München Beats

Miniserie

Linda Bierwirth (Jule Hermann)
ZDF/Marc Reimann
Linda Bierwirth (Jule Hermann) ZDF/Marc Reimann

"München Beats" ist eine generationsübergreifende Miniserie, zwei Familien, ein großer Traum, eine noch größere Liebe – und ganz viel Musik.

Sendedatum

Ab Montag, 7. August 2026, 10.00 Uhr, im ZDF streamen
Mittwoch, 26. August 2026, und Donnerstag, 27. August 2026, jeweils ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen

Fotos

Texte

Aus dem Blickwinkel verschiedener Generationen

Mit "München Beats" widmen wir uns einem besonderen Kapitel der Münchner Geschichte: Die Entstehung des Kunstpark Ost auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Pfanni-Werke.

Das Buch von Christian Schnalke, Julie Fellmann und Stefani Straka nimmt diesen Ort als Ausgangspunkt, um ein emotionales Panorama der 1990er-Jahre zu zeichnen. Die Serie erzählt vom Sog der aufkommenden Techno-Bewegung, von neuen Freiheitsräumen für die queere Szene und von wirtschaftlichem Umbruch, der Existenzen ins Wanken bringt.

Die fiktionale Geschichte entfaltet sich aus den Blickwinkeln verschiedener Generationen und wird von einem starken Ensemble getragen, darunter Jule Hermann, Tobias Moretti, Klaus Steinbacher, Sophie von Kessel, Marlene Morreis, Frederic Linkemann und Ben Münchow.

Gerade diese Vielstimmigkeit hat uns redaktionell besonders gereizt: Land trifft auf Stadt, Tradition auf Veränderung, Kartoffeln auf Techno. Regisseurin Mimi Kezele führt diese Perspektiven mit einem tollen Gespür für die Zeit zusammen und nutzt das Spannungsfeld, um "München Beats" zu einer bunten und vielschichtigen Serie zu formen.

Katharina Görtz und Lea Berg
Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Stab, Besetzung und Inhalt

Buch                                Christian Schnalke, Stefani Straka, Julie Fellmann

Regie                               Mimi Kezele

Kamera                            Holly Fink

Schnitt                             Marco Pav D'Auria

Szenenbild                       Oliver Hoese

Kostümbild                       Janne Birk, Helena Blank

Maske                              Nadine Scherer, Tatjana Gluska

Ton                                   Daniel Seiler

Musik                               Christoph Zirngibl, Andreas Weidinger

Casting                            Sandra Köppe

Produktionsleitung           Hermann Maurer

Herstellungsleitung          Georg Voskort

Producer                          Dorian Roth

Produktion                       Network Movie FFP GmbH

Redaktion                        Katharina Görtz, Lea Berg

Länge                               4 x 45 Minuten
 

Die Rollen und ihre Darsteller und Darstellerinnen

Linda Bierwirth                  Jule Hermann

Marius Meinhardt              Klaus Steinbacher

Andi Bierwirth                    Ben Münchow

Georg Bierwirh                  Frederic Linkemann

Veronika Bierwirth             Marlene Morreis

Alicia Meinhardt                Sophie von Kessel

Theo Meinhardt                 Tobias Moretti

Rudi Dreiseitl                    Michael A. Grimm

Ingrid                               Hanna Scheibe

Olli                                   Mortiz Jahn

John                                 Helge Mark

Verena Gottlieb                Bettina Mittendorfer

Klaus                                Simon Pearce

Hippo                               Mario Novembre

Bauer Stadlmeier              Ferdinand Dörfler

Jungbauer Maxl               Arne Kübler

Jungbauer Manu              Daniel Zielinski

Bauer Hofer                      David Baalcke

Bauer Schneider               Rainer Haustein

Rosner                              Andreas Bittl

Binder                               Felix Auer

Linda heute                       Nicole Ernst

Olli heute                          Roman Knižka

Moderatorin                      Souhaila Amade

Harald Prell                       Tim Seyfi

DJ René                            Max Schimmelpfennig

Jungbauer Peter               Lukas Koller

Herrlicher                          Florian Karlheim

und andere
 

München in den 90er-Jahren: Die Welt ist im Umschwung, und es herrscht Aufbruchstimmung. Als Linda mit der aufblühenden Techno-Bewegung in Berührung kommt, eröffnet sich ihr eine neue Welt fernab des elterlichen Bauernhofs. Begeistert vom pulsierenden Sound zieht sie nach München, um ihren Traum zu verwirklichen: DJ zu werden. Währenddessen kämpfen ihre Eltern mit einer existenzbedrohenden Nachricht: Der Unternehmer Theo Meinhardt sieht sich gezwungen, sein Werk für Kartoffelprodukte zu schließen. Als langjährige Kartoffellieferanten stehen viele Bauern der Region plötzlich vor dem wirtschaftlichen Aus. Theo plant, das Gelände in ein modernes Stadtquartier zu verwandeln, doch sein Sohn Marius verfolgt eine andere Vision: Er setzt alles daran, die alte Fabrik in einen Ort für Raves und alternative Kunst- und Kulturprojekte zu verwandeln. Seine Mutter Alicia Meinhardt steht an seiner Seite und stellt sich damit zunehmend gegen Theo, was die ohnehin angespannte Ehe zusätzlich belastet. In der Clubszene wird ausgerechnet Linda zu Marius' engstem Verbündeten. Doch es sind nicht nur gemeinsame Träume, die die beiden verbinden. Ihre aufkeimende Liebe bringt Spannungen zwischen die Familien und ein lang gehütetes Geheimnis ans Licht.

"Ausdruck einer Sehnsucht nach Aufbruch und individueller Freiheit" – Producer's Note von Susanne Flor

Neben seinen Resident-DJs, zu denen unter anderen DJ Hell gehörte, lädt das "U-Schall" in den 1990ern auch nach seinem Umzug in den Kunstpark Ost weitere namhafte DJ-Größen wie Marusha, Sven Väth und Westbam ein, um die Massen zum gleichen Rhythmus die Zeit um sich herum vergessen zu lassen.

In einer Zeit der gesellschaftlichen Transformation erzählt "München Beats" eine emotionale Liebesgeschichte, getragen von Technobeats und einem moralischen Geheimnis, das die Leben unserer Protagonistinnen und Protagonisten infrage stellt. Alte Strukturen und Denkweisen weichen Neuem.

Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählen wir die fiktive Geschichte von Linda Bierwirth, die aus einem vorgezeichneten Leben mit tradierten Rollenbildern ausbricht und in der Großstadt als DJ ihr Glück finden will. Die Deutsche Eiche wird für Linda zum Startpunkt ihrer Karriere in München und für ihren Bruder Andi ein Ort der Akzeptanz. Anhand des ikonographischen Spielortes Deutsche Eiche werden Themen und Konflikte der LGBTQ+-Community deutlich, die damals wie heute ihre Gültigkeit haben. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Verhärtungen erinnert uns dieser Blick in die 1990er daran, wie fragil Offenheit, Toleranz und Demokratie sind.

Die plötzliche Schließung des traditionsreichen Familienunternehmens Pfanni und dessen Werke am Ostbahnhof bedroht die Existenzgrundlage von Lindas Eltern, ein Konflikt zwischen Bauern- und Unternehmerfamilie entbrennt. Doch dann rufen Linda und der Unternehmersohn Marius gemeinsam auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände das damals größte Partyareal Europas ins Leben – den Kunstpark Ost. Ein Stück Stadtgeschichte, das München international prägte und zugleich zum Symbol eines Zustands wurde: provisorisch, ungeordnet und voller Energie.

Der Blick zurück in die 1990er-Jahre ist dabei nicht nur Eskapismus, um in eine vermeintlich bessere Zeit zu fliehen, sondern vor allem Ausdruck einer Sehnsucht nach Aufbruch und individueller Freiheit.

"München Beats" wurde vollständig in München und Umgebung mit einer Münchner Crew realisiert. Möglich wurde dies durch die Zwischennutzung eines alten Fabrikgeländes in Wolfratshausen. Dort konnte unter studioartigen Bedingungen unter anderem die Welt des "Ultraschall" und dessen Eröffnungsparty im Kunstpark Ost erschaffen werden.

"Das DJing habe ich neu für mich entdeckt" – Interview mit Jule Hermann

Ihre Figur Linda ist ein Landei und will unbedingt von zu Hause weg und in die Stadt. Warum hält sie es zu Hause nicht mehr aus?

Linda erlebt das altbekannte Erwachsenwerden-Phänomen: Sie beginnt, zu hinterfragen, auszubrechen und zu entdecken. Durch das Leben auf dem Hof ist sie eine Einöde gewöhnt, die nichts mit ihrem wilden Naturell zu tun hat. Dazu kommen Erwartungen der Familie, denen sie nicht entspricht, und ein Traum, der keinen Platz hat, wo sie aufgewachsen ist. Sie folgt ihrem Instinkt, der zieht sie nach München.

Was findet sie in der Stadt und in der damaligen aufblühenden Party- und Techno-Szene?

Freiheit und Toleranz, glaube ich. In einer großen Stadt und gerade im Schatten der Nächte (Clubs etc.) finden sich Menschen mit großen Träumen, aber ohne Plan. Damit identifiziert sie sich. Sie kann sein, wie sie ist, und trifft Gleichgesinnte oder Inspiration für Neues.

Was macht Linda aus, was mögen Sie besonders an ihr?

Ich liebe an Linda, wie sie brennt für das, was sie will. Ihre Neugierde und kompromisslose Lebensfreude inspirieren mich. Und sie ist sehr zäh und gibt nicht auf, sobald es schwierig wird.

Linda verlässt den Bauernhof ihrer Eltern und hält trotzdem an ihnen fest. Was ist für Linda Familie?

Familie ist Sicherheit, die sie braucht. Sie vergisst niemals, wo sie herkommt.

Linda ist eine junge Frau, die alles daran setzt, ihr Ziel, Musik zu machen, zu erreichen. Können Sie das nachvollziehen?

Natürlich. Ich mache nichts anderes seit 13 Jahren. Das verbindet uns.

Mit ihrem Bruder Andreas hat Linda eine sehr enge geschwisterliche Bindung. Wie würden Sie die Beziehung beschreiben?

Unersetzbar, unendlich liebevoll und unterstützend. Sie würden sich gegenseitig niemals dafür verurteilen, wer sie sind. Pure Wärme, würde ich sagen.

Linda begegnet Marius, dem Sohn des Firmenchefs, den sie seit Kindertagen kennt, zufällig in München wieder. Was gefällt ihr an dem erwachsenen Marius?

Marius ist ein guter und wichtiger Anker für Linda. Er kann ihre Impulsivität und Sprunghaftigkeit tragen. Außerdem war sie schon immer in ihn verliebt, das kann man logisch schwer erklären.

Linda und Marius haben ihre jeweils eigene Art, als junge Erwachsene sich von zu Hause zu lösen. Welche Ziele oder auch Träume verbinden die beiden?

Beide wollen mehr, als ihnen hingelegt wird vom Leben. Sie hinterfragen und träumen davon, etwas Großes zu schaffen und sich unabhängig zu machen. Sie verbindet Fernweh, Leidenschaft und Schaffensfreude – einer neuen Welt, in die sie gehören.

War Ihnen der Kunstpark Ost ein Begriff?

Lustigerweise ist der Kunstpark Ost so gesehen Teil meiner Biografie, allerdings aus einer Zeit vor meiner Geburt. Meine Eltern verbrachten dort ihre ersten "Dates" und verliebten sich unter anderem in langen Nächten des Tanzens im Kunstpark Ost. Ich als Münchnerin kenne den Kunstpark Ost natürlich eh vom Hören.

Haben Sie einen Bezug zu den 1990ern, zur Mode, zur Clubszene, zur Musik? Wie war es für Sie, in diese Welt einzutauchen?

Na klar. Ist ja alles wieder zurück. Ich renne rum, wie die meisten Figuren in "München Beats". Ich mache viel Musik, aber das DJing habe ich für die Serie neu für mich entdeckt und gelernt. Zu Techno habe ich davor schon gerne getanzt, aber natürlich hat das jetzt eine andere Bedeutung für mich.

Linda brennt für die neue Musikrichtung Techno. Wie fühlt es sich an, als DJ vor Hunderten von Menschen zu stehen und den Beat zu bestimmen?

Irre. Ich bin 'ne Rampensau, aber das war ein neues Level von Nervosität. Hatte auch den besten Coach, ohne ihn hätte der Beat wahrscheinlich mich bestimmt.

Wären Sie selbst gerne in der damaligen Zeit aufgewachsen, oder können Sie dem Lebensgefühl der Gen Z mehr abgewinnen?

Die 1990er waren natürlich musikalisch und stylisch (auch cinematisch) total ikonisch und unvergleichlich. Deswegen habe ich mich so gefreut, in diese Zeit als Linda eintauchen zu dürfen. Aber: Ich bin lieber Frau im Jahr 2026 als im Jahr 1996. Ich freu' mich, in einer Zeit zu leben, in der (in Deutschland zumindest) die Vergewaltigung in der Ehe strafbar und Homosexualität "legal" ist. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber in den 1990ern war er noch länger.

"Marius möchte aus dem Schatten seines Vaters heraustreten" – Interview mit Klaus Steinbacher

Marius suchte ganz bewusst die Abgrenzung von zu Hause und ging nach Amerika. Warum sucht er die Distanz, vor allem von seinem Vater?

Der Erfolg seines Vaters und das große Familienunternehmen haben Marius schon früh unter Druck gesetzt. Sein Vater erwartet viel von ihm und schafft es nicht, diesen Druck von ihm zu nehmen und ihm Sicherheit zu geben. Deshalb zieht es Marius in eine andere Richtung, die nichts mit dem Unternehmen zu tun hat. Er möchte aus dem Schatten seines Vaters heraustreten und etwas Eigenes schaffen. Und dafür muss er seinen persönlichen Weg finden. Die räumliche Distanz zwischen New York und München hätte ihm vielleicht dabei helfen können, sich von den Erwartungen zu Hause zu befreien. Aber dann bestellt ihn sein Vater zurück nach München, und er steht sofort auf der Matte. Also ganz so leicht kann er seine Familie anscheinend doch nicht hinter sich lassen. Vielleicht hat er sogar darauf gehofft, dass sein Vater anruft und sagt: "Ich brauch dich hier."

Was gefällt Ihnen an der Figur von Marius, worin sehen Sie seine Stärken?

Marius liegt mir am Herzen, weil er ein sehr empathischer Mensch ist. Er kann zuhören, nimmt die Menschen um sich herum aufmerksam wahr und zeigt Mitgefühl, wenn es ihnen nicht gut geht. Gleichzeitig entwickelt er im Verlauf der Geschichte eine große Verlässlichkeit. Diese Mischung aus Sensibilität und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen, macht ihn für mich besonders.

Marius kennt Linda seit Kindertagen. Was fasziniert ihn an ihr?

Marius bewundert Lindas Leidenschaft und Entschlossenheit. Sie verfolgt einen klaren Traum: Sie möchte DJ werden – und zwar so schnell wie es geht und ohne große Umwege. Diese Unbedingtheit und ihre scheinbare Furchtlosigkeit faszinieren ihn. Als die beiden dann auch noch eine gemeinsame Vision entwickeln, will er alles daransetzen, sie zusammen zu verwirklichen. Und ganz ehrlich: Die Idee, aus einer alten Knödelfabrik mitten in München das größte Technoparty-Areal Europas zu machen, ist wirklich der Hammer.

Sie waren in den 1990ern selbst noch ein Kind. Konnten Sie sich gut einfühlen in die Clubszene dieser Zeit?

Der wunderbare Tim Seyfi spielt in unserer Serie die Figur Harald Prell, die von dem legendären Clubbetreiber Wolfgang Nöth inspiriert ist. Nöth hat die Münchner Partyszene der 1990er-Jahre maßgeblich geprägt. Bei meiner Vorbereitung hat mich beeindruckt, mit was für einer Energie und einer positiven Verrücktheit er seine Projekte umgesetzt hat. Je mehr ich über ihn erfahren habe, desto stärker entstand bei mir der Eindruck, dass Nöth ein sehr umtriebiger und spannender Mensch gewesen sein muss. Ich hätte sehr gerne mal in einem seiner Clubs im Kunstpark Ost oder im Ultraschall am ehemaligen Flughafen Riem gefeiert.

Wie blicken Sie auf die Gesellschaft damals – empfinden Sie die 1990er als eine Zeit der großen Möglichkeiten und gegeben falls auch als freier im Vergleich zu heute?

Ende der 1990er bin ich gerade erst in die Grundschule gekommen, deshalb kenne ich diese Zeit vor allem aus Erzählungen, aus Filmen und Büchern. Ob die Menschen wirklich freier waren als heute, kann ich schwer beurteilen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen zum Teil optimistischer in die Zukunft geblickt haben. Die 1990er wirken rückblickend wie eine Zeit, in der vieles möglich schien. Ein bisschen was von dieser Zuversicht könnten wir heute gut gebrauchen. Und wir brauchen den Mut, unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Damit wir in einer freien und friedlichen Gesellschaft leben können.

Marius ist nicht der klassische Clubgänger, Linda zuliebe lässt er sich dann doch darauf ein. Sind Sie privat für eine Rave-Night zu haben?

Ja, auf jeden Fall. Aber wenn Sie mir die Wahl lassen, nehme ich wahrscheinlich die Kneipentour mit guter Indie-Livemusik, abgeranzten Barhockern und kleinen Tanzflächen, auf denen eigentlich nie getanzt wird, aber an diesem Abend schon. Dann kann es passieren, dass ich erst nach Hause gehe, wenn es schon wieder hell wird. Abgesehen von der Kneipentour hätte ich wirklich gerne eine Tour durch sämtliche Clubs im Kunstpark Ost der 1990er gemacht. Ich glaube, es gab dort richtig gute Partys.

"Die Stimmung der 1990er-Jahre kann man sich in unseren Zeiten kaum vorstellen" – Interview mit Tobias Moretti

Sie spielen den Unternehmer Theo Meinhardt, der beinahe besessen an sein Lebenswerk glaubt und auch, wenn sich die Zeiten ändern, schwer loslassen kann. Welcher war für Sie der interessanteste Aspekt an der Figur Theo Meinhardt?

Es ist vielleicht gar nicht so sehr sein eigenes Lebenswerk, an das er glaubt, sondern das seines Vaters und Großvaters. Ihm wurde eine Aufgabe und eine Verantwortung in die Wiege gelegt, die er sehr ernstnimmt. Darin ist diese Figur, glaube ich, durchaus repräsentativ für diese Generation von Traditionsunternehmen, die in der "New Economy" der kommenden Jahre dem Untergang geweiht sind. Seine Empathie für "seine" Vertragsbauern ist echt. Und daneben ist er auch jemand, der Träume von etwas ganz anderem begraben hat – Träume, die wieder lebendig werden in dem Moment, als die Firma zusammenbricht.

Bei aller Zuwendung zu seiner Firma, verliert er die Menschen im engsten Umfeld der Familie immer mehr aus dem Blick. Warum?

Theo kann es gut mit seinen Bauern, mit seinen Geschäftspartnern – aber im Umgang mit seinen nächsten Menschen ist er unbeholfen und unsensibel. Er kommt aus einer Tradition, in der man seine Wünsche hintangestellt hat, und verlangt das gleiche für die Familie.

Mit welchen Dämonen kämpft Theo Meinhardt?

Er hat sein Leben in die Firma hineingehängt, und jetzt steht er vor den Scherben. Viel mehr Dämonen braucht es eigentlich gar nicht, um mit aufgerissenen Augen seinem Vakuum gegenüberzustehen. Er hat sein Unternehmerleben lang gedacht, dass er alles richtig gemacht hätte. Langsam wird ihm klar, dass er die Zeichen der Zeit übersehen hat – und das gibt ihm das Gefühl, versagt zu haben. Dass ihm sein Sohn genau das an den Kopf wirft, das tut weh.

Die Beziehung zu seinem Sohn Marius ist im Speziellen nicht einfach. Was belastet die Vater-Sohn-Beziehung?

Marius verweigert die Rolle in der Meinhardt-Dynastie, die Theo für ihn vorgesehen hat – so wie sein Vater diese Rolle mal für ihn bestimmt hat. Das kann Theo überhaupt nicht begreifen. Marius' Einstellung ist ein völliger Bruch mit den Lebens- und Wertvorstellungen, die Theo nie hinterfragt hat. Er könnte vielleicht noch Toleranz dafür aufbringen, wenn sein Sohn ein Spätzünder wäre, aber nicht für einen, der in seinen Augen ein Versager ist. Auch wenn Theo sein Unternehmen vielleicht manchen Lebenstraum geopfert hat, ist auch klar, dass er dabei immer ziemlich gut gelebt hat. Der Sohn aber auch ‒ wenn Marius mit seinen unternehmerischen Seiltänzen abstürzt, dann immer nur in das Netz von Vaters Wohlstand.,

Die Entscheidungen, die Theo Meinhardt schlussendlich fällen muss, haben eine hohe Tragweite. Wie gehen Sie selbst mit "großen" Entscheidungen um?

Ich glaube, dass ich ihnen nicht aus dem Weg gehe. Und ich fälle sie meistens nicht allein, sondern in der Familie, weil sie alle mit betroffen sind.

Hatten Sie damals Berührungspunkte mit dem Kunstpark Ost oder eher weniger?

Das war damals gerade im Entstehen, ebenso die Schließung des Flughafens. Ich kannte das Gelände in Riem.

Wie war es für Sie, im Film wieder in die Szene der 1990er-Jahre einzutauchen? Für was stehen die 1990er für Sie?

Die Stimmung der 1990er-Jahre kann man sich in unseren Zeiten kaum vorstellen: diesen ungebremsten Optimismus nach der "Wende", der seinen Ursprung auch in einer völligen Selbstüberschätzung hatte. Es schien alles möglich zu sein. Wenn ich das heute in der Rückschau betrachte, habe ich auch in den 1990ern wichtige berufliche Entscheidungen getroffen, wie den Fernsehboom, die Rückkehr zum Theater, die Oper. Die Entscheidung für das Leben in einer Familie, mit allem Drum und Dran. Ich hoffe, dass in unserer jetzigen krisengebeutelten Zeit die jungen Menschen den Mut nicht verlieren.

"Ich habe versucht, die stoische Kämpferin zu zeigen" – Interview mit Sophie von Kessel

Sie spielen Alicia Meinhardt, die Ehefrau an der Seite des despotischen Firmenchefs Theo Meinhardt. Wie würden Sie in kurzen Worten die Ehe skizzieren?

Mir fallen in Bezug auf die Ehe von Alicia und Theo Meinhardt sofort Begriffe wie Sprachlosigkeit, Distanziertheit, Frustration und eine gewisse Kälte und Fremdheit ein. Nähe, Offenheit und Vertrauen ist zwischen beiden nicht mehr vorhanden. Diese Ehe funktioniert nur noch nach außen und wirkt wie eine Zweckbeziehung.

Sie zeigen ihre Figur in einer großen Verletzlichkeit und lassen ihr dennoch die Würde. Was ist Ihnen dabei wichtig gewesen?

Es war mir wichtig zu zeigen, dass Alicia trotz all ihrer Verletzungen und Traurigkeit sich in ihrem Unglück dennoch eine Form von Stärke und Kraft bewahrt hat. Alicia kämpft für ihren Sohn, und letztlich ist ihr Umgang mit dem Alkohol auch eine Form von Widerstand. Ich habe versucht, nicht so sehr das Opfer Alicia zu zeigen, sondern mehr die stoische Kämpferin Alicia mit einer klaren Position.

Zwischen Alicia und ihrem Sohn Marius besteht eine besondere Bindung. Was teilen die beiden?

Ich glaube, beide sind sehr musisch und empathisch veranlagt. Alicia sieht sich in ihrem Sohn und kann sich mit ihm identifizieren. Deshalb ist es ihr auch so wichtig, dass er ein anderes, besseres Leben als sie führen und sich gegen den Vater behaupten kann.

Alicia findet beim Klavierspielen am Flügel immer wieder zu sich. Was kann Musik auslösen? Was bedeutet Ihnen Musik, ganz persönlich?

Ich habe selber viele Jahre Klavier gespielt und weiß, wie sehr man damit Emotionen und Zustände ausdrücken und in gewisser Weise auch verarbeiten kann. Musik hilft mir in vielen Lebenslangen – und das tut sie auch bei Alicia. Sie ist der Ausdruck ihrer Seele und ihres Zustandes. Und es scheint das Einzige zu sein, was in ihrem Leben nur ihr gehört und was nur mit ihr zu tun hat.

Die 1990er-Jahre – welche Bilder tun sich da bei Ihnen auf? Haben Sie selbst Erinnerungen an den Kunstpark Ost?

Ich war in den 1990ern an den Kammerspielen in München engagiert und so in den Theaterbetrieb involviert, dass ich den Kunstpark Ost zwar mitbekommen, aber so gut wie nie besucht habe. Ich erinnere mich nur an den einen oder anderen Weihnachtsmarkt dort. Trotzdem war mir der Kunstpark Ost als Ausgehmeile und in Bezug auf die Techno-Szene definitiv ein Begriff.

"Andi liebt seine Herkunft, aber er spürt auch, dass ihn diese Welt begrenzt" – Interview mit Ben Münchow

Sie spielen Lindas Bruder Andi. Die beiden haben eine besonders enge Beziehung. Was sind sie füreinander?

Linda und Andi sind für mich nicht nur Geschwister, sondern auch so etwas wie beste Freunde. Sie sind füreinander ein großer Anker. Vor allem, weil beide im konservativen Oberbayern der 1990er-Jahre aufwachsen und auf ihre eigene Art spüren, dass sie dort nicht richtig hineinpassen. Linda weiß das schon sehr genau. Andi ist am Anfang noch viel ängstlicher und traut sich nicht, sich selbst ehrlich anzuschauen und zu hinterfragen. Für ihn ist Außenwirkung sehr wichtig. Nicht auffallen, funktionieren, keine Angriffsfläche bieten. Durch Linda bekommt er aber nach und nach den Mut, sich auszuprobieren und herauszufinden, wer er eigentlich sein will und sein kann.

Auf Andi liegt ein großes Gewicht – er soll den elterlichen Hof übernehmen. Was geht in ihm vor, mit Blick darauf?

Andi ist Landwirt, und das ist auch ein echter Teil von ihm. Er liebt das Leben auf dem Land, die Arbeit, den Hof, diese Verwurzelung – seine Familie, der Stammtisch, seine "Viecher". Gleichzeitig ist genau dieser Ort für ihn auch sehr eng. Er glaubt, dass er dort nicht der Mensch sein kann, der er vielleicht eigentlich ist. Das ist sein großer innerer Konflikt: Er liebt seine Herkunft, aber er spürt auch, dass ihn diese Welt begrenzt. Im Laufe der Serie trifft Andi auf einige Hindernisse, mit denen er erst lernen muss umzugehen. Aber genau daran wächst er auch.

Welche Welt tut sich für Andi auf, als er seine Schwester in der Stadt besucht?

Für Andi öffnen sich in der Stadt ganz neue Möglichkeiten. Sein Horizont wird erweitert. Er sieht Menschen, die anders leben, anders lieben, anders auftreten. Und plötzlich merkt er: Es gibt vielleicht mehr als nur den einen Weg, der für ihn vorgesehen war. Gleichzeitig wird er dadurch auch auf die Probe gestellt. Er muss sich fragen, wer er sein möchte und wie weit er bereit ist, dafür zu gehen. Das ist für ihn befreiend, aber natürlich auch beängstigend.

In den 1990ern war es noch nahezu unmöglich – vor allem auf dem Dorf – Schwulsein offen zu leben. Wie war es, sich in einen jungen Mann hineinzuversetzen, der seine Homosexualität in dieser Zeit entdeckt?

Das war eine große Herausforderung und gleichzeitig eine sehr spannende Aufgabe. Ich habe mit vielen Menschen über diese Zeit und über dieses Thema gesprochen und versucht zu verstehen, was in einem jungen Mann vorgegangen sein muss, der in den 1990ern auf dem Land aufwächst und merkt, dass er nicht in das Bild passt, das von ihm erwartet wird.

Dabei geht es für mich nicht nur um Homosexualität, sondern auch sehr stark um ein bestimmtes Männerbild. Dieses Bild war damals extrem eng – und ehrlich gesagt ist es teilweise heute noch nicht verschwunden. Ein Mann soll keine Schwäche zeigen, nicht weinen, nicht um Hilfe bitten, anpacken können, trinken können, nicht empfindlich sein und bloß nicht zu weich wirken. Alles, was davon abweicht, wurde – und wird teilweise bis heute – schnell abgewertet. Dieses Männerbild kommt aus einer patriarchalen Gesellschaft, wurde über Generationen weitergegeben und hat vielen Menschen sehr geschadet. Nicht nur Frauen, sondern auch Männern selbst. Weil es Männern oft gar nicht erlaubt, verletzlich zu sein oder sich frei zu entwickeln.

Ich kenne das auch aus meiner eigenen Kindheit. Als ich mir in der dritten Klasse einen Ohrring stechen ließ, wurde ich in der Schule direkt ausgelacht und "Schwuli" genannt. Da merkt man sehr früh, welche Regeln es angeblich dafür gibt, wie ein Junge oder ein Mann zu sein hat. Und genau solche Mechanismen fand ich für Andi sehr wichtig. Er lebt in einer Welt, in der er ständig spürt: "Wenn ich so bin, wie ich wirklich bin, könnte ich alles verlieren". Spannend daran ist, wann ein Mensch anfängt, sich zu verstellen – und wie viel Kraft es kostet, diese Maske irgendwann wieder abzulegen.

In der Serie geht es auch um den Gegensatz von Stadt und Land und die Schwierigkeiten, die damit einhergehen. Sie kommen aus einer Kleinstadt. Können Sie das nachempfinden?

Ja, sehr. Ich habe in meiner Kindheit sowohl in der Stadt als auch auf dem Dorf gelebt, und das hat mir natürlich geholfen, mich in diese Welt hineinzudenken. Ich weiß, wie es ist, wenn der Bus nur ein- oder zweimal am Tag kommt, und man ein echtes Problem hat, wenn man ihn verpasst. Ich kenne auch noch die Mittagspause in den Lebensmittelgeschäften bei uns im Dorf: Zwischen 12 und 14 Uhr bekam man nichts, und nach 18 Uhr sowieso nicht mehr. Aber ich möchte das gar nicht schlechtreden. Ich liebe Landleben. Die Natur, die Nähe, das Gefühl von Zuhause. Mein Zweitwohnsitz ist nach wie vor mein geliebtes Dorf in Oberbayern. Gleichzeitig weiß ich auch, dass das Dorfleben eng sein kann, gerade wenn man nicht in die Erwartungen passt (ich meine, ich selber wollte immer schon Schauspieler werden). Die Stadt kann da eine Freiheit bieten, die man auf dem Land manchmal erst suchen muss.

"Sei, wer du bist" – nach dieser Devise zu leben, war das damals schwerer als heute?

Ja, absolut. Heute ist vieles sichtbarer und offener geworden, und das ist wichtig. Aber nur weil mehr möglich ist, heißt das nicht automatisch, dass es leicht ist. Man muss auch den Mut haben, das eigene Leben wirklich danach auszurichten. Und ich glaube, "sein, wer man ist" ist keine Entscheidung, die man einmal trifft und dann ist alles fertig. Für mich ist das eher eine fortdauernde Suche. Eine Suche, die ich auch heute mit 35 noch kenne.

Was wissen Sie noch vom Kunstpark Ost?

Ich bin im Chiemgau aufgewachsen. Wir haben natürlich vom Kunstpark Ost gehört, aber als ich in dem Alter war, in dem man richtig in Clubs gegangen ist, war der Kunstpark schon zu.

Ich kenne aber viele Erzählungen von älteren Geschwistern von Freundinnen und Freunden. Da war immer so ein Mythos dabei. Später, als das Areal zur Kultfabrik wurde, war ich auch selbst ab und zu dort feiern. Für mich war dieser Ort immer mit einer bestimmten Energie verbunden: laut, frei, wild, ein bisschen roh – und genau deshalb so spannend.

Informationen zum Kunstpark Ost

1949 wurde Pfanni gegründet. Das Unternehmen wuchs in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich.

In den Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre zeichnete sich jedoch ab, dass der Produktionsstandort im Münchner Osten nicht mehr zu halten war. Ganze Industrien siedelten ab, darunter auch Pfanni.

1996 schloss das Werk seine Tore. Allerdings stellte sich nun die Frage, was mit dem Areal passieren würde. Ein neues Stadtquartier sollte dort entstehen. Doch da so ein Entwicklungs- und Bebauungsplan nicht über Nacht entsteht und auch die Baugenehmigungen eine Weile brauchen, brach im Münchner Osten die Zeit der Zwischennutzung an. Die Entwicklung und das Bauvorhaben eines neuen Stadtquartier dauerte an, so entstand im September 1996 die Zwischennutzung des Werksgeländes. Es siedelten sich im Kunstpark Ost zahlreiche Clubs an, Künstler und Kreative fanden in den ehemaligen Industriegebäuden günstige Ateliers und Werkstätten. Ein Flohmarkt, soziale Organisationen mit Angeboten für Kinder und Familien waren ebenfalls vor Ort. Sie alle zusammen prägten einen Geist, der die Planer des neuen und heutigen Werksviertels nachhaltig inspirierte.

Impressum

Fotos über ZDF-Kommunikation
Telefon: (06131) 70-16100 und über 
https://presseportal.zdf.de/presse/muenchenbeats

ZDF-Kommunikation
Verantwortlich: Anna-Maria Schuck
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2026 ZDF

Kontakt

Lisa Miller
Programmkommunikation Fiction, Entertainment und Young Audiences
miller.l@zdf.de
+49 89 9955-1962