RE:TURN: ADHS als Gamechanger – Wie aus Schwäche Stärke wird
Mit Malte Zierden
ADHS wird oft als Schwäche angesehen. Doch die neurologische Besonderheit steckt voller Kreativität, Energie und neuer Perspektiven – wenn sie verstanden und gezielt genutzt wird. Für Malte Zierden, Tierschützer und Content Creator, ist ADHS ein ständiger Begleiter, der sein Leben manchmal komplett auf den Kopf stellt. Als Host der aktuellen Folge der neuen ZDF-Reihe "RE:TURN" erzählt er Geschichten von Menschen, die aus dem Chaos ihre Stärke ziehen.
Fotos
Texte
Montag, 2. März 2026, 10.00 Uhr, im ZDF-Streaming
Sonntag, 29. März 2026, 15.30 Uhr, im ZDF
RE:TURN
ADHS als Gamechanger – Wie aus Schwäche Stärke wird
Mit Malte Zierden
ADHS wird oft als Schwäche angesehen. Doch die neurologische Besonderheit steckt voller Kreativität, Energie und neuer Perspektiven – wenn sie verstanden und gezielt genutzt wird.
Für Malte Zierden, Tierschützer und Content Creator, ist ADHS ein ständiger Begleiter, der sein Leben manchmal komplett auf den Kopf stellt. Als Host der aktuellen Folge der neuen ZDF-Reihe "RE:TURN" erzählt er Geschichten von Menschen, die aus dem Chaos ihre Stärke ziehen.
Eine davon ist Catia Gubelmann aus Zürich. Ihre Diagnose erhielt sie erst spät. Heute ist sie 400-Meter-Leistungssportlerin und erfolgreich auf internationalen Wettkampfbühnen. Doch bis dahin war es ein langer Weg: In der Schule versteckte sie ihre Konzentrationsprobleme, erst nach einem schweren emotionalen Zusammenbruch wird die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung erkannt. Danach lernt sie in einer Therapie, mit ADHS umzugehen – und sie sogar für sich zu nutzen: "Diese Impulsivität und der Wille, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sind gerade bei 400 Metern ein Vorteil. Man muss über Grenzen gehen können – und ADHS hilft mir dabei", sagt sie.
Hilfestellung für Betroffene bietet auch Alex Partridge mit seinem Podcast, in dem der Engländer über sein Leben mit ADHS spricht: "Die Hörer finden den Podcast wertvoll, weil sie merken, dass nichts an Ihnen falsch ist. Sie sind einfach nur anders und nicht allein damit." Wöchentlich kommt er mit Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Therapeutinnen und Therapeuten ins Gespräch. Dabei geben sie seiner wachsenden Community Tipps, wissenschaftliche Erklärungen und ehrliche Einblicke, damit Betroffene ihr Leben besser strukturieren können.
Immer mehr Unternehmen erkennen die Chancen von Vielfalt und bieten passende Arbeitsumgebungen für Menschen mit ADHS an. Die Telekom schafft mit einer firmeninternen Community Raum für Aufklärung und gegenseitige Unterstützung. Mitarbeiterin Sarah Lauer sagt stolz: "Wir haben mittlerweile über 750 Mitglieder weltweit. Kolleginnen und Kollegen sagen mir oft: Endlich versteht mich mal jemand." Es ist ein Modell für moderne Arbeitswelten, in denen individuelle Stärken in den Mittelpunkt rücken.
RE:TURN
ADHS als Gamechanger – Wie aus Schwäche Stärke wird
Film von Lara Bauerkamp und Anna-Maria Brandt
Moderation: Malte Zierden
Kamera: Jupp Tautfest, Ilhan Coskun, Julian Kiesche
Ton: Christoph Dziallas, Hugo Garbrecht, Carsten Kramer, Anton Riha
Schnitt: Michael Stragies, Nico Hertel
Grafik: giraffentoast design GmbH
Tonmischung: Michael Stragies
Produktion sendefähig GmbH: Christoph Dohne, Martin Holger Benedix, Anika Knudsen
Produktion ZDF: Florian Gerhartz, Delia Gruber
Redaktion sendefähig GmbH: Manuel Möglich, Christian Tipke
Redaktion ZDF: Grit Cross
Leitung der Sendung: Sina Schwerdt
Eine Produktion der sendefähig GmbH im Auftrag des ZDF
Der gebürtige Ostfriese Malte Zierden erreicht Millionen Menschen in den sozialen Medien. Doch hinter den Followerzahlen steht ein vielschichtiger Mensch mit großem Engagement: für Tiere und für Aufklärung rund um ADHS. Bekannt wurde er durch die Geschichte der Taube "Oßkar", die sich in sein Badezimmerfenster verirrte. Seitdem setzt er sich aktiv für den Tierschutz ein, informiert seine Community und unterstützt den Bau von Tierheimen. Ein weiteres Herzensthema: ADHS. Lange glaubte Malte, "irgendetwas stimmt nicht mit mir". Als Kind war er unkonzentriert und nervös. Erst spät erhielt er seine Diagnose. Heute sagt er: "Mein Gehirn tickt nicht falsch – sondern einfach schneller, chaotischer, aber voller wunderschöner Ideen."
Catia Gubelmann (24), 400-Meter-Läuferin aus der Schweiz
Schon als Kind ist Catia Gubelmann ein Energiebündel, früh fängt sie mit Leichtathletik an. In der Schule ist sie eher unauffällig, kopiert das Verhalten anderer Mitschülerinnen, um ihre Konzentrationsprobleme zu verbergen.
Doch in ihrem Kopf herrscht oft Chaos. Sie vergleicht ADHS mit einem Bahnhof: "Man muss sich vorstellen, der Hauptbahnhof ist der Kopf und das Gehirn. Und zu Stoßzeiten, wenn alle Menschen nach Hause kommen, da wuselt alles durcheinander, du wirst vielleicht mal angerempelt und hast gar keine Chance, deine Höchstleistung zu erbringen mit ADHS."
Catia gilt mit ihrer ADHS als neurodivergent. Das bedeutet, ihr Gehirn verarbeitet Informationen und Reize anders als die meisten Menschen, die als neurotypisch bezeichnet werden. Bleibt ADHS unerkannt und unbehandelt, fühlen sich viele Betroffene oft überfordert. Das kann zu schweren Ausnahmesituationen führen. So auch bei Catia, sie versucht zum Ende der Schulzeit sich das Leben zu nehmen.
Erst nach Fehldiagnosen und weiteren Untersuchungen wird festgestellt, dass sie ADHS hat. Mit Therapien und Medikation lernt sie damit umzugehen. Ihre "innere Bahnhofshalle" wird dadurch etwas ruhiger: "Der Kopf bleibt natürlich der gleiche. Ich habe immer noch ADHS. Ritalin hilft mir nur, besser damit umzugehen. Die Menschen sind weg und ich bin plötzlich alleine in diesem Hauptbahnhof. Aber dann habe ich wenigstens mal die Chance zu zeigen, dass ich das (Sprinten) auch kann."
Alex Partridge (37), Gründer und Host des erfolgreichen Podcasts "ADHD Chatter"
Aus seinem Studio in London spricht Alex Partridge mit Expertinnen und Experten, Psychologinnen und Psychologen und prominenten Gästen über ADHS. Sein Ziel: Aufklärung, Verständnis und praktische Tipps für den Alltag.
Partridge gründet als Student zwei Social-Media-Plattformen, die er später gewinnbringend verkauft. Mit dem Erfolg kommen auch Rückschläge, die er mit Alkohol betäubt: "Bei den Treffen der Anonymen Alkoholiker habe ich zum ersten Mal von ADHS gehört. Das prallte aber an mir ab. Ich dachte, ADHS beschreibt nur den ungezogenen, zappeligen Jungen. Das bin ich ja nicht. Ich bin nur Alkoholiker", erzählt Alex.
Neun Jahre später erhält er die Diagnose – und startet seinen Podcast. Für ihn wird das Projekt zur Selbsttherapie und für viele Hörerinnen und Hörer zur wichtigen Informationsquelle: "Meine Hyperaktivität spielt sich vor allem in meinem Kopf ab. Dieses Chaos hat in der Vergangenheit viele Ängste bei mir ausgelöst. Und je mehr ich darüber gesprochen habe, desto mehr weibliche Hörerinnen habe ich bekommen."
Heute erreicht "ADHD Chatter" rund 170.000 Menschen pro Woche – 85 Prozent davon Frauen. Die Themen reichen von Selbstorganisation über Ernährung bis hin zu Schlafstrategien. Alex' Mission: ADHS aus der Tabuzone holen und zeigen, dass ein "besonderes Gehirn" auch eine Stärke sein kann.
Ayse Semiz-Ewald (40), Diversity Managerin bei der Deutschen Telekom
Ayse Semiz-Ewald hat Psychologie studiert und umfassende Erfahrungen im Personalmanagement bei namenhaften Unternehmen gesammelt. Ihre persönliche Geschichte hat ihre berufliche Motivation stark geprägt: Ihr Großvater kam als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland und Ayse Semiz ist die erste in ihre Familie, die studiert hat: "Spätestens im Studium wurde mir bewusst, dass ich andere Voraussetzungen hatte als viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen – auch weil meine Eltern Schichtarbeit leisteten und mich finanziell nicht unterstützen konnten", erzählt sie. Diese Erfahrung war wegweisend für ihren Einsatz für Chancengerechtigkeit.
Heute setzt sich Semiz-Ewald nicht nur für ethnische Vielfalt ein, sondern auch für gleiche Chancen unabhängig von sozialer Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, Alter, Geschlecht – und Neurodivergenz. Ihr Ziel: ein Arbeitsumfeld, in dem alle ihr Potenzial entfalten können.
Dafür braucht es nicht mal ein großes Budget, betont Semiz-Ewald: "Die Teilhabe von Menschen mit ADHS ist nicht zwangsläufig mit Kosten verbunden. Zuallererst geht es um Dialog – meistens ist das für die betroffenen Personen viel wert, dass jemand auf sie zukommt und sagt, wie kann ich dir helfen oder was muss ich wissen. Das kommt schon so stark bei Mitarbeitenden an und das kostet gar nix."
Wann wurde bei dir ADHS diagnostiziert?
Mein ADHS wurde erst vor zwei Jahren diagnostiziert. Nicht, weil ich keinen Leidensdruck hatte, der war da. Ich habe mich nur richtig doll dafür geschämt. Ich wollte nicht, dass Menschen mich als "anders" oder "komisch" empfinden.
Wie hast du deine Kindheit in Erinnerung?
Mir wurde als Kind folgender Satz immer und immer wieder gesagt: "Du bist so dumm". Mir sind Sachen runtergefallen, ich habe Dinge verloren, ich war das tollpatschigste Kind überhaupt. Der Satz hat so viel mit mir gemacht. Das hat mich verändert. Deshalb habe ich versucht, mich anzupassen, eine Art Maske aufzusetzen. Das habe ich getan, weil ich mich einfach mal "normal" fühlen wollte.
Was ist ein typisch impulsives Verhalten von dir, woran du deine ADHS erkennst?
Spontan handeln, ohne vorher nachzudenken – sowas mach ich ständig. Ein absoluter Klassiker ist, dass ich mich zum Beispiel immer und immer wieder aus meiner Wohnung aussperre. Dann muss ich den Schlüsseldienst rufen. Ich habe schon viel zu viel Geld beim Schlüsseldienst gelassen.
Menschen mit ADHS sind sehr geräuschempfindlich. Wie ist das bei dir?
Wenn ich mich mit Freundinnen und Freunden in einem Restaurant treffe, nehme ich alle Geräusche gleich laut wahr: die Menschen am Nachbartisch oder die mir gegenübersitzen und reden. Alles prasselt gleichzeitig auf mich ein. Man fühlt sich maßlos überreizt, kommt gar nicht mehr so klar. Das ist die Hölle. Man ist todeserschöpft, als hätte man tagelang nicht geschlafen. Deshalb kann ich an Orten mit vielen Menschen auch nicht gut arbeiten – das macht mich einfach wahnsinnig.
Wie hat ADHS dein Leben verändert?
ADHS hat mein komplettes Leben auf den Kopf gestellt. Ich habe es gehasst. Manchmal wollte ich nicht mehr ich sein. Irgendwann habe ich verstanden, dass ich all diese Energie kanalisieren und so die positiven Seiten ausleben kann. Heute bin ich froh, dass ich ADHSler bin und einfach ich sein kann.
Neben dem richtigen Umgang mit ADHS, was hat dir noch geholfen?
Als ich mein Medikament das erste Mal genommen habe, war das für mich so ein krasser Gamechanger. Ich verliere mich normalerweise immer in Details. Ich gehe ins Schlafzimmer, gucke eine Pflanze an, fange an die Blätter zu zählen, schaue auf die Adern der Blätter, frage mich, wie viele Wurzeln die Pflanze hat – und Minuten später stehe ich auf einmal da und frage mich: Was mache ich hier eigentlich? Ich habe vergessen, was ich wollte. Seitdem ich Medikamente nehme, habe ich mehr einen roten Faden durch den Alltag.
Welche Bedeutung hat es für dich bei diesem Film mitzumachen?
Ich finde es unfassbar wichtig, dass wir über ADHS sprechen und es nicht als Modeerkrankung wahrnehmen, sondern merken: Menschen sind wirklich betroffen. Ich hoffe, dass super viele Menschen sich das anschauen und verstehen, was ADHS ist – und dass es in unserem Alltag richtig schön integriert werden kann.
Die Fragen stellte Lara Bauerkamp.
"RE:TURN" ist eine neue ZDF-Reihe, die inspirierende Geschichten junger Menschen erzählt, die in Krisen neue Wege einschlagen. Eine bekannte Hostperson, die selbst ähnliche Erfahrungen gemacht hat, führt als Erzählerin oder Erzähler durch den Film. Virtual-Reality-Animationen machen die Wendepunkte im Leben der Protagonistinnen und Protagonisten visuell greifbar.
Das ZDF bündelt am Sonntagnachmittag – und jederzeit im ZDF-Streamingportal – Dokumentationen, die sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen widmen und Lösungsansätze präsentieren. Die Dokureihen "plan b" und "planet e." senden sonntags ab 15.30 Uhr auf dem gemeinsamen Sendeplatz statt wie bisher in 30 Minuten jetzt in 45 Minuten Länge. Sie tragen mit vertiefenden Informationen über neue Wege in unterschiedlichen Lebensbereichen und über die verschiedenen ökologischen Herausforderungen der Gegenwart zur Vielfalt des ZDF-Informationsprogramms bei.
Die "plan b"-Reportagereihe steht für "konstruktiven, lösungsorientierten Journalismus". Die Sendereihe zeigt neue Perspektiven auf und stellt innovative Ideen vor, die dazu beitragen, die Welt lebenswerter und zukunftstauglicher zu machen. In 45-minütigen Reportagen bekommen kleine Initiativen, Visionäre und Visionärinnen, Ideengeber und Ideengeberinnen genauso eine Stimme wie Unternehmen, die nachhaltige Konzepte umsetzen oder Kommunen, Städte oder Staaten, die sich um gesellschaftsrelevante Problemlösungen bemühen.
"planet e." geht aktuellen Fragen des Umwelt- und Naturschutzes auf den Grund. Es geht um globale Trends, nachhaltige Lebensgestaltung und ökologisch verträgliche Lösungen für drängende Fragen der Zeit. Alltagsnah, relevant und erklärend. Investigative Formate wie "Greenwashed?" mit Umweltreporter Sherif Rizkallah beleuchten die Nachhaltigkeitsversprechen großer Marken und zeigen Missstände bei der Herstellung von Produkten auf, die oft millionenfach verkauft werden. Was der Genuss von Speisen und Getränken mit der Gesundheit und der Natur macht, beantwortet die Reihe "Genuss mit Beigeschmack". Dabei wird deutlich, wie die Lebensmittelproduktion als globalisiertes Milliardengeschäft funktioniert – auch oft mit Gifteinsatz.
Bis 9. Dezember 2027 im ZDF-Streaming hier verfügbar
Sonntag, 14. Dezember 2025, 15.30 Uhr, ZDF
plan b: Mut zur Versöhnung – Frieden statt Feindschaft
Film von Arlette Gruoner
Die Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander der Menschen ist in der Vorweihnachtszeit sehr groß. Manchmal erfüllt sie sich. Wie schaffen es Feinde, einander die Hand zu reichen? Die "plan b"-Reportage stellt Initiativen in Deutschland, den USA und Kolumbien vor, die zeigen, was möglich ist. Wie sich Wege zur Versöhnung finden, wenn der Wille da ist – zwischen den Religionen, politischen Gegnern und sogar Opfern und Tätern.
Die Kolumbianerin Kelly Diaz war noch ein Kind, als Terroristen ihren Vater erschossen. Jetzt, 22 Jahre später, trifft sie den Mörder im Gefängnis. Sie will ihm verzeihen, um endlich ihren Frieden zu finden. Jahrelang hat sie sich auf diesen Moment vorbereitet, als Teilnehmerin an einem einzigartigen Versöhnungsprojekt. Initiiert hat es der Stuttgarter Sozialunternehmer Tobias Merckle. "Für beide Seiten ist es ein befreiender Prozess. Die Opfer lassen Hass und Rachegefühle hinter sich, die Täter stehen zu ihren Verbrechen und erfahren Vergebung", sagt er. Doch damit ist das Ziel noch nicht erreicht. Anschließend bauen Opfer und Täter gemeinsam vom Bürgerkrieg zerstörte Orte wieder auf – die sogenannten Dörfer der Versöhnung.
In den USA zeigte jüngst die Ermordung des Aktivisten Charlie Kirk, wohin extreme politische Auseinandersetzungen führen können. Rechts gegen links, Republikaner gegen Demokraten. So unversöhnlich darf es nicht weitergehen, sagen die Braver Angels. Seit 2016 laden sie zu Workshops ein, in denen die Teilnehmenden aktives Zuhören und empathischen Dialog trainieren – um einen respektvollen Meinungsaustausch zwischen den politischen Lagern zu fördern. "Wir motivieren dazu, etwas über die andere Seite zu lernen, auch mal andere Informationsquellen zu nutzen als normalerweise. Sonst bleiben wir in unserer eigenen Welt des Ärgers hängen", sagt Randy Freeman, Moderatorin bei den Braver Angels. "Zu uns kann jeder kommen, sogar Neonazis. Wir müssen miteinander reden."
Durch Verständnis und Toleranz eine Polarisierung gar nicht erst entstehen lassen: Das ist das Ziel der Münchner Initiative Youth Bridge. Sie bringt Jugendliche verschiedenster Herkunft, Muttersprache und Religion zusammen: jüdische und muslimische Studierende zum Beispiel. Wie lassen sich Brücken zwischen den vielfältigen Communities schlagen, wie Hass und Ausgrenzung vermeiden? "Unsere Gesellschaft ist sehr gespalten, jeder zieht sich in seine eigene Bubble zurück", sagt die 18-jährige Muslima Begüm Tan. "Wir müssen uns wieder mehr annähern, auch wenn wir einander nicht immer zustimmen." Youth Bridge bildet die Teilnehmenden zu Multiplikatoren aus, die eigene soziale, kulturelle und mediale Projekte entwickeln, damit die Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander der Menschen sich erfüllt und kein frommer Weihnachtswunsch bleibt.
Bis 20. November 2027 im ZDF streamen
Sonntag, 23.11.2025, 15.30 Uhr, ZDF
RE:TURN – Frauen schützen, Schweigen brechen
Gemeinsam gegen häusliche Gewalt
Film von Lara Bauerkamp und Anna-Maria Brandt
Femizid und häusliche Gewalt sind noch immer gesellschaftliche Tabuthemen. Linda Loran, selbst Überlebende, bricht das Schweigen und zeigt, wie sie ihr Leben zurückgewonnen hat. Musikerin Jennifer Weist, bekannt von der Band "Jennifer Rostock", engagiert sich gegen häusliche Gewalt. Als Host erzählt sie die Geschichten von Betroffenen und ihren Wegen raus aus der Gewaltspirale. Sie schaut auf Schutzkonzepte für Opfer und Hilfsangebote für Täter.
Einst Teenie-Mutter in einer toxischen Beziehung, ist Linda Loran heute Alleinerziehende von drei Kindern, Tik-Tokerin, Model und politisch aktiv. Durch Erfahrungsberichte anderer in den sozialen Medien findet sie den Mut, sich von ihrem Partner zu trennen. Heute nutzt sie diese Plattformen selbst, um über ihre Erlebnisse zu berichten und anderen Betroffenen Hoffnung zu geben: "Vielleicht wird denen ja bewusst, dass sie nicht in einer normalen Beziehung sind. Und vielleicht läuten spätestens dann die Alarmglocken."
Auch Präventionsmaßnahmen sind wichtige Bausteine im Kampf gegen sexualisierte Gewalt. Dabei spielt der Umgang mit Tätern und ihren Taten eine große Rolle. Michael hat in der Vergangenheit selbst Gewalt in Beziehungen ausgeübt. Heute weiß er: "Gewalt beginnt auch schon, wenn ich manipuliere, wenn ich beleidige, wenn ich meine Stimme erhebe, auch sexuelle Gewalt." Durch das Trainingsprogramm von "Man-o-Mann", einer Männerberatung in Bielefeld, lernt Michael, seine Trigger zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und gewaltfreie Strategien anzuwenden.
Spanien gilt als Vorreiter beim Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Noelia París hat den Angriff ihres Ex-Partners überlebt. Heute trägt er eine elektronische Fußfessel, die ihm vom Gericht angeordnet wurde. Der Einsatz von GPS-Technologie sorgt dafür, dass der Abstand zum Opfer gewahrt wird und im Ernstfall schnell eingegriffen werden kann. Noelia París fühlt sich jetzt sicher: "Wenn er mir näher kommt als 500 Meter, alarmiert mich das Gerät und ich bekomme die Nachricht, dass der Aggressor in der Nähe ist. Dann werde ich sofort angerufen und gefragt, ob ich Hilfe brauche." Begleitet wird das Ganze von "VioGén", einem Computerprogramm, welches das Risiko für weitere Gewalttaten berechnet. Dieses übergreifende System hat die Zahl der Femizide in Spanien signifikant gesenkt.
Bis 11. November 2027 im ZDF streamen
Sonntag, 16. November 2025, 15.30 Uhr, im ZDF
plan b: Wenn das Wasser kommt – Lösungen bei Extremwetter
Film von Eva Hoffmann Villena
Meeresspiegel steigen, Flüsse treten über Ufer, fruchtbarer Ackerboden wird bei anhaltendem Regen weggeschwemmt. Das Wetter spielt immer häufiger verrückt und Sturmfluten, Starkregen oder Hochwasser beeinträchtigen zunehmend den Alltag der Menschen. "plan b" begleitet kluge Köpfe, die dem Wasser dank innovativem Küstenschutz, Flussrenaturierung oder regenerativer Landwirtschaft Einhalt gebieten.
Küsteningenieur Oliver Lojek von der Technischen Universität Braunschweig arbeitet an Lösungen, wie Küsten in Zukunft besser geschützt werden können. Bei seiner Forschung an der Küste von St. Peter Ording setzt er vor allem auf die Kraft der Natur, besonders eine kleine Küstenpflanze hat es ihm angetan. Der Strandhafer ist ein wahrer Superheld im Küstenschutz, denn sein Wurzelwerk reicht tief in den Sand und stabilisiert die Dünen. Wie groß der Einfluss von Dünengras auf den Küstenschutz ist, hat Lojek auch im Großen Wellenkanal von Hannover getestet – mit erstaunlichem Ergebnis.
Hochwasserschutz kann auch durch Flussrenaturierung gelingen, indem etwa Überschwemmungsflächen zurückgewonnen werden, das weiß auch Rocco Buchta. Der Ingenieur und Renaturierungsexperte ist an der Havel groß geworden und hat als Kind erlebt "wie dem Fluss die Seele genommen" wurde. Die Havel wurde für den Schiffsverkehr ausgebaut und begradigt, das Wasser durch angrenzende Felder überdüngt. Damals versprach er seinem Opa: "Ich bringe das alles wieder in Ordnung." Heute leitet er das Naturschutzgroßprojekt "Untere Havelniederung". Unter seiner Führung werden Uferbefestigungen zurückgebaut, Flussarme wieder angebunden und Auenwälder aufgeforstet. Bei Hochwasser können sich die Fluten so wieder auf den umliegenden Auen ausbreiten.
Auch die Landwirtschaft hat mit den Folgen von extremen Wetterereignissen zu kämpfen. Deshalb setzt Forstwissenschaftler Philipp Gerhardt auf nachhaltige Landnutzung. Er berät Landwirte, die ihre Äcker mit den Schlüsseltechnologien Agroforst und Keyline Design fit für die Zukunft machen wollen. Agroforstwirtschaft hält Regenwasser zurück, verhindert Erosion und verbessert das Mikroklima. Keyline Design speichert Wasser effizient im Boden.
Die Kraft des Wassers bestimmt auch in Bangladesch das Leben der Menschen. Die Flüsse sind Existenzgrundlage und Gefahr zugleich. Architekt Mohammed Rezwan hat lange nach einer Antwort auf die Bedrohungen durch das Wasser gesucht und eine einfache, wie erfolgreiche Lösung gefunden: ganz besondere Boote. "Ich habe gesehen, wie viele meiner Freunde und Verwandten die Schule wegen des Monsuns und der Überschwemmungen abgebrochen haben. Es war sehr schwer für mich, diese Situation zu akzeptieren." Deshalb entwickelte er schwimmende Schulboote. Die mobilen Klassenzimmer können die Kinder auch in den entlegensten Regionen erreichen. Schwimmende Krankenhäuser und Farmen folgten. Seine preisgekrönte Arbeit erleichtert das Leben von tausenden Menschen.
Bis 16. September 2027 im ZDF-Streamingportal hier verfügbar
Sonntag, 21. Dezember 2025, 15.30 Uhr, ZDF
plan b: Wut - Ihre Macht, ihre Kraft
Buch: Kim Schibilla
Produktion: Februar Film GmbH
Redaktion ZDF: Christian Dezer, Caroline Wiemann
Wut ist allgegenwärtig. Sie kann eskalieren und zerstören. Doch Wut lässt sich beeinflussen und auch positiv einsetzen. Der Psychologe Lukas Klaschinski nähert sich der Wut aus verschiedenen Perspektiven und beleuchtet auch den wissenschaftlichen Stand zum Thema.
Jeder wird mal wütend, das ist ganz natürlich. Aber Wut kann auch zur Gefahr werden. Das Gute: Niemand muss sich von ihr bestimmen lassen. Ein Besuch in der Charité Berlin zeigt: Das Gehirn kann trainiert werden wie ein Muskel und damit auch die Kontrolle über die Wut.
Alex (Name geändert) war jahrelang in der Fußball-Ultraszene aktiv und ist dort immer wieder gewalttätig geworden. Jetzt steht er wegen zwei Vorfällen vor Gericht, muss vielleicht für mehrere Jahre ins Gefängnis. Doch der junge Mann will sich ändern. Von der Ultraszene hat er sich losgesagt und sucht nun Hilfe bei einem Verein, der Männern wie ihm hilft: In der Sozialberatung Stuttgart lernt Alex, einen gesunden Umgang mit seiner Wut zu finden. Seit über 15 Jahren bietet der Verein ein Antiaggressivitätstraining nur für Männer an, 200 Teilnehmer haben es schon erfolgreich abgeschlossen. Wird Alex den Weg aus der Gewalt schaffen?
Es gibt auch Menschen, die ihre Wut nicht genug zum Ausdruck bringen können. Das kann ebenfalls zum Problem werden und sogar krank machen. Gerade Frauen wird gesellschaftlich oft antrainiert, nett und ruhig zu sein statt aufbrausend und wütend. Katrin ist vierfache Mutter und weiß im Alltag oft nicht wohin mit ihrer Wut. Zu lange unterdrückt sie ihre Gefühle, um als Mutter zu funktionieren – und schließlich platzt die Wut zu stark aus ihr heraus. Ihr Wunsch ist es, einen Weg zu finden, ihre Wut früher zuzulassen und ihr einen Platz im Alltag einzuräumen. Um das zu lernen, gibt es sogenannte Wutseminare, speziell für Frauen. Hier lernt Katrin neue Wege der Wutbewältigung.
Besonders ungehemmt ist Wut dort, wo viele täglich unterwegs sind: im Internet. Im schlimmsten Fall in Form von Shitstorms, massenhaften Beleidigungen. Besonders oft sind die Opfer Frauen. So wie die Schwimmweltmeisterin Angelina Köhler (24). Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 belegte sie – entgegen allen Erwartungen – nur den vierten Platz, warf der Drittplatzierten in einem Interview indirekt Doping vor und wurde daraufhin mit Wut und Hasskommentaren regelrecht überschwemmt. Diese traumatische Erfahrung hängt ihr bis heute nach. Angelina Köhler war der Wut allein ausgesetzt, dabei gibt es Organisationen, die Menschen wie ihr helfen. HateAid in Berlin vertritt Opfer digitaler Gewalt in Beratungen und vor Gericht.
Wut ist keine reine Privatangelegenheit. Auch die Wut auf die Politik, auf gesellschaftliche Missstände wächst. Das kann gefährlich werden: Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist in den letzten Jahren rapide angestiegen. Politische Wut kann aber auch dazu beitragen, Dinge zum Guten zu verändern. In Spanien liegt ein Schiff, dessen Besatzung genau das tut. Die Hilfsorganisation Sea-Watch rettet seit 2015 im Mittelmeer Menschen auf der Flucht, die in Seenot geraten. Die Deutsch-Marokkanerin Eliora ist seit anderthalb Jahren bei der Hilfsorganisation. Sie hat gelernt, ihre Wut in etwas Positives umzuwandeln: Sie rettet Leben.
Lukas Klaschinski (Jahrgang 1983) ist Psychologe, Buchautor ("Fühl dich ganz") und Podcaster ("So bin ich eben"). Neben einem Volontariat bei einem Berliner Radiosender absolvierte er ein Psychologie-Studium an der Universität Potsdam. Aktuell ist er mit seinem Bühnenprogramm "Psychospiel" auf Live-Tour. Lukas Klaschinski präsentiert komplexe psychologische Inhalte wissenschaftlich fundiert, aber zugleich verständlich und unterhaltsam. Er verbindet dabei Fachwissen mit persönlicher Erfahrung und macht Psychologie für sein Publikum anschaulich.
Fotos sind erhältlich über ZDF Presse und Information, Telefon: 06131 – 70-16100, und über https://presseportal.zdf.de/presse/return
Kontakt:
Name: Magda Huthmann
E-Mail: huthmann.m@zdf.de
Telefon: +49 6131 ‒ 70-12149
Name: Christina Betke
E-Mail: betke.c@zdf.de
Telefon: +49 6131 ‒ 70-12717
Impressum
ZDF-Hauptabteilung Kommunikation
Verantwortlich: Alexander Stock
E-Mail: pressedesk@zdf.de
© 2026 ZDF