Fang mich doch!

Tragikomödie

Georg Sommer (Jan Krauter) wird von Sara (Claudia Wiedemer) dabei erwischt, wie er im Altpapiercontainer Quittungen für die Abrechnung der Kita sammelt.

ZDF/Stefan Erhard
Georg Sommer (Jan Krauter) wird von Sara (Claudia Wiedemer) dabei erwischt, wie er im Altpapiercontainer Quittungen für die Abrechnung der Kita sammelt. ZDF/Stefan Erhard

Georg (Jan Krauter), Familienvater und Profi im Improvisieren, der aus prekären Verhältnissen kommt, findet als angeblicher Eventmanager einen Platz für seine epilepsiekranke Tochter in einer schicken Leipziger Kita. Er schummelt sich in den Finanzvorstand und betrügt die Elternschaft um Hundertausende.

Sendedatum

Ab Montag, 13. Juli 2026, 10.00 Uhr, ein Jahr lang im ZDF-Streaming
Montag, 31. August 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

Statement der Redakteurin Esther Hechenberger

Die Tragikomödie "Fang mich doch!" kommt auf den ersten Blick wie eine charmante Hochstaplergeschichte daher. Inspiriert von unglaublich wahren Ereignissen um einen Vater, der die Elterninitiative seiner Tochter um mehrere hunderttausend Euro betrügt, bevor er abhaut und an anderer Stelle seine kriminelle Energie fortbestehen lässt. 
"Fang mich doch!" präsentiert einen schlitzohrigem Gauner, dem man fasziniert folgt wie er seine Umgebung einwickelt und sich selbst dabei verstrickt. Und man ist auch verwundert darüber, wie die anderen Eltern konsequent gewillt sind, wegzusehen – hält Georg ihnen doch schön viele Kitaaufgaben vom Halse. Bei allem Charme und Witz erzählt der Film eben auch über eine große Schere von Möglichkeiten in unserem Land – von Familien und Eltern, bei denen Geld kein Thema ist und von denen, die täglich darum kämpfen mitzuhalten und dazuzugehören. Jan Krauter entwickelt feinfühlig die Zwischentöne eines Vaters, der sich rechtfertigt, alles für seine Tochter zu tun. Und der dabei eine große Sympathie für die Figur entstehen lässt. Ester Amramis Inszenierung betont gekonnt die Doppelbödigkeit Georgs, denn ein Spieler und Lügner ist er eben auch – und die moralische Frage "darf er das?" neudeutsch "really?" schlägt im Kopf des Publikums Haken wie Georgs ewiges Abhauen.

Stab und Besetzung

Stab

Drehbuch                    Elke Rössler
                                   inspiriert von wahren Begebenheiten
Regie                          Ester Amrami

Kamera                       Omri Aloni

Licht                            Volker Langholz

Ton                              Simon Konrad-Vayner

Casting                       Karimah El-Giamal, Dream Nwattu

Musik                          Can Erdoğan, Beat Solèr

Kostümbild                  Susanne Roggendorf

Szenenbild                  Monika Nix

Montage                     Evelyn Rack

Fachberatung              David Spaeth

Produzent/
Produzentin                Lasse Scharpen, Nina Tanneberger

Produktion                  Studio Zentral

Redaktion                   Esther Hechenberger

Länge                         circa 89 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Georg                          Jan Krauter

Mara                            Pina Bergemann

Bernadette                  Elise Lindner

Jule                            Friederike Kempter

Anton                          Tobias Oertel

Patrizia                       Anna Brüggemann

Noemi                         Lara-Sophie Milagro

Sara                            Claudia Wiedemer

Darius                         Timur Isik

Sören                          Luka Dimić

Tommy                        Lorris Andre Blazejewski

Erkan                          Hasan Tasgin

und viele weitere

Inhalt

Georg, Profi im Improvisieren, will das Beste für sein epilepsiekrankes Kind – und das findet er in einer schicken Leipziger Kita. Dass er ohne Job ist und seine Frau Mara als Putzfrau arbeitet, kann er nicht zugeben.
Mit getunter Biografie und rostigem Charme schummelt er sich als angeblicher Eventmanager in die hippe Elternschaft, organisiert Flohmärkte, grillt, kifft und übernimmt die Kasse. Dass sich darin fast eine halbe Million Euro befindet, ist anfänglich ein "Geschenk", mit dem Georg sich bald unbemerkt ein Leben auf großem Fuß gönnt – und der hippen Elternschaft immer ähnlicher wird. Doch während er mit Kreditkarten jongliert, sich in eine Liebesaffäre mit der reichen Jule stürzt, beginnt sich sein windiges Blatt zunehmend gegen ihn selbst zu wenden.

"Fang mich doch!" ist eine Tragikomödie nach einer wahren Begebenheit.

Statements Produktion, Drehbuch, Regie

Nina Tannenberger (Produzentin)
Als Autorin Elke Rössler mir von ihrer Filmidee erzählte, war ich sofort begeistert. Was für eine Geschichte! Kaum zu glauben, dennoch wahr, aber vor allem: ganz nah an den aktuellen Widersprüchen unserer Zeit! Lasse Scharpen von Studio Zentral teilte unsere Vision sofort. Früh kam Regisseurin Ester Amrami an Bord und mit ihr zügig alle weiteren kreativen Gewerke, was nicht immer selbstverständlich ist und den Prozess immens beflügelt. Auch Casterin Karimah el Giamal gehörte bereits in dieser Phase zum Kernteam. Sie hat mit ihrer Idee, Jan Krauter als Hochstapler zu besetzen, der Geschichte etwas Relevantes gegeben: Georg ist nicht nur ein pathologischer Hochstapler und voller Brüche – im verborgenen Sinn ist er auf der Suche nach Zugehörigkeit. Um ihn herum wurde das weitere Ensemble kreiert, auch die Kinderrollen, allen voran Elise Lindner als die kleine Bernie, die in einem ausführlichen Casting mit Unterstützung ihrer "Film-Eltern" Jan Krauter und Pia Bergemann besetzt wurde. Ich freue mich sehr, dass unser Film jetzt endlich einem breiten Publikum geöffnet wird

Elke Rössler (Drehbuch)
"Fang mich doch!" basiert auf einer wahren Geschichte. Als ich diese zum ersten Mal hörte, war ich sofort begeistert. Diese Geschichte musste erzählt werden. Wie kann es sein, dass die Elternschaft einer Kita sich so ausnehmen und über den Tisch ziehen lässt? Eine Kita, ein Ort, an dem wir eigentlich nackt sind, keine Geheimnisse voreinander haben, uns von unserer privaten Seite zeigen dürfen und sein können, wie wir sind, wird zum Schauplatz eines Finanzverbrechens. Wie kann es sein, dass niemand der Eltern etwas gemerkt hat? Diese Unerhörtheit hat mich interessiert. Die Unverfrorenheit und die Chuzpe dieser zwielichtigen, aber doch so vitalen Figur unseres Georg Sommers – der einer ganz bestimmten Schicht, einer wohlhabenden akademischen Schicht, zu der die meisten von uns zählen, frech den Spiegel vorhält.

Statement von Ester Amrami (Regie)
Im Allgemeinen haben wir wohl ein zwiespältiges Verhältnis zu Georg, dem Hochstapler; er ist ein sehr intelligenter, charmanter und empathischer Mensch. Wir verurteilen ihn aus einer moralischen Perspektive, aber insgeheim bewundern wir seinen Mut und seine Dreistigkeit. In unserem Film muss nicht nur Georg sein fragiles Kartenhaus aus Lügen in der Balance halten, sondern auch seine Opfer – die Kita-Eltern werden mit ihren geheimen Sehnsüchten, ihrer Doppelmoral und ihren Täuschungen konfrontiert. Schadenfreude, Fremdschämen und Mitleid vermischen sich: Wie kann man nur so leichtgläubig sein?
Der Film bewegt sich moralisch in einer Grauzone. Wir beurteilen keine Figur. Jeder ist ein Opfer seiner selbst und seiner Umgebung.

"Wie eine Art 'sozialer Börsenspekulant'" - Interview mit Jan Krauter

Interview mit Jan Krauter (Rolle: Georg)

Würden Sie Ihre Rolle kurz beschreiben und was zeichnet sie besonders aus?

Georg ist ziemlich talentiert darin, Menschen zu manipulieren. Er hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe und Adaptionsfähigkeit und ist vor allem unfassbar dreist, was ihn zu einem wahren Improvisationstalent macht. Er weiß genau, wann er wem schmeicheln, wem drohen oder wen ablenken muss, um das zu bekommen, was er will. Er erkennt die menschlichen Stärken und Schwächen eines jeden auf den ersten Blick und so ist es ihm ein Leichtes, seine Gegenüber bei ihren Wünschen oder Ängsten zu packen und für sich einzunehmen. Nebenbei ist er ein ziemlich unzuverlässiger, aber dabei ein durchaus charmanter Familienvater. Würde er in die Jobsuche genauso viel Elan, Kreativität und Bemühungen stecken, wie in seine Betrügereien, bräuchte er sie eigentlich nicht, um Geld zu verdienen. Scheinbar braucht er doch noch etwas anderes.

Wie entwickelt sich Georgs Selbstwahrnehmung im Verlauf des Films – und wann beginnt sie, mit der Realität zu kollidieren?

Ich glaube, für jemanden, dem es so leicht fällt, Menschen zu manipulieren, der also ein Gefühl von Kontrolle gewohnt ist und sie auch braucht, ist es sehr schwer festzustellen, wann er die Kontrolle tatsächlich verloren hat. Seine Prämisse ist eigentlich ein unerschütterliches "Denke groß – die Marginalien kriegen wir schon irgendwie hin". Er ist es gewohnt, sich in gewagte Situationen zu werfen, die andere scheuen würden, weil er die Möglichkeit zu Scheitern schlichtweg ausblendet. Das lässt ihn nach außen natürlich eine Sicherheit ausstrahlen, die alle Umstehenden vermuten lässt, dass er schon wisse, was er tut. Im Endeffekt ist er wie eine Art "sozialer Börsenspekulant", der aufgrund seiner gesammelten Informationen eine gewagte Wette eingeht – der Gewinn würde hoch ausfallen, aber er kann sich eben auch verzocken. Sich verzockt zu haben, kann sich Georg allerdings ebenso wenig eingestehen, wie ein Spielsüchtiger. Solange er nicht beschließt, dass es vorbei ist, ist es auch nicht vorbei – deshalb beschließt er es einfach nicht.

Wie erklären Sie sich, dass Georg trotz seines moralisch fragwürdigen Verhaltens sympathisch wirken kann?

Er besitzt ja eigentlich eine Menge Begabungen, die durchaus einnehmend sein können – er ist humorvoll, sehr schlagfertig und kreativ und vor allen Dingen charmant. Am entscheidendsten ist aber, glaube ich, dass er weiß, wie sein Gegenüber gesehen werden möchte und ihm genau das liefert, soweit es für ihn selbst von Vorteil ist. Ich denke, das ist auch das im Nachhinein schmerzlichste für die Opfer: Sie müssen sich eingestehen, dass sie entlarvt wurden und nicht bemerkt haben, dass sie da jemand bei ihrer Eitelkeit gepackt hat. Und ihnen genau das auf dem Silbertablett serviert hat, was sie sich insgeheim wünschen und dabei noch geglaubt haben, es voll und ganz zu verdienen.

Inwiefern spiegelt Georgs Situation gesellschaftliche und auch politische Realitäten wider – etwa den Druck, nach außen Erfolg zu zeigen, trotz innerer Defizite?

Ich würde sagen, die Trickbetrüger sind neuerdings stark auf dem Vormarsch. Einige regieren sogar das mächtigste Land dieser Welt, andere versuchen gerade in Deutschland die Macht zu ergreifen. Menschen, die die Wünsche und Ängste der Bevölkerung ausnutzen, um sie auszubeuten, die der breiten Masse zur eigenen Bereicherung versprechen, was sie will, ungeachtet dessen, dass sie eigentlich etwas anderes braucht. Für solche Menschen ist es in letzter Zeit leichter geworden in einer Welt, die sich überwiegend aus einem Überfluss, vereinfachter und oberflächlicher Informationen zusammensetzt und deren Grundfesten der bisher geltenden Realität derzeit in Frage gestellt werden müssen. Das löst viel Unsicherheit, Uninformiertheit und dadurch auch Angst aus, die die Menschen schnell in die Arme derer treibt, die in einer kompliziert wirkenden Welt schnell einfache Antworten versprechen und nebenbei noch die Erfüllung all deiner Wünsche. Die werden parallel zur Angst nämlich auch fleißig weiter gefüttert mit vielen bunten Bildern, die dazu einladen sich mit ihnen zu vergleichen und festzustellen, dass man minderwertiger abschneidet.

Wo zeigt sich bei Georg etwas, das man ungern an sich selbst wiedererkennt?

Georgs Blick ist immer in die Ferne gerichtet, sucht immer etwas Besseres. Dabei übersieht er in Gänze das, was er bereits direkt vor der Nase hat. Davor sind wir, glaube ich, alle nicht gefeit und ich finde Georgs Geschichte könnte einen dazu inspirieren, mal zu überprüfen, wieviel von dem, was man da teilweise so vermisst und so gerne haben will, eigentlich wirklich die eigenen Wünsche sind und nicht die, von denen, die deren Erfüllung verkaufen. 
Einmal durchatmen, zurücktreten und wahrnehmen, was man eigentlich alles hat – vielleicht erübrigt sich dann ja schon einiges. Das wäre mein Tipp.

Fragen und Statements Cast

Pina Bergemann (Rolle: Mara)

Beschreiben Sie bitte kurz Ihre Rolle.

Mara ist unglaublich kreativ und findet für jedes Problem zehn Lösungen. Sie liebt es, neue Dinge auszuprobieren. Sie kann sich nicht verstellen und ist sehr ehrlich, manchmal ein bisschen zu ehrlich. Sie schmeißt den Haushalt, finanziert die Familie, hat alle Termine auf dem Schirm und ist dabei eigentlich immer gelassen. Das bewundere ich sehr an ihr.

Hat Mara das Gefühl, stärker in der Realität zu stehen als Georg? Wie viel Verständnis kann sie für ihn aufbringen?

Sie nimmt die Menschen, wie sie sind, auch Georg. Sie versucht, ihn nicht zu verändern. Das schätze ich an ihr. Sie mag seine Geschichten, seine Abenteuerlust und seinen Schalk. Trotzdem erwartet sie von ihm, dass er ehrlich ist und wünscht sich, dass er auch mal etwas zur Familienkasse beiträgt. Hier ist sie schon langsam am Limit, was das Verständnis angeht.

Wie sehr sieht sie die Eskalation kommen, hätte sie früher eingreifen können?

Nein, ich sehe keine Verantwortung bei ihr: Sie kennt ihn schon lange und hat ihm vertraut. Sie hätte es nie für möglich gehalten, dass er so weit geht. Georg hat sie hintergangen und betrogen.

Wo siehst Du Deine Figur in der Gesellschaft verankert, erfährt sie die Sichtbarkeit, die ihrer Leistung entspricht?

Mara ist fest in der Mitte unserer Gesellschaft verankert – dort, wo Menschen oft übersehen werden, obwohl ohne sie vieles nicht funktionieren würde. Sie verdient wenig Geld und lebt ständig unter Druck. Trotzdem arbeitet sie hart, kümmert sich liebevoll um ihre kranke Tochter und trägt damit einen enorm wichtigen Teil zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Menschen wie sie, Putzkräfte, Verkäuferinnen, Pflegerinnen und viele andere, halten unsere Gesellschaft durch ihre tägliche Arbeit am Laufen. Dennoch erfahren sie oft nicht die Anerkennung und Sichtbarkeit, die ihrer Leistung eigentlich entsprechen würden. 
 

Friederike Kempter (Rolle: Jule)

Beschreiben Sie bitte kurz Ihre Rolle.

Jule ist erfolgreich, reich und sehr selbstbewusst. Sie stellt weder sich noch ihren Lebensweg oder ihre Perspektive in Frage. 

Was macht einen elterngeführten Kindergarten dramaturgisch interessant?

Die Kita ist ein spannender Mikrokosmos, da Eltern immer das Beste für ihr Kind wollen und sich dann schnell auf die Füße getreten fühlen.

Jule ist fasziniert von Georg, sie fühlt sich von ihm angezogen. Wann wird ihr klar, dass er möglicherweise etwas verschweigt – und was macht das mit ihr?

Ich glaube, gerade das Zwielichtige an ihm zieht sie an, aber am Ende fühlt sie sich durch seinen Betrug gedemütigt und verraten.

Was nimmst Du persönlich aus diesem Projekt mit?

Ich liebe die Arbeit im Ensemble immer sehr, vor allem wenn man mit so guten und netten Kollegen spielen darf!
 

Tobias Oertel (Rolle: Anton)

Beschreiben Sie bitte kurz Ihre Rolle.

Anton ist jemand, der an seinen eigenen, viel zu hohen Ansprüchen scheitert. In seinem Leben hat er sich verloren und versucht, vor der eigenen Wahrheit wegzulaufen. Ohne Ausweg mäandert er resigniert durchs Dasein.

Wann beginnt Anton Skepsis gegenüber Georg zu entwickeln und was sind die Abwägungen, die daraus resultieren?

Anton spürt von Anfang an, dass Georg etwas verbirgt, weil es ihn an seine eigene Unaufrichtigkeit erinnert. Diese Skepsis lässt Anton aber nicht sofort handeln, weil er selbst in seinen Problemen feststeckt. Dadurch wägt er zu spät ab und verpasst die Chance, rechtzeitig zu reagieren. Am Ende ist es mehr ein Spiegel seiner eigenen Flucht. 

Alle Figuren scheinen sich in einem Geflecht aus Verdacht, Schweigen und sozialem Druck zu bewegen – inwieweit hat Dich das an das "echte Leben" erinnert?

Die Figuren leben in einer hochprivilegierten Wohlstandsgesellschaft, in der sie es sich bequem gemacht haben und echte existenzielle Probleme fehlen. Sie streben danach, moralisch, politisch und gesellschaftlich alles überkorrekt zu machen. Dabei verlieren sie, meines Erachtens, den Blick auf das Einfache, Ehrliche, Echte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in unserer Gesellschaft ähnlich funktionieren: Uns geht es im Grunde wahnsinnig gut, doch oft fehlt uns der dankbare, echte Blick dafür, was wir eigentlich besitzen, und wir übersehen dabei das Wesentliche.

Haben Sie einen Wunsch, was Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Film mitnehmen sollen?

Ich würde mir wünschen, dass der Film – genau wie Georg in dieser Gruppe – die Zuschauerinnen und Zuschauer ein bisschen erschüttert und wachrüttelt. So wie Georg die Routine aufbricht, hoffe ich, dass der Film Menschen dazu anregt, ihre eigene Position zu hinterfragen: Wo stehe ich, was sind meine Werte, und in welchen Mustern bin ich vielleicht unbemerkt gefangen? Wenn der Film also dazu führt, dass man eine Art neue Selbstschau wagt, wäre das toll! 
 

Anna Brüggemann (Rolle: Patrizia)

Welche Verantwortung trägt Deine Figur im System Kita und wo stößt sie an ihre
Grenzen?

Patrizia fühlt sich für alles und jeden verantwortlich und weiß ziemlich genau, was das Beste für alle wäre. Da stößt sie allerdings auch an ihre Grenzen, die anderen wollen einfach nicht immer so, wie sie es will.

Spielt der soziale Vergleich innerhalb der Gemeinschaft in der Kita eine große Rolle?

Der soziale Vergleich innerhalb der Kita-Eltern spielt eine große Rolle. Patrizia hat ein ausgeprägtes Status-Denken, jedoch gleichzeitig Komplexe gegenüber den anderen Eltern, weil sie alleinerziehend ist. Das trägt sie zwar mit Stolz vor sich her, empfindet es jedoch insgeheim als Makel.
 

Statements Lara-Sophie Milagro, Claudia Wiedemer, Timur Isik und Luka Dimic

Lara-Sophie Milagro (Rolle: Noemi)

Noemi bewegt sich in einer spannenden Position: Sie ist finanziell privilegiert, kennt als Schwarze Frau aber auch Erfahrungen von Diskriminierung. Deshalb hat sie diese Kita bewusst als diverse und tolerante Bubble für ihre Tochter und sich selbst gewählt. Als dieser Safe Space bedroht wird, sieht sie rot. Noemi ist beliebt und engagiert. Sie stellt ihr Loft für Treffen zur Verfügung, deckt ihre Freunde und versorgt alle mit selbst gestrickten Socken – für ihre Gemeinschaft gibt sie alles.

Claudia Wiedemer (Rolle: Sara)

Sara richtet ihren Blick immer zuerst auf die Kinder. Sie ist gewohnt, mit den Eigenheiten der Eltern umzugehen, und begegnet ihnen mit Freundlichkeit. Georg erscheint ihr zunächst nicht merkwürdiger als die anderen. Erst als sie selbst ins Visier gerät, setzt sie die Puzzleteile zusammen. Am Film mag ich besonders, dass er keine einfachen Urteile fällt. Alle Figuren kämpfen auf ihre Weise um Liebe, Unterstützung und Anerkennung. Niemand ist nur gut oder nur böse – genau darin liegt für mich seine Stärke.

Timur Isik (Rolle: Darius)

Als schwules Paar, das Kinder adoptiert hat, haben Darius und sein Partner Sören einen herausfordernden Weg hinter sich gebracht. Umso mehr leben sie heute ihr Ideal von Familie. In der Elternschaft übernimmt Darius die strukturgebende Rolle und sorgt für Erdung. Im Kita-Umfeld versucht er, sich so angepasst wie möglich zu bewegen. Erst wenn die Zahlen nicht mehr stimmen, beginnt er zu hinterfragen – und kommt so dem Hochstapler auf die Spur.

Luka Dimic (Rolle: Sören)

Für meine Figur ist die Grenze klar: Diebstahl ist eine persönliche Entscheidung, unabhängig von äußeren Umständen. Man hätte als Gemeinschaft über alles reden können. Sören ist die gute Seele, harmoniebedürftig und voller Vertrauen in die Gemeinschaft. Aber wehe dem, der die heile Welt ins Wanken bringt.

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Pressefotos zur Sendung erhalten Sie unter https://presseportal.zdf.de/presse/fangmichdoch (nach Log-in), telefonisch unter 06131 – 70-16100 oder per E-Mail unter pressefoto@zdf.de

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Maike Magdanz
Programmkommunikation Fiction, Entertainment und Young Audience
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