste bei den Landtagswahlen aus. Markus Söder hatte als bayerischer Ministerpräsident und Wahlsieger 60 Auftritte, gefolgt von Hessens Ministerpräsident und Wahlsieger Volker Bouffier mit 52 Auftritten. Dichtauf folgten Annegret Kramp-Karrenbauer (49) und Jens Spahn (44), deren Präsenz durch die bundespolitischen Reaktionen auf die Landtagswahlergebnisse und die Diskussion um die Merkel-Nachfolge begünstigt war. Thorsten Schäfer-Gümbel kam als Hessens SPD-Wahlverlierer auf 33 Auftritte. Die übrigen 12 Politiker der Top 20-Rangliste belegten Plätze in dichtem Abstand zwischen 27 bis zu 18 Auftritten. Angeführt von Friedrich Merz mit 27 Auftritten waren dies Andreas Scheuer, Armin Laschet, Svenja Schulze, Peter Altmaier, Annalena Baerbock, Hubert Aiwanger als Aufsteiger der Freien Wähler, Heiko Maas, Christian Lindner, dahinter weit abgeschlagen Natascha Kohnen als SPD-Kandidatin der Bayernwahl, Katarina Barley und Olaf Scholz.

Unter diesen 20 Politikern entfielen jeweils 7 auf CDU und SPD, 3 auf die CSU, jeweils 1 auf Grüne, FDP und Freie Wähler. Nicht unter den Top 20 waren Politiker der AfD und der Linken vertreten. Die Top 20-Rangliste nach Auftrittshäufigkeit in den deutschen Nachrichten repräsentierten im Oktober 13 Politiker und 7 Politikerinnen.

Die Spitzenposition unter den im Oktober auftretenden Auslandspolitikern behauptete mit weitem Vorsprung US-Präsident Donald Trump mit 150 Auftritten (vorher 96 Auftritte), gefolgt vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Theresa May, beide mit 36 Auftritten vor Wladimir Putin und dem saudischen Thronfolger Mohammed bin Salman, beide mit 30 Auftritten.

Öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen dominieren die Politikberichterstattung
Die Politikberichterstattung stieg im Oktober in allen Nachrichtensendungen weiter an. Dabei fiel der Politikanteil in den öffentlich-rechtlichen Sendungen wieder umfangreicher aus als in den privaten Sendungen. In der Tagesschau erreichten die Politikthemen bei einer durchschnittlichen Sendungslänge von 16 Minuten (vorher 15 Min.) einen Sendezeitanteil von 53 Prozent (vorher 46 %) bei 8 Minuten pro Ausgabe. Die heute-Nachrichten kamen bei durchschnittlicher Sendungslänge von 19 Minuten auf 42 Prozent (vorher 37 %) bei ebenfalls 8 Minuten Sendezeit für Politik pro Ausgabe. RTL aktuell verwendete bei einer Sendungslänge von 22 Minuten 26 Prozent (vorher 20 %) der Sendezeit für Politikthemen bei 6 Minuten pro Ausgabe. In den Sat.1 Nachrichten bei einer Sendungslänge von 15 Minuten betrug der Politikanteil 37 Prozent (vorher 30 Prozent) der Sendezeit bei 5 Minuten pro Ausgabe.

Die Tagesthemen hatten im Oktober bei einer Sendungslänge von 24 Minuten einen Politikanteil von 53 Prozent (vorher 42 %) bei durchschnittlich 13 Minuten (vorher 11 Min.) pro Ausgabe. Das heute-journal hatte bei 27 Minuten Sendungslänge einen Politikanteil von 56 Prozent (vorher 44 %) der Sendezeit bei 15 Minuten (vorher 11 Min.) pro Ausgabe.

Den ausführlichen Bericht mit Grafiken finden Sie > hier

Ansprechpartner: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, pressedesk@zdf.de

Mainz, 09. November 2018
ZDF Presse und Information