Frankfurt Mord – Ein neues Leben

Neuer Samstagskrimi

Das neue Ermittlerteam in Frankfurt: Jakob Loose (Johannes Hegemann, l.), Sarah Frankfurter (Marie-Lou Sellem, M.) und Milli Schneider (Leona Grundig, r.) haben einen schwierigen Fall zu lösen.
ZDF/Gordon Muehle / [M] mo postproduction
Das neue Ermittlerteam in Frankfurt: Jakob Loose (Johannes Hegemann, l.), Sarah Frankfurter (Marie-Lou Sellem, M.) und Milli Schneider (Leona Grundig, r.) haben einen schwierigen Fall zu lösen. ZDF/Gordon Muehle / [M] mo postproduction

Kommissarin Sarah Frankfurter muss den Mord an einer Juristin aufklären, die sich für eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes stark gemacht hat. Zu ihrem Entsetzen muss Sarah feststellen, dass der neue, junge Kollege an ihrer Seite, Jakob Loose, ihr One-Night-Stand von letzter Nacht ist und ihr erneutes Aufeinandertreffen sehr viel erfreulicher findet als sie.

Sendedatum

Ab Samstag, 3. Oktober 2026, 10.00 Uhr, ein Jahr lang
Samstag, 10. Oktober 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

Statement der Redaktion

Im Zentrum des neuen Samstagskrimis steht mit Sarah Frankfurter eine erfahrene Kommissarin, die nicht nur in der von Gegensätzen geprägten Bankenhauptstadt Frankfurt ermittelt, sondern auch mit der dortigen jüdischen Gemeinde verbunden ist. Diese Lebenswelt ist im deutschen Krimigenre bislang wenig sichtbar, und es ist dieser selbstverständliche Blick auf jüdisches Alltagsleben, der dem Film neue Anknüpfungspunkte verleiht.

Auch der Schauplatz Frankfurt ist besonders, aber die Stadt soll nicht nur als markante Skyline herhalten. Durch unterschiedliche Milieus und Schauplätze soll die bunte und durchaus gegensätzliche Gesellschaft mit ihren vielfältigen Lebensräumen erzählt werden. Grundlage für eine zeitgemäße Kriminalgeschichte bietet in der Auftaktfolge das kontrovers diskutierte Thema der künstlichen Befruchtung.

Die Verbindung aus Krimi, Humor und Großstadtmilieu macht "Frankfurt Mord" für uns zu einer sinnvollen Ergänzung des Samstagskrimi-Angebots im ZDF.

Caroline von Senden und Sandra Dettki, Redaktion Fernsehspiel 1

Stab, Besetzung, Inhalt

Stab

Buch                                Elena Lyubarskaya, Tanja Bubbel, Nils Willbrandt

Regie                               Franziska Margarete Hoenisch

Kamera                            Stefanie Reinhard

Schnitt                             Bernd Schlegel

Szenenbild                      Holger Sebastian Müller

Kostümbild                      Katharina Schnelting

Ton                                  Jan Geiling

Musik                               Richard Ruzicka

Casting                            Andrea Rodríguez

Produktionsleitung           Mathias Krämer

Herstellungsleitung          Ebrahim Sarfaras

Produktion                       Olga Film GmbH

Produzentinnen               Lena Kraeber, Alicia Remirez, Ulli Weber

Redaktion                        Caroline von Senden, Sandra Dettki, Julia Sattler

Länge                               88 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Sarah Frankfurter              Marie-Lou Sellem

Jakob Loose                     Johannes Hegemann

Milli Schneider                  Leona Grundig

Dr. Fêris Hahn                  Billey Demirtaş

Nils Geissner                    Franz Hartwig

Inga Pacher                      Isabell Polak

Holger Manthey                Peter Schneider

Rakhel Frankfurter            Victoria Nikolaevskaja

Marjana Stoic                   Patrycia Ziolkowska

Nicole Geissner                Anna Kubin

Fabian Will                        Isaak Dentler

Tante Esther                     Inge Maux

Martin                               Wolfram Koch

Theo                                Henri Klaus Georg Pemler

Dr. Heller                          Dalila Abdallah

und andere

 

Inhalt

Am Tatort erkennt Kommissarin Sarah Frankfurter entsetzt, dass ihr neuer Kollege Jakob ihr One-Night-Stand der letzten Nacht ist und sie nun gemeinsam einen Todesfall aufklären müssen.

Im Team mit ihrer Kollegin Milli untersuchen sie den Mord an der Juristin Nicole Geissner, die sich für eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes stark gemacht hat, nachdem sie selbst jahrelang erfolglos versucht hatte, ein Kind zu bekommen.

Nicoles Mann Nils gerät schnell unter Verdacht. Die Ehe des Paares war durch den unerfüllten Kinderwunsch und die Versuche der künstlichen Befruchtung belastet. Je tiefer das Team gräbt, desto mehr Fragen tun sich auf.
Während der Ermittlungen muss Sarah nicht nur den Fall lösen, sondern neben der unerwarteten Nähe zu Jakob auch noch den neugierigen Fragen ihrer Tochter ausweichen, die als Rabbinerin mitten in den Vorbereitungen für Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, steckt.

Drei Fragen an Autorin Elena Lyubarskaya

Der Film verbindet einen Kriminalfall mit emotionalen und gesellschaftlichen Fragen rund um Kinderwunsch, Zugehörigkeit und familiäre Erwartungen. Wie ist es Ihnen gelungen, diese Themen sensibel zu erzählen, ohne die Spannung aus den Augen zu verlieren?

Für den ersten Fall der Reihe suchten wir bewusst nach einem Thema, das keine einseitige, schwarz-weiße Interpretation zulässt ‒ und die Frage rund um Kinderwunsch und Embryonenschutzgesetz ist genau solch ein Thema. Auf der einen Seite wollen wir als Gesellschaft verantwortungsvoll mit neuen reproduktionsmedizinischen Technologien und mit Kindern umgehen, was absolut nachvollziehbar ist, nicht zuletzt wegen der deutschen Geschichte. Auf der anderen Seite trifft genau diese Vorsicht Menschen besonders hart, die ohnehin schon unter dem Druck ihres unerfüllten Kinderwunschs stehen. Für sie ist das Gesetz keine abstrakte ethische Frage, sondern eine zusätzliche Härte in einer ohnehin schon schmerzhaften Situation. Genau diese Ambivalenz ‒ nicht die eine "richtige" Antwort ‒ war für uns der Ausgangspunkt.

Wir haben diese Geschichte immer von den Figuren und ihren Gefühlen aus erzählt, nicht vom Gesetzestext aus. Das ist die Voraussetzung für gutes Drama genauso wie für einen guten Krimi. Sobald man das Thema an dem Schicksal eines konkreten Menschen aufhängt, bleibt es spannend. Die immer gleichbleibende Frage im Krimi nach dem Täter bekommt hier noch eine sehr emotionale Aufladung. Dieser emotionale Zugang schafft außerdem eine enge Verbindung zu den Geschichten unserer Figuren, die zwar oft komisch, im Kern aber genauso emotional sind. Der Fall und Sarahs eigene Geschichte, unfreiwillig ein neues Leben als Single zu beginnen, kreisen letztlich um dasselbe Thema: Wann ist es Zeit, an einem Wunsch oder Traum festzuhalten, und wann ist es Zeit, loszulassen?

Inwiefern ist auch Ihre persönliche Perspektive und Ihr jüdischer Hintergrund in die Figuren, ihre Lebenswelten oder bestimmte Motive der Geschichte eingeflossen?

Sarah Frankfurter ist deutsche Jüdin, und das war für mich nie ein Zusatz, sondern ein zentraler Teil ihrer Figur ‒ nicht zuletzt, weil ich selbst jüdisch bin und diese Perspektive aus erster Hand kenne. Mir war wichtig, dass ihr Jüdisch-sein nie als Erklärung für Antisemitismus oder Trauma auftaucht, sondern einfach als normaler Teil ihres Lebens, der neben all den anderen wichtigen Fragen steht, die sie beschäftigen ‒ ihrem Job, ihrer Familie, ihrem Liebesleben. Sarah ist nicht stark religiös. Sie geht an den hohen Feiertagen in die Synagoge, isst kein Schwein, lässt sich nur widerwillig vom Frauenkreis ihrer Tante einspannen. Das ist die Normalität, die ich kenne: Man lebt nicht tief religiös, aber tief verbunden ‒ und vor allem: Der Glaube ist nicht das zentrale Thema ihres Lebens, sondern einfach ein Teil davon.

Genauso wichtig war uns zu zeigen, dass die jüdische Gemeinde selbst nicht homogen ist, sondern sehr divers in ihren Haltungen ‒ von Sarah, die eher neutral zu ihrer Herkunft steht, bis zu ihrer Tochter Rakhel, die als progressive Rabbinerin einen ganz anderen, politischeren Zugang zum Judentum hat. Gerade diese Diversität erzeugt für uns ein viel reicheres, vielschichtigeres Konfliktpotenzial, als eine einheitliche Darstellung es je könnte. Am Ende ist das die Art, wie wir uns als Menschen mit jüdischer Identität selbst gerne sehen würden: nicht auf eine einzige Erzählung reduziert, sondern vielfältig, widersprüchlich und lebendig.

Sie haben "Frankfurt Mord" durch die gesamte Stoffentwicklung begleitet. Welche erzählerische Idee steht hinter diesem besonderen Figurenensemble, und welches Potenzial bietet diese Konstellation für weitere Geschichten und eine mögliche Reihe?

"Frankfurt Mord" ist von Anfang an als Ensemble gedacht. Es geht nicht um eine Einzelheldin mit Beiwerk, sondern um ein Geflecht aus Sarah, Jakob, Milli, Rakhel und der Familie drumherum, die sich alle gegenseitig ständig ins Leben pfuschen. Jede dieser Figuren bringt ihre eigene Komik mit, aber im Zentrum steht die Beziehung zwischen Sarah und Jakob: eine Art Romanze, die Sarah nicht zulassen will, weil er jünger ist, und genau aus dieser Weigerung entstehen die komischsten Situationen der Reihe. Diese Spannung zieht sich durch das ganze Ensemble. In Sarahs Geschichte greifen wir ein Thema auf, das trotz aller gesellschaftlichen Modernisierung noch immer partiell provokant bleibt: eine Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann, die für viele bis heute nicht ganz selbstverständlich ist.

Auch die anderen Figuren tragen ihre eigene, eigenständige Komik bei: Milli, die moderne, schlagfertige Kollegin, die sich ungeniert in Sarahs Privatleben einmischt, oder Rakhel, Sarahs Gen-Z-Tochter, die als progressive Rabbinerin ihre ganz eigene Kraft in die Familie bringt. Uns war als Autor*innen extrem wichtig, dass die Chemie zwischen all diesen Menschen stimmt. Genau das ist für mich das Potenzial für eine Reihe: ein Ensemble, dessen Konflikte nicht am Fall hängen, sondern an den Beziehungen selbst, und das man deshalb über viele Folgen weitererzählen kann, ohne es auszuerzählen.

Kurzes Interview mit Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch

Was hat Sie an "Frankfurt Mord" überzeugt?

Das Drehbuch hat mich gleich angesprochen. Es erzählt einen spannenden Fall und verhandelt dabei ein komplexes Thema. Besonders reizvoll war für mich, die Tonalität zwischen Nervenkitzel und einer humorvollen Menschlichkeit auszuloten – kein Klamauk, sondern Komik, die aus der Tragik und Widersprüchlichkeit der Figuren entsteht.

Für mich liegt in jeder Geschichte die Möglichkeit, Figuren so zu erzählen, dass wir ihnen folgen, mit ihnen fühlen und durch sie vielleicht etwas erleben, über das wir bisher noch nicht nachgedacht haben. Genau darin liegt für mich die Stärke dieses Films: Er stellt die Frage, wie wir Elternschaft begreifen, und wagt den Gedanken, dass wir uns dabei auch von Vorstellungen lösen können, die wir lange für selbstverständlich gehalten haben.

Frankfurt spielt im Film eine wichtige Rolle und ebenso seine lebendige jüdische Community. Wie haben Sie sich der Stadt und diesem Umfeld angenähert?

Die Produzentinnen von Olga Film haben schon sehr früh wertvolle Kontakte zur progressiven jüdischen Gemeinde in Frankfurt aufgebaut. Das war für die Recherche von großer Bedeutung – und später auch eine wichtige Unterstützung bei den Dreharbeiten. In der letzten Szene des Films sind viele Mitglieder der Gemeinde als Kompars*innen dabei. Für mich war es eine große Ehre, diese Szene gemeinsam mit ihnen drehen zu dürfen. Vor allem aber habe ich darin einen besonderen Vertrauensbeweis gesehen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken.

In Frankfurt habe ich sehr gern gedreht. Unser Team kam größtenteils aus der Region, und wir haben die Gastfreundschaft vor Ort sehr genossen. Frankfurt ist eine extrem filmische Stadt mit einer kosmopolitischen Atmosphäre, die man so in Deutschland nicht oft findet. Besonders aufgefallen ist mir die Diversität im Stadtbild und im Alltag. Frankfurt ist eine echte Metropole und ein Tor zur Welt. Das hat auch unseren Film geprägt. Wir haben versucht, Frankfurt nicht nur als Kulisse zu zeigen, sondern die Stadt bewusst mitzuerzählen. Das sieht man schon in der ersten Einstellung des Films.

Im Zentrum stehen mit Sarah Frankfurter und Jakob Loose zwei sehr unterschiedliche Ermittler. Was hat Ihnen an der Dynamik der beiden besonders gefallen, und wie war die Zusammenarbeit?

Es hat großen Spaß gemacht, dieses Paar gemeinsam mit der großartigen Casterin Andrea Rodríguez zu finden. Nachdem für uns feststand, dass wir mit Marie-Lou Sellem als Sarah Frankfurter arbeiten wollten, begann die Suche nach "ihrem" Jakob. Im Konstellationscasting sollte Johannes Hegemann in einer Improvisation so tun, als würde er Sarah in einer Bar zum ersten Mal ansprechen. Sein erster Satz war: "Stammgast hier?" Da war eigentlich schon alles klar. Die beiden begegnen sich spielerisch auf Augenhöhe. Und genau das spürt man auch in ihren Figuren. Gerade bei einem Paar mit einem deutlichen Altersunterschied war mir wichtig, dass ihre Beziehung nicht über dieses Gefälle definiert wird, sondern über ihre gegenseitige Neugier, ihren Witz und ihre Dynamik.

Neben der Krimispannung erzählt "Frankfurt Mord" auch vom hochaktuellen Thema des Embryonenschutzes. Welche Aspekte waren Ihnen dabei besonders wichtig, und wie haben Sie dieses Thema nahbar gemacht?

Für mich geht es in dem Film weniger darum, eine eindeutige Position zur Embryonenspende einzunehmen. Ich finde die Frage selbst komplex und möchte sie auch nicht auf eine einfache Antwort reduzieren. Viel spannender ist für mich, welche Vorstellungen von Familie und Elternschaft dahinterliegen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Familien längst sehr unterschiedlich aussehen. Trotzdem halten sich die Bilder von Mutter, Vater, Kind als vermeintlich natürliche oder ideale Einheit erstaunlich hartnäckig. Ich finde, wir sollten uns gesellschaftlich dafür öffnen, Familie und Elternschaft vielfältiger zu denken.

Der Film erzählt diese Frage nicht über große Thesen, sondern über seine Figuren. Wir erleben Menschen, die sich nach Familie sehnen, Entscheidungen treffen und sich in diesen verstricken. Dadurch wird das Thema konkret und emotional. Vielleicht entsteht daraus ein Gespräch, in dem die Zuschauenden das Thema noch ein bisschen weiterdenken.

Gab es beim Dreh einen Moment oder eine Szene, bei der Sie gespürt haben: Genau so soll sich "Frankfurt Mord" anfühlen?

Die Art des Humors, den wir erzählen, war für mich klar, als Sarah und Jakob zum ersten Mal als Kolleg*innen am Tatort aufeinandertreffen. Der psychologische Thriller entwickelt sich sukzessive über den Film hinweg. Die starke Bildgestaltung von Stefanie Reinhard ist immer nah an der Perspektive der Figuren. Stefanie war mir eine sehr wichtige Partnerin im Austarieren des Spagats von Spannung und Humor.

Fragen an Marie-Lou Sellem

Viele Krimis erzählen von Eifersucht, Geld oder Rache. "Frankfurt Mord" stellt dagegen den unerfüllten Kinderwunsch in den Mittelpunkt. Was macht diesen Ausgangspunkt und den daraus entstehenden Fall für Sie besonders?

Ich denke, unser Fall beschreibt erst einmal ein relativ klassisches Verbrechen, bei dem Menschen aus einem Affekt heraus handeln. Dem zugrunde liegen eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht und Verzweiflung, die sie zu Täter*innen werden lassen. Bei "Frankfurt Mord" ist auch das der Grund dafür, dass in einem wesentlichen Moment auf dem Weg zur Tat schon ein illegaler Weg eingeschlagen wurde.

Das Interessante an diesem Fall ist, dass er ein Argument in der großen, bestehenden Diskussion zum Thema Embryonenschutzgesetz sozusagen bebildert. In Deutschland ist es, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, nach wie vor verboten, dass die genetische und die austragende Mutter unterschiedliche Personen sind. Ohne weiter darauf eingehen zu wollen, dass Genetik bei der Samenspende wiederum keine Rolle spielt, soll dieses Gesetz, das aus den Anfängen der Forschung stammt, dem Embryo gegenüber einen hohen ethischen Schutz gewährleisten. Zum heutigen Zeitpunkt stellt sich die Frage, ob Menschen sich durch diese Gesetzgebung gezwungen sehen könnten, sich ins Ausland zu begeben oder andere, straffällige Wege einzuschlagen. Wir haben gerade die Jens-Spahn-Debatte erlebt und treffen somit vielleicht den hochaktuellen Nerv in dieser Diskussion.

Sarah und ihr neuer Kollege starten mit einer gemeinsamen Nacht – ohne zu ahnen, dass sie sich kurz darauf im Job wieder begegnen werden. Während er die Verbindung gerne weiterverfolgen würde, geht Sarah auf Distanz. Was macht diese Konstellation so spannend – und was bringt sie so ins Hadern?

Für Sarah Frankfurter gibt es nach dieser ersten gemeinsamen Nacht mit ihrem zukünftigen Kollegen eine Menge Bremsklötze. Ein nicht unwesentlicher wäre, dass derart viel Alkohol im Spiel war, dass sie für ihre Verhältnisse offensichtlich komplett die Kontrolle verloren hat. Als Basis, um sich zu orientieren, sehr schwierig für sie. Ohne auf den großen Altersunterschied zwischen ihr und ihrem jungen Kollegen eingehen zu wollen und auf die Tatsache, dass sie sicher nicht vor Dienstantritt mit ihm intim werden wollte, schleppt Sarah auch noch die Last einer heftigen Trennung mit sich herum. Jakob scheint da unbelasteter und in gewisser Weise klarer zu spüren, welches Potenzial in der Verbindung stecken könnte. Die Kraft dieser Eindeutigkeit wird offensichtlich etwas bedrohlich für Sarah. Ich könnte noch viel über diese Figurenkonstellation und das Spannungsverhältnis sprechen, aber ich hoffe, dass sich die Ambivalenzen und Zwischentöne dieses Verhältnisses im Film erzählen.

Sarah steht vor zahlreichen unfreiwilligen Herausforderungen. Sie selbst suchen als Schauspielerin immer wieder neue Aufgaben – entstand daraus eine besondere Sympathie für die Figur?

Ich glaube, dass Sarah in einem Alter ist, in dem die erste Runde längst gelebt wurde, der zweite Akt gespielt ist und sie am Anfang des dritten Akts rekapitulieren und bilanzieren wird. In ihrem Fall ist eine Ehe gescheitert, und sehr viel mehr erfahren wir auf der emotionalen Ebene erst einmal noch nicht. Aber sicher ist es ein Moment, in dem sich viel Wegweisendes entscheidet. Wie tritt man in diesen neuen, fordernden Lebensabschnitt ein? Was bedeutet es, als Frau beruflich und privat in ein Alter zu kommen, in dem wir gesellschaftlich immer noch stärkerer und negativer Beurteilung ausgesetzt sind?

Ich selbst bin natürlich im gleichen Alter und habe deshalb vor zwei Jahren als Regisseurin einen Film darüber gemacht, welchen Weg die Frauen um mich herum bis hierhin gegangen sind. Das war eine große Herausforderung für mich. Ich sowie eigentlich alle meine Kolleginnen in diesem Alter möchten von diesen Auseinandersetzungen und Erfahrungen erzählen dürfen. Das ist unsere Aufgabe und unser Potenzial und deshalb bin ich natürlich sehr froh über diese Sarah. Sie ist mir in ihrer Ambivalenz und Panik sehr sympathisch. Als Wahrheit empfinde ich den Umstand, dass man in jedem Lebensabschnitt auf große Herausforderungen trifft und immerzu lernen muss, sie zu bewältigen. Was den Altersunterschied betrifft, kann ich mit entschiedener Sicherheit sagen, dass ich in den letzten Jahren am meisten von meiner 24-jährigen Tochter gelernt habe.

Sie spielen nicht nur regelmäßig in Filmen und Serien im Kino und Fernsehen, sondern haben 2024 bei "Die Schule der Frauen" auch selbst Regie geführt. Gibt es Dinge, die Ihnen mit der Zeit wichtiger geworden sind – und was haben Sie noch vor?

Ich würde sagen, dass es für mich immer wichtiger wird, Sachen, die ich gerne erzählen möchte, auch rüberzubekommen. Sei es nun als Schauspielerin, in Regieführung oder im Schreiben. Ich bin natürlich viel erfahrener als Spielerin, denn als Regisseurin oder Autorin, weil ich mich mehr ausprobieren durfte. Ich bin souveräner, aber dieses Weiterlernen und überlegen, wie ich mich hinaus übersetzen kann, in den anderen Bereichen, hat den Effekt, dass ich mich irgendwie wieder wie während der Ausbildung fühle. Alles dauert etwas länger, bis ich Dinge umreiße, und ich stretche so die Zeit. Wenn Sie so wollen, fühle ich mich jünger und etwas unsicherer. Diese Form der Aufregung, das würde ich sagen, ist es, was ich in den nächsten noch so Jahren vorhabe.

Fragen an Johannes Hegemann

Wie würden Sie Jakob Loose jemandem beschreiben, der ihn noch nicht kennt?

Jakob ist aufgeschlossen, neugierig und begegnet dem Leben und den Menschen meistens mit einem Lächeln im Gesicht. Aber neben dem sonnigen Gemüt steckt auch viel Ehrgeiz und der Wille, sich zu beweisen, in ihm. Er sucht Herausforderungen und hält Stillstand oder Langsamkeit nur schwer aus.

Jakob startet seinem ersten gemeinsamen Arbeitstag mit Sarah unter ungewöhnlichen Voraussetzungen. Was hat Sie an dieser Ausgangslage gereizt, und wie haben Sie gemeinsam mit Marie-Lou Sellem die besondere Dynamik zwischen Ihren Figuren entwickelt?

Mich hat die Konstellation zwischen den beiden auf vielen Ebenen gereizt. Die Peinlichkeit, dass sie sich nichtsahnend direkt nach einem One-Night-Stand bei der Arbeit begegnen. Der Altersabstand zwischen den beiden. Dass Sarah Jakobs Chefin ist. Und dass beide dann ganz unterschiedlich versuchen, den Spagat zwischen Professionalität, Vertuschung und gegenseitiger Anziehung zu bewältigen. Dass sich Kommissare bei der Arbeit näherkommen und Privates und Berufliches vermischen, kennt man ja. Aber wir erzählen es umgekehrt. Die beiden waren schon sehr intim miteinander und müssen sich darauf dann erstmal als Ermittlerteam kennenlernen und alles etwas entzerren.

Jakob scheint der Altersunterschied zu Sarah überhaupt nicht zu stören, sie sieht das anders. Warum passen die beiden Ihrer Meinung nach trotzdem so gut als Ermittlerteam zusammen?

Sie ergänzen sich einfach sehr gut. Gerade weil sie diesen Altersunterschied haben und aus verschiedenen Hintergründen kommen. Sarah hat jahrelange Erfahrung und hält Jakob davon ab, voreilig irgendwelche Schlüsse zu ziehen und in Aktionismus zu verfallen. Gleichzeitig bringt Jakob neue, unkonventionelle Ideen ein und sorgt mit seiner Art und seiner Tatkraft für viel positive Energie.

Frankfurt spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle. Welche Atmosphäre bringt die Stadt für Sie in die Serie ein?

Frankfurt ist eine extrem vielschichtige und aufregende Großstadt. Mit viel Licht und auch einigem Schatten. Frankfurt ist weit mehr als nur Hyperkapitalismus im Banken- oder Hyperelend im Bahnhofsviertel. In dieser Stadt schlummern viele Geschichten, die erzählenswert sind.

Was hat Sie an der Arbeit mit dem Ensemble besonders begeistert?

Dass meine beiden Co-Kommissarinnen Marie-Lou Sellem und Leona Grundig so toll sind. Wir verstehen uns einfach alle sehr gut und hatten eine Menge Spaß am Set. Wir haben viel gelacht und uns auch an anstrengenden Tagen gegenseitig das Leben erleichtert.

Kontakt

Susanne Priebe
Programmkommunikation Fiction, Entertainment und Young Audience
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