Mesut Özil – zu Gast bei Freunden
Eine "sportstudio"-Produktion
Ausnahme-Fußballer Mesut Özil galt einst als Vorbild für gelungene Integration. Doch als er sich mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdoğan fotografieren ließ, wendete sich Deutschland gegen ihn. Die dreiteilige Doku-Serie "Mesut Özil – zu Gast bei Freunden" rekonstruiert Özils Aufstieg und Fall und zeichnet ein umfassendes und ambivalentes Bild jener dramatischen Wochen, die zu seinem Rücktritt aus der Fußball-Nationalmannschaft führten – und zu seiner Entfremdung von Deutschland. Die Doku-Serie ist ab Freitag, 20. März 2026, im ZDF-Streaming-Portal und am Dienstag, 31. März 2026, 20.15 Uhr im linearen ZDF zu sehen.
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Mesut Özil wurde einst von vielen bejubelt, der schüchterne Posterboy für gelungene Integration, ein internationaler Superstar made in Germany. Spätestens mit dem WM-Titel 2014 kam er fußballerisch ganz oben an. Doch als Özil sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan fotografieren ließ, wendete sich ein ganzes Land gegen ihn – und Özil fiel tief.
Die dreiteilige Doku-Serie "Mesut Özil – zu Gast bei Freunden" rekonstruiert den Aufstieg Özils vom Enkel türkischer Gastarbeiter in Gelsenkirchen zum internationalen Superstar und seinen tiefen Fall. Mithilfe prominenter O-Ton-Geber wie Joachim Löw und Özils Vater Mustafa zeichnet die Serie ein umfassendes und ambivalentes Bild der dramatischen Wochen, die schließlich zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft führen und zur Entfremdung zwischen ihm und Deutschland – eine Geschichte über Identität und Zugehörigkeit, an deren Ende nicht nur Özil als großer Verlierer dasteht.
Ab Freitag, 20. März 2026, 10.00 Uhr, im ZDF streamen
Dienstag, 31. März 2026, 20.15 Uhr, ZDF (Episode 1), 0.15 Uhr, ZDF (Episode 2 und 3)
Mesut Özil – zu Gast bei Freunden
Eine "sportstudio"-Produktion
Doku-Serie von Florian Opitz
Montage: Jamin Benazzouz, Marielle Pohlmann
Kamera: Andy Lehmann, Thomas Eirich-Schneider, Jörg Adams
Musik: Von Spar
Produktion: Flare Film
Produzenten: Eva Kemme, Konstanze Speidel
Redaktion ZDF: Fabian Farwick, Lisa Reisch, Vanessa Olivier
Länge: 2 x 45, 1 x 60 Minuten
An Mesut Özil scheiden sich die Geister: Kaum ein Fußballer wurde in Deutschland so gefeiert, kaum einer hat so viel Ablehnung erfahren wie er. Mesut Özil, Enkel türkischer Gastarbeiter, und ein Fußballtalent, wie Deutschland es noch nicht gesehen hatte, entscheidet sich 2009 bewusst für die deutsche und gegen die türkische Nationalmannschaft und wird spätestens mit der WM 2010 zum gefeierten Star eines Landes, das sich gerade als weltoffen neu erfindet.
Als Enkel türkischer Gastarbeiter wächst Mesut Özil in einfachen Verhältnissen in Gelsenkirchen auf. Trotz seines außergewöhnlichen Talents muss er früh gegen Vorurteile ankämpfen, um im deutschen Fußball wahrgenommen zu werden. Der Durchbruch gelingt: Über Schalke 04 und Werder Bremen wird er Nationalspieler, prägt eine neue Generation der DFB-Elf, wird 2014 Weltmeister und macht bei Real Madrid und Arsenal London internationale Karriere. Medien und Politik feiern ihn als Symbol gelungener Integration. Özil wird ein internationaler Superstar "made in Germany“. Bei Real Madrid legt er Christiano Ronaldo erfolgreich die Tore auf und spätestens mit dem WM-Titel 2014 kommt er fußballerisch ganz oben an.
2018 kippt dieses Bild abrupt. Ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan löst einen beispiellosen öffentlichen Aufschrei aus. Özil verliert den Rückhalt von Verband, Politik und Öffentlichkeit, tritt aus der Nationalmannschaft zurück und kehrt Deutschland den Rücken. Bis heute hat er kaum über die Hintergründe gesprochen.
Die Serie rekonstruiert Özils Weg mit exklusivem Archivmaterial, darunter ein bislang im deutschen Fernsehen nie gezeigtes Interview mit Mesut Özil. Ergänzt wird dies durch Stimmen zahlreicher Wegbegleiter und Beobachter, darunter sein langjähriger Mitspieler Per Mertesacker, Bundestrainer Joachim Löw, enge Berater – und Mustafa Özil, der Vater und frühere Manager des Spielers, der erstmals in einer Dokumentation ausführlich über die Karriere seines Sohnes und den späteren Bruch mit ihm spricht.
Parallel zur Biografie Özils erzählt die Serie auf einer zweiten Ebene die Geschichte eines Landes im Zwiespalt: zwischen dem Selbstbild eines offenen Einwanderungslandes und dem Wiedererstarken ausländerfeindlicher Ressentiments. Vom "Sommermärchen" 2006 über die Integrationsdebatten der 2010er-Jahre bis in die Gegenwart zeigt "Mesut Özil – zu Gast bei Freunden", wie schnell ein gefeiertes Vorbild zum Projektionsfeld gesellschaftlicher Konflikte werden kann.
Am Ende ist diese Serie mehr als eine Sportdokumentation: Sie ist eine filmische Erzählung über Zugehörigkeit, Identität und Ausgrenzung – und damit auch eine Geschichte über Deutschland selbst.
Die dreiteilige Doku-Serie "Mesut Özil – zu Gast bei Freunden" erzählt den außergewöhnlichen Aufstieg und den tiefen Fall eines der größten deutschen Fußballtalente – und stellt zugleich unbequeme Fragen an die deutsche Gesellschaft.
"Mesut Özil – zu Gast bei Freunden" ist eine Koproduktion des ZDF mit Flare Film in Zusammenarbeit mit Undone und ein direktionsübergreifendes Gemeinschaftsprojekt der ZDF-Hauptredaktionen Sport und Kultur.
Episode 1: Aufstieg: Der will doch nur spielen
Mesut Özils Talent ist außergewöhnlich, doch von den großen Vereinen wird er lange übersehen. Als der Durchbruch gelingt, muss er eine Entscheidung treffen, die weit über den Sport hinausgeht: Türkei oder Deutschland?
Episode 2: Brüche: Staatsfreund Nummer 1
Mesut Özil wird zum Superstar und für viele zum Gesicht einer modernen Gesellschaft – für andere ist er kein "echter Deutscher”. Özils Vater trifft eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen.
Episode 3: Entfremdung: Das Foto
Ein Foto mit Türkei-Präsident Erdoğan verändert alles. Fans pfeifen Özil aus, Medien und DFB setzen ihn unter Druck – bis er sich von Deutschland abwendet. Wie konnte es so weit kommen?
Bereits 2023 ist die Geschichte Özils in einem viel beachteten Podcast von Khesrau Behroz erzählt worden. Inspiriert davon hat sich der Filmemacher und Autor Florian Opitz, zweifacher Grimme-Preisträger, der für seine gesellschaftspolitischen Dokus und Serien ("Capital B", "System Error", "Speed", "Der große Ausverkauf") bekannt ist, Özils Geschichte angenommen und inszeniert das emotionale Drama in drei Akten.
Florian Opitz gelingt es, mit Menschen aus Özils engstem Umfeld zu sprechen. Zum ersten Mal äußern sich ehemalige Wegbegleiter und Vertraute, aber auch Kritiker Özils, wie Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Per Mertesacker, Özils Vater Mustafa, Özlem Topcu und Deniz Yücel, die noch nie zuvor öffentlich über den "Fall Özil" gesprochen haben.
"Als ich angefangen habe, mich mit Özil zu befassen", erinnert sich Regisseur Florian Opitz, "habe ich schnell gemerkt, dass seine Geschichte auch acht Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt aus der Nationalmannschaft die Gemüter der Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund extrem erregt und alle Beteiligten immer noch aufwühlt. So sehr, dass anfänglich keiner der Beteiligten vor der Kamera mit uns über den Fall Özil sprechen wollte. Mir war schnell klar: Die Geschichte ist deswegen so aufwühlend und wichtig, weil sie nicht nur viel über Mesut Özil erzählt, sondern mindestens so viel über die deutsche Gesellschaft und ihren Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund."
"Mesut Özil war fußballerisch gesehen einer der allerbesten Nationalspieler, die Deutschland je hatte."
Joachim Löw, ehemaliger Fußball-Bundestrainer
"Sogar meine eigene Familie, meine Frau, mein Sohn, mein Schwager, die haben gesagt: Wenn man für Deutschland spielt, ist man ein Verräter."
Mustafa Özil, Vater von Mesut
"Viele haben sich natürlich mit ihm identifiziert, haben sich gefreut, haben sich vielleicht auch selbst etwas aufgewertet gefühlt, dass da 'einer von uns', wie viele gesagt haben, da so hochgekommen ist."
Özlem Topçu, Journalistin
"Mesut Özil war für die türkischstämmige Community sowohl eine Hassfigur als auch eine Person, auf die die Menschen stolz waren. Eine Person, die es geschafft hat, Deutschland zum Weltmeister zu machen. Ich wollte erstmal abwarten und gucken: Vielleicht ist Özil der Erste, der diese Anerkennung bekommt und der das dann auch für alle anderen etablieren kann in dieser Gesellschaft. Aber es kam anders."
Volkan Ağar, Journalist
"Wir sind nicht gleichwertig. Das ist ganz einfach. Das ist die Realität. Das spüren Leute mit Migrationshintergrund in Deutschland. Der Deutsch-Türke ist einfach nicht ein vollständig gleichwertiger Mensch in Deutschland."
Erkut Söğüt, Berater von Mesut Özil
"Wer mit Erdoğan posiert, der kann keinen Platz in der Nationalmannschaft haben. Das ist völlig eindeutig."
Reinhard Grindel, ehemaliger DFB-Präsident
"Man hat das Gefühl gehabt, das ist ein Thema, bei dem Deutschland sich wieder entzweit."
Oliver Bierhoff, ehemaliger Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft
"Klar bin ich als Teamkollege, der lange Zeit mit ihm zusammen war, enttäuscht. Es gibt keine Gewinner. Deutschland nicht, die Nationalmannschaft nicht, Mesut nicht. Alle haben irgendwie verloren."
Per Mertesacker, langjähriger Mitspieler von Mesut Özil und ehemaliger Nationalspieler
"Dass irgendwer den armen Mesut Özil in die Arme Erdoğans getrieben hat, bezweifle ich. Das zu sagen spricht ihm auch die Mündigkeit zur eigenen Entscheidung ab. Wenn man sich dazu entscheidet, zum Anhänger eines Autokraten zu werden, dann ist das die eigene Entscheidung. Dafür ist niemand anderes verantwortlich."
Deniz Yücel, Journalist
Fotos sind erhältlich über ZDF-Kommunikation, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/sportstudioreportage