In Wahrheit - Die Liebe und der Tod

Der Samstagskrimi

Freddy Breyer (Robin Sondermann) und Judith Mohn (Christina Hecke) müssen davon ausgehen, dass von der verschwundenen Katrin Gefahr ausgeht, da sie Ihrem Freund Morddrohungen schickt.
ZDF/Manju Sawhney
Freddy Breyer (Robin Sondermann) und Judith Mohn (Christina Hecke) müssen davon ausgehen, dass von der verschwundenen Katrin Gefahr ausgeht, da sie Ihrem Freund Morddrohungen schickt. ZDF/Manju Sawhney

Judith Mohn und Freddy Breyer ermitteln im Mordfall Tobias Schricker, dessen Leiche in der Wohnung seiner offenbar untergetauchten Ex-Freundin Katrin Sommer aufgefunden wurde. Sommers neuer Freund erzählt den Ermittlern, seine Freundin würde ihn plötzlich mit SMS-Nachrichten terrorisieren, in denen sie mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen um sich wirft. Haben es Mohn und Breyer mit einer Stalkerin zu tun, die auch vor Mord nicht zurückschreckt?

Sendedatum

ab Samstag, 5. September 2026, 10.00 Uhr, ein Jahr lang
Samstag, 12. September 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

Stab, Besetzung, Inhalt

Stab

Buch                                Dinah Marte Golch, Isabell Serauky

Regie                               Kirsten Laser

Bildgestaltung                  Rodja Kükenthal

Montage                           Simone Klier

Szenenbild                       Marcus A. Berndt

Kostümbild                       Nana Kolbinger

Ton                                   Thomas Thutewohl

Musik                                Lara Frank    

Casting                             Rebecca Gerling, Lina Behr

Produktionsleitung            Matthias Fritz

Herstellungsleitung           Roger Daute

Junior Producerin             Nicole Aschhoff

Produzentin/Produzent     Lydia-Maria Emrich, Bernd von Fehrn

Redaktion                          Karina Ulitzsch (ZDF), Martin Gerhard (ZDF/ARTE)

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Judith Mohn                         Christina Hecke

Freddy Breyer                      Robin Sondermann

Alain Montand                      Pierre Kiwitt

Karen Mohn                         Steffi Kühnert

Dr. Florence Aubameyang   Sandra Bourdonnec

Hannes Großmann              Pascal Houdus

Laura Bartel                         Nurit Hirschfeld

Natascha Thielen                 Morgane Ferru

Angelika Sommer                Eva Medusa Gühne

Manfred Schricker               Holger Daemgen

Katrin Sommer                    Maude Andrey

Ullrich Werner                     Mohamed Achour

Klaus Münz                         Till Huster

Leo Thielen                         Robin von Oppeln

Jan Winter                          Marvin Gronen

und andere

 

Inhalt

Als Tobias Schricker ermordet in der Wohnung seiner verschwundenen Ex-Freundin Katrin Sommer aufgefunden wird, sind Hauptkommissarin Judith Mohn und ihr Kollege Freddy Breyer alarmiert. Über Katrins Social-Media-Profile stoßen die Ermittler auf ihren neuen Partner Hannes Großmann. Er erzählt ihnen, die sonst so lebensfrohe Katrin würde ihn plötzlich mit wüsten SMS-Nachrichten, Drohungen und Beschimpfungen überschütten.

Haben Judith und Freddy es mit einer Stalkerin zu tun, die auch vor Mord nicht zurückschreckt? Auf einmal scheint niemand, der Hannes nahesteht, vor Katrins Attacken sicher zu sein, und die Übergriffe eskalieren immer mehr: ein totes Tier in einem Geburtstagspaket, eine makabre Todesanzeige, ein in Brand gesetztes Auto. Und schließlich wird Hannes' frühere Geliebte beim Joggen niedergestochen.

Eine heiße Spur führt Judith und Freddy nach Frankreich, wo sie Katrins persönliche Gegenstände in einem Ferienhaus finden – doch von ihr selbst fehlt weiterhin jede Spur. Wie gelingt es ihr, allen immer einen Schritt voraus zu sein?

Doch in diesem Fall ist nichts, wie es scheint. Die Wahrheit über Katrin, Hannes und sein Umfeld entpuppt sich als weit komplexer und gefährlicher als zunächst angenommen.

Statement der Autorinnen Dinah Marte Golch und Isabell Serauky

Wir schreiben so gerne für "In Wahrheit", weil in der Reihe die Opfer einer Straftat nicht vergessen werden, weil wir hier erzählen können, was ein Verbrechen mit Menschen macht.

Stalking ist eine massiv verbreitete Straftat. Betroffene leiden oft monate- oder gar jahrelang. Und: Stalking zieht sich durch alle Schichten unserer Gesellschaft. Wir haben für diesen Film viel recherchiert, aber auch aus der persönlichen Sicht geschrieben, da eine von uns beiden Autorinnen schon einmal betroffen war.

Das Bundesministerium für Familie und Frauen und die Opferschutzorganisation Weißer Ring zeigen in kriminologischen Untersuchungen auf, dass es in circa drei bis acht Prozent aller Stalking-Fälle zu körperlichen Übergriffen durch den Täter kommt. Experten und Opferschutzeinrichtungen weisen darauf hin, dass besonders die Phase direkt nach einer Anzeige eine sensible Eskalationsphase sein kann, die zur Verschlimmerung des Stalkings führt. Dafür gibt es besondere Alarmzeichen, die Fachberatungsstellen kennen.

In unserem Film wollen wir die Ohnmacht und die Scham von Opfern zeigen, die sie hindern, sich wirklich Hilfe zu holen, weil sie zunächst glauben "es sei nicht so schlimm", "das geht schon vorbei". Und dann merken sie viel zu spät, dass sie sich in einer gefährlichen Abwärtsspirale von Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit befinden. Zudem wissen sie, dass die Behörden ihnen kaum helfen können.

So geht das BKA in seiner aktuellen Dunkelfeldstudie im Februar diesen Jahres davon aus, dass schon mehr als jede fünfte Person in Deutschland Stalking erlebt hat. Dem gegenüber steht die vergleichsweise geringe Anzeigenquote (2024: 24.700) und die noch deutlich geringe Verurteilungsquote von 3,5 Prozent. Vor wenigen Jahren waren es noch ein bis zwei Prozent.

Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass die staatlichen Schutzmechanismen nach einer Anzeige bei Weitem nicht ausreichen. Kontakt- und Näherungsverbote helfen oft nicht weiter. Das Opfer muss selbst für ihren beziehungsweise seinen Schutz sorgen, was extrem belastend und herausfordernd ist. Während die Täter, meist unsichere Menschen mit geringem Selbstwert, Macht und Kontrolle ausüben, erleben die Opfer völlige Ohnmacht, da sich die Stalker kaum stoppen lassen. Hier ist der Gesetzgeber dringend gefragt, wirksamere Maßnahmen zum Schutz Betroffener zu schaffen und um die Täter nachhaltig zu sanktionieren. Gerade weil es belegt ist, in wie vielen Fällen Stalking die Vorstufe für einen Mord ist.

Uns hat erschüttert, dass manche Betroffene nicht mal wissen, von wem und warum sie gestalkt werden, weil es kaum oder gar keine Interaktion zwischen Opfer und Täter gab. Sicher, in den meisten Fällen gab es in irgendeiner Weise eine Beziehung zwischen beiden, aber eben nicht immer. 80 Prozent der Stalking-Täter sind Männer. Diese Zahl ist belegt durch die aktuelle polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die das BKA veröffentlicht, und auch durch die Zahlen vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.

Aus dramaturgischen Gründen haben wir uns entschieden, eine Täterin zu erzählen.

"Die Liebe und der Tod" ist ein spannender Krimi. Wir hoffen, dass er darüber hinaus Anstoß ist, über Stalking im breiten gesellschaftlichen Kontext zu sprechen und die dringend notwendigen Veränderungen einzufordern.

Interview mit Christina Hecke und Robin Sondermann

Worum geht es bei den Fällen der Krimireihe "In Wahrheit", die im Saarland verortet sind?

Christina Hecke: Kriminalität kennt ja keine Landes- oder Bundesgrenzen. Verbrechen sind Verbrechen, und es gibt keine Grausamkeiten, die nicht schon da waren oder sind. Das ist keine Fiktion. Diese Bandbreite beleuchten wir – nur fiktional. Spannend ist bei der regionalen Verortung, dass es beispielsweise französische und deutsche Rechtsprechung gibt, die differiert – Kriminalität also anders bewertet und unter Strafe gestellt wird – und dass grenzübergreifende Amtshilfe hier Alltag ist. Mit "In Wahrheit" bewegen wir uns durch die Nähe zu Frankreich in einem sehr europäischen Winkel Deutschlands.

Robin Sondermann: Und es geht bei uns vor allem um einen möglichst genauen Blick auf die Menschen. Um die persönlichen Brüche, die fatalen Abbiegungen und Abwege, die im schlimmsten Fall zu Taten führen können.

Was ist die Besonderheit der Reihe? Wie grenzt sie sich von anderen Krimireihen ab?

Robin Sondermann: Ich würde sagen, wir fokussieren uns mehr auf das Drama als auf den Krimi.

Christina Hecke: Ein Vergleich ist immer schwierig, und diese "Abgrenzungskonkurrenz" möchte ich nicht vornehmen. Ich kann also nur für uns sprechen, und da ist uns vor allem die Erzählweise wichtig, mit der wir Täter und Opfer beobachtend erzählen – nicht wertend.

Die Nähe zu den Fällen, macht "In Wahrheit" authentisch. Der Publikumserfolg auch bei den französischen Zuschauern spricht für sich. Wir erreichen mit einem deutschen Format über eine Millionen Zuschauer in Frankreich. Beständig, seit Beginn der Reihe vor zehn Jahren. Ich sehe in "In Wahrheit" mehr einen deutsch-französischen Brückenschlag, als nur ein Fernsehformat. Wir erzählen bewusst nicht reißerisch – wir wollen einfach so nah am Leben erzählen, wie möglich.

Sie ermitteln mit "Die Liebe und der Tod" ihren zehnten gemeinsamen Fall: Wie arbeiten die beiden Kommissare zusammen, was macht sie jeweils aus?

Robin Sondermann: Ich glaube, es gibt ein großes, ein wirklich gewachsenes Vertrauen zwischen den beiden – auch ohne, dass sie ständig privat miteinander Zeit verbringen müssten. Meist reicht ein kurzer Blick oder ein gemeinsamer Gedanke.

Christina Hecke: Absolut! Das macht ihre Zusammenarbeit so besonders. Dass sie sich blind aufeinander verlassen. Sie arbeiten ja jetzt schon viele Jahre zusammen, und kennen dabei ihre Stärken und ihre Schwächen, ohne je zu privat miteinander zu sein. Das ist ein großer Vorteil, denn dabei bleiben sie einander Partner: Sie arbeiten nicht gegeneinander, sondern ehren die Kompetenzen des anderen. Freddy zum Beispiel ist viel rigoroser als Judith, was sie in der Spur hält. Dafür hat sie den bewertungsfreien Blick, der ihm Perspektiven hinter der augenscheinlichen Realität eröffnet. Beobachter und Macher ergänzen sich am Ende bestens, um der Wahrheit ans Licht zu helfen.

Robin Sondermann: Freddy ist wahrscheinlich auch tendenziell schneller in seinem ersten Urteil über die Menschen, Judith vielleicht etwas vorsichtiger. Aber beide zeichnet aus, dass es sie wenig kostet, sich vom anderen vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Freddy schätzt auf jeden Fall Judiths Ruhe und Loyalität, aber auch ihren Humor.

Wie hat sich das Privatleben von Judith Mohn im Verlaufe der zehn Filme geändert beziehungsweise entwickelt?

Robin Sondermann: Aus Freddys Single-Sicht: spektakulär. (beide lachen)

Christina Hecke: Judith hat eine große innere Stabilität. Ihr Beruf ist Sinn und Verantwortung, und der Dienst am Menschen ist für sie alles. So ist es ihr auch möglich, den Menschen in ihrem privaten Umfeld zu begegnen. Das Verhältnis zu ihrer Mutter (Steffi Kühnert) beispielsweise spiegelt großartig, wie sie sich immer wieder zuwendet, auch nach tiefen Verletzungen, und damit gewachsen ist, und heute ein wieder liebevolleres Verhältnis möglich ist. Auch durch ihren Mentor Zerner (Rudolf Kowalski) hat sie ihre Kraft gestärkt. Partnerschaft und Liebe sind elementarer Ausdruck ihrer Weiblichkeit – ohne dass sie dabei ihren Partner "braucht". Die intime Beziehung ist Teil ihres lebendigen Lebensgefühls, in dem sie das Erlebte ihrer (Berufs-)Welt auch kommunizieren kann. Da ist Alain (Pierre Kiewitt) in seiner ebenso autarken Art ein Partner auf Augenhöhe, anders als noch der ehemalige Partner der ersten Folge Niklas (gespielt von Jürgen Maurer), der in seiner depressiven Tendenz getragen werden musste.

In "Die Liebe und der Tod" geht es um Stalking. Was war Ihnen besonders wichtig mit diesem Fall zu zeigen?

Christina Hecke: Besonders eindringlich ist die zunehmende Verrohung und Bereitschaft zu Brutalität in Beziehungsstrukturen. Wegklicken, stalken, terrorisieren. Nicht nur die tatsächliche physische Gewalt, vor allem auch der psychische Terror und die damit schwindende Ehrlichkeit und Offenheit sowie das mangelnde Einlassen auf echte Intimität sind fatale Folgen rasender Digitalisierung und dem ständigen Jagen nach einem Besser. Mit unseren "In Wahrheit"-Kriminalgeschichten können wir auf solche gesellschaftlichen Schieflagen aufmerksam machen – ohne zu moralisieren. Das ist mir auch wichtig.

Robin Sondermann: Stalking ist psychische Gewalt. Eine Gewalt, die in ihren Auswirkungen immer noch krass unterschätzt wird. Bei dem Thema geht es nicht um Telefonstreiche oder nervige Ex-Freunde, sondern um ein Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich und schützenswert das private Sicherheitsgefühl ist.

Steigen Sie persönlich tiefer in die Materie ein bei einer solchen Thematik? Diskutieren Sie das miteinander?

Robin Sondermann: Ja, klar! In der Vorbereitung schon, aber auch am Set selbst. Mich hat tatsächlich am meisten beschäftigt, wie kostbar, aber eben auch angreifbar, unser Gefühl von privater Sicherheit ist. Und wie schwer es offensichtlich ist, diese wieder zu erlangen, wenn das Vertrauen erstmal angeknackst ist.

Christina Hecke: Am Ende des Films werden die statistisch erfassten Zahlen eingeblendet: Jeder zehnte Mensch wird einmal im Leben Opfer von Stalking, jeder dritte von digitalem Stalking. Etwa jedem vierten Beziehungsmord geht Stalking voraus. Mich berührt tief, wie zerrüttet wir als Gesellschaft sind. Zwischenmenschliche Verrohung ist Alltag. Dabei gibt es kein Thema unseres Miteinanders, das mich nicht interessieren würde. Vor allem die Frage nach dem: Wie. Wie kommt es zu steigender Kriminalität? Was treibt uns um? Warum bekriegen wir uns im Kleinen wie im Großen seit jeher? Das sind durchaus auch unsere gemeinsamen Gesprächsthemen – und es ist immer bereichernd, Robin dabei als Gesprächspartner zu haben. Gerade weil wir in vielem so unterschiedlich sind.

Haben Sie Stalking in Ansätzen schon mal selbst erlebt? Was haben Sie gelernt, was ist Opfern zu raten?

Robin Sondermann: Nein, ich habe nichts dergleichen erleben müssen. Ich glaube, der wichtigste Ratschlag ist, sich sofort, wirklich unmittelbar, Hilfe zu holen und nicht zu glauben, so etwas selbst privat lösen oder moderieren zu können.

Was ist für Sie Wahrheit?

Robin Sondermann: Zur Wahrheit gehört für mich erstmal die Erkenntnis, dass sie aus verschiedenen Perspektiven immer unterschiedlich "wahr"genommen werden kann. Aber andererseits auch, dass diese Erkenntnis trotzdem nicht verwischen kann, dass es neben persönlichen Wahrnehmungen und Meinungen auch schlicht Fakten und Tatsachen gibt.

Christina Hecke: Wahrheit ist für mich, wenn die Rastlosigkeit still wird. Wenn etwas "landet". Komplikation, Dinge zerreden, Logik, argumentative Dynamik – das alles ist keine Wahrheit. Wahrheit ist nur dann eine Wahrheit, wenn sie für alle gilt. Sie kann nie individuell sein. Da kann zwar meine gegenwärtige Wahrheit stehen – auch neben der eines anderen – aber nur, wenn dabei alles andere mit im Blick ist, kann sie zu der (gemeinsamen) Wahrheit führen. Sonst bleibt es eine Meinung. Nicht mehr.

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