plan b: Verstärkung für die Polizei

Zweiteilige Reportage

Personalmangel ist eines der größten Probleme in der Polizeiarbeit, tausende Stellen bleiben unbesetzt. Doch durch KI, wissenschaftliche Fortschritte und die Schwarmintelligenz von Bürgerinnen und Bürgern bekommen die Gesetzeshüter Unterstützung. Zwei "plan b"-Reportagen zeigen innovative Ansätze und stellen Freiwillige vor, die ihre Freizeit in den Dienst der Polizei stellen. 

Sendedatum

Ab Donnerstag, 23. Juli 2026, 10.00 Uhr, beide Folgen abrufbar
An den Sonntagen, 26. Juli und 2. August 2026, jeweils 15.30 Uhr

Texte

Teil 1: Spezialkräfte im Einsatz

Ein Film von Saskia Weinert

Länge: ca. 45 Minuten

 

Dem Verbrechen auf der Spur: Es gibt Menschen, die sich oder auch ihre Tiere in den Dienst der Polizei stellen – oft machen sie das ehrenamtlich. Sie helfen, Vermisste aufzuspüren oder Morde aufzuklären.

Hochspezialisierte Vierbeiner und Forschende, Hacker und Hightech bringen Ermittlungen voran. Viele Polizeidienststellen sind unterbesetzt und kommen bei der Vielzahl an Fällen kaum hinterher. Die Unterstützung von außen ist mehr als willkommen. 

Speziell ausgebildete Hunde schaffen etwas, das die Wissenschaft bis heute für eigentlich unmöglich hält: Sie erschnüffeln Ertrunkene. Sogar in tiefen Gewässern erkennen sie den Geruch eines Menschen. So grenzen sie das Suchgebiet der Polizei ein. Das spart wertvolle Zeit. Als ein Student bei einer Bootsfahrt auf dem Starnberger See ins Wasser springt und nicht mehr auftaucht, bietet Hundeführer Kai Einfeldt mit Aragon, Carlos und Robby seine Hilfe an. Dem Ehrenamtlichen und seinem Verein, der Technischen Hundestaffel, ist es eine Herzensangelegenheit, den Angehörigen Gewissheit zu verschaffen. "Auch wenn es ein trauriger Umstand ist, ist das Gefühl zu wissen, dass Angehörige Abschied nehmen können, das, was uns erfüllt", sagt Kai Einfeldt.

Manchmal erfordert es endlose Detektivarbeit, um die Identität eines aufgefundenen Toten zu klären. So kann es passieren, dass ein ungeklärter Fall immer weiter aus dem Blick der Polizei rückt, da die Beamten und Beamtinnen täglich in neuen, dringenden Fällen gefordert sind. Ihnen hilft der Genealoge Eryk Jan Grzeszkowiak aus Edinburgh in seiner Freizeit. Der Dozent nutzt Methoden, die für die Polizei oft zu aufwändig sind: Mit Hilfe von weltweit verfügbaren DNA-Profilen erstellt er einen gigantischen Stammbaum eines unbekannten Toten und kommt dessen Identität über Verwandte immer näher. Eryk löst sogar knifflige Cold Cases, die der Polizei seit Jahrzehnten Rätsel aufgeben. Ein solcher Fall führt ihn nach Toruń in Polen. Dort durchforstet er das Staatsarchiv und besucht Friedhöfe, um Ahnen eines Mordopfers in den USA Verstorbenen zu finden und die Lücken in seinem Stammbaum zu schließen. "Es könnte unsere letzte Chance sein, den Mann zu identifizieren“, sagt Eryk Jan Grzeszkowiak. "Wenn ich das jetzt nicht mache, macht es niemand". Er will Hinterbliebenen einen Abschluss ermöglichen, die sich mit vielen offenen Fragen quälen, weil sie nicht wissen, was mit ihren Lieben geschehen ist.  

 

Der kanadische IT-Experte Robert Sell verfolgt Spuren, die Vermisste selber hinterlassen haben – oft verborgen im World Wide Web. Mit seiner Freiwilligenorganisation "Trace Labs" veranstaltet er Hacker-Treffen, wie in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Mit der dort versammelten Schwarmintelligenz gehen sie legal verfügbaren Daten nach, die die gesuchte Person womöglich beim Posten und Liken in Sozialen Medien hinterlassen hat, und checken auch Überwachungskameras. "Polizeibehörden haben oft nicht die Ressourcen, diese Art der Ermittlungen durchzuführen", so Robert Sell. Genau da setzt die Initiative der Hobby-Ermittler an. Finden Robert Sell und seine Hacker-Freunde neue Indizien, die die Polizei weiter verfolgen kann?

 

Im amerikanischen Brookhaven hat Captain Abrem Ayana neue "Hilfssheriffs": Drohnen. Geht ein Notruf ein, steigt einer seiner "first responders" – Ersthelfer –  innerhalb weniger Sekunden in die Luft und liefert Live-Bilder vom Ort des Geschehens direkt auf die Bildschirme seiner Polizeistation und der Streifenwagen. In vielen Fällen gewinnen die Einsatzkräfte dank Hightech den entscheidenden ersten Überblick: Braucht das Team Verstärkung? Ist jemand verletzt? Oder handelt es sich womöglich um einen Fehlalarm? So schnell können die Polizisten und Polizistinnen am Boden das oft nicht überschauen.

Teil 2: Die neuen Fahnder

Ein Film von Saskia Weinert und Lisa-Marie Riedmiller

Länge: ca. 45 Minuten

 

Ungelöste Fälle, Personalmangel, neue Maschen von Kriminellen: Die Polizei steht vor großen Herausforderungen und holt sich deshalb Hilfe von unerwarteter Seite: Hobby-Detektive schließen sich zusammen. Insekten werden zu Indizien, Staubsaugerroboter zu Zeugen und Pferde helfen Freizeit-Cops. Um Verbrechen aufzuklären, geht die Polizei neue Wege – dank Helfenden und Hightech mit oft erstaunlichem Erfolg.

 

Seit 13 Jahren beschäftigt ein unaufgeklärter Mordfall die niederländische Polizei. Am Neujahrsmorgen wird in der Gemeinde Oss eine junge Frau tot aufgefunden, doch die Ermittlungen verlaufen im Sande. Peter de Kock hat sich des Falls angenommen und das Recherchekollektiv "Bureau Dupin" gegründet. Mit anderen Freiwilligen arbeitet der ehemalige Polizist in seiner Freizeit an der Aufklärung des Cold Cases. Während die Polizei im Dunkeln tappt, findet das Netzwerk von Hunderten Laien neue Spuren. "Die Polizei ist stark beschränkt, was ihre zeitlichen und personellen Kapazitäten angeht", weiß de Kock aus eigener Erfahrung. "Aber die Öffentlichkeit wird immer weiter ermitteln, Hunderte und Tausende Stunden lang. Das Vorgehen kann die Methoden, wie man an Cold Cases herangeht, wirklich verändern". Das Team um Peter de Kock glaubt, eine Person gefunden zu haben, die weiß, was in Oss geschehen ist. Werden die Hinweise vom "Bureau Dupin" die Polizei-Profis weiterbringen?

 

An ihren Indizien gibt es nichts zu zweifeln: Dr. Lena Lutz vom Rechtsmedizinischen Institut der Uni Frankfurt ist Fachfrau für Fliegen und Larven. Die Tiere können noch nach Jahren entscheidende Hinweise für die Ermittlungen liefern. "Die Spur Insekt hat ein supergroßes Potenzial, in verschiedenen Fragestellungen hilfreich zu sein, aber sie wird sehr, sehr selten beachtet", sagt die forensische Entomologin. Genau das will sie mit ihrem Projekt "MaDE in Deutschland" ändern. An einem Leichenfundort im Frankfurter Stadtwald sammelt die Forscherin mit Polizisten des zuständigen Kommissariats die stummen Zeugen, um den Todeszeitpunkt genauer einzugrenzen.

 

Personalmangel ist bei der britischen Polizei ein großes Thema, wie in Deutschland auch. Deshalb haben sie in der Grafschaft Wiltshire das "Horse Rider Volunteer Scheme" ins Leben gerufen und ehrenamtliche Helfer mit Pferden gesucht.  Die ländliche Gegend ist zu weitläufig, als dass die dünn besetzten Polizeistationen überall die gewünschte Präsenz zeigen könnten. Im Städtchen Bradford-on-Avon sind Jerry und Emma Watkins dem Aufruf gefolgt. Seither satteln die beiden einmal wöchentlich ihre Pferde, um ehrenamtlich zu patrouillieren. "Wir nutzen einfach unsere privaten Ausritte, um etwas für die Allgemeinheit zu tun", sagt das Vater-Tochter-Gespann. Wilderei, Diebstahl, die illegale Entsorgung von Müll oder Vandalismus sind Delikte, die ihnen immer wieder begegnen. Per App melden die Freiwilligen der Reiterstaffel die Vergehen an die Polizei, die dann zielgerichtet ausrückt.

 

Nur rund vierzehn Prozent aller Wohnungseinbrüche mit Diebstahl werden in Deutschland aufgeklärt. Das will Professor Felix Büsching von der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel ändern – und Haushaltsgeräte zu Ermittlern machen. Smart Home-Stromzähler, Staubsaugerroboter, Luftqualitätsmesser oder Thermostate können digitale Daten liefern, die Aufschluss über den Tathergang liefern: Wann genau hat sich jemand in der Wohnung bewegt? Wie viele Personen waren in welchem Raum anwesend und wann wurde beispielsweise ein Fenster geöffnet? Büsching untersucht mit seinem Team in einem Forschungsprojekt, das vom "Innovation Hub" der Polizei Niedersachsen unterstützt wird, welche zusätzlichen Hinweise Hightech zum Tathergang liefern kann.

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