Das verschwundene Kind

Nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht" von Kristina Hauff

Zwei Paare leben in einer Hofgemeinschaft im Wendland zusammen, als Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, plötzlich spurlos verschwindet. Ausgerechnet Aaron – ein Kind, das immer wieder Ärger macht.

Sendedatum

Ab Samstag, 10. Oktober 2026, 10.00 Uhr, in Web und App des ZDF streamen
Montag, 19. Oktober 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

"Schwelende Konflikte" – Statement von Redakteurin Solveig Cornelisen

Zwei Paare leben in einer Hofgemeinschaft im Wendland zusammen, als Aaron, der Sohn von Sophie und Thies, plötzlich spurlos verschwindet. Ausgerechnet Aaron – ein Kind, das immer wieder Ärger macht. Die Polizei befürchtet, dass der Junge in der Elbe ertrunken ist. Während der fieberhaften Suche müssen alle Position beziehen, um zu einem neuen Miteinander finden zu können. Doch Angst und Scham stehen ihnen im Weg. Der Traum vom gemeinschaftlichen Leben droht, daran zu zerbrechen.

Wenn sich die besten Absichten in schwelende Konflikte verwandelt haben, braucht es den Mut, sich voreinander ehrlich zu machen. "Das verschwundene Kind" erzählt davon, wie sich Kränkungen und Groll über lange Zeit aufgestaut haben. Und jetzt wird Aaron vermisst. Verschiedene Lebensentwürfe werden gegeneinander aufgerechnet, Schuldzuweisungen fliegen durch die Luft. Es gibt aber nur den Weg nach vorn. Und dieser Weg fordert von allen, alte Geheimnisse und Wunden zu benennen.

Stab, Besetzung und Inhalt

Drama, Deutschland 2026

Buch                                Silke Zertz, nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht"
                                        von Kristina Hauff

Regie                               Sabine Bernardi

Kamera                             Moritz Schultheiß

Schnitt                             Nicola Undritz

Musik                               Richard Ruzicka

Kostüme                           Astrid Möldner

Szenenbild                       Jan Lasse Hartmann

Ton                                   Torsten Többen, Vincent Richter

Producerin                       Cecile Heisler-Zigulla

Produktion                       Relevant Film Produktion GmbH

Produzentin                      Heike Wiehle-Timm

Redaktion                         Solveig Cornelisen

Länge                               89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Sophie Buchholz                Julia Koschitz

Thies Buchholz                  Mark Waschke

Inga Volkmann                   Anna Schudt

Bodo Herzog                      Hans Löw

Aaron Buchholz                 Sammy Schrein

Lasse Herzog                    Jona Levin Nicolai

Jella Herzog                      Cäcilia Kirchner

Edith Volkmann                 Ulrike Johannson

Ulrich Volkmann                Oliver Törner

Klara Kaschube                 Petra Hartung

Finn Walter                        Jesse Hansen

Susanne Walter                 Maju Margrit Sartorius

Bruno Hertel                     Harald Burmeister

David                                Matthieu Svetchine

Eric                                   Apostolos Dulakis

Yasin                                 Isa Can

Paul                                  Ben Kani

Regina                              Cecile Heisler-Zigulla

Svea                                  Vivien Mahler

Lukas                                Giovanni Francesco

Aaron (6 Jahre)                 Robin von Oppeln-Bronikowski

Lasse (11 Jahre)               Nils Heyenga

Jella (9 Jahre)                  Eva von Oppeln-Bronikowski

und andere
 

Inmitten der Schönheit der Mittleren Elbtalaue verwirklichen vier Freunde ihren Traum von einer Hausgemeinschaft: Sophie, Thies, Bodo und Inga wollen die Limitierungen der Kleinfamilie überwinden, ihre Kinder gemeinsam erziehen und in Einklang mit der Natur leben. Doch mit der Idylle ist es vorbei, als der zwölfjährige Aaron spurlos verschwindet. Während der Suche brechen Konflikte auf, das Misstrauen unter den Freunden wächst, und eine Lüge stellt plötzlich alles in Frage, was sie sich gemeinsam aufgebaut haben.

Aaron ist ein schwieriges Kind, oft aggressiv, unberechenbar und verschlossen. Die ehemals enge Freundschaft der Paare hat durch ihn Schaden genommen, man lebt nebeneinanderher. Die schwelende Krise eskaliert, als Aaron nach einem Vorfall in der Schule nicht nach Hause zurückkehrt. Während der Suche nach dem Jungen müssen alle Position beziehen. War da nicht schon vor seinem Verschwinden ein heimlicher Wunsch spürbar, das Problem möge verschwinden?

"Das verschwundene Kind" ist eine Geschichte über ein 'schwieriges' Kind und die Wirkmacht einer Lüge, die das Lebenskonzept zweier Familien komplett infrage stellt.

"Lebenswünsche, Lügen und Schuld" – Statement von Produzentin Heike Wiehle-Timm

"Das verschwundene Kind" nach Motiven des Romans "Unter Wasser Nacht" von Kristina Hauff eröffnet ein spannendes, erzählerisch vielversprechendes Setting in der malerischen Landschaft der Elbauen. Die dramatische Suche nach dem verschwundenen Aaron deckt nicht nur jahrelange Missstände auf, die zwischen zwei einst eng befreundeten Familien entstanden sind, sondern offenbart auch ein schambesetztes Geheimnis.

Von Anfang an haben mich die beiden Freundespaare fasziniert, denen es scheinbar gelungen ist, gemeinsam mit ihren Kindern ihre Utopie von einer Wahlfamilie im Einklang mit der Natur zu leben. Die vermeintliche Idylle bricht auseinander, als das jüngste Kind verschwindet. Warum hat die einst viel beschworene Offenheit Risse bekommen? Wodurch sind die Unstimmigkeiten entstanden, die jetzt eskalieren und offenbar unauflösbar sind. Wie können wir uns begegnen, um das Auseinanderbrechen der Lebensideale zu verhindern? Was müssen wir dafür tun? 

Die renommierte Drehbuchautorin Silke Zertz hat den Roman kongenial verdichtet und setzt uns dem Thema aus, wie zerstörerisch die Wirkmacht einer Lüge sein kann. Mit Sabine Bernardi hatte ich eine Regisseurin an meiner Seite, die sich mit großer Sensibilität der feinen Psychologie der Figuren angenommen hat. 
Es war eine von Anfang an interessante, besondere Arbeit mit Anna Schudt, Julia Koschitz, Mark Waschke und Hans Löw. Ganz persönlich haben uns die Fragen, die die Geschichte stellt, auch im Arbeitsprozess beschäftigt. Sie sind im menschlichen Miteinander universell. All die Diskussionen und Gedanken über Lebenswünsche, Lügen und Schuld flossen unmittelbar in die Figuren ein.

"Eine eigene Vision" – Statement von Autorin Kristina Hauff

Die Filmproduktion – und allen voran die Drehbuchautorin Silke Zertz – hatte von Anfang an eine starke eigene Vision von dem Romanstoff. Ich habe dieser Vision vertraut und bin vom Ergebnis begeistert, ebenso wie von der einfühlsamen Regie und der herausragenden Leistung der Darstellerinnen und Darsteller. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, die eigenen Figuren lebendig werden zu sehen.

"Alles auf links gedreht" – Statement von Drehbuchautorin Silke Zertz

Mein Drehbuch geht sehr frei mit Motiven des Romans um – mit Einverständnis von Kristina Hauff – denn ein Film hat andere Erfordernisse als ein Roman. Im Film brauchen wir eine vorwärtstreibende Handlung, eine spannende Ausgangsfrage, überraschende Wendungen, emotionale Konflikte in einem überschaubaren Figurenhaushalt. Also entschied ich mich, mich auf die Frage zu konzentrieren, die der Roman nicht beantwortet: Warum ist der verschwundene Aaron so ein schwieriges Kind? Sind die Probleme mit dem kleinen Systemsprenger genetisch, pädagogisch oder systemisch? Wie stark kann eine Gemeinschaft sein, so stark wie die Summe ihrer Individuen oder so stark wie ihr schwächstes Glied? Ist der Junge, der allein durch die Auen streift, ein Außenseiter? Ein Störenfried? Oder ein besonders sensibles, hellfühliges Kind, das seine Eltern zwingt, wirklich hinzusehen und auch das wahrzunehmen, was sie gerne ausblenden wollen? Diese Auslassung des Romans ins Licht zu holen drehte zwar alles auf links, erlaubte mir aber, die Handlung zeitlich und räumlich zu verdichten. Ich konnte mich konzentrieren auf die wenigen Stunden, in denen Aaron vermisst wird und in denen die Wahlfamilien im Wendland an ihre emotionalen Grenzen gebracht werden, Stunden, in denen alte Konflikte aufbrechen, Glaubenssätze sich auflösen, die Wirkmacht einer Lüge offenbar wird. Besonders wichtig war mir außerdem, die Landschaft der Mittleren Elbe wie einen weiteren Protagonisten einzusetzen. Denn der Fluss mit seinen Hoch- und Niedrigwassern ist der Resonanzraum für die Familienkonflikte, er ist gleichermaßen bedrohlich und schön, beglückend und gefährlich, und niemand weiß das, niemand spürt das mehr als Aaron, der mit allen Sinnen mit der Natur verbunden ist.

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