Olivia

Eventfilm

Olivia Jones (Johannes Hegemann) ist Deutschlands bekannteste Dragqueen und ein Medienstar.
ZDF/Thomas Leidig
Olivia Jones (Johannes Hegemann) ist Deutschlands bekannteste Dragqueen und ein Medienstar. ZDF/Thomas Leidig

"Olivia" erzählt die außergewöhnliche Lebensgeschichte von Olivia Jones, Deutschlands berühmtester Dragqueen. Grell, berührend, humorvoll und politisch verfolgt der Film Olivias Entwicklung hin zu einem Medienstar – und ist gleichzeitig ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderung.

Sendedatum

ab Dienstag, 5. Mai 2026, 10.00 Uhr, ein Jahr lang
Mittwoch, 13. Mai 2026, 20.15 Uhr

Fotos

Texte

Redaktionelles Statement

"Olivia“ ist für uns als ZDF ein besonderer und wichtiger Film, der für den Mut zur Selbstbestimmung, die Kraft von Humor und die Bedeutung von Akzeptanz steht. Er zeichnet anhand des Lebensweges von Olivia Jones zugleich ein emotionales Zeitbild und einen Bogen hin zu mehr Toleranz in Deutschland von den 1980er-Jahren bis heute.

Katharina Görtz und Wolfgang Grundmann, Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II

Stab, Besetzung, Inhalt

Stab

Buch                                David Ungureit, nach dem Buch "Ungeschminkt" von Olivia Jones

Regie                               Till Endemann

Bildgestaltung                  Bjørn Haneld

Montage                          Jens Müller

Szenenbild                       Pouya Mirzaei

Kostümbild                       Bettina C. Proske

Ton                                   Jürgen Göpfert

Musik                               Jens Grötzschel

Produktionsleitung            Markus Mayr

Herstellungsleitung           Christian Feier

Producerin                        Cecile Heisler-Zigulla

Produktion                        Florida Film

Produzentin                      Maren Knieling

Redaktion                         Katharina Görtz, Wolfgang Grundmann

Länge                               90 Minuten

 

Die Rollen und ihre Darstellerinnen und Darsteller

Olivia Jones/Oliver                   Johannes Hegemann

Oliver (jung)                              Arian Wegener

Evelin, Mutter Oliver                 Annette Frier

Marlene Stelling                        Angelina Häntsch

Marius Körbel                           Daniel Zillmann

Thorsten Trapp                         Jeremy Mockridge

Lulu Duvall                               Victor Schefé

Enno Leander                          Dennis Svensson

Herr Kiesewetter                      Martin Brambach

Pastor Karl                               Matthias Bundschuh

Lilo Wanders                           Stephan Kampwirth

Günther Boll                            Sebastian Jakob Doppelbauer

Stefan Sass                             Max Beck

Jens Nagy                               Maximilian Mundt

und andere 

 

Inhalt

Oliver liebt es, sich als Frau zu kleiden. In seiner niedersächsischen Heimatstadt Springe stößt dieses Anderssein auf Ablehnung, Spott und Gewalt. Auch das eigene Elternhaus reagiert mit Scham und Härte, geprägt von tief verankerten Normen und Ängsten.

Erst der Aufbruch nach Hamburg, auf den Kiez von St. Pauli, eröffnet Oliver die Möglichkeit, sich neu zu erfinden. Doch auch dort wird er zunächst mit Armut, Entbehrungen und erneuter Ausgrenzung konfrontiert. Mit großem Herzen, unerschütterlichem Humor und der Fähigkeit, nach jedem Sturz wieder aufzustehen, kämpft sich Oliver durch Zweifel und Widerstände – bis aus ihm schließlich Olivia Jones wird: Travestie-Ikone, Entertainerin, Kiez-Gastronomin und öffentliche Stimme für Toleranz und Vielfalt.

Olivias Mutter Evelin gelingt es schließlich, ihr Kind jenseits gesellschaftlicher Erwartungen anzunehmen. Zwischen Scham, Sorge und Liebe ringt sie um Verständnis – und verleiht dem Film eine zweite, leise, aber zentrale Hauptrolle: die einer Mutter, die sich ihren Weg durch Vorurteile bahnt und so auch zum Vorbild für andere Mütter wird.

Zur Entstehung des Films

Olivia Jones

Was bedeutet Ihnen die Verfilmung Ihrer Autobiografie, und welches Publikum würden Sie sich wünschen?

Hätte man mir als Jugendlichem erzählt, dass das ZDF mal mein Leben verfilmt, hätte ich das nie für möglich gehalten. Und hätte man mir vor fünf Jahren erzählt, dass quasi Joko und Klaas und deren Produktionsfirma Interesse an meinem Leben haben, hätte ich laut gelacht. Es macht mich stolz und zeigt, dass man seinem Herzen folgen und sich nicht beirren lassen sollte. Ich würde mir wünschen, dass den Film vor allem Menschen gucken, die immer noch Berührungsängste haben. Menschen, die nie erlebt haben, was Diskriminierung anrichten kann. Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen müssen, wie ich sie machen musste und teilweise wieder machen muss. Eltern, die queere Kinder haben. Und junge Menschen, die meinen, unsere heutigen Freiheiten wären selbstverständlich. Sind sie nicht. Wenn man sie erhalten will, muss man dafür auf- und einstehen.

Inwieweit waren Sie in die filmische Umsetzung eingebunden und/oder konnten Einfluss nehmen? Was sagen Sie zur Besetzung?

Es ist ja die Verfilmung meiner Autobiographie. Ich war in die Entstehung des Drehbuchs eingebunden und habe auch den kreativen Prozess begleitet. Es hat mich sehr berührt, mit wie viel Herzblut das Team und die Schauspieler dabei waren. Und wie stolz alle auf das Ergebnis sind. Einige haben mir gesagt, dass es zwar ein Film über mich ist, aber dass es irgendwie auch ihr Film ist. Die Besetzung ist wirklich großartig. Dass auch so viele bekannte Schauspieler mitgemacht haben, ist für mich wie ein Ritterschlag. Dass ich mal zu Annette Frier "Mama" sagen kann, hätte ich mir nie träumen lassen. (lacht)

Ein ausführliches Audio-Interview mit Olivia Jones finden Sie hier: Pressemappe: O-Töne für Radiosender und Audio-Medien: ZDF-Presseportal

 

Drehbuchautor David Ungureit

Ihr Drehbuch ist die Adaption einer Biografie. Was sind die besonderen Herausforderungen und Chancen einer solchen Arbeit?

Wenn man das Leben einer realen Persönlichkeit verfilmt, sollte man sich der Verantwortung bewusst sein, die man als Drehbuchautor hat. Die Menschen, die man im Drehbuch auftreten lässt, gibt es ja wirklich – zwar nicht alle, aber doch einige (andere sind erfunden). Vor allem Oliver/Olivia sollte dem Drehbuch nach dem Lesen guten Gewissens zustimmen können – das war mir wichtig und hat sich zum Glück auch erfüllt.

Um eine Autobiografie in ein Drehbuch zu fassen, muss man die einzelnen Episoden in den Kontext einer Geschichte setzen, muss verdichten, weglassen, kompensieren, mehrere Charaktere aus dem Buch zu einer einzelnen (neuen) Figur zusammenfassen. Bei einem so vielschichtigen Leben wie dem von Olivia kann man beim Schreiben aus dem Vollen schöpfen und ein schönes Gleichgewicht von Drama, Humor und großen Emotionen erschaffen.

Ihre Hauptfigur ist eine präsente und starke Persönlichkeit. Wie arbeitet man zusammen?

Mit Respekt. Olivia hat die Autobiografie während der Pandemie geschrieben, als ihre Bars geschlossen waren. Da waren Treffen leider unmöglich. Das haben wir dann aber nachgeholt, sobald es wieder ging, lernten uns kennen und redeten über die Art, wie ich das Buch adaptieren wollte. Ich fand heraus, was Oliver/Olivia wichtig war und was ich lieber vermeiden sollte. Dabei bekam ich erfreulicherweise viel Vertrauen und Freiheit und fühlte mich in keiner Weise eingeschränkt. Auch das Management von Olivia war eine große Hilfe, versorgte mich mit Informationen und seltenem Bildmaterial aus wilden Zeiten. Ich bekam tiefe Einblicke in Olivias Welt, nahm natürlich auch an einer der berühmten Kiez-Touren teil und bekam Antworten auf alle Fragen. Da von der ersten Idee bis zur ersten Klappe etliche Jahre vergingen, weiß ich es umso mehr zu schätzen, dass der Kontakt nie abriss und das Vertrauen blieb.

Die Figur des Herrn Kiesewetter steht mit seiner Engstirnigkeit, seinen Vorurteilen und seiner Neugier stellvertretend für ein gesellschaftliches Klima der Zeit, besonders in Kleinstädten. Wie kam es zu der Entscheidung, all das in einer Person zu verdichten?

Der Nachbar Herr Kiesewetter hat sich beim Schreiben des Drehbuchs immer mehr aufgedrängt, weil die Perspektive der Kleinstadt eine Stimme brauchte. Zwar gibt es auch noch ein paar andere Figuren aus dem Ort, die auf Oliver reagieren, aber Herr Kiesewetter nimmt direkt Einfluss auf Olivers Mutter Evelin. Er macht sich zum Fürsprecher der Frau, deren Mann im Gefängnis sitzt und deren Sohn gerne Frauenklamotten trägt, erwartet dafür aber, dass Evelin Olivers Verhalten ebenso verurteilt, wie er das tut. Das ist für eine Weile durchaus eine Versuchung für die Mutter, die sich aber schließlich für Oliver/Olivia entscheidet. Die Kraft dieser Geste wirkt umso größer, weil sie einen hohen Preis hat. An Evelin zeigt sich, dass Menschen sich verändern können. Und wenn Menschen das können, kann es auch eine Gesellschaft.

 

Regisseur Till Endemann

Wie ist das Projekt "Olivia" zu Ihnen gekommen, und wie früh waren Sie involviert?

Die Produzentin Maren Knieling und die Producerin Cecile Heisler-Zigulla haben mich etwa anderthalb Jahre vor der ersten Klappe in dieses wunderbare Projekt geholt. Ab diesem Moment sind wir den Weg gemeinsam gegangen – eng verbunden mit dem ZDF, Drehbuchautor David Ungureit und natürlich auch Olivia Jones. Inklusive der Dreharbeiten eine höchst erfreuliche, gewissenhafte und produktive Zusammenarbeit.

Was bedeutet das Leben, das Werk und die Wirkung dieser Persönlichkeit für Sie?

Ich bin in meinem direkten privaten Umfeld damit konfrontiert mitzuerleben, welchem Gegenwind, welchen Anfeindungen Menschen heutzutage in Deutschland – und in letzter Zeit leider zunehmend – ausgesetzt sind, wenn ein anderes Geschlechterbild als die traditionellen Stereotypen empfunden und gelebt wird. Es ist extrem bitter und verstörend – es macht mich fassungslos und wütend, wie die Menschenwürde auf privater Ebene immer wieder angetastet und nicht respektiert wird.

Olivia Jones ist für mich eine große Persönlichkeit, die betroffenen Individuen und Seelen seit vielen, vielen Jahren Mut macht. Mit ihrer Strahlkraft, ihrem Kampf, ihrer klaren Haltung, die sie auf verschiedenen Ebenen kundgetan und eingesetzt hat – und es bis heute tut. Der Film ist für mich im Kern daher auch ein ebenso emotionales wie gesellschaftspolitisches Statement. Im Film sagt Olivia den Satz "Vielleicht werde ich ja irgendwann Bundeskanzlerin". Es ist eigentlich nur ein Scherz. Aber für ein freiheitliches Land, in dem Nächstenliebe und Toleranz an vorderster Stelle stehen sollten, fände ich das gar keine so schlechte Idee.

 

Produzentin Maren Knieling

Als Produzentin muss man die wahre Figur, deren Geschichte man erzählt, für sich gewinnen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Indem man die Menschen, deren Leben man erzählt, ernsthaft in den Entstehungsprozess einbindet. Für uns ist das keine Strategie, sondern Teil unserer Verantwortung als Filmschaffende. Im konkreten Fall bedeutete das: regelmäßige Gespräche, Abstimmungen mit dem Autor, gemeinsame Gespräche mit der Regie über Vision und Tonalität des Films sowie die Einbindung in den Casting-Prozess. Gleichzeitig hat Olivia Jones uns großes Vertrauen entgegengebracht. Sie hat den Prozess begleitet und das Set besucht, aber beispielsweise keine Zwischenstände oder Muster gesehen. Den Film hat sie in seiner finalen Fassung bei einem gemeinsamen Screening im engen Kreis erlebt. Das war für uns alle ein sehr berührender Moment.

Welche Vorteile hatte es für die Produktion, dass Olivia Jones noch aktiv ist?

Olivia Jones ist längst eine gesellschaftliche Ikone und die bekannteste Drag-Persönlichkeit Deutschlands. Das schafft zunächst Aufmerksamkeit und erleichtert die öffentliche Wahrnehmung eines Projekts. Gleichzeitig steigen damit aber auch die Erwartungen enorm. Am Ende muss der Film unabhängig von der Bekanntheit der Figur bestehen. Qualität lässt sich nicht durch Prominenz ersetzen.

Und es gibt noch einen weiteren Punkt. Wenn eine Person so präsent ist, ist es nahezu unmöglich, sie vollständig abzubilden. Man erzählt immer eine filmische Interpretation, also eine Version dieser Persönlichkeit. Diese Nähe zur realen Figur bringt daher nicht nur Vorteile, sondern auch eine besondere Verantwortung mit sich. Gleichzeitig liegt genau in diesem Spannungsfeld auch das eigentlich Interessante. Es zwingt einen, sehr bewusst zu entscheiden, welche Perspektive man erzählt und warum.

Interview mit Johannes Hegemann

In "Olivia" verkörpern Sie die lebende Legende Olivia Jones. Was war für Sie bei der Annäherung an die Person besonders wichtig und besonders herausfordernd?

Besonders wichtig war mir, einen nahbaren, vielschichtigen Menschen darzustellen. Keine möglichst perfekte Imitation der Figur Olivia Jones, wo dann vor allem Äußerlichkeiten eine Rolle spielen. Natürlich habe ich meine Sprache und meine Körperlichkeit an Olivia/Oliver angenähert. Aber ich habe mir darin die Freiheit genommen, selber zu interpretieren und zu kreieren anstatt nur zu kopieren. Herausfordernd, aber dementsprechend verlockend für mich als Schauspieler, war die Möglichkeit, mich so stark verwandeln zu können. Also in einen Menschen und in eine Welt einzutauchen, die doch ganz anders sind, als ich in meinem Alltag.

Haben Sie in der Vorbereitung das Gespräch mit Olivia Jones gesucht?

Es war gar nicht so einfach, Olivia vor dem Dreh persönlich zu treffen. Wir leben zwar beide in Hamburg, sogar ziemlich in der Nähe voneinander, aber wir hatten beide noch so viel Anderes um die Ohren. Am Ende haben wir uns dann zu einem langen Zoom-Gespräch verabredet. Das war super. Olivia hat direkt am Anfang gesagt, ich dürfe alles fragen, und das hab ich dann auch gemacht.

Unbestritten kommt Kostüm und Maske bei diesem Projekt eine besondere Bedeutung zu. Welche Auswirkung auf Ihre Darstellung dieser realen Figur Olivia Jones hatten diese vermeintlichen Äußerlichkeiten?

Das hat sehr viel ausgemacht. Als ich ein paar Tage vor dem Dreh das erste mal komplett im Drag war, habe ich eine unglaubliche Power und Erhabenheit gespürt. Ich habe mich anders bewegt, ganz anders gefühlt. Habe wahrgenommen, was für eine starke Wirkung ich plötzlich auf andere Menschen hatte. Der ganze Schminkprozess hat jedes mal gute anderthalb Stunden gedauert. Dabei lief immer fantastische Musik. Und danach war ich drin. Da hab' ich dann nicht mehr viel anderes gebraucht, um in die Figur zu finden.

Sie sind aktiver Theaterschauspieler, den es in den letzten Jahren immer mehr vor die Kamera zieht. In "Olivia" verbindet sich das. Wie hat Ihnen das gefallen?

Es war natürlich toll, bei diesem Film beides zu haben. Sowohl ganz intime Momente, wenn die Kamera ganz nah ist, als auch diese theatralen Performance-Szenen. Ich habe bei den Szenen, in denen Olivia auf der Bühne steht und ihre Show abzieht, sehr, sehr viel Spaß gehabt. Ich stehe einfach sehr gerne auf Bühnen. Ob das dann Drag ist oder Shakespeare oder beides, ist nicht entscheidend.

Olivia Jones zeigt viel Zivilcourage und eine natürliche Integrität. Das hat sie mit Hans Coppi, dem Widerstandskämpfer in Ihrem ersten Spielfilm "In Liebe, Eure Hilde" gemeinsam. Was bedeuten Ihnen diese Eigenschaften persönlich?

Die beiden, so unterschiedlich sie auch sind beziehungsweise waren, verbindet tatsächlich neben großem Mut auch große Menschenliebe. Zivilcourage und Haltung gegen Hass und Ausgrenzung zu zeigen, ist in diesen Tagen so wichtig wie lange nicht. Dabei meine ich aber weniger, sich auf Instagram moralisch über alles zu erheben und von der eigenen Bubble abfeiern zu lassen. Es kommt auf die tatsächlichen Handlungen an – sich vielleicht ehrenamtlich zu betätigen oder im Alltag einander zuzuwenden und zu helfen. Dabei zu versuchen, Ungerechtigkeiten anzusprechen und Lösungen zu finden. Ich glaube, jeder kann zu einer menschlichen und toleranten Gesellschaft beitragen. Dazu muss man sich dieser Gesellschaft aber auch zuwenden und nicht die ganze Zeit im Internet abhängen und seiner Dauerempörung freien Lauf lassen.

Was ist für Sie das Besondere an Olivia, dem Menschen und dem Phänomen?

Das Besondere an Olivia ist, dass sie es schafft, so viele Menschen jeden Alters und durch alle Gesellschaftsschichten hindurch, für Themen wie Diversität und Inklusion zu sensibilisieren. Das passiert ganz unverkrampft und undidaktisch einfach dadurch, dass sie mit sehr viel Herz und Haltung durchs Leben geht. Sie hat sich schon immer für Menschen in schwierigen Situationen eingesetzt und klare Kante gegen rechte Menschenfeinde gezeigt. Außerdem hat Olivia sich ihr Leben lang auch in schwierigen Situationen nie von Rückschlägen entmutigen lassen.

Kurzinterview mit Annette Frier

Sie spielen die Mutter der Travestiekünstlerin Olivia Jones. In Wirklichkeit sind Sie fast gleichaltrige Kolleginnen. Gab es schon vor dem Film eine persönliche Verbundenheit?

Vor dem Film sind Olivia und ich uns "nur" auf diversen Partys und roten Teppichen begegnet. Das war stets heiter. Und stets waren's die besten Fotos der Party. Im Zusammenhang mit unseren Dreharbeiten hat sich aber folgende schöne Begebenheit zugetragen: Ich saß Anfang letzten Jahres mit einer Kollegin auf eine Tasse Kaffee in der Lobby des Savoy Hotels in Köln. Irgendwann stellt sich ein mir fremder Mann an unseren Tisch. Er lächelt, lässt eine kurze Pause entstehen und sagt: "Hallo Mama!". Eine weitere kleine Ewigkeit später fällt bei mir der Groschen. Dann bin ich aufgestanden und wir haben uns zur Begrüßung fest umarmt – mein Sohn Olivia und ich.

Die Mutter lebt in einem Mikrokosmos von Vorurteilen. Müssen Sie als Darstellerin dieser Figur viel Verständnis aufbringen oder einfach nur spielen?

Es ist meine Aufgabe als Schauspielerin, sowohl dieses Verständnis aufzubringen als es dann auch einfach zu spielen. Im Fall von Evelin ist das aufgrund der echten biografischen Situation eine tolle Herausforderung gewesen. Olivia und ich haben mehrere Gespräche über die Kindheit in Springe und vor allem auch über Olivias Großeltern geführt. Ich habe die Perspektive einer allein erziehenden Mutter einnehmen dürfen, die selbst Ausgrenzung erfahren hat, und dann ratlos vor dem eigenen Sohn steht, der sich Lippenstift auflegt.

Ich habe großes Mitgefühl mit der Figur empfunden und gleichzeitig ihre Überforderung gespürt, den Erwartungen der Zeit und denen ans eigene Leben gerecht zu werden.

Was ist für Sie das Besondere an Olivia, dem Menschen und dem Phänomen?

Olivia Jones ist eine Kämpferin, ein Ereignis, eine Sensation, eine Pionierin im Einsatz für gesellschaftliche Vielfalt. Sie ist nebenbei ein toller Mensch. Ich bin ihr Fan.

Fragen an die Schauspielerinnen und Schauspieler

Arian Wegner

Du spielst Olivia als Kind. Wie hast Du es geschafft, Oliver mit so einer Leichtigkeit und Unbeschwertheit zu spielen?

Die Schauspielerei ist meine Leidenschaft und bereitet mir große Freude. Was Freude macht, fällt einfach leicht. Man denkt darüber nicht nach, man macht es einfach. Außerdem ist in meinen Elternhaus das Anderssein, das Sich-Ausprobieren immer willkommen.

 

Angelina Häntsch

Marlene Stelling trifft bei ihrer Arbeit eher zufällig auf Olivia. Wie kommt es zu dieser bedingungslosen Freundschaft?

Marlene lernt Olivia bei der Musterung im Kreiswehrersatzamt kennen. Sie hat Olivia allerdings auch vorher schon auf der Bühne auf dem Kiez bewundert. Marlene stellt sich offen und unterstützend an Olivias/Olivers Seite und bleibt dort durch alle Höhen und Tiefen, die das Leben bereithält. Der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung und der unbeirrbare Mut, den eigenen Weg zu gehen, fasziniert Marlene und verbindet die Beiden. Gleichzeitig findet sie selbst in Olivia und in ihrer bunten Welt ein Zuhause, eine Familie, die sie in ihrem alten Leben vermisst hat. Marlene ist optimistisch und fröhlich und eine warmherzige und loyale Freundin, die vielleicht, so stelle ich es mir vor, das ein oder andere Mal zu wenig an sich selbst denkt.

 

Daniel Zillmann

Sie haben die Rolle des verständnisvollen und helfenden Kumpels, der durchaus eigene Probleme hat, sie aber zurückstellt. Was gefällt Ihnen an Ihrer Figur? Und was bedeutet Ihnen persönlich die Geschichte von Olivia Jones?

Marius ist ein typischer Vertreter der älteren Generation von schwulen Männern. Seine Sexualität trägt er nicht so deutlich in die Öffentlichkeit, sodass selbst Olivia überrascht ist, als er sich ihr ganz nebenbei "outet". Ich finde, Marius ist ein gutes Beispiel für kernige, bärige Typen aus den 80ern, die "straight passing" waren, also quasi auch als hetero durchgingen und sich immer wieder durchbeißen mussten – auch mit Fäusten. Diese Durchsetzungskraft spürt er ab der ersten Sekunde, als Olivia alias Oliver zu ihm in die Kneipe kommt. Er weiß sofort, dass Oliver ein Star wird.

Olivias Geschichte ist ein Stück weit die Biografie von jedem queeren Menschen. Ich finde, sie ist ein gutes Vorbild, denn sie hat sich durchgesetzt und sich nach oben in den breiten Unterhaltungs-Mainstream gekämpft, wie nur ganz wenige vor ihr. Nachdem die queere Community in den letzten Jahrzehnten hart gekämpft und sehr viel erreicht hat, scheinen wir in einer Zeit zu leben, in denen wieder Rückschritt angesagt ist. Deshalb kann man spüren, wie es damals gewesen sein könnte, und meine Bewunderung und Dankbarkeit für die Vorreiter*innen wächst noch mehr.

 

Jeremy Mockridge

Im Gegensatz zu Oliver fügt sich Thorsten den gesellschaftlichen Regeln der Kleinstadt. Wie viel Verständnis mussten Sie als Darsteller für ihn aufbringen, und was bedeutet die Figur für die Message des Films?

Als Zweitjüngster von sechs Jungs kann ich Thorstens Druck, gewissen Normen von Männlichkeit zu entsprechen, sehr gut nachvollziehen. Ich kenne diesen Druck und die innere Spannung, die entstehen, wenn man meint, einem gewissen Bild entsprechen zu müssen. Ich glaube, Thorsten steht im Kontrast zu Olivias Extrovertiertheit. Er ist die Identifikationsfigur für alle ungeouteten, schwulen Männer, denen es vielleicht mit diesem Film ein kleines bisschen leichter fallen könnte, ihre Wahrheit zu leben. Vor allem zeigt er uns: Es ist nie zu spät, man selbst zu sein!

Ich mochte die Dreharbeiten sehr und war dankbar an einem Set zu arbeiten, an dem diese Vulnerabilität möglich war. Ich finde, das spürt man auch in dem Film: Er hat unglaublich emotionale Momente und ist wahnsinnig berührend.

 

Stephan Kampwirth

Sie hatten die großartige und große Aufgabe, eine Ikone zu spielen. Was war für Sie die besondere Herausforderung?

Die größte Herausforderung war, nicht in Ehrfurcht zu erstarren, sondern die kurze Vorbereitungszeit zu nutzen und sich der Kunstfigur Lilo Wanders so gut wie möglich anzunähern. Kostüm und Maske tun dann das Ihrige. Es war ein großer Spaß. Aber es ist nicht ganz einfach, einer real existierenden Person/Kunstfigur wirklich gerecht zu werden – zumal sie schon so lange in der Öffentlichkeit präsent ist und mich immer schon berührt hat. Ich hatte großen Respekt davor. Irgendwie versucht man, den Kern zu finden, einen klitzekleinen Teil ihrer Seele zu erhaschen.

 

Victor Schefé

Sie hatten es vermeintlich leicht und schwer zugleich. Ihre Figur muss sich nicht an einem realen Vorbild messen lassen, hat aber eine große Bandbreite zwischen Intrige, Eifersucht und großer Verletzlichkeit. Was macht die Rolle für Sie aus?

Ich habe mich tatsächlich an realen, nicht ganz so prominenten, Vorbildern aus der queeren Community orientiert. Letztendlich aber zählt immer der menschliche Kern einer Figur, und da gab es schon im Drehbuch genug Futter. Lulu Duvall ist eine in die Jahre gekommene Darstellerin im Travestie-Universum, hat Angst vor dem Verlust ihrer hart erarbeiteten Position an Jüngere und ist als schwuler Mann durch über Jahrzehnte andauernde homophobe Angriffe sehr dünnhäutig geworden. Dass sich gerade die nachwachsende Generation solche Übergriffe nicht mehr gefallen lässt, sieht sie anfangs nicht als Chance für eine eigene größere Freiheit. Das ist unterm Strich eine der Stärken von "Olivia": Was viel zu lange nicht in Ordnung war, kann trotzdem verändert werden. Klingt etwas banal und kitschig, bedeutet aber eigentlich nur gesunden gesellschaftlichen Fortschritt und Zukunft, die wir nun schon wieder verteidigen müssen. Deshalb bin ich stolz, ein kleiner Teil des "Olivia"-Teams gewesen zu sein.

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