Das verschwundene Kind
Nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht" von Kristina Hauff
Zwei Paare leben in einer Hofgemeinschaft im Wendland zusammen, als Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, plötzlich spurlos verschwindet. Ausgerechnet Aaron – ein Kind, das immer wieder Ärger macht.
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Zwei Paare leben in einer Hofgemeinschaft im Wendland zusammen, als Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, plötzlich spurlos verschwindet. Ausgerechnet Aaron – ein Kind, das immer wieder Ärger macht. Die Polizei befürchtet, dass der Junge in der Elbe ertrunken ist. Während der fieberhaften Suche müssen alle Position beziehen, um zu einem neuen Miteinander finden zu können. Doch Angst und Scham stehen ihnen im Weg. Der Traum vom gemeinschaftlichen Leben droht, daran zu zerbrechen.
Wenn sich die besten Absichten in schwelende Konflikte verwandelt haben, braucht es den Mut, sich voreinander ehrlich zu machen. "Das verschwundene Kind" erzählt davon, wie sich Kränkungen und Groll über lange Zeit aufgestaut haben. Und jetzt wird Aaron vermisst. Verschiedene Lebensentwürfe werden gegeneinander aufgerechnet, Schuldzuweisungen fliegen durch die Luft. Es gibt aber nur den Weg nach vorn. Und dieser Weg fordert von allen, alte Geheimnisse und Wunden zu benennen.
Drama, Deutschland 2026
Buch Silke Zertz, nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht"
von Kristina Hauff
Regie Sabine Bernardi
Kamera Moritz Schultheiß
Schnitt Nicola Undritz
Musik Richard Ruzicka
Kostüme Astrid Möldner
Szenenbild Jan Lasse Hartmann
Ton Torsten Többen, Vincent Richter
Producerin Cecile Heisler-Zigulla
Produktion Relevant Film Produktion GmbH
Produzentin Heike Wiehle-Timm
Redaktion Solveig Cornelisen
Länge 89 Minuten
Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller
Sophie Buchholz Julia Koschitz
Thies Buchholz Mark Waschke
Inga Volkmann Anna Schudt
Bodo Herzog Hans Löw
Aaron Buchholz Sammy Schrein
Lasse Herzog Jona Levin Nicolai
Jella Herzog Cäcilia Kirchner
Edith Volkmann Ulrike Johannson
Ulrich Volkmann Oliver Törner
Klara Kaschube Petra Hartung
Finn Walter Jesse Hansen
Susanne Walter Maju Margrit Sartorius
Bruno Hertel Harald Burmeister
David Matthieu Svetchine
Eric Apostolos Dulakis
Yasin Isa Can
Paul Ben Kani
Regina Cecile Heisler-Zigulla
Svea Vivien Mahler
Lukas Giovanni Francesco
Aaron (6 Jahre) Robin von Oppeln-Bronikowski
Lasse (11 Jahre) Nils Heyenga
Jella (9 Jahre) Eva von Oppeln-Bronikowski
und andere
Inmitten der Schönheit der Mittleren Elbtalaue verwirklichen vier Freunde ihren Traum von einer Hausgemeinschaft: Sophie, Thies, Bodo und Inga wollen die Limitierungen der Kleinfamilie überwinden, ihre Kinder gemeinsam erziehen und in Einklang mit der Natur leben. Doch mit der Idylle ist es vorbei, als der zwölfjährige Aaron spurlos verschwindet. Während der Suche brechen Konflikte auf, das Misstrauen unter den Freunden wächst, und eine Lüge stellt plötzlich alles in Frage, was sie sich gemeinsam aufgebaut haben.
Aaron ist ein schwieriges Kind, oft aggressiv, unberechenbar und verschlossen. Die ehemals enge Freundschaft der Paare hat durch ihn Schaden genommen, man lebt nebeneinanderher. Die schwelende Krise eskaliert, als Aaron nach einem Vorfall in der Schule nicht nach Hause zurückkehrt. Während der Suche nach dem Jungen müssen alle Position beziehen. War da nicht schon vor seinem Verschwinden ein heimlicher Wunsch spürbar, das Problem möge verschwinden?
"Das verschwundene Kind" ist eine Geschichte über ein 'schwieriges' Kind und die Wirkmacht einer Lüge, die das Lebenskonzept zweier Familien komplett infrage stellt.
"Das verschwundene Kind" nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht" von Kristina Hauff eröffnet ein spannendes, erzählerisch vielversprechendes Setting in der malerischen Landschaft der Elbauen. Die dramatische Suche nach dem verschwundenen Aaron deckt nicht nur jahrelange Missstände auf, die zwischen zwei einst eng befreundeten Familien entstanden sind, sondern offenbart auch ein schambesetztes Geheimnis.
Von Anfang an haben mich die beiden Freundespaare fasziniert, denen es scheinbar gelungen ist, gemeinsam mit ihren Kindern ihre Utopie von einer Wahlfamilie im Einklang mit der Natur zu leben. Die vermeintliche Idylle bricht auseinander, als das jüngste Kind verschwindet. Warum hat die einst viel beschworene Offenheit Risse bekommen? Wodurch sind die Unstimmigkeiten entstanden, die jetzt eskalieren und offenbar unauflösbar sind. Wie können wir uns begegnen, um das Auseinanderbrechen der Lebensideale zu verhindern? Was müssen wir dafür tun?
Die renommierte Drehbuchautorin Silke Zertz hat den Roman kongenial verdichtet und setzt uns dem Thema aus, wie zerstörerisch die Wirkmacht einer Lüge sein kann. Mit Sabine Bernardi hatte ich eine Regisseurin an meiner Seite, die sich mit großer Sensibilität der feinen Psychologie der Figuren angenommen hat.
Es war eine von Anfang an interessante, besondere Arbeit mit Anna Schudt, Julia Koschitz, Mark Waschke und Hans Löw. Ganz persönlich haben uns die Fragen, die die Geschichte stellt, auch im Arbeitsprozess beschäftigt. Sie sind im menschlichen Miteinander universell. All die Diskussionen und Gedanken über Lebenswünsche, Lügen und Schuld flossen unmittelbar in die Figuren ein.
Die Filmproduktion – und allen voran die Drehbuchautorin Silke Zertz – hatte von Anfang an eine starke eigene Vision von dem Romanstoff. Ich habe dieser Vision vertraut und bin vom Ergebnis begeistert, ebenso wie von der einfühlsamen Regie und der herausragenden Leistung der Darstellerinnen und Darsteller. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, die eigenen Figuren lebendig werden zu sehen.
Mein Drehbuch geht sehr frei mit Motiven des Romans um – mit Einverständnis von Kristina Hauff – denn ein Film hat andere Erfordernisse als ein Roman. Im Film brauchen wir eine vorwärtstreibende Handlung, eine spannende Ausgangsfrage, überraschende Wendungen, emotionale Konflikte in einem überschaubaren Figurenhaushalt. Also entschied ich mich, mich auf die Frage zu konzentrieren, die der Roman nicht beantwortet: Warum ist der verschwundene Aaron so ein schwieriges Kind? Sind die Probleme mit dem kleinen Systemsprenger genetisch, pädagogisch oder systemisch? Wie stark kann eine Gemeinschaft sein, so stark wie die Summe ihrer Individuen oder so stark wie ihr schwächstes Glied? Ist der Junge, der allein durch die Auen streift, ein Außenseiter? Ein Störenfried? Oder ein besonders sensibles, hellfühliges Kind, das seine Eltern zwingt, wirklich hinzusehen und auch das wahrzunehmen, was sie gerne ausblenden wollen? Diese Auslassung des Romans ins Licht zu holen drehte zwar alles auf links, erlaubte mir aber, die Handlung zeitlich und räumlich zu verdichten. Ich konnte mich konzentrieren auf die wenigen Stunden, in denen Aaron vermisst wird und in denen die Wahlfamilien im Wendland an ihre emotionalen Grenzen gebracht werden, Stunden, in denen alte Konflikte aufbrechen, Glaubenssätze sich auflösen, die Wirkmacht einer Lüge offenbar wird. Besonders wichtig war mir außerdem, die Landschaft der Mittleren Elbe wie einen weiteren Protagonisten einzusetzen. Denn der Fluss mit seinen Hoch- und Niedrigwassern ist der Resonanzraum für die Familienkonflikte, er ist gleichermaßen bedrohlich und schön, beglückend und gefährlich, und niemand weiß das, niemand spürt das mehr als Aaron, der mit allen Sinnen mit der Natur verbunden ist.
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